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vl-wehren, uns an ihrer Schönheit zu freuen.

Da leuchtet Has kräftige und doch so sanfte Blau ör Kornblume, dort flammen auf schwankem Sten- gi die feurigen Blüten des Mohnes auf. Ihnen gneUen sich die weißen, zart rosa angehauchten Mten der Winde zu und die des stolzen, in violette Pacht gekleideten Rittersporns. In kräftigem Gelb utb Weiß erscheinen die heilkräftigen Kamillen, in triftem Rot mit weißem Stern die Kornraden. 6 ie besondere Freude und auch von Bauern ohne 11 mut gesehen sind die Blumen, wenn sie ganz aßen am Rande des Feldes stehen, so daß wir o!'ie einen j)alm zu knicken uns einen Strauß da- «n pflücken und mit nach Hause nehmen können. Freilich will die Kunst verstanden sein. Langstielig Nissen wir die Blumen brechen und leicht und luftig, fei kunstlos zusammenfügen.

Int) was kann uns der Feldblumenstrauß nicht

9eh'.

Men, daß die Blumen im Acker Unkraut bedeuten, linnen wir unseren Augen und Herzen doch nicht

Sir. 160 Zweiter Blatt

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Aus der Stadt Gießen

Unsere Feldblumen.

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Io rhunderts, schreibt in seinem Kräuterbuch?Das Ri ntlein ist also lustig blau gefärbt, daß es auch hem Gesicht ein freud geben, daslelbia bekräftigen inr stärken, so oft man es ansieht. Derenthalben : fcemi die geleerten, do ire äugen hefftig brauchen eir studieren, dieses Kraut hoch in eeren haben, . iev loun ufshenken am ort, wo sie studieren, damit sie ' Föhnes stätig im gesicht haben." Und Popp meint?

^,Gnn Wasser auß diesem Blümlein deltilirt (das- feije in die Augen getan) sterket das Gesicht und verreibt die Röthe in den Augen, nimbt hinweg dii Geschwulst: stillet das fließen und rinnen der :Oliven. Am Tage Johannis des Täuffers pflogen rii Leute einen Kranz aus diesen Blumen zu timen und in die Stuben zu henken, daß sie den- tyten stetig vor Augen haben, damit ihr Angesicht enterten und zu leutern."

' nverminderter Wertschätzung als Heilpflanze irfieut sich die häufig vorkommende Kamille. Die Si-mze enthält ein ' stark duftendes, wertvolles

«gen. Es gibt keinen schöneren Anblick als ein im Aiinde auf und nieder wogendes Roggenfeld, dessen Unsren sich täglich schwerer neigen von der Frucht, bi unser künftiges Brot ist. Hier und da aber wird di einfarbig ernste Fläche des Aehrenmeeres von ehern bunten Farbfleck unterbrochen Obwohl wir

lni jno was rann uns oer yeiuDiuinenjuuun '5 Ä2s erzählen! Da ist zunächst die Kornblume, die

' ei st mit den Kreuzfahrern zu uns gekommen ist I «ui> Griechen und Römern noch unbekannt war. uGnon im 16. Jahrhundert erfreute sie sich so großer jy ' Wiebtheit, daß sie hier und da von unternehmen- S dn Händlern sogar in den Gärten gezogen wurde. irpi 2 s reine und kräftige Blau der Blüten bewog Menschen, sie zum Symbol der Treue und Be- !stndigkeit zu erwählen.Blaue Blüte, Bild der n E. 22ue" sagt deshalb Rückert von ihr. Freilich wird mir fr* schöne Blau leicht von der Sonne gebleicht, und übi-.irum galt die Kornblume früher oft auch als -Ax Zichen der Veränderlichkeit und des Wankelmutes, eiten Unvergleichlich schön ist die Feuerblume des e^.Dhns, diese herrliche Blüte der Vergänglichkeit. d»ii M echen und Römer weihten sie ob ihrer vielen M ^Füchte als ein Sinnbild der Erde Und ihrer E i > Fruchtbarkeit der Demeter. Sie hatten aber auch Juli K mtnis von ihrer einschläfernden Wirkung, wes- bi5; sie durch die Früchte des Mohnes den Schlaf fvibolifierten und dem Gott Morpheus diese Blu- trn und ihre Früchte als Attribut verliehen.

