Das deutsche Rüstungspotential.
Eine Unterredung mit Generalleutnant von Hanneken —USA. zum Nachdenken.
bedeutende Rolle gespielt. Es gibt aber einen Weg,! die Aktivseite der ungarischen Handels- und Zah-1 lungsbilanz gewichtiger zu machen als durch die andauernde Forcierung des Getreideexportes. Ungarn ist dasjenige mitteleuropäische Land, das die kräftigste und am längsten dauernde Sonnenbestrahlung im Laufe des Jahres hat. Damit besitzt es besondere Aussichten auf dem Gebiet des Obst- und Gemüsebaues. Obst und Gemüse sind um so wertvoller, je größer ihr Gehalt an Vitaminen ist, und diese wiederum sind abhängig von dem Maß von Sonnenlicht, das sie während ihres Wachstums erhalten. In dieser Jahreszeit prangen die Schau- fenster in den Läden und die Stände in der Markthalle von Budapest in einer unerhörten Fülle von Früchten und Gemüsen. Es ist eine Pracht, das zu sehen, man fühlt förmlich, daß eine andere Sonne über ihnen geleuchtet hat als in den nördlicher gelegenen Teilen von Mitteleuropa. Dieser Zweig der ungarischen Wirtschaft läßt sich in großem Stil entwickeln und für den zwischenstaatlichen Güteraustausch fruchtbar machen. Man braucht nur daran zu denken, was für Werte nach Holland auf Grund ähnlicher, dem dortigen Klima angepaßter Kulturen eingeströmt sind.
Eine gewisse Einschränkung des Getreidebaues, die keineswegs zum völligen Aufhören der Getreide- ausfuhr zu führen braucht, würde Raum für eine zukunftsfrohe Intensivierung der Obstkulturen unD bestimmter Gemüsearten schaffen. Ungarn kann darauf rechnen, daß die Abnahme dieser Produkte auf dem zukünftigen großeuropäischen Markt ein Be- standteil der Verständigung auf dem Gebiet der ge- samteuropäischen Wirtschaft zu bilden hätte. Es gibt aber darüber hinaus noch ein anderes, sehr wichtiges Gebiet, auf dem die ungarische Landwirtschaft zu Erfolgen geführt werden kann. Dieses Gebiet sind bestimmte Jndustriepflanzen: sowohl Fasergewächse, wie Leinen und Hanf, als auch Oel liefernde Pflanzen. Keinen rechten Erfolg haben auf unga- rischem Boden bisher die Versuche mit der Soja- bohne gehabt, die in Rumänien und neuerdings auch in Bulgarien gut eingeschlagen sind. Leinsamen dagegen ist eine Öelfrucht von hohem Wert. Das weiß man in Argentinien, wo überwiegend sogar nur die Saat exportiert wird, während man die Faser verderben läßt. Davon kann innerhalb Mitteleuropas natürlich keine Rede sein. Der europäi- sche Bedarf nach den alten Qualitätsfasern, die uns Flachs und Hanf liefern, ist groß und wird voraus- sichtlich noch steigen. Reben der Leinsaat gibt es noch andere mitteleuropäische Oelfrüchte, wie der Raps und die Sonnenblume, deren Same ein besonders feines Oel liefert, die auf ungarischem Do- den und in ungarischem Klima sich mit besonders hervorragendem Erfolg anbauen läßt.
Das alles sind nicht von außen nach Ungarn hineingetragene Gedanken, sind keine unbefugten Ratschläge von Fremden, sondern es sind Pläne, die im Kopse weitblickender ungarischer Wirtschaftspolitiker entstanden sind und von dort ihren Weg in die Wirklichkeit nehmen werden, sobald erst Europa die Ruhe wieder gewonnen haben wird, um wirtschaftlich konstruktiv zu arbeiten. Es versteht sich von selbst, daß innerhalb der Region der Wirt- schäft das deutsch-ungarische Verhältnis eine beson- dere Rolle spielt, aber man muß den Ungarn die Gerechtigkeit widerfahren laßen, daß der Donauraum sich für sie nicht nur nach der einen Seite, nach Deutschland hin, öffnet, sondern daß auch an- dere natürliche Pforten aus Ungarn hinaus und nach Ungarn hinein führen.
