.55 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Dienstag, 4. Hlar$ 194t
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Infanterie mit Granatwerfern im Angriff.
,Pak nach vorn." — (Aufnahmen |3|: „Sieg im Westen.")
(Nachdruck verboten.)
4. Fortsetzung.
und Ander wie ihre und Jn-
scheidung im Westen. *
Um die außerordentliche Leistung des folgerichtig hieran anschließenden Hauptteiles „Der Feldzug" recht zu würdigen, mag man sich der Weltkriegsfilme erinnern; es hat eine ganze Reihe gegeben, die alle hinterher gedreht, die mit vieler Mühe mehr oder minder gut gestellt waren und allenfalls einige wenige einkopierte Originalaufnahmen enthielten. Im Film „Der Feldzug" ist dagegen das vielleicht großartigste Erlebnis die Gleichzeitigkeit der Kampfhandlung und der Filmaufnahme: hier ist nichts gestellt und nichts hinterher gedreht, hier wird scharf geschossen; der Kameramann, der Bildtrupp liegen selbst im Feuer, sie gehen mit der Infanterie vor, sie kurbeln durch den Sehschlitz der Panzer, aus der Bordkanzel der Stukas, sie dringen mit den Stoßtrupps in die zerschossenen Ort-
unvorsichtig. In letzter Minute könnte man dir noch Schwierigkeiten machen oder ... dich umstimmen. Solange ich noch in Oschnitz bin, kannst du wahrscheinlich keinen unbeobachteten Schritt tun."
„Was also sonst?"
Er beugt sich noch näher zu ihr. ,Hch fahre mor- gen früh nach Berlin und warte dort auf dich. Du läßt zwei Tage vergehen oder drei und kommst mir nach. Kein Mensch darf davon wissen, niemand etwas ahnen! Du darfst keinen ins Verttauen ziehen! Ich schreibe dir das Hotel auf, in dem du mich antreffen wirst. Komm! Ich bitte dich komm!"
„Und dann?"
schäften ein und begleiten die Pioniere, die auf den Schlauchbooten in schwerem Abwehrfeuer über Kanäle und Flüsse übersetzen, die Flammenwerfer, die sich an die Bunker heranarbeiten: unmittelbarer, intensiver und gegenwärtiger kann man in der Heimat den Krieg nicht erleben.
Der militärisch-historische Stoff, der sich der Kamera bot, war außerordentlich. Abgesehen von der erzieherischen Wirkung des Films, von seiner Bedeutung als taktisches und strategisches Anschauungsund Ausbildungsmaterial, das sich in erster Linie an den Soldaten wendet, ist eines seiner wesentlich- ten Anliegen, die geniale operative Grundidee —
besser!"
Er sprach pathettsch, und wie so oft, erwachte auch jetzt ein Argwohn in ihr gegen die großen Worte, die er so liebte. Sie unterdrückte jedoch alle Zweifel. Mit zusammengezogenen Brauen sah sie an ihm vorbei. Sie war sehr blaß, und ihre Finger spielten nervös mit dem kleinen Löffel.
Die verzweifelten Bitten und Beschwörungen, die er von ihr zu hören gehofft hatte, blieben aus. Er fühlte die Unsicherheit eines Schauspielers, dem nicht das richtige Stichwort gebracht wird, und der dadurch seinen ganzen Auftritt verpatzt.
„Es gäbe einen Ausweg, Charlott!" flüsterte er drängend und beugte sich zu chr. „Einen letzten Ausweg, aber es gehört ein wenig Mut dazu ...
Sie wußte genau, was er meinte, fragte aber dennoch: „Was für einen Ausweg?"
„Du kennst ihn ja! Habe ich nicht schon oft davon gesprochen? Haben wir nicht beide schon daran gedacht?"
„Flucht?" fragte sie, ohne daß ihre Lippen sich bewegten.
„Ja, Flucht!" bestätigte er.
,',Ich soll morgen früh zusammen mit dir ab- reisen^"
Er erhob abwehrend die Hände. „Nein, um Got- teswillen! Keine gemeinsame Abreise! Das wäre
über in das Restaurant.
(Fortsetzung folgt.)
