Ausgabe 
3.11.1941
 
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Oie schwierige Lage der Sowjets.

Erheblicher Mangel. - Llnd England und LlSA.?

Stockholms. November. (Europapreß.) Eines der schwierigsten Probleme für die Kriegfüh­rung der Sowjets ist der Mangel an Nahrungsmitteln, berichtet der Moskauer Korrespondent derSunday Times", der sich augenblicklich in London aufhält. Dieser Mangel sei durch den Verlust der Zucker- und Weizengebiete in der Ukraine entstanden. Man erkläre zwar, daß in Leningrad und Moskau Reserven seien, nehme aber gleichzeitig an, daß trotzdem in beiden Städten ernster Mangel an Lebensmitteln und Brennstoffen entstehen werde. Zusammen mit den Luftangriffen würde diese Erscheinung die Be­völkerung vor harte Proben stellen. Die Lage der kämpfenden Truppe sei dadurch gekennzeichnet, daßMangelanvffizierenun da n A u s. r ü st u n g s m a t e r i a l bestehe. Dor allen Dingen fehle es an Kampfwagen. Dies sei eine Folge der erlittenen Verluste und der Eroberung von C h a r. k o w und Brjansk durch die Deutschen, in denen noch vor kurzem Waffenfabriken mit Belegschaften von 100 000 Mann arbeiteten.

Zu den Versuchen der Sowjets, ihre Kriegs« Industrie teilweise abzutransportieren, um sie im Osten wieder aufzubauen, berichtet der Korrespondent, daß man diese Dinge allerdings m Angriff genommen habe, daß aber natürlich nicht mit einer normalen Produktion zu rechnen sei. Man könne aber immerhin damit rechnen, daß in eini­gen Monaten neue Fabriken errichtet sein wur- den. _

Zur Einstellung der Sowjets gegenüber Eng­land und Nordamerika berichtet der Korre« spondent, daß sie sich in der. letzten Zeit gebessert habe. Die Sowjets stellten jedoch oft die Frage, weshalb Nordamerika seine 3nt)uftriß nicht auf Kriegsleistungen umstelle. Die Frage nach

Es Hilst kein Leugnen.

3m Oktober 236 Britenflugzeuge abgeschoffen.

Berlin, 2. November. (DNB.) Die immer ver­lustreicher endigenden Einflüge der Briten über den Kanal zwingen das britische Luftfahrt- und Infor­mationsministerium, bei Veröffentlichungen von ge« radezu phantastischen Zahlen über deutsche Verluste ihre eigenen möglichst niedrig anzugeben. So wer­den für die Zeit vom 1. bis 31. Oktober 1941 von Reuter einfach 94 an der Westküste und über dem Reich abgeschossene britische Jagd- und Bomben­flugzeuge unterschlagen.

236 Flugzeuge wurden in der angegebenen Zeil und im genannten Raum von deutschen Jägern, Flak und Rlarineeinheiten vernichtet. 142 Verluste geben die britischen zuständigen Stellen immerhin zu.

Diese kläglichen Versuche der Briten, ihre schwe­ren Niederlagen in der Luft abzuleugn^en, sind um­so schamloser, als aus deutscher Seite die Be­weise für den Zusammenbruch der britischen An­griffsversuche vorliegen. Die Briten selbst aber brauchen nur die nicht zurückgekchrten Flugzeuge zusammenzuzählen und die Namen der vermißten Besatzungen mit den von deutscher Seite laufend veröffentlichten Namen abgestürzter oder gefangen­genommener Flieger und Besatzungsmitglieder zu vergleichen.

Als Unterlage für dieses Verfahren werden heute folgende weitere Namen abgeschossener und ge«

einer britischen Invasion von Westen her werde nicht mehr so oft gestellt wie zu Anfang, doch fragten die Sowjets ständig, wie groß denn die Schäden seien, die durch die britischen Luftangnfse auf Deutschland verursacht würden. Was die H i l f e an Kriegsmaterial angehe, so hätten die Sowjets Verständnis dafür, daß die Transport­möglichkeiten eng begrenzt feiern

Große Ungewißheit in England.

