der Abg. Zimmermann die Kandidatur Simons in Kasscl-Melsungen billigt und der Abg. W ern er-Kassel diese Kandidatur nicht billigt. Wohlgcmerkt, beide gehören dem Zentralvorstande in Berlin an. Ter Landesverband derselben Reformpacrei in Kuvhessen hat nämlich, wie mitgetcilt, den Brotfabrikanten Hauptmann a. D. Ernst Simons-Kassel als Kandidaten für die Wahlkreise Kassel-Melsungen und Hos- geiSmar-Wolfhagen-Rmteln aufgestellt. Diese Aiifstellung mar nur von dem Landtagsabg. Werner in einer öffentlichen Erklärung dementiert worden mit dem Hinzusügen, die Parteileitung wisse von einer derartigen Aufstellung nichts und werde einer solchen auch die Zustimmung versagen. Die Neforuipartei wolle keine Zersplitterung der antiseniitischen Stimmen rc. Demgegenüber erklärt nun aber der kaltgestellte antisemitische Reformkandidat Simons, das; die Behauptung des Abg. Werner nicht richtig fei, im Gegenteil; er sei im Besitze der offiziellen Zustimmung der Parteileitung, unterschrieben von dem Pacteivorsland Ziniinermann. Obendrein habe das offizielle Organ der deutschen Reformpartei am 6. Januar seine Kandidatur offiziell proklamierL
Aus dem preukischcn Abgcorduetcnhause.
R. Berlin, 11. Januar.
Um den Fürsten Bülow reden zu hören, ivaren heute viele ins preuß. Abgeordnetenhaus gekommen. Denn, so meinte man, eine solche Gelegenheit, dem vielerörterten „Sitvetzerbrief" ein Postskriptum anzufügen, die Absichten und Ziele des Verfassers gegenüber der unwirschen Kritik aus den Parteilagern zu erläutern, nochmals zur Sammlung auf die Parole der Regierung aufzu- sordern, eine solche Gelegenheit werde sich Fürst Bülow wicht entgehen lassen. In der dritten Nachmittagsstunde ging ein Raunen durch die Tribüncnrcihen, soeben sei der Wagen des Reichskanzlers vorgesahren. Wie zur Bestätigung erschien auch der Chef der Reichskanzlei, Herr v. Loebell, auf der Regierungsestrade. Aber Fürst Bülow folgte n i ch t. Statt seiner Rede vernahmen die enttäuschten Besuä)er eine Rede des Kultusministers v. S t u d t. Mit Unwillen verwahrte sich der „Minister des Geistes" gegen den vom Dr. Friedberg (nl.) erhobenen Vorwurf, die orthodoxe Richtuilg in der Theologie besonders zu begünstigen und einen entsprechenden Einfluß auf die Koiisistorien c(uszuüben. Der neben Herrn v. St'udt sitzende Finanzminister Frhr. v. Nheinbaben studierte während der unbehülflichen Abwehr mit heißem Eifer und scheinbar ganz und gar in Anspruch genommen. Aktenstücke. ES entsteht immer am Ministertisch eine gewisse Verlegenheit, sobald Herr v. Studt sich zu einer Erklärung erhebt.
Nicht einmal die Hvssnung ging in Erfüllung, etwas wie Wahlreden von den Abgeordneten zu hören. Der Wortführer der Konservativen Frhr. v. E r f f a tat gleich als erster Sprecher zum Etat zu wissen kund, daß im Seniorentvnvent beschlossen worden sei, sich an die preußiscl)e Politik zu halten. Infolgedessen räumte einer nach dem anderen unten im Parkett das Feld, und Herr v. Erffa sprach laut ‘isnb bieder, aber nicht eben sehr unterhaltsam vor etwa zwei Dutzend Frallionskvllegcn. Als mit kräftigen Lungen gesegnete Männer von der Scholle brachten sie aber auch in dieser Zahl etliche dröhnende Bravorufe auf, z. B. bei dem Dank, den Herr v. Erffa Herrn v. Podbielski für die vorzügliche Vertretung der Landwirtschaft zollte, oder bei der Forderung, daß für die deutsche Viehzucht gar nicht genug geschehen könne.
