Ausgabe 
3.3.1941
 
Einzelbild herunterladen

WWW» Ws Ser Ml.

Roman von Otto llenWt.

3.Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Gegenwärtig waren Bestrebungen im Gange, die ziemlich kläglichen und unzureichenden Wohnver­hältnisse in Oschnitz großzügig zu verbessern. Es gingen nur Gerüchte davon in dem Städtchen um. Es hieß, am Südhang der Rabitsch-Berge solle eine weitläufige Siedlung entstehen, die zunächst vier­hundert Familien aufnehmen könne. Den Haupt­beitrag zur Finanzierung werde der alte Mathesius leisten.

Die Gerüchte beruhten auf Wahrheit Die Be­ratungen zwischen der Stadtverwaltung und der Leitung der Mathesius-Werke waren schon seit Wochen im Gange. Nur wenige wußten davon, weil man mit einem fertigen Projekt vor die Oeffentlick- keit treten wollte. Immerhin war mancherlei durcy- gesickert, und viele Oschnitzer gingen an Sonntag- Nachmittagen hinüber zu den Hängen der Rabitsch- Berge, wo die Siedlung entstehen sollte, um sich den Platz für ihr eigenes Heim auszusuchen. Sie stellten Mutmaßungen darüber an, wo der Sport­platz hinkommen werde, das Kinderheim und die Freibadeanstalt. Der alte Mathesius und seine väter­liche Fürsorge für das Städtchen waren in aller Munde.

Gert, der davon wußte, meinte in gutmütigem Spott, daß der alte Herr nun allmählich in die Jahre kommst, wo er daran denken mußte, ebenfalls ein Denkmal zu erhalten wie sein Vater. Da er bisher mehr respektiert als geliebt worden war, mußte er durch eine besondere Tat seine Verdienste um das Gemeinwohl Herausstellen.

Was Gert betraf, so liebte ihn die ganze Stadt, obwohl niemand zu sagen gewußt hätte, womit er diese Liebe verdiente. Er kannte jeden und stand mit jedem auf vertrautem Fuße. Immer hatte er eine offene Hand, für alle Sorgen ein Ohr. Er tat das Gute weniger aus christlicher Nächstenliebe als aus kameradschaftlicher Hilfsbereitschaft, und weil es ihm Spaß machte, vergnügte Gesichter um sich zu sehen. Er verschenkte Zigarren und Zigaretten, nahm

Frauen, die sich mit ihren Kindern schleppten, in seinem Wagen mit, lud sich aber auch selbst zu Gast, wenn es sich gerade so fugte, daß er aus dem offen­stehenden Fenster einer Küche einen verlockenden Duft einatmete, und so betrachteten ihn alle Osch­nitzer als den ihren. Besonders die Kinder. Er fuhr sie in seinem Wagen spazieren, daß die betreffenden Mütter stundenlang in der Angst schwebten, sie wür­den ihre Sprößlinge nur mit zerbrochenen Gliedern oder überhaupt nicht mehr wiederbekommen. In dieser Hinsicht aber war Gert zuverlässig wie ein Neufundländer. Er lieferte die Kinder stets unver­sehrt wieder ab. Manche verdarben sich zwar unter­wegs den Magen, weil er sie allzu reichlich mit Kuchen und Süßigkeiten vollgestopft hatte, aber das trugen sie ihm nicht nach, sondern hingen an ihm wie die Kletten, wo er sich nur immer sehen ließ.

Ganz anders als er war sein ältester Bruder Stefan. Er hielt sich von allem Umgang zurück und bewahrte den Abstand, auf den sein Vater so großen Wert legte. Das geschah kaum aus Hoch­mut, sondern es lag eben in der Art der Mathesius. Im allgemeinen hatte man in ihm nichts anderes gesehen als den gehorsam unterwürfigen nächsten Mitarbeiter seines Vaters, bis es eines Tages mit dem Frieden zwischen den beiden ein jähes Ende zu nehmen drohte. Dieses Ereignis lag jetzt andert­halb Jahre zurück, und es begann , damit, daß die Methesius-Werke sich wegen der Ausdehnung ihres Balkan-Geschäftes eine sprachkundige Sekretärin aus Wien verschrieben. Sie trat ihre Stellung im Vor­zimmer des alten Herrn an und wurde bald Stefan zugeteilt, der das Balkan-Geschäft damals bear­beitete.

