Ausgabe 
8.3.1941
 
Einzelbild herunterladen

e rk. Inwieweit dies bisher geschehen ist, fi hlenmäszige Ueberblick, der die Verhältnis

w

Rohstoffe aus -en Schlachtungen.

Sine Unterredung mit -em Direktor -es Gießener Schlachthofes

Alle diese Probleme bedingen eine laufende be» rufserzieherische Betreuung durch die Deutsche Arbeitsfront im Berufserziehungs' " ' ^oU der

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen fragen!

Das Deutsche Berufserziehungswerk im Kriege.

Rückblick und Ausblick in Gießen. Neue Maßnahmen zur beruflichen Leistungssteigerung.

Vom KreiSborufSwalter Müller, Deutsche Arbeitsfront KreiSwaltung Wetterau, Gießen.

öffentlichen und privaten Lebens im bisherigen Reichsgebiet. Alle in Angriff zu nehmenden Aufbau» und Ausbauarbeiten erfordern die Mobilisierung ber letzten Leistungsreserven. Reserven an Menschen sind nicht mehr vorhanden, vielmehr besteht fühl» barer Mangel an Arbeitskräften, was bewirkte, baß letzt schon eine große Anzahl ausländischer und fremostämmiger Arbeitskräfte im Reich beschäftigt sind. Diese ausländischen und fremdstämmigen Ar» beitskräfte, die auch in Zukunft in mindestens dem» selben Matze beschästigt werden, sollen dem deut» schen Arbeiter untergeordnet sein, d. h.. datz der deutsche schaffende Mensch die Quali­tätsarbeit verrichtet, während der fremde Arbeiter ihm für Hilfsdienste untersteht. Notwendig ist dann allerdings, datz der deutsche schaffende Mensch leistungstüchtig ist. datz er vom Hilfsarbel» ter zum Facharbeiter, mindestens aber zum ange­lernten Arbeiter aufrückt.

Die Verwertung der Abfallstoffe bei den Schlachtungen erfolgte noch bis vor einigen Jahren nicht in der Weise, die vom gesamt­wirtschaftlichen Standpunkt aus dringend wünschenswert gewesen wäre. Zum Teil wurden die Abfallstoffe sogar geworfen. Dm Rahmen der Di

zahlenmäßige Ueberblick. der die Verhältnisse im Kreis Wetterau darlegt, vermitteln, während in weiteren Ausführungen die für das Sommer­halbjahr geplanten Maßnahmen den Schaffenden des Kreises Wetterau zur Kenntnis gegeben werden sollen.

Vei Erkältung, Grippegesahr

ist es abwegig, den geschwächten Organismus durch Trinke.i größerer Flüssiakeitsmengen. die nicht selten dem Herzen abträglich sind, auch noch anzustrengen. Unschädlich und doch wirksam ist aber folgende be­währte Kur: 12 Eßlöffel Klosterfrau-Melissenge.st und 12 gestrichene Eßlöffel Zucker mit etwa der hoppelten Menge kochenden Wassers gut verrühren. Diese Mischung sofort nach dem Zubettgehen mög» llchst heiß trinken und dann schwitzen. Wenn not« wendig, wird diese Anwendung 1- bis 2mal wieder­holt. Zur Nachkur und um Rückfällen entgegenzu- wirken, nehme man noch einige Tage, und zwar 2- bis 3mal täglich, besonders abends, einen Teelöffel Klosterfrau-Melisfengeist in einer Tasse Pfefferminz« oder anderem Tee.

Machen auch Sie einmal einen Versuch! Den be­kannten Klosterfrau-Melissengeist in der blauen Packung mit den drei Nonnen erhalten Sie bet Ihrem Apotheker oder Drogisten und in Reform­häusern in Flaschen zu RM. 2,80, 1,65 und 0,90 (Inhalt: 100, 50 und 25 ccm). Vergessen Sie ihn nicht bei Ihrem nächsten Einkauf! Die Wirkung von Klosterfrau-Melissengeist wird Sie gewiß befrie­digen.

gemeinschaften für taufm. und techn. Iunggehllfe» und Lehrlinge u. a. m.

