Nr. 258 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Donnerstag, 31. Oktober 1940
ein Verfahren entdeckt, mit dem es möglich war, diese Heilstoffe systematisch im Tierblut zu erzeugen, um sie dann nach entsprechender Behandlung dem menschlichen Körper zuzuführen.
Nun hatte der Arzt die Möglichkeit, mit dem von Behring entwickelten und hergestellten Diphtherie-Serum dem erkrankten Körper zu Hilfe zu kommen. Die dem Blute zugeführten Heilstoffe unterstützen die natürlichen Abwehrkräfte. Am Heiligen Abend des Jahres 1891 wurde einem Kinde zum ersten Mal mit dem Behringschen Heilmittel das Leben gerettet. Das Verfahren setzte sich immer mehr durch, es begann einen wahren Siegeszug um den ganzen Erdball anzutreten. In allen Kulturländern fielen bei Diphtherie - Erkrankten die Sterblichkeitsziffern, die vor der Einführung des Verfahrens 76 v. H. betrugen und heute auf etwa 5 v. H. gesunken sind.
Mit der Herstellung des Diphtherie-Serums, dos wohl die schon ausgebrochene Krankheit zu bekämpfen gestattet, war Behrings Hauptidee, nämlich die Diphtherie restlos auszurotten, aber noch keineswegs verwirklicht. Behrings Ziel war es, durch systematische Impfungen eine I m m u n i s i e - rung der Jugend zu erreichen. Er entwickelte ein Diphtherie-Schutzmittel, über das er ein Jahr vor dem Weltkriege erstmalig berichtete. In vielen Ländern — vor allem natürlich auch in Deutsch
wohl vermeiden, daß ein politischer Mißerfolg auch wirtschaftliche Rückschläge brachte. Außerdem wäre die schwierige Stellung der Anglo-Iranian ^gegenüber dem iranischen Staat noch erschwert worden, .wenn sie sich offen auch des Bahrein-Oels bemächtigt hätte. So machte man das Geschäft lieber mit den Amerikanern zusammen. Denn ein Geschäft war es, wunden doch 1933 erst 31 000 Faß gefördert, 1938 aber 8 600 000 Faß.
Und nun liegt auch dieser Stützpunkt britischer Macht im Bereich der italienischen Bomber. Das Herz des Empire wird von Krämpfen geschüttelt. Das läßt verstehen, daß man darüber sogar zeitweise die Sorgen um das Schicksal Londons vergißt.
auf diese „Souvernitätsrechte", die Bahrein-Inseln ogar befestigt, da sie ja, ungefähr in der Mitte des Persischen Golfs der arabischen Küste vorgelagert, tatsächlich eine beherrschende strategische Stellung besitzen. Es handelt sich dabei um fünf größere und drei kleinere Inseln, die zusammen etwa 650 qkm umfassen und von 120 000 Menschen bewohnt werden. England hat diese Inseln zunächst lediglich wegen ihrer strategischen Lage besetzt. Das Del wurde erst viel später entdeckt. Im Winter 1931/32 wurde von dem englischen Major Holms die erste Bohrung niedergebracht. Daß nicht die Analo - Iranian - DU - Comp., sondern amerikanische Gesellschaften schließlich die Ausbeutung übernahmen, hat seinen guten Grund. Bei der Bestrittenheit der englischen Souveränitätsansprüche wollte man
Arbeit und Versorgung.
Ein Werk für die Alten der Volksgemeinschaft.
Deutschland ist das Land der fleißigsten Arbeiter. In Stadt und Land, in den Fabriken, Werkstätten, Kontoren, hinter dem Ladentisch, am Bau, unter und über der Erde, in den Gärten und Wäldern, auf Aeckern und Wiesen, überall sind die Werktätigen in emsiger Arbeit, damit das Ganze gedeihen kann. Mitten im Kriege werden noch größere Anstrengungen gemacht, um die Wehrkraft zu stärken und ein festes Fundament für den Neubau der europäischen Gemeinschaft zu begründen. Auf den Leistungen des deutschen Arbeiters, Erfinders und Wissenschaftlers beruht der Führungsanspruch der deutschen Nation in Europa.