Die Oschnitzer fanden das junge Mädchen an­spruchslos hübsch. Es hieß, sie sei außerordentlich tüchtig und sie beziehe ein Gehalt, wie es in dieser Höhe noch nie einer Angestellten gezahlt worden sei. Da sie sich ganz unauffällig benahm, bescheiden wohnte, keinerlei Aufwand trieb, geriet sie bald in Vergessenheit, und so kam denn wie ein Blitz aus heiterem Himmel die Nachricht, daß Stefan sich mit ihr verlobt habe. Zunächst glaubte man es nicht, weil sich niemand vorstellen konnte, daß der alte Herr jemals zu einem so unüberlegt romantischen Streich seine Einwilligung geben werde. Dann aber wurde auf dem Umweg über Frau Triebsch be­kannt, daß der alte Herr seinen anfänglichen Wider«

Berwundetenbetreuung.

Die NSG.Kraft durch Freude" veranstaltete in der vergangenen Woche eine Reihe unterhaltender Darbietungen für die Verwundeten in den Gieße­ner Lazaretten. So vereinigten sich am Dienstag Henny Schmitt (Sopran), Ruth Pattberg IMoline), Helmka S a g e b i e l (Rezitattonen) und Heinz Schröter (Klavier) unter dem Motto »Humor in der Musik" zu einem heiteren Prw gramm, das Arien aus Werken von Weber, Nicolai und Lortzing, Klaviermusik von Beethoven, Schu­bert und Grieg, Violinstücke von Mozart, Schubert und Ries, sowie eine Anzahl von Operettenliedern und Musikeranekdoten brachte. Feldwebel Stumpf dankte im Namen der Verwundeten für die vor­trefflichen Darbietungen, die lebhaften Anklang fan­den. Dielen Beifall fand auch am vergangenen Mittwoch die Vorführung des unterhaltsamen Films Der Tag nach der Scheidung". Unter der Leitung von Chormeister Häuser (Watzenborn) brachte der Gesangverein Concordia, Langsdorf, eine Reihe von Volks- und Soldatenliedern vorzüglich zu Gehör. Bürgermeister Kneipp (Langsdorf) hielt eine kurze Ansprache, in der er seiner Freude dar­über Ausdruck gab, mit seinem Verein im Lazarett vor den Soldaten singen zu dürfen. Feldwebel Stumpf brachte auch hier den Dank der Ver­wundeten zum Ausdruck.

*

Gfs. Deutsches Frauenwerk, Gießen« Mitte. Die Nähstube ist wieder eröffnet. Sie ftn- det statt montags und donnerstag von 9 bis 12 und 15 bis 18 Uhr in der Bleichstraße 18/1. Die Frauen werden gebeten, ihre Arbeit wie früher wieder aufzunehmen. Unser Gemeinschaftsabend findet am 6. März, um 20 Uhr, in Form einer Ar­beitsstunde imBurghof" statt. Mitzubringen sind Schere und Nadel und bunte Garnreste.

** Silberne Hochzeit. Der Heilprakttker Ernst Naumann und seine Ehefrau, Mühlstraße Nr. 33, feiern am 7. März d. I. das Fest der silber­nen Hochzeit.

Ortszeit für ben 4. März.

Sonnenaufgang 8.08 Uhr, Sonnenuntergang 19.08 Uhr. Mondaufgang 10.34 Uhr, Monduntergang (5. 3.) 1.56 Uhr.

Aus der engeren Heimat.

Oorfgemeinschastsabend in Großen-Buseck.

