zahlen« und materialmäßige Ueberlegenheit sehr halb geltend. Truppen aus Südafrika, Indien, Australien und Neuseeland waren hier mit den britischen Garnisonen im Sudan und der Kenia- Kolonie zu einer Streitmacht vereinigt worden, der man mehr als 350 Flugzeuge, dazu motorisierte Artillerie und Panzerkampswagen zugeteilt hatte. Zudem war der Negus in Khartum erschienen und hatte amharische Landen zum Einfall in Abessinien um sich versammelt. Dem britischen Operationsplan lagen offenbar die Erfahrungen zu Grunde, die die Italiener vor vier Jahren bei der Eroberung Abessiniens gemacht hatten. So sollte die Häuft- aktion von Norden und Süden her erfolgen, während man sich durch kleinere Vorstöße aus dem Südwestzipfel und von Osten her aus Britisch- Somaliland der wichtigsten Straßen auch in diesen Teilen des Landes zu bemächtigen gedachte.
Um bte Jahreswende begann die lange vorberei« tete britische Offensive mit einer regelrechten Belagerung K a s s a l a s, das am 21. Januar 1941 von den Italienern geräumt wurde. Diese gingen dann auf eritreischen Boden zurück auf die Linie Agordat — Barentu, etwa 120 Kilometer östlich der Grenze. Hier ist es zu äußerst heftigen Kämpfen gekommen, die sich dann in die Gegend von Keren, etwa 75 Kilometer weiter östlich von Agordat hinzogen. Während es den Engländern verhältnismäßig leicht gelungen war, das ebene Gelände der großen Baumwollkulturen im Westen der Kolonie zu durchschreiten, fanden sie nun auf ihrem Vormarsch nach Osten Gebirgszüge bis zu 2500 Meter Höhe, in deren Schluchten und Klüften sich zum erstenmal die auf hinhaltende Verteidigung abgestellte Kriegführung der Italiener voll aus- wirkte. So ließen die Briten auf dem Schlachtfeld von Keren nach ihren eigenen Angaben mehr als viertausend Tote. Die Briten mußten also außerordentlich hohe Verluste an Menschen und Material in Kauf nehmen, um ihr Ziel zu erreichen, nämlich die Straße, die von Asmara, der Hauptstadt Eritreas, nach Süden über Adua und 21 ff um nach dem in den letzten Tagen so oft rühmlichst genannten Gondar nördlich des Tana-Sees führt. Der Kampf um Keren begann am 1. Februar. Länger als sechs Wochen bat das Ringen um den Keren-Abschnitt gedauert, oer mit feinen zwischen 1500 und 2800 Meter ernporstrebenden Gipfeln eine natürliche Festung bildete, in der die Italiener, durch unwegsame Sümpfe im Dorgelände gegen überraschende Panzerangriffe gedeckt, dem britischen Vormarsch erbitterten Widerstand entgegensetzten. Erst nach Heranziehung erheblicher Verstärkungen gelang es den Briten unter Einsatz schwerer Waffen, die Italiener zur Aufgabe der Keren-Stellung zu zwingen, aber auch dann mußten sie sich den Weg nach Osten mühsam und unter neuen schweren Verlusten Schritt für Schritt erkämpfen. Erst Ende März wurde Asmara von den Italiener geräumt.