Stockholm, 2. Nov. (Europapreß.) Der Lon­doner Korrespondent vonDagens Nyheter berichtet, daß in England aus verschiedenen Grün­den große Ungewißheit über die tatsächlichen Vorgänge an der Ostfront herrsche. Vor allen Din­gen beklage man es, daß die englischen Beob­achter in der Sowjetunion soweit von der Front entfernt untergebracht worden seien. Es sei ihnen deshalb nicht möglich, auf Grund eigener Beobachtungen ein Urteil zu bilden. Als Beispiel für die Maßnahmen der Sowjets in dieser Be­ziehung erwähnt der Korrespondent, daß die eng­lische Militärabordnung vermutlich nach ihrer Abreise aus Moskau in Samara untergebracht worden sei. Auch die wenigen englischen Pressebe­richterstatter seien dort hingeschickt worden. Zu der Tatsache, daß die englischen Beobachter in der Sow­jetunion ihre Erfahrungen nicht gerade aus erster Quelle schöpfen können, käme hinzu, daß man in verantwortlichen britischen Kreisen die Nach­richten aus neutralen Quellen vor allem aus Stockholm und Ankara grundsätzlich mit großer Skepsis beurteile. In London setze sich langsam aber sicher die Auffassung durch, es fei durchaus angebracht, die Warnungen der Regie­rung ernst zu nehmen und ein wachsames Auge auf den Kontinent zu richten.

fangengenommener bzw. tot geborgener Angehöri­ger der Royal Air Force bekanntgegeben: Squa- dron Leader R.A.L. Knight, Erkennungsnummer 37 772. Pilot Officer D. L. Cropper, Erkennungs­nummer 60 762. Officer E. S. Aldous, Erken­nungsnummer 82 708. Officer R. C. Souther- land, Erkennungsnummer 3724. Officer D. Ste­ward-Clark, Erkennungsnummer 78 535. Ser­geant D. H. Warden, Erkennungsnummer 1 264 316. Sergeant W. I. Archibald, Erkennungsnummer 68 515. Sergeant A. D. I. Schuckburgh, Erken­nungsnummer 904 834. , Sergeant E. W. Gran- eger, Erkennungsnummer 1 164137. Sergeant Booty, Erkennungsnummer 903 448. Sergeant C. E. Harris, Erkennungsnummer 903 086.

Sie unterlagen der deutschen Abwehrkraft und ruhen in der von den Trümmern ihrer Maschinen bedeckten Erde an der Kanalküste.

Birkenhead und Eardiff bombardiert.

Berlin, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Ein stärkerer Verband deutscher Kampfflug­zeuge griff in der Nacht zum 2. 11, den kriegs­wichtigen Hafen Birkenhead mit Spreng- und Brandbomben an. Bei guter Erdsicht konnten in den Anlagen am Mersey zahlreiche Treffer mit nachfolgenden Bränden beobachtet werden. Andere Kampfflugzeuge bombardierten Dock- und Fabrik-

I anlagen in Cardiff.

wurde. Der Oberlauf des Donez (legt 3 stlich von Charkow, dessen Einnahme am 24. Oktober ge­meldet wurde. Am nächsten Tag, dem 25. Oktober, sagte der Wehrmachtbericht, daß sich deutsche Trup­pen auch in den Besitz des Verkehrsknotenpunktes Belgorod 75km nordostwärts von Charkow gesetzt haben. Damit war die nördliche Eckposition erreicht, von der aus der innere ober westliche und der äußere oder östliche Donezbogen be­herrscht wird. .

Die Sowjets wissen, warum sie mit solcher Zähig­keit dieses Gebiet nicht nur verteidigen, sondern an jedem Meter Heben. So sehr Heben, daß ihnen fast die Freiheit des Entschlusses verlorenzugehen droht. Denn hinter dem Donez und dem Don beginnt em Gebiet, in dem sich Panzerkampfwagen und motori­sierte Truppen auch im Winter gut entfalten kön­nen, wenn erst einmal voller Frost eingetreten ist. Die Sowjets selbst sprechen von diesem für sie so unangenehmen Tatbestand. Ohne den Punkt über­mäßig zu betonen, hat die deutsche Presse schon ge­legentlich darauf aufmerksam gemacht, daß der General Winter" und derrussische Raum" sehr wohl dem V e r t e i d i g e r mehr zu schäften machen können, als einer Truppe, deren technische Versor- gung gesichert ist und die mit überlegener Angrifss- kunst geführt wird.