W Der weniger prunkenden'Kornrade schrieben die der ^E'echen mancherlei heilsame Kraft zu, das Mittel- rpilec r aber sah in den roten zungenförmiaen Bla« erk- rnnblättern leckende Flammen und beschuldigte die le [, .R7>e, den Brand im (Betreibe zu verursachen. ßtn t Mmn ein Mensch das Kraut längere Zeit betrach- M kei so sollte er Augenschmerzen bekommen, wirr . §Q. w den und schließlich umfallen. Dem Bauern ist ,bi< Kornrade besonders zuwider, da ihre Samen, . c/.M sich nur schwer aus dem Getreide entfernen Ia:2n, für Menschen und Vieh schädlich sind. In t gingen Gegenden wird die Rade trotz ihrer giftigen ^.^fMgenfchaft zur Liebeswerbung benutzt, indem der ^^,Di-sche seiner Auserwählten ein Wepelrod. das ist --cii aus Weidenruten geflochtenes und mit Obst und Aivenblüten verziertes Rad, ins Haus wirst.

i Nicht so häufig wie die vorgengnnten Blumen fr et sich der Rittersporn im Felde Wegen seiner Hrchtigen und beftänbiaen blauen Farbe galt er teren Vorfahren als ein vorzüaliches Augenmittel, stk alte Vater Brnnfels, ein Botaniker bes 16.

[? Auf ben Feldern reift das Korn der Ernte ent-

5 CC<-, «ik* Painon frknnoron Ofnhlirf nie »in im

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Dienstag, 8. Zull Ml

Fleisch ohne Knochen.

Was die Hausfrau beim Fleischeinkauf wissen muß.

Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: In manchen Metzgereien fand man früher an der Wand hängend folgenden Spruch vor:Das Tier hat Fleisch und Bein und braucht sie beid' zum Laufen, drum kann ich auch mein Fleisch ohne Knochen nicht verkaufen." Das ist nun allerdings eine Tatsache, die nicht in Abrede zu stellen ist. Auch die höchsten Fortschritte der Züchtung werden nie ein reines Fleischtier ohne Knochen, wie es etwa dem Schlaraffenland entsprechen würde, heraus­bringen. Daraus erklärt sich die Bestimmung, daß Fleisch grundsätzlich mit eingewachsenen Knochen zu verkaufen ist.

Kaust nun eine Hausfrau Fleisch, das handels­üblich ohne Knochen verkauft wird, wie z. B. Schnitzel, Filet, Roastbeef, Gulasch, Rouladen, Hackfleisch, Hackepeter, Gehacktes, so ist auf Ver­langen des Käufers eine Knochenbeilage beizu­fügen, die gesondert zu wiegen und zum Knochen­preis zu berechnen ist. In der Praxis darf diese Knochenbeilage bei Schweinefleisch 20 v. H., bei Rindfleisch 25 v. H., bei Kalbfleisch 30 v. H. der auf den Kartenabschnitt abzugebenden Fleischmenge nicht überschreiten.

Wünscht die Hausfrau aber Fleisch ohne Knochen,

so ergibt sich in der Praxis eine Regelung, nach der abzugeben sind:

Für 500 g knochenfreies Schweinefleisch Fleisch­karten für 600 g, für 500 g knochenfreies Rind­fleisch Fleischkarten für 625 g, für 500 g knochen- freies Kalbfleisch Fleischkarten für 650 g.

