Ausgabe 
3.2.1941
 
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Nr. 28 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag. Z.Zebruar 1941

Kinder im Schnee.

. Bon Hedwig Forstreuter.

Sie kamen den verschneiten Fußweg hergelaufen, eifrig und kläglich rufend, zwei fefyr kleine Kinder, die betrübt waren. ,Lisabeth, Lisabeth!" rief der kleine Junge in Jammertönen, von stoßweisem Schluchzen unterbrochen, und er rannte so schnell, wie die kleinen Füße chn im Schnee nur vorwärts trugen. Das Schwesterchen folgte ihm mühsam, sie kam noch langsamer voran als er. Auch sie stieß klagende Rufe aus, nur daß sie nach einer Anne­marie schrie. Hatten die Kleinen sich verirrt und wußten nun den Weg nicht? Die Erwachsenen, die auf der anderen Seite der schon halb ländlichen Straße gingen, sahen wohl zu ihnen hinüber, aber niemand fragte nach ihrem Kummer oder versuchte, ihrem blinden Laufen Einhalt zu tun.

Einmal stolperte das kleine Mädchen und fiel in einen Schneehaufen; sie rappelte sich wieder auf, aber nun hatte der Bruder einen Dorsprung ge­wonnen, sie sah es und weinte nur kläglicher, ab­wechselnd seinen Namen und den Ruf nach Anne­marie ausstoßend. Aber er hörte nicht auf sie, fein Blick war vorwärts gerichtet in die Weite und schim- mernde Weiße der Landstraße, die vor ihnen lag.

Don ihrem Jammer gerührt, schritt eirte Frau über den Fahr da mm und blieb auf dem schmalen Fußweg vor den Kindern stehen, um nach dem Grund ihres Weinens zu fragen. Nein, die Mutti hatten sie nicht verloren, aber ihre älteren Schwe- ftern!

Sie wollten uns mitnehmen nach der Mühle", schluchzte die Kleine, die nun auch herangekeucht kam. Der Junge ließ sich nicht durch Fragen aus­halten, er rief weiter mit einer Stimme, die das härteste Herz erweichen mußte, das der großen Schwester aber ungerührt gelassen hatte.

Die Frau redete den Kindern gut zu:Ihr müßt nicht so jammern", sagte sie,eure Schwestern sind schon weit fort, seht einmal, die Straße ist schon ganz leer, ihr könnt ihnen nicht mehr nachlaufen, denn ihr findet sie nicht mehr."

Die Kinder sahen mit großen Augen zu der Trö­stenden auf.Sie hatten aber versprochen, uns mit- zunehmen." Dis Frau fühlte sich für die Schwe-

Heuer großer Erfolg für das Kriegs-MW

Ehrung her kinderreichen Wfter in Gießen-Hord

liche Glückwünsche aus und erinnerte sie daran, daß

ZahreshanptaMllderGießenerallenArMeristen

Am Samstagabend fand im Kameradschaftsheim Hessischer Hof" der Jahreshauptappell der Artille­risten kameradscha ft 1895 Gießen unter Leitung des Kameradschaftsführers Müller statt. Die Kame­raden hatten sich dazu in sehr großer Zahl einge­funden.

Der Kameradschaftsführer stellte an die Spitze seiner einleitenden Worte die enge Verbundenheit der Kameraden in der Heimat mit den im Felde

Im Rahmen des anschließenden Jahresberichts konnte Kamerad Röder namens der Kassenprüfer den ordnungsmäßigen Befund der Kassengeschäfte und eine gesunde finanzielle Grundlage der Kame­radschaft feststellen und bnbei die vortreffliche Füh­rung der Kassengeschäfte durch den Rechner, Kame­rad Stephan, mit warmen Worten her Anerken­nung hervorheben. Gestützt auf diesen Bericht konnte der Kameradschaftsführer dem Rechner den wohlver- dienten Dank der Kameradschaft für feine anerken­nenswerte und arbeitsreiche Tätigkeit ausfprechen und ihm zugleich Entlastung für das verflossene Ge­schäftsjahr erteilen. Der stellvertretende Schrift­führer, Kamerad Faber, gab den Arbeitsbericht i her Führerschaft über das abgelaufene Jahr, aus

Derdmikelungszeit

3. Februar von 18.11 bis 9.02 Uhr.

ehrenden Nachruf. Während des stillen Gedenkens spielte die Musikkapelle das Lied vom guten Kame­raden.