Das Ritterkreuz.
Berlin. 3. Rov. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall G ö r i n g, das Ritterkreuz an Major Bauer, Abteilungskommandeur in einem Flatregiment.
Eine aussichtslose Sache.
Reuyork, 4. November. (DNB.--Funkfpruch. । In einem Aufsatz im Journal American" schildert die bekannte englische Schriftstellerin Freda U t l e y die Lage Englands als recht aussichtslos. Weitere Kreise in England hätten sich auf die immer wahrscheinlicher werdende Niederlage der Sowjets bereits eingestellt. Sie nehme jede Hoffnung auf einen englischen Sieg, da keine andere Armee mehr bestehe, auf die sich Eng- land verlassen könne. Seit Wochen höre man viele britische Stimmen, daß — wenn Hitler die sowjetische Offensivmacht zerstören könnte — selbst ein nordamerikanisches Expedi- tionsheer in Europa nicht viel Hoffnung auf eine militärische Entscheidung zulasse.
Berlin, 4. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die chwedische Zeitung „S v e n s k a D a g b l a d e t" veröffentlicht unter der Ueberschrift „Das deutsche Kriegspotenttal reicht für den Sieg" ein Interview ihres Berliner Vertreters mit Generalleutnant von Hanneken, dem Generalbevollmächtigen ür die Eisen- und Stahlbewirtschaftung und Unter- taatssekretär im Reichswirtschaftsministerium.
General von Hanneken wendet sich in diesem Interview gegen Ausführungen von Harrn H o p- k i n s, Ratgeber des Präsidenten Roosevelt, im „Daily Telegraph", in dem dieser falsche Darstellungen des deutschen Kriegspotentials gibt. Von Hanneken stellt zunächst fest, daß die deutsche Kriegsmarine in der Seekriegführung die Initiative hat und behält. Er geht dann auf die englisch-nordamerikanische Tonnageknappheit ein.
hinsichtlich der deutschen Luftrüstung weist General von hanneken darauf hin, daß sie bei Ausbruch des Krieges bedeutend über der englischen Produktion lag und während des Krieges ständig gesteigert wurde. Deutschlands Vorsprung auf diesem Gebiet könne nicht mehr eingeholt werden.
Besondere Beachtung verdienen die Ausführungen des Generals von Hanneken über die wirtschaftliche Kraft Deutschlands in diesem Kriege. General von Hanneken weist darauf hin, daß ein Krieg nicht durch die Rohstoffvorkommen, die dem einen oder anderen der Kriegführenden zur Verfügung stehen, entschieden werden kann, wohl aber sei die Ausrüstung der bewaffneten Macht von großer Bedeutung. Zwischen dem Vorhandensein von Rohstoffen und Flugzeugen, U-Booten und Panzerwagen — um nur einige Beispiele zu nennen — die bei einem Kampf zur Verfügung stehen müßen, liege ein langer Weg, und der heiße Fertigung und Nachschub. Wenn Mr.Hopkins in diesem Zusammenhang von der „Mobilisierung der außerordentlich bedeutungsvollen Hilfsmittel, die den Demokratien zur Verfügung stehen", als dem „nächsten Ziel" spreche, so wiße jeder Kenner der Verhältnisse,
PK.... 4. November. (DNB.-Funkspruch.) E i • ligste Flucht der Sowjettruppen ist der Erfolg des schnellen Vorstoßes deutscher Truppen auf der Halbinsel Krim. In Eilmärschen ziehen die sowjetischen Truppen gegen Süden oder Westen, um möglichst schnell die Häfen 3u er- reichen und sich auf Schiffen den Verfolgern zu entziehen. Allein schon der erste Versuch mußte teuer bezahlt werden. Und gestern -erlebten die Sowjets erneut, daß es kaum möglich ist, sich dem meitrei- chenden Arm der deutschen Wehrmacht zu entziehen.
Aufklärermeldungen vom Morgen des letzten Oktobertages besagten, daß sich in einer schmalen Bucht an der Westküste der Krim stärkere sowjetische Schiffsansammlungen, aus Trans- portern und Kriegsschiffen bestehend, befänden. Wenige Minuten später springen die startbereiten Maschinen an. Bei klarblauem Himmel geht's in die Sonne hinein gegen Süden auf Höhe. Die Sicht ist glänzend, und schon von weitem erkennen die geübten Augen auf der Wasserfläche jene w-inzigen Striche, die sich beim Näherkommen zu mehr oder minder großen Schiffen entwickeln.
