Ausgabe 
4.1.1941
 
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i, mit ihrer Einrichtuna ist in nächster Zeit zu rech-' siedeln. Alle bei der Durchführung dieser Heimkehr n nen. In anerkennenswerter Weise lassen Die Se» entstehenden Kosten z. B für Verpflegung, Cin-

davon in der Stadt (Sieben 42 000 Stück meinden des Kreise- Wetterau der Schassung und tleiöung und Beschauung anoerer ormgiiaier «e» bei der Straßen- und Haussammlung für das Unterhaltung der NSV.-Kindergärten alle Förde- bensbeDürfniffe - werden allem von der NsV. Kriegs-WHW. den Volksgenossen in Stadt und rung zuteil werden, da sie in richtiger Weise er- getragen, die hierfür erhebliche Mittel aufzuwen» Land zum Kauf angeboten.. Unsere bekanntesten kannt haben, daß hierdurch den Müttern und den den hat '

deutschen Märchen werden in diesen Abzeichen vor Kindern in ihrer Ortsgememschaft ein guter Dienst, Der N S V.- B a h n h o f sd l e n st, der sich auch den Augen der Käufer lebendig werden. Außerdem erwiesen wird. Ueberall da, wo diese Einrichtung in Gießen schon seit langer Zelt in hervorragender wird noch eine Sammlung in den Betrieben durch- zunächst nur für die Erntezeit geschaffen wurde, Weife betätigt und ganz de,anders bei der Ruck-

die Voraussetzungen dafür gegeben sind.

und den Versicherungsträgern.

Wohlfahrt getragen.

NSV.-Mitglieder zu schaffen. Hierfür kommen vor

rIlern die Erträge der Sammlungen in Betracht, wie

gärten im

Kr-'i

wird auch von der NSV. in Gießen und im Streife Metterau auf diesem Gebiete eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet, die sich zugleich auf die Wahr­nehmung von Vormundschaften erstreckt.

Aus der Arbeitsfülle der NSV. Haden wir hier

so umfassend zu gestalten, wie die großen Aufgaben es erheischen. Die Grundlage für diese gemeinnützige Tätigkeit ist nicht allein mit den Beiträgen der

Auf der gleichen Linie des Dienstes für die Ortsgemeinschaft liegt die Errichtung von NSV.- S ch w e st e r n st a t i o n. Im Kre.se Wetterau be­steht diese Einrichtung bereits in einer Reihe von Gem"inden. in weiteren ^rten wird si" folgen, sobald

Den Kampf geg?n eine der verheerendsten Krank« tzeiten führt die NSV. durch das Tuberkulose- H i l f s w e r k mit allem Nachdruck. Sie befindet sich dabei in Kampfgemeinschaft mit den Krankenkassen

Die NSV. im Dienste -er Volksgemeinschaft

Lede WHW.-Gpende ist eine gute Mithilfe!

den Krankenkassen weg zu sühren, auf dem sie tüchtig- Glieder der ...... i. Schon be- (über. I Volksgemeinschaft werden können Ganz besondere

kulofekranken Kindern fegen die Matznohmen gegen Furforge erfahren hier d>e elternlosen Jugendüchen, die Krankheit ein, die auch bei crwachfcnen Kron> d-e neben der ideellen Betreuung euch wettreichende ken fo frühzeitig wie Irgend möglich durchgeführt materielle Hilfe erhalten. ®ie überall Im Reich, werden. Dor allem handelt es sich um die Bereit­stellung von Kuren, die geeignet sind, den Tuber­kulosekranken rnr Miederherst-llung der Griunh-

Eine besonders große Aufgabe _her Gegenwart

ist der NSV. bei der Heimführüng der - -c «« u» v»>»»*

volksdeutschen Menschen a-s Den lrem- sie heute und morgen wieder hu'-chgefichrt werden, den ©t'xitsqebieten gestellt, wie sie setzt im Osten . Für alle Volksgenossen ergibt sich angesichts des in der Durchführung begriffen ist. Dort haben sich ".roßen Werkes der NSV. eine doppelte Verpflich- Hundertt'-'usende Volksdeutscher M^-mer. ^rau-i | tung: Jeder deutsche M"nn und i-de deutsche Frau

heit zu verhelfen. Zu diesem Zwecke werden keine Kost"n gescheut. D> NSV.. die Kranken^ifen und die Dersicherungsträger übernehmen d.s Kosten qe-, . , e _ ,

meinlam: ist dies in bestimmten Fallen den Kassen einige besonders bemerkenswerte Ausschnitte hervor, oder Bersicherimgen nich! möglich, so werden die ge- geboben. Es ist von der NsV. vielerlei Arbeit zu samten Kosten für die Wiederherstellung tuber- leisten,^ um den Dienst furjunfere Volksgememscheft fulofefranfer Patienten allein von der NS.-Volks- ** l*