Diese Handhabung errechnet sich aus der Bestim­mung, daß für Fleisch ohne Knochen bei Schweine­fleisch 20 v. H., bei Rindfleisch 25 v. H., bei Kalb­fleisch 30 v. H. mehr Fleischkarten abzugeben sind, als Fleisch gewünscht wird.

Für das Hammelfleisch gilt die Regelung, daß es nur mit eingewachsenen Knochen abgegeben werden darf.

Wenn man sich mit diesen Bestimmungen ver­traut macht, dann hat man bei jedem Einkauf aanz klare Verhältnisse vor sich und kann sich entspre­chend auf sie einstellen. Nachdem die Prdise für knochenfreies Fleisch festgesetzt sind, können auch in dieser Richtung keinerlei Zweifel auftreten. Vor­herige Unterrichtung über die maßgebliche Bestim­mung führt immer zum reibungslosen Einkauf und zu guter Zusammenarbeit zwischen Verteiler und Verbraucher.

Alle Volksgenofsen im Kriegs-Arbeitseinsatz

Großzügige Aichtanrechnung von Arbeitsverdienst auf Renten.

Wie der Reichsarbeits- und der Reichstnnenmini- ster in einem gemeinsamen Erlaß betonen, stellen sich in zunehmendem Maße Kleinrentner, Sozial­rentner und andere alte ober erwerbsunfähige Volksgenossen, die nach den Reichsgrundsätzen der öffentlichen Fürsorge den Kleinrentnern gleichstehen, für den Arbeitseinsatz zur Verfügung, um mit ihrer Arbeitskraft zur Erfüllung der Kriegsaufgaben und damit zum deutschen Siege beizutragen. Dieses Be­streben von Volksgenossen, di§ meist schon ein lan­ges Arbeitsleben hinter sich haben und infolge der in der Systemzeit erlittenen Vermögensverluste auf die öffentliche Fürsorge angewiesen sind, verdient, wie der Erlaß der Minister erklärt, volle Anerken­nung und Förderung, zumal es besondere Bedeu­tung für die zusätzliche Gewinnung von 'Arbeits­kräften hat. In der Invaliden-, der Angestellten- und der -knappschaftlichen Pensionsversicherung gilt der Grundsatz, daß eine wegen Invalidität (Be­rufsunfähigkeit) gewährte Rente nicht deshalb ent­zogen werden ober ruhen barf, weil der Berechtigte währenb des Krieges erneut eine Tätigkeit aus- übt. Ebenso wirb bie Altersrente Ruhegelb, Alterspension neben einem Arbeitseinkommen ungekürzt weitergewährt. Auch bas Fürsorgerecht enthält Vorschriften, die ben Arbeitseinsatz ber Kleinrentner, Sozialrentner unb ber ihnen Gleich- stehenben erleichtern. Die Kriegsverhältnisse verlan­gen es, so sagt ber Erlaß, baß bie Fürsvrgever- bänbe ben Arbeitsverdienst ber Rentner in noch größerem Umfang anrechnungsfrei lassen, als bi es in ben auf bie Verhältnisse ber Vorkriegszeit abge­stellten Fürsorgevorschriften vorgesehen ist. Um ein

gleichmäßiges Vorgehen zu sichern, bestimmen bie Minister für bie Dauer des Krieges folgendes:

