Aus -er Stadt Gießen.
Kinder im Krieg.
Wenn der neue Heeresbericht kommt, stürzt Brigitte — mit Papier und Bleistift bewaffnet — an das Rundfunkgerät, um sich „Neues vom Tage" aufzuschreiben, da sie es in der Schule besprechen.
Im Sommer, als wir in ein paar Tagen der Erholung beinahe vergessen hatten, daß Krieg war, wurden wir immer wieder durch die Kinder daran erinnert. Auf der Straße spielten sie „Fliegeralarm", und es war rührend, mit welcher Hingegebenheit! Ein Junge war die Sirene: er heulte herrlich und durchdringend, und besonders das Ablaufen zum Schluß war von komischer Cchcheit, wenngleich seine Stimmkraft natürlich längst nicht an die des Vorbildes heranreichte. Die anderen Kinder spielten verteilt auf der Straße. Sobald nun die „Sirene" ertönte, mußten sie in affenartiger Geschwindigkeit über die Straße sausen, über den Gartenweg, rum um das Haps und hinein in den Keller! Es war gewiß eine ganz gute Vorübung.
Beim Schwimmen in dem schönangelegten Flußbad waren es auch wieder die Kinder, die das Zeitgeschehen in ihren Spielen widerspiegelten. Im Planschbecken spielten sie „U°Boot": sie schwammen langgestreckt eine ganze Strecke unter Wasser und tauchten dann langsam auf, wobei ein hochgestellter Arm wohl das Sehrohr do r ft eilen sollte. Man sah ordentlich, wie vorsichtig sie auftauchen mußten: konnte man wissen, ob die Luft auch rein war? Ein ganz kleiner Knirps schrie: „Ich auch U-Boot!" und schon stürzte er sich ins Wasser und verschwand und fand sich nicht gleich an die Oberfläche zurück, so daß er von der herbeieilenden Mama „gerettet" werden mußte. Anscheinend war seine Auftriebvor- richtung nicht ganz in Ordnung.
Daß unsere Kinder gerade jetzt einen besonders großen Appetit entwickeln, ist klar. Auf jeden Fall traf Rolfdieter den Nagel auf den Kopf, als er von seinem — vor dem Kriege schlechtessenden — Schwesterlein sagte: „Seit es Karten gibt, frißt sie!"
Neulich war bei Tisch von den Tagesereignissen die Rede, auch von der Beschießung der Burma« straße. Am Abend beim Zubettgehen fragte Wolfgang sinnend: „Mutti, is die Burmastraße grad so lang wie die Frankfurter Sttaße?" E. L. St.
Dornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
Gießener Vortragsring: 19.30 Uhr in der Neuen Aula der Universität Literarische Feierstunde: Bruno Brehm liest aus eigenen Werken. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Das Fräulein von Barnhelm". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Frasqüita".
Ortszeit für den 1. November.
Sonnenaufgang 8.22 Uhr, Sonnenuntergang 18.55 Uhr. — Mondaufgang 10.03 Uhr, Monduntergang 19.10 Uhr.
Vom Lehrkörper -er Universität.
Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat — wie wir am Dienstag be- retts berichteten — bejn Leiter der Behring-Werke in Marburg, Dr. med. vet Albert DemniL einen Lehrauftrag in der veterinärmedizinischen Fakultät der Ludwigs-Universität für das Lehrgebiet „Tier- seuchen-Therapie" erteilt
Dr. Demnitz, der am 9. Oktober 1892 in Dresden geboren wurde, hat an der Tierärztlichen Hochschule in Dresden studiert. Im Anschluß an sein Studium war er bis zum Frühjahr 1920 als Assistent am Physiologischen Institut der Landwirt- schafllichen Hochschule in Berlin tätig. Im Herbst 1920 trat er bei den Behring-Werken in Marburg als Assistent in der Veterinär-Abteilung ein. Im Jahre 1923 wurde er mit der Leitung der Veterinär-Abteilung der Behring-Werke betraut. 1926 ging er nach Santiago de Chile, wo er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Jnstituto Bacteriologico tätig war. Im Jahre 1927 nach Deutschland zurück- gekehrt, übernahm er wieder die Leitung der Veterinär-Abteilung der Behring-Werke in Marburg. 1929 wurde ihm die Leitung der Produktton der Behring-Werke übertragen. Seit 1930 steht er als Betriebsleiter' an der Spitze dieses Unternehmens. Im Jahre 1940 wurde er in den Vorstand der Behring-Werke AG. berufen und zum Direktor der Abteilung Behring-Werke der JG.-Farbenindustrie ernannt.