Am heutigen Samstag und am morgigen Sonn­tag wenden im Kceise Wetterau 130 Ovj Abzeichen -------.. v - -. a

davon in der Stadt Gießen 42 000 Stück meinden des Kreise- Wetterau der Schassung und kleidung und Beschaffung anderer onngllcher^^Le'

Das Schwergewicht der NSD.-Arbeit liegt auch in der jetzigen Zeit, unbeschadet der übrigen Auf­gaben, auf der Durchführung des Hilfswerks Mutter und K i n d". Erholungsbedürftige kin­derreiche Mütter haben dadurch nicht nur im Som­mer, sondern auch im Winter die Möglichkeit, in einem der zahlreichen Erholungsheime der NSV. durch Kuren und ausgedehnte Ruhestunden sich von den Anstrengungen der Familienarbeit zu erholen, wobei sie aber auch die Gewißheit haben, daß wäh­rend ihrer Abwesenheit Die Familie und besonders die Kinder durch den Hilfsdienst der NSV. in guter Weise betreut werden. Junge Mütter mit Säuglingen können diese Erholungszeit ebenfalls genießen, denn sie können in bestimmte Heime der NSV. ihr Kindlein mitbringen und es dort mit Unterstützung erfahrener sachkundiger Helferinnen betreuen, wobei ihnen aber die Hauptarbeit ab­genommen wird. Im Gau Hessen-Nassau steht eine ganze Anzahl Erholungsheime der NSV. zur Auf­nahme der Müttter zur Verfügung. Für werdende Witter ist in diesen Heimen ebenfalls in ausreichen, dem Maße Platz vorhanden.

Die erweiterte Kinderlandverschickung wird im Rahmen dieses Hilfswerks auch im Winter durch­geführt, damit die erholungsbedürftigen Kleinen un- unterbrochen Gelegenheit Haden, unter guten Le­bensbedingungen in schöner Umgebung ihre Tage zu verbringen. Der Kampf gegen die Rachitis durch umfassende vorbeugende Maßnahmen und die Durch'ührung der Diphtherie - Schutzimpfung sind weitere Aufgaben, denen die NSV. auch im Kreise Wetterau ihre ganze Shraft zum Wohle der Kinder angedeihen läßt.

zunächst nur für die Erntezeit geschaffen wurde, § Weife betätigt und ganz beionöers bei der Rück- Haden die Mütter sehr schnell den großen Nutzen führung der Volksgenossen aus den zu Beginn des dieses Werkes erkannt, und sie sind dann mit dem Krieges im Westen freigemachten ©ebneten in ihre Verlangen gekommen, den NSV.-Kmdergarten zur, Heimat sich unvergeßliche Verdienste erwarb, muß dauernden Einrichtung zu machen. Und heute möchte bei diesem Uederdlick über die NSV.-Arbeit eben» niemand in diesen Orten diese Tagesheimstätte für falls mit Anerkennung genannt werden. Sein Wir- die Kleinen mehr vermissen. In vielen anderen Ge- ken im Dienste reisender Mütter und Kinder und

Schließlich sei noch ein neueres, weit ausgedehn­tes Arbeitsfeld erwähnt, das von der N S V.- Iugendhilfe betreut wild. Hier arbeitet die NSV. gemeinsam mit den Fürsorqeoerbändsn, der Polizei und der Hitler-Jugend an Der großen Aus­gabe, junge Menschen, die einer besonderen Be­treuung und starken Führung bedürfen, mit in ihre Obhut zu nehmen, um sie auf einen guten Lebens­

Im Dienste des Kindes und der stark in Anspruch und Kinder aus Bessarabien, der Ukraine, Ruma- muß Mitglied der NSV. sein. Bei den Spenden

genommenen Mütter stehen die N S V. - K i n De r-! nien usw. auf den Weg gemacht, um in ihr ange- gebe jedermann so reichlich wie möglich, immer

gärten. Auf diesem Gebiete steht die NSV. im stamm^s deutsches Vaterland heimzukehren. Alle handle er ro. daß seine Spende das Ausmaß eines

Kreise Wstterau an der Spitze aller Kreise des diele Volksgenosien werden bis zu ihrer Ansiedlung wirklichen Opfers hat. Damit wird der NSV.