(Simferopol.

Simferopol ist aus der tatarischen Nieder­lassung Ak-Metschet (Weiße Moschee) heroorgeyan- gen. Sein moderner Name knüpft an die griechische Sprache an und bedeutet eigentlichSammelstadt", nämlich für die zaristischen Behörden. Die Stadt liegt in malerischer Umgebung am Saldir. Früher beschäftigten sich ihre Bewohner vor allem mit her Herstellung von Obst- und Gemüsekonserven. Die Bolschewisten haben hier auch eine Maschinenindu­strie aufgebaut. Simferopol zählt jetzt 143 000 Ein­wohner. In der Nähe befindet sich dasSchloß der Gärten" mit einem großen Palast und 30 Moscheen. Es war bis 1783 Residenz der Chane. Von Sim­feropol bis Sebastopol find es noch 78 Eifen- bahn tilometer. Nach Süden steigt allmählich der 160 Kilometer lange Rücken des Jaila-Gebirges (wörtlich: Weide-Gebirge) an, das erdgeschichtlich eine Fortsetzung des Kaukasus ist und Höhen bis 1854 Meter erreicht.

27 700 Gefangene beim Durchbruch durch die zweite Krimstellung.

Berlin, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Nach dem Durchbruch der deutschen Truppen durch die erste, zäh verteidigte Stellung der Sowjets im nördlichen Raum von Perekop, dem Zugang zur Krim, gelang am 27. 10. nach zehntägigen schwersten Kämpfen in völlig deckungslosem Gelände, trotz schwerster feindlicher Artillerie- und Luftabwehr, der Durchbruch durch die stark verminte zweite Stellung. Die Gefangenenzahl, die dis dahin in diesem Kampfabschnitt 12 000 Gefangene betrug, erhöhte sich auf 2 7 7 0 0. Unübersehbares Kriegsmaterial fiel dabei in deutsche Hand.

(Sewastopol wieder bombardiert.

Berlin, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Am 2. November griffen deutsche Kampfflugzeuge aber­mals den Kriegshafen Sewastopol auf der Halb­insel Krim mit-Bomben an. Sie versenkten ein größeres Handelsschiff und eines von 4000 BRT. Weitere Volltreffer in den Hafenan­lagen sowie in schwimmenden und festen Flakein- richtungen wurden einwandfrei beobachtet.

Das Ritterkreuz.

Berlin, 2. Nov. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers des Heeres, Gene­ralfeldmarschall vdn Brauchitsch, das Ritter­kreuz des Eisernen Kreuzes an: Generalleutnant von der Chevallerie, Kommandeur einer leichten Infanteriedivision; Generalleutnant Cräß - n e r, Kommandeur einer Infanteriedivision; Ge­neralleutnant Strecker, Kommandeur einer In­fanteriedivision; Oberst Wegener, Kommandeur eines Infanterieregiments; Oberstleutnant Rüde­rer, Kommandeur eines Infanterieregiments; Hauptmann L e u s ch n e r, Führer eines Batail­lons in einem Schützenregiment; Oberleutnant Leukefeld, Kompanieführer in einem Infanterie­regiment; Leutnant ©affenberg, Zug- und Stohtruppführer in einer Kradschutzenkompanie; Oberfeldwebel Schlee, Zugführer in einem Ge­birgsjägerregiment ; Oberfeldwebel ßimmer, Späh trupp sichrer in einer Aufklärungsabteilung.

Ferner auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall Göring, an Oberleut­nant Noell, Flugzeugführer in einer Aufklärungs­gruppe; Oberleutnant Bisping, Beobachter in einer Aufklärungsgruppe.