Ausflellung„LandschastsgebundeneMffenschast
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Ein interessanter Ausschnitt aus dem Wirken der Universität Gießen.
Im Rahmen der „Gießener Universitätswoche 1940" vom 2. bis 5. November wird die A u s - stellung .Landschaftsgebundene Wissenschaft" des NS.-Dozentenbundes der Universität Gießen einen besonders bemerkenswerten Anziehungspunkt darstellen. Diese Ausstellung wird wegen chrer Bedeutung für unsere engere Heimat über den Rahmen der Universitätswoche hinaus für die Oefsentlichkeit zugänglich sein, um allen Volksgenossen in Stadt und Land Gelegenheit zur Besichtigung der verschiedenen Abteilungen zu geben. Am kommenden Sonntag nachmittag wird die Ausstellung in der Kleinen Aula (früherer großer Hörsaal) von 16.30 Uhr ab bis 19 Uhr erstmalig zum öffentlichen Besuch bereitstehen, sodann wird sie bis einschl-ießlick Sonntag, 10. November, täglich von 8 bis 12 Uhr und von 14 bis 19 Uhr geöffnet fein. Somit dürften alle Volksgenossen, auch die durch Berufspflichten stark in Anspruch genommenen Männer und Frauen, ausreichend Gelegenheit haben, diese Schau der akademischen Arbeit an irgendeinem Tage der Ausstellungswoche besuchen zu können.
Bei einem Blick auf die bisherigen Vorbereitungen zu der Ausstellung zeigte sich uns, daß fünf Arbeitsgruppen in dieser Veranstaltung vorhanden sein werden. Es stellen aus: die Medizinische Fakultät, die Veterinär-Medizinische Fakultät, die Philosophische Fakultät I. und II. Abteilung und die Juristische Fakultät. Jede Fakultät wird über ihrem Ausstellungsstand ein Leitwort haben, das gewissermaßen eine große Marschroute verkündet, die bei der Arbeit der jeweiligen Fakultät maßgebend ist. In einem Ausstellungsführer ist
der Gesamtinhalt der Ausstellung in aufschlußreicher Gliederung zusammengefaßt, sodaß der Besucher sich mit Leichtigkeit orientieren Eann.
* Um nur einige Beispiele von der Dielsettigkett der Ausstellung zu geben, seien hier als Vorschau verschiedene Themata genannt So finden wir u. a. in der Abteilung der Medizinischen Fakultät interessantes Material über „Erb- und Rassensvrschung in Gießen", „Das Auftreten des Wundstarrkramp- fes in Oberhessen", „Taubstummheiten in Hessen". Die Veterinärmedizinische Fakultät ist u. a. mit den Themen „Wildkrankheiten in Hesien" und „Ansteckende Blutarmut und ansteckende Gehirn- und Rückmarkentzündung der Pttrbe" vertreten. Die Philosophische Fakultät II. Abteilung bringt u. a. „Arbeitet der Anstalt für Hessische Lanüesfor- fchung", Mikroorganismen hessischer Standorte", „Hessische Heilpflanzen", „Ertragssteigerung im hessischen Ackerbau und in der Pslanzenzüchtung"; die Philosophische Fakultät L Abteilung zeigt neben anderen Beiträgen die Arbeiten für das „Hessische Flurnamenbuch", ferner „Südhessisches Wörterbuch", ,historische Landeskunde an der Universität Gießen". Aus der Juristischen Fakultät wird man „Arbeiten zur rechtlichen Volkskunde von Hessen" sehen.