Gaues Hesien-Nasfau. Don rund 680 NSV -Kinder-1 auf eigenem Grund und Boden bzm. bis zur Ein-. bei ihrem Dienst für untere Volksgemeinschaft en aanzen (Saugebiet entfallen allein auf richtung ihres handwerklichen oder Gewerbebetriebs wirksamer B-itr-'g geleistet und zugleich ein JTeit . .. . We^^-'u ap Em" R"ib" w'"»r'r solcher i zunächst in g oßen Lagern untergebracht, von des Dank-« abgestattet, den wir alle unserem Furrer

Kindergärten ist in unserem Kreise In Vorbereitung,1 denen aus sie in ihre endgültige Wohnstätte über-1 schuldig sind. B.

wird noch eine Sammlung in ben Betrieben durch geführt, um überall allen Volksgenossen Gelegen­heit zu geben, sich an dieser neuen Spende für die großen Aufgaben des WHW. und der NSV. zu be- telligen. Wer sich vor Augen hält, wie vielseitig und umfassend die Arbeit der NS.-Volkswohlfahrt im Dienste unserer Volk-gemeinschaft ist, der roiri). vie -nmutn "rVnc,u *»» 1

gerne bereit fein auch bei der jetzigen Sammlung meinden ist der Wunsch nad) einem NSD.-Kmder- aller Der Hilfeleistung auf den Bahnho.en bedürf»

wieder mit seiner Spende wirksam beizutragen zur garten immer stärker geworden^ da fiaj Der fegens- tigen Personen ist Tag für Tag ein neues Liebes-

Vollendung des großen Werkes unseres Führers, reiche Erfolg in den anderen Orten immer mehr werk für die Volksgemeinschaft, das mit Recht im»

herumaefproch-en hat. Die NSV. ist bemüht, alle mer wieder die dankbare Anerkennung nicht nur

diese Wünsche nach bester Möglichkeit so rasch wie Der betreuten Personen, sondern auch aller sozial

möglich zu erfüllen. | denkenden und für Nächstenhilfe verständnisvollen

Auf der gleichen Linie des Dienstes für die Menschen findet.

Aus der Stadt Gießen.

Oie Zeit.

Don Kans Sturm.

Was ist die Zeit? Diese uralte Frage beschäftigt immer wieder Die Gedanken der Besinnlichen, vor allem der Dichter, ohne daß einer von ihnen Die endgültige Formel gesunden hätte. Es wird wohl auch bei der Erkenntnis Wilhelm von Humboldts bleiben:Die Zeit ist nur ein leerer Raum, dem Begebenheiten, Gedanken und Empfindungen erst Inhalt geben". Ein Dichter der Vorzeit braucht einen wundersamen Vergleich, wenn er sagt,seine (Des Menschen) Zeit gleitet dahin wie ein Schat­ten", der ariechische Weise Heraklit will mit seinem WortAlles flieht" andeuten, daß nichts dauernd ist als der ewige Wechsel der Stunden, und Herder mag wohl an Heraklit gedacht haben, als er schrieb: F uchtiger als Wind und Welle flieht die Zeit". Der junge Schiller empfand die Zeit alsein kal­tes, gefühlloses Ding, das von Freud und Leid des Menschen keine Notiz nimmt", doch Goethe schrieb dem Freunde,nur die Menschen machen die Zeit", und wollte damit sagen, die Zeit sei ein von Men­schen geprägter Begriff. Aehnlich dachte Ludwig Tieck, als er das GedichtDie Zeit" schrieb:

So wandelt sie in ewig gleichem Kreise Die Zeit nach ihrer alten Weise.