Aus der Sone heraus, den Blicken der Flakkanoniere entzogen, fetzen die ersten Maschinen zum Sturz an. Erst als die ersten Bomben dicht hinter einem großen Transporter krepieren, bemerkt man unten die Gefahr. Ein mörderisches Feuer schwerer Flak setzt, vom Lande her kommend, ein. Wenig später beginnt auch die Schiffsflak der beiden Zerstörer, die mit höchster Fahrt der Gefah- renzone zu entfliehen suchen. Es ist zu spät!
Maschine auf Maschine stürzt nach Befehl, und immer dichter wird der Bombenregen um die Schiffe. Da steigt vom Heck des zweiten Transporters eine gewaltige Rauchsäule auf. Er legt sich etwas seitlich und sackt dann schnell mit dem Heck weg. Fast gleichzeitig hat es einen Zerstörer am Heck erwischt. Er bleibt bewegungsunfähig mitten int Fahrwasser liegen.
daß es lange Zeit dauert, ehe die Organisation der verschiedenen Fertigungsstätten den vorhandenen Rohstoffvorkommen entspricht und ehe die „Hilfsmittel" das letzte Stadium des fertigen Er- zeugnißes erreicht haben.
General von Hanneken betont anschließend, daß Deutschland bereits die Rüstungs- Maschinerie besitzt, die zur Unterstützung Englands erst geschaffen werden soll. „Wir besitzen bereits die Rüstungsmaschinerie, die auf der anderen Seite des Ozeans als „nächstes Ziel" jetzt an- gesetzt wurde. Wir haben bereits Methoden für die Bewirtschaftung und die organisatorischen und per- önlichen Erfahrungen, die uns in die Lage oer- etzen, unter allen Umständen das für die Krieg- ührung notwendige Material herbeizuschaffen und tiefes auf anderen, nicht kriegswichtigen Gebieten einzusparen.
Die bisherigen Feldzüge waren der Beweis dafür, daß alles 2Haterial, das für den Sieg erforderlich war, uns in hinreichenden Mengen und in gewünschter Qualität zur Verfügung stand."
In diesem Zusammenhang wird in dem Interview darauf hingewiesen, daß Europa sich zu einem neuen wirtschaftlichenGroßraum zusammengeschlossen habe. Die Rohstofferzeugung dieses großeuropäischen Zusammenschlusses liege gerade hinsichtlich der wichtigsten Rohstoffe wie Eisen, Kohle und Aluminium weit über dem, was Deutschland selbst 1938 hervorbringen konnte. Diese Rohstoffe stünden Deutschland in einem geschlossenen, kompakten Raum zur Verfügung.
kein Weltmeer schiebe sich zwischen den Produktionsplan und seine Durchführung.
Abschließend sagte General von Hanneken: „Der statistischen Betrachtungsweise des Mr. Hopkins, die sich auf eine Abschätzung der Rohstoffmenge beschränkt, stellen wir also mit ruhiger Zuversicht unsere dynamische Betrachtung der Dinge entgegen, die der angelsächsischen Welt so schwer verftändttch ist, weil sie nicht in Tonnen und Pfund Sterling ausgeörücft werden kann."
Die zweite Staffel, die im Stürzen ist, als wir bereits wieder auf Höhe gehen und kurvend zum Verband sammeln, erwischt den zweiten Zerstörer, der unter mächtiger Rauchentwicklung das Weite suchen wollte. Er wird so schwer getroffen, daß er sich auf Strand setzt. Die letzten Bomben gelten einem etwa 3000 Tonnen großen Transporter. Zwei, drei Explosionen schleuoern Spanten, Bretter und Balken durch die Luft. Dann sackt er über den Bug in d i e Fluten.
Als die Staffelkapitäne sich zur Erfolgsmeldung beim Gruppenkommandeur einfinden, wird als stattliches Ergebnis die Beschädigung von zwei Zerstörern von etwa.1500 Tonnen, eines Transporters von 6000 Tonnen und eines zweiten von mindestens 3000 Tonnen festgestellt.