Neben vielen anderen Dokumenten der wissen- schafllichen Arbeit wird der Besucher an Hand von Statistiken, Karten, mineralogischen und geologischen Proben und Funden, Objekten der Pflanzenzuch- tung, Lichtbildern usw. vieles von dem Weltreichen- den und tiefgreifenden Wirken der Forschung und Lehre an unserer Universität kennenlernen können.
Die Jagd im November.
Wenn der Wald in feinen buntesten Farben steht, feiert am 3. November der Weidmann nach altem Brauet) den ,Hubertustag". Dieser dem Schutzheiligen der Jagd geweihte Tag fällt hinein in eine Zett vielseitiger Jagdausübung.
In den Hochwildreoieren ist das Jagen im vollen Gang. Die Brunft des Rotwildes ist im wesentlichen zu Ende; dafür hat nun das Damwild feine hohe Zeit. Steht auch das männliche Wild um der Trophäe willen immer im Vordergrund des Jnteresies des Weidmannes, fo darf darüber der Abschuß von Kahlwild nicht zurücktreten. Die Zeit der Wildjagden ist da, die überall da am Platze find, wo die Stärke des Bestandes und die Geländeverhältnisse den Einzelabschuß verbieten. Neben dem Rot- und dem Damwild ist auch das Muffelwild im Rahmen des Abschußplanes dem Jäger freigegeben.
Das Schwarzwild fand überall einen reich gedeckten Tisch und ist seist geworden. Gegen Monatsende setzt die Rauschzeit ein. Wo es viel zu Schaden ging, wartet der Weidmann auf den ersten Schnee, um kreisen zu können. Aber auch schon vorher wird sich bei den kommenden Waldjagden manchmal die Möglichkeit bieten, eine Kugel auf einen Schwarzkittel loszuwerden.
Der November ist so recht der Monat der Waldtreiben mit ihrer Poesie, mit dem Geläut der Hunde, dem Rufen der Hörner, dem Klappern und Scheuchen der Treiber, dem Knall der Büchsen und Flinten und dem Frühstück am Holzfeuer. Hierbei steht der Hase im Mittelpunkt des Tages. Er' „macht" bei uns die Strecke und seine Zabl entscheidet darüber, ob die Jagd gut war oder schlecht. Es ist schlecht und ein undankbares Geschäft, Prophet spielen zu wollen, zumal die Auffassungen über die Aussichten des Hasenjahres stark auseinandergehen. Zur Zeit ist das Feld ziemlich hasenrein. Doch das ist oft so, wenn überall auf den Feldern die Bauern an der Arbeit find und eine Deckung nach der anderen verschwindet. Erst gegen Ende November pflegen die Mümmelmänner dann wieder mehr zu Felde zu rücken, um in Sturzäckern usw. ihre Sasse zu machen.
Wo das Kaninchen Standwild ist, wird man die deckungsärmere Zeit besonders zu seiner Jagd ausnutzen.
Vom Haarwill» ist es dann noch der Fuchs, der das Bild der Waldjagd erst vollendet. Eine Waldjagd, bei der kein Fuchs zur Strecke kam oder wenigstens gefehlt wurde, entbehrte der Würze.
Zwar sind zu Monatsanfang die Bälge meist noch „grün", d. h. nicht vollwertig. Doch wenn es von Nacht zu Nacht kälter wird, ist der Balg auch bald gut und stellt dann eine wertvolle Beute für den Jäger dar, die volkswirtschaftlich zur Zett sehr begehrt ist.
Kein Wild der Treibjagd ist dagegen unser Rehwild. Seine Aufartuna läßt sich nur bei Anwendung eines überlegten Wahlabschusses, bei dem ein „Könner" die Büchse führt, durchführen. Der Rehbock selbst genießt bereits die Schonzeit, aber weibliches Wild und Kälber beiderlei Geschlechts können noch bejagt werden. Dabei soll es das Ziel des Abschusses sein, nicht nur qualitativ richtig abzuschie- ßen, sondern ihn auch zahlenmäßig zu erfüllen. Inwieweit diese in anderen Jahren selbstverständliche Pflicht auch in diesem Jahre ohne Einschränkung ist, kann dahingestellt sein. Es scheint, daß in manchen Revieren die Einbußen doch viel größer waren als angenommen wurde und daß hier eine Abschußeinschränkung im wohlverstandenen Interesse aller Teile läge.