> Großen-Buseck, 2. März. Unter dem Geleitwort:Wenn die Stürme Leben wecken, hebt im Land ein Singen an!" veranstaltete die NSG. Kraft durch Freude" im Saale von Gastwirt Wag­ner am vergangenen Samstag einen Dorfgemein- schaftsabend. Er unterschied sich von ftüheren Veranstaltungen insofern, als das Programm aus­schließlich von heimischen Kräften durchgeführt wurde, lediglich das Bann-Orchester 116 Gießen unterstützte die Darbietungen durch gute Musik. Es wirkten mit: ein Orchester der HI., ein Frauen­chor, ein Männerchor, eine Laienspielschar und eine Tanzgruppe. Nach einem Marsch des Bannorchesters eröffnete Ortsgruppenleiter Fr. Fuhr den Abend mit herzlichen Worten der Begrüßung. Den Gruß der Heimat an die Front entbot Ortspropaganda­leiter W. M e l i o r. Der aus den beiden Manner­gesangvereinen zusammengestellte Männerchor sang alsdann unter Stabführung von C. Nico lai zwei Lieder, ebenso trug der Frauenchor zwei Lieder vor, die vom Dirigent K. Volk eingeübt mären. Zwei Laienspiele fanden lebhaften Beifall. Derschie. bene Tänze vom BDM., offener Tanz und drei ge- meinfam gesungene Lieder wechselten miteinander ab. Den Höhepunkt des Abends bildete die Kantate Der Mond ist aufgegangen", Gedicht von M. Clau­dius, vertont von W. Girnatts. Gausachbearbeiter A. R ü f f e r (Frankfurt a. M.) sprach einleitende Worte über diese Kantate, die dann von dem Ge­mischten Chor (Männergesangvereine und BDM.) unter Musikbegleitung vom Bannorchester zum Vor­trag gelangte. Chormeister C. Nicolai war es in verhältnismäßig kurzer Zeit gelungen, unter nicht leichten Umständen dieses Musikwerk einzuüben, das sehr schön zum Vortrag gebracht wurde und stärk­sten Beifall auslöste. Das Schlußwort sprach Gau­sachbearbeiter A. R ü f f e r. In klaren und ein­dringlichen Worten sprach er über den Sinn dieses Abends; er gedachte in seinen Ausführungen der kämpfenden Front draußen, der Heimatlieoer, die dort gesungen werden, die eine Kraftquelle für uns Deutsche sind und sorgfältig gepflegt werden müssen.

Mit einem gemeinsam gesungenen Liede klang der in allen Teilen wohlgelungene Abend aus. Man mußte zu der Erkenntnis kommen, daß bei guter Organisation und ebenso gutem Willen auch auf dem Lande die Kräfte vorhanden sind, die einen unterhaltsamen guten Dorfgemeinschaftsabend ge­tanen und durchführen können, an dem jedermann eine Freude haben kann. Die Beteiligung der Ein- vohnerschast war so stark, daß der Saal die Be- ucher kaum zu fassen vermochte. Für die hiesige Ortsgruppe, die sich um das Zustandekommen dieses Abends große Mühe gemacht hatte, war dieser Dorsgemeinschaftsabend m jeder Hinsicht ein voller Erfolg.

Neue Aufgabe der Forstschule in Schotten.

LPD. Schotten, 2. März. Im Zuge der Neu- ordnung der Ausbildungsvorschriften für den mitt­leren Forstdienst wurde die als Ausbildungsstätte der hessischen Förster bienenhe Forstschule in Schotten in eine Forstwartschule umge- wandelt. Ihr Arbeitsgebiet umfaßt den Nordwesten des Reiches (Preußen wefttich der Elbe, mit den da­

von umschlossenen Ländern und Hessen). Die Aus­bildung der Forstwartschule umfaßt einen zwei­jährigen Vorbereitungsdienst, wobei das zweite Jahr eine acht Monate dauernde Prüfungsbeschäf- tigung und einen viermonattgen Forsttoartlehrgang bringt, während am Schluß die Forstwartprüfung steht. Die bisherige Forstschule wird also in Zukunft nicht mehr Ausbildungsstätte für die Forstbeamten der gehobenen mittleren Laufbahn, sondern für die Forstbeamten der mittleren Laufbahn sein.

Oie Bohnensalaivergistungen in Steinau.

LPD. Zu den Vergiftungsfällen in einer Lehrer­familie in Steinau im Kreise Fulda wirb noch bekannt, daß es sich bei den Bohnen, nach deren Genuß sieben Personen erkrankten, nicht, wie viel­fach angenommen wird, um Konserven handele, die in Dosen zu beziehen sind. Die Familie bereitete den Salat vielmehr aus s e l b st eingemachten Bohnen, wobei sie die üblichen Vorsichtsmaß­nahmen außer acht gelassen hat.

Wirtschaft.

Oie Konsumvereine und Verbrauchergenossenschaften.