Auf ihrem Wege, taub und blind, Das unbefangene Menschenkind Erwartet stets vom nächsten Augenblick Ein unverhofftes, seltsam neues Glück. Die Sonne geht und kehret w'.eder, Kommt Mond und sinkt die Nacht hernieder, Die Stunden, Die Wochen abwärts gleiten, Die Wochen bringen die Jahreszeiten, Don außen nichts sich je erneut!

In dir trägst du die wechselnde Zeit, In dir nur Glück und Begebenheit.

Etwa zweihundert Jahre früher schrieb Der schle­sische Dichter Angelus Silesius Den tiefen Vier­zeiler:

Du selber machst Die Zeit: Das Uhrwerk sind die Sinnen; Hemmst Du Die Unruh nur, So ist Die Zeit von hinnen,

An anderer Stelle seines BuchesDer Cheru­binische Wandersmann" sagt er:

Zeit ist Die Ewigkeit Und Ewigkeit wie Zeit, So du nur selber nicht Machst einen Unterschied.

<n alten Sagen taucht ost die Frage am, was zuerst gewesen sei, Raum oder Zeit? Friedrich Rückert, der sich eingehend mit Den Urreligionen des Fernen Ostens beschälttgt hat, versucht Diese Frage zu klären in Den Versen:

Don Zeit unD Raum ist viel zu hören und zu lesen, als seien beide gleich und stets zugleich gewesen; doch eher ist Die Zeit gewesen als der Raum, wie Wachstum eher war, als der gewachsene B-um. Entstanden war Die Zeit, sobald als Geister dachten; der Raum erst, als sich breit Darinnen Körper machten. Und mit Dem Körper wird Der Raum zusammenfallen. Doch mit Den Geistern erst Die Zeit in Gott entwallen.

Auf eigene Art sucht Jean Paul Das Wesen Der Zeit zu Deuten in Der tröstenden Betrachtung: Scheidet uns nicht Der Herbst und Die Z-it so gut wie Der Tod von allem? Trennt sich nicht alles von uns, wenn wir uns auch nicht von ihm trennen?Die Z?it ist nichts als Der Tod mit sanfteren, Dünneren Sicheln, jeDe Minute ist Der Herbst Der vergangenen, und Die zweite Welt wird Der Frühling einer Drit­ten fein". Als Ergänzung hierzu können Goethes Worte gelten:Wie von unsichtbaren Geistern ge- reitscht, gehen Die Sonnenoferde Der Zeit mit un­seres Schicksals leichtern Wagen Durch, unD uns bleibt nichts, als mutig gefaßt Die Züg-l festzuhal- ten und balD rechts, balD links, vorn Steine hier, vom Sturze Da, Die RäDer wegzulenkcn. Wohin es geht wer weiß es! Erinnert er sich doch kaum, woher er tarn'"

Rudolf G. BinDing meint, wir sollen uns nur Der Zeit hingeben:

ÄlkKwWWMis Korsika

Vornan von Heinz LorenzrLamvrecht

33. ^ortiehuhg. (Nachdruck verboten.)

Im Hotel Crynos erkundigt er sich nach Kapitän Pesqucdou und erhält schließlich von einem alten Oberkellner die Auskunft, Daß der Kämpfer von Anno 70/71 vor einigen «Jahren gestorben sei. Friede seiner Asche, denkt Viktor wehmütig, er war ein anständiger Bursche. Aber der Händler und Photogravh Damiani lebt noch immer, er ährt er weiter.Cest a di re, msieur, Händler und Photo- araph ist Der nicht mehr. Der hat während Des Krieges viel GelD gemacht. Ein schlauer Fuchs, msieur. 5)at jetzt Droben in Den schönsten Oliven- lagcn ein Landhaus. Vielleicht besucht ihn msieur einmal?"

Viktor steigt also au Dem alten NapoleoniDen hin­aus. Vor einem schneeweißen Landhaus wird er von einem schneeweiß gekleideten Männchen mit runDem Buckel, ungeheurer Nase und weißem Kne­belbart empfangen.