Graf P r a s ch m a vorn Zentrum erwähnte nicht mit einem Wort den Konflikt zwischen Zentrum und Regierung. Nur meinte er im Eingang seiner Darlegung etwas sarkastisch, der angebliche Druck, der auf dem deutschen Volke gelastet, könne angesichts der glänzenden wirtschaftlichen Entwicklung kein so großer gewesen sein. Und am Schluß bemerkt Graf Praschina, zu neuen Steuern zu greifen, habe das Reich nicht nötig, da die Finanzlage der Bundesstaaten günstig genug erscheine, um durch die Bundesstaaten etwaige Fehlbeträge im Reich decken zu lassen.
An der Rede des Frhrn. v. Zedlitz (frk.) war das Bemerkenswerte, daß sie völlig frei, ohne jedes Notizblatt, gehalten wurde; von dem Inhalt verstand man nur wenige Sätze. Wird Frhr. v. Zedlitz in den Reichstag gewählt — er kandidiert für den altershalber auf sein Mandat verzichtenden Abg. v. Kardorff — so wird die Neichspartei zu wichtigen Erklärungen einen besseren Sprecher entsenden müssen, als Herrn v. Zedlitz, der die Hälfte der Worte verschluckt.
Der Einzige, der heute der Etatsdebatte Leben einzuflößen verstand, abgesehen von dem heftigen Polenredner Sthchel, war der nationalliberale Führer Dr. F r i e d b e r g. Er hielt sich zwar auch an die Abmachung „Keine Wahlreden", dennoch gruppierte er so geschickt und so frisch alle die „Fälle", die im Laufe des Jahres Aufsehen hervorgerufen,, bis zur Tragikomödie des Hauptmanns.von Köpenick, daß doch sckstießlich eine agitatorisch verwertbare Rede dabei herauskam. Dem vom Fürsten Bülow beliebten Tableau von den Sünden der Parteien stellte Abg. Dr. Friedberg unter Heiterkeit und Beifall die „Sünden der Negierung" gegenüber. Besonders eingehend beschäftigte sich Friedberg mit den zentrumsfreundlichen Neigungen des Kultusministers. So lohnte wenigstens diese Rede den Besuch des Abgeordnetenhauses. Morgen sprechen noch die Vertreter der Freisinnigen. Der Wahlkampagne wegen wird diesmal die Erats- Diskussion auf nur zwei Tage znsammengedrängt.____________
Aus Staöt und Land.
Gießen, den 12. Januar 1907.
" Hoftrauer. Auf Befehl Sr. Königs. Hoheit des Groß Herzogs wurde aus Anlaß des Ablebens der Kö nig i n Marte von Hannover eine Hoftrauer für die Zeit vom 9. bis 16. Januar angeordnet.
* ' Der a. o. Theologie-Professor Dr. Henkel in Berlin hat gestern abend dem Dekan der hiesigen theol. Fakultät nutgeteilt, daß er den Ruf nach Gießen angenommen hat.
* * Die 50jährige Doktor-Jubelfeier begeht am 15. Januar der ordentliche Professor der klassischen Philo- logie und Archäologie an der Universität Tübingen Dr. Ludwig von Schwabe. Der Semor der Tübinger philosophijchen Fakultät sieht im 72. Lebensjahre. Geboren am 24. Juni 1835 in Gießen, erhielt Schwabe seine Vorbildung am Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte hier und in Göttingen. Den Doktorgrad erlangte er a>n 15. Jan. 1857
an der hessischen Landes-Universität. Im Jahre 1859 habilitierte er sich hier in Gießen als Privatdozcnt und wurde vier Jahre später zuiii a. o. Professor ernannt. 1864 folgte er einer Berufung als ordentlicher Professor der klassischen Philologie und Archäologie nach Dorpat, von wo er 1872 in gleicher Eigenschaft nach Tübingen übersiedelte.
"Der nächste Vortrag der Gesellschaft für Erd- und Volkerkiinde findet am 18. Januar statt. Hofrat Dr. Hagen, Direktor des Mllseunis für Völkerkunde in Frankfurt, wird über einige Ergebnisie seiner letzten Reise in Niederländisch-Indien reden.
• • Ernannt wurde der Gefangenwärter an der Zellen- sirafanstalt Butzbach Joseph Münch ziim Gefangeuailfseher.
** Der Bezirkstag des Kriegerbezirks Gießen, dessen bisheriger 1. Vorsitzende, Bruchhäuser, sein Amt niederlegte, wählte den Kaufinann Fischbach-Gießen zum 1. Vorsitzenden. Das diesjährige Bezirksfest findet in Da »bringen statt; der dortige Kriegerverern feiert gleichzeitig sein 30jährigeS Bestehen. Wahrend seither alle zwei Jahre ein Bezirksfest stattfand, ist bestimmt worden, in Zukunft alljährlich ein Bezirksfest abzuhalten, da jetzt zahlreiche Vereine ihre Jubiläen feiern und ihnen Gelegenheit zum Bezirksfest gegeben werden soll.
