nie wiederkehrende Gelegenheit, in der Toga des Wohltäters der friedlichen Menschheit von einer reichbesetzten Tafel das zu nehmen, wonach ihnen der Appetit steht. Zwei weitere Bedingungen, die nach der Meinung der genannten Zeitschrift erfüllt sein müssen, wenn Washington in die Verlängerung des Pacht-Leih-Dertraaes willigen soll, sind wirt- schaftlicher Art: Großbritannien soll auf alle handelspolitischen Vorrechte verzichten, die es bisher bei den Gliedern seines Weltreichs oder auch anderwärts genossen hat. Natürlich beabsichtigt man in Washington nicht, andere Völker zu gleichem Wettbewerb zuzulassen. Die Förderung des „Freihandels" ist nur eine Geste, um die Kritiker einer solchen Forderung zum Schweigen zu bringen. Und wo schon äußerlich und förmlich internationale Gleichberechtigung geschaffen wird, vertraut man darauf, daß der Kapitaleinfluß der Briten und Nordamerikaner ausreicht^um lästige Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen. Dies geht aus der weiteren Forderung hervor, daß Großbritannien sein Monopolfür wichtige Roh- stoffe preisgeben solle. In die Sprache der Praxis übersetzt heißt das, daß Großbritannien in Hinterindien amerikanischem Kapital eine angemes- jene Position in den Zinnbergwerken und den G u m m iplantagen einräumen soll.
Wie die Partnerschaft der beiden englisch-sprechenden Länder aussehen soll, wird keineswegs verschone- gen: Großbritannien soll der Junior-Partner neben dem amerikanischen Senior-Partner werden, d. h. weniger zu sagen haben und weniger verdienen. Das amerikanische Wochenblatt spricht es offen aus, daß die amerikanischen Börsengewaltigen in Wallstreet von der bisherigen Führung der weltpolitischen und der weltwirtschaftlichen Geschäfte durch die Eng- länder enttäuscht worden sind, und daß sie eine wirkliche Führung wünschen. Hier wird man allerdings feststellen müssen, daß in der Zeit zwischen den beiden großen Kriegen Nordamerika viele Jahre hindurch die einflußreichsten Positionen i n n e g e ° habt hat, beispielsweise in der Organisation zur Eintreibung der deutschen Reparationen und in der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Ba- sei. Wenn diese „Ordnung", die keine Ordnung war, so kläglich versagt hat, so kommt das hauptsächlich auf nordamerikanisches Konto. Die Männer um Präsident Roosevelt herum lieben es, vom hohen Pferd die Handlungen und Bestrebungen der europäischen Völker abzukanzeln. Niemand wird bestreiten, daß es die Nordamerikaner aus technischem Gebiete sehr weit gebracht haben; aber in der weisen Nutzung und pfleglichen Behandlung begrenzter Wirtschaftsmöglichkeiten sind die führenden Männer der Alten Welt den Nordamerikanern weit über- legen. Es ist daher eine neue europafeindliche Hand- lungsweise, wenn Großbritannien vor jedem neuen Wunsche Washingtons kapituliert und einen politischen und wirtschaftlichen Stützpunkt nach dem anderen an die Washingtoner Imperialisten abtritt.
Cr.
Osiasiens Kampf.
Gegen Kapitalismus und Kommunismus.
Tokio, 29. November. (DNB.) Der japanische Ministerpräsident T o j o erklärte, daß England und die Vereinigten Staaten nach der Vorherrschaft in Ostasien strebten, „indem sie die ostasiatischen Völker gegeneinander ausspielten". Die Tatsache, daß Tschiangkaischek auf Kosten gesunder und zukunftsfreudiger junger Männer nach der Pfeife Englands, der USA. und des Kommunismus tanzt und daß er einen zwecklosen Widerstand gegen Japan aufrechterhält, ist nur auf den Wunsch Englands und der USA. zurückzusühren, in Ostasien im Trüben zu fischen. „Die Ehre und das Ansehen der Menschheit verlangen es, daß wir diese Art volitischer Praxis aus Ostasien energisch ausrotten.^
In einer gemeinsamen Erklärung der drei ostasiatischen Mächte Japan, China und Man- d s ch u k u o wird das, was Ministerpräsident Tojo schon heroorhob, nochmals unterstrichen. Die drei Mächte seien entschlossen, keine Eingriffe der USA. oder Großbritanniens in die Entwicklung Ostasiens mehr zu gestatten. Die Völker Ostaliens wären sich einig, Ostasien vom kapitalistischen Angriff der USA. ebenso wie von der kommunistischen Pest zu befreien, um eine Sphäre des gemeinsamen Wohlstandes aufzubauen.
