Ausgabe 
1.5.1906 Erstes Blatt
 
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Eür Lokalpoet, der auch uns gegenüber anonym geblieben Dst, hat sich auf den Flügelgreifen geschwungen und. zum Laisertagc uns folgende Verse gesandt:

Welch' ®ctünune[ aus den Straßen,

Welches Fragen hin und her: ^Wird der Kaiser heut' wohl kommen? Ist'A nicht wieder eine Mär?" Doch geduldig harrt die Menge, Ihren'Kaiser zu empsah'n.

Da aus einmal welch' bedränge, Welcher Qnbet bricht sich Bahn 1 Freud'ger Zuruf wird vernommen, Jubelnd tonts von Mund zu Mund: Endlich wird der Kaiser kommen, Einer tuts dem andern kund. Unser Kaiser, unser Kaiser.

Seht dock, seht, er nahet schon, Kaiser Wilhelm ist gekommen!

Heil Dir, Hohenzollernsohn!

4. Sitzung der Großh. .Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll-Aus zug.

Gießen, den 25. April 1906.

Anwesend die Herren Kommerzienrat Heicknllheim. Stellver­tretender Vorsitzender, Dürbeck, Friedberger, Grünewald, Jhrmg, Klingspor, Nowack, Rinn, Röhr, Kommerzienrat Schirmer, sowie der Syndikus Dr. KUipper. . _ v

1. Aus dem Geschäfts-Bericht ist Folgendes nnt- zuteilen:

a) Dem Großh. Ministerium des Innern hat bte Handelv- kammer einen Bericht erstattet über die in ihrem Bezirk vorhandenen notleidenden Risiken in Bezug aus die Versicherung von Mobilien gegen Feuersgefahr. Ter Kammer sind nur wenige Fälle bekannt geworden, , in denen eine Versicherung von Mobilien gegen Feuersgefahr trotz wiederholter Bemühungen nicht zustande gekommen ist. Da­gegen wurden der Kammer von vielen Seiten Beschwerden geäußert, über außerordentliche Erhöhung der Versicher­ungsprämien, ohne daß bei den betreffenden Objekten eine Risikoveränderung eingetreten ivar, sowie über das Ver­langen der Versicherungsgesellschaften, einen Teil des Ver­sicherungswertes in Selbstversichernng zu nehmen.

b) Zu dem Sommerfahrvlan der ^otaatsb ahnen bat die Handelskammer noch einige Mänderungsanträge ge­stellt, die z. T. berücksichtigt werden konnten.

Infolge wiederholter Bemühungen der Kammer wird der Freitags- und Sonntagszug 1063 Fried- berg-H ungen vom 1. Mai ab um 45 Minuten später gelegt, sodaß er bei seiner. Ah fahrt aus Friedberg Jab 11,55 abends) noch "bic Anschlüsse von Personenzug 789 Frankfurt a. M.-Friedberg (Frankfurt a. M. ab J.0,37 abends) und ^»cknellzug 43 Frankfurt a. M.-Cassel (Frank­furt st. M. ab 11,15 abends', sowie von Personenzug 919 Homburg-Friedberg (Homburg ab 11,00 abends) aufnimmt.

Ferner wird Persottenzug 953 Heidelberg - Frank­furt a. M. im Sommerfahrplan schon um 4,23 nachmittags in Frankfurt a. Di. eintreffen, sodaß hiermit ein d i r e k t e r Anschluß von Darmstadt an Schnellzug 77 Frankfurt a. M.-Gießen (Frankfurt a. M. ab 4,30 nachmittags) hergestellt wird.

Persvnenzug 530 Fulda-Gießen (Gießen an 9,50 abends) wird mit Rücksicht auf die Postübernahme in Ehringshausen einen etwas längeren Aufent­halt erhalten.

