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1.7.1941
 
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Dienstag.l. JuliMl

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191. Jahrgang Nr. (54

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Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen*srsssr

Lemberg wieder in deutscher Hand

Frankreich bnchi die diplomatischen Beziehungen zu den Sowjets ab.

Der japanische Botschafter in London, Shige­rn i t s a , der von seiner Regierung zur Berichter­stattung nach Tokio berufen worden ist und seit über einer Woche in Lissabon weilte, ist an Bord des Clippers'nach Reuyork avgereist. Er wird von dort aus seine Re-ise nach Japan fortsetzen.

zeug von der spanischen Flak unter Feuerge« n o m men und anscheinend beschädigt zur Rück­kehr gezwungen würde, eröffnete plötzlich die englische Flak in Gibraltar das Feuer und beschoß die spanischen Flakstellungen. Die spa­nischen Batterien erwiderten das Feuer. Die spanische Regierung hat wegen der Vorfälle schärfsten Protest erhoben. Mit diesem unerhörten Zwischenfall bekennt sich England jetzt zu den rücksichtslosen Bombenüberfällen der sow- jötrussischen Armee auf friedliche finnische und un­garische Städte und Dörfer. Er zeigt, daß es offen­bar gewillt ist, mit der gleichen Skrupellosigkeit gegen spanisches Territorium vorzugehen.

Oer Wehrmachtbericht.

Führerhauplquartler, 30. Juni. (DftB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Äie bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, haben unsere in Galizien in Vormarsch be­findlichen Truppen Lemberg genommen. Jn der Mitte der heeresfront wurde der Ring um die eingekesfelten sowjetrufsifchen Armeen enger geschlossen. Der Rordflügel ist in flüssiger Verfolgung. An der Küste wurde Libau genommen.

Jm Seekrieg gegen Großbritannien versenkten Unterseeboote bei erneuten Angriffen gegen die im Wehrmachtbericht vom 29. Juni er­wähnten feindlichen Geleitzüge weitere fünf Schiffe mit zusammen 25 400 VRT.. darunter einen Hilfskreuzer. Damit hat sich der Erfolg dieser llnterfeebootsoperation auf 9 6 1 0 0 VRT. erhöht.

Kampfflugzeuge versenkten in der letzten Rächt vor Great Yarmouth aus gesicherten Geleit­zügen heraus drei Handelsschiffe mit zu­sammen 23 000 VRT., darunter einen großen Transporter.

Weitere Luftangriffe richteten sich während der letzten Rächt gegen hafenantagenamhum- b er.

lieber die Haltung Frankreichs gegenüber dem deutsch-sowjetrussischen Konflikt erklärte der Bevoll­mächtigte der französischen Regierung im besetzten Gebiet, Botschafter de D r i n o n , Vertretern der amerikanischen Presse, daß die k o m m u n i st i s ch e Agitation versuche, die durch den Krieg in Frankreich verursachten Leiden der Bevölkerung für ihre Zwecke auszunutzen. Ein Bericht des Polizei­präfekten über die Haltung der Kommunisten zu den syrischen Ereignissen rechtfertige die von Deutsch­land abgegebenen Erklärungen über die Sowjet­aktion im besetzten Gebiet, denn auch in der syri­schen Frage hätten die Kommunisten die Befehle Moskaus obgewartet.

Churchill habe sich in seiner letzten Rede zum Verbündeten der Sowjets erklärt. Er wünsche Churchill und England viel Vergnü- g en dazu. Churchill werde sehen, wohin ihn dieser Entschluß führen werde Der gegenwärtige Krieg sei zugleich eine Revolution gegen den Kommunismus und den Kapitalismus, die sich für die Verteidigung einer verflossenen Gesellschaftsordnung verbündet hätten. Er erinnere sich an eine Unterhaltung An­fang 1933 mit dem damaligen 1)8^ -Botschafter Bullitt. Wenn Frankreich, so habe Bullitt ihm getagt, mit Deutschland in einen Krieg eintrete, würden die Vereinigten Staaten hundertprozentig auf feiten Frankreichs sein. Man dürfe sich jedoch köinen Illusionen hingeben, daß die Vereinigten Staaten zwhihundertprozentig gegen den Verbün­deten Frankreichs, die Sowjetunion, seien. Welches Gesicht, so fragt de Brinon, müssen j e tz t, wo Chur­chill erklärt, er werde alles tun, um Moskau zu

(DRB.) G e n f, 30. Juni.