Sodann überreichte Pg. Thomas den 86 kinder­reichen Müttern der Ortsgruppe das vom Führer gestiftete und verliehene Ehrenkreuz; 9 Mütter er­hielten es in Gold, 17 in Silber und 60 in Bronze. Der Ortsgruppenleiter sprach allen Müttern herz-

Die Reichsstrahensammlung für das Kriegs-Win­terhilfswerk, die am vergangenen Wochenende und am gestrigen Sonntag durchgeführt wurde, gestaltete sich auch in Gießen und im Kreise Wetterau zu einer neuen starken Bekundung der Hilfsbereitschaft für das Kriegs-WHW. und der Verbundenheit aller Bevölkerungsfchichten im Geiste des nationalsozia­listischen Gedankens der Volksgemeinschaft. Die Sammler, Beamte und Handwerker, waren an bei­den Sammeltagen vom frühen Morgen bis zum Abend unermüdlich und überall unterwegs, um die Sammelbüchsen für das Kriegs-WHW. möglichst ganz oder mindestens doch zu einem erheblichen Teile durch die Spenden der opferfreudigen Geber füllen zu lassen. Die schönen Majolika-Abzeichen der Sternbilder fanden überall gern Käufer, viele von ihnen erwarben zwei, drei und mehr der Ab­zeichen. Daneben waren noch die üblichenNach­leser" eifrig am Werk, die auch von den Volks- genoffc» mit ein ober mehreren Abzeichen durch freundliche Einladung immer noch einen Groschen einen Fünfer usw., manchmal auch mehr locker zu machen verstanden und damit ihren Sammelbüchsen in verstärktem MaßeMunition" für das Kriegö- WHW. zuführten.

Eine Reihe von Sonderveranstaltungen diente dem gleichen Zwecke. Die Reichsbahn gab auf einem Abstellgleis des Oberhessischen Bahnhofs hinter dem früheren Hotel Kühne Gelegenheit, eine moderne große D-Zug-Lokomotive und daneben eine gerade­zu kümmerliche Vertreterin des französischen Loko- motivparks zu besichtigen, ferner an einem Läute- ttferf nach Belieben zu bimmeln und andere Ein- richtungen zu sehen, während Schaffnerinnen der

Worte der Begrüßung an die Mütter. Pg. Hitz ver­las dann das Führerwort:Wenn wir heute von

jedem das höchste verlangen, so nur deshalb, um jedem das höchste wiederzugeben ...", das sich ins­besondere an die deutsche Frau und Mutter richtet. Sodann hielt der Ortsgruppenleiter die Feier­ansprache. Er betonte, daß heute zum vierten Male, und trotz des Krieges, die Mütterehrungen vorge­nommen werden könnten. Wie der Soldat für feine

begonnen. In den streng bemeffenen Strophen wird der Dichter, dem Georgefchen Weltbilde gemäß, als einsamer, richtender Seher und Mahner d^m Volke gegenübergefteüt; die lebten Verse sind seit den Tagen der nationalen Erneuerung häufig zitiert und wie wenige fönst aus Georges Werk über den begrenzten Kreis der Eingeweihten hinaus be- rühmt geworden. Gedichte von Josef Magnus Weh­ner (Heiliges Vaterland"), Hans Rehberg (Das Reich") und Ernst Bertram (Zeit ist zu reden"; Die Berggräber") umkreisten das gemeinsame Thema auf ihre Weife, während Agnes Miegels mütterlich tief empfundene Verselieber der Weich­sel drüben" die Heimwehstimme der Ausländsdeut­schen dem großen Chor einfügten.

mb Tier das ganze Jahr." Wovor uns Gott in

!naben bewahren wolle! Im Gegensatz dazu ist . -

ölte günstig, benn:Im Hsrnung Schnee und stehenben alten und jungen Kameraden. Er gedachte is, macht den Sommer heiß", und .Starker Nord, sodann mit ehrenden Worten der im verflossenen i Februar beutet auf ein autes Jahr." Am er- Jahre verstorbenen Äameraben, darunter zweier eulichsten aber lautet bas Sprüchlein:Ist her Mitgrünber der Kameradschaft, und ber für Volk ebruar mäßig kalt, eine gute Ernte fallt" Und und Vaterland gefallenen Kameraden, deren An- is ist es ja, was wir alle herzlich wünschen! denken in üblicher Weise geehrt wurde

