Ausgabe 
13.11.1901 Zweites Blatt
 
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glieder, wie sie dieser Tage verbreitet worden sind, nur zum Teil zutreffen. An Stelle des Geh. Hvfrats Dr. Mehnert aus 'Dresden, der auf die Wiedereinberusung verzichtet hat, besteht die Absicht, einen anderen sächsischen Ge­lehrten zu berufen. Damit würde die Zahl von 40 Mit- -gliedern wieder voll sein.

Weimar, 11. Nov. Sämtliche thüringische Staats- Regierungen haben amtliche Erhebungen über die in­dustrielle Lage Thüringens und die Arbeitslosigkeit an geordnet.

Metz, 11. Nov. Ter Reichstagsabg. 2r. Lieber, der hier im katholischen Volksverein sprechen wollte, ist wieder erkrankt.

Ausland.

London, 11. Nov. Harris, ein genauer Kenner der Lage im Sudan, berichtet in einem Blatte, daß die Mu- hamedanerim Innern von Afrika sich zu einer großen Gesellschaft zusammcngethan haben, um ein größeres Mahdireich zu gründen. Die Muhamedaner machen große Ankäufe von Waffen und wiegeln die Soldaten auf, um sich der Besitzergreifung des Tschadsee-Gebietes durch Frankreich, Deutschland und England zu widersetzen.

Amsterdam, 11. %. Wie dasAllg. Handelsbl." meldet, ist die n i g i n seit einiger Zeit unpäßlich und hütet das Zimmer. Am Sonntag wurde eine Kranken-, Wärterin nach dem Schlosse Loo berufen. Die Königin- Mutter traf aus Arolsen heute abend in Loo ein.

Brüssel, 11. Nov- Die hiesige Polizei wies den fran­zösischen sozialistischen Journalisten Leclergu, der in Frank­reich wegen eines beleidigenden Artikels zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und nach Belgien geflüchtet war, aus.

Paris, 11. Nov. Die Kammer nahm die Beratung über die Vorlage betreffend die Handelsmarine wieder auf. Der Deputierte Dernahy brachte folgenden Antrag ein: Jede Prämie auf Schiffe, welche im Auslande gebaut sind, ist aufgehoben. Für Schiffe, welche im Auslande gebaut sind, wird keinerlei Vergütung oder Vergünstigung gewährt. Der Handelsminister lehnte den Antrag ab; er wurde jedoch mit 256 gegen 235 Stimmen angenommen.

Cogoklos, Provinz Granada, 11. Nov- Aus Anlaß der Wahlen kam es hier ^u heftigen Ruhestörungen. Eine Person wurde getötet ein Gendarm schwer verwundet.

W i e n, 11. 9iot). Wie verlautet, wird sich die Ähwägerin des Erzherzogs Franz Ferdinand, Komtesse Henriette Chotek, mit dem Prinzen Stanislaus Rad zi will, Leutnant bei den Königshusaren in Hannover, verloben.

Die morgen hier beginnende Bischofskon­serenz, der auch der Breslauer Fürstbischof Dr. Kopp beiwohnt, wird sich außer rein kirchlichen Fragen auch mit der Los von Rom-Bewegung befassen undMittel und Wege beschließen, um ihr Einhalt zu thun". Es sollen für den gesamten Klerus diesbezügliche strenge Instruktionen ausgearbeitet werden.

