Moderne so wenig gerecht werdende Rede in vielen gebildeten Kreisen unliebsam empfunden werden wird.
„Sicherlich wird sie auch lebhaftes Aufsehen erregen und viel besprochen werden. Tamil ist freilich noch nicht gesagt, daß ihr eine nachhaltige Wirkung beschieden sein werde, und wir unsererseits möchten daran zweifeln. Bei allem Respekt vor dem großen Gedanken der Siegesallee und dem wahrhaft kaiserlichen Mäcenatentum, das sich in dessen Ausführungen entfaltet hat, bei aller Sympathie namentlich auch für die soziale Würdigung der Kunst vermögen wir doch nichtanzuerkennen, daß der Kaiser der neueren Kunst auch nur an- näherndgerechtwird. Er scheint nur ihre Schwächen Zusehen, aber nicht das frische kraftvolle Leben in ihr, das äuch ihre Auswüchse ertragen läßt. Wir persönlich halten es nicht für ein Glück, daß die deutsche BildhauereibishervondieserneuenStröm- ung nicht berührt worden ist, und möchten glauben, daß der Kaiser die Berliner Bildhauerkunst ebenso überschätzt, wie er das M-odernein derMalereiundTichtungunter- schätzt. Man erinnert sich bei diesem Anlaß daran, daß der Kaiser den Tod Arnold Böcklins unbeachtet gelassen hat."
Wir freuen uns, daß das genannte Hamburger Blatt, das als durchaus gemäßigt in der deutschen Presse bekannt ist und dessen Standpunkt wir auch in mancher anden Beziehung teilen, auch auf diesem Gebiete mit uns einer Meinung ist. — Dann aber lesen wir in den „Hamb- Nachr.":
Je öfter wir politisch in die Lage gekommen sind, Ansichten zu vertreten, die von den Auffassungen des Monarchen -abweichen, umso lieber ergreifen wir die Gelegenheit, ihm Dank, Anerkennung und Bewunderung für die wahrhaft königliche Kundgebung auszusprechen, mit der er das Wesen, die Aufgabe und die Würde der Kunst von den Schlacken befreit hat, welche sich unter dem Einfluß der modernen Richtung anzusetzen drohten. Weite Kreise unseres Volkes werden erleichtert aufatmen, wenn sie von dieser offenen Stellungnahme des Kaisers gegen die Afterkunst unserer Tage Kenntnis erhalten und ihm begeistert zustimmen, wenn er die Pflege der Ideale ats die Aufgabe der Kunst bezeichnet und nicht, das Elend noch scheußlicher darzustellen, als es ohnehin schon ist. Diese Worte verdienen übrigens Beachtung auch über die Grenzen der bildenden Kunst hinaus. „Die Kunst soll erheben, nicht in den Rinnstein hinabsteigen und von der Reklame leben." Der Monarch hat hiermit nur ausgesprochen, was ungezählte Tausende, die es mit der Kunst ernst und ehrlich meinen, unter dem aufdringlichen 2ärm der modernen Richtungen längst empfunden haben, aber ihm bleibt das Verdienst, diese Empfindung nicht nur mit schönen und begeisterten Worten, sondern auch mit der vollen Autorität des deutschen Kaisers offen zum Ausdrucke gebracht und damit den Bestrebungen aller derjenigen einen mächtigen Antrieb gewährt zu haben, welche die Befreiung der Kunst von dem häßlichen Rebel, der sie zu ersticken droht, anstreben. Wir hoffen und wünschen, daß die Rede des Kaisers von gestern zum Ausgangspunkt einer Bewegung wird, welche sich energisch gegen alle Auswüchse der Modernität richtet und nicht eher vuht, bis die echte Kunst wieder in alle die Rechte eingesetzt ist, die ihr von ihrem Zerrbilde zum Teil entrissen worden sind.
