Ausgabe 
1.5.1906 Erstes Blatt
 
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des

3%

Öesterr. Goldrente

. 109.20

254.30

Berliner Bör*e, 30. April. Anfangskom

. 91.20

. 161.80

?ya 4 °o

Harpener Bergwerk Laurahütte . .

ombarden E. B. Nordd. Lloyd . . Türkenlose .

ist

er-

Perliner Handelsces Darmstädter Bank .

Deutsche Bank Deutsch-Asiat. Bank Diskonto-Kommandit. Dresdner Bank Kreditaktien . . . Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn .

Gotthardbahn . . . . Lombard. Eisenbahn . Oestcrr. Staatsbahn . . Prince-Henri-Eisenbahn

. 2310

. 146.10

. 144.70-

. 171.20

. 144.20

163.90 22050

250.50

136.50

132.40 173.00

144.10

239.29

185.50

100.55

101.10

96.70

. 68 40

. 97.80

100.50

88.40

100.45

*8 40

99.60

Canada E. B Darmstadter Bank . . Deutsche Bank . . . Dortmunder Union C. . Dresdner Bank . . .

Tendenz: ruhig.

Beichsanleihe do.

Konsols . .

do. . .

Hessen . -

Oberhe<sen

3^°/0 3%

Abg. Möllinger t-

(Original-Bericht be3 Gies euer Anzeigers.) Darmstadt T. Mai.

T-er Alterspräsident der 2. Kammer, Möllinger, gestern abend von seinem schwÄken Leiden durck den ^.od

Telefonische Kursberichte

Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für Handel

und Industrie, Giessen.

Frankfurter Börse. 30. April, 1.15 Uhr.

Hamburg- Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte Nordd. Lloyd . . .

Obersehles. Eisen-Industrie

. 188.00

. 161.60

. 216.40

68.80

69.30

92.00

94 40

92.90

145.70

54.20

gehaltenen Sitzung des Zentral-Ausschusses der Präsident nickt das Präsidium führte, londern der Vizepräsident. Und ver­wunderlich ist es ebenso, da st ein oüizieU.r Bericht über diese Sitzung diesmal im Reicksanzeigcr nicht publiziert wird. Haupt­sächlich soll die Ursache des Rücktritts darin zu suchen sein, daß der Rricksbankvräsideitt nbgeratcn Hat, im gegenwärtigen, Zeit­punkt die neue Reick^sanleiHe auszunehmen. Andererseits scheint es, daß in Ncgierungskreiscn der schleckte Erwlg der Anleihe darauf zurückgeführt wird, daß Herr Dr. Kvch den Diskontsatz der Dunk vor der Emission der Anleilie nicht herabgesetzt hat. In der letzten Zeit ist übrigens wiederholt ein krasser (Gegen­satz zwischen den Wünschen der haute sinancc und denen der Reichs- bank hervor getreten. Die Gerüchte entbehren schon deshalb nickt der Wahrscheinlichkeit, weil setzt offiziös bekannt gegeben wird, daß im nächsten Monat der Reickobankdiskout herabgesetzt werden soll und es ist dalier begreiflich, daß man dem Präsidenten Vorwürfe macht, weil er nickt schon ivenige Wochen vorher die Ermäßigung vorgcnommcn hat. Im übrigen nimmt man schon einigermaßen daran wieder Anstoß, daß demnächst eine Diskonl- ermäßiguug Vorgenommen werden soll, da der Geldmarkt sich wieder sichtlich versteift, und für England die Gefahr einer Diskonterhöhung besteht.