Der Soldat von 1940.
nicht nur dem militärischen Beschauer, sondern der Gesamtheit des Volkes — verständlich zu machen: das geschieht in großen Linien mit Hilfe von Trickaufnahmen in äußerst anschaulicher und ernleuchten. der Weise. Ueber dem Grundriß des zeichnerisch lebendig gemachten Kartenbildes erhebt sich das unmittelbar gegenwärtige Bild des Kampfes an den Hauptbrennpunkten, „wie es wirklich gewesen ist . Was wir in jenen erregenden Wochen des Frühjahrs 1940 — an der Front oder in der Heimat, aus Heeresberichten und Sondermeldungen — erlebten und erfuhren, ersteht hier in unübertreffbarer Plastik und Erlebnisnähe. Natürlich konnte man nicht gut den ganzen Feldzug photographieren — so unglaublich kurz die Zeitspanne seines rasanten Ablaufes auch war. Das Oberkommando hat sich darauf beschränkt, die Höhe- und Wendepunkte darzustellen, wie sie sich etwa mit den folgenden Stichworten bezeichnen: Ueberrennung der Festung Holland; Eroberung des „unüberwindlichen" Forts Eben Emael; die Panzerschlacht; die Durchbrechung der Maginotlinie; der Stoß an die Kanalküste; dis Einkreisungsschlachten im Artois und in Flandern; die englische Katastrophe in Dünkirchen; die große Umgruppierung gegen Somme und Aisne; dann die Zertrümmerung der Weygandlinie; Uebergang über den Chemin des Dames; Kampf an der Marne; Einzug in Paris; Verdun; und endlich die Aufrollung der anschließenden Frorst auf dem linken deutschen Flügel (Saar- und Oberrheipftont). Aus
Die erzieherische und aufklärende Bedeutung eines Filmes, der so gemacht ist und mit solchen Mitteln arbeitet, ist evident. Er zeigt zunächst vor allem, im Sinne Rankes, wie es wirklich gewesen ist: das
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Roman von Otto NenselSt.
Der Heeresdokumeniarfilm „Sieg im Westen"
Festliche Erstaufführung im Gießener Gloria-palast.
ßafarö sagte mit leidenschaftlicher Klage: „Nein, Lolott, ich Jaun nicht länger bleiben, nicht länger warten! Dir so nah und doch ferner, als läge eine Welt zwischen uns! Zur Rolle des schmachtenden Liebhabers fehlt mir das Talent. Ich werde lächerlich vor mir selber. Nur ein paar hundert Schrttte getrennt von dir zu sein und dich doch nicht sehen dürfen, — es ist mir unerttäglich."
Sie hatte ihr Gesicht, so sehr in der Gewalt, daß er nicht erkennen konnte, welchen Eindruck seine Worte auf sie machten.
Ske fragte: „Wohin wirst du reifen?
„Ich weiß es nicht. Irgendwohin! Je weiter je
geben. Die künstlerische Gestaltung besorgten Svend Noldan und Fritz Brun sch; Musik von Herbert W i n d t. — Der Film, dessen dokumentarische Bedeutung schon vor der Erstaufführung in Siezen in unseren Spalten mehrfach unter verschiedenen Blickpunkten beleuchtet wurde, erhielt die Prädikate „Künstlerisch wertvoll", „Staatspolitisch wertvoll", „Volksbildend" und „Iugendwert".
