maßen, Roosevelt, nach Wunsch die entsprechende Antwort zu erteilen.
Verdunkelungszeit
4.11. von 17.46 bis 8.21 Uhr.
ziehen.
Mit einem eindringlichen Appell, der deutschen Volksgemeinschaft mit eigenem Tun und Handeln zu dienen, damit das deutsche Volk als Schutz- und Trutzgemeinschaft gegen Rot und Tod, gegen den
Das Programm wurde mit den bekannten und gern als choreographischer Grundriß benutzten slawischen Tänzen von Dvorak eröffnet: wir sahen eine Folge volkstümlich betonter Kostümtänze, deren wechselnde Bilder heiter, farbig und melodisch ineinander übergingen. — Danach sahen wir, von
Oer Hamsterer stellt sich außerhalb der Volksgemeinschaft Oer Gauleiter richtete eine eindringliche Warnung an diese Volksschädlinge.
Brasilien.
RiodeIaneiro,3. Rov. (DRB.) Die deutsche Regierungserklärung gegen Roosevelt wird durch die Presse Brasiliens im Wortlaut verbreitet. Sie beherrscht die Schlagzeilen und Titelseiten der Blätter, wobei die Ueberschriften die Anklage heroorheben, daß die USA. Kriegshandlungen einge- leitet haben. In der „Gazeta de Noticias" werden Roosevelts Behauptungen als unflätige grobe Fälschungen angeprangert.
Frankreich.
Vichy, 3. November. (DRB.) Zu der deutschen Nate aus die Roosevelt-Rede schreibt der „Pro- ar6s" m Lyon, daß dieses Dokument mit großer Aufmerksamkeit gelesen werden müsse.. Man finde darin eine Widerlegung der schweren An- schuldigungen, die Roosevelt in seiner Rede vom 28. Oktober erhoben habe. Die deutsche Note habe das Verdienst, mit der Wirklichkeit kein Spiel zu treiben. Die nordarnern konische Flotte nehme tatsächlich an der Atlantikschlacht teil.
Ungarn.
B u d a p e st, 3. November. (Europapreß.) Infolge der Feiertage mit ihren zwei zeitungslosen Tagen beschäftigt sich die ungarische Presse erst am Man- tag mit den Entgegnungen der Reichsregie- rung an die Adresse Roosevelts. Die Verlautbarungen der Reichsregierung werden, ihrer Bedeutung entsprechend, von den Blättern an bevorzugter Stelle gebracht, und der deutsche Standpunkt kommt in den Ueberschriften zur Geltung. Soweit Kommentare vorliegen, wird unterstrichen, Deutschland belaste mit der Verantwortung die Washingtoner Regierung. Daß der zum Angriff be- reite Roosevelt zähe an der Pose des angegriffenen Teils festhalte, liege, so sagt „Magyarorsag , daran, daß er die nordamerikanische öffentliche Meinung entscheidend und endgültig aufreizen wolle. Ferner möchte er die Einmischung Japans vermeiden.
Aus der Giadt Gießen.
Zn der Dämmerung.
„Beguckt euch man mal von innen!" sagte die Großmutter — damals, als wir Kinder waren. Wir konnten, wenn die Dämmerung gekommen war, die Zeit nicht abwarten, daß Licht gemacht würde, damit wir weiter spielen konnten. Aber Großmutter saß still in der Dämmerung und rührte sich nicht. „Großmutter, laß uns doch Licht machen", baten wir. Nein, wir sollten getrost noch ein Weilchen warten, sagte Großmutter. Ja, aber man kann doch nichts anfangen, es ist doch schon beinahe ganz dunkel? „Beguckt euch man mal von innen", sagte Großmutter.
Natürlich haben wir Großmutter nicht begriffen. Wir sahen nur, daß die Viertelstunde, in der der Tag in den Abend, die Nacht hineindämmerte, nun also für uns verloren war — es war ja nicht mehr hell genug, um beim Spielen noch etwas verrichten zu können.
