Ausgabe 
2.1.1906 Zweites Blatt
 
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Nr. 1 Zweites Blatt. 156. Jahrgang

Dienstag 2. Januar W06

Erscheint ttgfidf mit Ausnahme deS Sonntags.

DieSiebener Familiendlätter- werden dem »Anzeiger otcnnnl wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erfcheuu monatlich einmal.

L . . Anzeiger

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« Unwersitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulstr A. Tel. Nr. 61. Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gießen

General-Anzeiger, Amt;- und Anzeigeblatt für den Kreis Sietzen.

Betr.: Die Sterblichkeitsstatisiik.

An die Groflh. Bürgermeistereien und Standesämter des Kreises Gießen.

1. Bei Einsendung der Zählkarten und Todes - zeuqnisse (resp. Fehlanzeige) über die Todesfälle der Monate November und Dezeniber, welche bis zum 1 0. I a n u a r 1906 zu geschehen hat, rnüsftn auch die genannten Urkunden von denjenigen Sterbeiällen beigelegt werden, welche im Jahre 1905'sich ereignet, aber erst im Januar 1906 ein­getragen worden sind.

2. Wir bedürfen die Zahl der im laufenden Jahre lebend geborenen Kinder, nach dem Geschlechte ge­trennt, und bitten Sie deshalb bei Einsendung der TodcS- zcugnisse einen Zettel anzulegen nach folgendem Muster:

Lebend Geborene im Jahre 1905 in: (Gemeinde) männliche: weibliche:____________

zusammen:

Gieß en, den 23. Dezember 1905.

Großh. Kreisgesundheitsamt Gießen.

Dr. H a b e r k o r n.

Belr.: Die Strafregister; hier: Die Nachweisungen der im 2. Halbjahr 1905 verstorbenen bestraften Personen.

Der Grosfh. Ober-Steats-mwalt beim Landgericht der Provinz Olmhssen an sämtliche Ortspolizeibehörden des Kreises.

Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen oder Fehlanzeigen bis zum 1. Februar 1906 ohne daß rine Erinnerung nötig wird an mich einzusenden.

Gießen, den 30. Dezember 1905.

Der Großh. Oberstaatsanwalt beim Landgericht der

Provinz Oberhessen.

Theobald.

Deutsche»

Berlin, 1. Jan. Die Neujahrsfeier bei Hofe wurde um 8 Uhr morgen? durch Choräle des Trompeterkorps der Gardekürassiere von der Schloßkuppel herab eingeleitet. Inzwischen begann die Auffahrt zum Gottesdienst und zur Cour. Der Kaiser, der Kronprinz mit seinen Brüdern und Prinz Heinrich kamen im Automobil vom Neuen Palais. Zum Gottesdienst in der Schloßkavelle fanden sich ein Mitglieder deS hohen Adels, der Reichskanzler, die BundeSratsbevoll- mächtigten, die Generalfeldmarschälle, die Generalobersten, die Ritter deS Schwarzen AdlerordenS, die Generalität, die Admi­ralität, die Kommandeure der Leibregimenter, die Staats- minister, die Parlamentspräsidenten, die Wirklichen Geheimen Räte, die Räte erster Klaffe. Der Kaiser Irrig große Generals­uniform mit dem Bande deS Schwarzen Adlerordens und der Kette deS Hohenzollernschen Hausordens. Rechts vom Kaiser nahmen Platz die Prinzen Arnulf von Bayern, Eitel Fried­rich, Friedrich Leopold, Ailgilst Wilhelm, links der Kronprinz, die Prinzen Heinrich und Adalbert und der Fürst von Hohen- zollern. Oberhofprediger Dryander predigte über Epheser 4,6 ,Ein Gott und Vater unser aller, der da ist über euch allen und durch euch allen und in euch allen." Nach dem Nieder­ländischen Dankgebet begab sich der Hof naeh dem Weißen Saale, wo der Kaiser vor den Thronbaldachin trat. Unter den ftlängen von Polonaisen, Märschen und Liedern begann die Gratulationscour. Der Kaiser schüttelte dem Reichs­kanzler, sowie den Präsidenten und Vizepräsidenten der Par­lamente die Hand. Nach der Cour empfing der Kaiser die Botschafter, den Reichskanzler, die Staatsminister und die kommandierenden Generale. Um 121/? Uhr gingen der Kaiser, der Kronprinz mit seinen Brüdern, die Prinzen Arnulf von Bayern und Heinrich und die Herren des Hauptquartiers nach dem Zeughause, wo in der RuhmeShalle die Nagelung und im Lichthof die Weihe neuer Feldzeichen stattfand. Im Schlöffe war dann große Tafel.

