Ausgabe 
3.9.1941
 
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triumphierend Liebenden auch der Mensch gezeigt würde in der Verwirrung des Gefühls, da unter der blitzenden Rüstung ein preisgegebenes Herz schlägt, der aber dann,des Anschauns würdig", sich sammelt, faßt und erhebt und die Forderung erfüllt, die dem Schauspiel seinen ewigen Sinn gibt: daß dies, vor allem in den großen Szenen der lebten Akte, sich mitteilte, war eine schöne Be­stätigung der mit jugendlichem Impuls und leiden­schaftlichem Ausbruch sich einsetzenden Darstellung.

*

Den Kurfürsten gab Herr Carl Maria Zeppen­feld, schon äußerlich und in der geschickt gemach­ten Maske eine kraftvoll straffe Erscheinung von respektfordernder Haltung und Würde; anfangs kühl und fast schroff, wuchs er in den entscheidenden Auseinandersetzungen mit Natalie und den Offizie­ren, fern vom tyrannisch-starren Absolutismus, zum Repräsentanten des Staates, zum väterlich über­legenen Führer und Lehrer der Seinen.

Luise Prasser als Natalie gab die beherrschte und innerlich abgewogene Darstellung einer Figur, die auf der Bühne leicht etwas blaß und konven­tionell aussieht, hier aber, bei aller prinzessinnen- haften Haltung und mädchenhaften Zartheit, als ein helläugiges und warmherziges Geschöpf erschien, eine rührende Fürsprecherin derlieblichen Ge­fühle".

Herr Leopold Fischer war der alte Kottwitz, die einfachste, gradlinigste, neben dem Kurfürsten preu­ßischste Erscheinung in diesem Stück, ein aufrechter alter Offizier, dessenbrandenburgischer Katechis­mus" mit großer Eindringlichkeit verkündet wurde. Herr Carl Bruno Schmidt gab mit guter Hal­tung in freundschaftlicher Wärme den Hohenzollern, Herr A. W. Funke einen besonnenen und besorg­ten Dörfling, Hilde Kneip in würdiger Verhal­tenheit die Kurfürstin. Den Bericht des Mörner sprach Herr Mund mit leidenschaftlicher Steige­rung, den des Sparren Herr V o l ck gemessen und mit klarer sprachlicher Artikulation.

Den anhaltenden Beifall des ausverkauften Hau­ses und reiche Blumenspenden konnten zuletzt mit den Darstellern auch Spielleiter, Bühnenbildner und der Komponist entaegennehmen, dem der Inten­dant einen goldenen Kranz überreichte.

Hans Thyriot.

*

Zu Beginn hielt Intendant Klein eine An­sprache, in der er Festgäste Und Stamm-Mieter will­kommen hieß. Er erkenne in dem starken Besuch eine Solidaritätserklärung. Das Theater sei auch im Kriege eine Notwendigkeit. Wir als Soldaten an der Heimatfront haben, so führte er u. a. aus, durch Anspannung aller Kräfte eine Verpflichtung an die große Zeit einzuläsen. Unser kulturelles Pro­gramm ziele auf die Schaffung eines lebendigen Volkstheaters; Leistung heiße die Losung, Aktivie­rung der seelischen Kräfte die Parole des kriegs­notwendigen Theaters, das kein bloßer Amüsier­betrieb, sondern eine Kraftreserve der Heimat sei. Mit dem Dank an die Stammieter verband der Intendant seinen Dank an Oberbürgermeister Rit­ter für stete Förderung, und den Dank an die Presse. Nach einer Uebersicht über Spielplan und Spielkörper (es war im einzelnen hier schon davon die Rede) warb der Intendant um Sympathien für die Darsteller und hieß endlich den Komponisten Marc Roland herzlich bei uns willkommen.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch ..Stadttheater: 19.30 bis 22 UhrIch bin kein Casanova". Gloria-Palast:Frau Luna". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das große Aben­teuer".

Theater der Universitätsstadt Gießen.

Am Mittwoch, 3. September kommt die Komödie Ich bin kein Casanova" von Otto Bielen zur Erst­aufführung. Es hat drei Akte, die an humorvollen Situationen reich sind. Alle Besucher können so einige kurzweilige Stunden genießen. Die Inszenie­rung hat Wilhelm Michael Mund, die Bühnen­bilder schuf Karl Löffler. Die Hauptrolle des Mannes, der kein Casanova ist, spielt Carl Bruno Schmidt. In weiteren Rollen Hella Henzky, Kate Jaenicke, Hilde Kneip, Anja Rau, Editha Thomae, Kurt Bosny, Gerd Fritz Ludwig, Heinz Roux, Hans Seitz und Karl Volck.