Beim Federwild gilt für die Rebhühner bereits der Befehl: ,Lohn in Ruh!" Der Absckuß war sehr mäßig, und nun muß der Jäger mit allen Mitteln darauf sinnen, die vorhandenen Bestände gut durch den Winter zu bringen.
Auch die Fasanenhennen sind nur beschränkt freigegeben. Hoffentlich genießen sie eine stillschweigende Schonzeit bei allen Jägern, die am Aufbau unserer Fasanenbestände mithelsen wollen. Auch die Zahl der Hähne ist offenbar geringer als sonst, so daß Selbstbeschränkung geboten erscheint.
Bei den Waldtreiben kommt auch die Schnepfe, die langsam dem Süden zuwandert, dem Schützen vor das Rohr, während ihn in nassen Wiesen oder an Grabenrändern il ä. die Sumpfschnepfen zum Schüsse verlocken.
Noch trifft man große Flüge von Ringeltauben an, besonders bort, wo die Eichen etwas Mast brachten.
Enten und Gänse sind auf dem Zuge und sind immer eine willkommene Beute.
Auch die D r o s s e l n, zu denen auch die Schwarzamsel gehört, können bis zum Monatsende noch besagt werden und sollten es zum Teil aus wirtschaftlichen Gründen (Obst- und Weinbau) auch werden.
Reichhaltig ist so der Jagkalender des Jägers im Nebelmond. Aber neben das Jagen muß das Hegen treten. Die Spreuhaufen an den Feldscheunen, wo gedroschen wurde, werden schon grün,
3OOOÄi(ometer StcBe
Vornan von Olly Boeheim
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Die Sache ist im Grunde ganz einfach. Dera Verriss ist noch nicht eingetroffen. Den Unternehmern standen die Haare einzeln zu Berge, als ich in das Büro kam. Ich hatte kaum den Namen Vera Verriss ausgesprochen, als sie in Entzücken aus- brachen. Sie hielten mich für den Manager der Tänzerin Vera Verries, und ich ließ sie bei ihrem (Stauben."
„Ich begreife noch gar nichts!"
„Mein Gott, Nuschka, sei doch nicht so schwerfällig. Du wirst für Vera Verriss tanzen."
„Bist du komplett irrsinnig?"
„Im Gegenteil, du wärest irrfinntg, wenn du dir diese Chance entgehen ließest."
„Das ist doch Betrug!"
„Ein kleiner Schwindel, durch den allen Beteiligten geholfen wird. Vera Verries entgeht der Konventionalstrafe wegen Kontraktbruchs. Der Leiter hat keinen finanziellen Verlust, das Publikum nicht die Enttäuschung, daß es unverrichteter Dinge wieder abziehen muß, und du, Anni, hast deine große Chance. Bitte, unterbrich mich nicht. Ich habe ihre Bilder gesehen. Sie hat fast die gleiche Figur wie du."
„Das mache ich nicht mit!"
„Dann entlarvst du mich als Hochstapler."
„Das bist du ja auch —"
„Dir zuliebe —"
„Du ziehst mich da in eine Sache hinein —"
„Durch die du mit einem Schlage bekannt wirst, Anni. Sei doch kein Frosch!"
„Und wenn sie in letzter Minute ankommt?"
„Dann haben wir eben Pech gehabt."
Peter hielt: „Ich glaube, es ist klüger, wenn wir mit Onkel Franz nicht vor dem Grand Hotel vorfahren. Er ist so pompös, daß der Hotelportier uns dis Fürstenzimmer einräumen würde."
„Bitte, höre auf zu scherzen. Die Situation ist ernst genug."
Peter Renz fuhr auf den breiten Parkplatz, der! vor dem schönen Bahnhofsgebäude lag. „Vorläufig finde ich die Situation prickelnd. Ernst kann sie nur für mich werden, wenn du mir in den Rücken fällst." Er schloß den Wagen und gab einem Gepäckträger die Anweisung, die Koffer tn das Grand Hotel zu bringen. „Der Portier soll auslegen", sagte er schein, bar lässig.