Als Sprecher wirkten eifrig bemüht die Herren Joachim Ernst und Hans Ca n inend er g. Die Leitung der Morgenfeier hatte Herr Gerhard Reuter, der zu Beginn einen geschichtlichen Ueberblick über bas Thema und eine Einführung in bas Programm verlas; feine Darlegungen gipfel­ten in ber Erkenntnis, baß bem heutigen Reiche als bem Lanbe ber Mitte unb bem Herzen ber Welt vornehmlich aufgegeben fei, bie früher, oft vermißte Einheit von politischer Macht unb geistiger Kultur zum Segen der Völker zu verwirklichen. Zu be­ginn unb zürn- Beschluß trug ber Singchor der Spielschargruppe 5/116 zwei Lieber vor.

Im Hinblick auf bie Ausgestaltung der noch kom. menden Morgenseiern mähten wir zu bedenken geben, daß bei einer beträchtlichen Ueberschreitung des seither für Morgenfeiern üblich gewesenen zeit­lichen Rahmens (wie es gestern der Fall war) doch die Aufnahmefähigkeit der Hörer merklich beein- trächtigt wird, zumal wenn es sich, wie in diesem Falle, großenteils um die Wiedergabe schwieriger oder doch zum wenigsten nicht eben mühelos sich er­schließender Dichtungen handelt. Die Veran­staltung, die als Nachfeier zum Gedächtnis der Reichsgründung und der Machtergreifung gedacht war, hätte im übrigen einen stärkeren Besuch ver­dient, der sonst bei Sonntagmorgenfeiern erfreu­licherweise nichts zu wünschen übrig läßt.

Hans Thyriot

Gießener Gtadttheater.

4. Morgenfeier: Das Reich.

In einer Zeit des Schicksalskampfes um Glück unb Größe und Zukunft der Nation, in biefen Jagen zumal, ba der Machtergreifung vor acht fahren als eines entscheidenden Wendepunktes in unserer Geschichte gedacht wurde und die letzte jrofee Rede des Führers noch nachklingend die Belt bewegt, erscheint es besonders sinnvoll, die lortragsfolge einer Morgenfeier um den Gcdan- k-n des Reiches zu sammeln. Avs den Stimmen, de ba laut würben, war zu entnehmen, wie un- yrftörbar bieser Gebaute im Bewußtsein bes Dol­us durch bie Jahrhunberte lebenbig geblieben ift Ibn ber Kaiserzeit des hohen Mittelalters bis in de nahe und nächste Gegenwart hinein.

Aus her Stadt Gießen.

Wetter tm Februar Wetter fürs halbe Lahr.

Wie für alle anderen Monate, so weiß der Bauer auch für den Februar allerhand Wetterregeln. Be­sonders wichtig als sogenannterLostag ' ist ihm ber 2. Februar, ber Tag vonMariä Lichtmeß", ber ja überhaupt im bäuerlichen Leben eine ge- wichtige Rolle spielt. Als erstes stehe ein an sich ziemlich nichtssagenbes aber boch trostreiches Wort: Lichtmessen ist der Winter halb gegessen und bald vergessen." Weiter hören wir vom Lichtmeß- lag:Wenns an Lichtmeß stürmt und schneit, ist ber Frühling nicht mehr weit." Oder:Wenns an Lichtmeß stürmt und tobt, ber Bauer sich bas Wet- ter lobt!" Weiter:Wieviel Tage bie Lerche vor Lichtmeß , fingi, soviel Tage nachher ihre Stimme verklingt" undTönt vor Lichtmeß Lerchengesang, roirb's bem Bauern angst unb bang!" Etwa bas gleiche besagen bie folgenben Regeln:Sonnt sich ber Dachs in der Lichtmeßwoch, kriecht er hernach auf vier Wochen ins Loch." Unb:Liegt Lichtmeß bie Katze in ber Sonne, muß sie Ostern hinter ben Ofen." Ferner heißt's:Lichtmeß im Klee, Ostern