Im Sommerhalbjahr 1941 sollen wieder neue Lehrgemeinschaften, Aufbaukameradschaften und Arbeitsgemeinschaften in verstärktem Matz« eingesetzt werden. Für die GruppenHandel* Eisen und Metall" und insbesondereBau" ist eine Erweiterung und ein Ausbau der bisher durchge- führten Maßnahmen ins Auge gefaßt. Besondere Maßnahmen, wieVom Hilfsarbeiter zum Polier* Dom Hilfsbuchhalter zum Bilanzbuchhalter .Dom Schreiber zum Korefpondenten" undVom Hilfs» arbeiter zum technischen Zeichner" werden ein» gesetzt. In diesen Berufserziehungs» und Förde» rungsmatznahmen werden die Hilfskräfte, die die geistige und charakterliche Voraussetzung mitbrin» gen, in ihren Kenntnissen und Fertigkeiten soweit gebracht, daß sie für qualifizierte Arbeiten auf dem entsprechenden Sektor eingesetzt werden können. Dies gilt besonders für die Bauberufe, denn hier ist fühlbarer Nachwuchsmangel in den letzten Iah, ren aufgetreten. Für die in Zukunft zu erwarten­den großen Bauvorhaben hier sei nur wieder an den großzügigen Wohnungs- und Siedlunar­bau nach dem Kriege gedacht müssen Fachkräfte in ausreichender Zahl vorhanden sein, und diese können wiederum nur aus den Reihen der Hilfs­kräfte herangebildet werden. Es wird mit eine der Aufgaben der Baubetriebe fein, hier helfend and unterstützend einzugreifen und, wenn es geht, selbst Maßnahmen zu ergreifen, die den Facharbeiter­mangel in den Bauberufen beseitigen helfen.

(Schluß folgt!)

diese im Betrieb sofort praktisch anwenden zu kön­nen. Als Uebungsleiter stehen zum grötzten Teil Be- triebspraktiker zur Verfügung, Schon hierdurch ist die praktische Unterweisung garantiert.

Bisher wurden im Berufserziehungs­werk, Uebungsstätte Gießen, berufliche Förderungsmaßnahmen für die GruppenHandel", Elfen und Metall",Elektro- und Rundfunktech­nik^,Verkehr",Buchdrucker" und .Hausgehilfin­nen durchgefübrt. Erwähnt feien insbesondere Oie Lehrgemeänschaften und Aufbaukameradschaften in Kurzschrift" undMaschinenschreiben",Gutes Deutsch",Buchführung", sowohl doppelte als auch einfache Buchführung,Unternehmung und Steuern . Techn. Zeichnen"^.Techn. Rechnen",Elektrotech­nik",Rundfunktechnik",Mathematik", Förderlehr«

iufl dringe! J. Zum T, , ,, , u nutzlos weg- lahmen der Dierjahresplan- wirtschaft mit dem Ziel, alle Rohstoffquellen nn Lande bis zur letzten Möglichkeit auszu­nutzen, trat auch in der Verwertung der Ab­fälle bei den Schlachtungen ein grundlegender Wandel zum Besseren ein. lieber die Verwer­tung dieser Nebenprodukte haben wir uns mit dem Direktor des Gießener Schlachthofes, Stadtoberveterinärrat Dozent Dr. mca. vet. Keller unterholten. Das Ergebnis der Un­terredung bringen die nachstehenden Zeilen.

3500 Doppelzentner innersekretorischer Drüsen im Geldwert von rund 363 000 RM. gesammelt wur­den, bestand bei restloser Erfassung aller Drüsen die begründete Aussicht auf eine Steigerungsmög­lichkeit auf rund 23 000 Doppelzentner im Werte von 2 350000 RM., wenn alle Schlachthöfe in Orten über 20 000 Einwohnern dafür in Anspruch genommen würden.

Seit einigen Jahren ist nun die Sammlung der innersekretorischen Drüsen in den deutschen Schlacht- Höfen regelmäßig im Gange. Für Den Gießener Schlachthof ist eine Firma zugelassen, die die Samm­lung durch einen Beauftragten, einen früheren Gie­ßener Metzgermeister, durchführen läßt. Die Fleischer- Innung Gießen hat in verständnisvoller und ent- gegenfommenber Weise die Sammlung der Drüsen und anderer Nebenprodukte, wie z. B. Rückenmark und Galle, aus den von ihren Mitgliedern geschlach­teten Tieren gestattet. Die Sammlung dieser Mate­rialien darf nur von gesunden Tieren, die als taug­lich abgestempelt sind, vorgenommen werden. Die bei dieser Sammlung anfallenden Stoffe werden im Kühlhaus des Schlachthofes aufbewahrt und in gro­ßen Kisten, die mit einer Kochsalzmischung als Kälte­mittel versehen sind, in frischem Zustand zur Ver­wertung an die chemischen Fabriken versandt.