Der zweite britische Vorstoß wurde aus zweifacher Richtung von Süden her angefetzt. Einmal brachen Empire-Truppen aus der Gegend des Rudolf-Sees von dem schon genannten Moyale aus, das wieder zurückerobert wurde, durch den „großen afrikanischen Graben" gegen die Hauptstadt Abessiniens Addis Abeba vor. Eine weitere Kolonne nahm Mogadifcio, den größten Hafen von Jta- lienifch-Somaliland, zum Ziel. An der Küste des Indischen Ozeans entlang wurde nach erbitterten Kämpfen am 12. Februar der Uebergang über den Djuba-Fluß erzwungen und auf der guten Küstenstraße von Gellub nach Mogadifcio vorgerückt. In der weiten Somali-Ebene bot sich den Italienern, die sich auch hier ebenso wie im Norden weit überlegenen britischen Kräften gegenübersahen, keinerlei durch die Natur ttegünftigte Verteidigungsmöglich' feit. Sie zogen sich ba^r auf bas Harrargebirge zurück, vermochten sich jedoch auch hier nicht auf die Dauer zu halten, nachdem es den Briten gelungen war, in Berbera, der Hauptstadt ihrer eigenen, im Herbst vorigen Jahres an die Italiener vorübergehend verlorengegangenen Somali-Kolonie, zu Ian« Den und nun den italienischen Verteidigern von ftarrar in den Rücken zu fallen. Immerhin haben ne mehr als einen Monat gebraucht, um bei Dire« oaua die einzige Bahnstrecke Abessiniens zu erreichen, die von dem französischen Dschibuti nach Addis Abeba führt. Dieses wurde mit Rücksicht auf bte Zivilbevölkerung von den Italienern geräumt und am 6. April von den Briten besetzt. Aber auch nach dem Verlust der Hauptstadt gaben die Italiener den Widerstand nicht auf, obwohl die Zahl der Verteidiger des Imperiums in den überaus harten Kämpfen gegen gewaltige Uebermacht schon beträchtlich zusammengeschmolzen war und sich die Strapazen des Gebirgskrieges in tropischem Klima bei immer spärlicher werdender Verpflegung und häufigem Wassermangel nun auch bei den ebenso zähen wie tapferen italienischen Kolonialtruppen bemerkbar machten. Die italienische Verteidigung klammerte sich in der nun folgenden Phase des Feldzuges immer mehr an einzelne Gebirgsstöcke, die zu regelrechten Forts ausgebaut wurden. Wenn bei den Kämpfen in der Ebene und im Hochland die Motorisierung ihrer Kolonnen den Briten eine besonders starke Ueberlegenheit durch große Beweglichkeit und Wendigkeit gesichert hatte, wogegen die Italiener schon aus Mangel an Treibstoff nichts einzufetzen vermocht hatten, so fiel dieser Vorteil nun im Hochgebirgskampf zu einem guten Teil fort. Freilich machte sich hier für die Italiener sehr unangenehm geüenb, daß die Briten aus den gleichen Gründen die absolute Luftherrschaft an sich reißen und behaupten konnten. Ununterbrochene Bombenangriffe und MG.-Feuer aus der Lust auf die italienischen Gebirgsstellungen haben namentlich auf die eingeborenen Truppen ihre niederdrückende Wirkung auf die Dauer nicht verfehlt. So wurde die Verteidigung einer jeden dieser Gebirgsstellungen im Innern Abessiniens zu einer militärischen Leistung ersten Ranges. Immer wieder wurden die Stellungen ttotz zahlloser Luftangriffe, trotz ständiger Feuerüberfälle der feindlichen Artillerie aller Kaliber bis zum letzten Schluck Wasser und bis zur letzten Patrone gehalten. So wurde jeder Name dieser Stellungen zu einem Ruhmesblatt in Italiens Kolonialgeschichte.
Auch nachdem sich der Vizekönig selbst, der H erzog v o n Aosta, am 19. Mai nach monatelangem heldenmütigen Widerstand am Amba Aladschi der britischen Uebermacht hatte ergeben müssen, wollte das Häuflein der nicht mit ihm Eingeschlosse- nen trotz der völligen Aussichtslosigkeit ihrer Lage von Kapitulation nichts wissen, sondern focht weiter zäh und erbittert, immer neue Widerstandsnester bildend, gegen die die Briten mit einem ungeheuren, zur Zahl und Feuerkraft der Verteidiger in keinem Verhältnis stehenden Aufwand an Truppen und Material in zahllosen Angriffen anstürmen mußten. So fiel Gemma am 27. Juni, und nun konzentrierte sich die italienische Derteidiguna auf die schon genannte Stadt Gondar nördlich des Tana-Sees, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt, an dem sich die Straßen vom Sudan zur Küste des Roten Meeres und von Asmara nach Addis Abeba
Die Verteidigung von Gondar.