Herr Bornemann stand bereits in der Hotelhalle, als Peter mit Anni eintrat und stürzte auf sie zu. „Bornemann ist mein Nams. Wir ich mich freue, Sie kennenzulernen, gnädige Frau. Sie haben uns richtiggehend auf die Folter gespannt. Na, die Hauptsache ist, Sie sind da. Gewiß möchten Sie auf Ihr Zimmer fahren und etwas ruhen."
Anni sah den Fremden ratlos an. Peter öffnete den Fahrstuhl.
„Also, Herr Bomemann, ich komme gleich nachher ins Theater. Bitte bestellen Sie den Kapellmeister, nur wegen der Tempi, und dann — Sie begreifen — man muß den Raum kennenlernen. Haben Sie das Programm da?"
„Gewiß!" Herr Bornemann zog es eifrig aus der Tasche.
„Danke. Na, wir werden vielleicht ein paar kleine Aenderungsn vornehmen müssen."
„Gewiß, gewiß —"
„Schön, also um sechs Uhr auf der Bühne."
Peter stürmte nach oben. Anni lag schluchzend in ihrem eleganten Appartement auf der Couch. Peter schwang das Programm.
„Mädchen, ich glaube, die Tanzfolge hat der liebe Gott eigens für dich bestellt. Hier: Ungarischer Tanz von Brahms — hast du studiert, was?"
„Ja", piepste Anni schluchzend.
„Zweitens Danse macaore."
„Meins beste Nummer", kam es etwas kläglich von der Couch her.
„Den Radetzky-Marsch kann ich zur Not sogar selbst tanzen", entschied Peter. Anni hob das verstörte Gesicht und sprang auf: „Nein", schrie sie, „niemals! Denk doch bloß, wenn Erik Schmitterlöf das erfährt, dann ist alles aus."
„Im Gegenteil, Nuschka! Jetzt fängt erst alles an. Das ist das einzige Mittel, um noch mit einem Hemd auf dem Leib nach Stockholm zu kommen."
„Oder ins Gefängnis!"
„Entschuldige mal, Anni, ich habe dich doch nicht
zu Vera Verries gemacht. Herr Bornemann in feiner blinden Verzweiflung hat dich —"
„Das ist Spiegelfechterei!"
„Ich habe niemals gesagt, du seiest die Verries." „Unsinn, Peter. Ich muß mich der Direktion als Ersatz anbieten und unter einem Namen tanzen."
„Daran habe ich auch bereits gedacht, Kleines. Aber du hast doch keine Kostüme, und man darf dir doch nicht die Kostüme der Verries aushändigen. Außerdem haben wir noch zwei Stunden bis zum Beginn des Tanzabends. Also weiß Gott keine Zett, um uns mit müßigen Auseinandersetzungen zu plagen."
„Den Ungarischen Tanz von Brahms, o Gott, wie habe ich mir immer gewünscht, den mal zu tanzen."
„Na also! Steck die Nase unter den Wasserhahn, inzwischen lasse ich dir Tee bringen. Dann sehe ich nach den Kostümen."
„£>b sie passen, Peter?"
„Bestimmt! Das ist ja das Tolle, die Verries scheint deine Figur zu haben. -Sie ist ein ähnlicher Typ, bis auf die Haarfarbe. Die Verries ist tief- schwarz."
„Um Gottes willen!"
„Keine Angst, Nuschka! Unsere Damen wechseln heutzutage die Haarfarbe wie die Handschuhe. Wir treffen uns in einer Stunde auf der Bühne."
Schwupp, war er draußen! Anni stand vor dem großen Spiegel und starrte entgeistert ihr bleiches Gesicht an, mit dem Gefühl, es gehöre ihr selbst nicht mehr. Dann mußte sie lächeln. Tanzen, sie würde heute abend tanzen dürfen! Einen ganzen langen Abend lang, ganz allein, vor eine* ausverkauften Haus. Ihr Blut wurde heiß. Der Rhythmus des Ungarischen Tanzes zuckte schon in ihren Gliedern. Das Sprungbrett — hatte es Gott ober der Teufel unter ihre Füße geschoben? — es war da — und sie entschloß sich — komme, was da wolle — abzuspringsn.