Dazu bemerkt die „Rhein.-Westf. Zta", und wir stimmen ihr vollkommen zu: Die „Hamb. Nachr." vermischen hier zwei völlig getrennte Sachen: Entgleisungen einzelner Personen in das Schmutzige um des Schmutzigen willen und das modern-künstlerische Streben nach Wahrheit, welches in der Hauptsache vom Germanentum ausgeht. Die Antike strebt nach ruhiger Schönheit, das Ideal einer deutschen Landschaft ist aber nicht Nachäffung einer griechischen oder italienischen, sondern Erfassung der Eigenart deutscher Landschaft. Von seinem Standpunkt müßte der Kaiser die ganze vlämisch-holländische Malerei mit ihren raufenden Bauern, stallenden Kühen und dem Hexengesicht der Hille- Bobbe in Grund und Boden verdammen, denn Grob-Realistischeres hat noch kein moderner Meister gemalt. Auch Dürer und Rembrandt müssen dann fallen. Wir geben zu, daß es der modernen Meister wenige giebt, aber wo sind denn die Meister der antikisierenden Kunst? Was ।ind denn die vom Kaiser protegierten Wildenbruch und L a u f f, die ganz ungeniert die Jahrhunderte umdichten und für bisher verkannte Potentaten den zugehörigen Ruhm noch zusammen entdecken, gegen Hauptmann und Stilen crion? Wir wiederholen: dem oft unwahren Streben nach Schönheit der Antike und der Renaissance setzt die zumeist vom Germanentum getragene Moderne das zur Unschönheit führen und führt bei einigen Geistern dritter und noch geringerer Ordnung planmäßig dazu, weil Mittel und Zweck verwechselt werden. Allein, daß in dieser neuen Bewegung der Fortschritt steckt, wird klar
werden, wenn einmal ein Jahrhundert Vorbetgeströmt ist, wenn die öfters schmutzige Mafsenware des Tages, welche den Blick trübt, verdrängt, vergessen ist und nur noch! tote eisbedeckte Bergeshäupter die echten, die großen Künstler der Moderne "leuchten. Tann erst wird man sehen,, tote sie den Fortschritt, die schöpferische Kraft, die selbstlose Kunst verkörpern. . . . Und das führt uns auf eine andere Seite der Kaiserrede. Ter Kaiser bezeichnet die höfischen Künstler der Siegesallee als die echten Künstler, die Arbeit der anderen als „G e to e r b e", als „F a b r i k a r b e i t". Tas ist sehr verfehlt. Grade Künstler, welche kein Bedenken trugen, gegen treffliches Entgelt an jener schönen Allee uniformierter Hohenzollern in Paradestellung mitzuarbeiten, haben ihr künstlerisches Gewissen dem „Gewerbe" unterstellt. Jene Summe von Idealismus und Entsagung, die in den echten Künstlern steckt, welche um ihrer Ideale willen leiden und darben, welche Höften, daß sie endlich verstanden werden, aber nicstt wanken, jerie Künstler bat der Kaiser noch nicht kennen gelernt: v. Werner, Begas, Wildenbruch und Laufs gehören zu diesen nicht.
Tie denwkratische Berliner „Dolksztg." weist darauf hin, daß die Anschauungen und Urteile des Kaisers in mehrfacher Hinsicht allgemeine Zustimmung nicht finden werden. „Was oie starke Abwehr der modernsten Kunstrichtungen durch den Kaiser betrifft, so glauben wir nicht, daß sie Den Lauf der Entwickelung, wie sie sich nun einmal aus sich selbst heraus vollzieht, ändern oder hemmen wird. Die Kunst gehorcht sowohl an sich als auch in ihrer historischen Entwicklung ihren eigenen Gesetze n."