In einer amtlichen Verlautbarung teilt die französische Regierung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrußland mit. Die' Mitteilung lautet: Die französische Regierung hat, nachdem sie die Gewißheit erlangt hat, daß die diplomatischen und konsularischen sowjetrussischen Agenten in Frank­reich eine die öffentliche Ordnung und die Sicherheit des Staates gefährdende Tätigkeit ausübten, ^be­schlossen, die diplomatischen Beziehungen mit Mos­kau abzubrechen." Der französische Botschafter in Moskau ist beauftragt worden, diesen Beschluß der Sowjetregierung zur Kenntnis zu bringen, während der sowjetrussische Botschafter in Vichy Montag vor­mittag von dem stellvertretenden Ministerpräsidenten und Außenminister Admiral Darlan davon unter­richtet worden ist.

teuge herzustellen; es hatte schon im Weltkrieg frühzeitig Tanks gebaut und Theorien über ihre Anwendung aufgestellt, aber es wurde von den deutschen Divisionen vernichtend

Gestern 280 Sowjetflugzeuge vernichtet.

Große Erfolge der Jagdgeschwader Mölders und Trautloft.

DRV. Musbern Führerhauptquartier, 1. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

Die Luftwaffe versetzte im Laufe des 30. Juni den sowjetrussischen Kampf- und Jagdfliegerforma­tionen erneut vernichtende Schläge. Jnsgefamt verlor der Feind am 30. Juni 2 6 0 Flugzeuge, davon allein in Luftkämpfen 216.

Besonders zeichneten sich hierbei die Jagdgeschwa­der unter Führung des Oberstleutnants Rl ö l d e r s mit HO Abschüssen und des Majors Trautloft mit 65 Abschüssen aus.

Dem Jagdgeschwader T r a u t l o f t gelang es bei Dünaburg, von 40 angreifenden Sowjetflugzeugen alle 40 zu vernichten. Ebenso eindrucksvoll bewies das Jagdgeschwader Wälders im Raum ostwärts Winsk und Bobrujak die Aeberlegenheit der deutschen Luftwaffe, hier versuchten zahlreiche feindliche Ver­bände, die deutschen Vormarschbewegungen zu stö­ren. Von etwa 100 angreifenden Kampf- und Jagd­flugzeugen vernichtete das Jagdgeschwader Mölders 80 Flugzeuge.

Oberstleutnant Wölders errang hierbei seinen 82., Hauptmann J o p p i e n seinen 52. Luftsieg.

Der Feind warf in der Rächt zum 30. Juni Spreng- und Brandbomben im norddeutschen Küsten­gebiet, vorwiegend auf Wohnviertel der Städte Hamburg und Bremen. Die Zivilbevölkerung hatte einige Verluste an Toten und Verletzten. Zahlreiche Gebäude wurden beschädigt.

Rachtjäger und Flakartillerie waren bei der Abwehr dieser britischen Luftangriffe wieder erfolg­reich. Sie schossen 13 der angreifenden bri» tischen Kampfflugzeuge ab.

Bei den Kämpfen im Osten zeichneten sich Oberst Holm als Führer eines Schnellen Verbandes, Oberst Weber als Kommandeur eines Jnfanlerie- regimenls, der Leutnant in einer Aufklärungsab­teilung Florent, der Feldwebel in einem Ge­birgsjägerregiment Betauet und der Gefreite in einem Jnfanterieregiment Haffe durch besondere Tapferkeit aus.

Bei der Versenkung von zwei Zerstörern, einem Torpedoboot und einem Unterseeboot der Sowjets haben sich Oberleutnant z. S. Wuppermann, als Führer einer Schnellbootgruppe, sowie Ober­leutnant z. S. Albert Müller, Leutnant z. S. Weber und Leutnant z. S. Haag als Schnell­bootkommandanten besonders ausgezeichnet.

Bei den siegreichen Kämpfen im Osten zeichneten sich verschiedene Einheiten der Flakartillerie hervor­ragend aus.

rückständiger Entwicklung, uni kaum noch in der Lage, Flugzi t Weltkrieg früh.