Am Anfang ber hier anbeutungsmeife aufgewie- ' jenen Entwicklung ftanb ein beweglicher Traktat Oss Archipoeta, des Erzpoeten, zum Lobe Kaiser Friebrichs. Darauf hörten wir jenes schöne, man-, ren wahrscheinlich noch unbekannte mittelalterliche keutschlanblieb, bas zu den bedeutendsten Gedichten Walthers von der Bogelweide gefjört und Nicht wenig dazu beigetragen hat, in Walther den In - begriff und die edelste Blüte unser höfischen Lyrik K erkennen. Es folgte dann ein Stück ber ^.eri6 astlich beschwörenden, politisch unb geschlchts- phllosophisch unterbauten Prosa Fichtes aus den i Ä'-ven an die deutsche Nation. Die in klassisch rei- ntm Versmaß aus griechischem Geiste strömenoe h-rnneGesang der Deutschen" von Friedrich Hol- berlin beschloß ben ersten Teil der Folge. Die Oberleitung zum zweiten bildete Haydns beruym- te> Kaiserquartett (Nr. 42, op. 76,3), in reinlichem, a):rtgetreuen Musizieren vorgetragen vom Streich- qiartett des Städtischen Orchesters (Kerzisnir, 3d ft, Blümers, Schneider.) Mit den Da- rtitionen über das musikalische Thema des Deutfch- lcnd-Liedes im Adagio cantabile fügte sich oas friartett sinnvoll dem Grundgedanken der Morgen- 'eer ein.

Der zweite Teil wurde mit Stefan Georges^o- fcrni GedichtDer Dichter in Zeiten der Wirren

Tapferkeit und ber Arbeiter für feinen Einfatz ge- liu/t wiuuiuun|u/e uu» um» numcne jik vuiun, vu^ ehrt würben, so erfahre die kinderreiche Mutter die | das Ehrenkreuz bie höchste Auszeichnung für eine Ehrung, bie ihr von Rechts wegen gebühre. Der, deutsche Mutter darstelle. Er ermahnte bie Mütter, Rebner sprach bann baoon, welch höhere Achtung ' auch weiterhin im Alltag und in ber Familie ganz bie kinderreiche Mutter heute erfahre gegenüber der im Dienst unseres Volkes und unteres Führers zu Vergangenheit. Heute stehe bie Förberung ber Fa-. stehen, ber Deutschland nach bem glorreich errunge« milie im Mittelpunkt bes gesamten Lebens. Vorbei, neu Sieg zum sozialsten Staat ber Welt machen seien bie vielen Gruppen und Bünde, in bie bie werbe. In bem begeistert aufgenommenen Gelob- Jugend in ber Vergangenheit zersplittert gewesen nis der Treue zum Führer und dem gemeinsamen sei. Heute gäbe es nur noch eine einzige Jugend, Gesang ber nationalen Lieber fanb die ernste, wür- die Jugend Adolf Hitlers. Jeder Junge, der sich bige Feierstunde ihren Abschluß.

Reichsbahn mit Eelektrokarren burch die Straßen ratterten und kassierten. Die städtischen Beamten machten mit ihrem Wagen, auf dem ber verknöcherte unb aktenverstaubte Stabtschreiber Murr thronte, begleitet von stilgerecht angegogenen Stabtsoldaten aus Urgroßvaters Zeiten, überall starken Einbruck unb bemgemäh Gelb locker. Einen Ausblick auf bas neue Gießen an Hand von Mobellen des Stadt- bauamtes konnte man in bem früheren Schulzefchen Laben am Kreuzplatz bei Erläuterungen burch Stabtbaubirektor G r a v e r t erhalten, ber es eben» falls verstand, feine Sammelbüchse entsprechend zur Geltung zu bringen. Die Forstbeamten hatten sich eine ber schwächsten menschlichen Stellen ausgesucht, bie barin besteht, ohne Fleischmarken zu einem guten Sonntagsbraten zu kommen. Hier hakten sie mit einer amerikanischen Versteigerung von Wilb- bret ein, bei der bie WHW.-Büchse ihren gehörigen Schnitt" machte und schließlich auch ber Braten seinenVernichter" fanb. Die Männer vom Äoll erwiesen sich natürlich als Meister ihres Faches, sie machten den Seltersweg am Selterstor einfach mit Schranken zu, die sie nur dann öffneten, wenn vorher ber gebührenbeWegzoll", ber gerne ge- währt wurde, entrichtet mar. Kreisleiter Back- Haus, ber Rektor der Universität Dr. med. H. W. Kranz unb Landgerichtspräfibent Dr. Colnot beackerten" ihr Sammelrevier ebenfalls mit aller Gründlichkeit unb mit ersichtlich vollem Erfolg.