Aber dann sind wir älter geworden, und da haben wir Großmutter begriffen und haben verstanden,
Niederländisches Ballett Wonne Georgi
Gastspiel bei »Krast durch Freude- im Gloria-palast.
daß die Alten diese Minuten, in denen die Helligkeit des Tages Abschied nimmt, immer geliebt haben, so sehr, daß sie ihnen in allen deutschen Mundarten Namen gegeben haben, in denen das Besinnliche und Stille der knappen Frist zwischen Tag und Nacht klingt. Wir wollen Dämmerung halten, sagten sie. Da saßen sie, sprachen nicht viel, bedachten aber manches, was der Tag gebracht hatte und der kommende Tag bringen würde, sie besannen sich auf sich selbst, und vor allem auch waren ihre Gedanken bei denen, die sie liebten, die aber in der Ferne waren.
Nun halten wir selbst gern Dämmerung in der abendlichen Stunde, ein paar Minuten zwischen den Pflichten von Arbeit und Dienst. Mehr als jemals sind es Augenblicke des Gedenkens geworden, wir sind mit unseren Gedanken bei denen, die wir lieben, die in der Ferne sind — für uns. Und wir fühlen, wie groß unsere Liebe ist und unsere Dankbarkeit, fühlen es ganz in dieser geruhsamen Spanne Zeit, in der die Stille der Dämmerung um uns ist.
H. J. T.
Vornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19 bis 21.30 Uhr „Eva springt durchs Fenster". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Kameraden". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Oh, diese Männer". — Oberhessischer Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Foyer des Stadttheaters.
„Die politische Karikatur im geistigen Kampf der Gegenwart."
Am Mittwoch, 5. November, wird im Rahmen des Gießener Vortragsrings Dr. Ernst Herbert Lehmann über das Thema „Die politische Karikatur im geistigen Kampf der Gegenwart" sprechen.
Für unsere Verwundeten.
Im Laufe der vorigen Woche wurden in drei Lazaretten durch Lehrer A p p e l m a n n von der Kreisbildstelle verschiedene Filme vorgeführt. Mit vorherigen Erläuterungen sahen die Verwundeten das Leben der Fischer beim Fangen der Seefische und die Rettung schiffbrüchiger Seeleute, ferner wurde die Ausbildung von Fallschirmspringern gezeigt. Reicher Beifall dankte für die lehrreiche Unterhaltung.
Durch Vermittlung der Kreisfrauenschaftsleiterin Weirich in Lauterbach überbrachten Frauen der Ortsfrauenschaften Groß-Felda, Klein-Felda, Zeil- bach, Kestrich und Schellnhausen eine große Anzahl Kuchen, die an die hiesigen Lazarete verteilt und dankbar angenommen wurden.
auf dem Schlachtfelde geopfert habe, auch hier bereit ist, bis zum letzten Amerikaner zu kämpfen. Deutschland aber begegne diesen trüben Machen- chaften, so führte der Gauleiter unter der begeisterten Zustimmung der Versammelten aus, mit der gelassenen Zuversicht, die sich aus der Gewißheit der Ueberlegenheit unserer auf allen Kriegschauplätzen siegreichen Wehrmacht ergebe.
Mit Heiterkeit und Entrüstung gleichermaßen begleitete die Versammlung dann die Ausführungen, mit denen der Gauleuer die amerikanischen und britischen Heucheleien geißelte, die heute den einstmals bekämpften Bolschewismus als Vorkämpfer für Zivilisation und Gerechtigkeit vorstellen wollen In fesselnder Weise stellte der Gauleiter dann anschließend dar, wie unsere politischen und militärischen Erfolge das Reich von der Stellung eines Enterbten und Habenichts zu einem heute mit Rohstoffen wohlversorgten Organismus verbesserten. Mit diesem,---vo--------o v „
Erfolg trotze es auch in der Zukunft allen teuf- Vernichtungswillen unserer Feinde seinen Frei- lischen Absichten des Judentums. Es sei damit heitskampf bestehe, schloß diese eindringliche Rede, auch bereit, dem Lügner von hemisphärischen Aus-j -------
Die Tänzerin Äoonne G e o r g i, die gegenwärtig auf Einladung des Reichskommifsars für die befetten niederländischen Gebiete, Reichsministers Dr. Seyh-Jnquart, eine Reife durch Deutschland unternimmt, gab gestern mit ihrem Ballett für die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ein Gastspiel im Gloria-Palast. Die Vortragsfolge, deren Choreographie von Poonne Georgi ausgearbeitet ist, ließ, obwohl in den einzelnen Tänzen variabel, doch deren gemeinsame Wurzel deutlich erkennen: die Truppe kommt stilistisch vom klassischen Ballett her und entwickelt ihren Stil — ohne sklavische Bindung — aus dessen traditionell festgelegten Formen. Die Rolle der Georgi bestimmt sich, soweit nach diesem Programm geurteilt werden kann, weniger nach ihrer sölistischen Funktion als vielmehr aus ihrer Rolle als Vortänzerin, Chorführerin und Anregerin, deren gruppenbildende choreographische Phantasie den wechselnden Formen des Ensembletanzes Farbe, Bewegungsablauf und eine sympathisch wirkende, sehr disziplinierte Geschlossenheit gibt, ohne daß dadurch die tänzerischen Individualitäten des „Chores" und der Einzelgruppen in ihrer Bewegungsfreiheit beeinträchtigt scheinen.