Die Einleitung — „Der Entscheidung entgegen" — beginnt mit dem eindrucksvollen Bilde einer Vereidigung junger, deutscher Soldaten. Sie zeigt dann, zusammenfassend, in Stichworten gewissermaßen, die allenthalben ins Filmische übertragen sind, die Entwicklung auf, die bis zum Ausbruch des Entscheidungskampfes führte, in dem wir heute, siegreich an allen Fronten, mitteninne stehen: sie zeigt in knappen, markanten Bildern das schöne deutsche Land im tiefen Frieden, in ruhiger Arbeit, im wachsenden Wohlstand; sie erinnert an die aus Englands Sorge um seine Weltherrschaft geborene Em- kreisung, an den Weltkrieg, den Zusammenbruch, das Schanddiktat von Versailles, das deutsche Elend der Nachkriegs- und Inflationszeit. Aber man erlebt auch in diesem filmischen Abriß unserer jüngsten Geschichte die Gründung der Bewegung, die im Hunderttausendmann-Heer eine zuverlässige Stutze fand, die große Wende des 30. Januar 1933 und den Beginn eines Weges, der ins Großdeutsche Reich führt. Der Westwall wird errichtet. Die letzte Entscheidung steht bevor; die Chronik des Film- streifens mündet in die Schicksalsstunden im Septem- ber 1939; der Feldzug der 18 Tage in Polen erfährt in einem überaus suggestiv wirkenden Kartenbilde eine filmisch sinnfällig verkürzte und sum- marische Darstellung: Polen existiert nicht mehr für uns, wir haben den Rücken frei für die große Ent-
Jn einer Festvorstellung im Gloria-Palast fand gestern nachmittag in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste der Partei, der Wehrmacht und der Behörden, unter außerordentlichem Zustrom erwartungsvoller Besucher die Erstaufführung des Heeres- dokumentarfilms „Sieg im Weste n" statt. Die Eingangsfront und die Bühne des Gloria-Palastes waren mit Fahnen und Blumen geschmückt. Ein Musikkorps der Wehrmacht leitete mit schneidig gespielten Weisen die festliche Aufführung ein. Der Standortälteste Gießen. Oberstleutnant Kühne, hielt eine Ansprache, in der er u. a. etwa folgendes ausführte:
Auf Befehl des Herrn Kommandierenden Generals findet die Erstaufführung des Heeresdokurnentar- films in besonders festlichem Rahmen statt, denn der Film sei ein einmaliges Ereignis und für jedermann ein großes Erlebnis. Der Film, dessen Herstellung vom Oberbefehlshaber des Heeres während des Frankreichfeldzuges befohlen wurde, gebe das unverfälschte Bild des Kampfes in vorderster Linie. Jede Waffengattung werde im Kampfe gezeigt; die Waffenbrüderschaft mit den beiden anderen Wehrmachtteilen und mit der ff werde ebenso geschildert wie die Zusammenarbeit mit der Organisation Todt und dem NSKK. Man erlebe hier den heldenhaften und opferbereiten Einsatz unseres Heeres auf den Schlachtfeldern in Holland, Belgien und Frankreich; nicht allein die mechanische Kraft der modernen Waffen, sondern vor allem der Geist der Führung, Geist und Siegeswillen des deutschen Soldaten habe den glorreichsten Sieg der Geschichte erfochten. Aus solcher Erkenntnis erwachse uns in der Heimat die tiefe. Verpflichtung, es denen da draußen an Geist und innerer Haltung gleichzutun, uns würdig zu erweisen der großen Zeit und des großen Mannes, den uns ein gütiges Schicksal gegeben hat. So können auch wir dazu beitragen, die hohen Ziele zu erreichen, die der Führer sich und uns gesetzt hat: die kommende Größe und Macht unseres Vaterlandes.
*
Der Film gliedert sich in zwei Teile; tue Einleitung ist überschrieben „Der Entscheidung entgegen" und wurde hergestellt von der Deutschen Filmgesellschaft, Musik von Horst Hanns S j eder; der Hauptteil trägt den Titel „Der Feld- z u g" und wurde an der Front aufgenommen von den Filmberichtern der Berichterstaffel des Oberbefehlshabers des Heeres, der Propagandakompanien und Trupps, der Heeresfilmstelle. Außerdem wurden erbeutete französische und englische Filmstreifen eingebaut, um das wahrheitsgetreue und ungeschminkte Bild zu vervollständigen und eine Darstellung auch von der Gegenseite aus zu
Er lehnte sich mit einem Lächeln zurück, das sie nicht zu deuten vermochte. „Dann ...?" wiederholte er in träumerischem Ton, und wiederum wurde in ihr Mißtrauen gegen ihn wach. „Dann werden wir vereint sein. Niemand kann dich mehr hindern, zu tun, was du willst. Du bist volljährig. Alle Entscheidungen liegen in deiner Hand. Nur hier, in diesem elenden Nest, unter der Aufsicht deines Vaters, kannst du keinen Schritt tun, ohne ihn zu fragen. Später ... oh, Charlott! Ein roenm Mu und die Tore zur ganzen Welt fliegen vor dir auf! Lockt es dich nicht?" Er beugte sich wieder zu ihr bin Ich liebe dich! Du wirst meine Frau sein ... in vier, fünf Wochen ... so rasch es geht. Wir werden in Genf heiraten oder in Berlin, wo du willst, wann du willst. Nur komm! Nur komm!"