So würbe bieser erneute Feldzug für bas Kriegs- WHW. auch in Gießen allenthalben "zu einer großen unb glücklichen Aktion, bereu Ergebnis sicherlich in hohem Maße befriebigen wirb.

Im festlich geschmückten Saale besBurghof" | heute bemühe und wirklich den Willen habe, etwas wurde am gestrigen Sonntagvormittag bie Ehrung zu leisten, bem stehe eine schöne Zukunft bevor, der kinderreichen'Mütter in ber Ortsgruppe Gießen- Ortsgruppenleiter Thomas kam dann noch auf die Nord burch Ortsgruppenleiter Thomas vorgr-§ Führerrebe vom 30.Januar zu sprechen, in der uns nommen. Zu Beginn ber Feier spielte bie Kapelle ber Führer bie Gewißheit gegeben habe, daß der Krengel flotte'Märsche, um schließlich nach Der- Sieg unser sei. Er gedachte dann ber kinberreichen lesung ber Namen ber kinderreichen Mütter mit Mütter, bie durch ihr Ableben nicht mehr in ben ernster Musik die eigentliche Feierstunde einzuleiten.1 Besitz bes Ehrenkreuzes hätten kommen können

Ortsgruppenleit'er Thomas richtete herzliche und roibmete ben Toten der Bewegung, ben Gesal- Worte der Begrüßung an bie Mütter. Pg. Hitz ver- lenen des Weltkrieges und des jetzigen Krieges einen

m Schnee", unbLichtmessen hell, schinbet dem ^Bauern das Fell." Dagegen:Lichtmeß dunkel, wird Mr Bauer ein Junker." Wünschen wir uns also lieber keinen allzu schönen Februar, benn:Bringt Mariä Lichtmeß Sonnenschein, wirb bie Kälte nach­her umso größer sein!" ober sogar:Besser ber Wolf, als oer Sonne Licht, zu Lichtmeß in den Schafstall bricht." Zu Lichtmeß beginnt für bie jBäurin allmählich wieder bas eigentliche bäuerliche Leben, baher heißt's:Lichtmeß, nun Kunkel unb vpinbel vergeß."

Vom Dorotheentag, 6. Februar, sagt ber Bauer: Sanft Dorothee gibt ben meisten Schnee", vom 22. (Petri Stuhlfeier):Petri Stuhlfeier kalt, bie Kälte nun länger anhalt", genau bas Gegenteil aber besagt:Hats in ber Petersnacht gefroren, lann läßt ber Frost uns ungeschoren." UnbGe­riert es an Sankt Peter, gefriert es nicht mehr päter." Wichtig ift bieser Lostag auch für bas Wetter ber nadjfolgenben Zeit, benn eine andere /leget behauptet:Die Nacht vor Sankt Peter weifet an, was wir vierzig Tage für Wetter Han." Mit roher Hoffnung erfüllt es uns, wenn mir hören: Im Februar ber Lenz entspringt, zu St. Peter, lvcnn man bie Messe singt."

Der Matthiastag (24. 2.) steht bem Peterstag an Wichtigkeit nicht nach, benn:Mattheis brichts Eis. Vinb er feins, so macht er eins." Der Winter Hat tun feine Macht verloren:Nach Sankt Mattheis traut sich kein Fuchs mehr übers Eis", unbWenn jRatthias kommt herbei, legt bie Gans das erste Ei."

Auch von ber Fastnacht, die ja meist in den Fe- intar fällt, rneiß ber Bauer allerhand Sprüchlein: (Bibts in ber Fastnacht viel Sterne, so legen bie Hennen aerne". unb .Gebt Fastnachtdienstag die | Sonne hell auf, gerät bie Frühsaat aut, merk auf!" Hum Trost für eine verregnete Fastnacht aber be­hauptet ein anderer Prophet:Fasten ohne Regen, in Jahr ohne Segen!"

