Ausgabe 
4.2.1941
 
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die Tagesordnung gedachte man der drei verstor­benen Ehrenmitglieder. Aus dem Jahresbericht des Borsitzenden L Wagner ging hervor, daß es dem Verein trotz des Krieges möglich mar, zeitweise die Gesangstunden durchzuführen, dah er bei der deutschen Metallspende wertvolle Pokale zur 23er* fügung stellte und dah den zur Wehrmacht ein­berufenen Sängern Liebesgaben gesandt wurden. Ehren-Rechner L Scheid, der in diesem-Jahre auf eine 40jährige Tätigkeit als Rechner des Ver­eins zurückblicken kann, erstattete den Kassenbericht, für den ihm Entlastung erteilt wurde. Der anwe­sende Ortsgruppenleiter Fr. Fuhr brachte in län­geren Ausführungen zum Ausdruck, dah das deutsche Lied, vorgetragen durch die Männergesangvereine, eine machtvolle Willenskundgebung von hoher kul­tureller Bedeutung darstelle. Weiter machte er nähere Mitteilungen über einen im März hier statt­findenden Dorfgemeinschaftsabend, für den sich die Sänger zur Verfügung stellen. Der Vorsitzende dankte dem Ortsgruppenleiter für seine Ausführun­gen und betonte, dah die Männergesangvereine schon immer nur im Interesse der Allgemeinheit ihre Tätigkeit ausüben und die Förderung des Gesan­ges wünschenswert erscheine. Die in bester Harmonie verlaufene Versammlung wurde in üblicher Weise geschlossen.

Lollar, 3. Febr. Der Schweinever- sicher urr-q sverein Lollar hielt am Sonn­tag im GasthausZum Löwen" seine Generalver­sammlung ab Der Vereinsführer Wilhelm Schultheiß begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder unb gedachte der im abgelaufenen Jahre

s verstorbenen vier Mitglieder, die durch Erheben von den Sitzen geehrt wurden Der von ihm be- kannlgeaebene Jahresbericht gab Aufschluß über den Geschäftsgang im abgelaufenen Jahre. Der Kassenwart Ludwig Hofmann VI. erstattete den Kassenbericht, der einen günstigen Abschluß erken­nen lieh. Dem Kassenwart und Vorstand wurde, nachdem die Rechnungsprüfung durch zwei Kassen­prüfer erfolgt war, Entlastung erteilt. Der Vor­stand blieb in seinen Aemtern, bis auf ein Mitglied der Taxatoren, für den durch den Vereinsführer ein anderes Mitglied bestimmt wurde. Sodann wurden noch einige interne Geschäftsangelegen­heiten erledigt. Nachdem der Schriftwart Ludwig Frank VII. das Protokoll der Tagung verlesen hatte, wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen.

s. Lang-Göns, 3. Febr. Die hiesige Gruppe der NS. -Frauenschaft hatte für den letzten Sonntag verwundete Soldaten aus den Gießener Lazaretten eingeladen. Im Saale der Gastwirtschaft Hebbel wurden sie empfangen und mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Die Leiterin der Frauenschaft, Frau Erna B e p p l e r, sprach herzliche Worte zur Be- arüßung. Für gute Unterhaltung sorgte Georg Heß (Leihgestern), der mit feinet Tanzgruppe sehr viel Schönes bot. Er selbst trug auch Gedichte in ober- hessischer Mundart vor. Bei gemeinsamem Gesang und späterem Tanz vergingen die Stunden allzu rasch. Der begleitende Arzt sprach zum Schluß herz­liche Dankesworte für die gastfreundliche Aufnahme, die die Soldaten in Lang-Göns gefunden hatten.

Ski-WettmeisterWaflen 1942 in Den Wand.

Unter dem Vorsitz des schwedischen tI8-Dizeprä- fibenten Graf Hamilton versammelten sich die Delegierten der 13 in Cortina d'Ampezzo anwesen­den Nationen zu einer Sitzung. Nach der Erledigung interner Fragen des Internationalen Skioerbandes beschloß die Versammlung einstimmig, die Ski- Weltmeisterschaften 1942 Deutschland anzuver­trauen. Von einer Beschlußfassung betr. t!8-Kon- greß wurde vorläufig Abstand genommen.

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Christi Cranz.

Es war anzunehmen, daß die bekannte deutsche Ski­läuferin Christ! Cranz auch aus diesem Rennen wieder als Siegerin hervorgehen würde. Unsere Weltmeisterin hat diese Erwartungen erfüllt. Mit dem ihr eigenen sicheren Stand lief sie die Abfahrts­strecke mit der weitaus besten Zeit 4:10,4 herunter und errang so in diesem Kampf ihren 13. Welt­meistertitel. (Schirner-M.)