Mexikanische Flottenstützpunkte für die USA.?
Mexiko, 29. Nov. (DNB.) Wie Associated Preß aus Washington meldet, hat der Dizegouvernenr des USA.-Staates Kalifornien, Ellis Patterson,
nach der Rückkehr von einem mehrtägigen^ Besuch in Mexiko erklärt, daß zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten Verhandlungen über F l o t t e n b a f e n, die der USA.-Flote zur Verfügung gestellt werden sollen, ausgenommen worden seien. Diese Stützpunkte sollen in der Magdalena- Bucht (Mex.-Niederkalifornien), in Acapulco (Staat Guerrero) und in Sakina Cruz (Staat Oaxaca), also sämtlich an der Pazifikküste, errichtet werden.
Argentinische Regierung verbietet deutschfeindliche Hetzkundgebungen.
Buenos Aires, 29. Nov. (DNB.) Die argentinische Regierung verbot sämtliche Kundgebungen, die von der „Accion Argentina" im großen Sportstadion der Bundeshauptstadt und in allen größeren Orten des Landes angesetzt waren. Die Organisation, die ihre Geldmittel aus dem anglosächsischen Propagandafonds bezieht, hat sich die Trübung der deutsch-argentinischen Beziehungen zum Ziele ge
setzt. So sollten die Kundgebungen gegen die Neutralitätspolitik der Regierung protestieren und eine Huldigung der Roosevelt und Churchill zum Ausdruck bringen.
Weitere USA-Truppen für Island.
S t o ck h o l m, 30. Nov. (DNB.) Nach einer Mel- düng aus Reykjavik sind die n o r d a m e r i f a n i • schen Besatzungstruppen auf Island jetzt dabei, ihre Lager zu erweitern. Sie müssen Unterbringungsmöglichkeiten für die neuen Truppen schaffen, die im Winter dort ankommen sollen. Die britischen Truppen auf Island sind in weitem Abstand von den Nordamerikanern untergebracht. Die Offiziere halten streng darauf, daß die Soldaten nicht die Kinos der anderen besuchen, ohne daß sie eine besondere Einladung erhalten. Die Engländer sind eifersüchtig auf die luxuriöse Ausrüstung der Amerikaner. Sie meinen auch, daß die USA.- Soldaten etwas verzärtelt seien, da sie in Betten statt auf dem Boden schlafen.