Rach einer kurzen Mittagspause ergeht neuer Startbefehl an die Staffeln. Aufklärer haben den vormittags aus dem Flottenverband geflüchteten Kreuzer auf der Höhe von Simferopol festgestellt.
Nach einer guten Flugstunde sind die Staffeln zurück. Der Kreuzer hatte unter dauerndem Zick- Zack-Fahren, aus allen Flakkanonen feuernd, die Verfolger abzuschütteln versucht. Bis 3u fünfmal hatten die Maschinen zum Sturz angesetzt, bis cs endlich gelang, ihm zwei Volltreffer zu verpassen. Eine .mächtige Rauchwolke war kurz darauf aus deck» Heck des Kreuzers gebrochen. Keffelexplofion! Zwar machte er immer noch langsame Fahrt und die hereinbrechende Dunkelheit entzog ihn dem weiteren Zugriff der Verfolger. Aus Dem Verband der feindlichen Schwarzmeer-Flotte scheidet auch dieser Kreuzer aus.
Damit haben die Stuka der Gruppe des kürzlich mit dem Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz ausgezeichneten Hauptmanns B., die sich schon auf allen Kampffeldern des Ostraums bewährt haben, einen neuen wesentlichen Erfolg errungen, der sow
jetischen Schwarzmeer-Flotte aber einen Schlag versetzt, den sie nimmermehr auszugleichen ver« mag.
Bomben auf Noworossijsk.
Berlin, 3. Nov. (DNB.) Noworossijsk, die etwa 100 000 Einwohner zählende Hafenstadt am Dftufer des Schwarzen Meeres und am Fuße des Kaukasus, lag am 2. November längere Zeit unter der Wirkung eines deutschen Bombenangriffs.
Nach Sewastopol ist Noworossijsk der wichtigste Kriegshafen der Sowjets am Schwarzen Meer. Er wurde im Laufe der letzten Jahre nach modernsten Gesichtspunkten weitgehend ausgebaut. Die Kaianlagen ziehen sich über 5000 Meter hin. Zahlreiche große Lagerhäuser, Oeltanks und Getreide-Elevatoren weisen auf die Bedeutung dieses Platzes auch als Handelshafen hin. Auch als Rüstungszentrale des kaukasischen Raumes kommt dieser Stadt höchste Bedeutung zu. Kampfwagenwerke, Fabriken für Flugzeugzellenbau, für Artilleriemunition und große Werke für Auto- und Traktorenbau machen Noworossijsk zu einem wichtigen Versorger der bolschewistischen Wehrmacht.
Beim Angriff auf die Hafenanlagen erhielt u. a. ein modernes Schwimmdock zwei Volltreffer schweren Kalibers. Weitere Treffer lagen in Hafen- anlagen und anderen kriegswichtigen Zielen und richteten schwere Zerstörungen an.
Kursk.
Mit der Einnahme der Stadt Kursk ist wiederum ein wichttger Verkehrs- und Jndustrieort der Sowjettmion in deutsche Hand gefallen. Sie liegt inmitten des Schwarzerde-Gebiets der Tuskara, einem Nebenfluß des Sfejrn, auf zwei Hügeln, die das enge, tiefe Flußtal des in die Tuskara mündenden Kur voneinander trennt. Die Stadt zählt 120 000 Einwohner, dank ihrer Lage inmitten eines Raumes mit einer gutentwickelten Landwirtschaft, mit dem sie durch eine Reihe von Straßen und Eisenbahnen verbunden ist. Dor allem schneidet sich hier die Nord-Süd-Verbindung Moskau—Tula— Eharkow mit der West-Ost-Verbindung Kiew—Woran esh. An rüstunaswichttgen Betrieben besitzt Kursk eine Motorenfabrik, eine Waggon-Reparaturwerk- statt, Fabriken zur Herstellung von synthetischem Kautschuk sowie weitere Werke der chemischen In» dusttie und ein noch im Bau befindliches Hüttenwerk. Außerdem sind Unternehmen der Textil-, Leder-, Holz-, Rohstoff-, Lebens- und Genußmittelindustrie in Kursk vertreten. Ferner besitzt Kursk eine größere Waffenfabrik, die Panzerabwehrkanonen, Flak und anderes mehr herstellt. In der Nähe der Stadt wird Steinkohle gewonnen. Bekannt ist Kursk weiterhin durch die im gleichnamigen Gebiet liegenden Eisenerzvorkommen. Diese Vorkommen sollen mit zu den umfangreichsten der Sowjetunion gehören, sie sind jedoch von verhältnismäßig geringem Eisengehalt. Sie liegen bei Koroskowo, ungefähr 100 Kilometer südostwärts von Kursk.