Rom, 4. Dez. (Europapreh.) Den Vertretern der Auslandspresse in Rom hat Oberst de Vecchi die unerhört ungünstigen Bedingungen geschildert, unter denen die Verteidiger von Gondar sieben Monate hindurch ihren Heldenkampf geführt haben. Schon im Juni, zu Beginn der Kämpfe um Gondar, feien die in diesem Gebiet noch vorhandenen Mengen an Kriegsmaterial und Lebensmitteln nicht mehr bedeutend gewesen, weil hier schon gekämpft und auch anderwärts im Kampf stehenden italienischen Truppen Hilfe geleistet worden war. Nach dem Fall der übrigen Kampfmittelpunkte im Westen von Jta- lienisch-Ostafrita feien insgesamt 27 000 Mann im Raume von Gondar zusammengezogen worden, von denen 15 000 Mann den Kolonialtruppen angehörten. Die Eingeborenentruppen hätten immer einen sehr kriegerischen Geist bewiesen. Es habe sich aber bei ihnen doch um ein sehr primitives Menschenmaterial gehandelt, das im Vergleich zu den weißen Mannschaften gegenüber den modernen Angriffswaffen doch nur geringe Widerstandskraft aufgebracht habe. Aber bis zum letzten Augenblick hätten auch die Kolonialttuppen treu zum italienischen Kommando gestanden. Im Kampf feien sie nur zu einem sehr relativen Faktor geworden, besonders bei wachsendem Lebensmittelmangel und bei Man- Sei an Kriegsmaterial, bei der Verschlechterung ihrer ebensbedingungen und dem Wachsen der vom Feinde entwickelten Angriffsstärke.
Die weißen Truppen hätten schon feit dem Jahre 1935/36 fern von der Heimat und ihren Familien im Kolonialdienst gestanden. Die Derkehrsmöglich- feiten mit der Heimat verschlechterten sich und bestanden in den letzten Wochen säst gar nicht mehr. Auch die Auswirkungen der klimatischen Verhältnisse des in 2000 Meter Höhe gelegenen Kampfgebietes, Krankheiten, blieben nicht ohne Einfluß auf
physische und moralische Widerstandskraft der Truppen. Die Verpflegungsbedingungen verschlechterten sich immer mehr, da das Kampfgebiet wenig zu bieten hatte. Schon im Juni hatten nur hundert Kraftwagen für Den Nachschubdienst zur Verfügung gestanden, von denen aber kaum die Hälfte als voll leistungsfähig galt. Natürlich schmolz auch dieser Bestand immer mehr zusammen. Man mußte sich zum Ende mit dem Bau von primitiven Fahrzeugen aus allen nur erdenkbaren Beständen helfen, um den Nachschub zu den weiten von den Höhen aus die feindlichen Anmarschwege beherrschenden Dorpostenstellungen zu ermöglichen. Kleider, Wäsche und Schuhwerk mangelten zum Schluß vollständig zum Ersatz der längst verbrauchten Stücke.
Trotzdem haben diese tapferen Soldaten sieben Monate lang den unaufhörlichen Ansturm des Feindes abgewehrt und stoisch die jeden Tag und jede Nacht geführten feindlichen Fliegerangriffe erduldet, denen die Verteidiger von Gondar nahezu wehrlos ausgesetzt waren. Die Verteidigung von Gondar fei erst dann aufgegeben worden, nachdem die Dor- poftenfteüungen hauptsächlich wegen Lebensmittelmangels und vollständigen Mangels an Munition gefallen feien. Beim Fall von Gondar lagen in dieser Stadt nur etwa 3000 bis 4000 Mann weiße italienische Truppen.
Der tapfere Verteidiger von Gondar, General N a s i, ist im Jahre 1897 zu Civittavecchia geboren. General Nasi hat den italienisch-türkischen Krieg und den Weltkrieg mitgemacht und war 1935 Kommandant der italienischen Truppen in Libyen. Im Abessinienkrieg kämpfte General Nasi in Somali. 1939 wurde er zum Dizegouverneur Jtalie- nisch-Ostafrikas ernannt. Beim Kriegseintritt Stattens hatte er das Kommando des westlichen Sektors in Italienisch-Ostafrika.
England und der Dollarimperialismus.
Wallstreeis Girick.