Bei Kleinrentnern, Sozialrentnern und Gleichge­stellten, die das 70. Lebensjahr vollendet haben und bisher von der öffentlichen Fürsorge betreut wurden, ist der Arbeitsvg.rdienst in voller Höhe außer Ansatz zu lassen. Im übrigen darf bei Kleinrentnern, Sozial­rentnern und Gleichgestellten der Arbeitsverdienst mindestens insoweit nicht angerechnet werden, als er die Hälfte des für die Familiengemeinschaft bzw. Haushaltsgemeinschaft unter Berücksichtigung der vollen Wohnungsmiete berechneten Bedarfssatzes nicht übersteigt. Von dem Mehrverdienst darf nicht mehr als die Hälfte angerechnet werden. Diese Mindestgrenze ist, gegebenenfalls bis zur Nicht­anrechnung des gesamten Arbeitsverdienstes, zu Überschreiten, soweit dies zur Vermeidung von Här­ten geboten erscheint. Das gleiche gilt für die An­rechnung des Arbeitsverdienstes nichtunterstützter Haushaltsangehöriger. Die Entscheidung darüber, wie weit Arbeitsverdienst unberücksichtigt blbibt, steht allein dem Fürsvrgeverband und im Be­schwerdefalle der Aufsichtsbehörde zu. Deshalb müs­sen die Volksgenossen, die Fürsorgeleistungen in Anspruch nehmen, weiterhin dem Fürsorgeverband die Höhe ihres Arbeitsverdienstes und jede Aende- rung wahrheitsgemäß anzeigen. Endlich bestimmt der Erlaß, daß bei der Heranziehung von Ange­hörigen ber Kleinrentner usw. zu Unterhaltsbei­trägen während des Krieges besonders zurückhal­tend zu verfahren ist. Alle diese Erleichterungen gelten auch bei der gehobenen und sozialen Für­sorge für Beschädigte und Hinterbliebene des Welt­krieges und Opfer des gegenwärtigen Krieges.

ätherisches Del. Die Blüten werden getrocknet, als Tee gegen Krämpfe getrunken und als Mund- und Zahnwasser.gebraucht. Sie werden auch bei vielen inneren Schmerzen in Säckchen aufgelegt. C. K.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Gloria-Palast (Seltersweg):Der Postmeister". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Der Kleinstadt- poet".

Gießener hochschulgesellschaft.

Am nächsten Samstag, 12. Juli, findet im Sitzungssaal des Landratsamtes in Gießen die Hauptversammlung der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgesellschaft) statt. Im Anschluß an die Hauptversammlung wird der Direktor des Botani­schen Instituts, Prof..Dr. Küster, im Hörsaal sei­nes Instituts einen Vortrag überProbleme der erperimentellen Zellforschung" halten, hierauf wird ein Rundgang durch den Botanischen Garten folgen.

Lichtspielhaus:Der Kleinstadtpoet".

Aus dem RomanVerkannte Bekannte" von Wilhelm U t e r m a n n haben H. W. Becker und ber Autor einen Film gemacht, bem man feine Herkunft anmerkt, unb ber roieber einmal an bas oft erörterte Drehbuch-Problem erinnert, insbeson­dre auch an bie grunbsätzlich nicht aus ber Welt zu schaffenben Unterschiebe zwischen einem Roman unb einem Filmmanuskript. Es entstaub eine Klein- stabtposse, ein halb grotesk-komischer, halb ibyllischer Sturm im Wasserglase, ben bas ungewöhnliche Phänomen eines poetisch angehauchten Stabtsekre- tärs entfacht, bies in Einzelheiten auszumalen, ist hier nicht ber Ort: bie Jugenbstilranken, bie ben Textvorspann einrahmen, bezeichnen bie Zeit unb bie Atmosphäre, bie hier gemeint waren, mit völ­liger Treffsicherheit. Die Spielleitung (Josef von B a k y) verzichtete auf bösartige Satire, zielte auf harmlosen Spaß unb naheliegenbe Publikumswir­kung Die Darstellung bringt eine Reihe vergnügt-

Frauen stehen ihren Mann.