Von der Berliner Börs e. ssiestützt auf die guten Nachrichten, die von allen industriellen Gebieten einlaufen, küm­merte sich die hiesige Börse nickt um dos außergewöhnlich motte Ncwyork und setzte sehr fest ein. Auch die Erklärung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute wirkte bestimmend auf die gute Tendenz. Von Bankaktien waren besonders gesucht:, Dresdener, Sckaaff- hauscner, ferner Handelsanteile; diese auf Gerüchte über einen günstigen Abschluß der setzt emissionsreif werdenden Hohenlohe- Werke. Von den amerikanischen Werten konnten sick Baltimore sogar ziemlich gut behaupten, während Kanada Pacific und Penn­sylvania abgeschwächt waren. Dynamit-Aktien waren erholt. Auch weiterhin blieb die Haltung recht fest und Russenwerte traten in den Vordergrund des Verkehrs, da der Pariser K'nrs d-r neuen Anleihe 93.40 war. Weiterhin wurde die Tendenz abwartend.

Universitäts-Nachrichten.

Der Privatdozent Dr. Walther Roth zu Berlin ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Greifswald ernannt worden.

Tübingen, 29. April. Das Kultusministerium bat die Be­schwerde des hiesigen Korps Franeonia (Kösener S. C.) gegen bic vom akademischen Senat der Universität aus disziplinären Gründen beschlossene Auflösung desselben bis 1. CFtober ds. Js. abgewiesen.

Sport.

o Fußball. Eine mit Ersatz gebildete erste Mannschaft des Gießener Fußballklubs von 1 900 fuhr vorgestern nach Fri edb erg, um ein Wettspiel mit dem Friedberger Fu ß- ballklnb auszutragen. Gießen 1900 siegte mit 6:1 Toren. Die Mannschaft war an diesem Tage nicht spielsrendig, auch klappte die Kombination nicht, die durch das gänzliche Versagen des Rechts­außenstürmers, sowie des als Verteidiger vorgeschobenen Tor­wächters, namentlich von letzterem sinnlos zerstört wurde.

Der Meldeschluß zur ersten allgemeinen Ausstellung von Hunden aller Rassen in Wetzlar ist auf den 6. Mai verlängert.

# Hessischer Radfahrer-Bund. In Mainz tagte eine 'Delegiertensitzung hessischer Radsghrervereine zu entgültiger Gründung einesHessischen Radfahrer-Bundes". Anwesend waren die Delegierten von 17 Vereinen, die fast ausnahmslos ihren An­schluß an den Bund zusicherten. Als Sitz des Verbandes ist Mainz gewählt worden. Eine Fünfer-Kommission wurde gebildet und mit der Ausarbeitung der Statuten beauftragt.

. . 220.25

, . 250.90

. . 23.00

. . 136.30

fei über San Franchereingebrochen. Der Auszug großer Menschenmassen dauert fort. Zwei weitere Erd­ers ch ü t i e r u n g e n wurden verzeichnet.

* Klei ne Tagesckronik. Bei dem Einstürze eines Neubaues, der durch fortgesetztes Reaenwelter unterspült worden ivar, sind in HohenlelS (Eifel) drei Arbeiter schwer verletzt und einer getötet worden.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den -> Mai 1906: Wolkig, zeitweise heiter, meist trocken, nur stellen­weise geringe Regenschauer, kühl, besonders nachts. Vorübergehend geringe Aufheiterung.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

FamUkeii-Nachrichten.

Gestorben: Herr Regierungsrat Metzler in Darmstadt.

456 Griech. Monopol-Anl. 4 5s äussere Argentinier 3°/0 Mexikaner . . . 4^°/0 Chinesen . . .

Aktien;

Bochum Guss ....

Buderus E. W . .