Neben den Wetterregeln, die sich auf bestimmte Lostage beziehen, stehen aber auch solche, bie auf »en ganzen Monat Bezug nehmen, und zrnar sind ich ba die Wetterpropheten einmal ziemlich einig, enn bie folgenben Beispiele besagen, in verschiebe- iiem Gewanb. so ziemlich das gleiche. Einige Bei- Diele mögen für viele stehen:Wenns im Hornung richt friert unb schneit, kommt der Frost zur öfter» eit." Oder: .Wenns der Hornung gnädig macht, "'ringt ber Mai ben Frost bei Nacht." Weiter: Spielen die Mücken im Februar, friert Mensch

bem eine vielseitige unb rege Tätigkeit hervorging. Wie im Rahmen der gesamten Kameradschaft alles getan wurde für bie Verwirklichung ber hohen Jbeale ber alten Solbaten, so setzten sich die alten Artilleristen auch stets gern unb erfolgreich für bie großen Ziele bes Dolksgcmeinschaftsgebankens ein, wobei sie u. a. insbesondere für bas Kriegs-WHW. unb bei ber Metallspenbe bes beutschen Volkes, fer­ner bei bem Wirken für Kinber- unb Waisenheime bes NS.'Reichskriegerbunbes tätig waren. Der Mit- giieberftanb ber Kameradschaft ift gegenüber bem Vorjahr nahezu unverändert geblieben. Alles .n allem konnte ein erneutes Jahr fruchtbaren Wirkens fcftgeftellt werden.

Nach der Berichterstattung wurde einstimmig der bisherige Kamerabschaftssührer Müller erneut zur Führung ber Kamerabfchaft berufen, ber feine Mitarbeiter in ber bisherigen Zusammensetzung zur weiteren Tätigkeit verpflichtete. Im Hinblick auf die großen Ereignisse bes verflossenen Jahres und angesichts ber vielfachen Aufgaben unseres Volkes im begonnenen Jahre brachte ber Kameradschafts» ührer zu Beginn ber neuen Arbeit die selbstver- ländliche Bereitschaft ber alten Artilleristen in (Bie­len zum vollen Einsatz ihrer Kräfte für Volk unb Vaterland, für unseren Führer und sein Werk er­neut zum Ausbruck. Das Gelöbnis bazu betunbeten bie Kameraben mit ihrem Gruß an den Führer.

Im weiteren Verlaufe des Appells wurden noch zahlreiche herzliche Dank- und Grußschreiben von Kameraden im Felde verlesen, bie barin ihre Freube über bas kameradschaftliche Gedenken zu Weihnachten und zum neuen Jahre zürn' Ausdruck brachten, zugleich ihr unverändert treues Verdun- benfein mit ben Alten in der Heimat betonten. Nach Erlebigung einiger kleinerer Angelegenheiten wurde ber bienstliche Teil bes Appells geschlossen, bem sich bann noch eine Stunde geselliger Kamerad­schaft anschloß.

Dornott,en.

Tageskalender für Ittontag.

Gießener Dortragsring: 19.15 Uhr in der Großen Aula ber Universität: Lichtbilberoortrag Dr. Oskar Schürer überWiens beutsche Sendung" Gloria-Palast, Seltersweg:Operette" Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Frühlingsluft".

Gießener Dortragsring.

Der Goethe-Bund, bie Kulturelle Vereinigung unb bie Volksbilbungsstätte Gießen veranstalten im Rahmen bes Gießener Vortragsringes am heutigen Montag einen , Lichtbilberoortrag bes bekannten Kunsthistorikers Dr. Oskar Schürer überWiens deutsche Sendung".

Ortszeit für den 4. Februar.

Sonnenaufgang 9.04 Uhr, Sonnenuntergang 18.15 Uhr. Monduntergang 1,54 Uhr, Mondaufgang 12.15 Uhr.

Geheimrat Ott 75 Lahre alt.