Das interne Verhältnis zwischen England und den Dereiniaten Staaten ist Staatsgeheimnis. Nur auf wirtschaftlichem Gebiet geschieht es von Zeit zu Zeit, daß die Gegensätze offen hervor- brechen. Nicht weniger als 1200 nordamerikanische Exporteure haben sich neulich beklagt, daß Alteng- land schwindle: Es führe Waren, die es unter dem Leih- und Pachtgesetz — also ohne unmittelbare Bezahlun>b — erhalten habe, wieder aus, um sich „Devisen zu machen". Roosevelt ist in diesem Punkt sehr empfindlich und hat schon einmal ein Versprechen reumütiger Besserung in London erzielt. Jetzt nimmt der frühere Vizepräsident der U8A.-Kommission für Zolltarife — W. I. Culbertson — den dicken Stock zur Hand und erklärt sehr beziehungsreich: „Der Augenblick ist nicht zu früh, die HandelsbLziehungen genau abzugrenzen, die nach dem Krieg zwischen USA. und Großbritannien bestehen Jollen/
Man hört das Lasso oder — weniger romantisch gesagt — den Strick von Wallstreet, der Börse Neuyorks, durch die Luft schwirren. Die USA. verlangen die wirtschaftliche Vorherrschaft in Süd - und Mittelamerika; die Aufteilung des britischen Monopols in Kautschuk und Zinn in ein amerikanisch-englisches Monopol; einen dirigierenden Trust für die englische und amerikanische Schiffahrt, obwohl die amerikanische Hochseeschiffahrt weit hinter der englischen zurücksteht; Aufhebung der Vorzugszölle zwischen England und seinen überseeischen Gliedstaaten, was einen unmittelbaren Eingriff in das englische Reichsgefüge bedeutet; schließlich Benutzung sämtlicher britischer Flotten- und Luftstützpunkte auch nach dem Kriegsende. Die wirtschaftlichen Forderungen gehen hier sichtlich in politische und strategische Bedingungen über. Es ist kein Geheimnis, daß Roosevelt auch in die unmittelbare Personalpolitik Churchills eingreift und gern englische Ka- binettsveränderungen sähe: Der Schatzkanzler, der Krieasminister, der Lordkanzler, der Luftfahrtminister in London, sogar Lord Halifax als Botschafter in Washington stehen Roosevelt nicht zu Gesicht.
- »Britische Kriegsschiffe im Süd- atlantk unter USA -Oberbefehl.-'
Madrid, 5. Dez. (DNB.) Nach in Madrid vorliegenden zuverlässigen Informationen aus Kreisen der englischen Botschaft in Buenos Aires hat die
Regierung der Vereinigten Staaten die Forderung gestellt, die englischen Kriegsschiffe im Südatlantik Dem amerikanischen Oberbefehl zu u n t e r ft e 11 e n. Die Engländer sahen sich nach einigem Sträuben gezwungen, diese Forderungen anzunehmen. Von nun an werden also die Kriegsschiffe der USA. und Englands im Südatlantik unter dem amerikanischen Oberbefehl stehen. Die Engländer wurden aufgefordert, beim amerikanischen Oberkommandierenden einen Verbindungsoffizier zu bestellen.
phantastischer Kriegsplan Roosevelts.
Neuyork, 5. Dezember. (DNB) Amerikanische Blätter veröffentlichen einen vertraulichen Bericht, der auf Weisung Roosevelts vom gemeinsamen Oberkommando der Armee und Marine angefertigt worden sei und ein Expeditionskorps von fünf Millionen Mann gegen Europa sowie Gesamtstreitkräfte von zehn Millionen Mann vorsehe. Der Bericht führt aus, daß Deutschland und seine europäischen Trabanten von den jetzt gegen sie kämpfenden europäischen Mächten nicht besiegt werden können. Daher müsse, falls Deutschland besiegt werden solle, Amerika in den Krieg eintreten und einen Teil feiner Streitkräfte im Ost- atiantik, in Europa und in Afrika offensiv einsetzen. 1943 ist bestimmt als Datum des Beginns eines gewaltigen Endkampfes der amerikanischen Landstreitkräfte in Europa.
Der Bericht, der vom 11. September 1941 datiert ist, berechnet die Rüstungskosten bis 1. Juli 1942 auf 110 Milliarden Dollar. Ein Jahr danach werde der „Erkämpf" beginnen. Der Bericht wurde ausgefertigt auf Grund eines Briefes, den Roosevelt am tK Juli 1941 am Stimson richtete. Der Brief verlangt die Aufttellung der gesamten Rüstung, die „benötigt wird, um unsere potentiellen Feinde zu besiegen". Kriegsminister Stimson gab am Freitag vor den Pressevertretern die Echtheit des vertraulichen Berichts mit den phantastischen Kriegs- planen Roosevelts zu. Er behauptete, es habe sich um eine „unvollendete Studie" des General stabes gehandelt.