Tendenz: stilL

löst worden. -

M hat ein Alter von 82V- Fahren erreicht und als Mitglied der nationalliberalen Partei der hessischen Kkmmer 43 Jahre angehört. Der Dahingesckiedenc erfreute sick wegen ieures ruhigen und liebenswürdigen Wesens der Hochachtung aller Parteien. Er ist nie rin einseitiger Parteimaim gewesen. Seine tiefe Kennt­nis der hessiscken Finanzen wurde nickt nur von der Kammer, sondern auch seitens der Regierung hock geschätzt, ^t langen Jahren war er Präsident des Finanz-Aussckiuses und hat als solch-r sich besonders um tue parlamentarsiche Prutnng und Fertigstellung de? Staats Budgets verdient gemach c. Auckden Elar für 1906 bat er uock im verflossenen ^ahre den: Aus,mutz fertig gcfiellt. Bald darauf erkrankte er schwer, so dan er den Kammer-Beratungen über das Staats-Budget nicht mehr bei­wohnen konnte. Bei Verabschiedung dMewSr druckten Ivwohl

Arbeiterbewegung.

Ha mburg, 29. April. Tie 13 größten hiesigen Arbeit' geberverbände, darunter sämtliche See- und Binnenschiffahrts- und die verwandten Betriebe, ferner der Eisen- und anderen Metall-Industriellen, geben bekannt, daß diejenigen Arbeiter, die wegen Beteiligung an der sozialdemokr. Maifeier der Arbeit am 1. Mai fernbleiben, lskontraktbrüchigen Hassen und nicht vor dem 11. Mai wieder eingestellt werden. Der Arbeit­geberschutzverband der Holzindustrie von Hamburg und den Nach­barstädten kündigt den am 1. Ma sembleibenden Gesellen und Arbeitern die Aussetzung der Arbeiten für weitere drei Tage an.

Dresden, 26. April. Tie heute abgchaltene Versammlung der Ausständigen und ausgesperrien Metallarbeiter der Gießereibetriebe nahm eine Resolution an, in welcher gesagt wird, daß die Kämpfenden, ebenso wie die Organisation kamvfesmüde seien und daß sie sich trotz der bisher r c s u l t a t l o s ver aufeneu

Verhandlungen bereit erklären, diese iortzusetzen. Die Versammlung wünscht, daß weiter die Verhandlungen einen günstigen Verlauf nehmen möchten und erklärt solchen Bedingungen die für beide Teile annehmbar sind, gern zustimmcn zu wollen.

ssck schlüssig zu tvcibeit.

Hennig' wurde wegen Raubmordes zum Tode und wegen Diebstahls, schwerer Urkundenfälschung und Körperverletzung zu 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Verlust der bürgerlrcken Ehren­rechte 'und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt- Hennig verzog bei der Verlesung feine Miene. Der Vorntzende forderte ihn nochmals auf, nunmehr diirck ent otzenes Geständnis sein Gewissen zu erleichtern. Ter Mgeklagte beteuerte nochmals feine Unschuld. Hennig wurde dann der Berliner Kriminalpolizei über* ' geben und traf abends 11.36 Uhr bereits wieder aus dem Pots­damer Bahnhose in Berlin ein

Hennig wurde wegen Raubmordes zum Tode und wegen Diebstahls, schwerer Urkundenfälschung und Körperverletziing zu 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehren­rechte und Stellung unter Polizeiaufsicht verur tritt.

