'gischen Ambulanz aus Südafrika ein, die von den Engländern verhaftet und zwangsweise nach Europa befördert worden sind. An Bord des Schiffes befanden sich aucfy noch mehrere hundert andere, von den Engländern aus Transvaal ausgewiesene Personen. Es sind meistens Beamte holländischer Nationalität, die bei den verschiedenen Eisenbahnen in Transvaal angestellt rvaren.
Labouchere veröffentlicht in seinem Blatte Truth Briefe, die in Pretoria aufgefunden wurden, und die er an Montagu White am 2. und 4. August 1899 gerichtet hat. Er rät in diesen Briefen dem Präsidenten Kruger- dringend, den Vorschlag Englands anzunehmen, eine gemischte Kommission zur Prüfung des Wahlrechtsgesetzes zu bilden; .Krüger werde hierdurch Zeit gewinnen und könne die Verhandlungen hinziehen. Labouchere schreibt weiter, daß das Kabinett entschlossen sei, den Krieg zu vermeiden, daß es aber mit Chamberlain glimpflich zu verfahren wünsche. Chamberlain hat nach Bekanntwerden dieser Briefe an Labouchere am 6. August geschrieben und ihn aufgefordert, sich zu seinen Briefen zu äußern. Labouchere verteidigt in seiner Antwort den Rat, den er dem Präsidenten Krüger gegeben hat.
Der englische Unterthan Perrins wird, wie aus Pretoria gemeldet wird, vor ein Kriegsgericht gestellt, weil er im Besitze von Werkzeugen zur Herstellung von Bomben für die Buren war.
412 Mann von in Aldershot ausgebildeten englischen Truppen sollten sich heute in Portsmouth nach Südafrika einschiffen.
Politische Tagesschau.
Zum Rücktritt des oldenburgischen Gesamtministerrums schreibt man aus Oldenburg: Wenn ein Gesamtministerrum zurücktritt, wird man nicht leicht an Gesundheitsrücksichten denken, da pflegt man politische Gründe anzunehmen. Dennoch liegen solche nicht vor. Es sind vielmehr persönliche Beweggründe, die sich aus den: Hinscheiden des Großherzogs Petex und dem Re- ^jerunasantrrtt seines Sohnes ergeben. 'Die drei scheidenden Männer gehörten zu dem intimen Kreise des Großherzogs Peter, namentlich der Staatsminister Jansen; dieser begleitete ihn schon 1870 als Kabinettssekretär ins Hauptquartier nach Versailles. Bei den (übrigens stets sehr- rasch beigelegten) Verdrießlichkeiten Jansens mit deutLandtag wurde wohl die Frage aufgeworfen, ob die Sache nicht durch den Rücktritt Jansens beizulegen sei. Allein darauf kam stets die Antwort, der Großherzog habe den dringendsten Wunsch, sich von seinen alten, ihm lieb gewordenen Ministern nicht mehr zu trennen. Jansen war seit mehr als zwei Jahrzehnten Minister, und auch Flohr und Heumann hatten ihre Portefeuilles schon seit langer Zeit. Daß der Erbgroßherzog, der jetzige Großherzog, namentlich Jansen nicht zu seinen Vertrauten rechnete, war allgemein bekannt. Es galt für wahrscheinlich, daß Jansen beim Regierungswechsel Nachfolger des langjährigen Bundesratsbevollmächtigten S e l k m a n n werden würde. Dieser tritt zwar auch zurück, an seiner Stelle ist aber Obersinanzrat Buchholtz ernannt worden, der bisher als Nachfolger des Finanzministers Heumann galt. Jansen tritt wie seine beiden Kollegen ins Privatleben. Man nimint an, daß der neue Großherzog seine Regier- ungsthätigkeit mit neuen und chm im Alter näher stehenden Männern eröffnen wollte. Die Abtretenden waren altliberal. Die drei neuen Minister sind partei-politisch gar nicht hervorgetreten, desto mehr aber als Redner und tüchtige Fachmänner. Sie stammen aus oldenburgischen Beamtenfamilien. Obwohl man deren Haltung noch nicht zuverlässig beurteilen kann, so darf man doch bis auf weiteres wohl annehmen, daß die Richtung der olden- burgischen Politik gemäßigt liberal bleibt wie bisher, lieber die neuen Minister bringen die Blätter folgende näheren Mitteilungen: Der neue Minister des Innern Friedrich W i l l i ch, geb. 1846, ist ein Sohn des verstorbenen Seminardirektors Willich. Er wurde am 1. November 1871 zum Auditor ernannt, 1876 Amtsrichter in Brake, 1884 Amtshauptmann dort und 1887 vortragender Rat beim Staatsministerium der Justiz. Finanzminister Friedrich JuliusHeinrichRuhstratist geboren 1854 als Sohn des verstorbenen Staatsministers Ruhstrat. Er wurde 1877 zum Auditor in Brake ernannt und 1890 zum vortragenden Rät beim Finanzdepartement des Staatsministeriums. 1891 trat er zum Departement des Innern über. .Justizminister Franz Friedrich Paul Ruhstrat ist geboren 1859 als Sohn des verstorbenen Oberappellationsgerichts-Vizepräsidenten Ruhstrat. Er wurde 1884 Auditor bei der Staatsanwaltschaft hier, 1887 Amtsrichter in Brake, noch in demselben Jahre zum Landgericht Oldenburg versetzt, 1890 Staatsanwalt und 1896 Oberstaatsanwalt. Beide sind Vettern.
Deutsches Reich.