Als sich Viktor als ehemaliger Kriegsgefangener zu erkennen gibt, klatscht Damiani sofort in D5e Hände, er umarmt Viktor geradezu und bricht so­fort in ein Preislied auf jene glückselige Zeit aus. Als.Viktor schmunzelnd anDeutet, daß Damiani ohne die Kriegsgefangenen wohl kaum fein schönes Land­haus hätte bauen können, lacht Damiani, daß er sich fast verschluckt, er zwiebelt seine fleischige Nase, klopft Vcktor vertraulich auf die Schulter und singt dazu kreischend:O, msieur, das ist wahr! Das ist wahr!

Viktor wird zum Sitzen auf Der Terrasse genö­tigt, er bekommt eine Anzahl FamilienmitglieDer vorgestellt, er muß ein Glas Din Cap De Corse trin­ken. Als er Damiani fragt, ob er sich auch noch an Sotterdeck erinnere, den langen, blonden luftigen Offizier da geht es wie Verzückung über das alte Gaunergesicht.

O msieur ...!" Damiani verdreht Die Augen wie der Mann in der Schießbude.C^tait un ofiider! Ein Ritter ohne Furcht unD Tadel! ... Mit seini ßöni Aug, mit seini ßöniaar, oh ,..!" Er habe exzellent deits spreks gelern* bei den (Be­fangenen, oui, cest $a.

Walle Der Schleier empor dir von Dem Dunkel Der Zeit gleichwie Die Sonne vorn Meer furchtlos das Nebeltuch hebt. Es stürzen entschleiert die Wellen leuchtend herein. Was stehst du? Schreckt das Unlcntbnre noch? Laß dich der Welle. Sie trägt.

Richtiger als Die Frage nach Dem Wesen Der Zeit ist die Frage nach ihrem Wert: und auch hier geben uns Die Dichter die besten Antworten. Schon Die Römer prägten Die kategorische FormelCarpe diem! (Nutze Den Tag), nach Der Goethe schrieb:

Die Zeit ist mein Besitz, mein Acker ist Die Zeit!

Er hat uns auch von seiner frühen Jugend bis ins späte Greisenalter gezeigt, wie man diesen Acker unermüdlich bestellt. Er stand auf Dem Standpunkt, lieber die geringste Arbeit tun, als eine halbe Stunde für gering achten". Mit jedem anbrechen­den Tag erhalten wir eine neue Ackerbreite, um sie zu bearbeiten. Wer sich redlich müht, weiß bald

Ob Herr Damiani etwas von Der Flucht Dieses Solterbeck und seiner, Viktors, Wenigkeit erfahren habe, kurz bevor man alle Gefangenen ab transpor­tiert habe?

Damiani zuckt wegwerfend Die Achseln: ,£ Flucht! Was, Flucht! Tz-tz-tz-tz-tz-tz ..." Er schnalzt eine ganze glucksende Flasche mit Der Zunge her­unter und drückt hierdurch seine völlige Gleichgültig­keit gegenüber Der Flucht aus.

Alter Halunke, Denkt Viktor vergnügt.

Von Damiani erfährt er, Daß der Damalige Dol­metscher Bonnet heißt er, wie Viktor heute erst erfährt! als Vertreter einer Marseiller Reisege­sellschaft in Bastia lebe. Er habe sein Büro gleich neben Dem Crynos.

Viktor sucht ihn auf Dem Rückweg auf unD gibt sich ihm zu erkennen. Auch Bonnet freut sich wie Der alte Damiani. Er spricht sofort Deutsch und ist auch gleich im Bilde, als Viktor auf Die Fluast zu sprechen kommt.

.O, das waren Sie! Jawohl ich erinnere mich gut. Unser langer Jäger zu Pferde. Ein Hambur­ger, richtig. Nein, man hat Damals feine beson­deren Anstrengungen gemacht. Sie zu verfolgen, da Sie ja ohnehin so gut wie frei waren. Immer­hin würde es mich interessieren, wie Sie es fertig­gebracht haben. So ganz haben wir cs nicht her­ausgebracht. Ihre Kameraden haben es uns mir keinem Wort verraten. Wir haben da so eine komi­sche Leiter gesunden ..."

Wissen Sie was", schlägt Viktor vor,wir kön­nen ja auf Die Zitadelle gehen, und Id) zeige Ihnen unfern Weg, und heute abend müssen Sie mein Gast im Crynos fein."

