Nr. 267
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Montags.
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Zweites Blakt.
151. Jahrgang.
Mittwoch 13. November 1901
SiehenerAnzeiger
Kr General-Anzeiger v '**
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Stehen
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Politische Tagesschau.
Hebet bett Jnsterbnrger Zweikampf
liegt eine amtliche Erklärung noch immer nicht vor. Die Entrüstung, die über diese Vorgänge in bürgerlichen Kreisen herrscht, rvird vielfach auch von militärischen Kreisen geteilt. Wenn der Fall Blaskowitz, genau so wie er sich abgespielt hat, auf die Bühne gebracht würde, der Dichter wäre sicher, krasser Uebertreibung und tendenziöser Effekchascherei beschuldigt zu werden; vielleicht würde die Aufführung des Stückes hier und da, namentlich in Preußen, wegen gehässiger Beschimpfung des Ofsizierkorps sogar verboten. Und doch ist der Verlauf der Angelegenheit noch nicht einmal so ungeheuerlich, wie er hätte sein können. Es wäre auch möglich gewesen, daß Leutnant Blaskowitz den einen seiner beiden Gegner, der seine Abbitte annehmen wollte, erschoß und erst dann von dem zweiten Gegner erschaffen wurde. Auch diesen Ausgang hätte die Entscheidung deS Ehrenrats zugelafferu Die Darstellung, die bisher von Insterburg aus erfolgt ist, hat noch keinerlei Widerspruch erfahren. Dagegen wird der Münchener „Allg. Ztg." von „hochgeschätzter und sachkun- diger Seite" über die beiden Offiziere, die ihr Zusammentreffen mit dem sinnlos betrunkenen Leutnant Blaskowitz zur amtlichen Kenntnis ihrer Vorgesetzten brachten, geschrieben:
Die Meldung der beiden Artillerieoffiziere war ja formell berechtigt, indesien wäre es im höchsten Grade traurig, wenn das kameradschaftliche Verhältnis überall und immer sich nur von diesem formellen Rechtsstcmdpmckt aus bestimmen ließe. Was hat beim Kameradschaft überhaupt für eine Bedeutung, wenn sie nur zwischen niemals fehlenden Menschen bestehen kann und wenn jede Verfehlung des einen dem andern das Recht giebt. die Pflicht der Korrektheit bis zur Unmenschlichkeit zu treiben? Gott bewahre uns vor solchen Freunden: dann lieber aar keine Kameradschaft l Ueberhaupt soll man den Fall doch nickt so pharisäisch behandeln. Wenn er mm Anlaß genommen wird, mahnend auf die Einschränkung des TrinkunfugS und die Wahrung guter Sitte hinzuweisen, so fft das durchaus zu unterschreiben. Aber einen jungen Menschen, der an einem außergewöhnlichen Freudentage einmal des Guten zu viel thut, so hart zu verdammen, wie das fegt von manchen Seiten geschieht, um den ganzen Vorgang zu rechtfertigen, ist geradezu eme Albernheit, mindestens aber eine Ungerechtigkeit die sich in Gedanken eine WÄt konstruiert, wie sie nicht existtert. Kommt eine solche Sache zur Sprache, so können die vorgesetzten Dienstbehörden natürlich nicht viel chun; sie müssen die Strenge des Gesetzes walten lassen. Das Interesse des Ganzen muß dann unerbittlich über das Schicksal des Einzelnen Hinwegschreiten. Aber der Mann, der einen solchen Fehltrüt eines Kameraden jo zur Sprache bringt, daß gewisse ihm genau bekcnmte Folgen eintreten, sollte genauer überlegen und über den Sinn des Wortes Kameradschaft besser nach allen Richtungen hin nachdenken.