Im Jahre ber Entscheibung summt bie Zahl ber Frauen, bie sich für ben Kriegseinsatz zur Verfügung stellen, weiter zu. Keine deutsche Frau, die Achtung vor sich selbst Hut, steht abseits. Jede Arbeitskraft wird gebraucht und sei es auch nur in Halbtagesarbeit. (Aufnahme: Aloys Kern, Frankfurt a. M. jDAF.j)

verschollener Typen: Paul K e m p in der Titelrolle, ein ängstlicher Subalternbeamter, dem sein poetischer Drang die Grundlagen bürokratisch-kleinbürgerlicher Existenz erschüttert; Wilfried S e y f a r t h , ein drol­liger Barbier mit erstaunten Kulleraugen (er spielte neulich ben Dummbach in ber Berliner Jubiläums- auffühung besDatterich"); Georg Alexander, ein preußisch-schnoddriger, schwerenäterhafter Asses­sor; Hilde Hildebrand, die scharmante und ko­kette Tänzerin Elvira; Brausewetter, ein Redak­teur wie aus FreytagsJournalisten"; Edith O ß als schnippische Lisette. Leibelt als jovialer Landrat; bie Gießener werben mit Lubwig Linkmann (Uhrmachermeister Klemke) Wiebersehen feiern. (Ufa.) Die hochaktuelle Wochenschau mit erregen­den Aufnahmen von ber Front im Osten würbe schon besprochen. Hans Thyriot.

50 Jahre Gail'sche Tonwerke

Im Rahmen eines feierlichen Betriebsappells in bem festlich geschmückten neuen Gemeinschaftsraum beging bie Firma Wilhelm Gail' sch e T o n - werke AG. Gießen am Sonntag ihr 50jähriges Bestehen. Mit bem Firmeninhaber Dr. jur. Gail und seiner Familie sowie sämtlichen Angestellten und Arbeitern des Werkes vereinigten sich die Ver­treter der in Gießen wirkenden Dienststellen für die Aufsicht bzw. Betreuung des Betriebs zu der Feier­stunde.

Nach Eröffnung des Betriebsappells durch den Betriebsführer Direktor B r e i t h e r gab der Fir­meninhaber Dr. Gg. Gail einen kurzen lieber» blick über die Entwicklungsgeschichte des Unterneh­mens, wobei er auch der bereits verstorbenen und der im Weltkrieg gefallenen Mitarbeiter besonders gedachte und allen Gefolgschaftsmitgliebern für ihre

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llisieht und herüberdroht.

Das Abendfenster

Von Hedwiq Forstreuter.

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Jöas Fenster öffnet sich nach dem Westen. Es eit hinaus über Gärten und Felder und zeigt trüber in einem großen Rund ein weites Stück hmmel. Zu allen Tageszeiten ist der Ausblick rtiiDoIl, frühmorgens schwebt noch Dunst am Hon- »rti; die Linie des Hügels, der hinter dem alten li-m steht, ist blau verschwommen, und bie Um» nfc ber Baumkronen an ber Landstraße wölben fd sanft aus bem Duft hervor. In ben kleinen Gar­in arbeiten schon bie Besitzer, sie halten zunächst Irjschau nach ben Fortschritten bes Wachstums?, he nehmen bie Strohmatten von ben Frühbeeten. - u. ie.en bie Fenster auf unb sind sehr geschäftig. Auch Dru^. 4 die kleine Wiese, durch die sich ein heller fflfab ini ein Bach schlängelt, ist es schon lebendig. Ka- mchenbesitzer sicheln Grünfutter für die vielen Tir merfatten schnuppernden Insassen ihrer Stalle, tu leider verirrt sich auch mancher dieser Futter- sDenden in das Luzernenfeld neben der strotzen JHnerei, bis der alte Gärtner von feiner Arbeit

*Im Grabenrand weiden Gänfe unter der Obhut i;n:5 halbwüchsigen Mädchens im Blaudruckkleid. bi hält in der Hand eine lange Gerte und treibt iji Schützlinge dahin, wie das Mädchen im Mär- vorn Machandelbaum Die Gänse geben sröh- hfe, Helle Laute von sich nach Art des jungen Ge- 'u,els. Das klingt in der Morgenfrsihe wie ein j-j co*gefang des Lebens. Schulkinder flitzen auf ihren ^öern vorbei. *