NSG. Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, der in den letzten Wochen bereits auf mehreren Kundgebungen der Partei zu der Bevölkerung des Gaues Heffen-Nafsau über die Forderungen der Stunde an Gesinnung und Haltung der Heimat prach, ergriff am Sonntagabend auf einer 23er- ammlung in Butzbach erneut das Wort.
In einem eingehenden geschichtlichen Ueberblirf childerte der Gauleiter in dieser Rede, die auf vier weitere Paralleloersammlungen übertragen wurde, die politischen Triebkräfte, die in der Vergangenheit für die Zerrissenheit des Reiches verantwortlich waren, um dann beim Aufzeigen der Hintergründe des gegenwärtigen Kampfes das internationale Judentum als den eigentlichen Drahtzieher jeder Völkeroerhetzung zu entlarven. Dabei unterzog er in besonderem Maße die Rolle des Lügners und Verleumders Roosevelt, den er als den von den Juden neu auserwählten Messias bezeichnete, als Werkzeug der internationalen Finanzjuden einer schonungslosen Beleuchtung. Schon jetzt zeige sich, daß der Jude, so wie er bereits viele Völker für feine Interessen
hohen Narben bis in den tiefen Süden im Laufe der letzten zehn Tage trotz ungünstiger Wetterlage bedeutende Fortschritte erzielt worden. Zwischen Leningrad und dem Ilmensee stteßen deutsche Einheiten weiter ostwärts vor. An der oberen Wolga gewannen die Deutschen ebenfalls beträchtlich Raum. Enger schloß sich von Tag zu Tag der deutsche Vormarsch in Richtung auf Moskau zusammen. In den letzten Tagen wurden bedeutende Fortschritte im Raume Drei—Kursk—Charkow erzielt. Im Donezgebiet fielen wichtige Städte im westlichen Teil in deutsche Hand. Die Pordostküste des Asowschen Meeres befindet sich ostwärts über Taganrog in deutschem Besitz. Bei Perekop wurde der Uebergang über die Landbrücke zur Krim erzwungen.
Oie Antwort an Roosevelt.
Neuyork, 3. November. (DNB.) Die Feststellungen des Führerhauptquartiers zu Roosevelts Flottenrede überschatten in der Washingtoner Sonntagspresse alle anderen Ergebnisse. Alle W a - shingtoner Blätter bringen die deutsche Entgegnung auf der ersten Seite mit großen mehrspaltigen Schlagzeilen im Wortlaut und widmen der dadurch geschaffenen Lage viele Spalten. Leitartikel dazu sind bisher nicht erschienen, jedoch zeigt die Aufmachung und der Inhalt der Meldungen, daß die Erklärung sehr st a r k gewirkt hat und daß eine Antwort daraus nicht bei der Hand ist. Auch die Neuyorker Blätter bringen die amtliche deutsche Erklärung unter Nie- senüberschriften. Die Blätter geben die ausführlichen Berichte aus Berlin wieder, die die wichtigsten Stellen der Erklärung im Wortlaut zitieren und weiterhin die Tatsache verzeichnen, daß die deutsche Regierung sämtlichen neutralen Ländern mitgeteilt habe, daß Roosevelts jüngste Anschuldigungen de- treffend die Deutschen in Südamerika und die Religionspläne grobe F älschun gen seien.