Einverstanden. Um vier Uhr bin ich zu Ihrer Verfügung. Ich telephoniere inzwischen gleich zur Zitadelle, damit man uns einläßt."

Auf demselben Wege, den Viktor und Solterbeck Damals zur Flucht benutzt haben, steigen sie hin­auf Als sie an Dem Nebcngäßchen vorbeikommen, in dem sich die beiden vor Den in Die Zitadelle zu- rückkehrenden Soldaten verborgen haben, macht Viktor seinen Begleiter darauf aufmerksam.

Bonnet sagt:Vielleicht war ich damals sogar selbst dabei. Wenn ich geahnt hätte, daß sich zwei Gefangene hier versteckt halten!"

Nun, was hätten Sie Dann getan?"

0, es wäre meine Pflicht gewesen, Sie wieder mttzunehmen", lacht Bonnet. Ader unser alter Pes-

um den Wert Der Zeit, Den die Mensch-en Des Mit­telalters in einem Reimspruch hoch anschlugen:

Mancher weint um Das Gut, Das er vertut;

Wein' er lieber um die Zeit, Die ihm niemand wiedergeiht (gibt)!

So sorge jeder, daß fein Acker nicht von Un­kraut überwuchert werde, sondern vielfältige Ernte trage; im Frühling Des Lebens müssen wir ihn bestellen, bei Unw-etter unD Sommersglut ihn hegen, wenn wir frohe Ernte halten wollen im Lebens- herbst unD ruhig entgegengehen wollen Der winter­lichen Nacht, Da niemand mehr wirken kann.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Feinde". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der liebe Augustin".

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 15.15 bis 17.30 Uhr:Rotkäppchen"; 19 bis 22 UhrMadame Butterfly". Gloria- Palast, Seltersweg:Bismarck". - Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der liebe Augustin".______________

quedou hätte Sie mit Ihren Kameraden am näch­sten Tag Doch in Die Schweiz geschickt."

Viktor wird nachdenklich. Wie ganz anders wäre dann sein Leben geworden! Merkwürdig, von was für geringfügigen Zu ällen die Gestaltung her Flug- bahn das Leben abhängt!

Am Tor empfängt sie ein junger Souslieutnant, um sie zu führen. Bonnet hat ihn benachrichtigt und ihm wohl ein gutes Trinkgeld in Aussicht ge- stellt, denn er zeigt sich sehr will'ähig. Viktor braucht indes keine Führung. Er ist es, Der Die beiden durch Die Zitadelle führt, Die noch immer militärischen Zwecken Dient.

Als er durch Das Torgelyölbe in Den Hof tritt, sagt er:Als ich Damals hier hereinmarschierte, war ich Gefangener. Jetzt, meine Herren, will ich Ihnen Den Weg zeigen, Der meinen Kameraden und mich in die Freiheit führte. Hier im Hof standen wir also zum Avpell angetreten. Dort ist die Tür zum damaligen Kasino ... achten Sie Darauf, sie spielt gleich eine Rolle ..."

Es macht ihm Spaß, in Ton und Geste ein biß­chen Den gewerbsmäßigen FremDensührer zu posie­ren. Aber mittenhrin stockt er und vergißt eine Weile seine Rede. Ein bestimmter Appell fällt ihm ein, bei dem ihm Thea erschienen ist. Thea oder Beate. Wie war das doch? Wie war das doch? Wie weit das zurückliegt! War es überhaupt Wirk- liujteit gewesen?

Sie gehen ins Kasino. Viktor will auf Die Tür nach der Latrine deuten, aber sie ist nicht mehr vorhanden.Oh, die Tür ist vermauert. Heute wäre uns also dieser Weg versperrt." Er erklärt, wie sie über die Bretterwand in Den Torweg esfalaDiert seien, um auf Die Bastion zu gelangen.

Sie gehen auf Die Bastion hinaus, und Viktor tritt an Die Mauer. Wie oft hat er hier gestanden und übers Meer gespäht! Viele Gehonten sind jetzt in ihm, Die er vor seinen beiden Begleitern nicht aussprechen kann. Er kommt sich sehr alt vor, und die harte Zeit, Die er hier verlebte, erhält in Der Erinnerung einen verklärenden Schimmer.