Budapest, 11. Nov- Im Abgeordnetenhause wurde heut eder Adreßentwurf vorgelegt. Hinsichtlich der mit den auswärtigen Staaten abzuschließenden Handels­verträge weist die Adresse auf die bedauerliche Aehn- lichkeit mit der vor 14 Jahren an den König gerichteten Adresse hin, in der festgestellt wurde, wie nachteilig für Ungarn jene Handelspolitik sei, die gerade von jenen aus­wärtigen Staaten befolgt werde, mit denen Ungarn in leb­haftester kommerzieller Verbindung stehe, und mit denen Ungarn zugleich Bande innigster politischer Freundschaft verknüpfen. Ungarn hoffe jedoch, daß das Bundesverhält­nis einigermaßen mildernd auf diese Gegensätze einwirken werde. Sollte sich diese Hoffnung nicht erfüllen, so müsse Ungarn Fürsorge treffen, damit die das Land treffenden Schäden auf das geringste Maß beschränkt würden, event. man aber auch zu solchen Waffen greifen, welche die Ungarn vom theoretischen Standpunkte aus wohl nicht bllligten, die dem Lande aber durch die Politik der Selbsterhaltung aufgenötigt würden.

Athen, 11. Nov- Die Kronprinzessin sieht dem­nächst wieder einem Familienereignis entgegen. Aus diesem Grunde hat König Georg seinen Aufenthalt in Wien abgekürzt und sich nach Athen zurückbegeben. Auch die Königin hat ihre Rückkehr von Rußland so eingerichtet, daß sie zur Zeit der Entbindung der Kronprinzessin hier anwesend sein wird.

Petersburg, 11. Nov- In hiesigen Finanzkreisen verlautet, die Regierung werde zum Bau der beiden großen Eisenbahnlinien Petersburg-Wjatka und Moskau- Siedl e e für nächstes Jahr 160 Millionen Rubel bewilligen. Die Linie Moskan-Siedlce, die in erster Linie strategische Bedeutung hat, wird von der Regierung auf Drängen Frank­reichs gebaut.

New-Iork, 11. Nov. Nicaragua kauft das deutsche KriegsschiffArminius", welches nun­mehr als Kreuzer verwendet wird. (Arminius" ist das älteste der deutschen Hafenschiffe, das am 20. August 1864 von Stapel gelaufen und 1865 fertiggestellt war. Es hat eine Wasserverdrängung von 1650 Tonnen und eine Schnelligkeit von 9 Seemeilen; seine Länge ist 60, seine Breite 11, sein Tiefgang 4,2 Meter. Seine Artillerie besteht aus 4 gewöhnlichen Geschützen von 21 Zentimeter und 19 Kaliber langen Rohren und 4 Revolverkanonen von 3.7 Zentimeter Kaliber. Die bisherige Gesamtkopfstärke der Be­satzung betrug 130 Mann.)

Aus Stadt und Kand.

(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Rachrichten ift'mtr unter genauer Quellenangabe:Gieß. Anz." gestattet.)

Gießen, den 12. November 1901.

LU. Der Privatdozent Dr. Leuteri in Königsberg hat nunmehr den Ruf als außerord. Professor der Ohrenheilkunde endgiltig angenommen.

* * Der BezirksvereinNord-Ost" hatte für gestern Abend eine außerordentliche Genralversammlung in das Lokal Bourgeois (Brandgasse) einberufen. Der Zweck der Versammlung war die Stellungnahme des Vereins zu den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen und die Aufstellung der Kandidaten dafür. Der Vorsitzende des Vereins Fried­berger legte nach einigen einleitenden Worten, in denen er seine Freude über das zahlreiche Erscheinen der Vereinsmit­glieder aussprach, den gegenwärtigen Stand der Wahlfrage dar. Es entspann sich sodann eine lebhafte Debatte. Die am Schluß der Versammlung vorgenommene Abstimmung hatte das Ergebnis, daß folgende Herren als Kandidaten nominiert wurden: Stadtv. Emll Schmoll mit 91, Stadtv. Louis Huhn mit 90, Stadtv. Prof. Dr. Gaffly mit 80, Stadtv. Karl Brück mit 76, Metzgermeister Ludwig Pirr mit 75, Schreinermeister Emil Heinrich Müller mit 71, Stadtv. Carl -Orbrg mit 70, Stadtv. Louis Flett mit 67, Schlosser­

meister Martin Dörr mit 63, Reallehrer Karl Jann mit 61 und Stadtv. Friedrich Helfrich mit 58 Stimmen.