Eden leugnet Zusammengehen mit den Sowjets.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Der britische Außenminister Eden macht, wohl auf Kommando seines Herrn und Meisters Churchill, die tollsten Versuche, die englische Plutokratie von den engen Beziehungen zu den Bolschewisten reinzuwaschen und so zu tun, als ob zwischen England und der Sowjetunion vor dem 22. Juni 1941 keine engeren Beziehungen geherrscht hätten und als ob das Zusammengehen der britischen Kriegstreiber mit den Machthabern des Kremls nicht bereits von langer Hand vorbereitet gewesen wäre. Er lügt unbekümmert darum, daß er durch die Tat- fachen bereits gründlich widerlegt ist. So saß bis zum Abschluß des deutsch-sowjetischen Paktes von 1939 eine englische Militärmission in Moskau. Sie war beauftragt, feste Vereinbarungen mit der Sowjetunion zu treffen. Später hat England den Botschafter Cripps nach Moskau gesandt, der die Instruktion hatte, unter allen Umständen die Fäden mit dem Kreml so fest zu binnen wie nur möglich. Unterdessen rouri)e auch in London selbst eifrig zwischen dem Außenminister Eden und dem Sowjetbotschafter M a i s k y verhandelt. Was in jener Zeit hinter den Kulissen vorging, hat uns der Bostoner Rundfunksender verraten, als er am 26. Juni berichtete, es sei in London bereits zwei Monate vorher eine
britische Mission ausgewählt worden, deren Aufgabe es war, sowie der deutsch-sowjetische Krieg ausgebrochen sei, sich nach Moskau zu begeben. Zwischen dem Außenminister Eden und den Moskauer Machthabern mußte also vorher bereits die Frage geklärt worden sein, daß die Bolschewisten überhaupt einen Krieg mit Deutschland beschlossen hatten. Herr Eden wird nicht gut ableugnen können, daß die zu einer Zeit, als zwischen Deutschland und den Sowjets noch tiefster Friede herrschte, bereits organisierte Entsendung einer britischen Militärmission für den deutsch-sowjetischen Kriegsfall sogar die Phase eines sehr engen Zusammenarbeitens zwischen London und Moskau darstellt. Herr Eden ist von jeher eines der verlogensten Subjekte der britischen Kriegshetzerclique. Wenn er jetzt versucht, die den englischen Kriegshetzern unbequem gewordene Tatsache abzustreiten, daß zwischen London und Moskau alles schon lan$e vor Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges in brüderlicher Einigkeit geregelt worden war, so ist das nur eine von den vielen Lügen, die man dem brittschen Außenminister nachweisen kann. Die Welt kennt Mr. Eden; er wird daher mit seinen Ableug- nungsoersuchen kein Glück haben. E. S.
Abermals schwere Verluste der Sowjets beiMastenangriffenbeiRvstoVundimDonechogen
DRB. Aus dem Führerhaupkquartler.
30. Nov. Das OKW. gibt bekannt:
Bel Rostow und im Donezbogen fügten die deutschen Truppen im Zusammenwirken mit der Luftwaffe dem Feinde bei Abwehr seiner auch gestern wiederholten Rrassenangriffe abermals schwer st evertu sie zu. Kampfflugzeuge warfen im Offfeil der Bucht von Taganrog ein Oellager in Brand. Im Raum von Moskau gewann der Angriff der Infanterie und Panzerverbände welker an Boden. Bor Leningrad wurde ein stärkerer von Panzern unterstützter Ausbruchsversuch des Feindes abgewiesen. 3m hohen Borden setzten Kampfftieaerverbände die Zerstörung wichtiger Anlagen der Wurmanbahn fort Weitere wirksame Luftangriffe richteten sich gegen Flugplätze und Eisenbahnanlagen im Süd- und RNttelabschnitt der Front. Leningrad und Moskau wurden bei Tage bombardiert.
Bor der britischen Küste griffen Schnellboote in der Rächt zum 29. Rovember einen stark gesicherten feindlichen Geleitzug an und versenkten einen Tanker von 7000 BRT. Ein weiterer großer Dampfer wurde torpediert ynd wahrscheinlich versenkt.
3n Rordafrlka setzten die deutsch-italienischen Truppen ihren Gegenangriff fort Dabei wurden weitere feindliche Panzer vernichtet. Deutsche Sturzkampfflugzeuge sowie 3agd- und Zerstörerverbände zersprengten britische Kolonnen und Panze^bereit- stellungen. Rachschubwege des Feindes bei Marsa
mm» i :»8B«uiiiFJmJjaJiugJ«i—<aaa.T'iwiTT^ej1|.Tj:LsajuM;
Matruk wurden erfolgreich bombardiert. 3n Luftkämpfen schossen deutsche Jäger ohne eigene Berluste fünf britische Flugzeuge ab.
3n der Zeit vom 22. bis 28. Rovember verlor die sowjetische Luftwaffe 207 Flugzeuge. Davon wurden 79 in Luftkämpfen und 53 durch Flakartillerie ab- gefchossen, der Rest am Boden zerstört. Mährend der gleichen Zeit gingen an der Ostfront 24 eigene Flugzeuge verloren.