GeistigeBestandsaufnahme »«Frankreich

Von unserem E. F.-?Korrespondenten.

was im Zeichen der politischen und sozialen Des­organisation auch für andere Lebensbezirke galt: Frankreich hatte vielleicht politische Doktrinäre von Rang, aber sie waren zur Führung der Staats- geschäste nicht zugelassen; es hatte gute Ingenieure und Erfinder, aber seine Industrie befand sich in ~ - und Frankreich war

Zertrümmerter Aufmarsch.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Was sich in der vergangenen Woche im Osten vollzog, ist der Beginn einer säkularen Entscheidung. Gerade zur rechten Zeit hat die deutsche Aktion den Aufmarsch der bolschewistischen Armee gegen das antibolsewistische Europa getroffen. Was vorher schon aus den politischen Dokumenten klar hervor* gegangen war, hat die deutsche Wehrmacht im Auf­marsch der bolschewistischen Armee bestätigt gefun­den. Bereits am 27. Juni hatte das Oberkommando der Wehrmacht feststellen können, daßdie ersten fünf Operationstage bewiesen haben, daß die sow­jetrussische Wehrmacht zum Angriff gegen Deutsch­land bereit war und daßunsere Verbände auch in jenen, nach Westen vorspringenden G.renzbogen um Lemberg und um B i a l y st o k die von vornherein einer deutschen Umfassung ausgesetzt und - daher für die Zwecke einer reinen Verteidigung un­geeignet waren, eine Massierung russischer Angriffs­truppen vorgefunden haben."

Zwischen diesen beiden Bögen dehnen sich die gewaltigen P r i p j e t s ü m p f e bis an -die Ufer des Bug nach Westen hinaus. Bresk-Litowsk, die bereits am 24. Juni von deutschen Truppen er­stürmte Festung, ist die Spitze des Keils, der den gewaltigen Kampfraum zwischen Karvathen und Ostsee in zwei Abschnitte teilt. In dem südlichen dieser Frontabschnitte wurden bereits am ersten Tage die neuzeitlich ausgebauten Grenzbefestigun­gen nach hartem Kampf durchbrochen. Der fort* schreitende Angriff des deutschen Heeres führte zu einem starken Druck von Nordwesten und Norden her auf Lemberg, dessen Einnahme bereits gestern gemeldet wurde. Gleichzeitig stößt ein deut­scher Angriffskeil aus dem Raume südostwärts Lublin über Luck nach Osten vor, der auch durch feindliche Gegenangriffe nicht aufzuhalten ist. Es er- scheint zweifelhaft, ob die Sowjetkräfte in diesem Abschnitt den deutschen Vormarsch noch lange wer- den aufhalten können, obwohl hier im galizischen Raum besonders ausgesuchte Verbänder der Souyet- armee eingesetzt sind.

Das nördlich der Pripjet-Sümpfe nach Weste,: vorspringende Grenzgebiet um Bialystok wurde unter gleichzeitigem frontalen Vorgehen von Süd- ostpreußeu her durch zwei besondere Stoßtruppen im Osten abgeklemmt. Die südliche Gruppe nahm die Festung Brest-Litowsk und stieß in der allgemeinen Richtung Nordosten weit ausholend vor, um sich später mit der aus Ostpreußen an­greifenden Gruppe zu vereinen, die sich unterdessen in den Besitz der Festung G r o d n o gefetzt hatte. Das Ergebnis war die Einkesselung von zwei starken Sowjet-Armeen im Raume um Bialystok

Die gleichen Truppen, die schon im Herbst 1939 im Kampf um Lemberg Außerordentliches geleistet haben, eroberten am Montag nach schweren Kämpfen wiederum die Stadt. B a y e r i s ch e G e b l r gs- jäger haben am 30.6. um 4.20 Uhr morgens auf der hohen Burg in Lemberg die Reichskriegsflagge gehißt. Unser Bild gibt einen Ueberblict über die Stadt. (Scherl-Pildarchw.)

Der Ring bei Bialystok enger geschlossen

Deutscher Nordflügel in flüssiger Verfolgung, Libau genommen. - Lemberg erobert. - Neue Erfolge gegen Englands Versorgung.

geschlagen.