M We M MMont

Erfinderberatung durch die DAF.

Am 8.9. und 22.9. finden die Sprechstunden zur Erfinderberatung in Gießen, Haus der DAF., Schanzenstraße 18, I. Stock, Zimmer 15b, jeweils von 10 bis 12 Uhr vormittags, statt. 3266D

Wer möchte da nicht mitmachen?

Gfs.. Am Mittwoch, 10. September, beginnt der Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk mit dem gewünschten Nähkursus. An diesem Kursus können alle Frauen und Mädel über 18 Jahre teilnehmen, die schon einen Nähkursus im Mütterdienst mit­machten, und wer von diesen will sich da nicht gleich anmelden? An die Frauen und Mädel, die noch keinen Nähkursus des Mütterdienstes besuchten, denken wir auch und beginnen für sie am Donners­tag, 11. September, einen Nähkursus, an dem alle Frauen und Mädel von 18 Jahren an mitmachen können. Jeder Kursus dauert, wie immer, 10 bis 12 Doppelstunden und wird von einer guten Fach­kraft geleitet. Mitzubringen sind eine Stopf- oder Flickarbeit, Schere, Papier, Zentimetermaß, Blei­stift und die Kursusgebühr, 3,60 bis 5, RM., so wie es jeder kann. Anmeldung erfolgt bei der Kreis­frauenschaftsleitung, Frankfurter Straße 1 (Cafä Hettler), Telephon 2818, oder am Kursusabend im Fröbelseminar.

Ernte in Brandgefahr! 'x

Dem deutschen Bauern obliegt die verantwor­tungsvolle Aufgabe, das Brot für alle Volks­genossen zu schaffen, in rastloser Arbeit dem Boden das für die Ernährung unseres Volkes unentbehr­liche Getreide abzuringen. Für Millionen von Reichsmark werden mühevoll geschaffene Volkswerte jährlich vernichtet. Unser Brot wird vernichtet durch Leichtsinn, Fahrlässigkeit, Kinderhände und Brand­stiftung. Sorge jeder dafür, daß nicht das durch Leichtsinn und Fahrlässigkeit ein Raub der Flammen wird, was mit viel Mühe und Fleiß erarbeitet wurde. Achtet auf die Feuerstätten, sie.bringen Ge­fahr! Feuergefährliche Stoffe gehören an feuer­sicheren Ort! Halte die elektrischen Anlagen stets in Ordnung! Der Ernte droht Gefahr! Helft Brände verhüten, denn Unachtsamkeit vernichtet die Früchte deiner Arbeit!

Gießener Gchlachtviehmarkt.

Auf dem gestrigen Gießener Schlachtoiehmarkt (Schlachtoieh-Derteilungsmarkt) in der Diehver- steigerungshalle Rhein-Main kosteten: Ochsen 42,5 bis 46,5, Bullen 38 bis 45,5, Kühe 16 bis 47, Fär­sen 39 bis 50,5, Kälber 24 bis 57, Schafe 20 bis 46 Rpf. je V2 kg Lebendgewicht. Für Schweine wurden je kg Lebendgewicht folgende Preise erzielt: Klasse a (150 kg und mehr) 1,24, bl (135 bis 149,5 kg) 1,24, b2 (120 bis 134,5 kg) 1,22, c (100 bis 119,5 kg) 1,18, d (80 bis 99,5 kg) 1,12, ef (unter 80 kg) 1,08, gl (fette Speckfauen) 1,24, i (Altschnei­der) 1,22, g2 (andere Sauen) 1,12, h (Eber) 1,12 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt.

Kreisleistungshüten derKreisbauern- schast Oberheffen Nord.