Die deutsche Rechtspartei,
die, tote bekannt, die Wiederausrichtung des Welfenthrones erstrebt, hat Mitgliedern des Bundesrates vier Resolutionen zugehen lassen. In der ersten bezeugt sie ihre wärmste Teilnahme „den tapferen Verteidigern ihres Rechtes und ihrer Freiheit in den beiden südafrikanischen Republiken", begrüßt es als „erfreuliches Zeichen des auch im deutschen Volke wieder erwachenden Rechtsaefühls, daß dasselbe überall und nahezu einstimmig seinen Protest gegen die britische Vergewaltigung der Buren erhoben hat", beklagt es aber tief, daß der derzeitige Reichskanzler „in auffallendem Gegensätze zu früheren Kundgebungen des deutschen Kaisers und Auswärtigen Amtes das nackte Interesse als das einzige Motiv seiner auswärtigen Politik zu proklamieren sich nicht gescheut hat" und spricht nachdrückliche die Erwartung aus, daß des deutschen Volkes verfassungsmäßige Stimme wenigstens jetzt nicht versagen werde, wo die Haager Kongreßmächte in aller Form darum angegangen worden sind, das Äergernis des gegenseitigen Mordens christlicher europäischer Völker endüch aus der Welt zu schassen. In der zweiten Resolution legt die „Deutsche Rechtspartei" erneut ihre bekannte Stellung zur deutschen Frage dar. Sie fordert „Beseitigung des geschehenen Unrechts" und erklärt, daß sie eine in sich gefestigte Ausgestaltung des jetzigen Deutschen Reiches. mit freiwilligem politischem und wirtschaftlichem Anschluß der früheren Reichs- und Bundesglieder, vornehmlich Oesterreichs, erstrebt. In der dritten Resolution nimmt die „Deutsche Rechtspartei" Stellung gegen die „Revolutio n", zu deren Trägern und Werkzeugen die berufensten weltlichen und geistlichen Vertreter und Zeugen des Rechts in der alten und neuen Welt geworden sind. Die vierte Resolution endlich beschäftigt sich mit der Besetzung des braunschweigischen Thrones. Sie lautet:
„Die deutsche Rechtspartei erblickt in der von dem Bundesrat verfügten Behinderung des rechtmäßigen Erben an der Besitzergreifung des braunschweigischen Thrones eine Versagung des dem Herzogtum Braunschweig vom Reick)e geschuldeten Rechtsschutzes und eine Maßnahme, die in ihrer Begründung mit der Machtherrlichkeit des Reiches in eigentümlichem Widerspruche steht. Die deutsche Rechtspartei hält die möglichst baldige Beseitigung dieses rechtswidrigen und befremdlichen Zustandes nicht nur für die Pflicht der verbündeten Fürsten und freien Städte, sondern auch für eine Lebensfrage ihrer monarchischen Existenz und Selbständigkeit."
Dieser Resolution ist eine ausführliche Begründung, verfaßt vom Rechtsanwälte Martin I. in Kassel, beigegeben, die darzulegen sucht, daß der Herzog von Cumberland „von Gotttes Gnaden Herzog von Braunschweig" sei.
Deutsche Festungen an der schweizerischen Grenze.
Wer der Meinung war, daß der Versuch der deutschen Reichsregierung, bei Basel, auf dem badischen Tüllinger Berg einige Sperrforts zu errichten, in der Schweiz eher begrüßt als bedauert tverde, hat sich, schwer getäuscht. In der Presse aller Parteien wird das Thema variiert und das meist in beängstigendem Sinne und selbst der Bundesrat ist von Basel aus ersucht worden, in Berlin zu inter
venieren und womöglich zu verhüten, daß in der Nähe Basel-' deutsche Festungswerke gebaut werden.