Alles, was in Deutschland groß und erhaben ist, haben die Arbeiter aller Berufe in jahrzehntelanger mühevoller Tätigkeit geschaffen, und die Soldaten, die aus ihren Reihen hervorgegangen sind, haben das Errungene geschützt und geschirmt. Darum ist es nach nationalsozialistischer Auffassung eine selbstverständliche Pflicht, daß für den einzelnen Arbeiter, wenn er krank oder alt wird, in ausreichender Weise gesorgt werden muß. Dabei kann es sich niemals um ein Almosen handeln, sondern um eine Verpflichtung der Volksgemeinschaft, den Alten ein würdiges Dasein zu sichern, wenn sie im Dienste der Arbeit ergraut sind. Der Pflicht zur Arbeit entspricht das Recht auf Versorgung, wenn die Arbeitskraft erlahmt. Die Versorgung ist der Dank der Allgemeinheit für das pflichterfüllte Arbeits- lcben.
Auf diesem Grundgedanken baut sich der Plan des nationalsozialistischen Altersver- sorgungswerkes auf, den Dr. Ley nach der vorangegangenen Beauftragung dem Führer vor- gelegt hat. Die Einzelheiten dieses Dersorgungs- planes, der gleichfalls auch für die Arbeitsinvalide^ und für die Witwen und Waisep gelten soll, wird zu einem späteren Zeitpunkt in einem einzigartigen Gesetzeswerk dem deutschen Volke vorgelegt werden. In diesem Augenblick aber ist es wertvoll, daran zu erinnern, daß das erste Gesetz über eine Altersund Jnvalidenversorgung, das in Deutschland Geltung erlangt hat, aus der staatsmännischen Einsicht
Lmil von Vehring- ein Wohltäter der Menschheit
Vor 50 Zähren wurde die Serumbehandlung entdeckt.
des Fürsten Bismarck hervorgegangen ist. In seiner letzten Rede vor dem Deutschen Reichstag hat der große deutsche Staatsmann des 19. Jahrhunderts dieses Gesetz gegen alle Angriffe der Parteien ver- teidigt und schließlich mit einer knappen Mehrheit durchgebracht. Diese Tatsache wird jetzt im Reichs- arbeitsblatt hervorgehoben, wo ein Wort Schmol- lers über Bismarcks Sozialpolitik aus dem Jahre 1898 zitiert wird: „Die großen allgemeinen Ursachen, welche in unserem Jahrhundert darauf hinwirkten, die Unterstützung und Pflege der kranken verunglückten invaliden Arbeiter auf das Prinzip der Versicherung statt auf das des Armenwesens zu basieren, ist das Ziel." Man erkennt aus diesen alten Gedanken, daß in Deutschland in verantwortlichen Kreisen schon immer das richttge Gefühl für den Geist vorhanden gewesen ist, der allein befähigt sein wird, dieses Problem im Sinne der sozialen Gerechtigkeit zu lösen.
Bei einer Erörterung dieser Frage darf man nicht daran Vorbeigehen, daß bereits die mittelalterlichen Einrichtungen, die Familienoerbände, die Gilden und Brüderschaften geschlossene Arbeitsgemeinschaf, ten waren, in denen sich der einzelne durch seine Lebensarbeit das Recht auf Versorgung im Alter durch die Gemeinschaft sicherte. Wir finden also hier schon in altdeutschen Einrichtungen echte sozialistische Gedankengänge, die in Einzelfällen sich durch das Zeitalter des Liberalismus in manchen großen Familienbetrieben erhalten haben. So ist auch in der heutigen deutschen Wirtschaft, die durch die sozialpolitische Schule der deutschen Arbeitsgemeinschaft gegangen ist, durchaus die notwendige Aufnahmebereitschaft für dieses große soziale Der- ständigungswerk vorhanden. Und in der Tat wird die Wirtschaft den größten Nutzen aus einem solchen Werke ziehen. Es wird immer neue Energien auslösen und zu einer gesteigerten Lebenskraft des einzelnen deutschen Menschen beitragen. Auf einem solchen Fundament aber kann das gesamte Wirtschaftsleben blühen und gedeihen wie noch niemals vorher in der Geschichte der europäischen Völker.