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Der neue Weltmeister im Abfahrtslauf Josef Jenne- wein hat sein Können in Cortina d'Ampezzo erneut unter Beweis gestellt. (Schirner-M.)

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Deutschland an vierter Stelle. / Zweiter Tag in Cortina.

Der zweite Tag der Ski-Weltmeisterschaften in Cortina d'Ampezzo brachte als dritte Entscheidung den 4X10-!<m-Staffellaus, in dem die Mannschaften von Deutschland, der Schweiz, Italien, der Slowakei, Finnland und Schweden die Gegner waren und auch in dieser Reihenfolge den Kampf aufnahmen. Sie­ger wurden, wie 1939 bei den Titelkämpfen in Za­kopane, die Finnen mit der Mannschaft Lauro- nen, Kurikkala, Silvenoinen und Olkinoura in 2:31:07,69 Stunden vor Schweden (2:32:15,42), Ita­lien (2:33:50,21), Deutschland (2:38:10,82), der Schweiz (2:50:26,23) und der weit zurückfolgenden Slowakei, die schon nach 30 km einen Rückstand von fast eineinhalb Stunden hatte. Damit wurde auf

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Weltmeister Jenneroein in voller Fahrt.

Unser Funkbild zeiat den neuen Weltmeister im Abfahrtslauf, Josef Jennewein, der seinen Haupt- konkurrenten, den Italiener Marcellin, mit der großartigen Zeit von 4:03,8 um drei Sekunden ge­schlagen hat, in wuchtiger Sch ußfahrt. (Scherl-Dilderdiest-M.)

den ersten drei Plätzen das gleiche Ergebnis erzielt wie in Zakopane, während es Deutschland diesmal gelang, noch vor der Schweiz einzukommen. Die deutsche Staffel lief in der Besetzung Gstrein, Azzo- lini, Demetz und Berauer. Das Ergebnis:

4X10-km-Staffellauf: 1. und Weltmei­ster: Finnland (Lauronen, Kurikkala, Silvenoinen, Olkinoura) 2:31:07,69 Std.; 2. Schweden (Pahlin, Johansson, Oestensson, Dahlqvist) 2:32:15,42 ©tb.r 3. Italien (A. Compagnoni, S. Compagnoni, Jam- maron, Gerardi) 2:33:50,21 Std.; 4. Deutschland (Gstrein, Azzolini, Demetz, Berauer) 2:38:10,82Std.; 5 Schweiz (Freiburghaus, Borghi, Fux, Gamma) 2:50:26,23 Std.; 6. Slowakei (Soltes, Michalak, Cagafak, Bruk) weit zurück.

DfB.-lieichsbahn-Leicktathletik.

Dr. Luh stößt 15.42 Meter.

Die ersten Hallenwettkämpfe des VfB.-Reichsbahn waren ein voller Erfolg. Wenn auch einige der Besten nicht erschienen waren, wie H. M ö l l und W. Schwarz, so erreichten die Leistungen eine Höhe, wie noch bei keinem der früher durchgeführ- ten Hallenkämpfe.

Die beste Leistung des Tages erzielte Dr. Luh mit der international hochwertigen Weite von 15.42 Meter, womit er feine persönliche Bestleistung von 15.41 Meter (erzielt bei den Hochschulmeisterschaften 1940 in Braunschweig) um 1 cm überbot Dann ist Weiler zu nennen, der nach seinem Sieg im 30-m-Lauf, den er sicher vor Decher und Dietrich gewann, auch im Weitsprung mit einer Weite von 6.61 Meter die beste Leistung bot, trotz eines Un­falles im Verlauf der Kämpfe. An die zweite Stelle setzte sich überraschend der erst 16jährige Kley mit 6.23 Meter, offensichtlich auf den Spuren seines Bruders Egon wandelnd, der augenblicklich unter den Waffen steht. Im Dreisprung erwies sich der junge Engel (1900) als der weitaus Beste. Seine Weite von 12.47 Meter ist in dieser Halle noch nie erreicht worden. Den Hochsprungsieg holte sich Decher mit 1.60 Meter.