Diese Ausführungen über die Kameradschaft sind an sich zutreffend; es kann jedoch Fälle geben, in denen die Anzeige sich nicht umgehen läßt, beispielsweffe, wenn sich der Vorgang vor Zeugen abgespielt hat, die nicht Verschwiegenheit zu beobachten versprechen. Aber keineswegs durste dann „über das Schicksal des Einzelnen hinweggeschritten werden". Wenn in irgend einem Falle, so war es hier geboten, einen Ausgleich zu bewirken, mochte auch den Leutnant Blaskowitz ftir die Trunkenheit und die in ihr verübten Ausschreitungen eine angemessene Disziplinarstrafe treffen. Ein todcswürdiges Verbrechen hatte der Offizier wahrscheinlich nicht verübt, und deshalb mußte sein Tod verhindert werden. Die „Voss. Ztg." erinnert daran, daß die Enffcheidung des Ehrenrats nur den Anschauungen enffpricht, die ganz kürzlich bei einer ähnlichen Angelegenheit zur Herrschaft gelangten. In Metz hatte ebenfalls em fnmloS betrunkener Offizier sich im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit an einem Kameraden vom sächsischen Fußarttllerte-Regimettt No. 12 thätüch vergriffen. Vernünftigerweise erklärte sich der Ofsizier, der schuloig war, zur AbbÄe bereit, als er erfuhr, was er gethan hatte. Und der beleidigte Oberleutnant zeigte sich, ebenso vernünftigerweise, einer friedlichen Erledigung der Angelegenheit geneigt. Was war die Folge? Der Oberleutnant, der nicht auf dem Duell bestand, wurde, obwohl das Offizierkorps des Regiments sich mit dem Ausgleich einverstanden erklärt hatte, auf höhere Anordnung mit schlichtem Abschied aus der Armee entfernt. Ein ofsiziöses Blatt der sächsischen Regierung schrieb damals, es war im Juli 1901:
„Aufrichtig beklagen wir den Ofsizier, der gewissermaßen ahnungslos und unter Verhältnissen, rote sie unerfreulicher kaum sein können, den Abschied erhalten hat. Ebenso aufrichtig aber ist auch der Beifall, den wir der entscheidenden Instanz zollen."
Es wird also gelobt, daß ein Ofsizier für die friedliche Beilegung eines Konflikts bestraft wird. Sind das die Anschauungen, von denen die Militärverwaltung ausgeht, so hat der Jnsterburger Ehrenrat nur korrekt. gehandelt. Um so nachdrücklicher aber muß dann der Kampf gegen die Ansichten der leckenden Stellen aufgenommen werden, in der Presse, im Reichstag, in allen Kreisen, die gegen unheckvolle Vorurteile Front zu machen berufen sind. Unmöglich dürfen an der Staatsgewalt Dinge für zulässig oder notwendig erklärt werden, wie sie sich in Insterburg zugettagen und um einer Jämmerlichkeit willen einen würdigen, ehrbaren Pfarrer seines hoffnungsvollen Sohnes, eine Braut am Tage vor ihrer Hochzeck ihres Verlobten beraubt haben.
Vom Zolltarifentwurf.
Die uns heute vorliegende „Nordd. Allg. Ztg." meldet vom 11. d- 3JL: Der Reichskanzler hatte sich heute mittag nach Potsdam begeben, um dem Kaiser Vor
Deutsches Reich.
Berlin, 11. Nov. Der Kaiser hörte die Vorträge des Chefs des Zivil-Kabinetts v. Lucanus. Zum Frühstück beim Katserpaar war der Reichskanzler Graf Bülow gefabelt.
— Der Kaiser ließ gestern der ihren 100. Geburtstag feiernden Schuhmacherswitwe Emilie Casper durch ein Schreiben Glück und Gottes Segen wünschen, und ihr eine mit seinem Bilde geschmückte Tasse sowie ein Grtadengeschenk von 300 Mark zugehen.
— Wie den „Berl. N. Nachr." zufolge in unterrichteten Kreisen verlautet, wird das Schulschiff „Charlotte" mtt dem Prinzen Ad-albert von Preußett an Bord im Januar nächsten Jahres zeitweise im Golf von Quaenero vor Abbazia gelegentlich des Aufenthaltes der Kaiserin daselbst ankern. Die „Charlotte" soll zunächst den Dezember Wer die Gewässer von Corfu besuchen und Anfang Januar die Adria nordwärts steuern.
