Smndtna 12. Jnnnnr 1907
157.^nT)rnanfl
Zweites Blatt
Nr. 10
Eilcheint tLgllch mit Ausnahme des Sonntags.
UW
1er-
runq.
der
wünschte Abschluß rcchtzeltig erreicht werden, so würde
belassende Gesetzentwurf unverzüglich dem Reichstag zu
imtcibreiten fein, damit das Provljonum glattweg durch
den
hat Wilde sicher nicht ini Stücke angeordnet.
O. R.
L e r i t a s.
I. Happ sind einfach entzückend.
Gießener
Gerade gegenüber ihren Gcgen-
d u n g und — enttäuschte.
&
genommen.
Tue Regierung das Abkommen ein halbes Jahr nicht erfolgt, so
Kn» t-^lorbu , b°irr.
Tie Hinweis in den
don Blume sind recht gut gelungene sprechende Älttagsbilder. > spielern (mit Ausnahme bc3 Derrn Tatos) fern sie kaum zur Lon den bunten Aepselrr iat grasgrünen Gras möchte rcy lieuei (beliiing, uno Frau v. Iageinann gefiel mir bedeutend besser, sa^en: hängt sie nicht an die Wand, sie verderben den guten Ge-s Freilich möchte ich doch noch lein sicheres Urteil fällen. Dian
Tle Sachlage ist also alles in allem folgende: Die 'Neuregelung der Handelsbeziehungen zu Amerika wird eine außer- ordentliche Sommertagung deS ReichSparlamentS zur Slot* wendigkeit machen, sofern nicht eliva biS Pfingsten schon cm vertragliches Abkommen vereinbart ist. Mit den entsprechenden Verhältnissen gegenüber Spanien wird sich der Reichstag in außerordentlicher Sitzung nur dann zu befassen haben, wenn erst nach Beginn der parlamentarischen Sommerpause Verständigung über einen Tarifvertrag sich erzielen lassen sollte.
Roerea und die Antiduelliga.
Ein Hochschullehrer schreibt der „Köln. Ztg.*:
Dor einiger Zeit erhielt ich, und mit nur wohl alle Kollegen, eine Aullorderung zum Beilrill zur Auiiduelliga. Gewiß werden vielen wie mir die Bestrebungen dieser Liga durchaus sympaihisch lein. Indessen empfehle ich folgendes zur Beachtung. Es ist an nch Pflicht jedes anständigen Menschen, die Ehre je.uer Mitmenschen hoch zu achten, und sich im privaten wie im öffentlichen Leben jeglicher Ehienkränkuug zu enthalten. Im besonderen Maße aber sollten überzeugte Tuellgegner sich dieser Pflicht erinnern, und, wenn sie ihrer Ueberzeugung durch Grl'nidung eines Vereins öjfcnthd) Nachdruck geben wollen, m ihrem Verhalten vorbildlich zu wirken jederzeit bemüht sein. Mit bielen Pflichten stehen die beleibiflcnben Augriise des OberlandeSgerichtSratS R o e r e ii gegen den Kolonialbirektor Dernburg, und mit ihm gegen den deutschen Kauimantioslanb nicht un (Sin- Hang. Hal er doch gegen einen Toten in daS Grab die Wort« nachgeriilen : den Hal mott gerichtet! Roe reu aber ist Dor- sitzender der LrlSgruppe der Anliduelliga für die Rheinprovinz! Ich mache die Herren Kollegen, insbesondere di« der Liga angehörigen, auf d eien Umstand nachdrücklich aufmerksam. Ich glaube nicht, daß die Liga Erfolge erzielen ivird, wenn sie sich nicht entschließt, ihren Mitgliedern die peinlichüe Vorsicht m Ehrenangelegenhellen zu empfehlen, und die Konsequenzen ans Herrn Roerens Verhallen zu ziehen. Ich selbsl habe in der Erwartung, daß dies geschehen würde, bisher mit dem Beilrut ge- zögeri, und ich kenne Kollegen, die enlschlossen sind, anszulrelcn, wenn der Vorstand der Liga sich nicht ohne besondere Aufforderung zu dem unserer Ansicht nach selbstversländltchen Schrille entschließl, 'Diuqlicbcr, die sich gegen den Geisl ihrer Satzungen in solcher 'H/eile per'ehlen, wie verr Roeren, und dadurch ihre Bestrebungen dlstredillereii, ans dem Verbände au-zuschlletzen.
Streit im antisemitischen Lager.