Lott erie-Än zeigen. Ein Offenbacher Lotlcriekallektcur hatte eines Tages einem Jnferaten-Reiscnden^ ans Wiesbaden einen Jnseraten-Anftrag erteilt. Er wusste, day e9 verboten stt, hessische Lose in Preußen anzubieten, der Reuende sagte ihtn jedoch, seine Firma werde eventuell die Strafe bezahlen, und daraufhin inserierte der Kollekteur, -ter Staatsanwalt m Wies­baden erhob bald Klage gegen 'bn und das Gericht verurteilte ihn zu 20 Mark Geldstrafe und c,60 Mark Kosten. Der Wies­badener Zeitungsverlag lehnte es.l.edoch ab, die Htrase usw. zu zahlen, da er die Abmachung lernet Reisenden nickt kannte. Daraufhin erhob der Kollekteur Klage auf Bezahlung der Strafe und Rückerstattung von 210 Mark bezahlter Anzeigengelder Das Amtsgericht Offenback lehnte die Klage des Kollekteurs ab ^er Kläger, der mehrfach wegen Lvtterrevergehens vorbesrvast ist, hätte wissen müssen, daß das Anpreri en, he Bischer Lose tn preu^ ßischen Zeitungen verboten ist. Der ^zmertionsv ertrag ist durch den freien Entschluß des Klägers zustande gekmmem Deshalb hat er ouck die Folgen zu tragen. Die beklagte Firma kann sur die Abmachungen ihres Reisenden uidrt haltbar gemacht werden. Von einer Rückerstattung des Geldes für die dnjeigen kann keine Rede sein, da diese ja laut Abmackumg ericknenen und. Wenn nicht in Kürze der Unterschied zwilchen hessuchen und vreu- ßisckstn Lotterielosen und damit die Strafbarkeit der Anpreisung fiele, so könnte dieser Fall den hessischen Kvllekteuren zur Warn­ung dienen. . . . ~

Derlin , 30. April. Divisionspsarrer B a ck st e r n wll gegen t)a9 Urteil des Oberkriegsgerichts abermals Revision em- gelegt haben.

Sandelnd Verkehrs Volksivirtschaft.

Der Rücktritt des Reichsbank-Präsidenten Kock Ebenso energisch wie die Rücktrittsgesucke dementiert werden, ebenso halsstarrig werden sie weiter behauptet. . ^cden- salls ist es als bemerkenswert zu bezeichnen, beißt es ui einer Kundgebung in letzterem Sinne, daß in der am Donnerstag ab-

41 /,*' Oesterr. Silberreute 4°L I n »ar. Goldrente . . 496 Italien. Bente . . . 3 Portnsriesen Serie I . 2% Portugiesen ITT 4'o russ. Staatsanl. 1905 41<°n japan. Staatsanleihe 46; Conv. Türken von 1903 Türkenlose ... . .

Aunst rin- Wissenschaft.

Von der Darmstädter Künstlerko 1 oni. e. Von Herrn I. B. Cissarz ging deinTürmst. Tagebl." eine Zuschrift zu, der wir folgendes entnehmen:

Professor Habich hat gleichfalls den R u s nach Stuttgart angenommen und zwar scheiden wir durchaus nicht in T-islurrmonie mit den für uns maß­gebenden Stellen. Es liegt nicht in unserer Absicht, die durch S. K. H. den Großherzog gepflegten Kunstbestrebungen in irgend einer Weise durch unsere Uebersiedlung noch Stutt­gart zu kritisieren oder gar zu schädigen. Wir haben ganz im Gegenteil uns bemüht, unter der deutschen Künstler- schäft geeignete Vertreter für die einzelnen Gebiete der hier zu pflegenden Kunst ausfindig zu machen irnd werden auch fürderhin die Großh. Kabinettsdirektion in diesen Fragen mit Freuden unte'sstützen. Zweifellos werden auch Künstler bereit sein, an der von uns verlassenen Aufgabe mitzuwirken, namentlich, wenn man, durch die bisherigen Erfahrungen belehrt, sie von vornherein vor den schäd­lichen Einflüssen bewahrt, die einigen der bis heute vvn Darmstadt geschiedenen oder scheidenden Künstlern das Derweilen hier unmöglich gemacht haben.

Gerrchtssaal.