Oer Wehrmachiberichi vom Gamsiag.
DRB. Aus dem Führerhauptguartier, 29. Rovember. Das OKM. gibt bekannt:
3m Angriff auf Moskau wurden weitere Fortschritte erzielt. Bei Rostow und im Donezbogen erlitt der Feind bei erneuten, unter starker Zusammenfassung und rücksichtslosem Einsatz feiner Kräfte geführten Angriffen schwere blutige Berluste. Die Besahungstruppe von Rostow räumt befehlsgemäß das engere Stadtgebiet, um die erforderlichen Bergeltungsmaßnahmen gegen die Bevölkerung nunmehr rücksichtslos in die Wege zu leiten, die sich völkerrechtswidrig im Rücken der deutschen Truppen am Kampf beteiligt hat. Bor Leningrad wurden stärkere Ausbruchsversuche des Feindes abge- roiefen.
3n Rordafrika stehen die verbündeten Truppen im konzentrischen Angriff gegen starke britische Kräfte, die erneut von Südosten auf Tobruk vor
Ottilie aus Athen.
Eine Geschichte von Hans Riebau.
In der Helkensttaße 124 ereignete sich eines Tages zweierlei: Der Gemüsehändler Karl Schneidecke lag — auf dem Hinterhof — unter seinem großen Lieferwagen und betrachtete sowohl die Hinterachse als auch die dazugehörigen Federn. Irgend etwas gefiel ihm nicht.
Um die gleiche Zeit gab die Briefträgerin im dritten Stock ein Feldpost-Päckchen aus Athen ab. Frau Dierhempel knotete mit zitternden Händen den Bindfaden auseinander und alarmierte gleichzeitig die Familie. „Fritz! Berta! Herr Steinkopf! Vater! Otto hat ein Paket aus Athen geschickt!"
Ein Paket aus Athen? Da konnten nur Rosinen drin fein! Oder Tabak. Oder Olivenöl. Oder--
Als aber Frau Bierhempel den Pappdeckel hoch- klappte, hatte niemand recht. „Oooch!" sagte Fritz, „bloß vertrockneter Salat?"
Und richtig, es war Salat, der welk und grau den Karton füllte, und nicht einmal ein Brief lag habet. Als jedoch Frau Bierhempel den Karton umstürzte, knallte etwas Hartes auf den Küchentisch, und was war es? Ein gelbschwarz glänzendes, ovales Etwas. „Mönsch!" rief Fritz, „ne Puderdose aus Schildpatt!"
Herr Bierhempel runzelte die Stirn. Er haßte Luxusartikel, und Puderdosen aus Schildpattwaren für ihn etwa das, was für einen andalusischen Stier das rote Tuch ist. Mit fester Hand griff er zu, um festzustellen, ob denn sein Sohn Otto wirklich —
Kaum aber hatte er zugegriffen, da fing die Puderdose an, sich zu bewegen. Sie streckte Den Kopf zwischen den Schildpatt-Ovalen hervor und blinzelte in die ungewohnte Helle. Die Familie stand stumm und starr. Als erster faßte sich Herr Stein- köpf. Er nahm Vater Bierhempel die Puderdose aus der Hand, setzte sie auf den Tisch, betrachtete sie eingehend durch die Brille und sagte: „Dies ist eine Schildkröte!"
„Sie merken auch alles", brummte Bierhempel. Seine Frau aber schlug die Hände über dem Kopf zusammen und rief, was alle Frauen rufen, wenn
etwas ganz unb gar Unvorhergesehenes ins Haus kommt, nämlich: „Ochottogott, was sollen wir denn damit?"
Ja, was sollten sie damit?
Immerzu streicheln", sagte Klein-Berta.
„Ein Terrarium bauen", schlug Fritz vor. „Schildkrötensuppe", flüsterte Herr Bierhempel. „Pfui", sagte Fritz, nahm die Schildkröte, guckte ihr in die winzigschwarzen Augen, warf einen fachmännischen Blick zwischen die Schalen und in die Eingeweide und sagte:'„Sie heißt Ottilie!"