Merkwürdige Tinge, so wird der Nat. Ztg. aus Kassel geschrieben, scheinen hinter den ftultffen der Deutschen Reformer (Antisemiten) vorziigehen; es hat den Anschein, als ob sich abermals eine Spaltung der einen Anti - semiten-Gruppe bezw. die Geburt einer neuen oor- bereiten wollte, denn anders ist es kaum zu verstehen, wenn
Rotationsdruck unb Verlag ber Brühl'schen UnioersilälS - Buch- und Steinbruderei. R. Lange, Gießen.
Die „Gießener LamlilendlLtter" werden dem ,4lnzelger' viermal wöchentlich beigelegt, das ’ Kreisblatt für den Kreis Siehrn" zwo nal wöchentlich. Ter „tzefstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Gatten" von Oskar Wilde hatte uns schon ber Theateroerein gebracht. Gestern gastierte in ber damals von Frau Bohrhammer meisterlich gegebenen Rolle der Mrs. Eheveley Frl. Käte E a r -
J.e otuiiche UotUs/chule im Zuyre 1906.
Lllan schreibt uns:
Das verstossene Jahr war für die deuischc Volksschule kein Jahr des Fortschritts und der Erfolge. Ter preußischen Volksschule wurde ein SchulunterhaltungSgeictz beschert, daS leider nicht ist, waS fein Rame besagt. Tie Schulunterhallimgsfrage wird darin nicht gelöst. Turch das (Beicg werden für die Schule neue Mittel n.cht flüssig ge- macht — im Gegenteil, die Staatskasse wird mit 5 Millionen betauet ,zurn Zwecke der Ausgleichung i .billiger Verschiebungen in der Aufbringung der VollSschullastcn^, d. h. zur weiteren Entlastung der bisher zu Unrecht be- lofietcn .Gutsherren'. Im übrigen bietet das Gesetz keinen Schutz gegen Ucberlaftung der Gemeinden unb Steuerzahler mit Schulleistungen. Was die Lehrerschaft von dem Gesetz erivarieie, hat sich nicht erfüllt, unb wenn daS Gesetz selbst noch nicht alle Hoffnungen vernichtet hatte, so geschah dies durch einen politisch kaum definierbaren Erlaß des Kultus,tiinislers pom 4. 2)lai v. Js., den .BrcmSerlaß*, der darauf berechnet zu sein scheint, die aus eigenen Wiittcln die VollLschule unter- haltenden unb in der materiellen Fürsorge vorattschrettenden Gemeinden an dieser nationalen Kulutrarbett zu hindern. So bedeutungslos das Gesetz auf materiellem Gebiete ist, so lies greift cd in die Organisation unb das innere Leben der Volksschule cm. Tie preußische Volksschule wird dadurch kirchlich aufgeteilt. Obgleich vom Staate unb den poltttjchcu (ßtuiemben unterhalten, erichemt sie m dem Gesetz als eine kirchliche Dependance. Tie kirchliche Gliederung ber Vc- völkerung benimmt die Gliederung ber Schule. In kon- fefsionell gemischten kleineren Gemeinden werden voll em» wickelte Schulkörper unmöglich gemacht. Lehrer verschiedenen BcteuntnisseS können nur noch auSnahniSweise an derselben Lehrstätte wirken. Die Schule büßt den Charakter einer allgemeinen, für alle bestimmten Staatsanitalt em unb wirb, ruic Windthorst efl verlangte, em kirchliche« Institut. Tie schulpolitischen Forberungen beS Zentrums find damit m den durch das Gesetz Überhaupt betroffenen Gegenstäuben erfüllt. DaS ,auSgr|chaltete Zentrum' unb nicht das im Kompromiß vereinigte ParteUrtumvirat hat dem Gesetz seinen wcjentltchen Inhalt gegeben.
Heute würden wahrscheinlich weder die StaatSregierung noch die am Kompromiß beteiligten Parteien dem Zentrum eine so weitgehende Rittwirkung hirrter den Kulissen zugestehen. Die Partei hat durch die Auflösung des Retchstagrs unb die dieser Aktion oorausgegangenen Dinge einen starten Stoß erhalten. TaS i|t dec einzige lichte Punkt tn ber Chronik ber deutschen Volksschule im verstossenen Jahre.