Potsdam, 30. April. Vor dem Schwurgericht begann beute der Prozeß gegen den Raubmörder Hennig. Der kleine Schwurgerichtssaal ist überfüllt. Unter den Zuschauern bemerkte man die Erbprinzessin zu Wied. Nach Eröffnung der Sitzung warnte der Präsivent den ziemlich blaß aussehenden Angeklagten vor jedem Fluchtversuch. Indessen wolle man ihm in der Voraus­setzung, daß er die Verhandlung nicht störe, die eisernen Fesseln abnehmcn. Nach Auslosung der Geschworenen verzichtete Hennig daraus, einzelne derselben abzulehnen, worauf das Verhör beginnt. Dasselbe ergibt namentlich über das Vorleben des Angeklagten wenig neues. Er gibt seine Straftaten teilweise zu, leugnet aber noch Immer, den Kellner Giernoth ermordet zu haben. Als Täter nennt er einen Unbekannten namens Franz, den er als einen Manu mit langem, glatten Gesicht und in das Gesicht gekämmten Haaren, einem Wiener Kellner ähnlich, bezeichnet. Jin weiteren Verlaufe gibt der Angeklagte eine Darstellung über die Ermordung Giernoths ähnlich, wie bisher, welche jedoch wenig glaubwürdig klingt. Nach der Mittagspause stellt der Verteidiger den Antrag, noch weitere Mittel zur Anwendung zu bringen, um den unbe- 'anntenFranz" zu ermitteln. Insbesondere soll der im Eisen» bahnkoupee überfallene Freiherr von Zitzewitz geladen werden, in­dessen ist der Staatsanwalt der Ansicht, daß alles Notwendige ge- khchen sei. Der Gerichtshof beschließt über den Antrag erst nach Schluß der Beweisaufnahme zu beraten, um die Verhandlung nicht ui verzögern. Alsdann beginnt die Beweisausnahme. Bemerkens­wert ist hierbei die Aussage der Frau des Gendarmen Kumorck, welche angibt, daß drei Tage nach Auffindung der Leiche Giernoths ein Mann zu ihr gekommen sei, mit bet Anfrage, ob die Letcye schon rekognosziert worden sei, er sei ein Vetter des Ermordeten. In Hennig will die Zeugin den betreffenden Mann unbedingt wiedererkennen.

Nachdem Hennig eine unerwartete Verteidigungsrede gtyallcn hatte, die bei den Zuhörern nickst vhne gewissen Eindruck blleb, sogen sich um 9 Ubr die Geschworenen zur Beratung zuruck, Die eine Stunde in Mspruck nahm, ^»ecksl der Schalldf ragen wurden mit mehr als 7, zwei weitere mit mehr als 6 stimmen beialst. Staatsanwalt Mendelssohn beantragte darauf für den Mord die Todesstrafe, für den Raub unter Anwendung von Gewalt 5 Jahre Zuchthaus und Aberkennung der Ehrenrechte. Für die weiteren Verbrechen wurden leichtere Nebenstrafen beantragt. Die ,yrage des Vorsitzenden, ob der Angeklagte noch weitere Anfrage zu stellen habe, beantwortete er mit dem Anträge am Ladung des Franz" und des Herrn v. Zitzewitz. Der Gerichtshof zog sick dann zur Beratung zurück, während im Saal bte größte Auf­regung herrschte. Der ?bigeklagte saß anscheinend tellnahms-los da Nur weniger Minuten bedurfte cs für den Gerichtshof, um

Privatdiskont 3V< Prozent.

Vom Anleihemarkt. Daß die deutsche Finanzwelt sick nickt gewissermaßen mit der Sanktion des' Staates an der großen russischen Anleih: beteiligen konnte, hat sie heute nock nicht ganz verschmerzt und wird eS auch geraume Zeit nickt vergessen. Die Bankiers schmollen und lassen durck F-manzblätter an kündi­gen, daß der deutsche Wileihemarkt auf einmal überlastet ist. Die großen Anleiheemisswnen des Reiches und Preußens, deren Begebung in diesen Tagen erfolgte, haben den Anleihemarkt derart in Anspruch genommen, daß für die Uebernahme weiterer Anleihen in Bankkreisen zurzeit wenig Neigung besteht. Die Banken sind vielmehr in erster Linie darauf bedacht, die er­heblichen Anleihebetrage, die sie in den letzten Tagen auf dem Wege der Intervention aufnehmen mussten, wieder abzustoßen. Unter diesen Umständen stoßen z. T. die Versuche der 'Stadt Rixdorf resp. der Gemeinde Wilmersdorf, die Anleihen von 1820 Mill. Mark aufzunehmen wünschen, int gegenwärtigen Augenblick auf Schwierigkeiten. Aehnlick liegen die Dinge bei der Submission auf die Mannheimer Stadtanleihe, über deren unbefriedigendes Ergebnis der Telegraph berichtete. In auf­fälligem Ostgensatz zu dem Wettlauf, der sich in früheren Zeiten gelegentlich um Stadtanleihen entspann, la^ diesmal nur eine einzige Offerte vor, deren Bedingungen indess.n den Mannheimer Stadtrat zur Ablehnung der Offerte veranlaßten.