— Das .heutige „R e i ch s g e s e tz b l a t t" enthält das Abkommen zur friedlichen Regelung internationaler Streitfälle. das Abkommen betr. Gesetze und Gebräuche des Land- krieLes. und das Abkommen betr. die Anwendung der Grun-ätze der Genfer Konvention vom 22. August 1864 auf den Seekrieg, alle drei Abkommen sind Vom 29. Juli 1899; die Erklärung, betr. das Verbot des Werfens von Geschossen und Sprengstoffen aus Luftschiffen oder auf anderen ähnlichen neuen Wagen, die Erklärung betr. das Verbot her Verwendung von Geschossen mit ersttckenden oder giftigen Gasen, und die Erklärung betr. das Verbot der Verwendung von Geschossen, die sich leicht im menschlichen Körper ausdehnen oder platt drücken; alle drei Erklärungen sind vom 29. Juli 1899; die Bekanntmachung betr. die Ratifikation der auf der Haager Friedenskonferenz vom 29. Juli 1899 unterzeichneten Abkommen und Erklärungen und betr. die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden, sowie der von den Vereinigten Staaten von Amerika, von Rumänien und Serbien bet der Unterzeichnung und Ratistkation des Mkommens zur friedlichen Erledigung internationaler Streitfälle gemachten Vorbehalte vom 10. September 1901.
— Die „Rat. Ztg." vernimmt, der Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, Rothe, werde demnächst in den Ruhestand treten. Die „Kreuzztg." hört, Konsistorial- rat Re icke, der seit einiger Zeit kommissarisch im Reichsversicherungsamt thätig war, wurde nunmehr zu dessen ständigen Mitgliede ernannt.
— Den „Berl. Pol. Nachr." zufolge ist der E n t w u r f eines Bürsengeseyes fertiggestellt, und unterliegt der Beratung der einzelnen preußischen Ressorts. Derselbe soll nach endgiltiger Feststellung den Bundesregierungen unterbreitet werden.
— Eine antisemitische Versammlung, in der Graf Pückler-Tjchirne über seine Verurteilungen in Dresden und Berlin sprach, wurde von dem überwachenden Polizeioffizier, der den Redner mehrmals zur Besonnenheit ermahnte, aufgelöst.
— Die Einberufung des Kolonialrates, der nun bestimmt vom 21. bis 23. d. M. tagen wird, erfolgt in den nächsten Tagen, zugleich wird auch die Liste der Mitglieder für die neue dreijährige Sitzungsperiode veröffentlicht werden. Dem Vernehmen der „Berl. N. N." nach, wird sich daraus ergeben, daß die Namen der neu ernannten Mit
trag zu halten. Heute nachmittag tritt unter dem Vorsitze des Grafen Bulow das Staatsministerium zusammen, um über die von den Bundesratsausschüssen vor- geschlagenen Abänderungen zum Zolltarifenti Wurf und über die in dieser Sache für das Plenum des Bundesrates gestellten Anträge sich schlüssig zu machen. An der Sitzung wird auch Staatssekretär b. Thielmann teilnehmen.