In Wiesbaden, wo er im Ruhestand lebt, kann am morgigen Dienstag, 4. Februar 1941, der Ge­heime Medizinalrat Professor Dr. phil. et med. vet. h. c. Adam Olt seinen 75. Geburtstag begehen Geheimrat Olt, über dessen Lebensaang wir |chon mehrfach berichteten, wirkte vom 1. Oktober 1901 bis zum 1. April 1934 an der Universität Gießen als ordentlicher Professor für Pathologische Anato­mie, Tierhygiene und Fleischbeschau. Nach feiner Emeritierung übernahm er jedoch noch die neuge- schaffene Professur für animalische Nahrungsmittel- künde und die Leitung des entsprechenden Instituts, bis er im Sommer 1935 in den Ruhestand trat und nach Wiesbaden zog. Im jetzigen Kriege hat Ge­heimrat Olt seine Kraft erneut vorübergehend in ben Dienst unserer Universität gestellt.

Durch seine Arbeiten ist Geheimrat Olt einer der wichtigsten Wegbereiter der veterinärmedizinischen Wissenschaften in Gießen geworden, deren Ansehen er durch seine Forschungen und Lehre in hohem Maße gefördert hat. Seine systematischen patholo­gisch-anatomischen und mikrobiologischen Unter­suchungen ber Wilbkrankheiten machten ihn zum Begrünber einer tierärztlichen Pathologie der Jagd­tiere und ließen ihn zugleich für den Neuaufbau des deutschen Jagdwesens nach ber Machtübernahme wichtige Vorbedingungen, schaffen. Neben feiner Wissenschaft war ihm die Malerei allezeit eine be- ftern beschämt; es lag so viel getäuschte Hoffnung in den hellen Augen ber Kinber.Gewiß haben sie das vergessen und euch nicht kränken wollen, nun geht brav nach Hause. Wo wohnt ihr?"

Noch immer seufzend und schluckend von ber erlit­tenen Aufregung, zeigten bie Kinder mit froftroten Händen nach einem Haus mit verschneitem Giebel, etwas rückwärts von der Straße gelegen.

Dahin geht jetzt zurück", riet ihnen die Tröstende und sah bann, wie bie Blicke ber Kinber nun nicht mehr betrübt bie Chaussee entlang schweiften, fon- bern an ben Aepfeln hafteten, die aus ihrer Ein- kausstasche glänzten. Sie nahm zwei der schönsten heraus und gab sie ihnen, wendete ihre kleinen Ge- statten mit entschlossenem Ruck um und zeigte auf bas Elternhaus:Jetzt marsch vorwärts mit euch! Laust zur Mutter!" Sie streifte mit dem Leder­handschuh leise an bie tränennassen Wangen und sah bann, halb gerührt, halb belustigt, wie sie da- f)intrerbten, einträchtig Hand in Hand, Brüderchen unb Schwesterchen aus bem Märchen, mit oerira- genen Mänteln und schiefsitzenben Strümpfen, mit verheulten Gesichtern, aber boch in ber Anmut ihrer Hittlosigkeit, die in ein Vertrauen umschlug, so stark, daß sie nun wortlos und gehorsam der Weisung folgten, als hätte bie Mutter selbst zu ihnen ge­sprochen.

Der Junge wendete sich noch einmal um unb lä­chelte, bann biß er mit allen Mausezähnchen, schon getröstet, tn feinen Apfel.

Der Rabe als Liebesbote.

Auf eine originelle Jbee ist der italienische Bauernbursche Antonio Guinetti aus einem umbri» sehen Dorf gekommen. Da weder fein Dorf noch bas feiner etwa 20 Kilometer entfernt wohnenben Geliebten eine Poststation besitzt, hat er einen ge­lehrigen Raben abgerichtet, feine Briefe auf schnell- ftern Weg feiner Angebeteten zuzustellen Die klei­nen Briefe befestigte er kunstvoll unter dem Feder­kleid des Vogels, ber bamit ohne Zögern in das andere Dorf fliegt unb am Hause bes Mädchen« so lange an bas Fenster klopft, bis ihm geöffnet wirb. Ist niemanb zu Hause, so wartet bas Tier gebubbig auf dem Fensterbrett bis zur Rückkehr bes Mädchens und läßt sich von keinem anderen Mess schen feine Botschaft abnehmen.