Der Gauleiter ging dann auf die selstverst ä n d l i ch e Disziplin ein, die jeder Volks- genösse gegenüber den Kriegsbewjrtschaf- tungsmaßnahmen, die eine der wirksamsten Waffen gegen die britische Hungerblockade seien, zu halten habe. Er richtete dabei eine eindringliche Warnung an d i e Hamsterer. „Meine vor längerer Zeit gemachten Ausführungen", so führte der Gauleiter hierzu aus, „in welchen ich darauf hinwies, daß der nationalsozialistische Staat die Beachtung der Kriegsbewirtschaftungsmaßnah- men nicht so sehr mit polizeilichen Mitteln als durch den Appell an die nationalsozialistische Gesinnung erreichen werde, und daß infolgedessen auch von jeder kleinlichen Schnüffelei abzusehen sei, sind leider von böswilligen Elemente und geistig Mindert)^ mittelten als eine Sanktionierung der Hamsterei ausgelegt worden. Es ist daher notwendig, eindeutig darauf hinzuweisen, daß jeder Hamsterer, in welchen Quantitäten er sich mit seinem Treiben auch halten möge, sich außerhalb der deutschen Volksgemeinschaft stellt." Diese Dolksschädlinge werde nicht nur die ganze Schwere der gesetzlichen Strafe, sondern vor allem die Verachtung jener Volksgenossen treffen, die es sich nicht gefallen lassen werden, daß das Vertrauen der Führung auf die selbst- verständliche nationalsozialistische Disziplin der Heimat von einigen Wenigen in schändlicher Weise mißbraucht wird. Jeder dieser Schädlinge, der heute mit Korb oder Rucksack bewaffnet auf Hamsterfahrt durch den Gau schleiche, aber auch jeder, der diese Hamsterer mit der Gier nach der zu erhaltenden Ueberbezahlung der hintenherum abgegebenen Ware erwarte, habe sich selbst das Urteil gesprochen. Der _ Volksgemeinschaft und unseren staatlichen Faktoren bleibe nur übrig, daraus die Konsequenzen zu
(Nachdruck verboten.)
18. Fortsetzung.
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Ausbildung: lottrige Lernzeit, staatliche Prüfung, praktische! Jahr.
Fortbildung: Operation«-, Diät- Säuglingsschwester usw.
Aufstiegsmöglichkeiten: Jongechweatern führe rin. Oberschwester, Oberin.
Gehalt nach neuem Tarif.
das Bett zu, in dem sich Günther aufzurichten versuchte.
Bröger, desien Heller, luftiger Anzug und bohemienhafte Haltung gar nicht zu dem Ernst der Umgebung paßten, blieb überrascht eine Weile stehen. Er sah vom Tisch, auf dem der Brief noch lag, zu Günther hinüber, als erwartete er eine Aufforderung, Platz zu nehmen. Doch nichts geschah. Gleichzeitig aber empfand Thomas die Situation für sie beide etwas unbehaglich. Schließlich war es nicht zu übersehen, daß er sich einer ausgezeichneten Gesundheit erfreuen konnte, während der andere reichlich behindert und unbeweglich dalag. Allem Anschein nach suchte der andere diese Hilflosigkeit durch ein reichlich befremdendes Benehmen auszugleichen. Im übrigen jedoch gefiel ihm das markante Gesicht Günthers.
„Das ist ja höchst merkwürdig!" begann Günther mit schneidend harter Stimme. „Darf ich fragen, was Sie zu mir führt? Ich habe Sie nämlich am allerwenigsten erwartet!"
Thomas spürte aus dem schwirrenden Unterton sofort Günthers Unsicherheit heraus, obgleich er nicht wußte, was das zu bedeuten hatte. Er durfte ihm also nur mit einer entwaffnenden Ueberlegenheit begegnen, mit jener Ruhe, die man ihm des öfteren schon im Leben als „uninteressierte Stumpfheit" aus- gelegt hatte. Sie war nichts weniger als das. Denn dahinter wachten hellhörig alle Sinne, abwehrbereit und voller Stoßkraft.
„Schade!" lächelte er. „Sie warteten also doch auf jemand? Ich habe nicht das Recht, zu fragen. Anderseits finde ich es gar nicht so abwegig, wenn ich Sie aufsuche." Er zog sich einen Stuhl vom Tisch her und setzte sich wie bet einem richtigen Krankenbesuch zurecht. „Wiederum scheinen Sie auch nicht besonders erfreut zu fein. Aber vielleicht beruht das auf einem Mißverständnis. Ich bin gern bereit.
es aufzuklären."