Nachdem Anita das Theater betreten hatte, waren ihre Hemmungen plötzlich verflogen. Sie probierte die Kostüme, die tatsächlich paßten. Dann ging sie mit dem Kapellmeister die Tanze durch. Es klappte!
Peter hatte eine Flasche Sekt in ihre Garderobe geschickt, aber sie brauchte die Anregung gar nicht. Sie lebte wie in einem Fieber, nur In dem einen Gedanken, daß der Vorhang endlich aufgehen möchte.
die darin enchallenen Korner treiben aus. Damit wird dieser Abfall für die Fütterungen schon wertlos. Wer noch nicht die nötigen Kaffmengsn gesammelt hat, tue es bald. Und ebenso werden die Fütterungen bereits damit beschickt, damit eine Schicht da ist, in der das Federwild gelegentlich scharren kann. Ls weiß dann, wo es zu Zeiten der Not etwas findet. Ebenso werden Fütterungsanlagen o wie Raufen in Ordnung gebracht, vor allem damtt bei Neuanlagen das Wild sich daran gewöhnt.'
Dem Sammeln von Kastanien und Eicheln als wertvollstem Kraftfutter gebührt besondere Aufmerksamkeit. Meistens werben biefe Früchte falsch aufbewahrt. Sie sollen nicht trocken unb hart, son- dem frisch und prall dem Wild geschüttet werden. Darum märe es falsch, sie auf Bäben zu trocknen. Am zweckmäßigsten legt man bort, wo bas Wild steht, Mieten an, in denen die Eicheln oder Kastanien mit Stroh, Erde, Moos ober Laub bedeckt ein* geschlagen werben, um hier u. U. an Ort und Stelle später bem Wild zugänglich gemacht zu werben. Ebenso empfiehlt' sich an solchen Stellen bas Ein- mieten von Runkelrüben ober ihr Zudecken mit Kass. Sehr zu empfehlen zur Frischhaltung von Eicheln, Kastanien, Vogelbeeren, Rüben, Kartoffeln usw. für Wildfütterung ist Torfstreu, bas auch gegen Frost schützt. Wer bei hohem Schnee und strenger Kälte selbst schon, vor allem im bergigen Gelände, gefüttert hat, weiß, daß eine der schwierigsten Fragen oft die ist, wie man bas Futter an die Ein- stände des Wildes hinbringt. Diese Frage wirb am besten dadurch gelöst, baß man bie Futtermittel jetzt schon an Ort und Stelle hinbringt unb zweckmäßig aufbewahrt, um dann später bem Wild den Zutritt freizugeben.
Besondere Beachtung verdient im Kriege der Jagdschutz. Die Gründe sind zu naheliegend,'um sie aufzuzählen, weswegen gerade im Kriege die Ge- fahr einer Zunahme der Wilderei besteht. Deswegen ist es geboten, wenn jeder Revierinhaber nach Kräften auf eine gute Ueberwachung seines Reviers bedacht ist. Auch auf Kriegsgefangene ist dabei zu achten, die, wenn sie aus Frankreich stammen, z. T. wahre Künstler auf bem Gebiete bes Schlingenstellens und anderer stlller „Sagbarteir* fink
Hubertus.
llS-GmeiliWsl A M öotö Srenöe
Die THonafsprogtamme für November 1940 sind eingetroffen
unb finb zum Preise von RM. —,10 pro Stück in ber Verkaufsstelle, Seltersweg 60, erhältlich.
Achtung! Betriebswarte!
Die Monatsprogramme für November 1940 sind sofort in ber Verkaufsstelle, Seltersweg 60, abzuholen. 4877D
Vitamine in der Tageskost.