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Das Repräsentantenhaus bewilligte die von Roosevelt beantragten weiteren 8,2 Milliarden Dollar für Zwecke der Aufrüstung und der Englandhilfe. Das Gesetz geht nunmehr dem Senat zu.
kreuzen. Gondar liegt auf einem 2100 Meter hohen Plateau, das von Bergen von 3000 Meter Höhe umringt ist. Wenn dieser Gebirgscharakter das Gelände auch vortrefflich zur Verteidigung durch schwache Kräfte ohne Luftwaffe und nennenswerte Artillerie geeignet machte, fo wirkte sich doch das Klima vor allem in der Regenzeit außerordentlich ungünstig auf die Widerstandskraft der Verteidiger aus. Der Kampf gegen die Krankheiten bei unleidlicher Nässe und täglich spärlicher werdender Verpflegung wurde für den Kommandanten von Gondar, den tapferen General Nasi, zu einem fast schwierigeren Problem als der Kampf gegen den weit überlegenen Feind. Gondar wurde durch mehrere vorgetriebene Stellungen gedeckt, die sich über eine Front von 1300 Kilometer hinstreckten. Am Paß von Culquabert, in der Nähe des Tana-Sees, verteidigte Oberst U g o l i n i den Zugang von Süden und brachte in zahlreichen kühnen Vorstößen bis tief in die britischen Stellungen hinein dem Feind immer wieder schwere Verluste bei, bis er nach verzweifeltem Kampf mit Handgranaten und blanker Waffe der Uebermacht erlag. Damit konnte der Feind auf die schwachen inneren Verteidigungsanlagen von Gondar vorstoßen. Hier konnten Die Reste der italienischen Verteidiger der zehn- bis zwanzigfachen artilleristischen Ueberlegenheit des Feindes, der den Sturm auf Gondar nun mit allen Mitteln forcierte, nicht mehr widerstehen. Auf nur noch drei- bis viertausend Italiener und etwa sechstausend Eingeborene war das Häuflein der Verteidiger zusammengeschmolzen, als nach sieben Mo- naten zähesten Widerstandes völlige Erschöpfung und bitterer Mangel am Nötigsten sowohl was Der- nflequng wie Munition anlanat die Besatzung van Gondar die Waffen streckte. Ihr Kampf war nicht vergebens, so aussichtslos er von Anbeginn an aussah. Die Verteidigung Abessiniens hat eine große britische Armee fast ein Jahr lang gebunden und damit starke britische Kräfte von anderen Kriegsschauplätzen femgehalten, ihnen außerdem äußerst schwere Verluste an Menschen und vor allem an schwer ersetzbarem Kriegsmaterial zugefügt. Die Kämpfer von Keren, vom Amba Alatschi, von Cul
quabert und Uolchefit haben mit ihrem Heldenmut, ihrer Kühnheit, ihrer zähen Standhaftigkeit den Lorbeer höchsten Kriegsruhms an die italienische Trikolore geheftet und mit ihrem Blut den Anspruch Italiens auf fein ostafrikanisches Imperium erneuert. Dr. Fr. W. Lange.
Oie „Sydney".
Der australische Marineminister Makin gab bekannt, daß man auch die Hoffnung, Ueberlebende des Kreuzers „Sydney", der nach einem Kampf mit dem deutschen Hilfskreuzer „(Kormoran" versenkt wurde, aufgegeben habe. Die australische Regierung hat ferner bekanntgegeben, daß sie mit Der denkbar größten Beschleunigung an Stelle Der eben untergegangenen „Sydney" eine neue Dritte „SyDney" als TraDitionsschiff bauen will. Die erste „Sydney" hat am 9. November 1914 biet im Kreuzerkrieg fo erfolgreiche „E mden" unter Fregattenkapitän von Müller überrascht und vernichtet, wobei ihr Die viel stärkere Bestückung wesentlich half. Die Be- fatzung Der „Emden" konnte sich zum größten Teil auf Dem Schoner „Ayes a" über Arabien nach DeutschlanD durchschlagen. Diese erste „Sydneys wurde „wegen Erreichung der Altersgrenze" 1928 verschrottet; 1934 lief ihr TraDitionsschiff, Die neue „Sydney" vom Stapel, die in Der zweiten Novemberhälfte 1941 von Dem Deutschen Hilfskreuzer „(Kormoran" versenkt wurde. So wurde die „Emden" an einem australischen Kreuzer Des gleichen Namens gerächt.