Bei den Frauen siegte im 30-m-Lauf Lola Mel­linger vor Martha Philipp und E. Arnold. Das Kugelstoßen wurde eine sichere Beute von Frl. Muhl mit 8.59 Meter, und im Weitsprung gab es insofern eine Ueberraschung, als die nicht im Trai­ning befindliche Luise W e b e r am Start erschien und die favorisierte Lolo Mellinger (4.51 Meter) mit 4.64 Meter schlug. Nachfolgend die Ergebnisse:

30-m-Lauf (Männer): 1. Weiler, 2. Decher, 3 Diet­rich. Weitsprung: 1. Weiler 6.61 m; 2. Kley 6.23; 3. Engel (1900) 6.15 m. Hochsprung: 1. Decher 1.60 m; 2. Kley 1.50 m. Dreisprung: 1. Engel (1900) 12.47 m; 2. Dietrich 11.95 m; 3. Decher 11.88 m.

Kugel: 1. Dr. Luh 15.42 m; 2. Decher 11.33 m; 3 Weiler 10.80 m.

30-m-Lauf (Frauen): 1. Mellinger; 2. M. Philipp; 3. E. Arnold. Weitsprung: 1. Luise Weber 4.64 m; 2. Mellinger 4.51 m; 3. G Weber 4.42 m. Kugel: 1. Muhl 8.59 m; 2. Philipp 7.47 m; 3. Mellinger 6.82 m.

Der Handballsonntag.

Die Entscheidung in der Handball-Bereichsklasie dürfte gefallen sein. Nach dem bemerkenswerten Sieg, den Hochelheim über Kirch-Göns errang, wird ihm wohl die Staffelmeisterschaft nicht mehr streitig zu machen fein. Am wenigsten wird es Katzenfurt gelingen, den Vorjahrssieger zu schlagen. Immerhin, erst dann ist die Entscheidung gefallen, wenn auch Katzenfurt geschlagen ist. Das Spiel steigt bereits am Sonntag.

Garbenheim kam kampflos in den Besitz beider Punkte, da Lützellinden es nicht gelang, eine Einhell zu stellen. Damit hat sich die Lage geklärt. Garben­heim hält den zweiten Platz, kann allerdings nur noch in die Entscheidung eingreifen, wenn Hochel­heim das letzte Spiel verliert und ein schwebender Protest gegen eine Spielentscheidung zu feinen Gun­sten entschieden wird.

Tv. Kirch-Göns Tv. Hochelheim 5:8 (3:3).

Das Spiel in Kirch-Göns brachte noch einmal ausgezeichnete Leistungen und letzten Einsatz auf beiden Seiten. Die Platzbesitzer hatten eine starke Vertretung zur Stelle, und auch Hochelheim hatte sich entsprechend eingerichtet. Immerhin wollte es dort vor der Pause nicht richtig klappen. Das Bild änderte sich nach dem Wechsel. Hochelheim kam auf und konnte nach verbesserten Leistungen einen knappen, aber verdienten Sieg sicherstellen und sich damit eine günstige Position weiter ausbauen.

Nachdem Garbenteich auch auf die Austragung des Rückspieles verzichtete, ist die Entscheidung ge­fallen. Lang-Göns wird in die 1 Klasse auffteigen und im kommenden Jahre bzw. bei den neuen Spielen weit schwerere Aufgaben zu lösen haben. Wenn auch die Mannschaft nicht zeigen konnte, was sie kann, so wird sie trotzdem ihren Mann stellen.

Jugendspiele.

SpG. Großen-Buseck Tv. Heuchelheim 9:3 (4:1).

Kurze C5portnofüen.

Eine neue deutsche Bestleistung im lOO-m-Rückenschwimmen erzielte die deutsche Mei­sterin List Weber (Bayreuth) in ihrer Heimatstadt mit 1:15,5 Minuten. Der alte Rekord stand auf 1:16,9 Minuten.

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Umwege öes Herzens

Roman von H.G. Hansen

Copyright by Prometheus «Verlag Dr. Eich acker Gröbenzell

16 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Der Chauffeur war höchst verwundert, von seinem Herrn den Auftrag zu erhalten, ihn irgendwo in Richtung Potsdam spazierenzufahren. Das hatte er noch nicht erlebt, obwohl er feit elf Jahren im Dienste Koßrnanns stand. Der Herr sah aber auch erschreckend schlecht aus. Kein Wunder, dachte der Fahrer, während er den Motor anspringen ließ. Der wüstet mit feiner Gesundheit und hat über­haupt noch nie Urlaub gemacht. Jetzt liegt er wohl aus der Nase und muß endlich ausspannen.