„Nicht notwendig, Herr Bröger." Günther Merck machte eine knappe Handbewegung. „Ich bin durch Karin unterrichtet. Wie kommen Sie dazu, meiner Verlobten Geld zu leihen? Das frage ich Sie! Und darüber erbitte ich mir eine Aufklärung! Mißverständnisse herrschen da keineswegs!" drängte Günther mit verhaltener Erregung. (Fortsetzung folgt.)
Einsatz der Reldisbund-Sdiwester:
Krankenhäuser. Sanatorien, Kinderkliniken. Mütter». Säuglings- und Kinderheime und Krippen, vorbeugende Familienhilfe auf dem Lande, krankenpflege- rische Tätigkeit im Ausland. Werkscbwestern.
Karin Grunelius
Roman von Guido 6. Brand
Einsatz der NS.-Sdiwestert
Krankenhäuser, Kinderkliniken, Gemeinden, SS-Lazarette. SS-Mütter- und Säuglingsheime, Schulen der NSDAP, und Ordensburgen
begann er wieder zu lesen.
„Lieber Günther! Du mußt den Brief ganz ruhig zu Ende lesen. Erst dann wirst du verstehen, daß ich nicht selbst komme, sondern schon weit weg bin von Spaccaforno, wenn Dir dieser Brief übergeben wird. Ich bin auf dem Wege nach Deutschland, nach München, wo ich vorläufig bei meinem Onkel, dem Bruder meines Vaters, unterzukommen hoffe. Er wohnt — wie gut, daß ich das kleine Büchlein mit den Adressen gerettet habe — in der Adalbertstraße 50.
Daß ich Dir das schreibe, zeigt Dir wohl, daß ich gar nichts verheimliche. Ich flüchte nicht einfach ins Blaue oder aus Angst, Du könntest doch Nein zu meinem Entschluß sagen. Aber trotzdem brachte ich den Mut nicht auf, noch einmal zu Dir zu kommen, um Dich vielleicht um Deine Zustimmung bitten zu müssen. Mut ist auch nicht das richttge. Ich bin zu stolz. Denn Du hattest gestern kaum das Gefühl dafür, wie sehr ich schon in einer anderen Welt lebte, die ich zwar gern mit Dir gemeinsam erleben möchte, zu der Du mir aber den Zutritt verwehrst.
Ich sehe noch nicht ein, worauf Du so sehr das Recht gründest, mich daran zu hindern. Besonders dann nicht, wenn es, wie ich Dir vorschlug, lediglich um ein halbes Jahr oder ein Jahr sein,sollte. Dein
dreimaliges „Nein" gestern, ohne überhaupt nur meine Gründe zu entdecken, das heißt, mir sogar mit Ironie zu begegnen, stärkte mich in dem Entschluß, einem härteren Zusammenprall auszuweichen. Er hätte in dem Augenblick kommen müssen, in dem keiner von uns nachgegeben hätte.
Eines möchte ich doch sagen, damit Du mich nicht mißverstehst. Es ist mir nicht leicht gefallen, diese Reise ohne Dich anzutreten und Dich im Krankenhaus allein zu wissen. Aber Doktor Carli betreut Dich wohl mit der notwendigen Sorgfalt. Und ich selbst hätte nichts anderes tun können als Dich wie bisher ... jeden Tag zu besuchen, mit jedem Tag jedoch nervöser zu werden, ungeduldiger, gereizter.
Gerade um dies zu vermeiden, glaubte ich richtiger zu handeln, wenn ich ohne große pathetische Geste wegfahre und in München auf Dein Kommen warte. Ich bitte Dich um eins ... ziehe um Gottes willen keine falschen Schlüsse aus meinem Handeln. Glaube nicht, daß ich mich irgendwie von Dir trennen will. Uns beide bindet viel Schönes aus all den Jahren, die wir uns kennen, und ich werde immer an Dich denken. Dir schreiben und Dich wissen lassen, was aus meinen Plänen geworden ist.
Ich hoffe auch von Dir, daß Du nicht nur Nachrichten an mich gelangen läßt, sondern selbst bald in voller Gesundheit nach München kommst. Bis dahin aber glaube ich auch, wird die Zeit mitgeholfen haben, Dich zu überzeugen, daß das tatenlose Warten eine Qual ist.