„Warum?" fragte Frau Bierhempel.
„Erstens kommt sie von Otto", antwortete Fritz, „und zweitens ist sie ein Weibchen."
Gegen diese Behauptung wagte niemand ein Wort zu sagen, und somit waren Taufe und Eingliederung Ottilies in die Familie Bierhempel bereits vollzogen. Nunmehr aber erhob sich die Frage: Wohin mit ihr? Pflegt eine Schildkröte nachts auf dem Sofakissen zu schlafen? Oder auf dem Balkon? Im Kohlenkeller? Im Einmachglas? „Und vor allem", rief der Vater, „was frißt so ein Biest eigentlich?"
„Wir müssen im Hause herumfragen", schlug Herr Steinkopf vor. „Müllers haben eine Schildkröte aus Serbien, Petermanns eine aus Kreta, und ich glaube, auch der Kunstmaler hat eine."
Daraufhin verteilte sich die Familie Bierhempel mit Windeseile auf die Wohnungen des Hauses Helkensttaße 124, und man erfuhr mancherlei. Müllers Schildkröte zum Beispiel fraß geriebene Radieschen, Petermanns fütterten mit Magermilch, krauser Petersilie und Brotkrumen, der Portier behauptete, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, sein Odysseus fräße Schildläuse, Schildläuse von Jo- hannisbeersttäuchern, das sei doch eigentlich auch ganz klar. Oder nicht? Fräulein Lohmann, die Schneiderin, schwor auf Ameiseneier, die ganze Woche Ameiseneier und sonntags bann einen Goldfisch. Der Kunstmaler im fünften Stock aber sagte: „Fragen Sie mal Herrn Schneidecke, der war früher im Zoo."
Nunmehr endlich können wir auf den Hinterhof des Hauses Helkensttaße 124 zurückkehren. Der Ge- müsehändler Schneidecke ist soeben aus dem Dunkel
unter dem Wagen hervorgekrochen. Er ist erstaunt, die Familie Bierhempel vollzählig um sich versammelt zu finden, und obendrein Ottilie, die Schildkröte. „Nanu?" fragt er, „ist sie krank?"
„Einen Schluckauf hat sie", sagt Fritz, und wirklich, Ottilie verkrampft den Hals, durch ihren Körper geht ein Ruck, und ein seines glucksendes Geräusch erklingt. Frau Bierhempel schüttelt den Kopf und glaubt nicht an den Schluckauf. „Unsinn! Hunger hat sie."
„Schluckauf!" beharrt Fritz.
„Schluckauf oder nicht Schluckauf!" ruft Herr Bierhempel und kommt somit auf den Kern der Sache, „wir wollten Sie fragen, Her Schneibecke, was frißt so eine Schildkröte eigentlich?"
Schneidecke schiebt die Mütze in den Nacken, denkt an seine Tätigkeit im Zoo und grübelt. Dann sagt er etwas sehr Vernünftiges, nämlich: „Zunächst müssen wir mal wissen, ob es eine pflanzenfressende Schildkröte ist ober eine fleischfressende."
Natürlich! Das war's! Aber wie ist bas zu machen?
„Sehr einfach", sagt Herr Schneibecke, setzt sich in fein Auto und läßt den Motor anspringen, „ich fahr' mit dem Wagen drüber. Hält sie's aus, ist sie ein Fleischfresser, hält sie's nicht aus, war sie ein Pflanzenfresser."
Dieses brutale Rezept läßt das Blut in den Adern der Familie Bierhempel erstarren. Ehe sie ober wissen, wie es gekommen ist, fährt Herr Schneidecke schon los — auf Ottilie zu — ein Ruck — ein berstendes Krachen — Frau Bierhempel . schreit gellend auf, der Vater erbleicht — ba ist es I schon vorbei. Der Wagen steht wieder. Ottilie steckt vergnügt den Kopf aus den Schalen und kriecht unter dem Auto hervor. Herr Schneidecke jedoch kratzt sich ärgerlich den Kopf und sagt: „Verflucht! Achsenbruch!"