In verzweifelter Ungewißheit fach sie ihm in die Augen. Er hiett ihren Blick aus. Sem halbgeöffneter Mund lächelte, und langsam schob er ferne Hände zu ihr hinüber, um nach den lhren zu greifen. Sie konnte nicht antworten. Er fMterte ihr beschwörend zu: „Komm, Charlott! Was willst du hier? Du wirst zugrunde gehen! Das weiht du selbst! Auf der Fahrt hierher warst du tapferer! Du hast mir gesagt ..."
,Zch habe dir nichts versprachen! nef sie in ängstlicher Abwehr.
„Nein, aber du hast mir Hoffnung gemacht Charlott! Du hast mir gesagt, daß du nnch liebtest, wie ich dich liebe! Wovor furchtest du dich?
Sie ließ die angespannten Schultern sinken und sagte ratlos: „Du mußt mir Zett lassen, Henry. Ich kann nicht so besinnungslos eine Entfcheldung treffen, von der mein ganzes Leben abhangt.
wahre und unverfälschte Gesicht dieses Krieges, dessen Züge prägen sich ebenso markant im griffselan eines stürmenden Stoßtrupps und zermalmenden Gewalt vorbrechender Panzer im ahnungslosen Gesang der Tommies, die Wäsche an der Siegfriedlinie trocknen wollen, im Gesicht eines englischen Soldaten, der dem ferno von Dünkirchen entronnen ist. Der Film gibt auch ein Bild davon, was der moderne Maschinenkrieg ist, aber er läßt auch erkennen, wie der Geist über die Maschine, die bloße Technik der Kampfmaschinerie triumphiert, wie der Geist einer genialen Führung, einer bewundernswert klaren Strategie, wie der unvergleichliche Angriffs- und Opfergeist der kämpfenden Truppe — im entscheidenden Augenblick des einzelnen Mannes — einen Sieg erzwingt, der ohne Beispiel in der Geschichte ist. Das Gesicht des namenlosen deutschen Soldaten unserer Zeit blickt aus diesen Aufnahmen dem Be- ücher immer wieder entgegen, und jeder, der cs anschaut, wird es mit Stolz und unerschütterlicher Zuversicht betrachten. Es ist übrigens mit Bedacht nd Geschick daraus gesehen worden, daß alle Waf- engattungen — in planvoll reibungslosem Zusammenwirken — gezeigt werden: neben Infanterie und Panzern, Pionieren und Artillerie, die hier die Hauptlast trugen, auch die Luftlandetruppen, die Nachrichter, die Reiter, die Melder und Kraftfahrer, Santtäter und Bautruppen. Neben und mit dem Heer die Luftwaffe, die Waffen--/, Arbeitsdienst, Organisation Todt und NSKK. (Ein paar knappe Zahlen geben einen Begriff davon, was beispielsweise die Nachschuborganisationen mit der Heranschaffung von Munition, Material und Verpflegung in diesem Feldzuge geleistet haben.)
Wort. Ihr Herz war erfüllt von mutloser Zärtlichkeit, aber sie wagte nur, Lasards Hand zu ergreifen und festzuHalten.
Er sagte: „Ich kann nicht glauben, Charlott, daß ich dich jetzt zum letzten Male sehe! Denk an Arosa! An diese wundervollen Tage! Es könnte immer und immer so sein, wenn ... wenn du Mut hättest, ein bißchen Mut zu deinem eigenen Glück! Ver. prich mir ..."
Sie konnte keine Antwort geben. Eine jammer- liche Schwäche ergriff Besitz von ihr. Sie blickte Lasard an und war in diesem Augenblick bereit, sich ihm preiszugeben, sich führen und treiben zu lassen — unterzugehen, wenn es so sein sollte, und alles um seinetwillen aufzugeben, was sie hier band. Da ihr Tränen kommen wollten, preßte sie die Lider fest zusammen, machte rasch kehrt und lief davon. Lasard wartete darauf, daß sie sich noch einmal nach ihm umsehe. Sie sah sich nicht mehr um.