»Roosevelts Krieg s

Neuyork, 3. November. (DNB. Funkspruch.) Ein Leitartikel derWashington Herald", der noch vor 'der deutschen Erklärung geschrieben wurde, besaßt sich mit Roosevelts Wettlauf hinter dem Krieg. Darin heißt es: Sollte Amerika in den Krieg hineingezogen werden, so müßte dieser Krieg Roosevelts Krieg" genannt werden.

Marineminister Knox fehlte auch in diesem Wochenende in der Schar derjenigen nicht, die Roosevelt in seinem Lauf hinter dem Krieg her begleiten. Also stellte er, wie die Nachrichtenagen­tur Associated Preß meldet, in Quantico (Virginia) vor jungen Seeoffizieren die Behauptung auf, der Kampf gegen Deutschland sei vorwiegend Selbstver­teidigung; nur vergaß er natürlich hinzuzufügen, daß niemand die USA. angegriffen hat.

Die amtliche deutsche Feststellung, daß die USA.- Zerstörer z u e r st die deutschen U-Boote angegriffen hatten, muß einen solchen Eindruck in den USA. gemacht haben, daß Knox glaubte, mit noch mas­siveren Lügenparolen als bisher diesen Eindruck ver­wischen zu können.

Roosevelt soll Farbe bekennen.

Neuyork, 3. November. (DNB. Funkspruch) In der Senatsdebatte stellte ein demokratischer 2xb» geordneter Roosevelt vor die Alternative, vom Bundeskongreß eine K r i e g s e r k l ä r u n a zu verlangen, wenn er wirklich überzeugt sei, daß die Sicherheit Amerikas bedroht werde, oder seinen Gefolgsleuten Knox und S t i m s o n, die dauernd zum Krieg hetzten, einen Maulkorb vorzuhängen.

Neue Angriffe der USA. auf Zberoamerika.

Buenos Aires, 2.November. (DNB.) Nach einer Meldung aus Washington wird die USA.* Regierung in Iberoamerika neue Maßnahmen in Kraft setzen, die den mit der Einführung der Schwarzen Listen geführten Schlag vervollständigen sollen. Während der letzten Monate trugen USA.« Funktionäre in den Vereinigten Staaten und Ibero­amerika alle Unterlagen für die Aufstellung Grauer Listen" zusammen. Diese Listen ent­halten Namen, Adressen und Daten der nicht in die schwarzen Listen einbezogenen Personen und Fir­men, die die Schwarzlisten-Firmen inzwischen an­geblich als Hilfsmänner einschalteten, um einen in­direkten Weiterbezug der USA.-Waren unter Um­gehung des Belieferungsoerbots durchzusetzen.

Die wirtschaftsdiktatorischen Maßnahmen der USA. richten sich angeblich gegen Interessen der Achsenmächte. In Wirklichkeit treffen sie ibero- amerikanische Firmen und Staaten auf das emp­findlichste, um sie dem Dollarimperialismus gefügig zu machen. Mit denGrauen Listen" wird habet auch noch ein Nebenzweck verfolgt. Amtliche USA.. Kreise geben offen zu, daß die Beziehungen zu Ibero-Amerika einer Krise entgegengehen, weil in den USA. alles Material und die gesamte Industrie- kapazität für die Kriegsproduktion gebraucht werdens

Zahlreiche ibero-amerikanische Aufträge wurden kürzlich abgelehnt, obwohl von der USA.-Lieferung die Weiterarbeit der betreffenden südamerikanischen Industrien abhängig ist, so daß ihre Stillegung und eine Arbeitslosigkeit der Belegschaft droht. Dieser er­wünschte Zustand könne, so befürchtet man in den USA., den Bestrebungen entgegenwirken, ganz Amerika zu unterwerfen.

DieGrauen Listen" bieten die gewünschte Hand­habe, unter dem Vorwand einer achsenfreundlichen Gesinnung des Auftraggebers, Lieferungen abzulehnen und ibero-amerikanische Firmen im Stich zu lassen und zu schädigen. .

Irland bleibt fest.