Anläßlich der Verordnung zur Anpassung der verbrauchergenossenschaftlichen Einrichtungen an die kriegswirtschaftlichen Verhältnisse veröffentlicht der Leiter der Deutschen Arbeitsftont, Reichsleiter Dr. Robert Ley, in der Samstagnummer desAngriff" einen längeren Artikel, in dem er eingehend die Gründe darleat, die zu dieser -Neuordnung der Ver­brauchergenossenschaften geführt haben, lieber die Zielsetzung und die. neuen Wege für die weitere Arbeit wird in dem Aufsatz folgendes gesagt:

Laut Gesetz gehören seit dieser Woche die Kon­sumvereine samt ihrem Vermögen und ihren Pro­duktionsstätten der Deutschen Arbeitsftont. Sie hat die Aufgabe, das schwierige Problem zu lösen: die Verbrauchergenossenschaften zum Nutzen der Kon­sumenten und zum Segen des Einzelhandels und des Handwerks umzubauen und in die Wirt­schaft einzubauen.

Die Deutsche Arbeitsftont wird diesen Auftrag noch folgenden Gesichtspunkten lösen:

1. Keiner der Genossen und Mitglie­der der Konsumvereine wird einen Schaden er­leiden. Die Einlagen und Spargelder werden von der Deutschen Arbeitsfront zurückgezcchlk wer­den. Die Anteile der Genossen gehen auf die Deutsche Arbeitsftont über.

2. Damit ist die ganze Bewegung des verbrau­chergenossenschaftlichen Charakters entkleidet und die Konsumvereine sind damit praktisch aufgelöst. Alle Sonderrechte der Konsumvereine fallen fort und ihre Verteiler stellen stehen jedermann zum freien Verkauf offen.

3. Die Betriebe und Verteilerstellen der Konsum­vereine werden zu Musterbetrieben ausge- baut werden, und es ist mein Ziel, diese ganze Ein- richtung zu einer Musterschule des Einzelhandels zu machen. Die Deutsche Arbeitsftont übernimmt die Konsumvereine nicht, um damit ein Instrument gegen das Handwerk und den Handel zu errichten, sondern sie will das ist mein Versprechen und unabänderlicher Wille diese ganze Institution dem Handel und dem Handwerk dienst-

b a r machen. Es wird und muß uns gelingen, in dem Umbau der ehemaligen Konsumvereine eine Synthese zwischen Handel und Verbraucher zu fin­den.

Damit will ich 4. ein großes Nationalsozia­list i s ch e s Gemeinschaftswerk errichten. Einmal will ich die Verteilerstellen für unsere für den Beruf befähigten Soldaten, die aus dem Kriege zurückkehren, offen und frei halten. Wkr Lust und Liebe hat, ein tüchttger Kaufmann und Handels­mann zu werden, wird von der Deutschen Arbeits­front eine Verteilerstelle erhalten. Er wird das notwendige Kapital von der Bank der Deutschen Arbeit bekommen und damit die Möglichkeit er­werben, einmal selbständiger Kaufmann in einer solchen Verteilerstelle zu sein.

Und 5. soll besonders derNachwuchsdes Han- dels ht diesen Musterläden des Gemeinschaftswerkes herangebildet werden. Denn ich stehe auf dem Standpunkt, daß wir auch den Einzelhandel nach nationalsozialistischen Grundsätzen erziehen und reformieren müssen.

Es ist klar, daß her in dem Gesetz vorgezeichnete Umbau mit größter Vorsicht durchgeführt wird, und es ist selbstverständlich, daß jeder Schritt nur im engsten Einvernehmen mit der polittschen Führung, mit den Gauleitern der NSDAP., voll­zogen wird. Es wird nichts überstürzt werden, da es sich bei unvorsichtigem Handeln um die Zerstö­rung unwiederbringlicher Werte handeln würde.

So bin ich überzeugt, daß wir auch hier durch die harte Schule der Tatsachen gelehrt den Weg gefunden haben, um das Gute der Konsumver- einsbewegung zu retten und dem Volke dienstbar zu machen, und das Schädliche für alle Zeiten auszumerzen und zu vernichten. Auch bei diesem Sozialwerk stehen für uns nicht der augenblickliche Erfolg oder gar wirtschaflliche Interessen für irgend­einen Stand, Beruf oder Gruppe-im Vordergrund, sondern allein die Durchsetzung unserer weltanschau­lichen Grundsätze, um damit unserem deutschen Volke eine weitere Kraftquelle seiner Existenz für Jahrhunderte hinaus zu geben. Der Wille und der Befehl des Führers sind uns auch bei diesem Werk alleinige Richtschnur unseres Handelns und Ziel unseres Wollens!