In den chemisch-pharmazeutischen Fabriken wer»

Die im Herbst 1940 eingesetzten Berusser - ziehungs Maßnahmen, m der Hauptsache Lehrgemeinschaften und Aufbaukame- r a d s ch a f t e n , gehen ihrem Ende entgegen, b. h. sie werden nach Beendigung in der Folgestufe roei- ter geführt, um die Teilnehmer zu abgeschlossenem Wissen und abgerundeten Kenntnissen au bringen. Die Arbeit des Sommerhalbjahres 1941 wird in einigen Wochen beginnen, und es lohnt sich Daher, jetzt einen kurzen Rückblick aus die während Des Krieges geleistete Aufbauarbeit im Dienste der Sei- ftungsertudjtigung der schaffenden deutschen Men­schen zu halten.

Die Kriegserklärung der Feindmächte Anfang September 1939 hat naturgemäß auch in der Be- rufserziehungsarbeit einen kurzen Rückschlag er­zeugt, der sich aus Einberufungen zum Wehrdienst, organisatorischen Umstellungen, Fahrplaneinschrän- kungen bei der Reichsbahn, Verdunklungsmaßnah- men u. a. ergab. Im September 1939 mußten be­reits laufende Berufserziehungsmaßnahmen auf einige Zeit unterbrochen werben, neue Maßnahmen lüuroen in ihrem Einsatz verzögert, bis die durch (Einberufungen bei dem Uebungsleiterftab entstan­denen Lücken vollwertig ausgesullt waren und die Arbeit unter Anpassung an die veränderten Ver­hältnisse wieder in vollem Umfange ausgenommen werben konnte. Anfang Oktober 1939 arbeitete die Uebungs ft äffte Gießen roieber ohne Ein­schränkungen. Die Teilnehmerzahlen Haden sich zwar etwas gesenkt, bies war ober burch zeilbebingte Verhältnisse bamals erklärlich. Bei Beginn ber neuen Maßnahmen im Januar 1940 waren jedoch auch diese Erscheinungen nicht mehr zu beobachten, vielmehr hat sich gezeigt, dah die Schaffenden die Notwendigkeit erkannten, jetzt erst recht ihre beruf­lichen Leistungen zu steigern, um die entstandenen Lücken vollwertig ausfüllen zu können. Trotz 93er- bunflung, Kälte. Mehrarbeit im Betrieb und vor- übergehender Schließung der Uebungsstätten hat sich die Berufserziehungsarbeit zu Anfang des Jahres 1940 so gut entwickelt, daß eine 4 0-v.H-Stei' gerung gegenüber derselben Zeit des Vorjahres festgestellt werden konnte. Diese Steigerung hat im Laufe des Jahres 1940 noch zugenommen und be­trug Ende 1940 9 5 v. H. gegenüber dem Jahre 1 939, d h. also, daß im Jahre 1940 fast doppelt soviel Berufserziehungsmaßnahmen durch- gefühtt wurden, als im Jahre 1939. Hierbei muß noch besonders berücksichtigt werden, daß das Jahr 1939 erst ab Septemoer Kriegsjahr war. während im Jahre 1940 alle bereits erwähnten Erschwernisie kamen. Die stetige Aufklärungsentwicklung im Be­rufserziehungswerk läßt also klar erkennen, baß die Erziehungsarbeit ber Partei auf bem Gebiete der Berufserziehung ihre Früchte trägt, denn es muß berücksichtigt werden, daß es sich bei dem Besuch der Uebungsstätten der DAF. nicht um Zwangs­maßnahmen handelt, sondern jeder Schaffende aus freiem Ermessen kommen kann, um sich beruflich zu vervollkommnen. Die Erziehungsarbeit der Partei hat die berufstätigen Volksgenossen zu der Erkennt­nis gebracht, dah Höch st lei st ungen auf allen Gebieten des täglichen Lebens verlangt werden müssen, und ein großer Teil der schaffenden Menschen hat außer dieser Erkenntnis die Folgerungen gezogen und suchte und fand im Berufserziehungswerk die Möglichkeit der Erweite­rung und Vertiefung oller beruflichen Kenntnisse und Fertigkeiten. Schon jetzt, zu Beginn des Jahres 1941, ist zu erkennen, daß eine weitere Steigerung der Besucherzahl zu erwarten Ist.