„Siehste!" ruft Fritz und setzt Ottilie auf den Kühler, „also doch Schluckauf!"
„Immerhin", atmet Herr Bierhempel auf, „wir wissen nun wenigstens, baß Ottilie eine Schilbkröte ist, die ausschließlich Fleisch frißt." Damit reicht er ihr, auf einem Salatblatt serviert, einen winzigen Krümel Leberwurst. Ottilie beschnüffelt den Krümel aufmerksam. Dann frißt sie das Salatblatt.
gestoßen sind. Deutsche Kampfflugzeuge bombat* vierten mit guter Wirkung Eisenbahnanlagen bei Sibi Baranl
Borpostenboote wehrten im Kanal den Angriff einer britischen Schnellbootflottille auf ein Geleit erfolgreich ab. Die zum Teil bereits beschädigten feindlichen Boote wurden von deutschen Torpedobooten verfolgt, wobei ein britisches Schnellboot versenkt und zwei weitere im Rahkampf so schwer beschädigt wurden, daß mit ihrem Berlust zu rechnen ist. Alle deutschen Schiffe liefen in ihre Aielhäfen ein.
Ausbruchsversuche aus Leningrad im deutschen Feuer zulammenaebrochen
B e r 11 n , 30. Nov. (DNB.) Ein mit starken Kräften vorgetragener Ausbruchsversuch der in Leningrad eingeschlossenen Bolschewisten wurde in den Nachmittagsstunden des 29.11. unter schweren Verlusten für die Sowjets zurückgeschlagen. Ein sich immer mehr verstärkendes sowjetisches Artilleriefeuer deutete an, daß mit einem Angriff auf den Ein- schließungsring zu rechnen sei. Mit der Abenddämmerung griffen bann starke bolschewistische Kräfte die deutschen Stellungen an. Die Sowjets trafen jedoch auf volle deutsche Abwehrbereitschaft. Im zusammengefaßten deutschen Infanterie- und Artilleriefeuer brach der bolschewistische Massenangriff äu- ßerst verlustreich zusammen. Don den wenigen Pan- zerkampfwagen, die die Sowjets eingesetzt hatten, wurden drei vernichtet.
Am Ladogasee ein sowjetisches (SHereaimenf ausgerieben.
Berlin, 30. Nov. (DNB.) Im Nordabschmtt ber Ostfront verloren die Bolschewisten am 28. 11. eines ber wenigen ihnen noch verbliebenen gut ausgerüsteten Regimenter. Es war über eine ^gefrorene Bucht bes ßabogafees in den Rücken ber beutschen Truppen eingesetzt worben. Das Unternehmen scheiterte jedoch an dem schnellen Gegenstoß eines deutschen Jnfanteriebataillons und ber Krad- schützen-Züge einer Aufklärungsabteilung. Sie griffen bas Sowjetregiment, das erst mit einigen Kompanien das Ufer erreicht hatte, sofort an. Am Ufer und teilweise noch auf dem See wurde bas bolschewistische Regiment von ben zahlenmäßig schwächeren beutschen Soldaten vollständig aufgerieben.
600 Holzbunker
von den finnischen Truppen erobert.
Helsinki, 29. Nov. (Europapreß.) An der norb. lichen finnischen Front haben die finnischen Truppen eine feindliche Truppenabteilung vollständig einge- kesselt und in viertägigen Kämpfen vernichtet. Neun Kampfwagen wurden zerstört. Der Feind, der sich in 600 Holzbunkern verschanzt hatte, unternahm mehrfach Ausbruchsversuche, wurde aber blutig zurückgewiesen. Ein feindliches Flugzeug, das ben eingekreisten Feind mit Lebensrnitteln zu versorgen versuchte, wurde von der finnischen Flak zur Landung gezwungen. An Bord fand man Fleisch und Wodkaflaschen.
Oer italienische Bericht.