* Ruhestörer Zwei bei einem hiesigen Oekonomen be­diensteten Arbeiter, die wegen verschiedener Ungehörigkeiten entlassen worden waren, torkelten in angetrunkenem Zustande in der Marburger- und Steinstraße umher und verursachten einen Menschenauflauf, sodaß ihre Verhaftung erfolgen mußte. Einer von ihnen wird sich auch wegen Diebstahls zu ver­antworten haben, da er einem seiner Mitarbeiter eine Peitsche entwendet hat, die er verkaufte. Er wurde wegen Diebstahls zur Anzeige gebracht.

* * Radaubrüder. Ein renitenter Gast, der mit Gewalt von dem Wirte aus dem Lokale entfernt werden mußte, ver­übte auf der Straße einen derartig ruhestörenden Lärm, und verursachte dadurch einen Auflauf von Menschen, daß er in dasrPolizeigefängnis gebracht werden mußte. Ein vielfach vorbestrafter Mensch, der gestern abend in angetrunkenem Zu­stande in der Schloßgasse lag, mußte in das Haftlokal ge­bracht werden. Bei dem Transport leistete er den Schutz­leuten den heftigsten Widerstand, indem er um sich schlug und sich auf die Erde legte. Auch an groben Beleidigungen gegen die Beamten ließ er es nicht fehlen. Er wurde wegen Widerstands und Beleidigung angezeigt.

n Leihgestern, 11. Nov. Ein schneller Tod vereinte gestern das Ehepaar Adam und Katharina Jäger, nachdem es lange Jahre im festen Einvernehmen mit einander gelebt hatte. Beide waren seit längerer Zeit leidend. Gestern nun sind sie hinter einander in einem Zwischenraum von nur wenigen Minuten von ihrem Leiden erlöst worden.

d Lang-Göns, 11. Nov. Ein Käsefabrikant, der eine Geschäftsreise in der Umgegend gemacht hatte, befand sich am Samstag Abend mit seinem Fuhrwerk auf dem Heimwege. In Großen-Linden machte er einen kurzen Aufenthalt, da er noch Durst verspürte. Ein Fremder benutzte die Augenblicke, in denen das Fuhrwerk unbewacht war, setzte sich darauf und fuhr los. Vor dem Hause des Betreffenden in Lang-Göns aber blieben die Pferde stehen. Erst nach vielem Anspornen gingen sie langsam weiter. Inzwischen aber war das Fuhr­werk von der Familie des Fabrikanten gesehen worden und man eilte ihm nach. Da zog es der Unbekannte vor, zu verduften. Er sprang ab und ließ den Wagen im Stich. Die Angehörigen aber glaubten nicht anders, als daß ein Unglück geschehen sei, und gingen mit Laternen bewaffnet und von 2 Doggen begleitet auf die Suche nach dem Ver­unglückten. Die Freude war groß, als sie diesen, der in­zwischen den Verlust seines Fuhrwerks bemerkt hatte, in schnellstem Laufe wohlbehalten die Landstraße entlang kommen sahen.

Freienseen, 11. Nov. Der Bau der Eisen bahn­st recke Laubach-Mücke hat derDarmst. Zig." zufolge in letzter Zeit besonders in der Nähe von Freienseen, wo be­deutende Schwierigkeiten vorhanden sind, große Fortschritte gemacht. So ist vor allem an dem gewaltigen Damm durch die Tränkbach (im Winkel der Staatsstraße Laubach-Freien­seen und des Vizinalweges Gonterskirchen-Freienseen) eifrig gearbeitet worden. In den nächsten Tagen wird auch mit Bohrung des Tunnels durch das Kaff (der Wasserscheide von Main und Lahn, bezw. Wetter und Ohm) begonnen werden. Die Erhöhung des Geländes für die Station Freienseen (zwischen Seenbach, Friedhof und Staatsstraße) ist nahezu vollendet. So hat man wohl Hoffnung, daß die Bahn in etwa anderthalb Jahren fertig ist.