Gestörtes Oelzentrum.
o Den „merkwürdigen Krieg" haben die Engländer diesen Krieg schon einmal genannt, als nach dem polnischen Feldzug es so schien, als seien alle Fronten in ein Stadium der Erstarrung geraten Die Ereignisse des Frühjahrs und Sommers haben sie dann sehr rasch darüber belehrt, daß diese Erstarrung nur eine scheinbare war, daß in Wirklichkeit unter der wenig bewegten Oberfläche intensivste Tätigkeit auf Seiten der Achsenmächte geherrscht hatte. Erstaunlicherweise scheint man in England jetzt wiederum an eine Erstarrung des Krieges zu glauben, insofern nämlich, als man wie hypnotisiert auf den Luftkrieg starrt und anzunehmen scheint, daß sich die Aktivität der Achsenmächte in den Luftangriffen auf London und andere Ziele erschöpfe. So nur ist es erklärlich, daß immer wieder die Version auftaucht, England könne durch bloßes Standhalten gegenüber den deutschen Bombenangriffen dem Krieg die entscheidende Wendung geben. Diese Ansicht von Krieg müssen wir nun unsererseits als merkwürdig bezeichnen. Freilich ist der Zustand im gegenwärtigen Stadium für Eng- land an sich schon wesentlich unangenehmer, als er es in der scheinbaren Erstarrungsperiode des vorigen Winters war. London, das damals hinter der Maginotlinie im tiefsten Etappenfrieden lag, ist heute ein Hauptkriegsschauplatz.
Aber keineswegs der einzige. In Wirklichkeit sind gerade in., den letzten Wochen an anderen Fronten dieses Krieges entscheidende Erfolge erzielt worden, die nicht zuletzt die Reife des mißsrfolggekrän- ten Ministers Eden nach Aegypten veranlaßt haben. Man hat London öfter als den Kopf des britischen Empire bezeichnet, Aegypten und Vorderafien aber als sein Herz. Daran ist etwas Wahres, und das Blut, das dieses Herz durch den Körper des Empires pumpt, heißt — Erdöl. Die Oelleitungen, die von dem Mofsul- Gebiet, von Kirkuk nach Haifa und Tripolis im französischen Mandatsgebiet Syrien gehen, waren eine der Hauptschlagadern des britischen Weltreiches nach dem Mittelmeer. Nach Osten waren es die in der Mhe des Persischen Golfs gelegenen iranischen Erdölfelder und die mitten in diesem Golf liegenden Bahre in-Ins eln. Die Mittelmeer, flotte Englands einerseits, die Beherrschung des Indischen Ozeans anderseits, die Wavell-Armee im Vorderen Orient und die ägyptische Stellung als Flankendeckung schienen dieses Zentrum der britt- schen Oelversorgung gegen jeden Angriff gefeit zu machen, zumal ja nach Nprden noch die Türkei als vorspringende Bastion eine weitere Sicherung bot. So fest glaubte England an die Stärke dieser seiner Zentta'lstellung im Empire, daß es von hier aus die Möglichkeit zu einem offensiven Vorgehen im geeigneten Augenblick jederzeit für gegeben erachtete. Mit dem Ausfall des französischen Man- dotsgebietes Syrien entstand allerdings eine unangenehme Lücke in dem System. Durch Stillegung der Oelrohrleitung nach Tripolis glaubte man indessen die größte Gefahr beseitigt zu haben. In- zwischen aber haben auch hier die Dinge einen völlig anderen Verlauf genommen, als England erwartete. Die verschiedenen Luftangriffe auf Haifa haben so unangenehme Wirkungen erzielt, daß nach italienischen Meldungen die Verarbeitung des Mos- sulöles in den Raffinerien von Haifa den Englän- dem zu riskant erscheint, und daß sie infolgedessen mehr und mehr dazu übergehen, das Erdöl auf dem Euphrat zu verschiffen und zur Raffinierung nach den Bahrein-Inseln zu bringen. Denn diefe waren ja unter allen Umständen sicher!