Bei der Beurteilung dieser Frage geht die Schweiz vdn ganz falschen Gesichtspunkten aus. Sie glaubt, diese Forts richten sich gegen die Schweiz und seien der Ausdruck einer feindseligen deutschen Gesinnung. Hiervon kann nun doch int Ernste keine Rede sein. Diese vorgesehenen Bo- festigungswerke richten ihre Spitze gegen eine etwaige französische Invasion. Militärische Strategen hatten schon längst die deutsche Naivität bewundert, daß die Militärbehörden den außerordentlich passend gelegenen Tüllinger Berg, welcher die weite obere Rheinebene und das badische Wiesenthal beherrscht, militärisch nicht in den Kreis der Grenzbefestigung einbezogen und der Festung von Belfort nicht ein ausgleichendes Gegengewicht entgegen stellten. Auch die Schweiz hat dieses Bedürfnis längst empfunden und jetzt, wo es ernstlich gilt, eine alte verpaßte Gelegenheit wieder gut zu machen, sollte sie sich dessen freuen und Deutschland danken, daß es Maßregeln trifft, den alten schlummernden Erbfeind vor einem Vorstoß gegen Süddeutschiland rechtzeitig zu warnen und abzuhalten.
Tie Geschichte lehrt mit unerbittlicher Konsequenz, daß die schweizerisöye Neutralität seitens Deutschlands nicht bedroht wird, wohl aber hat Frankreichs nicht davor zurück- geschreckt, die Neutralität zu brechen. Frankreich hat im 15. Jahrhundert die Schweiz dazu mißbraucht, Burgund £u zertrümmern und gegen klingende Münze an Frankreich zu verschachern; Frankreich hat seit der Reformation die Schweiz mit Geldspenden dazu zu verleiten verstanden, in Gemeinschaft mit Spanien gegen Oesterreich-Habsburg zu kämpfen und int Jahre 1798 stattete Frankreich der Schweiz den Dank dafür in der Weise ab, daß es die Neutralität mit Füßen trat, die Grenzen überschritt und die alteEidgenossen- schaft in Stücke schlug. Bis zum Jahre 1803 waltete in der Schweiz unter dem Schutze französischer Bajonette ein Schreckensregiment, das während der folgenden Jahre zum Glück wieder verdrängt wurde. Es war bisher immer Frankreich, welches auf die schweizerische Neutralität pfiff, wenn es das Interesse und der Profit erheischten. Unter den Gesichtswinkel geschichtlicher Thatsachen gestellt, muß das Vorgehen Teutschlands, auf dem Tüllinger Berg Festungsanlagen her- zustellen, schweizerischerseits aufrichtig begrüßt werden. Aber selbst wenn die Schweiz gegen die Forts Einspruch erheben sollte, müßte er als unbegründet abgewiesen werden, denn weder die Neutralitätsakte von 1815, noch der Artikel 3 des zweiten Pariser Vertrages vom 20. November 1815 geben der Schweiz irgend ein Recht, dem Deutschen Reiche, welches seine Südgrenze schützen will„ den Bau der Festungswerke untersagen zu wollen.
Neues von Botha, de Wet und Delarey.
Ans dem Haag schreibt die „Korr. Nederland" vom 18. Dezember: Einem soeben aus Johannesburg einge- tvosfenen brieflichen Bericht entnehmen wir folgende interessante Mitteilungen: In meinem vorigen, hoffentlich in Ihre Hände gelangten Bericht konnte ich Ihnen in der Hauptsache schon mitteilen, daß in der ersten Hälfte des November in dem Striche zwischen Springs, Ermelo, Middelburg und Pretoria sehr heftig gekämpft wurde. Die Engländer haben habet nicht weniger als 3 Obersten und 2000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen verloren. Heute kann ich Ihnen