Das Geld zu der Reise habe ich mir von Herrn Thomas Bröger geliehen, den Du ja dem Namen nach kennst. Ich werde ihm die Summe von München aus zurückschicken.
Leb wohl, lieber Günther. Baldige Gesundheit und ein frohes Wiedersehen in München. Oder willst Du erst nach Witzenhausen oder nach Rendsburg, um Dich an den Kolonialschulen nach geeigneten Kräften umzusehen?
Auf alle Fälle schreib mir bald und vergiß nicht auf der Adresse, daß mein Onkel Geheimrat ist. Ich weiß von Papa her, daß er großen Wert darauf legt. Herzlichst ... Deine Karin."
Günther legte den Brief mit einem seltsamen Gefühl beiseite. Er denkt sich eine wunderbare Stunde I mit Karin aus, in der er ihr großmütig seine Zu-
Er mußte sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen sein, denn er schreckte auf, als ihn Schwester Fran- zeska leise anredete und ihm einen Bries übergab, der eben mit der Post angekommen war.
An der Schrift erkannte er Karins Hand. Hastig riß er den Umschlag auf. „
„Bleiben Sie da, bitte!" bat er halb herrisch, halb hilfeheischend, überflog die ersten Zeilen und legte sich blaß in die Kissen zurück.
„Ist es etwas Schlimmes?" fragte die Schwester. Sie sprach sehr gut Deutsch, da sie aus dem Tiroler Anland stammte.
Günther schüttelte den Kopf. „Schon gut, Schwester!" Erst nachdem sie das Zimmer verlassen hatte.
ftimmung gibt, und sie reist aus eigenem Entschluß einfach ab. Irgendwie erinnerte er sich, daß früher einmal eine merkwürdige Uebereinftimmung zwischen ihren Gedanken herrschte, daß sie sich des öfteren mit den gleichen Wünschen und Vorschlägen überraschten.
Aendern konnte er wohl nicht mehr viel. An den „Herrn Geheimrat Grunelius" ein Telegramm zu schicken, wäre banal gewesen. Er wollte sich das noch einmal überlegen. Blieb also nur übrig, bald gesund zu werden und nach München zu fahren. Nach vielem Hin und Her begann er zu lachen. Er fand Karin in ihrer Energie und Zielbewußtheit großartig. Sie imponierte ihm. Rasch überflog er noch einmal ein paar Sätze. Sie lasen sich durchaus logisch, ganz natürlich. Sie hat recht, und die Schuld liegt auf meiner Seite, redete er sich nach einer Weile ein. Außerdem sah er ein, daß er von Frauen wenig, von Karin fast gar nichts verstand.
Aber trotzdem mußte doch etwas geschehen! Ob dieser Maler vielleicht mit Karin im Bunde war? Weshalb sollte er ihr sonst das Geld geliehen haben? Mit halbgeschlossenen Augen starrte er vor sich hin und grübelte über den Inhalt des Briefes nach, der ihm vorhin so klar erschienen mar. Mit fast froh- lockender Ironie stellte er fest, daß Karins Weigerung, zu ihm nach Spaccaforno zu ziehen, einen positiven Grund haben mußte. Zum mindesten einen anderen als den, den sie selbst angab.
Er konnte sich trotz allem Hin und Her noch nicht entschließen, etwas zu tun, als seine Anstrengungen durch Schwester Franzeska zum zweitenmal unterbrochen wurden. Sie meldete ihm Thomas Bröger.
„Wen, bitte?" brauste er auf. Er glaubte, nicht recht verstanden zu haben. Der Maler sollte die Frechheit besitzen, ihn aufzusuchen? Ja, aber dann war doch seine Kombination falsch, daß Bröger mit Karin gefahren mar!? Schließlich fand er das Durcheinander so ungeheuerlich und komisch zugleich, daß er die Schwester bat, den Herrn hereinzuführen.
Der Augenblick, in dem die beiden Männer einander gegenüberstanden, sich sekundenlang stumm prüfend maßen, hatte etwas Beklemmendes. Die Schwester hatte leise die Tür hinter sich geschlossen, Thomas ging mit großen, elastischen Schritten auf
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Weitere Auskunft durch das Amt fQr Volkswohlfahrt, Gaulettung Hessen-Nassau, Darmstadt, Steubenplatz 17
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