Tagesbefehl Stalins: „Kämpft bis ihr umfallt.. .*
Helsinki, 3. Nov. (Europapreß.) Der Moskauer Rundfunk teilte am Sonntagabend mit, daß Stalin einen persönlichen Tagesbefehl an alle sowjetischen Streitkräfte gerichtet habe, die augenblicklich um Moskau herum im Kampf stehen. Der Tagesbefehl ist im wesentlichen eine Wiederholung der schon früher an das Sowjetheer gerichteten Befehle. Es heißt darin u. a.:
„Niemand darf einen einzigen Schritt weichen. Kämpft bis ihr umfallt und seid überzeugt davon, daß neue Kräfte' den Kampf dort fort* setzen werden, wo ihr aufhörtet. Der Feind muß und wird vor Moskau zum Halten gebracht werden."
„General Winter" für uns kein Hindernis.
Berlin, 3. November. (DNB.) „Der Winter ist ein recht unsicherer Faktor, wenn man von ihm ausschließlich eine ungünstige Auswirkung auf die deutschen Kampfhandlungen erwartet." Diese bittere Lehre erteilt der Londoner „Daily Expreß" jenen Schreibtischstrategen, die im General Winter den besten Verbündeten der Bolschewisten zu sehen glauben. Tatsächlich hat d i e kalte Jahreszeit dis Operationen der Deutschen nicht auf- gehalten. Selbst der militärische Sachverständige des Londoner Nachrichtendienstes stellte in feiner Wochenbetrachtung am 2.11. unumwunden fest, daß die Vorstöße der deutschen Armeen trotz deÄ | schlechten Wetters nicht nachgelassen hätten.
Tatsächlich sind an der ganzen Ostfront vom
Flüchtende Sowjeifloite vor der Krim vernichtet.
Von Kriegsberichter Bernhard Praktik.
Wer weiß, wie?
Von Bruno H. Bürgel.
In ein Krankenhaus wird ein Mann eingeliefert, der einen Unfall gehabt bat. Ein alltäglicher Vorgang! Auch ein Schlüsselbeinbruch liegt vor; nyü, man wird das bald wieder in Ordnung gebracht haben, die Sache ist nicht so schlimm! — Aber bald zeigt sich etwas viel Merkwürdigeres an dem Mann. Er hat vergessen, wer er ist, wo er wohnt, ja, was ihm geschehen ist. Man zeigt ihm eine Taschenuhr und fragt ihn, was das sei. Seltsame Frage, wird mancher denken, der Mann wird ja wohl wissen, was eine Taschenuhr ist! Aber nein, er weiß es nicht, er betrachtet das Ding von allen Seiten und kann die Bezeichnung, die man dafür hat, nicht finden. Nun hätt man ihm die Uhr ans Ohr. Er hört sie tiefen, er erkennt ein Geräusch, das er in seinem Leben tausendmal gehört hat, und sagt sofort, das ist eine Taschenuhr!