dazu noch folgende nähere Einzelheiten geben: Botha hat den Engländern bei Renosterkop (nordöstlich von Pretoria) eine Schlacht geliefert. Daß diese für die Engländer sehr verlustreich gewesen ist, beweist schon die große Zahl der hierher verbrachten Verwundeten. Sicher 100 Mann! — Bei Ermelo wurden 300Engländer gefangen genommen. — Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist in Der vorigen Woche auch bei Springs sehr heftig gekämpft worden. Die häufige Wahrnehmung, daß Feigh eit und Insubordination im englischen Heere vom gemeinen Mann bereits auf die höchsten Stellen übergegriffen haben, erhält von dort her eine neue bezeichnende Bestätigung. Ein Kolonel hatte den Befehl erhalten, die Burenstellung nochmals zu stürmen. Er weigerte sich, den Befehl, der unter den gegebenen Verhältnissen ein zweckloser SDtorb sei, auszuführen. Darüber kam es zwischen ihm und dem General, der den Befehl erteilt hatte, zu einer sehr erregten Auseinandersetzung, in deren Verlaus sich der Kolonel an seinem Vorgesetzten sogar thätlich vergriff. Das gab den Anlaß zu einem blutigen Handgemenge unter den Engländern selbst, die nun von den Buren als lachenden Dritten mit Ungestüm angegriffen und leicht überwältigt wurden. Der betreffende» Kolonel wurde nach Komatipoort geschickt, wo wahrscheinlich das Fieber besorgen soll, was man in dem Bemühen, den ungeheuerlichen Vorfall zu vertuschen, unterlassen zu müssen geglaubt hat. — D e w e t hat bei Boshof (Oraniefreistaat, nordöstlich von Kimberley) gefochten und sich Dann nach Nordosten gewandt. Nach der Ueberschreitung des Vaal-
Feuilleton.
Neue, neunte Lieserungs - Ausgabe von Stielers Hand-Atlas, 100 Karten in Kupferstich, herausgegeben von Justus Perthes' Geographischer Anstalt in Gotha. (Erscheint in 50 Lieferungen (jede mit zwei Karten) zu je 60 Psg.) 2. Lieferung: Nr. 57, West-Sibirien in 1:7 500 000; Nr. 92, Mexico in 1:7 500 000, von H. tzabenicht. — Noch zeitig genug, um mit der vor wenigen Wochen erschienenen ersten Lieferung zusammen auf dem Weihnachtstisch prangen zu können, kommt soeben die zweite Lesung des altberühmten Kartenwerkes, das sich in seinem neuen Gewände und seiner billigen Gestaltung bereits zahllose Freunde errungen hat, auf den Markt. West-Sibirien und Mexico bilden den Inhalt der neuen Lieferung. Der eigenartige Landschaftscharakter West-Sibiriens dürste wohl noch nie in so packend-plastischer Weise zur kartographischen Darstellung gelangt sein, wie auf dem uns vorliegenden Blatt, das trotz einer Unmenge von Details von schlagender Uebersichtlichkeit ist. Auf der Grenze zwischen den gewaltigen Tundren des Nordens und der vegetationsarmen Hunger steppe zeigt sich der Riesenbau der sibirischen Eisenbahn, deren Stationen ebenso wie die Poststraßen und sonstige zahlreiche Einzelheiten die Karte in erwünschter Deutlichkeit verzeichnet. — Das zweite Blatt führt uns hinüber nach Mexico, in das klassische Land der Reise Humboldts, der Pflanzstätte einer nach Jahrtausenden zählenden Kultur. Auch hier überrascht und erfreut wieder die Fülle des Gebotenen, die nicht nur den Verkehrs- und wlturgeographischen Bedingungen der Gegenwart, sondern auch den hiftorisclsen und ethnographiscAn Faktoren der Vergangenheit de? Landes in ausgiebiger Weise gerecht roiro.