Büdingen, 11. November. Wie in der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses mitgeteilt wurde, wird sich bei dem bevorstehenden Rechnungsabschluß der Jubelfeier des Gymnasiums ein Ueberschuß von etwas über 500 Mk. ergeben. Dieses erfreuliche Ergebnis wird sich auch nicht mehr viel ändern, trotzdem noch fortgesetzt Anforderungen an die Kasse gestellt werden. Im Laufe des Januar wird der große Ausschuß nochmals zusammentreten, um die Rechnung ab­zunehmen und endgiltigen Beschluß zu fassen über die Ver­wendung des Ueberschusies, der jedenfalls in irgend einer Form dem Gymnasium zu Gute kommen dürfte. An­scheinend machen sich die Folgen der Arbeitslosigkeit auch in hiesiger Gegend unangenehm bemerkbar. Schon vor dem Einbruch im Pfarrhause zu Glauberg versuchte ein Dieb sein Glück beim Gemeinderechner in dem nahen Orleshausen. Ein Knarren der Diele ließ den Rechner um Mitternacht er­wachen. Er begab sich in das Nebenzimmer, wo er einen Mann antraf, der, vor einem Schrank stehend, ein Licht in der Hand hielt. Sofort ergriff der Einbrecher auf den Zuruf des erschrockenen Rechners die Flucht durchs Fenster und ent­kam unerkannt. Des Einbrechers im Pfarrhause zu Glau­berg ist man bis jetzt noch nicht habhaft geworden; man nimmt an, daß er einen Genossen gehabt habe.

Darmstadt, 11. Nov. Zwischen der Stadt Offenbach und dem Eisenbahnkonsortium Darmstädter Bank-Hermann Bach­stein-Berlin ist unter Mitwirkung des Großh. Hessischen Finanzministeriums eine Verständigung dahin erzielt worden, daß die Stadt Offenbach die projektierten elektrischen Straßen­bahnlinien innerhalb des Stadtgebietes und das Konsortium die Vorortbahn Offenbach-Jsenburg-Sprendlingen-Langen mit Anschluß an den Bahnhof Isenburg der Main-Neckarbahn herstellt, wobei die Züge der Vorortbahnen die städtffchen Gleise mit benutzen und durch die ganze Stadt Offenbach ge­führt werden sollen.

b. Bingen, 11. Nov. Auf einer am Samstag hier ab­gehaltenen Bezirks-Lehrerkonferenz wurde die Frage erörtert, welche Bedeutung die ansteckenden Kinder­krankheiten für die Schule haben. Als grundlegende Forderungen für die Bekämpfung der verschiedenen ansteckenden Kinderkrankheiten erachtete es der in der Konferenz anwesende Kreisarzt von Bingen, daß bei jeder derartigen Kinderkrank­heit innerhalb drei Tage ein ärztliches Zeugnis über den Krankheitsfall beigebracht werde. Die Konferenz einigte sich dahin, die Regierung zu bitten, bezüglich der rechtzeitigen Ausstellung ärztlicher Zeugnisse auf dem Verordnungswege einzuschreiten.

Hanau, 11. Nov. Auf der Tagesordnung für die nächste Stadtverordnetenversammlung ist auch die Be­willigung von 20 000 Mk. zur Inangriffnahme für S t r a ß e n- b aut en zwecks Beschäftigung von Arbeitslosen vorgesehen. Sozialdemokraten haben für die demnächstige Stadtoerordneten- wahl vier eigne Kandidaten aufgestellt, darunter auch den Reichstagsabgeordneten Hoch und den Dr. med. Wagner.

Vermischtes.

* Halle a. d. S., 11. Noo. Der Brauer Henze er- schoß aus Eifersucht die Arbeiterin Gottbehüt und darauf sich selbst.