Dagegen wurde der im Interesse des Touristenverkehrs gestellte Anttag, den Persvnenzug 1399 Stockheim- Gr e b e n h a i n - K r a i u f e l d (Grebenhain an 8,52 abends) bis Lauterbach Weilerzuführen, da jetzt der letzte Zug von Grebenhain nach Lauterbach schon um 5,48 nachmittags abfährt, für den Sommerfahrplan 1906 abgelehnt, weil er von den Interessenten zu spät eingegangenen war. Es sei deshalb hier rwchmals daraus hingewiesen, daß die Eisenbahndirektion Anträge auf Einlegung neuer Züge oder auf erhebliche Verschiebung bestehende^ Züge,, die mehrere Direktionsbezirke berühren, für den Sommertahr- vlan bis zum 25. September des vorhergehenden Jahres, für den Winterfahrplan bis zum 25. März desselben Jahres zu erhalten wünscht, weil nur dann eine eingehende Prüf­ung vor den allgemeinen Fahrplankonferenzen und eine eventuelle Berücksichtigung möglich ist. Geringfügige Zug­änderungen, insbesondere solche, die nur ihren Bezirk be­rühren, wird die Cisenbahndirektion Frankfurt a. M. twch in Erwägung ziehen, wenn sie für den Sommersahrplan bis' zum 15. November und für den Winterfahrplan bis zum 15. Mai beantragt werden.

c) Für den Sommerfahrvlan der Biebertalbahn hat die Handelskammer eine geringe, Früherlegung, des Zuges 8 Gießen-Bieder beantragt, sodaß er in Abendftern Anschluß an Staatsbahnzug 111 nach Lollar (Abendstern ab 1,31 mittags erhält. Diesem Antrag wurde entsprochen, htbem Zug'8 viom 1. Mai ab um 12,23 von Gießen abfährt. Ferner hat die Handelskammer die Beförderung von Post­paketen mit Zug 18 der Kleinbahn (Gießen ab 6,25 nach­mittags) nach 'Heuckelbeim angeregt. Von dem hiesigen Postamt wurde diese Beförderung in Mssicht gestellt.

b) Der König!. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. hat die Handelskammer den üblichen Berickt über die Lage des Eisenerzbergbaues im Handelskammer-Be­zirk während des 1. Quartals, 1906 erstattet. Hiernach waren die Förderung und der Absatz der Erzberg­werke des Kämmerbezirt's günstig, soweit nickt Witterungs- einflüfse und Wagenmangel ungünstig einwirkten.

e) Wn^ der Beisetzung des Präsidenten der Handelskammer Mainz, des §ernt Geheim en Kommerzienrats St. E. Michel, hat sick die Kammer durch ihren Vor­sitzenden beteiligt und an der Bahre des Verstorbenen einen Kranz niederlegen lassen.

(Schluß folgt.) l ..... ..

Ausland.

London, 30. April.Daily Telegraph" meldet ans Tanger, feßB verschiedene Provinzialgouverneure m eine Versckwöru n g «gegen den Sultan von M a ro kko ^verwickelt sind. Diese Gouverneure, welche von den großen Vaassen des marokkanischen Volkes unterstützt werden, verlangen, daß der Sultan alle Be­ischlüsse derMarokkokvnferenz ablehnen soll. Falts bet Sultan Nickt entschiedene Opposition gegen die Versuche der mrropäischen Mächte, Einfluß, in Marokko zu gewinnen, macht, lsvll er feines Thrones vcrlufti- erklärt werden.

'vDaily Telegraph" meldet aus Durban, daß bereits Zusammenstöße zwischen den Natalt rupften und den «aufständischen Znluncgcrn stattgefunden haben. Den. Aufständischen wurde eine derartige Niederlage beigebracht, daß sie in großer Unordnung flüchten mußten. Die Gährung !unter der eingeborenen Bevölkerung dehnt sich aus.