Erst gegen acht Uhr klopfte Koßmann an die Scheibe zum Führersitz und forderte den Chauffeur auf, nach Hause zu fahren. Es dunkelte bereits, als sie anlangten. Die Kinder waren längst zu Bett. Er bestellte sich bei dem Mädchen Tee und einige Schnitten belegtes Brot in sein Arbeitszimmer und setzte sich in den Schreibtischsessel, den Kopf in beide Hände gestützt Auch als er das Essen bereits vor sich stehen hatte, änderte er feine Haltung kaum. Er fühlte sich aus allen sicheren Geleisen seines Daseins geworfen und stand zum erstenmal im Leben vor Ereignissen, die er weder körperlich noch geistig meistern konnte.

Erschreckt fuhr er hoch, als er eine Berührung au* der rechten Schulter spürte Seine Frau wai ungehört ins Zimmer getreten und hatte ihm die Hand aufgelegt. Er sah zu ihr auf mit einem fo leeren Blick als erinnere er sich kaum, sie jemals gekannt zu haben Das erschütterte Gitta Koßmann aufs tiefste Sie war gewöhnt, ihren Mann als eine, durch nichts aus der Fassung zu bringenden Felsblock anzusehen, der menschliche Gestalt ange­nommen hatte. Ihre eigenen Schmerzen und Nöte erschienen ihr gering gegenüber dem Vulkan, der in der Brust dieses Menschen toben mußte, ohne sich entladen zu können.

Hannes, ich habe dick in all das Furchtbare hineingettieben und bin jetzt bereit, dir fo gut zu helfen wie es geht,"

Er sah regungslos zu ihr auf, die immer noch dicht neben ihm stand. In ihm stieg die Versuchung hoch, sie wegzustoßen. Aber er hatte nicht die Kraft dazu.

Hannes. Quält dich die Tat so, ich meine das da draußen im Wald?" Sie sprach weich und voller Erbarmen und Hingebung.

Er schüttelte wider Willen den Kopf, mechanisch und wie im Zwang.

Natürlich nicht. Meine Frage war dumm. Du hast für dein Empfinden nur recht getan, als du ihn ihn", sie brach ab.Also ist es das an­dere. Dieser Mensch, den sie verhaftet haben, Han- nes; ich habe dich vor ein paar Tagen abends da- mit gequält. Jetzt habe ich alle Zeitungen gelesen und weiß, daß dieser Mensch, der Wilderer und Verbrecher, nicht wert ist, wenn du um seinetwillen zu Grunde gehst. Vielleicht hat der Mann schon einen Mord begangen, damals in den Jahren, als so viele Förster und Jäger von Wilderern erschossen wurden. Er ist sicher von Grund auf schlecht. Wenn sie ihn jetzt verurteilen, dann hat er nur, was er verdient"

Die Starre in Koßmann löste sich. Er schob ihre Hand weg und sagte rauh:Du kannst mich nicht zum Verbrecher machen. Das alles ist Unsinn und Firlefanz."

Sie verbarg das Gesicht in den Händen Tränen kamen zwischen den Fingern hervor Er schob sie vor sich her bis zur Tür.Bitte, beruhige dich. Ich will nicht haben, dah du den Leuten Anlaß zum Klatsch gibst."

Immer noch war feine Ueberlegenheit fo groß, fein Wille so zwingend, daß sie sich fügen mußte. Sie trocknete das Gesicht und ging aus dem Zim- mer. Er fah auf die wieder verschlossene Tür und verzog das Gesicht vor Schmerz, Verachtung, Wut, Angst und Entschlossenheit.

Nach dem vergeblichen Versuch, ihren Mann von einem wahnwitzig erscheinenden Schritt abzuhalten, verbrachte Gitta eine Halde Nacht zwischen Cent» schlußlosigkeit und unmöglichen Plänen Sich ihrer eigenen Ohnmacht bewußt, erinnerte sie sich schließ- lich daran, daß draußen weit vor den Toren Ber- lins eine alte aufrechte Frau lebte, die stets einen Rat gewußt hatte; die Mutter Und damit stand in ihr der Plan fest, die Mutter um ihre Meinung

zu befragen und wenn möglich zum Eingreifen zu bewegen, bevor es zu spät war.

Frau Elisabeth d'Oleron geborene von Buchwald wohnte in einem kleinen Landhaus bei Werder am Großen Zernsee.

Ihre Beziehungen zu dem Schwiegersohn waren von jeher sehr kühl gewesen. Sie gestand sich zwar selbst ehrlich, daß Koßmann ihr imponierte mit sei­nem selbstsicheren und geraden Wesen, bas fast wie altererbter Herrensinn wirkte, aber sie stieß sich im­mer an den Kanten seiner fälschlich als brutal an­gesehenen Haltung. Daß Koßmann den Ruf des Der- ftorbenen Bankiers d'Oleron gerettet hatte, konnte sie nicht beftreiten. Ader dgs Wissen darum war niederdrückend. Sie ahnte dunkel, daß auch der ihr verbliebene Dermögensrest, von dem sie das kleine Landhaus in Werder kaufte und ihren Lebensun- terhalt bestritt, Hannes Koßmann zu verdanken sei.