Durch biese Vorgänge ist bie Volksschullehrerschaft über die schwarz-weißen Grenzpsähle hinaus eiilmungt unb verbittert worden. Man sagt sich: was in Preußen 1906 geschehen ist, kann im übrigen Deutschland 19()7 und später emtrclcn. Reaktionäre Ideen machen an den Grenzen erncs einzelnen Staates nicht Halt. Tas bayerische Schul- bedarfSgesetz von 1902 atmet denselben Geist, in materieller Hinsicht ist eS allerdings bester als das preußische. Andere Mittelstaaten haben sich zum Glück vorläufig durch das preußische Beispiel nicht beirren lasten. Hessen und Baden halten lucht nur an der dort fest eingebürgerten (simultan» schule fest, sie gehen auch in ber materiellen Fürsorge für die Volksschule tn bemerkenswerter Weise voran. In Baden wurden die gesetzlichen 9)hnoe|"igel)älter, bie in Preußen bekanntlich 900 bis 1800 M. betragen, auf 1500 bis 2800 M. erhöht, unb bie hessische Regierung legte kurz vor Schluß beS JahreS einen Gesetzentwurf vor, der die 9)1 in beuge l)äl ter auf 1100 bis 8000 M. festsctzen will. Eine Reihe von Kleinstaaten, u. a. Braunschweig unb Anhalt, haben dieselbe Lehrerbesoldung schon vor einigen Jahren erreicht. Im ,,Lanbe ber Schulen" bagegen, b. h. in drei Fünfteln des Deutschen Reiches, wirb gebremst. Diese Abkehr von bringenben Kulturaufgaben raubt dem preußischen Staats»
Kunstausstellung.
Gießen, 12. Januar 1907.
Ich möchte meine Ansichten über die Bilder aussprechen, die ich bei einem Gange durch die Kunstausstellung in mich aufnahm. Aber nicht über alle Bilder möchte ich reden, nur über einige, die meine besondere Beachtung sanden.
Gleich beim Eintritt in die Kunstausstellung stößt man links auf zwei neue Bilder von W. Barthel. Die Motive sind der »insachsten Natur entnommen. Es liegt ein gutes Können in der Ausführung, aber eine eigenartige Stimmung sprickst daraus, die man nicht gleich verstehen kann; man weiß nicht recht wohin damit. Ich glaube, man müßte erst noch andere machen von dem Künstler sehen, um diese Eigenart verstehen zu lernen. — An bie Kollektion „H e i n" wage ich mich nicht heran, an die „Vision des Mönches" schon gar nicht. Die i<ch nicht bewundern kann. Tagegen sand ich die Studie „Weibl. Akt" sehr schön unb manches andere reizend. — Tillacks „Meine Lieblingsblume" erinnert an Tapete, obgleich der „Weibl. Studienkopf" schöne Reflexe und Stimmung hat. — lieber das große Blumenbttd „Päonien" c>vn Lobedan (man sieht schon seit langer Zeit selten schöne gute Blumenstudien), freute ich mich beim ersten Anblick, konnte aber leibet bei eingehenderer Besichtigung dem Bilde meine 83c* H) unberung nickst zollen, weil die im Vordergrund stehenden Blumen eure zu unvollkommene Ausführung haben. Ein Bild Darj doch nicht hauptsächlich aus packendem Licht unb Schattenreflexen bestehen. — Rechts der blonde Struwweltopf von Sturmhoesel ist zu mächtig.. Radfahrende Nixchen mögen neu, modern, apart sein, aber es ist zu viel Tunst da — zarter Duft wäre mir lieber und wohl auch angebrachter gewesen. Die Stimmung im „fflbenb" ist schön, man kann sich die ganze Szene leibhaftig vor Augen führen. — Die „Dorfarmen" und die „Freibeuter"
Vertrag abgelöft werben kann. Befindet sich nun der Reichs» lag zur Zett des Vertragsabschlusses bereits m den Sommer» jenen, bann müßte er also zu einer außerordentlichen Sitzung cinbcrufen werden.
Anders liegt die Sache, wenn es bis zum 30. Juni nicht gelingt, die Verlragsverhandlungen zum Abschluß zu bringen. Aus einen Zollkrieg, wenigstens Amcrila gegenüber, dürfte es die Regierung kaum anfonimen lassen, wett sie die jflauere Verantwortung für bie unausbleibliche Schädigung der gesamten Rattonalwirtschaft nicht wirb allem tragen wollen. Es bliebe also nur übrig, öaS Provisorium nut Amerika nochmals auf einige Monate zu verlängern und hierzu die Genehmigung deS Reichstages einzuholen. Was Spanien anlangt, so ist das Einverständnis des Parlaments zu der Verlängerung des gegenwärtigen Abkommens bis zum
Dernburg unb die fortschrittlichen Frauen.