< Budapest, 30. April. Bisher siud 163 Wahlresul- 'ttate bekannt. Hiervon entfalten aus die Unabhängigkeitspartei 116, auf die Verfassung sparte i 24, auf die beutic^c Partei 8, auf die Serben 3, aus die Sachsen 5, auf die Demokraten 1. Wetter wurde ein Parteiloser gewählt. In Bekanmozo griffen auf- ständige Rumänen die Wähler der Unabhängigkeitspartei an. Gendarmen machten von ihrer Waffe Gebrauch und töteten träten Rumänen. Einer wurde schwer verletzt.

' Be lgrad, 30. LLpril. Endlich 'gelang eS Pasckitsch, ?fein Kabinett zu bilden. Die Ministerliste lautet: Paschitsck Präsidium, Aeußeres und interimistisch Bauten, Stviau Pro titsch Inneres', Dr. Lawr Patscku Finanzen, Dr. Wesnitsck (Ge­sandter in Paris' Justiz, Audra Nikolitsch Unterricht, General Putnik Krieg und Unioevfitäd-poofeffor Ldofta Stojanolvttsch Handel.

Mnisterkrifis m Oesterreich.

(Von unserem Wiener Korrespondenten.)

Seit beinahe zehn Jahren bilden die Ministerkrisen eine tehende Rubrik in den Spalten der Wiener Presse, denn entweder kriselt's in Cis- oder es kriselt in Transleithanien, manchmal auch gleichzeitig in beiden Reichshälften. Nachdem oeben die Krone durch ihre Kapitulation vor der ungarischen Koalition einen vorläufigen Waffenstillstand in Ungarn erzielt hat, sieht sich jetzt der österreichische Kabinettschef, Freiherr v. Gautsch, veranlaßt, um seine Demission zu bitten, weil er nicht im stände ist, die Wahlreformvorlage im österreichischen Abgeordnetenhause durchzubringen, denn die verfassungstreuen und feudalen Grundbesitzer, die Polen, Alldeutschen und eine Anzahl von Dissidenten aus den übrigen Parteilagern, sie alle haben sich zu einer festen Phalanx zusammengeschlossen, um die Einführung des all­gemeinen Wahlrechtes zu verhindern. Am bock­beinigsten stellt sich dabei der Polenklub an, weil er von einer weitgehenden Wahlreform den Zusammenbruch der Schlachta in Galizien befürchtet. Wäre jedoch die Krone fest geblieben, anstatt den Kanoffagang zu den Wekerle, Apponyi, Polony und Koffuth anzutreten, dann mären die Polen wohl weniger wagemutig, allein böse Beispiele verderben bekannt­lich gute Sitten, und sie wollen jetzt an Keckheit den Ungarn nicht allzuviel nachstehen. Der alte Kaiser Franz Josef wird einen schweren Stand bekommen mit seinen Polacken, die bisher immer die artigsten Kinder im Reichsrat waren, weil sie für jede Unterstützung einer wichtigen Regierungsvorlage stets schöne Geschenke mit nach Hause nahmen, natürlich auf Kosten Westösterreichs. Aber die gegenwärtige Ministcrkrisis ist auch wieder ein Beweis dafür, daß sich die alte Form des dualistischen Staaisgebäudes immer wieder nur auf ein paar Monate zusammcnflicken läßt.

Der Kaiser hat die Demission des Ministerpräsidenten Gautsch angenommen und den Statthalter Prinzen Konrad zu Hohenlohe mit der Kabinettsbildung betraut.