Wenn heute wieber soviel von Vitaminen gesprochen wirb, so ist bas an sich nichts Neues. Jeder weiß heute, baß es sich babei um Schutzstoffe han- belt, bie neben ben Nährstoffen wichtige Bestanb- teile ber menschlichen Ernährung barstellen. Wichtig befonbers für Kinder, bereu zarter, noch in ber Entwicklung stehenber Organismus eines ausbrücklichen Schutzes bebarf. Es finb beshald bie Vitamine A, D, B2 unb C bie für bie Kinber am notwen- bigften. Vitamin A (in Fischen unb Fischlebertran enthalten) bietet bem Gewebe ber Haut Schutz, Vitamin D wirkt antirachitisch unb ift in Ei, Hefe, Samenöl unb manchen Wurzeln enthalten. Außer- bem bilbet es sich bei Einwirkung von Sonnenlicht unter ber Haut. Vitamin B2 schützt bas Wachstum unb wirb vorwiegenb burch bie Kuhmilch auf genommen. Vitamin C (in vielen Früchten, z. B. Zitronen, Apfelsinen, Hagebutten, Beerensorten, ferner in allen grünen Gemüsen unb einigen Gemüsefrüchten) wirkt oorbeugenb gegen Skorbut.
Nun ist es jeboch nicht so, baß bie Mutter ängstlich über ben Vitamingehalt im Kostplan ihres Kin- bes wachen muß. Jebe normale unb abwechslungsreich gestaltete Tageskost enthält schon an sich eine
Peter stand in ber Kulisse. Das Theater war voll. Es empfing die Tänzerin, die in ihrem ungarischen Kostüm wirklich süß aussah, mit Applaus. Anita hatte Fieder, aber kein Lampenfieber. Sie hatte bas Fieber bes Tanzes im Blut, sie war wie ein junges Bennpferb vor bem Start. Wäre im letzten Augenblick Vera Verriss bazwischengekom- men unb hätte sie am Auftreten gehinbert, sie hätte weitertanzen müssen burch die langen Theatergänge, ober auf ber Sttaße, sanft wäre sie umgefallen.
Aber nichts dergleichen geschah. Der Vorhang ging Hoch, unb Anita war nicht mehr bie kleine gehemmte Anfängerin, sondern ein Pußtamädel, Das ben Rausch bes jungen Blutes tanzt. Sie war nur noch Musik, Schwung unb Leiben schäft. Als ber Vorhang fiel, setzte nach einer kurzen atemlosen Pause ber Applaus ein.
Dann folgte „Danse macabre“. Anita trug ein schwarzes Kleid, das ihren schmalen Leid wie eine Schlangenhaut umschloß. Das Gesicht war bleich ge- schminÜ, bie Lippen blutrot unb burftig. Das brandrote Haar glatt um ben Kopf gelegt, tanzte sie kaum; nur ihr junger Körper spielte unter ber glänzenben Selbe, reckte sich lüstern, fiel zusammen, schnellte empor, wie von sünbhafter Lust gepeitscht, um schließlich zusammengekauert im Schatten zu verlöschen. Ein Vampyr, ber an seiner eignen Lust stirbt.
Peter Renz schnupfte. Jrgenb etwas trieb ihm bie Tränen in bie Augen. Er wußte nicht, war es Glück, Rührung, Liebe ober alles zusammen. Sein Herz schlug ihm bis zum Halse. Bis zur heutigen Stunde hatte er noch nicht gewußt, was für eine Künstlerin seine kleine Anuschka wctt. Er fegte hinter ihr her, als sie in ihre Garderobe ging, um sich für ben Rabetzkymarsch umzuziehen.
„Nuschka", schrie er burch bie Türspalte, »Masse, ganz groß!"
Dann flog Anita in einer Phantasieuniform über bie Bühne. Alles Düstere unb laftenb Unheimliche bes vorhergehenben Tanzes war verwischt burch biefe strahlenbe, lachende Jugend.
„Allerhand, wie diese Frau sich gehalten hat", sagte Herr Bornemann zum Direktor, ber neben ihm in ber Loge saß. „Sieht aus wie siebzehn. Unb bas Temperament! Donnerwetter? Dabei horte ich, baß bie Verriss schon etwas passS fein sollte unb etwas tanzmüde." (Fortsetzung folgt.)