Wieder ein Irrtum. Die italienische Luftwaffe zeigte durch ein erfolgreiches Bombardement vor einigen Tagen, daß auch die Bahrein-Inseln absolut im Bereich ihres Aktionsradius liegen. Das hat nicht nur gewaltiges Aufsehen im ganzen arabischen Vorderasien erregt, sondern es hat auch wie eine Bombe auf die Engländer selbst gewirkt. Wieder ist eine für unbedingt sicher gehaltene Position plötzlich gefährdet. Zwar sind die Ansprüche Englands auf die Bahrein-Inseln umstritten, da Iran immer wieder, so z. B. 1927 in Genf, gegen die britische Souveränität protestiert und seine eigenen Hoheitsansprüche niemals aufgegeben hat. England hat sich darum indessen niemals sonderlich gekümmert. Es beruft sich auf ein Abkommen mit dem arabischen Scheich Hamid ben Isa und hat, gestützt
Mitten im Kampf für feine Größe und Freiheit stehend, gedenkt Deutschland in diesem Jahre einer der bedeutendsten medizinischen Leistungen, die die Welt deutschem Forschergeist zu verdanken hat. Fünfzig Jahre sind vergangen, da Emil von Behring seine Entdeckung des Diphtherie- s e r u m s veröffentlichte und damit eine neue Heilmethode, die Serumbehandlung, begründete. Der große Forscher, der seit mehr als zwei Jahrzehnten den ewigen Schlaf schläft, vollbrachte damit eine Tat, die aus der heutigen Krankheitsbekämpfung nicht mehr wegzudsnken ist. Aber nicht nur Deutschland verdankt diesem Manne unendlich viel, darüber hinaus ist Emil von Behring zum Wohltäter der gesamten Menschheit geworden.
Noch kurz vor der Jahrhundertwende starben in Deutschland jährlich allein 40 bis 50 000 Kinder
an der Diphtherie. Die Aerzte standen vor einem Rätsel. Da veröffentlichte Behring, 1854 in Westpreußen als fünftes Kind unter zwölf Geschwistern und als Sohn eines Dorfschullehrers geboren, im Jahre 1890 in einer medizinischen Zeitschrift die Ergebnisse von erfolgreich durchgeführ- ten Versuchen, durch die er bewies, daß ein an Diphtherie erkrankter Organismus das Gift des Krankheitserregers schnell neutralisieren kann, wenn die vorhandenen natürlichen Abwehrkräfte durch ärztliche Hilfe unterstützt werden, indem man vorgebildete Abwehrstoffe in den menschlichen Organismus einführt. Er behauptete damit nicht mehr und nicht weniger, daß die Diphtherie eine heilbare und sogar vermeidbare Krankheit sei.
Durch zahlreiche Versuche hatte der damalige Militärarzt solche zusätzlichen Abwehrstoffe gebildet, vor allen Dingen in Pferdekörpern. Er hatte
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die große Tube die kleine Tube '
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starkwirksam, gegen Zahnstein onsotz, zahnfleischkräftigend, mild aromatisch, - und so- preiswert!
r. M i k r o f e i ri
land — ist das Behringsche Programm der fogenannten „aktiven Immunisierung" schon in größtem Umfange verwirklicht worden. Der Erfolg: bis auf einen kleinen Prozentsatz sind die Erkrankungen an Diphtherie ausgeschaltet worden.