In einer Versammlung deS Vereins Fraiienwohl in Berlin klagte die Vorsitzende Frau Minna Gauner lebhaft über die Vorkommnlsie bet ber Versammlung deS kolonialen Aktionskomitees, in ber Dernburg feine bekannte Kolonialrede hielt und bei ber die Partei ber Denker unb Dichter die Frauen ausgeschlossen hätte. Trotzdem man einer Anzahl Frauen, bie darum nachgesucht hatten, Einladungen übersandte, fei ihnen ber Eintritt in bie Versammlung verwehrt worben mit ber Begrünbung, daß fein Platz vorhanden sei, trotzdem Scharen von Männern jeden Alters und Standes, ginn Teil ganz jugendliche Personen, ungehindert Eintritt sanden. Auch sei der Ausschluß der Fraiien in sehr wenig höflicher Form erfolgt. Ta nun der Kolonialbirektor Dernburg erst jüngst das Interesse der Frauen gerade für die Kolonien aufgerufen hat, so beschloß die Versammlung, ihn zu bitten, nun einmal direkt vor den Frauen zu reden unb barzulegen, wie sie in den Kolonien Helsen könnten.
TaS Ansinnen aber, baß Dernburg seine Rede vor einem weiblichen Forum wiederholen soll, geht doch etwas weit. Der Kolonialdirektor verfügt schiocrlich über unbeschränkte freie Zeit, unb seine Ausführungen liegen in soviel Blättern nn Wortlaut vor, baß bie Damen sie ohne Mühe Nachlesen können.
Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 61.
Redaktion: Tell-AdruAnzeigerGießen.
30. Ium d. Js. nicht nachgesiicht worden, dürfte auch davon Abstand nehmen, weil sie gelündigt und lediglich den Ablanftermin um hmausgeschoben hat. Ware die Kündigung
rztlich empfohlen.
Meyn djrdPlsktla trirohM
müßte die Dame erst einmal in einer Jbsenrolle sehen, außer als Shakespeares Käthchcn. Vorläufig machte sich eine große Steifheit geltend, und ich glaube kaum, daß im 4. Akte, den ich nicht mehr sah, das anders geworden ist. Man muß ja auch in Betracht ziehen, dcvß für das neue Theater nur gute Kräfte engagiert werden sollten und daß es gut ist, für jedes Fach mehrere Darsteller in mehreren Rollen gastieren ou lassen, um eine sichere Auswahl zu treffen. Frl. Cardung müßte sich, auch noch einer viel schärferen Ehararierzeichnung befleißigen — darum Ibsen! — und auch auf das Aeußere noch mehr geben. Gerade bei einem solchen Gastspiel wird jede Kleinigre.. in Be- trackst gezogen. Es sollen troßoem auch Vorzüge anerkannt werden- wie die frische, gesa-ulte Stimme. — Zu erwähnen wäre sonst iwd) lobend Lier Goring des Derrn Goll, der wirklich — ich weiß nicht, ob absichtlich — echt englisch war. Gerügt werden muß, daß hinter der Szene so viel rumort wurde. DaA
ssoLrtische Lages-c^a«.
Arbeit für den neuen Reichstag.
Reichs-Regierling will, wte em halbamtlicher besagt, den neuen Reichstag nicht zu lange Sommer hinein tagen lassen. Sie muß sich
Den „idealen
würde ber bestehende zollpolitische Zustand ohne weiteres als von Jahr zu Jahr verlängert gelten. Jetzt kann cs sich Spanien gegenüber nur darum handeln, ob nach dem 30. Juni ber Zollkrieg beginnen oder ein Tarifvertrag in Wirksamkeit treten soll. Rur im letzteren Falle wäre bie Genehmigung durch den Reichstag erforderlich.
also in der Fertigstellung von weiterem parlamentarischem ArbeilSinaterial Beschränkung aufcrlcgen, da ber burch die Auflösung deS Reichstags hinfällig gewordene umfangreiche ArbeitSfloff zunächst m Angriff genommen werden muß und u. a. neue Sieuergesetzentwüife schon m Aussicht gestellt sind.
Run liegt cs aber nahe, die Frage aufzuwerfen, wie es mit den handelspolitischen Vereinbarungen zwischen Deutschland und Spanien und Deutschland und den Vereinigten Staaten gehalten werden wird. Beiderseits beilegen bekanntlich provisorische Abmachungen, die, z. T. nach wiederholter Vertängerrmg, am 30. Ium d. I. ablaufen. Beiderseits sind bie Unterhandlungen über Tarifverträge, die zu diesem Termin in Kraft treten sollen, in der Schwebe. Die Washingtoner Regierung Hal sich schlüssig zu machen übet daS Maß zollpolttncher Zugeständnisse an Deutschland auf Grund der Ergebnisse der Beiprechnng ihrer Tclegierten mit Vertretern der 9<eicl)5regterung und des deutschen Exports. Die Unterhandlungen nut den Delegierten Spaniens sind in Madrid erfolglos geblieben unb werden jetzt m Berlin wieder ausgenommen. Es entzieht sich der Beurteilung, inwieweit Aussicht auf das Zustandekommen von Tarifverträgen besteht. Sollte in beiden Fallen, oder auch nur in einem der er-
wesen viele wertvolle Sympathien unb wird bannt zu einer nationalen Gefahr.