" Der Kriegeroerein Gießen feiert heute abend im Gießener Festsaal (Caiö Leib) sein 33 jähriges Stiftungsfest. Nach dem vorliegenden Programm verspricht das Fest ein sehr schönes zu werden. Die Theateraufführungen werden von Mitgliedern des hiesigen Stadttheaters vorgenommen. Außerdem tritt zur weiteren Unterhaltung ein guter Humorist von Frankfurt auf.
"Der evangelische Arbeiterverein ist infolge tatkräftiger, finanzieller Beihülfe von geschätzter Seite sowie Entgegenkommens des unter der Leitung des Musiklehrers Bauer stehenden Gesangvereins Sängerkranz in der Lage, nach längerer Pailse wieder einmal ein Volks ko nzcrt zu veranstalten. Es findet Sonntag, den 20. Janiiar, nachmittags 5 Uhr, in der Turnhalle statt unb zwar wird der geuaiiuie Gefangverein unter Mitwirkung namhafter aus- wärtiger Solisten nnb der NegimentSkapelle sowie anderer einheimischer Künstler das Tonwerk „Das Lied von der Glocke" (Gedicht von Fr. Schiller, in Musik übersetzt von Max Arlich) ziir Aufführung bringen. Um ancl) solchen, die nicht Mitglieder des evangelischen Arbeitervereins sind, zii ermöglichen, sich an der Aufführung, die vor einigen Wochen einen bedeutsamen Erfolg erzielte, zu erfreuen, werden auch in der Challier'schen Musikalienhandlung Eintrittskarten zu I Mk. an Nichtnutglieder verkaiift. Doch ivird man gut tun, sich rasch eine solche Karte zu sicherii. Der Eintrittspreis für Mitglieder des evangelischen Arbeitervereins ist sehr niedrig gestellt (20 Pfg.). Es soll ein echtes imb rechtes Volkskonzert sein. Texte sinb am Eingang sowie in der Challierfchen Musikalienhandlung zu haben. (Pgl. Inserat.)
* • Die Anlagemusik findet am morgigen Sonntag mit folgendem Programm statt: 1. Onoertnre zu „Indra" von Liucke, 2. Martm-Walzcr von Zeller, 3. Friedensfanfare vo>i Bohm, 4. Armee-Marsch Nr. 145.
— Steinbach, 11. Jan. Unsere Gemeinde hat die Er- banung einer Wasserleitung beschlossen, die Arbeiten werden noch in bicfcm Monat vergeben und alsbald in Angriff genommen. Als Quelle dient der wasserreiche Teich nahe dem Rathaus, das Unterdorf erhält das Äasser direkt aus der Quelle, während für das Oberdorf an der Straße nach Gießen ein 130 Kubikmeter fassender Hochbehälter errichtet wird, in den das Wasser mittels Motor gepumpt wird. Die Kosten der Wasserleitung werden 50—60 000 Mk. betragen. Der in Aussicht genommene R eu - bau eines Sch ul Haus es wurde mit Rücksicht auf den Wasser- leitungsvau verschoben.
8 R ü d b i n g s h a u s e n , 10. Jan. Unser Gesangverein „Eoneordia" in Rüddinghausen beabsichtigt am 16. und 17. Juni d. I. ein Sängerfest nebst Fahnenweihe zu veranstalten-. Tie neue Fahne wird von der altbekannten Firma Mar Hisgen & H. Schmidt in Lich in kunstvoller Ausführung geliefert. Gleichzeitig soll an biefdin Tage auch unser drei-, k l a s s i g e s nach dem Entwurf des Baurats Diehm-Gießen erbautes Sch ul Haus eingeweiht werden. Möge der Himmel an diesen, beiden Tagen ein rech: freundliches Gesicht machen, damit unseren Besuchern ein recht schönes Zusammensein beschert werde.