Prinz Konrad zu Hohenlohe, der im 43. Lebensjahre steht, gehört zu den fortschrittlichsten Politikern. Als Landes­präsident in der Bukowina sowie als Statthalter in Triest erwarb er sich durch seine Unparteilichkeit gegenüber ver­schiedenen Nationalitäten und Parteien dieser Länder allge­meine Sympathien. Bereits vor mehreren Jahren sprach er sich entschieden für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht aus und wurde deshalb in intimen aristokratischen sowie Hofkreisen derrote Prinz" genannt. Prinz Hohenlohe wird außer dem Ministerpräsidium, da auch Graf Bylandt aus dem Amte scheidet, auch das Ministerium des Innern übernehmen. Der Kaiser übertrug dem neuen Ministerpräsidenten die Aufgabe, die Wahlreform durchzuführen, und Hohenlohe wird das Wahlreformkompromiß, das Gautsch angebahnt hat, zu beenden trachten. Hohenlohe konferierte nach der Audienz beim Kaiser nachmittags längere Zeit mit Gautsch und begab sich abends nach Triest, um sich von der Statthalterei zu ver­abschieden. Er kehrt dann nach Wien zurück.

Vom französischen Staatsstreich.

Paris, 30. April.

Infolge der Prüfung der im Laufe der letzten Haus­suchungen gefundenen Dokumente wurden heute der Leiter des Blocks der Patrioten", Bi dert, der Generalsekretär der Confederation du Travail, Griff ulhes, und der Se­kretär derAvantgarde Royaliste", Feuillaut, verhaftet. Ferner sind Haftbefehle gegen den Sekretär derConfederation du Travail, Levy, und den Besitzer desAnarchiste", Frementin, die jedoch beide flüchtig sind, sowie gegen zwei andere Personen, deren Namen unbekannt sind, erlassen worden. Sämtliche Personen werden der Teilnahme an Aufruhr und an anarchistischen Umtrieben beschul­digt. Auch der Bonapartist Graf Lurand de Beaure­gard, der sich gegenwärtig in Nizza aufhält, wurde unter der Beschuldigung der Teilnahme am versuchten Aufstande verhaftet.

In Vieux Conde wurde in derselben Angelegenheit ein Dr. Tanche verhaftet, bei dem zahlreiche kompromittierende Schriften beschlagnahmt wurden. In Rouen wurden eben­falls verschiedene Haussuchungen bei Anti-Militaristen vor­genommen, während in Brest sieh die Haussuchungen auf Mitglieder der reaktionären Partei beschränkte.

lieber die Ursachen der Verhaftung des Grafen de Beauregard wird u. a. berichtet, daß man in dessen Wohnung in Paris Quittungen über größere Geldbeträge ge­funden habe, die von dem gestern in Brest verhafteten Wahl­agitator Breffolcs unterzeichnet sind. Bressoles war früher Wahlagitator Beauregards und steht seit 14 Tagen im Dienst des Präsidenten des sogenanntenGelben Arbeitersyndikats". Zur Verhaftung Griffulhes und anderer Agitatoren des Allgemeinen Arbeiterverbandes wird berichtet, daß heute an Griffulhes, nachdem derselbe bereits verhaftet war, eine Rohrpostkarte kam, welche lautete:Schlechte Arbeit in Ar- genteuil, in AsniöreS wirds besser sein." Der frühere Haupt­mann Tamburini, welcher bereits vor 2 Jahren als der Anstifter eines militärischen Komplotts ver­haftet und angeklagt, jedoch später amnestiert worden war, wurde heute von einem Sicherheitsinspektor dem Untersuchungs­richter vorgesührt. Gerüchtweise verlautet, daß auch gegen den seinerzeitigen Mitangeklagten Tamburinis, den Haupt­mann Volpert ein Haftbefehl erlaßen worden sei.

Seitens der Behörde wird immer noch strenges Still­schweigen über das Ergebnis der Haussuchungen in Bezug auf ein Komplott gegen die Sicherheit des Staates beobachtet. Man hofft jedoch, daß heute oder morgen das Resultat dieser Haussuchungen offiziell bekannt gegeben werden wird. Vor der Gerichtsbehörde in Valenciennes hat die Durchsicht der beschlagnahmten Papiere begonnen. Auch sie legt großes Stillschweigen an den Tag.