Am Ende dieses Krieges wird der totale Sieg stehen. Diese Gewißheit ist unumstößlich. Der totale Sieg muß aber für die Dauer errungen werden und erfordert daher nach dem Kriege erst recht be­sondere Kraftanftrengungen. Denken wir nur an das großzügige Wohnungsbauprogramm des Füh­rers, denken wir weiter an den Aufbau in den neu­gewonnenen Gebieten im Osten und Westen, nicht zu vergessen der Aufbau auf allen Gebieten des

Die berufliche Förderung erfolgt im Berufs-; erziehungswerk nicht in zusammenhanglosen Einzels Maßnahmen vielmehr roiro der Veiucher über die | einzelnen Stufen und Schwierigkeitsgrade vom Kennen und Können und letzten Endes zum Be­herrschen der beruflichen Funktion gebracht. Die Unterweisungen und Hebungen sind eng an die Praxis angelehnt, so dah kein w.rklichkeilsfremdes, trockenes Wissen vermittelt wird, sondern Kenntnisse und Fertigkeiten, die den Teilnehmer befähigen,1

Im Sommerhalbjahr 1939 wurden 30 Berufserziehungsmaßnahmen fördernder Art durch­geführt. An diesen Lerusserziehungsmaßnahmen haben sich 697 Volksgenossen beteiligt. Es wurden im Sommerhalbjahr 1939 insgesamt 1178 Uebungs- stunden gehalten. Durchschnittlich haben sich an jeder Berufserziehungsmaßnahme 23 Volksgenossen be­teiligt. Im Sommerhalbjahr 1 940 war eine wesentliche Steigerung sowohl Der Zahl ber Maß» nahmen, als auch der Teilnehmerzahl zu verzeich­nen. Naturgemäß wurden auch entsprechend mehr Uebungsftunhen, und zwar Insgesamt 1749, abge­halten. Im Sommerhalbjahr haben durchschnittlich an jeder Berufserziehungsmaßnahme 22 Volksge­nossen teilgenommen. Es wurden 53 Maßnahmen mit 1159 Teilnehmern durchgeführt. In ber Zahl ber Maßnahmen ergibt sich also eine Steigerung um 76 v. H., während in ber Teilnehmerzahl eine Steigerung um 66,3 v. H. festzustellen ist. Allein aus ber Gegenüberstellung ber beiden Sommerhalbjahre 1939 und 1940 ist ohne weiteres zu erkennen, in welchem Maße die Berufserziehungsarbeit der Deut- schen Arbeitsfront sich wachsenden Zuspruchs er­freut, zumal wenn man bedenkt, daß es sich bei den Verglerchsjahren bei ersterem um ein Friedensjahr, bei letzterem um ein Kriegsjahr handelt, wobei noch besonders zu beachten ist, daß ein großer Teil nor­malerweise das Berufserziehungswerk besuchender Volksgenosien unter den Waffen steht.

Auch im ersten Kriegswinterhalbjahr 1 93 9/40 ist gegenüber dem Sommerhalbiahr 1939 eine Vermehrung der durchgeführten Maßnahmen, wie auch der Teilnehmer- und Uebungsstundenzahl »ellen. Lediglich der Tellnehmerdurchschnltt aßnahme hat sich von 23 auf 20 gesenkt. Es wurden 42 Berufserziehungsmaßnahmen mit 852 Teilnehmern in 1716 Uebungsftunben durchgeführt. Wenn man bedenkt, daß gerade Im Winterhalbjahr 1939/40 durch Die strenge Kälte, die Verdunklung, schlechtere Zugverbindungen für die auswärtigen Besucher, besondere Erschwernisse auftraten, so ist die Steigerung ber Berufserziehungsarbeit unter diesen Gesichtspunkten als außerordentlich zu be­achten.

Im Winterhalbjahr 1940/41 ist noch eine weitere Steigerung zu verzeichnen. Wurden vom 1. Oktober 1939 bis 30. April 1940 insgesamt 42 Maßnahmen durchgeführt. so sind es in Der Zeit vom 1. Oktober 1940 bis zum 10. Februar 1941 bereits 50 Maßnahmen. Diese Zahl wirb sich aber bis zum 30. April 1941 noch auf etwa 60 Maß­nahmen erhöhen. Es haben vom 1. Oktober 1940 bis jetzt 1122 Teilnehmer die Berufserziehungs- Maßnahmen besucht, die über insgesamt 1607 Uebungsstunden bei einer durchschnittlichen Teilneh­me r.^chl von 22 durchgeführt wurden. Die Uebungsi stundenzahl wird sich bis zum 30. April 1941 eben­falls noch wesentlich erhöhen.