Das offiziöse Regierungsblatt macht keinerlei Andeutung darüber, ob die Abänderungen erheblicher Art sind. Aus dem Vortrag des Reichskanzlers beim Kaiser wird der Schluß, daß dies der Fall sei, nicht gezogen werden können. Für weite Kreise der Oeffentlichkeit ist nur die eine Frage von Interesse: Bleibt der Doppeltarif für Getreide bestehen? lind diese Frage durfte, nach allem, was verlautet, zu blähen sein. Ein Fachblatt erfährt, außer der Abänderung der Zölle auf Bleche sei äuch einigen Wünschen der Tex tilindu seriellen auf Abänderung von Zollsätzen ihrer Branche stattgegeben Worden. Es ist anzunehmen, daß nach erfolgter Beschlußsassuna des Bundesrats-Plenums die Abänderungen zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden. Warum aber umgiebt man amtlicherseits die Begründung zum Zolltarifentwurf mit dem Schleier des Geheimnisses? Die Begründung umfaßt angeblich nicht weniger wie 6 00 enggedruckte Quartseiten. Immerhin würde schon ein Auszug daraus zur Klärung der Meinungen über den Zolltarif beitragen. Bei jedem anderen wichttgen Gesetzentwurf ist es stets Gepflogenhett gewesen, dem Inhalt der Vorschläge unmittelbar die Begründung beizufügen. Hier soll aber sogar der Reichstag die Tarifvorfage zwar sogleick) nach seinem Wiederzusammentritt, die Begründung jedoch erst später erhalten. Die Begründung ist fertig gefteftt; zweifellos liegt sie dem Bundesrat vor, denn die Beschlußfassung über den Zolltarifentwurf im Ganzen setzt die Kenntnis der Motive und Prinzipien voraus, von denen sich die mit der Vorbereitung der Handelsverträge betrauten amtlichen Stellen haben leiten fassen.
Der französisch-türkische Konflikt.
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Die Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei sind wieder ausgenommen. Der französische Doffchaftsrat Bapst stattete am Montag nachmrttcm dem türkischen Minister des Aenßeren amttich einen Besuch ab. Der Botschafter Constans kehrt einstwelleu nach Konstantinopel zurück, weil es dem diplomatischen Brauche entsprich, den errungenen Sieg äußerlich Lmrch die Mckkehr des abberufenen Botschafters zu markieren. Doch ist es be* schloffene Sache, ihn schon in nächster Zukunft durch einen anderen Diplomaten zu ersetzen. Das französische Geschwader hat Mhtilene verlassen. Ein Teil ist nach Syra gegangen, „Ganlois", „Pothuau" und „Chartern agne" werden in Phochia bei Smyrna Kohlen einnehmen und dann ebenfalls nach Syra weitergehen. Nach einem der „Frkf. Ztg." aus Konstantinopel hat Frank auf die französische Botschaft ausgestellten, beim Credtt Lyonnais deponierten Zolltratten gutgeheißen; falls die Türkei in der Zwischenzett eine größere Finanzoperation ausführt, müssen die noch nicht eingelösten Zolltratten vollständig bezahlt werden.
Alle diese Nachrichten zeigen, daß Frankreich den Konflikt als vollkommen beendet ansieht. Ganz besonders be- Deutet die bevorstehende Abberufung des sehr schnerdiaen Botschafters Constans ein großes Entgegenkommen der französischen Regierung. Dagegen ist von türkischer Sette aus etwas geschehen, was die soeben erft, beendeten Zwistigkeiten leicht aufs neue entfachen könnte. Der dieser Tage verstorbene Großvezier Halil Rifaat Pascha ist soeben durch den Justtzminifter Äbdur R.ahman Pascha ersetzt worden. Der Sultan hat Abdur Rahman bereits als Großvezier empfangen. Diese Ernennung hat nicht geringe Ueberraschung verursacht. Abdur Rahman ist, wie es hecht, ein Fanatiker und schwer zu behandeln. Keine einzige fremde Macht kann dem Sultan eine solche, allen Interessen zuwiderlaufende Wahl angeraten haben. Seine Ernennung ist ein sehr starkes Stück gegenüber Frankreich, da Abdur Rahman der einzige Minister war, der sich im Ministerrate weigerte, das Mazbata, das die französischen Bedingungen annahm, zu unterzeichnen. Tas sieht also beinahe so aus wie eine ostentative Herausforderung von Seiten der Pforte. Freilich lväre es ja im höchsten Grade unllug von dem neuen türkischen Premierminister, die soeben verscharrte Sttettaxt wieder hervorzuholen. 'Die französischen Schiffe sind immer noch in türkischen Gewässern, und ein Wink von Paris aus läßt sie dort ihre Operationen aufs neue in verstärktem Maße wieder aufnehmen. Abdur Rahman Pascha wird aber wohl den immer noch recht akuten Ernst der Lage verstehen und sich vor jeder Provokation mit Vorsicht weislich hüten.
vor Erregung unbegründeter Hoffnungen bei den Buren. Von Hoffnungen auf deutschen Beistand kann wohl keine Rede sein.