Generalleutnant v. Moltke wurde zum Chef des Generalstabes der Armee ernannt. Generaloberst Gras Schliessen erhielt den Schwarzen Adlerorden in Brillanten und wurde ä la suite des Generalstabs der Armee gestellt.

Gotha, 1. Jan. Auch die zweite Wahl des sozialdemokratischen Fabrikarbeiters Jäger zum Sena tjo r 'in Walters Hausen hat die Bestätigung des Staats­ministeriums nicht erhalten. Der frühere bürgerliche Senator Heineke ist von der Regierung als städtischer Senator und Vertreter des Bürgermeisters bestellt woidrn.

Anna berg i. S., 1'Jan. Für den verstorbenen wild­liberalen LandtagSabg. Gräfe wurde der freisinnige Stadtv. Roch zum Landtagsabgeordneten gewählt.

Stuttgart, 1. Jan. Wie derStsatsanz." mitteilt, werden zu Beginn des Jahres zur Feier des 100jährigen Bestehens des Königreiches Inbiläumsfreimarken aus- gegeben. An da§ Publikum wird die Jubiläumsmarke in der gleichen Weise käuflich abgegeben, wie die gewöhnlichen amtlichen Postwertzeichen.

München, 81. Dez. Zur Frage des Erwerbs eines Kohlenbergwerkes durch deu bayerischen Staat be­merkt dieAllg. Ztg.": Es laufen zur Zeit Angebote beim Veckehrsministerium "ein, die geprüft werden. Bis jetzt ist allerdings kein Angebot so ausgefallen, daß sich die Behörde zu einem entscheidenden Schritte hätte veranlaßt gesehen.

London, 1. Jan. Auf Grund des mit dem heutigen Tage in Kraft tretenden neuen Eintvanderungsgesetzes sind heute von 42 aus Hamburg hier eingctroffenen Auswan­derern 24 zurückgewresen worden.

von unbe-

gegenwärtig

lig e 3 it -

Ter Herzog von Devonshire erließ ein Manifest an die freihändlerischen Unionisten. Er ermahnt sie, da, wo es nicht möglich sei, sich einen eigenen Vertreter im Parla­ment zu sichern, ihr Verhalten so einzurichten, daß es zeigt, daß die Unionisten als Ganzes sich nicht auf die Schutzzölle verpflichten.

Campbell Bannerman sagte gestern in einer an den schottischen Vergwerksbnnd gerichteten Ansprache: Bei einer zufriedenstellenden Gestaltung der allgemeinen finan­ziellen Lage würde die Aufhebung der Kohlen- e x port st euer eine der ersten Angelegenheiten fein, welche mein in Angriff zu nehmen hoffen dürfe.

Birmingham, 30. Tez. Chamberlain führte in einer hier gehaltenen Rede aus, die gegenwärtige Re- bierung werde ein Spielzeug in den Händen der irischen Partei fein. Die Verschiedenheit der Zollpolitik Deutschlands und Englands hätte zur Folge gehabt, daß Deutschland jetzt ein größeres Absatzgebiet und eine billigere Produktion habe. England könnte sich nicht mehr die erste Stelle auf dem Gebiete deS Handels sichern, es hätte die F-ührung behalten können, wenn e5 seine Stelle 20 Jahre vorher ausgenutzt hätte.

Paris, 1. Jan. Der Vantenminister hat eine Kom­mission ernannt, welche ein Projekt für einen Kanal aus­arbeiten soll, der den atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer verbindet. Ter Minister will das Pro­jekt baldmöglichst der Kammer unterbreiten.

TouNier sucht auf eine in dem kinderarmen Frank­reich besonders wirksame Art für sich Stimmung zur Präsi­dentenwahl zu machen. Er läßt sich imMalin" mit seinen fünf Söhnen abbilden, von denen der älteste Oberleut­nant, der jüngste Quartaner ist.