Dublin, 3. Nov. (DNB. Funkspruch.) Minister- Präsident de D a l e ra hielt am Sonntag in Trales vor irischen Truppen eine Ansprache, in der er u. a. sagte:Der einzige Schild, den wir zur Abwehr eines Angriffes haben, ist die Möglichkeit, uns bis $um Tod gegen jeden Angriff z u verteidigen." Irland könne nur auf sich selbst rechnen, um feine Freiheit zu erhalten, betonte de Valero.

5000 Schulkinder von den Sowjets verschleppt.

Stockholm, 2. November. (Europapreß.) An­läßlich der Wiedereröffnung der Volksschulen in Est- land berichtet der Helsinki-Korrespondent vonAf- tonbladet" über die Massenoerschleppungen von Schulkindern während der Besetzung Est­lands durch die Bolschewiken. Nicht weniger als 5000 Schulkinder seien von den Sowjets bei Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges nach ent­legenen Gebieten der Sowjetunion geschafft worden. Der Unterricht in Estland sei nunmehr dadurch er­schwert, daß ein bedeutender Teil der Lehrkräfte von den Sowjets entweder ermordet oder de­portiert worden sei. Auch zahlreiche Schulge­bäude feien vernichtet worden.

Kunst und Wissenschaft.

Goelhe-Vledaille für Professor Dr. Dr. Frih Hofmann.

Der Führer hat dem Direktor i. R. des schle­sischen Kohlenforschungsinstitutes der Kaifer-Wil- Helm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, Professor Dr. Dr. Fritz Hofmann in Breslau aus Anlaß der Vollendung seines 75. Lebensjahres in Würdigung seiner Verdienste auf dem Gebiete der Erforschung des synthetischen Gummis die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. Gleichzitig hat der Führer dem Jubilar in einem herzlich gehaltenen Telegramm seine Glückwünsche zum Ausdruck gebracht.

An die Vergessene.

Von Anton Schnack.

Unserer gemeinsamen Spielplätze kann ich mich noch erinnern. Sie sind als unverwischte Bilder in mir geblieben, aber wie wir beide aussahen, das ist nir nicht mehr gegenwärtig.

Wo die gepflasterte Straße den Ort verließ und zur staubigen Landstraße wurde, war ein freier, unbebauter Platz, der von einer hohen, mit Glas­scherben gespickten Mauer begrenzt war. Dahinter standen und blühten viele Dbftbäume in bäuerlich wilden Grasgärten. Vor der Mauer waren die aus dem Walde angefahrenen Holzstöße aufgebaut, eine ganze Holzstadt, und zwischen dem Holz und, der Mauer gab es ein Gewirr von Gängen, Verstecken und Winkeln, geeignet zum verborgenen und von keinem Erwachsenen beobachteten Spiel.

Der ganze Platz war, besonders wenn die heiße Iulisonne kochte und zitterte, von einem märchen­haften Waldgeruch überschwemmt. Von den Schei­tern zupften wir die ausgekochten Harzperlen, an den rauhen Schnittflächen glitzernd, und du sagtest einmal, daß diese Perlen die Tränen der Bäume seien. Ich war geneigt, dies zu glauben, weil du es sagtest. An die Worte, die mein Mitleid mit den gefällten Bäumen weckten, erinnere ich mich noch genau. An dich aber nicht mehr.

Im Gewinkel der Holzstöße haben wir uns wie in einem Paradies herumgetrieben. Wir bauten uns ein Haus. Bretter, in die Zwischenräume zweier Holzstöße gesteckt, waren das Dach und die Seiten­wände. Vor den Einschlupf hängten wir einen Vor- Ö Du hattest zu Hause eine abgelegte zerlöcherte ine weggenommen und mitgebracht. Hinter diesem Schleier zu sitzen, war wie der Aufenthalt in einer weichen, seltsam entrückten Dämmerung. Ich hatte eine kleine Drehorgel, die das LiedKommt ein Vogel geflogen" (eierte. Du sangst dazu, und Spiel und Gesang klangen wunderschön. In dem engen Versteck hörte sich beides an als sänge es aus einem tiefen Brunnen zum Licht empor.