Vom Burenkriege.
Aus dem Haag meldet W. T. B.: „Der Verwaltungsrat des Haager Schiedsgerichts ist für bett 20. d. M. einberufen, um über den Antrag der Buren auf Entscheidung der südafrikanischen Fragen Beschluß zu fassen." Das Ergebnis werden Phrasen fein, die die Transvaalfrage nicht um einen Deut verändern werden. John Bull wird, das lehrt die von uns gestern wieder- gegebene Rede deö leitenden englischen Ministers Lord Salisbury zur Evidenz, den Krieg in der alten Weise fortführen und sich um fein Schiedsgericht der Welt auch, nur im mindesten kümmern. Englische Blätter teilen heute einen Entwurf eines Abkommens mit England mit, her in der Umgebung Krügers in Holland zirkulieren und von Wolmarans versaßt sein soll. Die erste Bedingung des Entwurfes ist Unabhängigkeit der beiden Republiken. Daneben werden aber eine Allianz mit England und Handelsvorteile für Großbritannien zugestanden. Sobald Krüger dem Entwürfe seine Zustimmung gegeben habe, werde derselbe sowohl den Mächten vorgelegt, als auch den kämpfenden Bürgern rnttgeteilt werden. Die „Birmingham Post" bemerkt, Wolmarans toollo mit dem Entwürfe der Welt beweisen, daß die in Europa lebenden Buren-Flüchtlinge nicht unversöhnlich seien. Auch diesen Friedensvorschlag wird England unbeachtet lassen. Salisbury hat zwar die unglückliche und miswerftandene Aeußerung einer vorjährigen Rede, daß die Buren „keinen Fetzen Unabhängigkeit" behalten würden, dadurch eingeschräntt, daß er von der kolonialen Autonomie sprach, welche die Burenstaaten erhalten sollten, und über Jahr und Tag wird er oder sein Nachfolger sich zu noch mehr Einschränkuugen der Forderungen bekennen; vor der Hand aber haben die Buren nichts zu hoffen — von keiner Seite.
Vom Kriegsschauplätze liegen keine Nachrichten, vor. Es heißt nur, Dr. Leyds habe geäußert, er zweffle nicht, daß th.atsächlich ein großes und zur Ausrüstung der von England nach Südafrika unterwegs befindlichen Reiter bestimmtes Remontenlager von den Buren bei Kapstadt aufgehoben worden ist.
Dr. Leyds in Berlin.
D. B. Hd. meldet uns heute aus Berlin: „Der zur Zeit hier weilende Gesandte der südafrikanischen Republik, Leyds, ist nicht in politischen An gelegen heft en nach. Berlin gereift, und beabsichtigt auch demgemäß während seines auf mehrere Tage vorgesehenen Aufenthalts sich über politische Angelegenheiten nicht zu äußern." Auch nach der „Doss. Ztg." ist Dr. Leyds zu Berliner amtlichen Stellen nicht in Beziehung getreten. Das läßt sich denken; ein solcher Versuch schon erscheint aussichtslos. Die „Nat. Ztg." ist geneigt, die Anwesenheit des Transvaal-Gesandten in Zusammenhang zu bringen mit den Protestkundgebungen gegen Chamberlain. Es sei gewiß kein Zufall, daß Herr Leyds gerade jetzt in Berlin eingetroffen ist und verkünden lasse, er und die anderen Leiter des Buren-Widerstandes außerhalb des Burenlandes seien voll Zuversicht und entschlossen, den Kampf fortzusetzen. Die „Nat.-Ztg." warnt