Präsident Loub et empfing heute aus Anlaß des Jahreswechsels das diplomatische Korps. Ter italienische Botschafter, Graf-Tornielli, hielt eine.Ansprache, in der er ausführte, beim Beginn des vergangenen Jahres habe die ganze Menschheit unter dem Eindruck schmerzlicher Gefühle gestanden, die jedoch durch die allgemeine Ueberzeugung gemildert worden seien, daß die moralischen Bestrebungen 'ugunsten der Solidarität der wichtigsten Interessen der Völkern und friedlicher Beziehungen zu einander in Frankreich gesicherte Mitwirkung fänden. Tas verflossene Jahr Hube dem neuen Jahre das Vermächt­nis des internationalen Friedens hinterlassen und dieser Friede scheine g n t g e s i ch e r t zu sein. In seiner Erwiderung sagte der Präsident, der Friede fei jetzt endlich wiederherge stellt. Dem moralischen Ein­fluß, den die Idee des Friedens sich in der Welt erworben habe, sei der größte Anteil an diesem glücklichen Ergebnis zuzuschreiben. Noch niemals vorher sei dieser Gedanke in so überzeugender und wohltätiger Weise zur Geltung ge­langt. Man könne hieraus den günstigsten Schluß für die Zukunft ziehen.

Rom, 30. Dez. Beim Empfang des diplomatischen Korps äußerte der Minister des Auswärtigen gegenüber den Vertretern Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, daß sie in ihm einen treuen Mitarbeiter an dem Frie- denswerk des Dreibundes haben würden.

Bois 6 (Staat Idaho), 31. Tez. Der frühere Gou­verneur Steun-enberg ist durch eine Dyn amit- bombe getötet worden. Man glaubt, daß es sich um einen Racheakt handelt.

sammenbruch des Ausstandes ist die Frage einiger Wochen. Die revolutionäre Bewegung wich vor der Gewalt zurück; noch mehr setzte sie sich in den Augen her Bevölkerung in Miskredit.

Tie genannte Agentur hat in der Verschleierung der Wahrheit'das Menschenmögliche geleistet, und man brauchte

deshalb die Depesche nicht ernst zu nehmen, wenn nicht ausdrücklich von derzuständigen" Seite die Rede wäre. Nun ist allerdings richtig, daß in Moskau wenn anders die amtlichen Nachrichten recht haben der Ausstand zurzeit im Abflauen begriffen. Aber hieran derartige Hoff­nungen zu knüpfen, während doch in den baltischen Pro­vinzen der Aufruhr aufs äußerste tobt, während dieselbe Agentur gleichzeitig (!) wüste Aufstandsmeldungen aus ver­schiedenen Gegenden, des Reiches verbreitet (siehe unten), während das halbe Heer in der Mandschurei meutert, das ist denn doch der Gipfel deS groben Unfugs des Oftiziösen- tums. Zudem tut die russische Regierung des Grafen Mitte im Augenblick auch alles, um sich möglichst verhaßt zu machen und die Empörung deS Volkes nicht einschlafen zu lassen. Die Verhaftungen vollziehen sich wie in den ersten Tagen der Revolution, und mehr als Turnowo unter Billigung Wittes leistet, hat Trepow auch nicht getan. Tie Verhaftungen von hunderten vouArbciterführern haben wohl für den Augenblick einige Ruhe schäften können, aber wenn man glaubt, damit auch zugleich die Bc-lkserreaung beschwo­ren zu haben, so wird man sich in diesem Glauben ganz bedeutend irren. Es hat im Jahre 1905 schon mehrfach Wochen gegeben, in denen Rußland ruhig schien. Um so schrecklicher ist die Revolution dann wieder emporgeflackert. So wird es auch im neuen Jahre fein. Man mag in Mos­kau die Barrikaden niederreißen und alle 50 000 Empörer standrechtlich erschießen; an ihre Stelle werden neue Em­pörer treten und die Barrikaden wieder aufbaiven. ES gibt keinen Frieden zwischen dem russischen Volk und der gegen­wärtigen Regierung!

Die Revolution in Moskau und im Reiche.

Meldungen der offiziösen Petersburger T e l e g r.-A g. (!):

Petersburg, 1. Jan. amtliche Mitteilung besagt- Verstiegene revolntionSre Gesellschaften erklären, daß sie in anbetracht des M ißerfolges der von ihnen organisierten Meutereien brftMoffen h«ben, ihre Tätigkeit einzustellen, um zu Beginn des neuen Jahres den allgemeinen Aus­stand ins Werk zu setzen. Da die Erklärungen derartig seien, nm schlecht informierte oder kleinmütige Leute einzuschüchtern, werden die EinwolMer Petersburgs, wohin sich die ansitänd. Banden nach der Niederlage in Moskau flüchten könnten, er­

mahnt, sich durch keinen Ausbruch des Ausstandes, der erfolgen könnte, zu beunruhigen, da die Regierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln jeden Versuch unterdrücken würde.