Sternbedeckung durch den Mond.

Von Dr. Erwin Kossirma.

In rund 27 Tagen 1% Stunden umwandert der Mond, die Erde, kehrt er zu derselben Stelle des Fixsternhimmels zurück. Dabei hält sich unser Tra­bant stets in einem verhältnismäßig schmalen Gür­tel, dem auch die Planeten und die Sonne in ihrem Jahreslauf folgen, dem Tierkreis. Da der Mond unter allen Himmelskörpern uns am nächsten steht, sollte man annehmen, er würde häufig vor helle Fixsterne treten und diese vorübergehend unseren Blicken entziehen. Das ist jedoch nur verhältnis- mäßig selten der Fall. Denn längs der Mondbahn gibt es nur sehr wenige helle Sterne, und meist läuft der Mond in kleinerem oder größerem Ab­stand an ihnen vorbei.

In diesem Jahre liegt nun die Mondblchn so günstig, daß ein seltener Fall Aldebaran im Stier, also ein Fixstern erster Größe, mehrmals vom Monde bedeckt wird. Besonders schön ist die erste dieser Bedeckungen am 5. März zu beob­achten. Der Mond steht dann im ersten Viertel, ist also längst nicht so hell wie zur Zeit des Voll- mondes. Man wird daher verhättnismäßig leicht den rötlichen Stern Aldebaran beobachten können, bis er am linken unbeleuchteten Mondrand ver­schwindet. Dieses Verschwinden geschieht ebenso wie das PZiederaustauchen am rechten Mondrand völlig augenblicklich, ein Beweis für das Fehlen einer Atmosphäre auf dem Mond.

Der Beginn der Bedeckung von Aldebaran durch den Mond ist innerhalb Großdeutfchlands je nach der Lage des Beobachtungsortes etwas verschieden, und zwar in Königsberg um 21.34,9 Uhr (Ende der Bedeckung 22.44,4 Uhr); in Frankfurt a. M. um 21.30,4 Uhr (Ende 22.39,5 Uhr); in Wien um 21.43,1 Uhr (Ende 22.47,9 Uhr) Sommerzeit. Man wird zweckmäßig mit dem Feldstecher schon einige Zeit vorher beobachten, wie der Mond immer näher an Aldebaran heranrückt, bis dieser Stern plötzlich wie ausgelöscht ist.

Am abendlichen Fixsternhimmel macht sich das Nahen des Fruhlinas bemerkbar. Die glanzvollen Wintersternbilder Fuhrmann, Stier, Zwillinge, Orion, Großer und Kleiner Hund befinden sich gegen 21 Uhr alle auf der Wefthälfte des Firma­ments. Als hellster Fixstern funkelt Sirius mit blauweißem Licht im Südsüdwesten. Am Osthimmel sehen wir die Frühlingssternbilder Krebs, Großer Löwe, Jungfrau und Bootes. Das schöne Sternbild des Löwen beherrscht in den späten Abendstun­den den südöstlichen Teil des Himmels. Sein Haupt­stern Regulus hieß schon im AltertumKönigs- ftern". Regulus bezeichnet das Herz, der ganz links stehende helle Stern Denedola den Schwanz des Löwen. Im Vergleich zur Sonne ist Regulus ein Lichtriese, der 84mal so viel Licht aussttahlt wie die Sonne. Seine Strahlungstemperatur wurde zu 13 400 Grad (Sonne 5900 Grad) bestimmt, sein Durchmesser zum 2 >2 fachen des Sonnendurch« mefsers. Nahezu 60 Jahre ist das Licht des Königs­sterns unterwegs, bis es die Erde erreicht.