Er zuckte die Achseln, und gleichzeitig fiel die sehnsüchtige Verliebtheit von seinem Gesicht ad wie eine Maske. Er zeigte eine fröhlich unbekümmerte Miene, als er durch das Kreuzfeuer der Blicks schritt, mit denen die Damen ihn verfolgten.
War das nun ein Sieg oder eine Niederlage? fragte er sich, als er gedankenvoll eine Zigarette rauchte. Aus Gewohnheit nahm er an, daß es ein Sieg gewesen sei. Charlott würde kommen. Sie würde sich ihm ausliefern. Und was dann zu geschehen hatte, würden die Umstände ergeben. Die Oschnitzer, ihr ehrenwerter Herr Papa vor allem, würden sie nicht so leicht preisgeben. Sie zitterten hier alle vor einem Skandal. Man mußte ihnen Daumenschrauben anlegen, und sie würden zahlen, zahlen, um alles zu vertuschen und mit Schweigen zu verdecken. Weigerten sie sich — was allerdings uMvahrscheinlich war — so muhte freilich geheiratet werden, um ein noch stärkeres Druckmittel in der Hand zu haben. Ein Millionär wie Mathesius würde seine einzige Tochter nicht umkommen lassen. Je mehr Umstände er machte, um so kostspieliger würde alles für ihn werden.
Lasard war mit sich zufrieden. Er erhob sich, wechselte einige Worte mit dem Kellner und sagts ihm, daß er morgen früh reifen werde. Dann schlenderte er durch den schmalen Verbindungsgang f)int
„Wenn du mich liebst, kannst du i^r eine einzige Entscheidung treffen!" _
„Die ich nie mehr rückgängig machen kann!
Sein Gesicht drückte tiefsten Schmerz aus. „So wenig gelte ich dir also?"
„Nein, nein!" beteuerte sie. „Aber verstehe doch, um wieviel es für mich geht! Ich muß alle Brücken hinter mir abbrechen, Menschen vetlassen, zu denen ich bisher gehört habe, an denen ich hänge, es wird alles, alles hinter mir Zusammenstürzen, und dann ist niemand mehr da auf der Welt als du!"
„Auch ich habe niemand als dich, Charlott!
Sie senkte die Augen und schwieg lange Zeit.
„Wann wirst du dich entschieden haben?" fragte er nach einer Weile.
Ohne aufzublicken, antwortete sie: „Bald, sehr bald! Vielleicht heute abend schon!" '
„Gut!" Er verfiel unvermittelt in einen nüchternen Eifer. ,Zch schreibe dir hier mein Berliner Hotel auf. Sobald du in Berlin eintriffst, rufst du mich an! Ich hole dich sofort ab. Solltest du mich nicht antreffen, hinterläßt du bitte Bescheid. Es ist nur nötig, daß deine Papiere in Ordnung sind, der Paß vor allem! Und so wenig Gepäck wie möglich! Es wäre nur hinderlich. Laß mich nicht vergeblich warten, Charlott!"
Sie blickte über ihn hivweg gegen Die Wand, an der sich eine abblätternde Malerei befand, die eine südliche Landschaft mit tnaügrünen Palmen und einem schwarz qualmenden Vulkan darstellte. „3a, vielleicht komme ich, Henry."
Die Oschnitzer Damen beobachteten, rote Lasard feinen Kopf tief neigte und Charlottes Hände ergriff.
„An diesem Vielleicht hängt nun mein Herz!" sagte er inbrünstig. „Vergiß es nicht! Ich warte auf dich! Du sollst ebenso glücklich sein wie ich, wenn ich dich wiedersehe. Du glaubst mir?"
„Ja, Henry! Ich glaube dir!"
Aber sie wußte nicht, ob sie damit die Wahrheit ^Ein paar Minuten später stand sie auf. Lasard begleitete sie bis zur Tür. Sie grüßte nach rechts und links die Damen, auf deren Gesichtern ein gefroren liebenswürdiges Lächeln stand, und ging
hinaus. , . ,
Draußen blieb sie noch eine kurze Weile neben Lasard stehen und fühlte ein verzweifeltes Verlan- I gen nach einer Liebkosung, einem kleinen zärtlichen i