Petersburg, 31. Dez. Die Unruhen in den Sormovo- werken, wo die Aufständischen über Artillerie per- fügten, sind unterdrückt. Die Z ahl der dort Getö teten undVerwundeten istgrvß.

Auch in Nis ch ni-Nowgorod kam eS1 zu blutigen Zu­sammenstößen. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die Stadt ist von bewaffneten Bürgern bewacht.

Petersburg, 31. Tez. Die Perfonenzüge aus Moskau treffen hier ein, allerdings mit starker Verspätung, weil die Sta­tion Kulitzkaja von Arbeitern nieder gebrannt ist. Mehrere Stationen werden militärisch bewacht. Ein von hier nach Moskau gehender Person en zug ist gestern 457 Kilo­meter von hier entgleist.

Moskau, 30. Dez. Gestern abend und heute umzingelten Truppen aller Waffengittmrgen in großer Zahl mit Artillerie und Maschinengewehren den Stadtteil Presna, wo sich der Rest der Revolutionäre festgesetzt hatte. Die Truppcm rückten von drei Seiten vor und eröffneten ein Artillerie feuer, das den ganzen Tag über andauerte. Die Revolutionäre flüchteten in die Häuser, wo sie verhaftet wurden. Einige Gebäude wurden in Brand geschossen. In der Fabrik Prochorow, wo sich die Revo­lutionäre konzentrier hatten, richteten Geschosse große Verheerungen .'n. Als die Massenverh«ftvngm begonnen, entkamen einige Führer d e r A n f st ä n d i s cb e n. Heute sind 600 P e r s o n e n verhaftet worden. Tie Revolution kann hier als unterdrückt betrachtet, werden. Die Zahl der durch Ar­tilleriefeuer beschädigten Häuser beträgt etwa 60.

Saratow, 29. Dez. gestern kam es zu einem Zusammen­stoß zwischen Kosaken und Arbeitern. Als die Menge auf die Ko­saken feuerte, erwiderten letztere mit Schüssen. Drei Personen wurden getötet und etwa 20 verwundet.

Jelisawetgrad, 1. Jan. Zwischen den Stationen Sna­menskaja und Trepowka sind zwei Militärzüge zusam­mengestoßen,' 12 Menschen sollen dabei umgekommen '^"'Odessa, 1. Jan. In einem großen hiesigen Cafe wurden heute vier Bomben geworfen, durch die große Verheer­ungen angerichtet wurden und mehrere Personen verwundet wor­den sind. Auch an einem anderen Orte wurde eine Bombe ge­funden.

Moskau, 30. Dez. Das Hans Küschinski im Stadtteil Presna, in welches sich viele Aufständische geflüchtet hatten, wurde mit Sturm genommen. Eine fu r ck>tba re Kanonade begamr darauf auf die Fabrik von Schmidt, in welcher sich das Hauptquartier der Auffändischen befand. Sie wurde Jffmt den Nachbarhäusern in Brand geschossen: einige Aufständische kamen in den Flammen um. Auch andere Häuser wurden von Artillerie in Trümmer geschossen, da die Aufständischen, welche sie besetzt hatten, es ablehnten, sich zu ergeben Viele Verhaftungen wurden vorgenommen. 16 Offiziere und 49 Soldaten wurden verwundet, die Zahl der getöteten und verwundeten Auf­rührer ist nicht bekannt. Es ist festgestellt, daß die Führer der Aufständischen, nachdem sie die Banden organisiert und den Schlachtplan ausgearbeitet hatten, ihre Posten verließen, ohne an den Kämpfen teilzunehmen. Alle Druckereien sind wieder in Betrieb. Auf der Station Perovo erbeuteten Kvsaken zwei mit für die Aufständischen bestimmten Waffen beladene Wagen.