Bereits im Jahre 1936, als auf dem Gebiet« der Verwertung der Nebenprodukte von Schlachtungen noch keine Maßnahmen zur allgemeinen Nutzbar­machung im Reiche getroffen waren wurden auf Anregung von Dr. Keller wissenschaftliche Dorarbel- ten im Rahmen des veterinärmedizlnl chcn Unter- richte im Gießener Schlachthof Durchgeführt, Die Das Ziel hatten, der praktischen Nutzbarmachung Der Schlachtabfälle Die Weg« zu ebnen. Diese Arbeiten waren mit die Grundlagen Der bald Darauf allent­halben in Deutschland einsetzenden Aktion zur Sammlung und Verwertung Innersekretorischer Drüsen und anderer Schlachtabfälle als Rohstoffe für die chemisch-pharmazeutische und für Die tech­nische Industrie. In einer Doktorarbeit des Tier­arztes Dr. Decker aus Dem Jahre 1936 wurde die Sammlung aller in Deutschland anfallenden inner- sekretorischen Drüsen in sämtlichen deutschen Schlachthöfen in Orten über 20 000 Einwohnern empfohlen. Aus sorgfältig angestellten Berechnungen wurde nicht nur die Möglichkeit Der vollen Deckung des Deutschen Bedarfs an diesem wichtigen Rohstoff ermittelt, sondern sogar noch Die einer Ausfuhr nach anderen Ländern betont. Daher wurden folgende Vorschläge gemacht: 1. Die Einfuhr innersekretori­scher Drüsen nach Deutschland grundsätzlich zu ver­bieten. 2. Mindestpreise für die Gewichtseinheit jedes Organs festzusetzen. 3. Den Sammlern eine geordnete Bezahlung zu gewährleisten. 4. durch An­ordnung des Reiches für alle deutschen Schlachthöfe die Sammlung Der innersekretorischen Drüsen zur Verwendung als Rohmaterial in Industrie und Technik verbindlich zu machen. Au» hem damals vor­liegenden Material ging schon hervor, daß bei her Einschaltung aller, deutschen Schlachthöfe in diese Sammelaktion eine bedeutende Steigerungsmöglich- keit zu erwarten war. Während im Jahre 1935 rund

AnMWnsuföerMk.

Roman non An fleuftiöt.

8 Fortsetzung. (Nachdruck verboten !

Er vermied es klugerweise, ihren Namen zu nen­nen.Was gibts?"

Einen Herzschlag zögerte sie noch schöpfte Luft wie zu einem Sprung, der Das Leben retten kann oder es ganz vernichtet.Ich komme!" flüsterte sie Dann.Ich komme! Hörst du. Henry?"

Wann?" fragte er.

Reise ab, wie mir es besprochen haben! Erwarte mich in Berlin! Ich weiß noch nicht, wann ich hier wegkomme. aber es wird bald, sehr bald sein ... nur wenige Tage übermorgen vielleicht ... Auf Wiedersehen, Henry!"

Auf Wiedersehen!" gab er zurück.

Charlotte legte den Hörer auf die Gabel. Sie war tief erschöpft und bedeckte die Augen mit der Hand. Als sie sie wieder aufschlug, fiel ihr Blick auf ein Iugendbildnis ihrer Mutter, das an her gegenüberliegenden Wand hing. Die verschüchter­ten Augen sahen sie in hilfloser Sorge und stum­mem Vorwurf an. Sie wendete das Gesicht ab und schlich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer.

»

Wenn es vom Turm her Iohannlskirche am Markt mit mühselig scheppernden Rasselgeräuschen Mitternacht fd)(ug. lag ganz Oschnitz wie ausgeftor» ben da. Eine dumpfe Verschlagenheit breitete sich wie eine dicke, brutwarme Federhecke über Die ganze Stabt. Wer um biefe Zeit noch burch hie leeren Straßen hastete, war verdächtig, und Herr Krapp, ber Nachtschutzmann, berichtete Darüber am nächsten Morgen seiner Frau, bie äußerst begabt barin war, bem heimlichen Tun ihrer Mitbürger auf die Spur zu kommen, und des Ergebnis ihrer Nachforschungen weiter zu verbreiten.