In der Arbeiterbörse ereignete sich bei einer Versamm­lung der Arbeiter ein lebhafter Zwischenfall. Leutnant Trsserande-Delange, der eine Jnfanterieabteilung befehligte, die in der Straße die Polizei unterstützte, begab sich in die Versammlung und hielt in Uniform eine Ansprache, worin er erklärte,' er sei wie viele Soldaten Sozialist und empfehle deshalb den Arbeitern Ruhe, damit leine Kon­flikte entstehen. Der Leutnant wurde nach Verlassen des

SaaleS seines Dienstes enthoben und in seine Kaserne abgeführt.

Patrouillen werden morgen von früh bis spät' sämtliche breiteren Straßen der Stadt durchziehen. Um die Truppen in der Stadt nicht zu behindern, hat der Polizeipräfekt die Geschäfte ersucht, nachmittags keine Lieferungen zu machen. Das gesamte Geschäfts- und Straßenleben wird morgen still tehen. Wie verlautet, ist ein zweites Dynamit- attentat gegen die Eisenbahnbrücke bei Colombes verübt worden. Ein Soldat beobachtete mehrere Personen, die damit beschäftigt waren, die Schrauben der Schienen zu lösen. Bei seinem Hcrannahen ergriffen die Leute die Flucht.

In Dona ix fanden zwischen Vertretern der Gruben­direktoren und Delegierten der Arbeiter Verhandlungen statt, in denen folgendes Abkommen getroffen wurde: 1) die Prämie von 10 Prozent, die vor dem Ausstand in Kraft war, wird auf 20 Proz. erhöht, 2) die Vertreter der Arbeiter-Syndikate ind ermächtigt, die Lohnskala in den Büchern der Gesellschaft zu kontrollieren. Es finden keine Arbeiterentlassungen im Streikverbande statt. Ausgenommen sind solche Arbeiter, die zu Gefängnisstrafen verurteilt worden sind. Infolge dieser Zugeständnisse werden morgen 10 000 Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen.

In Lens beträgt die Zahl der Ausständigen noch immer 37 000, die der Arbeitenden 17 000. Es sind zwei Personen wegen Aufreizung von Soldaten verhaftet worden. Unter den Ausständigen macht sich eine allgemeine Müdig­keit bemerkbar, veranlaßt durch den Mangel an Mitteln, den Streik weiter zu führen und durch die allgemeine Not. In Aniche haben 4000 Arbeiter heute die Arbeit wieder auf­genommen. In der vergangenen Nacht wurde gegen den Befehlshaber des in LenS liegenden Bataillons ein Bombenanschlag verübt, der jedoch nur Sachschaden an­richtete. Auch in Hernes fanden Explosionen statt. Es wurde eine große Anzahl antimilitaristischer Aufrufe und Schriften beschlagnahmt.

Koloitialpofi*

Berlin, 30. April. Eine außerordentliche Haupt­versammlung der SiedelungS- Gesellschaft für Deutsch-Südwestafrika hat beschloffen, dem Ansuchen der Kolonialabteilung Folge zu geben und die bis zum 1. Mai d. I. gestellte Frist für das der Kolonialabteilung gemachte Angebot auf deren Antrag gegen Rückerstattung der bisher seitens der Aktionäre eingezahlten Gelder, zuzüglich der seit dem Einzahlungstermin verloren gegangenen Zinsen, ihr Vermögen mit allen Rechten und Pflichten an die Kolonialverwaltung ab zu treten, bis zum 1. Januar 1907 zu verlängern.

Mrche nut Schule.