* Görlitz, 11. Nov. Der 70jährige Ausgedinger Schulze in Rothenburg durchschnitt seiner Ehefrau die Kehle und tötete sich dann selbst.

Greiz, 11. Nov. Großfeuer äscherte einen Teil des Ortes Wildetaube ein. Es wird Brandstiftung ver­mutet.

* Dresden, 11. Nov. Im Hause Gärtnergasse 8 wurden der 28jährige Schlossergehilfe Leinert und seine Ge­liebte, die 21jährige Schneiderin Mark, erschossen auf­gefunden. Die That dürfte bereits in der Nacht zum Freitag geschehen sein. Das Liebespaar ist anscheinend mit beider­seitigem Einverständnis aus dem Leben geschieden, weil von den Eltern des Mädchens einer ehelichen Verbindung mit ihrem Geliebten Hindernisse in den Weg gelegt wurden.

Universitäts-Nachrichten.

Darmstadt, 10. Nov. Am 7. 9loüembcr beging Geh. Oberbergrat Prof. Dr. Lepsius, Dozent für Geologie an der Technischen Hochschule und der Erhöhter des neuen Nau­heimer Sprudels sein 25jähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlaß beabsichtigte die Darmstädter Studentenschaft, dem Jubilar einen Fackelzug darzubringen, was von dem­selben aber dankend abgelehnt wurde. Eine Deputation des Studenten-9lusschusses wird Prof. Lepsius die Glückwünsche der Studierenden der Darmstädter Hochschule übermitteln.

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Bom Schillcrpreis. TerReichsanzeigcr" veröffentlicht ein königl. Patent bctr. A b ä n d e r u n g der Bestimmungen des von Wilhelm J. am 9. Februar 1859 gestifteten Schiller- vreis eszur besseren Verwirklichung der von dem Stifter ge­hegten Absicht." Danach besteht der Preis in einer Geldsumme von 6800 Mk. nebst einer goldenen Denkmünze im Wert von 340 Mk. Derselbe gelangt alle 6 Jahre zur Verteilung. Für den Preis kommen die dramatischen Werke lebender deutscher Dichter in Be­tracht, die in den letzten 12 Jahren bis zu der Beschlußfassung der Kommission hcrausgegeben oder in dieser Zeit zum erstenmal auf der Bühne aufgeführt worden sind, desgleichen solche Werke, die in diesem Zeitraum versaßt' sind und der Kommission besonders ein- gereicht werden. Wenn die Kommission mehrere Werke des Preises würdig erachtet, hat sie dieselben in ihrem Bericht unter Angabe der Reihenfolge namhaft zu machen. Die Aus wähl unter diesen Werken behält sich der Kaiser vor. Sollte der Preis nicht zur Verteilung gelangen, so kann nach Verlauf der nächsten fechs- lahrigen Periode der Geldpreis für das alsdann gekrönte Werk verdoppelt werden, oder es sind geeigneten Falls zwei Preise zu erteilen. Bei Mangel an preiswürdigen Werken wird eine dem Geldpreis gleichkommende Summe nach Einziehung von Vorschlägen der Kommission auf eine oder die andere Weise zur Anerkennung und Förderung deutscher Dichtkunst verwendet werden. Diese Be­stimmungen kommen das erstemal für den am 10. November 1902 zu erteilenden Preis zur Anwendung. .

Kandel und Derlühr. Volkswirtschaft.