Charlotte saß im Dunkeln an bem halbgeöffneten Fenster ihres Zimmers unb lauschte auf hie Schläge ber Turmuhr. In ber Lautlosigkeit ber nächtlichen Stadt fielen Die Glockenschlage wie Steine in ein mooriges, unergründlich tiefes Gewässer.

In ihrem Zimmer war es unerträglich schwül. Die kühle Luft, hie von draußen hereinweyte, emp­

fand sie wie ein wohltuendes Bad. Sie trug nur ihren seidenen Schlafanzug ein streng verpön­tes Kleidungsstück übrigens, kn hem sie sich weder vor Frau Triebsch noch vor ihrer Mutter sehen lassen Dürfte unb hatte ihren Körper so völlig entspannt, baß sie ihn wie etwas Frcmbes empfanb.

Jetzt, Da ihr Entschluß feststand, war sie ruhiger SemorDen. Sie würbe also fliehen, bieses Haus unb schnitz und alles anbere verlassen. Sie würbe kei­nen zu ihrem Vertrauten machen, nicht einmal (Bert, sondern würde sich heimlich daoonschleichen.

Und in dieser Nacht durchdachte sie ihr Vorhaben in allen Einzelheiten,, erwog jedes Hindernis und jede möglich Schwierigkeit.

Sic bedachte, daß es unmöglich fei, einfach zum Oschnitzer Bahnhof zu gehen und eine Karte nach Berlin zu kaufen. Der Schalterbeamte kannte sie, wußte ebensogut wie jeher andere Oschnitzer von ihren Beziehungen zu Lasard unb würbe sich sofort zusammenreimen, zu wem ihre Reise gehen sollte. Vielleicht würbe er sogar auf ben Gedanken kom­men. sich ein Verdienst zu erwerben und im Hause Mathcsius anzurufen.

Wollte sie unbehelligt bleiben und vor allem ihren Fluchtweg verschleiern, so mußte sie Im Auto nach Breslau fahren, unb es so einrichten, daß sie ben Zug erreichte, ber am frühen Morgen Breslau in Richtung Berlin verlieh. Zwar war sie keine be­sonders geübte Autolenkerin, unb bie nächtliche Fahrt über die bergigen, kurvenreichen Straßen mürbe schwierig sein: blieb bas Wetter aber trocken, so traute sie sich zu, ben Wagen und sich selber ohne Zwischenfall ans Ziel zu bringen. In Breslau würde sie den Wagen in einer Garage abstellen unb bitten, ihn Im Laufe Des nächsten Tages nach Oschnitz zurückzubringen.

Das alles erschien Ihr verhältnismäßig leicht. Schwieriger war schon bie Ueberlegung, welchen Wagen sie benutzen sollte. Am sichersten fuhr sie in Gerts neuem Auto. Auf gemeinsamen Fahrten hatte sie es genau kennengelernt, und sogar Gert, ber in dieser Hinsicht nicht leicht zufriebenzustellen war, hatte ihr bestätigt, daß sie Den Wagengut in Der HanD" habe. Sicherlich aber geriete er sofort in Den Verdacht, mit ihr unter einer Decke zu stecken, wenn sie gerade in feinem Wagen ihre Flucht antrat. Unb In diesen Verdacht Durfte sie ihn nicht bringen.

Arn schnellsten von ben anderen Wagen war Die große Reiselimousine ihres Vaters, der .Tank', wie (Bert Den Wagen nannte. Aber sie fürchtete sich vor dem schweren Ungetüm und hatte auch noch nie hinter Deren LenkraD gesessen. Sie Durfte auf keinen Fall unterwegs liegenbleiben.

Schließlich entfchleD sie sich für Stefans Wagen, einen Viersitzer, Den sie schon einige Male gesteuert hatte, unb ber auch bestimmt in mustergültiger Ordnung war. Was Stefan gehörte, war immer in Orbnung. Seine unantastbare Korrektheit würde ihn auch vor bem Verbacht schützen, ihr Helfers- bienfte geleistet zu haben.

Stefans (Betrage befanh sich neben feinem Hause, Das dort lag, wo bie neue Siehlung entstehen sollte. Sin Reserveschlüssel für die Garage und ein zwei­ter Schaltschlüssel hingen in der Diele. Es konnte nicht schwer sein, beide morgen während des Be­suches an sich zu bringen.