Es fragt sich, ob man bei dieser Bilanzaufstellung die Angehörigen der geistigen Berufe nicht allzu sehr in Schutz genommen hat. Mag ihnen auch der Vorwurf erspart sein, daß sie durch ihr Verhalten unmittelbar die Einrichtungen' des Landes zersetzt hätten, so bleibt doch noch die Anklage, durch die gerade in diesen Schichten besonders stark hervor- tretenben Eigenschaften des französischen National­charakters Frankreich in seine große Niederlage hineingeführt zu haben: durch die Neigung zum Sichgehenlassen, durch den Hang zum Diskutieren, aus dem der Mangel an Respekt entspringt, durch die Ueberfteigerung einer falsch verstandenen Frei­heit, welche die für den Bestand des Staates ge­fährlichen Verwirrungen gutmütig ober nachsichtig hinnahm, durch die vuft an der Indiskretion im parlamentarischen Getriebe, die jede Initiative läh­men mußte, durch die gegenseitige Beargwöhnung ehrgeiziger Politiker untereinander und vieles an­dere mehr.

Wird Frankreich mit den Erscheinungsformen geistigen Zerfalls fertig werden, die ihm feine eige­nen Landsleute im Spiegel ihrer Kritik zeigen? In der Zurückgezogenheit von Vichy wird jetzt an der neuen Verfassung gearbeitet, die den schützen­den Rahmen für den Wiederaufbau so vieler zer­störten Werte bieten soll. Marschall P 61ain hat mehrfach die Gedanken ausgedrückt, die ihm und seinen Mitarbeitern vorschweben. Die Einrichtungen Frankreichs sollen seinhierarchisch und autoritär, gegründet auf die Verantwortlichkeit und den Be­fehl von oben nach unten auf allen Stufen der Hierarchie, bezogen auf konkrete Gegenstände und präzise Interessen, beseelt von den sozialen, poli­tischen und geistigen Prinzipien, die den Zusam­menhalt und die Größe der französischen Nation gebildet haben."

Alles wird darauf ankommen, im gesamten Le­ben der Nation diese Grundsätze mit einem leben­digen Inha11 zu erfüllen und ihnen im Volk die geistigen und zugleich auch die organisatorischen Grundlagen zu geben, ohne welche die besten Grund­sätze nur Theorie bleiben. Manche Ansätze sind vor­handen, vor allem im unbesetzten Gebiet die Front­kämpfer-Legion. Vieles andere bleibt noch zu tun. Die Bewährungsprobe wartet noch auf die geistigen Schichten Frankreichs. Sie sehen sich vor Aufgaben gestellt, die ihnen das bisherige Regime nicht zu­wies, und an die sie sich noch gewöhnen muffen.

Vichy, im Juni 1941.

Frankreich hat sich durch den Zusammenbruch des letzten Jahres nicht nur zu einer politischen, sondern auch zu einer geistigen Bestandsaufnahme gezwun­gen gesehen. Auf dem politischen Gebiet beginnt sich die Entwicklung klarer abzuzeichnen, zumindest auf dem außenpolitischen. Die Erklärungen des Admi­rals Darlan haben den Weg gezeigt, den man mit einer einfachen Formel als den Wegv o n England weg, zurück nach Europa" be­zeichnen könnte, und die Ereignisse in Syrien, wo Frankreich sein Kolonialreich in offenem Kampf gegen Großbritannien verteidigen muß, verfehlen ihre Wirkung auch auf die noch immer england- hörenden und schwankenden Elemente nicht. Auf dem geistigen Gebiet erweist sich die Bestands­aufnahme als die Anknüpfung an eine durch man­cherlei Einflüsse zurückgedrängte Tradition, und zu­gleich als der Wunsch zu einer neuen Selbstdar­stellung Frankreichs. Daraus sollen sich, wie man hofft, Die Formen herauskristallisieren, die dereinst das künftige Zusammenleben,' das neue politische Regime, die neue Verfassung Frankreichs bestimmen sollen.