Ein hoffnungsloser, verbitterter Dolkßschullehrerstand ist nicht in der Lage, seine Ausgabe zu erfüllen. Wir brauchen in der Volksschule frische, für sich selbst und andere hoffende Brenschen! 9hir wer selbst von dem neuen Tage etwas erwartet, kann ein optimistisches Geschlecht erziehen unb bilden. Und nur em solche» wird den großen Ausgaben der Ziikunft gewachsen sein! Für bas Deutsche Reich können auch einmal trübe Tage kommen, Tage, in denen innere und äußere Krisen übeirounben werden müssen. WaS wir an idealen Gütern in Lebensauffassung und Gesinnung unserer Jugend anerziehen, bas ist baS sicherste Bollwerk gegen reden float» lichen Rückgang.
schmack. Dagegen ist es schabe, daß die „Azaleen" ihrer schönen Ausführung wegen stiefmütterlich in eine dunkle Ecke gestellt wurden. — Bon den drei Bildern von F r i e b c l haben der „Studienkops" und die „Italienerin" eine zu trübe Stimmung; das Kinderbildnis hätte der Künstler lieber nicht ausstellen füllen, aber es wird interessant sein, in Zukunft beobachten zu können, welche Fortschritte der junge Künstler machen wird. — Ter „Frühlingeabend" von Wucherer führt uns hinaus in die Natur; ich meine, das wäre das beste, was man von einem Bilde sagen könnte. — Tie Studie „Motiv aus der Schwalm" von E. Wessel verlangt Krilik. Wenn man nicht auf dem Gras sähe, wo Licht unb Schatten ist, könnte man diesen überhaupt nicht finden. Die grünen Bäume hören in einer dichten Masse auf. Gleich darüber liegen diae schwere Wolken; es fehlt dazwischen Abschluß der Bäume unb dem Himmel jede Entfernung. TaS ist unnatürlich. Ter junge Künstler, man kann ihn wohl so nennen, soll fleißig die Natur weiter studieren, da er bie schönsten Anlagen hat, diese vor Auge und Herz zu führen. — Tie „Nonne im Chor" von C i p r i a n i ist eine wundervolle Arbeit, aber das Verhältnis in der Figur zeigt nach meinen Begriffen ein unausgeglichenes Maß. „Märzenschnee" und „Beginnender Frühling" von Klatt sind herrliche Naturbilder, an denen man sich lange in stiller Befrachtung er,reuen kann. — Tie Kollektion der Plaketten von Luise Staubinger aus Darmstadt ist hervorragend unb der Bewunderung wert. — Tie Aquarelle von
— Am Mittwoch führte, wie un5 aus Berlin geschrieben wird. Dir. Reinhardt in seinen Kammerspielen „T a S F r i e - densfest", eine Famikienkatastrophe, Bühnendichtung in drei Vorgängen — von Gerhart Haupt mann, so lautet der langatmige Titel — auf. Bereits vor 17 Jahren erlebte das Stück bei seiner Erstaufführung buru; „Die freie Bühnc" c.ne glatte Ablehnung, und wenn das Publikum, sich auch aus Ac.;tung vor dem Dichter diesmal Irebenswürdiger erwies, so ift doch taum anzunehmen, daß sich das Werk lange auf dem Spielplan halten wird, obwohl Tarstellung und Inszenierung Ntusterhasr waren. Es ist dramatische ftiemmalerei, die ber Autor aus dem FF versteht, aber die Handlung ist gar zu dürstrg, unb alle Personen benehmen sich wie von Sinnen. Man hat immer das Gefühl, als müßte einer mal gründlich dazwischen fahren, damit bie Gesellschaft zur Besinnung kommt. Wenigstens habe ich feinen anderen Eindruck von der unerquicklichep Geschichte mu nach HauH.
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Fleiocr Cobo
AL gevrMe, m. ft. M ne Wocbent'llegcn pcbmiunei, bie linde irrt; ivb, emviiehllsch. j» Mft.A.,Scbll!erstt-',
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