Keine Ausfuhrzölle für Kohlern Für Montan­aktien machte sick am Samstag eine rege Nachfrage geltend, die aus die Ablehnung des Kanitz'schen Antrages betr. Einführung von Ausfuhrzöllen für Kohlen in der Reichstagskommission zu­rückzuführen ist. Namentlich machte die Erklärung der Vertreter der Rricksregierung guten Eindruck, daß sie derartige Anträge stets ablehnen werde. Dadurch ist die Börse ein für allemal von der Sorge befreit, den ihr der Antrag Kunitz bereitet hat.

bic Kammer, wie die Regierung, dem greif en Vrässdenlen {5re, ber'.liebsten Wünsche für seine Genesung aus. Möllinger gewotz. au en in feiner Heimat Rheinhessen die grötzie Hochachtung. Lr war von 18741890 Bürgermeister v n Pseddersheim und lang- jäbriges Nritalied des Kreistages : ? Kreisausschusses, lottnc Präsident de-> Landwirtschaftsverein "ur Rhemhenen.

Ejektriz. Lahmeyer . . . 143.00

Elektriz. Schnckert . . . 132.95

Eschweiler Bergwerk . 267.90

Gelsenkirchen Bergwerk . 230.00

GrZgrnal-Drahtmeldungen.

Darmstadt, 1. Mai. Wegen Erkrankung an Genick- larrc wurde ein Dragoner der 4. Schwadron bc3 Dragoner-Negiincnts Rr. 23 in§ Garnison-Lazarett auf»; genommen. Weitere 14 Mann wurden als verdächtig dort eingeliefcrt. In einer gestern abend abgehaltenen Metall- arbeiter-Versammlung lunrbe eine Resolution ange­nommen, in der die Versammlung den Streikenden ihre Sympathien ausspricht. Cie erblickt in dein Vorgehen der Unternehmer, die die Aussperrung verhängen wollen, eine Machtprobe schlimmster Art. In Darmstadt haben bereit?j drei Firmen den Arbeitern gekündigt, die übrigen haben sich' mit dem bekannten Anschlag betr. die Aussperrung begnügt.

Berlin, 1. Mai. Tie ,Berl. Morgenpost" erfährt, der, Reichskanzler Fürst Bülow werde sich zu einem Urlaubs von mehreren Wochen auf den Semmering begebeng

Saargemund, 1. Mai. In Mörchingen erschoß ich der Musketier Korn elf on wegen Urlaubsuber-> schress'ing.

Leipzig, 1. Mai. AuS Furcht vor unheilbarem Wahn­sinn erschoß sich die Jngenieursgattin Gisela Berger aus Budapest.

Breslau, 1. Mai. Die hiesige Volksmacht wurde wegen eines in ihrer Festnummer enthaltenen Gedichte? »Der 1. Mai" volizeilick beschlagnahmt. Der verantwort!. Redakteur Franz Klühs wurde verhaltet.