Zwischen Regulus und den Zwillingen sehen wie. das kleine, nur aus schwächeren Sternen bestehende Bild des Krebses. Mit dem Feldstecher suchen mir uns den schönen, auch schon mit bloßem Auge sicht­baren Sternhaufen der Krippe auf. In einem lichtstarken Glas erkennen wir rund 50 Sterne; dis photographische Ausmessung dieses lockeren Stern­haufens hat ergeben, daß feine Entfernung sechs­hundert Lichtjahre, sein Durchmesser über 10 Licht­jahre beträgt. Alle im Fernglas erkennbaren Sterne der Krippe besitzen eine gleichgerichtete, parallele Bewegung im Raum und sind bedeutend größere und hellere Sonnen als unser Tagesgestirn.

Tief im Osten strahlt der gelbe Riesenstern A r k« t ur u 5, der Hauptstern im Bootes und einer der hellsten Sterne des Himmels. Wir finden ihn in her Verlängerung des Bogens der Schwanzsterne des Großen Bären, der im Frühjahr rechts vom Polarstern steht.

Don den Planeten sind Jupiter und Sa­turn am südwestlichen Abendhimmel' sichtbar. Der hellere Jupiter steht über dem Saturn. Im Laufe des Monats vergrößert sich der scheinbare Abstand der beiden Planeten beträchtlich, nachdem sie über ein halbes Ähr wie durch eine magische Kraft an­einandergekettet zu fein schienen., Reizvolle Kon­stellationen -ergeben sich am 3. und 30. März, wenn die Sichel des Zunehmenden Mondes an den beiden Planeten vorüberzieht. Jupiter und Saturn gehen Ende des Monats bereits zwischen 22 und 23 Uhr unter. Merkur und Venus bleiben unsichtbar. Mars bewegt sich im Sternbild Schütze; er geht reichlich zwei Stunden vor der Sonne auf. Obwohl Mars der Erde sich nähert, bleibt er zunächst noch ein wenig auffälliger Stern.

Die Sonne überschreitet auf ihrer Jahresbahn am 21. März 1 Uhr den Himmelsäquator in nörd­licher (aufsteigender) Richtung, womit asttonomisch der Frühling beginnt. Der Mond zeigt folgende Lichtqestalten: erstes Viertel am 6., Vollmond am 13., letztes Viertel am 20., Neumond am 27. März. Da sowohl der Vollmond, als auch der Neumond in der Nähe der Knoten, der Schnittpunkte der Mondbahn mit der Ekliptik, stehen, ereignen sich zwei Finsternisse: am 13. März eine Mond­finsternis, am 27. März eine ringförmige Sonnenfinsternis. Beide Finsternisse sind jedoch in Europa nicht sichtbar.

Mutter und Kind gasvergistei.

Lpd. Darmstadt, 2. März. Der zur Zeit bei der Wehrmacht stehende Volksgenosse W. R. in Griesheim wurde von einem schweren Schicksals« schlag betroffen. Seine Frau erlitt in her Küche einen Schwächeanfall und wollte sich am Gasherd festhalten, wobei offenbar ein Gashahn sich öffnete. Als Bekannte am Tage darauf in die Wohnung wollten, spürte man den Gasgeruch. Lei« der kam Hilfe zu spät. Die Frau und ihr in der Wohnung befindliches fünfjähriges Kind waren an Gasvergiftung gestorben.

stand aufgegeben hatte, als Stefan ihm erklärte, er habe feine Entscheidung getroffen, und sie sei enh- gültig.

Man bewunderte ihn seitdem. Er war der ein­zige, der bisher gewagt hatte, in einer wichtigen Angelegenheit genau das Gegenteil von dem zu tun, was derAlte" befohlen hatte.

Charlotte hatte bisher weder im Guten noch im Bösen von sich reden gemacht. Sie war das ver­hätschelte Schoßkind der Stadt, und dies hatte sich erst seit ihrer Rückkehr aus Arosa geändert. Jetzt allerdings spitzte ganz Oschnitz die Ohren. Im Park- Hotel Schlesischer Hof wohnte dieser anrüchigi. Fremde, der vormittags und nachmittags durch den Bürgergarten schlenderte und sich tödlich zu lang­weilen schien, wenn er sich nicht gerade über irgend­etwas lustig machte.

Er traf sich am hellichten Tage mit Charlotte, führte lange Gespräche mit ihr, und bdbet taten die beiden, als sei dies nichts Ungewöhnliches. Aber jedermann fühlte, daß ein schweres Unwetter über den beiden in der Luft hing. Es konnte kein gutes Ende nehmen.