Moskau, 31. Dez. Eine Bande von Revolutio­nären, die sich in der Fabrik Prochorow, die der Hauptsitz der Revolutionäre geworden war, verschanzt hatte, ergab sich und lieferte die Waffen sowie die Anführer anderer Banden iw Stadtteil Presna aus. Tie Vcrwalttmgsbehörde hatte die Be­wohner dieses Stadtteils von dem Bombardement, benachrichtigt und eine Zufluchtsstätte für Frauen und Kinder, die ohne Schutz waren oder ihre Häuser aus Furcht vor Gefahr verlassen hatten, eingerichtet. Der bisher in diesem Stadtteil verursachte Schaden beläuft sich schon auf mehrere Millionen Rubel. Fortgesetzt treffen hier Truppenverstärkungen ein. \

Moskau,' 30. Dez. Das fünfstöckige Haus Kürnow wurde heute aus Kanonen beschossen. In der unterhalb des Bannkreises von Moskau gelegenen Ortschaft Nowaia T-erevnia versuchten die Hausbesitzer eine Bande Aufständische zu ver­treiben, die in eine Schänke geflüchtet war und von da aus auf die Einwohner schoß. ManschloßdieSchänkeein und setzte sie von asllen Seiten in Brand. Dann kamen Kosaken hinzu, die weitere Entwicklung ist unbekannt.

Moskau, 30. Dez. Die Aufständischen verübten m den westlichen Vorstädten Gräueltaten an Gefängnis- und Polizeibeamten. Massenhafte Verhaftungen werden vorgenommcn. Gegenwärtig sind drei Banden bewaffneter Revolutionäre hier tätig. Gestern versuchten sie, sich nut den Regierungsbehörden zu verständigen. Sie erboten sich, die Waffen auszuliefern und sich zu ergeben, wenn ihnen fteier Abzug ge­währleistet werde. Da die Bedingungen ab gelehnt wurden, verschanzten sich die Aufständischen heute in den Häusern, welcke, wie, verlautet, von den Truppen genommen wurden.

B a k h m a n t >28. Dez. Die revolutionäre Bewegung im Zuge der Jekateribahn konzentriert sick auf die Stadt Bakhmant. Die Stationen längs der Bahnlinie sind in den Händen der Aufrührer, denen sich die Landleute und mehrere n«he der Bahn gelegene Dörfer angeschlossen haben, lieber Bachmut ist der Belagerungszustand erhoben und General -sau» detzkv ist zum Gouverneur ernannt worden. Die in das Auf­standsgebiet entsandten Truppen haben den Befehl erhalten, sich unverzüglich und mit Gewalt der Stationen Grffchino, Aw- deewka, Jacinowataja, Gorlowka, Konstantinoschk und Krama- torsiaja zu bemächtigen und die Komitees und Delegierten der Aufständischen festzunehmen.

Privatmeldungen zumeist en glrs chcr Blätter:

DerDaily Telegraph" meldet, daß ein Teil der Anfftändi- schen in Moskau die Absicbt hatte, die in der Stadt lebenden Ausländer zu ermorden, um die Mächte zur Jntsr" Dcmitnt zu veranlassen, und zwar soll das Hotel bombardiett werden, worin viele Engländer und Deutsche wohnen., ^Der be- immenc Teil der Rebellen war vernünftig genug, diesen Vor­schlag abzulehnen. Jedenfalls sind die Ausländer in Moskau mit knapper Not einer großen Lebensgefahr entgangen.

Daily Mail" meldet aus Moskau: Tausende von Leichen liegen noch unter den Barrikaden. Die Aufrührer begießen die Barrikaden mit Wasser, da- infolge der Mlte sofort gefriert, wodurch den Truppen ein gr-herer Widerstand ent­gegengesetzt wird.

Große Besorgnis herrscht wegen deS von Petersburg nach Moskau per Eisenbahn entsondten Semenow-Regiments, weil ver­lautet, daß der Eisenbahnzug von Revolutionären in die Luft gesprengt tworben sei.

Die Zehl der bei den K'ämpfen im Moskauer Stadt­viertel Presnaja umgekommenen Revolutionäre wird auf 2000 angegeben, die Zahl der Verwundeten beträgt gegen 5000 und die der Verhafteten über 1000. Die Artillerie ging so energisch vor, daß fast da§ ganze Viertel einem Schutt Haufen gleicht. Die Bevölkerung, unterstützte vielfach das Mili­tär bei seinem Vorgehen gegen die Revolutionäre mit Rat und | Tat. Der Geschäftsverkehr nimmt langsam wieder normale Fwrmen

Die Znstande in ILußkand.

Tie offiziöse Petersb. Telegr.-Ag, erfährt : dingt zuständiger Seite:

Die r e v o l. Bewegung in Rußland kann als abgebrochen angesehen werden. Der völ