Im schönsten aber wird das Bild, wenn in den Tiden Nachmittagsstunden bis zum Abend die 5iitne voll über ber Landschaft steht. Dann leuchten in Farben in den Gärten auf, die Wiesen strahlen ti zarten Grün, und auch die Hügellandschaft m n Ferne zeigt sich nicht mehr in blauen Dunst- inven, sondern im Smaragd des Sommers. Holun- ...... " ** : Blüten wie eine

fU**- k uu<ri, lunuern rin öhiului<u * ZM dusche prangen im Blust ihrer ...

i&'Ä' ^tar jungen Volkes, in Schleiern. Dies Weiß quillt

iSn !

da und dort zwischen den Bauerndächern auf. Es chäumt über die Zäune, und in ben Gärten schim­mert dazwischen schon bas Golb ber Lindenblüten. Die Wolken am Abendhimmel ziehen sicy lang hin wie Barken, bläulich und zartgrau auf weißem Grunde. *

Jn ben kleinen Gärten gehen bie Pumpen- schwengel in eintönigem Rhythmus, bie Wege wer­den geharkt, und bie gebrauchten Geräte stehen schön aus-gerichtet an ben Schuppenwänden. Auf ben niebrigen Laubendächern putzen die Tauben ihr Ge­fieder,' schweben auf, sammeln sich unb ziehen die letzten abendlichen Kreise über ber stiller geworbe­nen Gartenwelt.

Aus ber Richtung ber Stabt, von den Haltestellen ber Bahnen unb Omnibusse her, kehren bie berufs­tätigen Frauen unb bie Väter nach Hause. Die Taschen und Aktenmappen schwingen fröhlich in ihren Händen, und von den Baikonen aUs ber Ferne beugen sich schon erwartungsvoll ausichauende Kinderköpfe. Noch steht die Sonne hoch unb spiegelt sich im Asphalt ber Lanbstraße. Wenn bas Abenb- rot bie Wolken tönt, kommen aus den ferner liegen» ben (Bärten bie Leute heim mit gefüllten Körben und Rucksäcken; sie gehen schwer wie Landarbeiter, die ein langes Tagewerk hinter sich haben. Doch ihre Gesichter sind rutzig und froh. Sie tragen in ihnen noch ben Abglanz ber Stille unb Frische, aus der sie kommen, unb als ein Symbol bieses grünen Reiches halten sie in ben Hänben blühende Zweige oder Sträuße. Wie sie so bedächtig baherschreiten. Frauen mit Kindern ober ältere Leute in nicht sehr mobischen Kleibern, wirken sie so gesammelt in üch wie aus mittelalterlichen Bildern gestiegen. Und zeitlos groß unb ernst steht über ihnen bas Halb­rund bes Himmels; durch eine Wolkenburg brechen in fünf Stufungen schräge Strahlen milchigen Lichtes bie wie Treppen zur Erbe führen, als schwebten, unseren Augen unsichtbar, geflügelte Boten bort auf unb nieber, Sänftigung. Trost und Frieden auf die zerrissene Welt herabzutauen.

Mirzerl.

Von Paul EiPPer.

Die bankbare Anhänglichkeit sogenannter wilber Tiere ist zuweilen von erftaunlid) langer Dauer. Ich kenne eine gerabezu rührenbe Tierfreunbschaft in ber schönen, grünen Steiermark. Da steht am Walbrande abseits von jedem Durchgangsver­kehr ein Bauernhaus, das die Heimat ober wenig­stens bie Schlafstätte einer Rehfamilie geworben ist.

Es fing bamit an, baß ber Bauer ein befonbers schwächliches, zurückgebliebenes Rehkitz an einem rauhen Herbstmorgen verlassen aufsanb unb nach Hause brachte. Der schon fast achtzig Jahre alte Großvater pflegte bas Tierchen in seiner kleinen, warme« Stube. Mirzerl mürbe gesund und kräftig und schlief den ganzen Winter Nacht für Nacht vor des Alten Bett.