Er dreht sich um und sieht nach Der Kuppel hin, die noch immer Die spitz zusammenlaufenDen Mauern bekrönt. Dort hat er einmal neben Dr. Golling ge­sessen und ihm von Thea erzählt, von feinem Traum und feiner Erscheinung. Wie wett zurück! UnD Doch ganz nah. Um Thea wieDerzusehen, um ihrer roleDer würdig zu werden, Hot er Die Flucht unternommen. Und Maria Ansaldi hat er gefun-

Neuinszenierung. Nlad^mr Butterfly*, Oper von Giacomo pucchi.

Vorn Stoidttheater wird uns geschrirben:

Das Stadttheater Gießen hat zu b:r Neu» inszenieruna von PucrinisMadame Butterfly" am morgigen Sonntagabend den Overnfvielleiter dcs Deutschen Theaters Wiesbaden, Max Schwarze, als Gast gewonnen. Schwarze hat ssither etwa 60 Opern und Operetten inszeniert. Er hat seine künstlerische Arbeit außer der deutschen Spielopcr vor allem dem Schaden Richard Wanners und h:m der großen italienischen Meister gewidmet. Mit der Inszenierung vonMadame Butterfly", die voll­ständig neu ausgestattet wurde, setzt er eine Reihe von erfolgreichen Pucrini-Jnszenierungen fort.

Die musikalische Leitung hat Otto Söllner,

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

wnaoMn <m. jw Mi-nam11 m u m u -m j

Den. Und Ancia Maria. Flugbahn des Lebens über fünfzehn Jahre hinweg.

Er besinnt sich auf feine Begleiter und führt sie weiter. Zei^t ihnen die Tür, zu Der Solterbeck den Schlüssel seilte. Heute ist sie offen, und sie gehen die schmale Steintreppe hinab bis zu der andern Tür, vor her sie Damals schon an das Au'geben ihrer Fmcht dachten. Er zeigt ihnen, wie sie in den Hof und endlich auf die Straße gelangt seien.

Viktor verabschiedet sich von dem Souslieutnant und läßt diskret einen anständigen Geldschein in seiner Hand zurück. Als er mit Bonnet wieder in die Stadt hinuntergeht, ist er schweigsam und nach­denklich. Einmal bleibt er stehen und sieht zurück. Etwas bindet ihn an Das graue Gemäuer da oben. Er wird es nie vergessen können. Er muß unbe- dinat Solterbeck einmal darüber schreiben, ob auch er Jo fühlt.

Er verbringt mit Bonnet zusammen Den Abend im Crynos. Im Verlauf her Unterhaltung kommt es zu einem Geschäft für den ehemaligen Dolmet­scher. Viktor schlägt ihm vor, zu seiner Marseiller Vertretung auch die her Firma Ansaldi zu nehmen, vorausgesetzt, daß Bonnet vertraglich nicht gebun­den fei. Nein, gebunden sei er durchaus nicht, sagt Bonnet lebhaft und hält die Ohren steif. Na also. Dann wolle Viktor eine Reiseroute von Genua nach Korsika einrichten. Genua sei Der gegebene Aus­gangspunkt für VergnügungöreisenDe nach Korsika.

Am folgenden Morgen fährt er wieder n^ch Genua zurück. Sein Blick ist rückwärts gerichtet, bis sich das in der Sonne flimmernde Mauerwerk Der Zitadelle im Dunst austöst. Seine Godanken ver­weilen dabei wieder in der Vergangenheit, unter Die er einen Strich gezogen hat. Er versucht sie abzuschütteln. Ich mache mid) ja lächerlich, schim ft er sich aus. Ich bin ja fast wie ein alter Mann, der anfängt, nur noch von der Erinnerung zu leben. Ich habe mein Leben noch vor mir. Mein Blick muß vorwärts gerichtet sein.

Mit einem entschiedenen Ruck setzt er sich herum und nimmt den Blick nach vorn.

Als er abends in feine Wohnung kommt, findet er Die Nachricht vor, Daß fein Vater plötzlich an Herzschlag gestorben fei Auch von Ancia Maria ist eine Karte ha, aus Kairo. Das ist ihre letzte Station vor Bcenhigung ihrer großen Weltreise mit Enzio zusammen.

(Fortsetzung folgt.)