Bei den diesjährigen Konfirmatiosfeiern haben viele Geistliche das von Deutschlands Großloge II des Guttempler- ordcns herausgegebene FlugblattAn die Konfirmanden" verteilen lassen und vor bem Alkoholgenusse gewarnt. In demMonats­boten der Luthergemeinde in Frankfurt am Main" schreibt Pfarrer F. Mahling dazu folgendes:

Wie int vergangenen Jahr, so mache ich auch in diesem daraus aufmerksam, daß zur Prüfung und Konfirmation dasselbe schwarze Kleid getragen wirb. Ich bitte herzlich alle Eltern, dies Kleid wie die Feier int Hause möglichst einfach zu gestalten, und bei der Nachfeier wenigstens voit beit Kind ent jeden Alloholgenuß sernzuhalten. Ich bitte um der Kinder tvillen wie um der Sache willen. Seit Jahren selbst abstinent, d. h. enthaltsam van jedem alkoholischen Getränk, werbe und wirke ich für diese wichtige Suche, so viel ich kann. Darum bitte ich die lieben Eltern herzlich, meine oben ausgesvrochcne Bitte zu erfüllen."

Aus Studt uud Lund.

Gießen, den 1. Mai 1906.

** Cabaret z u den luftigen Siebe n. Am Don­nerstag und Freitag gastiert hier int Neuen Saalbau das Cabaret zu den lustigen Sieben aus dem Börsen-RestaurcmL zu Frankfurt a. M. 'Ten Künstlern geht ein guter Ruf voraus. Vor allem heben die Frankfurter Blätter hervor, daß sie, im Gegensatz zu anderen Cabarets, in ihrem Programm nur streng dezente Dichtungen zum Vortrag bringen.

k B n tz b a ch , 30. April. In Sachen des Heimats - pflege- und Volkstrachtenfeftes fand heute nach­mittag von 4 Uhr ab im Saale zumHessischen Host' im Beisein d'es Protektors des Festes, Fürsten Karl von S o l ms -Li ch, eine Versammlung statt, die äußerst zahl- reid) aus allen Teilen der Wetterau besucht war. Von Gießen wohnte Baurat Diehm, von Darmstadt Regierungs­rat Dr. Kranzbühler bei. Fürst Karl gab seiner Frende über das Zustandekommen des Festes und über die Bestreb­ungen Ausdruck. Kreisrat Fey enttvickelte eingehend das Programm der Feier. Danach umfaßt es: die Ausführung des FestspielsDie Hüttenberger", eine Ausstellung von Trachten und bäuerlichen Geräten usw einen Festzug mit Grnppenvorführung und mehrere belehrende und auf­klärende Vorträge. Dann ergriff der Denkmalspfleger für Oberhessen, Professor W a l b e-Darmstadt, das Wort zum Vortrage:Tas Bauernhaus in Oberhessen". In li/2ftün« diger, fesselnder Rede schilderte er zuerst die deutschen Bauernhäuser, dann das Bauenthaus in Oberhessen. Den Vortrag erläuterten Lichtbilder. Das deutsche Bauernhaus zerfällt nach den Stämmen 1. in das niederdeutsche, sächsische, 2. in das fränkische,^dazu das hessische, 3. das oberdeutsche, Schweizerhans, Schwarzwaldhaus. Leb­hafter Beifall lohnte den Redner. Kreisrat Fey-Friedbergj dankte und brachte ein Hock) auf das kunstsinnige Groß^ Herzogspaar aus, das die Bestrebungen tatkräftig untere stützt. (Näherer Bericht folgt morgen.)

Homburg v. d. H., 30. April. Heute nachmittag unternahmen der Kaiser und die Kaiserin mit der Prin­zessin Viktoria Luise und den Damen und Herren des Ge­folges, sowie dem Geheinten Oberbaurat Prof. Jakoby einen Ausflug nach bem Altkönig in Automobilen.

vermischtes.

Ein Eisenbal;nunglück bei Paris. Der Eilzug aus Cherbourg, toelcher die Reisenden eines Amerikadampfers nach Paris beförderte, stieß bei der Station Andrery nahe Paris auf einen Güterzug. Mehrere Personen wurden ver- wundet. Wahrscheinlich sind auch einige getötet worden.

* New-Po r k, 30. April. General Greely verlangt -15 Offiziere mit VerwaltungZtalent. Er sagt, eine Kris«