Von der Straße her wurde nach dir gerufen. Aber du machtest keine Anstalten, dich zu erheben und dem Rufe zu folgen.

Hier ist mein Haus, und ich gehorche nur dir!" Ich habe den Trotz dieser Antwort noch immer hn

Ohr, aber das Mädchen, das mit diesem Satz eine Gefolgschaft verweigerte, um einer neuen anzu­hängen, an dieses Mädchen kann ich mich nicht mehr erinnern.

Manchmal standen mir am Fluß auf einer an­geketteten breiten Fähre. Leise und seufzend klatschte das Wasser gegen schwarzgeteerte Planken. In den heißen Nachmittagsstunden, da der Fährmann im Schatten seiner Bretterhütte schlief, war eine be­sonders feierliche und versunkene Stimmung rings­um. Am anderen Ufer des Flusses lag ein Dorf mit einem grauen Schloß vor einem großen sich weithinausziehenden Wald. An die Lust über dem Wald erinnere ich mich noch genau: unsäglich hell und gläsern war sie in der Höhe, aber unmittelbar über dem schwarzblauen Wald war sie satt und trächtig von Feuchtigkeit und Gewitterschwüle. Ein Floß schwamm den Fluß herunter, eine rote Flößer- sahne wehte an einer hohen Stange. Blutrot leuch­tete das Fahnentuch noch heute glüht das rote Viereck in meiner Erinnerung. Doch wie dein Gesicht aussah, das mit sehnsüchtigem Blick nach Floß und Fahne schaute und dessen Spiegelbild im Wasser hin und her schwankte, das hat sich mir verwischt.

Du hast voll Erregung auf die fingergroßen Silberfische gedeutet, deren es so viele im Rand­gewässer des Flusses gab. Wenn wir uns bewegten, schossen sie blitzschnell in das grüne Wasser der Tiefe und verschwanden. Das habe ich noch im Gedächt­nis auch die träge, leicht schwankende Fähre und das Klatschen der vom Floß verursachten Wellen. Ich erinnere mich auch noch an den Wind, der auf­kam und ein wenig das Wasser schuppte und dann wieder einschlief. Und dann saßen wir unter einem Weidenbusch auf dem Steindamm, dessen Steine so sonnenheiß waren, daß es fast die Haut schmerze. Aus den Blättern der Weide leuchteten Marienkäfer, die wir fingen, um sie wieder davonfliegen zu lassen. Wir sprachen dazu die Worte eines Kinderspruches und sahen ihnen nach, um zu ergründen, wohin sie fliegen würden. Aber sie flogen immer wieder zur Weide zurück.

Manchmal hörten wir das Plumpsen eines Fro­sches, der aus dem Uferfraut ins Wasser sprang. Und jedesmal erschraken wir, denn niemand sollte uns sehen, niemand sollte sehen, daß ich den Arm um deine Schulter gelegt hatte und sich dein Gesicht an meines drückte.

In die abgründige Stille schnarrte manchmal mit hohlem Laut ein durch das Schilfrohr schwimmendes Wasserhuhn oder das strohige Flügelgeräusch einer Libelle fegte vorbei das alles ist mir noch deutlich und gegenwärtig, aber dein glühendes Gesicht habe ich vergessen.

Gegenwärtig ist mir auch der heftige bittere Dunst aus erwärmtem Wasser, erhitzten Steinen faulen­dem Holz und üppigen Minzenpflanzen. Auch den reinen Duft deiner aufgelösten Haare glaube ich noch zu spüren.

Und wenn ich dir versicherte, daß ich diesen Duft gern hätte, so sagtest du, so dufte auch das Haar von Rotkäppchen.

Ein Lächeln spielte um deine Mundwinkel. Den Duft der Haare und das Lächeln habe ich behalten, aber die Farbe der Haare habe ich vergessen und die Form des Mundes auch.

An einem Finger deiner rechten Hand stak ein Ring, daran ein bläulicher Stein glitzerte. An den Stein, an den winzigen bläulichen Schmuckstern und sein Gefunkel erinnere ich mich noch ganau. An die Hand, die ich in der meinen hielt, und die ich leise streichelte, an die Hand erinnere ich mich nicht mehr.