In Hungen fand am Sonntag das Kreisleistungs­hüten Oberhessen-Nord statt. Es sollte den Zweck verfolgen, die besten Schäfer Oberhessens zu er­mitteln, die sich am Austrog des TitelsLandes­leistungs-Sieger" gelegentlich des Landesleistungs­hütens am 28. September 1941 in Hungen betei­ligen. Das Richteramt lag in den Händen von Gg. Hüttenberger (Ließen), von der Fachschaft deutsche Schäferhunde, Schäfermeister Pfann- k 0 ch und Lehrschäfermeister König (Garben­heim). Es waren sechs Hunde gemeldet, die ein­zeln an einer Herde von etwa 400 Schafen arbeiten mußten. Es erhielten: 1. Preis Schäfermeister Rindermann, Hofgut Utphe in Oberhessen; 2. Schäfermeister W. Müller, Gießen a. d. Hardt; 3 Schäfermeister Philipp Wirth, Wetterfeld: 4. Schäfermeister Hch. Kipper, Unter-Schmitten. Anerkennungen erhielten die Schäfer Theodor S ch a u s , Gießen, und der Schäfer Georg Hor­nung, zur Zeit in Schotten. Am Sonntag, 7. Sep­tember findet ein weiteres Ausscheidungshüten in Holzheim bei Limburg und in Beerfelden im Oden­wald statt.

** Warum heult die Sirene? Manches­mal hat dich die Sirene durch ihre Warnrufe zu entschlossenem Handeln aufgerufen, dir und den Deinen den Weg zur Selbsterhaltung gewiesen, wenn ein Luftangriff drohte. Eine gewaltige, zu jeder Tages- und Nachtzeit wache und schlagbereite Organisation, die lebendige Abwehrkräfte der Hei­mat im Luftschutz zusammenfaßt, folgt dem Ruf der großen Warnerin, die jedem Volksgenossen dient. Es wird daher allgemein interessieren, etwas von ihrer Technik zu erfahren. Dieses Bedürfnis befriedigtDie Sirene", die illustrierte Zeitschrift des Reichsluftschutzbundes, in ihrem neuesten Heft, in dem sie ihrer Namensschwester einen aufschluß­reichen Beitrag widmet.

Strafkammer Gießen.

Die E. F. aus G. hatte sich wegen Meineids, der A. R. aus G. wegen Anstiftung zum Meineid zu verantworten. Die F. hatte einen ihr auferlegten Eid in einem Ehescheidungsprozeß wissentlich falsch geschworen, R. war beschuldigt, sie dazu angestiftet zu haben. Die Angeklagten waren geständig. Der Anklagevertreter führte aus, daß bei der Angeklag­ten F. Eidesnotstand angenommen werden müsse und daß der Angeklagte'R. nur wegen Beihilfe zum Meineid zu bestrafen sei, da die Angeklagte schon von sich aus bereit gewesen war, die Unwahr­heit zu sagen. Gegen die F. wurde eine Gefängnis­

strafe von neun Monaten, gegen R. eine solche von einem Jahr beantragt. Die F. wurde wegen Mein­eids zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten, abzüglich drei Monate und 2 Wochen Untersuchungshaft, R. wegen Beihilfe zum Meineid zu einer Gefängnisstrafe von neun Mo- n a t e n , abzüglich drei Monate Untersuchungshaft verurteilt. DenÄngeklagten wurden weitgehend mil­dernde Umstände zugebilligt. Bei der Angeklagten F. wurde Eidesnotstand angenommen.

Der W. M. in Ebersgöns war durch Urteil des Amtsgerichts Butzbach vom 27. Juni wegen Milch- fälschüng zu einer Gefängnisstrafe von drei Mo­naten verurteilt worden. Gegen das Urteil legte er Berufung ein, und zwar wegen des Strafmaßes. Er war'beschuldigt, am 23. Dez. o.J. in Butzbach der von ihm ausgegebenen Vollmilch Magermilch zugesetzt zu haben. Der Angeklagte gab die Tat zu, er behauptete aber, eine Kanne, die 20 Liter Voll­milch enthielt, sei umgefallen, und da es am Tag vor Weihnachten gewesen sei und die Leute die Milch dringend benötigt hätten, habe er den Ver­lust von etwa 5 Liter Vollmilch durch Magermilch ersetzt. Bei diesem Quantum könne von Gewinnsucht keine'Rede sein. Das Urteil des Amtsgerichts Butz- bach wurde im Strafmaß aufgehoben und der An­geklagte zu einer Geldstrafe von 3 0 0 R M. verurteilt. Das Gericht führte in der Urteilsbegrün- düng aus, daß es sich um ein einmaliges Vergehen handle, dem Angeklagten auch nicht zu widerlegen sei, daß er den Leuten helfen wollte. Aus dem Vor­leben des Angeklagten sei nicht anzunehmen, daß er aus Eigennutz gehandelt habe. Trotz alledem fei eine empfindliche Geldstrafe angebracht.