X Alsfeld, 11. Jan. Auf Wunsch der Stadt und infolge der Bemühungen des Abg. Reh wird mit Beginn des neuen Schuljahrs die hiesige Realschule zu einer Ober-Realschule ausgebaut. Die Stadtvertretung bewilligte vorbehaltlich des näheren Bescheids der Regierung 11 000 Mk. für Anschaffung von Lehrmitteln usw. für die neu zu errichtende Klasse. Die Realschule zählt gegenwärtig nahezu 200 Schüler und 10 Lehrer. — Der Stadtborstand beschäftigte sich dieser Tage mir der hier herrschenden Wohnungsnot und den dadurch bedingten hohen Mietpreisen und anderen Mißständen. Die Finanz- unb Baukommission wurde beauftragt, nach dieser Richtung hin Abhilfe zu schaffen. Es besteht die Absicht, weiteres Baugelände zu eröffnen und die alten Dolksschulgebäude zu Wohnungen umzubauen.
Gießener Strafkammer.
.)( Gießen, 11. Jan. Zechprellerei.
Der Dienstknecht W. W. ans Lichenroth ließ sich in einer hiesigen Wirtschaft Speisen unb Getränke verabfolgen. Nachdem er diese verzehrt hatte, verschwand er in einem unbewachten Augenblick, ohne die Zeche, zu begleichen. Er wurde wegen Zechprellerei unter Anklage gestellt uub die Anklage verurteilte ihn wegen Betrugs im Rückfall zu der Mindeststrafe von 3 M o n a i e n Gefängnis.
Vier Zahre Zuchthaus für Sittlichkeitsverbrechen.
Gegen den Tagw.)ner A. K. von Lich i|t wegen Sittlichkeitsverbrechen Anklage erhoben. Als im vorigen Jahr sein unsittliches Treiben beobachtet und angezeigt wurde, stellte es sich heraus, daß er vor etwa acht Jahren sckwn sich an schnl- pslichtigen Mädchen in unzüchtiger Weife vergangen hat, nachdem er bereits im Jahre 1891 wegen Sittrichkeitsvero reche ns eine Strafe erlitten hat. Als eine Frau, die Uy.i bei seinem unsauberen Treiben ertappt hatte, die Sache weiter erzählte, besaß er die Kühnheit, diese wegen Beleidigung vor das Sühnegericht zu laden. Nach dem Ergebnis der Lerhaild.ung mußte angenommen werden, baß ihm weit mehr zur Last fällt, als die Anklage annimmt.
Das Gericht verurteilte ihn zu einer Zuchthausstrafe von 4 Jahren und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre ab. Es nahm an, daß das Kind, an dem er sich in der letzten Zeit vergangen hat, moralisch tief steht und ihm wenig Widerstand entgegengebracht hat, daß aber dieser moralische Defekt auf das Verhallen des Angeklagten zurückzufuhren ist. Dick eminent ehrlose Gesinnung, die sich in seinem ganzen Gebahrew offenbart, rechtstrtigte die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf längere Dauer.
Mietschwindel und Tiebstahl.
Der Schlosser A. D. aus Brooklyn kam im vorigen Jahr nach Gießen und mietete sich bei einem Schneider ein möbliertes Zimmer. Er gab an, er sei Elektrotechniker und wolle am nächstfolgenden Tag bei der Bahn in Stellung treten. Als er am andern Morgen, angeblich um seine Sachen zu holen, weggegangen mar? merkte sein Zimmerherr, daß ihm ein paar neue Stiesel fehlten. Da B. nicht mehr zurückkehrte, mürbe nach ihm geforscht und es ergab sich, daß er die Stiefel in Friedberg an einen Althändlest verkauft hatte. Von dort begab er sich nach Bad-Nauheim, wo er sich unter den nämlichen Umstünden bei einem Gärtner einlogierte. Auch von da verschwand er unter Mitnahme einer Uhr und Kleidungsstücken. Seine Strafliste ergab, daß er eine sehr getrübte Vergangenheit hat. Einen großen Teil seines Lebens hat ct im Zuchthaus zugebracht. Man neigte zu der Annahme, er habe die Mietschwindeleien verübt, um sich Gelegenheit zum Diebstahl zu verschossen. Das Gericht fetzte für den einen Diebstahl 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus an, für den zweiten 2 Jahre und für jeden Betrug 6 Monate Gefängnis, die es mit je 4 Monaten Zuchthaus in Ansatz brachte. Diese Strafen wurden auf eine Gesamtstrafe von 4 Jahren Zuchthaus reduziert und dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre abgcsprochen.
Ter Begriff der „öffentlichen" Beleidigung.