Diplomatische Beziehungen zwischen ffire und Portugal.
Liffabon, 5. Dez. (Europapreß.) Der ixische Freistaat wirD in Lissabon zu Beginn Des neuen wahres eine Gesandtschaft errichten. De Va« lera erklärte, die Lage Portugals ähnele Derjenigen (Kires, und Die Probleme her beiden Länder hätten viele gemeinsame Berührungspunkte. In diesem Augenblick sei es für die Iren von besonderer Wichtigkeit, direkte Diplomatische Beziehungen zu Portugal zu unterhalten, denn Lissabon sei jur
Oie Wiedereinsugung Osteuropas.
Durch die Siege unserer Truppen im Osten erwuchs Europa gleichsam über Nacht eine neue groß, Ausgabe, Die nur bei vorhergehender biologischer, raumpolitifcher unb völkerpsychologischer Klar« ftellung praktisch einer Dauerhaften Lösung ent« gegengeführt werden kann: Die Wiedereinbeztehung Des russischen Raumes unD Der ihn bewohnenden Völkerschaften in Die europäische Arbeits-, Rechts- unD Kulturgemeinschaft. Diese WieDereinglieDerung muß lebensgesetzlich geschehen, h. h. sie muß sich auf Die funhamentalen Gegebenheiten von Raum und Boden, von Rasse und Lebensstil gründen. Für di« Aufhellung Der hierbei aus Gegebenheit und Forderung erwachsenden vielseitigen Probleme ist ein oeben unter Dem Titel: „D ft e u r o p a, Lebens tilunDAgrarverfassung" im Rahmen der Veröffentlichungen Der Gesellschaft für europäische Wirtschaftsplanung und Grohraumwirtschaft e. 2j„ Berlin, erschienener Aufsatz von Reichsamtsleiter Ge- fanDter ferner Daife, Der feit Jahrzehnten für eine europäische Großraumwirtschaft und die Wie- Dereinbez'.ehung Des russischen Raumes in hie europäische Lebensgemeinschaft kämpft, von prinzipieller analytischer und richtungweisenber Bebeutung. Werner Daitz entwickelt — ausgehenb von Klima uni Bobengestalt, von struktureller Gliederung unb Charakter Des russischen Raumes sowie von den historischen Formungselementen — den für die kommende politische unb wirtschaftliche Gestaltung ausschlaggebenden Grundlebensstil der Bewohner dieser riesigen Gebiete. Die Menschen des osteuropäischen Raumes sind Beharrungsmenschen (im (Ze- gensatz zu den germanischen unb romanischen Völkern, Die ben Typ Des B e w e g u n g s m e n s ch er verkörpern.) Dieser Lebensstil bestimmt ihr Staatk- unb Wirtschaftsleben unb ihm muß sich auch dic künftige, notwenbigerweise'lebensgesetzliche Organisation her Arbeit unb her Wirtschaft anpaffen.