London, 30. April. (Oberhaus.) Lord Balfour lenkt die Aufmerksamkeit des Hauses auf die Unzuträglichkeiten, welche in. jüngster Zeit durch die Anwesenheit einer Bande von 80 deutschen, Zigeunern entstanden seien, die mehrfach Räubereien begangen hätten und fragt ob im Hinblick auf daS Gerücht, daß noch andere Zigeuner das Land durchstreiften, die Regierung Vorstellungen, bei der deutschen Regierung machen oder sonst Schritte tun, werde, um die Unzuträglichkeit zu beseitigen. Ter Lord der mirnlität Tweedmoutb führte aus, es würde möglich sein, die Zi°, geuncr als lästige Ausländer aus Grund des Fremdengesetzes weg­zuschaffen, aber zurzeit scheine fein Grund für ein derartiges Vor­gehen vorhanden zu sein. Einige deutsche Einwohner in Glasgow seien bemüht, sie zur Rückkehr in ihr Heimatland zu bringen.

Paris, 30. April. Die unter der Beschuldigung der Teil­nahme an Aufruhr und anarchistischen Umtrieben Verhafteten werden noch Bethune übergeführt. Der Sekretär- desEoufödLralion griiörale du travail", Levy, der, da er ab­wesend war, nicht verhaftet werden konnte, ist nicht geflüchtet,! sondern befindet sich auf einer Rundreise zu Besprechungen in Moutceau-les-Miu eS. Seit 7 Uhr abends sind alle in Paris, weilenden Gruppen in ihren Quartieren konsigniert. Sehr viele, Militärposten sind verdoppelt worden.

Toulon, 30. April. Die Straßen bah ns chaffner, sind in den Aussta nd getreten. Sie zündeten die Straßen-« bn (in iv ag en an. Tie Stadt ist ohne jede Beleuchtung. Die sämtlichen Mannschaften des Geschwaders sind konsigniert.

Rom, 1. Mai. Botschafter Graf Lanza hatte schon eine Wohnung in Turin gemietet, um sich in das Privatleben zurück- zuziehen. Er kehrte nach Berlin zurück aus ausdrückliche Bitte des Königs, der damit zu erkennen geben wolle, wie viel ihm an den guten Vezie bungen zum deutschen Reiche gelegen sei. Graf Lanza hat den Auftrag, die maßgeben­den Kreise in Berlin wissen zu lasten, daß kleine Verstimmungen Italien an der Dreibundtreue nicht hindern können.

Neapel, SO. April. Ter König von England hat heute abend die Rückreise nach London angetreten.

Petersburg, 30. April. Hier waren heute beharrliche Gerüchte im Umlauf, Graf Witte habe fein Entlassungs­gesuch eingereicht, das vom Kaiser genehmigt worden sei. Diese Gerüchte ermangeln jedoch zunachst (!) aller Be-- glaubigung.

Riga, 30. April. Eine vielköpfige Bande Revolutio­näre, die mit Gewehren bewaffnet war, machte einen Angriff auf das Bezirksamtsgebäude des in der Nähe von Riga ge­legenen Ortes Ulbrock-Stolpine, zündete das Gebäude an und zerstörte es vollständig mit allem, was darinnen war. Sämtliche Mitglieder der Bande sind entkommen.

Moskau, 1. Mai. Im Gardcregiment ProbraschenSk wurde eine größere Anzahl Soldaten wegen regierungsfeind- kicher Agitation im Heere verhaftet. Bei dem hier weilenden kürzlich vom Amte zurückgetretenen Gehilfen des Ministers des Innern, Fürsten Jrussew, erschien die Polizei, um ihn wegen politischer Umtriebe zu verhaften. Vorläufig gelang es dem Fürsten, als Mitglied der Reichsduma der Verhaftung zu entgehen.

Oakland, 30. Avril. Aus dem deutschen Konsulat sand sich eine Menge Bedürftiger ein. Rach kurzem Be­fragen erhalten die Leute schnell kleine Geldbeträge. An Fa­milien werden vorläufig bis 10 Dollars ausbezahlt.