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Aber noch ein zweiter Erfolg war dem großen Wissenschafller und Forscher in der Erfindung des Tettanus-Serums befchieden: er wurde zum Retter Taufender von Soldaten. Im Straßenschmutz und im Erdboden leben jene Tetanus, ober Wundstarrkrampfbazillen, die bei Verletzungen gefährliche Wundinfektionen verursachen können und in vielen Fällen zum Tode führen. Die- fen Gefahren sind natürlich besonders die Soldaten im Kriege ausgesetzt. Noch zu Beginn des Weltkrieges starben zahlreiche Soldaten an dieser Wundinfektion. Als man systematisch die Verwundeten vorbeugend mit dem Behringschen Tetanus-Serum behandelte, erkrankte kaum noch einer an Starrkrampf. Wenn wir hier anführen, daß im Polenfeldzug von 10 000 verwundeten Soldaten nur vier vom Starrkrampf heimgesucht wurden, so kennzeichnet diese Tatsache allein das gewaltige Werk Emil von Behrings. •
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Am letzten Tage des Monats März 1917 schloß Emil von Behring die Augen für immer. Sein hartes, aber an Erfolgen überreiches Leben hatte ein Ende gefunden. Zahllose Ehrungen sind diesem Manne zuteil geworden; 1901 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste in den Adelsstand erhoben, viele in- und ausländische wissenschaftliche Körperschaften ernannten ihn zum Ehrenmitglied.
Sein Werk- aber lebt weiter — zum Segen der ganzen Menschheit. Und wir können diesen Ab- riß eines kämpferischen Lebens nicht besser beschließen als mit den Worten einer Mutter, deren Kind vor fünfzig Jahren durch das Verfahren Behrings gerettet wurde.
Die überglückliche Frau schrieb: ,Zch kenne nicht, ob viele Mütter Ihnen ihren Dank ausgedrückt haben. Aber mein Kind ist gerettet, weil Sie so weis gedacht und für die Wissenschaft gekämpft haben. Mein jüngster und liebster Knabe mar krank und ist gerettet vor der Diphtheritis.-Ihr Name sei gesegnet von glücklichen Müttern wie ich." Das sind die tiefempfundenen Worte einer Mutter, Dan« kesworte, deren Wirkung durch die Unbeholfenheit des sprachlichen Ausdrucks nur noch gesteigert wird.
Goldaienhaui.
Lon Friedrich Georg Sanhsch.
Der Soldat trägt seine Haut zu Markte, sagt ein aller Landsknechtsspruch, ohne dabei zu verraten, was so eine Haut wert ist. Denn ehe aus einer Haut eine Soldatenhaut wird, vergeht eine lange, schmerzvolle Zeit. Bei den Soldaten erfahrt man auch, daß die Haut keine Haut ist, sondern ein Gewebe, wenn die erste Instruktionsstunde bei dem berühmten Sanitätsgefreiten Neumann vorüber ist. Genannter Mann ist auch berjemge. Zu dem man flüchtet, wenn man einen Schaden genommen hat, verzweifelt und mit verzerrtem Schein der Hoffnung, daß den Qualen mit einem Universalmittel em Ende' bereitet werden kann.
Aber weit gefehlt. Jeder muß den Schmerz ausgelaufener Fuße, das langsame Anschwellen gerich- stim weiterwachsender Blasen bis o"s ^n letzte Stick auskosten. Besagter Neumann besieht sich den Neitting und greift mit sachverständiger Miene nach der Iodslasche. Das wird schon elfen! Unb betn allo ©eauälten scheint es wie em Zuspruch de Trostes ^Diese Musik klingt ihm.aber nur solange im Ohr, bis er die braune, jodische Flüssigkeit aus seiner Wunde spürt. Mit diesem Augenblick stimmt ein ganz anderes Orchester feine em
oiel gewaltigeres. Er hört manchmal sogar die Engel macht er nur solange, als er ein t|rifd>nng SE?man ihn^eige^nd^unö"selftE ©raffen
PX" 'hat etn feinen Stieseln hat der Prozeß der Änblunq norn Zwilen ins Militari che ettolg. reiche Fortschritte £is tarn ^n
tnieber, aer foie man schon zurecht-
‘‘‘hrfirff nlaubte ben überstandenen Schmerzen nach, ss es*-«-, säm u"6" bringen es fertig!