OrtS-Turn- und Eporttag in Lich.

* Lich, 2. Spt. Einen Orts-Turn- und Sporttag in unserer Stadt durchzuführen, war der Zweck einer Besprechung, zu der alle Führer der For­mationen und NSRL.-Vereine erschienen waren. Der Ortsbeauftragte des NSRL. Karl Volz legte Zweck und Ziel klar und betonte, daß der Orts-Turn- und Sporttag ein Tag der Leibesübun­gen der ganzen Gemeinde fei; er fetzte für feine Durchführung den 7. September fest. Nach dem Weck­ruf finden ab 9 Uhr an der Turnhalle die Wett­kämpfe statt. Volkstümliche Dreikämpfe und Geräte- wettkämpfe für alle Altersklassen, an denen sich alle Volksgenossen und Volksgenossinnen beteiligen können, werden durchgeführt. Schießwettkämpfe werden auf dem Kleinkaliberschießstand durchgeführt. Bis zum Donnerstagabend müssen die Anmeldun­gen bei den Formations- und Dereinsführern er­folgt fein. Nachmittags ab 2 Uhr finden ein Hand­ball- und ein Fußballspiel statt, umrahmt von Vor­führungen der Turnerinnen. Daran schließt sich die Siegerverkündung an. Möge der guten Sache auch hier ein großer Erfolg beschieden sein, damit der Beweis erbracht wird, daß in unserer Stadt die Leibesübungen marschieren.

Kleinkind tödlich verunglückt.

LPD.^N a r b u r g, 2. Sept. In Anzefahr er­eignete sich ein folgenschwerer Unfall. Das vier Jahre alte Töchterchen des Bauern Damm wollte einem einfahrenden Erntewagen ausweichen und lief hierbei in die Fahrbahn eines entgegenkom­menden Bäckerei-Lieferwagens. Dem Fahrer des Kraftwagens war es nicht mehr möglich, seinen Wagen zum Halten zu bringen. Das Kind wurde überfahren und erlitt dabei so schwere Ver­letzungen, daß es kurz darauf starb.

Tieferschüttert erhielten wir die traurige Nachricht, daß unser lieber herzensguter Sohn} Bruder, Schwa­ger und Neffe

Alwin Lepper

Schütze in einem Infanterie-Regiment im blühenden Alter von 20 Jahren am 9. Juli bei den Kämpfen im Osten sein junges Leben lassen mußte.

In tiefem Schmerz:

Familie Kurt Lepper und Frau, geb. Lotz Kurt Lepper, z.Z. im Felde Irmgard Lepper, geb. Rößer Familie Otto Lotz Annelise Krahl nebst allen Verwandten.

/ -

Gießen-Wieseck, den 1. September 1941.

Wir erhielten die unfaßbare Nach­richt, daß am 25. Juli 1941 bei den schweren Kämpfen im Osten unser heißgeliebter, unvergeßlicher, hoff­nungsvoller und einziger Sohn

Ernst Wenzel

Soldat in einem Infanterie-Regiment im blühenden Alter von beinahe 22 Jahren gefallen ist. T ... c ,

b In tiefem Schmerz:

Rudolf Wenzel und Frau Luise, geb. Bender Familie Ernst Bender

Kätchen Kreiling und Eltern.

Heuchelheim, Griedel, Krofdorf, 3.Sept. 1941

02903

Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren treusorgen­den, herzensguten Vater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel

Adam Bayer

im nahezu 68. Lebensjahr am Montag, dem 1. September 1941, nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden zu sich zu rufen.

In tiefer Trauer: Eugenie Bayer

Liesel Bayer

Marianne Helfenbein

und alle Angehörigen.

Gießen, An der Johanneskirche 6.

Die Beerdigung findet Donnerstag, 4. Sept., nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofs aus statt.

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Vom 15. September 1941 ab wird die Strom- und Gaslieferung bei allen Abnehmern gesperrt, die dis Strom- und Gasgelder für den Monat Juli 194t einschließlich kosten noch nicht entrichtet haben. Die Kosten der Strom- und Gassperre gehen zu Lasten der Säumigen. 3669A

Gießen, den 1. September 1941.

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