Merkwürdig! Der Mann leidet, wie die Aerzte das ausdrücken, an Seelenblindheit; irgend etwas in seinem Gedankenapparat, in diesem unerhörten, noch nicht gelösten Wunder und Rätsel, ist infolge des erlittenen Unfalles aus dem Leim gegangen. Der Mensch, das ist eigentlich sein Gehirn! Wir wurden unter den abertausenden verschiedenen Arten von Geschöpfen, die auf dieser Erde umher- wimmeln, eben deshalb „Erster", wurden zum Beherrscher dieser Erde und all ihrer Mitgeschöpfe, weil wir da oben in unserer beinernen Schädelhöhle eine Empfindungs- und Denkmaschinerie haben, die der aller anderen Wesen so gewaltig überlegen ist, daß sie nicht dagegen ankommen können, ebensowenig wie ein noch so mutiger Mann, der nur über einen Säbel verfügt, etwas gegen ein Maschinengewehr auszurichten vermag. Nicht die Größe des Gehirns spielt die Hauptrolle, sondern die Kompliziertheit seines Zellenaufbaues. Neuntausend Millionen Ganglienzellen, die miteinander durch Nervenfasern verbunden sind, so beweisen uns die Hirn-Physiologen, bauen unseren Denkapparat auf, und die einzelnen Teile dieses Hirns sind miteinander durch „Schnellbahnendurch Nervenleitun
gen in Verkehrsverbindung, wie die großen Städte eines Landes durch Telegraphenleitungen, durch ein Eisenbahnnetz verbunden sind. Man schaut tief hinein in dieses wunderbare Instrument; das Jnstt- tut für Hirnforschung in Berlin-Buch und andere Forschungsstätten bemühen sich, die Zusammenhänge zu erkennen, indessen, w i e wir denken, w i e wir Entschlüsse fassen, das ist noch immer ein großes Geheimnis.
Was wäre der Mensch ohne „Erfahrung"? Wenn wir irgendeine planvolle Handlung vorneh- men wollen, ziehen wir mit Recht unsere Erfahrung heran. Erfahrung aber ist ja im Grunde nichts anderes als Gedächtnis! Wir haben in unserem Hirn abertausend Eindrücke, Erlebnisse Erfahrungen, Kenntnisse aufgespeichert, die wir eben „hervorziehen", wenn wir die Ueberlegung anstellen, wie wir dieses oder jenes am besten anpacken, ins Werk setzen. Aber schon stehen wir wieder mitten drin in einem bisher nicht gelösten Geheimnis! „Gedächtnis", was ist das eigentlich? Jemand fragt Sie, wo die Goethe-Straße liegt, oder welcher Dichter den „Siebenkäs" geschrieben hat; Ihr Junge will von Ihnen wissen, in welchem Jahre Kolumbus Amerika entdeckte. Nun kramen sie in Ihrem „Gedächtnis" umher und bringen, wenn es gut ist, die da aufgefpeicherten, irgendwann einmal erfahrenen, gelernten Weisheiten zutage. Leicht gesagt! Wie macht denn unser Hirn das? Sind abertausend Schubfächer in ihm vorhanden, Notizblocks, Zettelkästen? Nein! Wenn uns der Hirn-Physiologe durch seine prächtigen Mikroskope in den ungeheuren Zellenwirrwarr des Gehirns schauen läßt, so sehen wir da nichts als Zell- körperchen mit Protoplasma und Zellkern, und irgendwie und irgendwo muß unser Gedächtnisinhalt da „aufgespcichert" fein. Aber das alles sind Worte und Vorstellungen für ein im Grunde ungelöstes Geheimnis.
Kehren wir einen Augenblick zu dem Mann im Krankenhaus zurück, der die Taschenuhr sah, aber das Wort dafür nicht finden konnte. Wir stellen uns die Alltäglichkeiten alle viel zu einfach vor! Jemand zeigt Ihnen eine Taschenuhr und fragt; was das sei. Irgendwo in dem Teil Ihres Gedächtnisses, der für die von den Augen gesehenen
Gegenstände zuständig ist, ist das Erinnerungsbild der Uhr haften geblieben, und an einer ganz anderen Stelle des Hirns ist das von Ihrem Ohr gehörte Wort für diesen Gegenstand aufgespeichert. Bei dem Gesunden sind beide Bezirke durch ein „Telegraphenkabel" miteinander verbunden; erkennt er das Ding, hat er auch das Wort dafür bereit; ist aber durch einen Unfall, eine Krankheit dieses Kabel gerissen (wie wir uns das einmal der Einfachkeit halber vorstellen wollen), dann sieht er zwar die Uhr, aber das Wort dafür findet er nicht mehr in seinem Gedächtnis.