Werner Daitz untersucht bann eingehend unb, wie : man [agen barf: tiefschürfend Das eigentliche Wesen des emftigen russischen M i r (Der „Welt" uni „Friede" zugleitet bedeutet), der artgemäßen Urform her osteuropäischen Agrarverfassung, die im schar- en Gegensatz zum kommunistischen Kollektivismus teht. Er kommt am Ende zu folgenden Schluh- olgerungen: Wenn jetzt nach einer rund achthun- dertjährigen Unterbrechung Der westeuropäische Lebensstil sich wieder mit dem in der Wiedergeburi befindlichen Osteuropas zur europäischen Lebensganzheit verbinden soll, so muß dort wieder begonnen werden, wo die alte, intuitiv auf hie Ganz heit Europas gerichtete Politik her Waräger ihr Enbe gefunden hatte. Der westeuropäische Lebensstil findet nun in der Reichsidee Adolf Hitlers seinen prägnantesten Ausdruck. Der Lebensstil Osteuropas dagegen wird in her SBieberfreilegung des natürlichen Kollektivismus her verschiedenen Völker schäften dieses Raumes als her Urform ihrer roirl- schaftl'chen unb kulturellen Organisation seinen Ausdruck finden. So werden auch der Mir als die Urform her Agrarverfassung unb das Artel als Grundform der gewerblichen Wirtschaft aus dein Chaos des Zusammenbruches Des Bolfchewismus roieber emportauchen, um so mit bem in her natio« nalsozialistischen unb faschistischen Revolution geläuterten Lebensstil Westeuropas bie Ganzheit des europäischen Lebens wiederherzustellen. Daß bei dieser politischen unb weltanschaulichen Revolution zugleich auch eine Läuterung her früheren UnooÜ - fommenbeiten von Mir und Artel Platz greifen wird, ist selbstverständlich. Und zwar dürfte sch diese vermutlich in der Richtung jeroegen, daß bei aus her Geschichte bekannte verderbliche Einfluß der turnusmäßigen Neuverteilung des Landes innerhalb her Flurgemeinschaft ausgeschaltet wird, indem bas Land unter Beibehaltung her kollektiven Haftung der Flurgemeinschaft in Dorf, Kreis unb Gau bem einzelnen vom Mir zu bauerndem, oer- erbbarem Lehen gegeben wird Sollte sich beir einzelne dieses Lehens (fei es er selbst ober fein Erbe) durch mangelhafte Ackerbestellunq nicht wär big erweisen, wirb es Aufgabe bes Mir fein, ihn auszuscheiden, so daß er sich entweder als Landarbeiter auf den großen Staats- unb Lehrgiitem ober als Industriearbeiter in der gewerblichen Wirt-
Zeit her Hauptknotenpunkt für die Beziehungen Eires mit her Welt.
Das neue iranische Kabinett.
Istanbul, 5. Dez. (Europapreß.) Das neue hfl' nische Kabinett, das von bem bisherigen Ministerpräsidenten Furughi gebildet wurde, umfaßt zehn Mitglieder. Zum Außenminister wurde ®il- hayli, zum Kriegsminister General Nakhuan ernannt. Die Tatsache, daß bie neue Regierung noch ein Kriegsministerium umfaßt, hat in politischen' Kreisen Irans großes Erstaunen hervorgerufen, weül sie beweist, wie stark bie Opposition g e ger bie Besatzungsmächte ist. Diese haben der Wunsch ausgesprochen, bas Kriegsminlsterium weg? fallen zu lassen. Es wäre aber Furughi nicht gelungen, in einem arbeitsfähigen Kabinett alle Parteien zusammenzufassen, wenn er biefem Wunsche entsprochen hätte.
Afghanistan-Deutsche bereits auf rumänischem Boden.
Bukarest, 5. Dezember. Europapreß.) Die 17® Afghanistan-Deutschen, die sich seit sechs Woche« über Indien, Basra, Bagdad, Syrien und die Türkei auf dem Heimweg nach Deutschland befinden, sind am Dannerstagvormittag vom bulgarischen zum rumänischen Donauufer Übergesetz! worden unb wohlbehalten in ©iurgiu ein getroffen. Dort wurden sie von fteiwilligen Helfer» der NSDAP., die ihnen aus Bukarest entgegen#'1 fahren waren, mit Speise unb Trank versorgt.
Verlaci Staatsminister des Königreiches Italien.
Rom, 5. Dezember. (Europapreß.) Der bisherige Präsident des albanischen Ministerrats, Senator Verlaci, ist zum Staatsminister drr Königreiches Italien ernannt worben. Er hat fei® Amt in Albanien niedergelegt, bas er feit her Vereinigung Albaniens mit Italien bekleidet hatte. 23er- lad stammt aus einer alten angesehenen Famili k Mittelrtaliens, ist in Elbassan geboren und gehör: zu den Trägern der albanischen nationalen Belegung, Die er schon unter der türkischen Herrschaft vertreten hat. König Zogu stand ihm mit Mitz' trauen gegenüber, fo Daß er, obgleich er in Eibaß' fan immer wieder zum Senator gewählt worde« war, verschiedentlich das Land verlassen mußte. 6' ist einer der eifrigsten Verfechter der Vereinigt Albaniens mit Italien.