Im Frühjahr verschwand das nun ziemlich er­wachsene Wildtier, kam jedoch allabendlich zum Bauernhof zurück, verzehrte die gewohnte Milch­suppe und legte sich ganz selbstverständlich auf seinen angestammten Schlafplatz.

Wer hätte das gedacht ein Jahr darauf brachte Mirzerl an einem schönen Svmmerabend zwei weiß- gesprenkelte Kitze mit, nachdem sie zuvor drei Nächte lang ihr Hausquartier nicht bezogen hatte. Nun schmeckte natürlich die Milchsuppe besonders gut. Und weil die junge Tiermutter soschöne Augen" machte, ließ es der Großvater schmunzelnd geschehen, daß sie auch seinen Teller heimsuchte und gänzlich sauber leckte.

Jahr um Jahr wiederholte sich das gleiche Schau­spiel. Im Frühsommer erschien Mirzerl mit zwei ober auch mit brei Jungen, bie sie offenbar nahe beim Haus in einem Walbgraben zur Welt brachte unb halb nach ber Geburt, noch steifbeinig unb un­beholfen, aber mit sichtlichem Stolz dem Großvater vvrführte Die Gemeinschaftsbesuche bauerten bis in den Herbst, bann pflegten sich bie Jungen selbstänbig ,3U machen, unb Mirzerl kam ben Winter über allein auf ihre Schlafstelle.

Es leben auch drei mittelgroße, gelbe Gebirgs­

hunde auf dem Hof, die weidmännisch abgerichtet sind und den Jungbauern auf der Jagd zu begleiten haben. Zu Haus halten sie einträchtig Frieden mit der Rehgeiß Mirzerl, die ohne Scheu zwischen den Hunden nach Großvaters Stube spaziert. Waldi, der frechste von den Jagdhunden, beschnuppert manch­mal eines der Sommerkitze; aber dann steht auch schon die Rehmutter neben ihm, bereit auf alle Fälle. Geschehen ist noch nie etwas Schlimmes. Die Hunde achten das Hausrecht und die Zugehörigkeit dieser einen Rehfamilie.

Dennoch entstand für Mirzerl in einem Sommer schwerer Kummer. Sie hätte eigentlich schon längst wieder ihre neuen Kinder bringen müssen. Aber noch kam sie Abend für Abend allein. Doch eines Abends lockte das Mirzerl den Großvater deutlich aus der Stube. Sie lief ein paar Schritte vor, kam zurück, miefte klagend, und endlich begriff, ber alte Mann. Sv führte ihn Mirzerl nach bem Walde zu der Wochenstube im Graben. Da lagen zwei winzige Kitze, steif und tot. Der Großvater nahm sie hoch, trug sie zum Bauernhause, unb hinterdrein trollte bas große Reh, bas nun in seinem Kummer sofort ben Schlafplatz aufsuchte, zärtlich gestreichelt von ben Greisenhänben.

Da« kleinste Buch.

Wie winzige Bücher früher als Spielereien auf ben Markt gebracht wurden, zeigt eine Anzeige vom Jahre 1817, in ber bie Leipziger Buchhandlung von Th. Seeger zum Preise von 36 Kreuzern einen Almanach für das Jahr 1818" mit sechs Vignetten ankündigt. Von dem Büchlein heißt es:Dieser außerordentlich kleine Almanach ist mit einer Stahl­feder auf' Stein gezeichnet und enthält außer den Namenstagen das Alter der größten und der be­deutenderen Regenten^ Es hat die Größe 14:11 mm, und ungeachtet auf jeder Seite 16 Zeilen stehen, so ist die Schrift deutlich zu lesen Ein allegorischer Umschlag unb golberter Schnitt zieren bas kleine Buch, welches als Bijou häufig in Golb gefaßt ist unb bei Damen einer freundlichen Aufnahme sich zu erfreuen hat." C. K* _