Nom, 30. Nov. (DNB.) Der italienische Wehrmachtbericht vom Sonntag meldet u. a.: Im Gesamtbild ber Schlacht in der M a r m a r i c a ist gestern eine Pause zu verzeichnen. Teilkämpfe fanden im Abschnitt Mitte unb an ber Sollumfront statt. Don Tobruk und Barbia ist nichts Besonderes zu melden. In Luftkämpfen hat die deutsche Luftwaffe sieden Flugzeuge abgeschosse . Unsere Luftwaffe hat den Eisenbahnknotenpunkt Marsa Matruk bombardiert und hat ihre Angriffe gegen die feindlichen motorisierten Abteilungen in ber Oase Dscha- lo fortgesetzt. Im mittleren Mittelmeer wurde ein feindlicher Flottenoerband von zwei Torpedoftugzeu- aen angegriffen; ein Kreuzer erhielt zwei schwere Torpedotteffer.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer unb Oberste Befehlshaber ber Wehrmacht verlieh auf Vorschlag bes Oberbefehlshabers her Luftwaffe bas Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Leutnant Stab ermann, Flugzeugführer in einem Kampfgeschwaber. ,
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Schwere Artillerie des Heeres setzte die Beschießung kriegswichtiger Ziele in Sewastopol fort. Im Stadtbereich wurden Bahnhofsanlagen und Kasernen wirksam unter Feuer genommen. Auch in den Werft- und Dockanlagen wurden zahlreiche Treffer erzielt.
Zeitschriften.
— Im November-Dezemberheft ber Monatsschrift „Freube am Leben" schreibt ber bekannte ehemalige Direktor bes Berliner Zoologischen Gartens, Geh. Rat Prof. Dr. Lubwig Heck, einen reizvollen Aufsatz über bie Geselligkeit bei Tieren unb gelangt zu ber Einsicht, daß ber nationalsozialistische Grundsatz „Gemeinnutz vor Eigennutz" tief in ber Natur begrünbet ist. Der Geograph Dr. Heldig behandelt auf Grund von Beobachtungen in Insel-Indien heute besonders aktuelle Fragen zur europäischen Kolonisation im tropischen Raume. Sehr interessante Aufnahmen zu einem Beitrage von Dr. Richard Bott und Adele Bott veranschaulichen bie Giftigkeit und die Nahrungsaufnahme bes Skorpions, lieber die Entwicklung ber Nutzschwammzucht in ben oer- schiebenen Meeren ber Erbe und über die Aussichten ihrer industriellen Verwertung verbreitet sich Prof. Dr. W. Arndt. Dr. Oskar Heinroth, ber verdiente Direktor bes Berliner Aquariums, behandelt fehr anschaulich in Wort unb Bilb bas Thema, wie Schlangen ihre Beute bewältigen und verzehren. Vom hygienischen unb sanitären Stanbpunkt beachtenswert erscheint ein Artikel über ben volks- gesunbheitlichen Wert ber Gewässer und Maßnahmen zu ihrer Reinigung, lieber Dampfschiffenten in Patagonien berichtet der Münchener Zoologe Prof. Dr. Hans Krieg. Dr. Elise Hofmann schildert in einem bebilderten Aufsatz das Pflanzenleben im Mittelalter ber Erbe. Die vielfältig anregenden kleinen Beiträge mit Forschungsergebnissen aus allen Gebieten, die Buchbesprechungen, die Liste der Neuerscheinungen unb bie Preisfrage runben ben vielseitigen Inhalt bes unverändert sorgfältig gedruckten unb ausgestatteten Heftes ab.
— Das Wintermoden-Heft der „Moden« weit" (Deutscher Verlag, Berlin) bringt rund 90 Vorlagen, groß und deutlich gezeichnet ober photographiert und zum großen Teil farbig wie« bergegeben. Man sieht Mäntel mit und ohne Pelzbesatz, neuartige Complets, Kostüme, warme Kleider, einfache Tageskleider fürs Haus unb fürs Büro, aber auch Elegantes für Nachmittag und Abend, dazu reizenbe Winter-Dirndl und bunte Pullover und Wollmützen. Außerbem Vorschläge zum Aendern, Umarfxiten und für Handarbeiten.