Herr Krapp, der Nachtschutzmann, kam auf feinen Kontrollgängen fast nie in die Nähe von Stefans Haus. Von ihm wäre eine Entdeckung nur bann ZU befürchten, wenn sie ben geraden Weg nach Breslau einschlagen würbe, ber quer durch Oschnitz führte. Sie mußte den anderen nehmen, der zwar weiter war und über weniger gute Straßen führte, dafür aber mehr Sicherheit vor einer Entdeckung bot.

2ln Gepäck würde sie nur bas Notwendigste mit­nehmen, wie Henry ihr geraten hatte. Und Geld? Charlotte Dachte zwar auch an diese Frage, aber ber Uederslutz, in dem sie bisher gelebt hatte, trübte ihr Den Blick für Die Wichtigkeit unD ben Wert Des Gelbes. Von ihrer letzten Reife hatte sie noch einen kleinen Ueberschuß nach Hause gebracht, ihr Taschen­gelb für biesen Monat war noch nicht angegriffen, und so konnte sie über ungefähr dreihundert Mark verfügen. Für ben Notfall blieben ihr her Smaragbring unb ihre Halskette mit her Perle. Kostbarkeiten von besonderem Wert waren das zwar nicht, denn im Hause Mathesius war Luxus verpönt, aber einige Hundert Mark wurden sich vielleicht herausschlagen lasten.

Alles Dies überlegte sie. Sie sah sich Deutlich In einer Nacht wie dieser durch ben Stabtgarten hasten, in Den dunklenWall^ einbiegen, ber Die Stabt an Dieser Seite umgrenzt?, unD beobachtete sich selber bejm vorsichtigen Oeffnen Der Gattentür

vor Stefans Haus. Sie fuhr davon. Die Schein­werfer tasteten mit ihren bleichen Lichtarmen über dke dunklen WänDe Der Waldungen, über Die weib­getünchten Bäume an Den Kurven Der LanDstraße. Verschlafene Dörfer sanken zurück in Die Stille. Der Motor surrte. Aus dem erleuchteten Zifferblatt Der Tachometers zitterte ruhelos Der Zeiger. Unten in der Ebene, noch fern und ungewiß, stand rötlich wolkiger Schein. Das war die Stadt, auf Die fle zufuhr.

Sie erlebte Diese BilDer ganz deutlich unD gegen­ständlich, aber wie sie nun weiter Vordringen wollt« in den sehnsüchtig herbeigewünschten Traum, stand sie plötzlich wie vor dicken Nebelwänden, in Denen ihr Weg sich verlor. Sie empfand voller Angst Die Gewißheit, Daß sie ihr Ziel nie erreichen werDe. Mit keiner Straft gelang es ihr mehr, sich ihre An« kunft in Berlin vorzustellen, das Wiedersehen mit Henry, die offenen Türen Der Welt, Durch Die er sie führen wollte.

Die Dunkelheit um sie her stand wie eine um­klammernde Mauer ohne Durchlaß, unüberftelgbar ragend unb starr.

vie raffte sich aus ihrer Verlorenheit mit jäher Anstrengung empor und öffnete noch weiter das Fenster. Die Luft war herb, duftete nach feuchter Erde und verwesendem Laub. Tausend ungewisse Gefahren lauerten im Dunkel. Sie stand ohnmäch­tig vor ihnen wie ein Kind, Das zum ersten Mal« seine hoffnungslose Vereinzelung und die feindselig« Unbarmherzigkeit her Welt erkennt.

Aus her Glasveranbo, Die sich an Der einen (Bie« belwanD von Stefans Haus befand, sah man rechts über das unregelmäßige Dächergewirr von Oschnitz, unb weiter links dehnten sich die Werke aus Lrs hatte hier Den Kaffeetifch gedeckt, als Charlotte ein« traf.

Am Vormittag fei Gertauf einen Sprung" ha« gewesen und habe bei ihr gefrühstückt, berichtete Lis, unb Charlotte machte dazu ein argwöhnisches Gesicht.Wahrscheinlich hat er dir Ratschläge er­teilt, wie bu mich am besten wieder zur Vernunft bringen kannst?"

».Nein. Nur fein Herz wollte er erleichtern unb mir erzählen, welche Sorgen er sich deinetwegen macht."

(Fortsetzung folgt)