Tief ist die Welt, und tiefer als der Tag ge- dacht! ruft Nietzsche aus. Im Grunde denken wir alle, ohne zu wissen, wie wir denken! Es geht uns wie dem Tausendfüßler, den der Regenwurm fragte, wie er das nur anfange, zu laufen, ohne sich mit feinen vielen Beinen zu verheddern. Es ging „von selbst"; erklären konnte er es nicht. Irgendwie also muß von dem, was wir einmal gesehen, gehört, gelernt haben, ein „Eindruck" im Gehirn verbleiben, nur das Wie ist eben unbekannt. Aendern sich in den Ganglienzellen des Hirns die stofflichen chemischen Verbindungen? Sind elektrische Ströme oder andere Kräfte am Werk? Wir dürfen ja nicht vergessen, daß die Zellen sich auch aufbrauchen, erneuern. Wie ist es nun: nimmt die neuwerdende Zelle den alten Gedächtnisinhalt, etwa die Jahreszahl 1492 für die Entdeckung Amerikas, dennoch auf?
Was wäre der Mensch ohne Gedächtnis? Der größte Teil unserer Gedankenarbeit beruht überhaupt darauf, und doch wissen wir nichts über den Grund und Kern der Sache. Das Aeußerliche, das Nebensächlichere wissen wir wohl, wir hören die Glocken, aber wir wissen nicht, wo sie hängen! Wir wissen alle, daß beim Gedächtnis Hebung die große Rolle spielt. Ein Gedicht, das wir uns mehrere Tage hintereinander durchlesen, bleibt „haften". (Auch nur ein Wort! Woran haftet es denn?) Wahrscheinlich ist es nun so, daß eben diese Hebung gewisse Hirnpartien befähigt, leichter, sicherer, schneller zu reagieren, so daß uns eben das Erlernte ohne Mühe aus dem Trichter der Gedankenmühle entgegenfällt. Sehr interessante Hntersuchun- gen haben übrigens gezeigt, daß auch der Gedächt
nisapparat nicht zu allen Zeiten, unter allen Um* ständen gleich gut,arbeitet. Man hat gefunden, daß man am Abend sich leichter etwas einprägen kann als am Morgen und daß wir um die Mittagsstunde am wenigsten aufnahmefähig sind. Was wir nun hören, hält das Gedächtnis weniger gut fest als das, was wir zugleich sehen (z.B. Worte), und man macht sechsmal weniger Fehler, wenn man das Gehörte niederschreibt, um es dann später aus dem Gedächtnis zu wiederholen. Zwischen dem 15. und dem 20. Lebensjahr lernt der Mensch nach diesen Untersuchungen am besten. Wahre Wunder aber vollbringen die „Gedächtnis-Akrobaten", wie etwa der Knabe Frank, der sich in der ganzen Welt sehen ließ und 30 zehnstellige Zahlen, die ihm einmal vorgelesen wurden, später ohne jeden Fehler! herunterzufchnurren wußte, selbst wenn er zwischendurch in ein langes Gespräch verwickelt wurde! Wer weiß, wie?
Zeitschriften.
— Einen aufschlußreichen Beittag zum Thema Ded Farbphotographie bringt das Nooemberheft der „neuen l i n i e" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) mit ihren farbigen Schauspielerköpfen, die künstlerisch wie technisch so schön sind, daß man sie als richtunggebend bezeichnen kann. — „Die Maske des Schauspielers", „Zauber des Lächelns", „Der Berliner Theaterbericht", „Das illustrierte Drehbuch", irt diesen Veröffentlichungen spiegeln sich Theater und Film. Daneben zeigt Das Heft noch viele anders interessante Themen Dazu gehört ein hervorragender psychologischer Aufsatz, der sich mit dem Inhalt des Offiziersberufes auseinandersetzt; ferner ein kritischer Essay über die Bedeutung der Angelika Kauffmann (zum 200. Geburtstage). Schließlich sei neben der schön bebilderten Veröffentlichung über den wiedergewonnenen Süden (Südkärnten und Südsteiermark), neben einem illustrierten Gedicht von Wilhelm von Scholz und einer skurrilen Erzählung, Der „luftige Zauberer Wünschedir" genannt, ein neues entzückendes Märchenbuch für Sun« Der und Erwachsene, von dem „Die neue linie" einen! farbigen Vorabdruck bringt