Oft stand ich auch unter den hohen altfränkischen Fenstern eures von Pappeln flankierten Hauses. Ich lauschte deinem Spiel auf dem Klavier. Manche Töne waren verstimmt, besonders das g und a im Baß und das fis und cis in der höchsten Oktave. Ich hörte deine Stimme, die manchmal zu der dün­nen Klaviermelodie sang und dann wieder abbrach. Scheu und leise war deine Stimme, das weiß ich noch genau, und sie schien mir die Stimme einer Nachtigall, die Stimme eines Märchenvogels zu fein, der in den Abend sein Lied singt. Und mit dem Klang im Ohr schlich ich davon in meinen unruhigen oder abgründig tiefen Jugendschlaf. Ich habe seitdem den Klang behalten.

Und welche Büsche in eurem Garten wuchsen ich kann sie immer noch an den Fingern abzählen, die Flieder-, Jasmin-, Goldregen- und Geißblatt­büsche, sie sind mir noch greifbar nahe mit ihrem Duft, mit dem Mittagsschatten und der Abend- schwüle, aber du und ich, die sich zum Stelldichein im versteckten Gewirr der Büsche trafen, wie wir beide aussahen das ist mir wie von einem Nebel zugeweht, das habe ich vergessen.

Aber wahrscheinlich bist du dies alles selbst ge­wesen und ich habe dich doch nicht vergessen.

Zeitschriften.

Im Hoheneichen-Verlag, München, erscheint als wissenschaftliche Vierteljahresschrift des Instituts zur Erforschung der JudenfrageDer W e 11 k a m p f" (Die Judenfrage in Geschichte und Gegenwart. Her­ausgeber: Wilhelm ©rau; Schriftleiter: Peter Heinz Seraphim); sie hat in den Jahren, als die NSDAP, ihren Kampf gegen das Judentum begann, unter der Herausgeberschaft von Alfred Rosenberg der Partei als führendes politisches Aufklärungsorgan gedient und ist jetzt die repräsentative Zeitschrift der im März 1941 von Reichsleiter Rosenberg eröffneten Außenstelle Frankfurt am Main der Hohen Schule, die als Institut zur Erforschung der Judenfrage ins Leben gerufen wurde.Der Weltkamps" behandelt als erste von nichtjüdischer Seite herausgegebene Zeitschrift die Judenfrage streng wissenschaftlich. Heft 1/2 wird eingeleitet von der grundsätzlich bedeut­samen AnspracheNationalsozialismus und Wissen­schaft", die Alfred Rosenberg im März d. I. bei der Eröffnung der Außenstelle in Frankfurt gehalten hat, und die hier im Wortlaut erscheint. Der Her­ausgeber Wilhelm Grau legt interessantes und wohl kaum allgemein bekanntes Material über die ge­schichtlichen Lösungsversuche der Judenfrage vor; an­schließend berichtet der gleiche Verfasser über Wesen, Aufgaben, wissenschaftliche Grundlagen und Me­thoden des Frankfurter Institutes. Einen der poli­tisch aktuellsten Beiträge hat der bekannte Publizist Giselher Wirsing mit seinem AufsatzDie Juden­frage im Vorderen Orient" geleistet. Für den Ge­samtkomplex der hier aufgeworfenen Probleme grundlegende Gesichtspunkte enthalten der Beitrag über die außenpolitischen Voraussetzungen zur Lö­sung der Judenfrage von Walther Groß, und Alfred Rosenbergs AbhandlungDie Judenfrage als Welt­problem". Zur Entwicklung der Judenftage in Europa äußern sich eine Reihe maßgebender Poli­tiker aus verschiedenen Ländern (neben Deutschland Norwegen, Niederlande, Rumänien, Ungarn, Bul­garien, Dänemark und Flandern). Kleine ^Beiträge, Tagungsberichte, Buchbesprechungen und ein sorg­fältig registrierendes politisches Tagebuch runden den Inhalt des stattlichen Doppelheftes ab,