Militärisch wie alles, seit wir mit dem Pappkarton unterm Arm ins Lager einzogen, sind sie uns nähergekommen. Das hält dann aber auch zusammen. Das hält in Polen, Norwegen und Frankreich und überall, wo es einen Krieger hintreiben kann; bei Wind und Wetter, bei Sonnenschein und platzenden Granaten. Dann ist auch nicht nur an den Füßen eine Verwandlung vor sich gegangen, auch an den Händen und im Gesicht ist manches anders geworden. Man hat eine „Tapete" bekommen, braun, rissig und voll Schmarren, aber gesund und widerstandsfähig. Man fühlt sich wie ein richtiger Draufgänger, mit einem Schild gewappnet, auf dem vergangene, erlebnisreiche Fahrten eingd= zeichnet find.
Unten läuft man fest und ohne Schmerzen auf einer doppelten, dreifachen Haut, auf einer Schicht wunderbar dicker, unbezahlbarer Hornhaut. Mit Stolz befühlt man die elefantenmäßige Behäutung, die auf den tagelangen Vormärschen unsere beste Waffe gegen die feindlichen Angriffe brennender und sich mit Schmerzenswasser füllender Blasen ist. Kein Kursblatt könnte den Preis einer solchen Haut nennen, so wenig wie sich mtt Geld unsere Erlebnisse in die Gesichter zeichnen lassen.
Bis es dann eines Tages ein winzig dünner, rosaroter Schein fertigbringt, dem ganzen Soldatenleben ein Ende zu bereiten: UK gestellt. Man wird an einer anderen Stelle mehr gebraucht. Man vertauscht die Röcke und lebt in der Welt des Zivilisten noch eine Welle das Leben des Soldaten. Man ist nichts Halbes und nichts Ganzes.
Dann beginnen langsam die Ereignisse des Soldatenlebens von uns fortzuziehen und zu verblaf- fen. Wir gewöhnen uns wieder private, unsoldatische Manieren an. Dazu gehört das Verlangen, sich öfter als sonst zu baden, möglichst heiß und lange. Und wenn man in der Wanne sitzt oder unter der Dusche steht, sieht man unter Dampf und Hitze, rote sich auch an den Füßen die Rückwandlung vollzieht. Mit Kummer und krauser Stirn, daß man so gar nichts tun kann, um es aufzuhallen, wie man nichts tun konnte, um es fernzuhalten, als es kam.
Das kostbare Horn, der Harnisch unserer Füße, wird weich und weiß und lost sich wie eine Flocke, um, lautlos vom Wasser fortgetragen, im Ausguß- trohr der Wanne zu verschwinden. Manchmal sind
es ganz stabile Stücke, die Abschied nehmen. Fast wie Orden und Auszeichnungen für die ungezählten Kilometer, die man auf ihnen marschiert ist, nehmen sie sich aus.
Mit leisem Grimm betrachtet man die frische Haut unter den entblößten Stellen und denkt: Soldatenrock ausgezogen — Soldatenhaut abgezogen! Jedem das Seine.
Theaterzettel in alter Zeit.
Theaterzettel, die wir oft achtlos in den Händen halten und nach dem Ende des Stückes in einen Winkel flattern lassen, sind nicht selten die einzigen bleibenden Zeugen, die man von flüchtig verrauschenden Theaterabenden bewahren kann. So sorgte Heinrich Laube, als er die Direktion des Burgcheaters übernahm, zunächst für eine systematische Sammlung und Erhaltung der Theaterzettel, die wohl heute die wichtigste Quelle für die Geschichte der Burg sind.