DieStadtkircheinFried berg, Oberhessen. Tie im Juni bei Earl Damm in Friedberg erschienene,
nach dem Manuskript des Architekten Hubert Kratz vom Vorstand des evangelischen Stadtkirchenbau-Vereins her- ausgegebene „Festschrift zur Wiederherstellung und Neu- einweihung der Friedberger Stadtkirche" verdient nicht nur das Interesse derer, welche die Feier der Neueinweihung dieses prächtigen hessischen Baudenkmals mitgebracht haben, sondern weiterer Kreise. Giebt sie doch durch ihren Text (71 Seiten) und durch ihre trefflichen Abbildungen (über 30, darunter 16 ganzseitige) ein anschauliches Bild der Entstehung dieser Kirche und zugleich ein großes Stück alter und neuer hessischer Kunstgeschichte. Wer sich über Kirchenkunst unterrichten will, dem tarnt dieses Büchlein eine gute Anleitung geben. Es empfiehlt sich durch seinen geringen Preis (1 Mark) als ein hübsches kleines Weihnachtsgeschenk. Zu beziehen durch die Buchhandlungen von Bindernagel und Scriba in Friedberg.
Eine große Weihnachtsfreude wird in diesem Jahre den Kindern im Alter von 5—14 Jahren die Weihnachtsnummer fügend grüß" machen, welche die Firma Adolph Engel, Am Tempelhofer Berg 5a in Berlin, herausgegeben und vortrefflich ausgestattet bat für den erstaunlich billigen Ladenpreis von 1 Mark. Unter Mitarbeit bewährter Jugendschriftsteller und Maler bietet diese Nummer auf 34 Seiten großen Formates und 8 großen Farbdrucktafeln Text zur Unterhaltung unb Belehrung und Material zur Selbstbeschäftigung für lange Winterabende, sowie ein höchst drolliges Gesellschaftsspiel für Jung und Alt. Zu haben ist der „Jugendgruß" in allen Buch-, Papier- und Spielwaren- Handlungen.
Einer von den jungen Neuen, unb eS sei gleich gesagt, einer von den Besten unter ihnen, her Frankfurter Ruvo l j Presber, präsentiert zum Weihnachrsfefte die zweite Auslage seiner Gedichtsammlung „Aus dem Lande der Liebe" (Dr. Ehrler & Go., Berlin). Der modern ausgestattete Sand, der wett hübschem Buchschmuck
von Walter Caspari versehen ist, macht uns mit der anmutigsten Art der modernen Lyrik bekannt: frische, lebendige, volkstümliche Poesie bei originaler Form. Man findet bei Presber nichts Gesuchtes, nichts Mystisches, ihm qulllt die Lyrik, ebenso wie die poetische Satire, aus dem Herzen.
* Ein neu entdecktes Säugetier. Der englische Forscher Harry Johnswn hat im Kongo-Staate ein Der Giraffe verwandtes Tier entdeckt, von Desfen Existenz die Wissenschaft bis jetzt keine Ahnung hatte. Ausgezeichnet ist dasjelbe durch zebraartige Streifung Der Obec,cyenlel an Vorder- und Hinterbeinen. Genaueres über die Lebensweise dieses seltsamen Tieres, das sich so lange den Blicken der Naturforscher zu entziehen gewußt hat, ist bis jetzt nicht bekannt.
* Bei „Königs" zu Besuch. Italienische Blätter schreiben: Die Amme der kleinen Prinzessin Jolanda drückte vor kurzem den Wunsch aus, ihren Gatten, den Bauern Einti, und ihre beiden Kinder wiederzusehen. (Sinti erhielt darauf vom Königspaar eine freundliche Einladung nach Nom. Vor einigen Tagen erschien er nun mit feinen beiden Kindern in der ewigen Stadt, und die Schwiegermutter brachte er auch gleich mit. Außerdem aber brachte er für den Herrn König einen Sack mit Haselnüssen und für die Frau Königin einen Korb mit Landeiern. Mtt diesen Schätzen beladen, pilgerte er in den Oluirinal, wo er nach einer stürmischen BegrüßungS- szene, die sich zwischen ihm und seiner Gattin abspielte, von der Königin empfangen wurde. Die Königin küßte die beiden Kinder unb gab ihnen allerlei Näschereien, wahrend Sinti und die Schwiegermama zu Tisch geladen wurden. Am Abend kehrte der „Mann feiner Frau" in sehr gehobener Stimmung in sein Heimatsdorf zurück.