Gießen, 12. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,101,30 Mk., Hühner­eier pr. Stück 78 Pf., 2 Stück 0000 Pf., Käse pr. Stück 58 Pf,. Käsematte 2 Stück 00 Pfg., Erbsen pr. Liter 20 Pfg., Linsen per Liter 30 Pfg., Tauben pr. Paar 0,701,20 Mk., Hühner pr. Stück 1,001,20 Mk., Hahnen pr. Stück 0,701,20 Mk., Enten pr. Stück 1,202,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 5462 Pfg., Ochsensteisch pr. Pfund 6676 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 6064 Pfg., Schweine­fleisch pr. Pfund 6480 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6066 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 5070 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,003,30 Mk., Weißkraut per Stück 0000 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,505,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Äepfel per Pfd. 814 Pfg., in Körben 1215 Pfg. Trauben 3550 Pfg., Tomaten per Pfd. 1820 Pfg.

Eine neue Krupp-Anleihe. Die Verwaltung oet Schiffs- und Maschinenbau-Aktiengesellschaft Germania" in Kiel wird in einer außerordentlichen General­versammlung am 3. Dezember die Ausnahme einer Anleihe von 20 Millionen Mark beantragen. Bekanntlich ift die Germania- Gesellschaft seit 1895 von der Firma Krupp auf 25 Jahre gepachtet und sie erhall für diese Zeit eine von der Firma Krupp garantierte Dividende von 4l/e pEt. In Wirklichkeit ist die projektierte Germania-Anleihe also eine Krupp-Anleihe, für die auch die Firma Krupp garantiert. In dem Pachtvertrag ist übrigens vorgesehen, daß innerhalb der Vertragsjabre die Firma Fnedr. Krupp das Recht hat, die Gesellschaft mit sämtlichen Aktiven und Passiven für den Preis von 6325000 Mk. zu übernehmen. Sie muß jedoch den Aktionären das Angebot machen, die Aktien innerhalb 3 Monate mit 115 pEt. zuzüglich Stuckzinsen einzulösen, sowie sämtliche dabei entstehende Unkosten zu tragen. Zwei Jahre vor Ablaus des Ver­trages haben die Aktionäre darüber zu entscheiden, ob Friedr. Krupp die Werke übernehmen soll oder ob dieselben für eigene Rechnung weitergeführt roeroen.

Krieskasten der Redaktion.

(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)

n. Gießen. Ihre Vermutung, daß die am Schluß des Auf­satzes des Herrn F. überKrankenkassen und Aerzte" angegebene Steigerung des Honorars der Aerzte von 3,9 pEt. irrtümlich ist, ist begründet. Sie beträgt nicht 3,9 pEt., wie es da infolge eines Druckfehlers heißt, sondern 39pEt.

Neueste Meldungen.

Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.

Berlin, 12. Nov. Nach deuB. P. N." Es darf an­genommen werden, daß der im preußischen Handelsministerium aufgestellte Entwurf eines Börsengesetzes die Zustimmung des Staatsministeriums finden wird. Man soll beabfichtigen, den Entwurf, sobald et endgiltig sestgeftellt ist, den Bundes­regierungen zur Kenntnisnahme und Begutachtung zu unter­breiten.

Kassel, 12. Nov. Die Maschinenfabrik Henschel u. Sohn überwies heute anläßlich des Geburtstages der Frau Geheimrat Henschel den Beamten und Arbeitern 300 000 Mk

Tilsit, 12. Nov. Für die Landtagsersatzwahl im Kreise Tilsit stellen die Lithauer zum erstenmal einen natio­nalen Kandidaten ans itnb zwar den Reichstagsabg. Gutsbesitzer Matschull. Die Agrarier nominierten den Landwirt Sanlus Roheisen.

Lemberg, 12. Nov. Der vor einigen Tagen angekün- digte Empfang von 30 Notabilitäten der Kongreßpvleu beim Zaren fand in Cziernewice statt und hatte keinen poli- titischeu Charakter. In der Abordnung befanden fich auch einige Russen. Namens derselben hielt Fürst Radziwill eine Huldigungs­ansprache. Die Abordnung wurde zu einer Galavorstellung im Hoftheater zugezogen. _______

Kassel, 12. Nov. Eine von ca. 1900 Niännern und Frauen besuchte Protest-Versammlung des Alldeutschen Ver-