Dieser Prozeß geht nur langsam vonstatten. Man schreitet in Vichy in Etappen vor, um die Grund­lagen der neuen Verfassung zu legen. Ausschüsse beraten über die Einteilung Frankreichs in Pro­vinzen, über die berufsständische Gliederung in der Art einer korporativen Verfassung. Die große tra­gende geistige Idee soll die der Hierarchie und Autorität, eine Art Stufenleiter der Verantwort­lichkeit, sein. Das Werk läßt sich erst in seinen Um­rissen erkennen. Seine Beurteilung wird erst dann möglich sein, wenn es einigermaßen fertig vorliegt, und das wird gute Weile haben. Die Stunde seiner Bewährung wird erst dann kommen, wenn die Re­gierung einmal nach Paris zurückgekehrt sein wird.

Inzwischen geht die Bestandsaufnahme Der geisti­gen Werte weiter. In der ZeitschriftCandide" hat man die Frage untersucht, ob die g e i ft i g e n Schichten für den Zusammenbruch Frankreichs verantwortlich gemacht werden können. Man hat die Frage zwar verneint, aber die Begründung hierfür läßt es doch zweifelhaft erscheinen, ob diese Antwort wirklich zum Stern der Dinge verstößt. Frankreich wär, wie manche andere Länder auch, ein Opfer der Scheidung, die das kapitalistische 19. Jahrhundert zwischen Geilt und Materie herbeige­führt hat. Das Schicksal Der Gesellschaft, war den Politikern und Finanzleuten überlassen. D> <" machte sich der Materialismus breit, die geistigen Werte waren eingekapselt in einenelfenbeinernen Turm". Alles litt unter der Spezialisierung. Frankreichs geistige Elite war vielleicht den Vertretern des fran­zösischen Gedankens in früheren Epochen nicht un­terlegen, aber sie hatte den Kontakt mit den Mäch­ten verloren, welche die Wirklichkeiten des täglichen Lebens bestimmten; es bestand keine Berührung mehr mit den .lebendigen Kräften des Volkes, so daß sich auf dem geistigen Gebiet dasselbe ereignete,

helfen, diejenigen Amerikaner machen, die so wie Bullitt sagten.

Welch ein Wandel seit jenen Augusttagen 1939, da eine französische Militärmission zusammen mit einer englischen in Moskau antichambrierte! Damals war es den Sowjets, wie neulich der frühere französische Abgeordnete Doriot erklärte, gelungen, in Frank­reich erst eine Gewißheit auf Bundeshilfe und dann eine maßlose Enttäuschung zu schaffen und durch dies Doppelspiel die Verschlechterung in den Beziehungen der europäischen Kulturstaaten so weit vorwärtszu­treiben, daß der Krieg ausbrach. Jener Krieg, an dem Moskau fein Süppchen zu kochen hoffte! Jener Krieg, von dem die Kreml-Gewaltigen den euro­päischen Kladderadatsch erwarteten. Und nutf bricht Frankreich die diplomatischen Beziehungen mit Mos­kau ab, setzt damit Unter eine eigene Außenpolitik von langer Dauer einen Schlußpunkt und reiht sich ein in die Front der europäischen Wiedergeburt. Die inzwischen in Moskau eingetroffene englische Militärmission, die in Generalleutnant Mason Mac Farlae auch einen schlechthin grotesken ,,Sachver­ständigen für deutsche Methoden der Kriegführung zum Mitglied hat, ist ssoliert. Der Aufbruch Euro­pas in eine bessere und einigere Zukunft hat die englisch-sowjetrussische Zusammenarbeit zu einem Studienobjekt gewacht.

Französisches Zugendlager in Vichy.

Vichy, 30. Juni. (Europapreß.) In Anwesen­heit von mehr als 10 000 Personen überreichte am Sonntag der französische Staatschef, Marschall P e - t a i n , in Gegenwart von Admiral Darlan unö anderen namhaften Persönlichkeiten im Stadion von Vichy dem I u g e n d l a g e r v o n V i ch Y em von der Gattin des Kriegsministers General Hunt­ziger gestiftetes Banner.

Spanisches Hoheitsgebiet von England verletzt.

Madrid, 30. Juni. (DNB.)^Seit einiger Zeit wurden-in Algeciras englische Flug­zeuge von Gibraltar k o m m e n d beob­achtet, die über spanischem Hoheitsgebiet offensicht­lich Erkundungsflüge ausführen. Die mehr­fache Wiederholung läßt einwandfrei eine p lan - mäßige Verletzung des spanischen Hoheits- rechtes erkennen. Als bei einem erneuten britischen Erkundungsslug über spanischem Boden das Flug-