Die klassische Bühne der Griechen und Römer kannte noch keine Theaterzettell Doch wurden durch den Prolog und Titel und ungefährer Inhalt des Stückes sowie die Namen der austretenden Personen mitgeteilt. Eigentliche Theaterankündigungen sind wohl erst zu Anfang der römischen Kaiserzeit aufgekommen. In Pompeft ist auf einer jener geweißten Wände, auf denen Bekanntmachungen aller Art mit schwarzer Farbe angebracht wurden, zwar nicht die Ankündigung einer theatralischen Aufführung, wohl aber die einer Gladiatoren Vorstellung zu lesen: „Des Aedilen Suettius Certus Gladiatorenfamilie wird in Pompeji am 1. Juni kämpfen. Auch eine Tierhetze findet statt. Ein Zeltdach ist vorhanden." Andere Ankündigungen haben den Zusatz: „Wenn das Wetter es erlaubt", auch wird erwähnt, daß wegen der Hitze während der Vorstellung mit Wasser gesprengt werden werde.
Als sich im Mtttelaller allmählich die großen Mysterienspiele herausbildeten und mit ihnen die Entwicklung einer neuen Theaterkunst anhub, brauchte zunächst niemand an eine Bekanntmachung zu denken. Standen doch die Spielzeiten in dem Kreislauf des kirchlichen Festjahres von vornherein fest, und Bürger und Behörden waren in ihrer Ge
samtheit an diesen Veranstaltungen beteiligt Da zudem Theater und Geschäft streng« getrennt waren, lag jeder Gedanke an Reklame fern. Aber die Zahl der darzustellenden Stücke wuchs, eine Auswahl mußte getroffen und in den größeren Städten die Bürgerschaft von den Einzelheiten der Ausführung benachrichtigt werden. Aus dem Jahre 1466 ist eine in niederdeutscher Sprache geschriebene, sehr ausführliche Ankündigung eines Hamburger Passionsspieles bekannt, die mehr die Tonart eines obrigkeitlichen Erlasses hat. Die Bürger werden darin aufgefordert, jeder nach seiner Möglichkeit „mit gutwilliger Handreichung, Förderung und gutem Willen zu beweisen, daß das Werk zum Besten der Seelen Seligkeit ausgerüstet werden möge. Die Sperren des Kapitels und des Rats werden dafür Sorge tragen, daß das Geld, das zu dem Spiel gegeben wird, für nichts anderes verwendet werde."
Als ältester eigentlicher Theaterzettel gilt erst ein für eine Rostocker-Aufführung 1520 in prächtigen Lettern gedrucktes Blatt: „Durch Gunst und Erlcnck- nis beider, geistlicher und welllicher Obrigkeit dieser Stadt Rostock wird man hier, so Gott will, am kommenden Sonntag als dem Tage Mariae zu der Ehre Gottes ein schönes inniges und merkwürdiges Spiel anrichten vom Stand der Welt und den sieben Alten der Menschen, wodurch in sieben Artikeln das Leiden Christi auf sieben Tageszeiten borge- stellt wird." Es folgt eine kurze Empfehlung des hohen moralischen Wertes der Aufführung. „Wer sodann das zu sehen beliebt, der möge nach dem Mittelmarkt kommen, da wird man um 12 anfangen." C. K.
Lyrik-Preis der „Oatne" 1940.
Auch im Kriege hat die „Dam e" ihr traditionelles Lyrik-Preisausschreiben betbe- hallen, und das Erlebnis des Krieges war, wie das im neuesten Heft veröffenllichte Ergebnis zeigt, bei mehreren Preisträgern bestimmend. Den ersten Preis (1000 RM.) erhielt Josef ß e 11 g e b , fünf weitere zu je 200 RM. fielen an Georg von der Bring, Wolf von Niebelschütz, Ruth Schaumann, Bodo Schütt und Artur Z i ck« l e r. Sämtliche Gedichte sind in der „Dame" ab« gedruckt.