Der M)omacher H. G. zu Dangen hat gegen den Spengler- meister H. R. dorten Privatklage erhoben, weil er ihn einen „Tagdieb" genannt hatte. Das Schöffengericht DerurreUte ihn wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 10 Mk. Der Kläger verfolgte Berufung, um auch die Befugnis zur Urteils- publikation zu erlangen, da die Beleidigung öffentlich erfolgt ist. Nach den Entscheidungen höherer Gerichte ist der Begriff der Oessentlichkeit gegeben, wenn die Beleidigung an einer Stelle erfolgt, wo sie von einer unbestimmten Anzahl von Personen gehört werden kann, es ist nicht nötig, daß sie auch tatsächlich gehört wird. Im vorliegenden Fall ist die Beleidigung in einem größeren Hof, bet von sechs Häusern umgeben ist, gefallen und konnte somit von einer großen Anzahl gehört werden. Trotzdem war die Strafkammer der Ansicht, daß eine ö,fentllche Beleidigung nicht vorliegt, da der betreffende Hofraum nur von den Bewohnern der sechs Häuser, bezw. den Berechtigten betreten werden darf und der Hof nicht etwa ein Durchgang ist, der von jedem benutzt werden kann. Die Beleidigung war nur wahrnehmoar von den Leuten, die in dem Hofe wohnen ober zur Zeit dort waren. Sie verwarf demgemäß die Berufung des Klägers und legte ihm die Kosten der zweiten Instanz auf.
Vom Sühnetermin.
Ein früherer S t n d e n t h tte gegen einen hiesigen Beamten wegen Beleidigung Privatklage erheben lassen. Das Schöffengericht kam, ohne Quf den materiellen Inhalt der Klage einzugeyen, zur Einstellung des Verfahrens, indem es auSsühcte, daß nach § 420 der Strafprozeßyrdnung die Erhebung der Pnvat- l'lage erst bann zulässig, wenn ein vorausgegangener Sühne- venuch erfolglos verlauicn ist; der Kläger muß hierüber eine Bescheinigung mit der Klage einreichen. Der zweite Absatz die^.s Paragraphen bestimmt, daß diese Bestimmung nicht platzgreist, wenn die Parteien nicht in demselben Gemeindebezirk wohnen. Bezüglich der hier in Frage stehenden Klage wurde feftgeiutlt, daß der Kläger zur Zeit der Erhebung der Klage noch in Gießen war. Der Kläger hatte sich zwar schon tags zuvor polizeilich abgemeldet und zwar am 29. August vorigen Jahres für den 1. September; die Klage wurde am 30. August bei Gericht eingereicht. Gießen ist zweifellos bis 1. September als Millel- punll b.r ganzen wirtschastrichen Tätigkeit oes Klägers anzusehen, wenn er sich, loic, gellend gemacht wurde, zeitweise auf Reisen befunden hat. Der Kläger erhob Berufung und ließ durch feinen Vertreter den Antrag stellen, die Sache in die Vorinstanz zurück- zuverweisen. Das Berufungsgericht schloß sich den Ausstihrungcn des Schölfengerichts an; es führte weiter aus, daß der Kläger durch die polizeiliche Abmeldung zum 1. September, als b£ zu diesem Tag in Gießen wohnhaft angesehen werden wollte. Die Berufung wurde verworfen unb der Klager mit samt- lichen Kosten belastet.
Gcröchtrsaat.
[J Marburg, 11. Jan. Die Stra f kammer verurteilte heute die Ehefrau Auel aus Ziopperhaufen, die einem Kaufmann in Frielendorf 20 Mark schuldete und sich darüber eine Quittung ausgestellt hatte, wegen Urkundenfälschung zu 4MonatenGefängnis.
Hamburg, 11. Jan. In dem Beleidigung s Prozeß des Kritikers Anton Lindner gegen den Dramatiker Otto Ernst wurde in der Berufungsinstanz vor dem Landgericht ein Vergleich erzielt, wonach Otto Emst seine beleidigenden Aeußerungen als in Form und Inhalt unberechtigt mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknimmt und die Prozeßkosten trägt.
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Rian verlange jedoch ausdrücklich das echte,,Dr. Hotnmcl's" Hacmatogcn und lasse sich keine der vielen Nachahmungen aufrcden.
Kreuzstern
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kostet das neue, von der Maggi-Gesellschaft in den Handel gebrachte kleine Probcfläichchen. Jede Hausirau, die AGGIS Würze noch nicht fenut, sollte einen Versuch damit machen. [Cl,/j
Man verlange aber ausdrücklich rO Pfg.-Fläschchen.