Der letzte und jüngste ihrer drei Söhne, der ehe­malige Husarenleutnant und Kriegsoberleutnant der Flieger Richard d'Oleron war im Winter 1918 mit zerschmetterten Beinen in ein Lazarett eingeliefert worden. Nach dem Heldentod der beiden älteren Söhne erschien es den Eltern als eine Gnade des Himmels, daß der Absturz der Maschine nur die Beine, nicht den ganzen Körper zerschlagen hatte Aerzliche Kunst tat das ihre, und der letzte männ­liche Sproß des Hauses d'Oleron blieb am Leben, auch wenn feine Beine nur noch traurige Stümpfe waren.

Ein kleiner Zinsertrag, bie Kriegsrente bes Soh­nes unb fein geringes Einkommen aus einer be. fcheibenen Tätigkeit als Lektor für einen Berliner kriegswissenschaftlichen Verlag ergaben zusammen genug, um ein aller Sorgen freies Leben zu führen

Die Beziehungen zwischen Mutter unb Tochter waren nach und nach spärlicher geworben. Dafür war das Band zwischen den Geschwistern stets un­vermindert zärtlich geblieben. Sie stritten nicht um konstruierte Probleme, sondern freuten sich ber Tat­sache, baß sie einander überhaupt besaßen

Erst als Gitta am nächsten Vormittag nach Wer- der fuhr, kam ihr zum Bewußtsein, daß mit der Bitte an die Mutter auch eine Beichte verknüpft war. Gitta Koßmann saß in eisiger Erstarrung da, als ihre Gedanken an diesem Punkt verweilten und fühlte Angst, Beklemmung und Entsetzen Nie­mals würde die untadlige alte Frau verstehen, wie

(Fortsetzung folgt»)

In Hast legte der Besuch ab und trat in das Zimmer, in dem die Mutter zu lesen pflegte. Die Fenster gingen nach dem See hinaus und boten einen friedlichen Anblick. An dem einen saß eine alte silberhaarige Frau unb las in ber Bibel Sie roanbte bas Gesicht zur Tür hin, als blefe plötzlich aufgerissen würbe unb Gitta einließ.

Guten Morgen. Mutter "

Guten Morgen. Kind. Wie siehst du denn aus? Hoffentlich bringst du keine unangenehmen Nach­richten."

Gitta eilte auf die Mutter zu, ergriff ihre beiden Hände und küßte den Mund Dann zog sie sich einen Stuhl unmittelbar neben ihre Mutter unb setzte sich, Sie zitterte am ganzen Körper unb hatte angstvoll aufqeriffene Augen

Bitte. Kinb, beruhige bich." Die Stimme der alten Frau war gütig unb beherrschtUnb wenn es geht, bann berichte mir, was bich so außer Fassung gebracht hat."

Mutter, es ist fo schrecklich " Gitta verließ ihren Stuhl unb setzte sich auf bie Fußbank vor ihrer Mutter, legte den Kopf auf beren Knie und be­gann zu meinen Es war ein wildes, aufgelöstes Schluchzen, das in sich ungeheuerliches Leid mit einem wütenden Neuegefühl vereinigte.

Minuten vergingen ohne Worte Die alte Frau legte ihre rechte Hand auf den Kopf ber jungen, während die linke sanft die eine Wange streichelte. Dabei wurde das Weinen verhaltener.

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Kurz nach zehn Uhr hielt der Wagen vor dem allein liegenden Haufe. Sie stieg aus und eilte durch den kleinen Vorgarten auf die Tür zu, klin­gelte heftig und hatte kaum Zeit, den Gruß der alten Köchin zu erwidern, bie ber angestammten, Herrin aus ber schloßartigen Villa in eine kleine. .

Hütte gefolgt war unb mit Derwunberung das auf­geregte Wesen Gittas empfand.

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ihre Tochter sich fo vergessen konnte. Gitta er­schauerte und zog die Knie höher an den Leib, als wollte sie sich fröstelnd zusammenkauern. Und doch blieb kein anderer Weg, der ihr gangbar und erfolg­versprechend schien unb kein Weg für ein fehlgegan­genes Kind als der zur Mutter, die vielleicht stolz war, aber darum nicht weniger Mutterliebe unb Mutterklugheit im Herzen trug.

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