Niemals hatte man in Oschnitz einen eleganteren Mann gesehen als diesen Henry Lasard. In jedem Film hätte et eine gute Figur gemacht. Er war etwas über mittelgroß, schwarzhaarig, dunkeläugig, seine Haut war bronzen, seine Gestalt geschmewig wie die eines Fechters oder Tänzers. Sah er eine Frau ober ein Mädchen an, so lag in seinem Blick so viel verschmitzte und liebenswürdige Frechheit, daß man wegsehen mußte. Er lebte für Oschnitzer Begriffe verschwenderisch und schien Geld in Hülle und Fülle zu haben. Alle waren sich einig darin, daß er ein Abenteurer sei, aber die Meinungen darüber, ob er zu bewundern oder zu verachten sei, waren geteilt.

Charlotte Mathesius liebte ihn! Das war sicher. Und man hatte für sie ein Mitgefühl, in das sich Grauen mischte vor ben unabwendbaren Folgen ihrer aufrührerischen Gesinnung. Charlotte kannte scheinbar keine Befürchtungen. Sie bot ihrem Vater in aller Öffentlichkeit Trotz. Und man drückte sich angstvoll, scheu, wenn auch heimlich bewundernd zur Seite, um möglichst unbeteiligt daslcben zu kön­nen, wenn das vernichtende Unwetter auf die Frev­lerin niederging.

Dsr Weg vom Stadtgarten -um HotelSchlesi­

scher Hof" führte durch die Hauptstraße. Als Char­lotte gegen fünf Uhr diesen Weg einschlug, beob­achtete halb Oschnitz sie dabei mit Unruhe und Sorge. Sie betrat denn auch wirklich die Konditorei bet Hotels, dankte für die Grüße der Damen, die sich um diese Zeit hier einfanden, und ging geradewegs auf ben Tisch zu, an bem Henry Lasard saß, seinen Tee trank und eine seiner fremdartige duftenden Zigaretten rauchte. Er erhob sich lächelnd, kam ihr entgegen, küßte ihr die Hand und geleitete sie zu seinem Tisch.

Welch ein wundervolles Paar! dachten alle Damen und sahen den beiden nach. Die zierliche, schlanke, mädchenhafte Charlotte und dieser elegante Bursche! Alle verstummten, und die dünne Walzermelodie, die ein Lautsprecher im Raum verbreitete, gefror gleichsam in der eisigen Stille.

Charlotte Mathesius und Henry Lasard setzten sich. Der Kellner erkundigte sich mit möglichst un­befangener Wiene nach den Wünschen des gnädigen Fräuleins. Charlotte bestellte Tee.

Die beiden sprachen manchmal eifrig, manchmal stockend aufeinander ein. Alle, die sie beobachteten, gewannen den Eindruck, daß die Entscheidung bevor­stand. Lasards Miene hatte etwas Beschwörendes» Sie benahmen sich, als sei außer ihnen niemand mehr vorhanden. Lasards wundervoll schlanke und kräftige'Hände gestikulierten lebhaft, fein bronzenes Gesicht war gespannt, und um seinen schmalen Mund arub sich eine Falte ein, die das Gesicht grau­sam erscheinen ließ. Wenn her Blick feiner dunklen Augen einmal absichtslos auf einer her Damen ruhen blieb, sah diese mit unheimlichem Erschrecken rasch in eine andere Richtung und fühlte ben Blick, hoch wie eine körperliche Berührung.

Als Lasard sich erhob und zu dem Tischchen ging, auf dem die Adreß- und Telephonbücher lagen, reckten alle die Hälse. Er holte ein Kursbuch. Der Kellner flüsterte es dem Büfettfräulein zu, und eins Minute später wußten es alle mit Ausnahme von Frau Rektor Wahnisch, die halb taub war, und der man es nicht gut ins Ohr schreien konnte.

Also reift er endlich ab!" flüsterte man halb ent­täuscht, halb erleichtert. Die anderen aber, die sich lebhaft eine romantischere und abenteuerlichere Fortsetzung wünschten, behaupteten steif und fest, er werde sie entführen und her Skandal damit erst recht beginnen. (Fortsetzung folgt)