Berlin, 22. August. Aus Wilhelmshöhe wird gemeldet: Der Kaiser hörte gestern den Vortrag des Generals v. Hahnke, heute Vorträge des Geh. Kabinettsrats v. Lucanus und des Chefs deS Generalstabes, v. Schliessen. Sodann stattete der Kaiser dem Generaladjutanten von Wittich einen Besuch ab. Er benutzte zu dieser Fahrt ein vom Kriegsministerium zur Probe gesandtes Automobil, das Hauptmann Rausch vom Train leitete. — Der Prinz öon Wales ist in Wilhelmshöhe eingetroffen. Er wurde vom Kaiser auf dem Bahnhofe empfangen, wo eine Ehren- kompagme des 167 Regiments aufgestellt war. Der Prinz verließ Wilhelmshöhe heute nachmittag. Der Kaiser geleitete bei Prinzen im Wagen zur Bahn. Aus der Fahrt zur Bahn, um den Prinzen abzuholen, benutzt- der Kaiser wieder das vom Kriegsminifterium hierher gesandte Automobil, v. LucanuS und v, Hahnke verliehen heute nachmittag Wil- helmShöhe.
s — Aus Kassel wird gemeldet, daß das Kaiserpaar am 24. d. M. Wilhelmshöhe verläßt und sich nach Cron- berg begiebt. Die Kinder des Kaiserpaares kehren an demselben Tage nach Potsdam zurück. Die Kaiserin besuchte heute die Gemäldegallerie in Kaffel.
— lieber die Dispositionen für das Kaisermanöver ist jetzt weiter bestimmt worden, daß am 8. September,
morgens 8 Uhr, aus dem Kreckower Felde bei Stettin die große Kaiserparade stattfinden wird, der sich am Abend um 9 Uhr in Stettin der große Zapfenstreich anschließt. Am folgenden Tage, Sonntag, den 9. September, wird aus dem genannten Felde ein großer Feldgottesdienst unter Beteiligung von Abordnungen aller Kaisermanövertruppen abgehalten werden. Wie es heißt, wird der Kaiser die Feld predigt selbst halten. Alle in der Parade stehenden Truppen erhalten das Revuegeschenk, Unteroffiziere 1 Mk., Gefreite und Mannschaften je 50 Psg.
— Zur Denkmals-Enthüllung in Erfurt am Samstag, der das Kaiserpaar beiwohnt, sind mehrere Einladungen ergangen u. a. an den Reichskanzler, einige Minister und hervorragende Persönlichkeiten in den thüringischen Staaten.
— Der diesjährige Jagd besuch des Kaisers beim Fürsten Christian Krafft zu Hohenlohe-Oehringen aus Slaventzitz ist wegen des Ablebens der Fürstin-Mutter vom Reiseplan deS Kaisers abgesetzt worden.
— Das „Militärwochenblatt" veröffentlicht nach- solgende Danksagung des Generalfeldmarschalls Grasen Waldersee:
„Gelegentlich meiner Ernennung zum Oberbefehlshaber in Ostasien sind mir ungezählte Aeußerungen ves Interesses, meistens in Form von Glückwünschen, brieflich und telegraphisch, in Prosa und gebundener Rede zugegangen. Aus dem ganzen deutschen Reich habe ich Grüße erhalten von vielen Kameraden aus der Armee, von Krieger, und anderen Vereinen, sowie Dielen Persönlichkeiten aus allen Schichten der Bevölkerung und auch aus Kreisen fröhlicher Zecher, Bei der Kürze der Zeit vor meiner Abreise bin ich nicht imstande, jedem einzelnen zu danken. Ich bitte daher, auf diesem Wege meinen besten Dank für die Kundgebungen, die mich herzlich erfreut haben, entgegenzunehmen."
— Der neu ernannte Kolonial-Direktor Dr. Stübel hat h' ute die Geschäfte seines Amtes iwTkstornmen und sich bei den Beamten der Kolonial-Abteilung eingeführt.
7 - Der zum Kommandeur der 1. ofiasiatischen Jnf.-Bri- gade ernannte Gen.-Major v. Trotha ist ein im Aus- landsdienst erfahrener Offizier. Lothar v. Trotha ist 52 Jahre alt. Er wurde am 6, August 1866 Leutnant beim Gd.-Rgt., kam aber schon im Oktober 1866 in das neu errichtete 81. Jns.-Regt. nach Mainz. 1870 wurde er in das 47. Infanterie - Regiment versetzt, bei dem er sich im Kriege gegen Frankreich das Eiserne Kreuz erwarb. 1894 wurde er stellvertretender Gouverneur von Deutsch- Oftasrika und Kommandeur der Schutztruppe. Als Oberst Siebert, der im Dezember 1896 Gouverneur von Deutsch- Ostafrika wurde, nach dem Schutzgebiet kam, übernahm er auch das Kommando über die Schutztruppen. Oberstlt. v. Trotha, der sich bei der Ankunft des Gouverneurs noch im Innern befand, wurde im Februar 1897 beurlaubt und dann, nachdem er im März 1897 zum Obersten befördert worden war, zum Auswärtigen Amt kommandiert.
— Die Militär-Verwaltung hat angeordnet, daß auch Offiziere in den außereuropäischen Sprachen (chinesisch 2c.) ausgebildet werden.
— Nach einer Mitteilung der „National-Zeitung" sollen der Reichsregierung Nachrichten darüber zugegangen sein, idaß dort, wo den in Hamburg an der Pest verstorbenen Stewart Rauhut die Krankheit erfaßt hatte, sich ein Seuchenherd befinde. Auch sollen Anzeichen vorliegen, nach denen vereinzelte Pestfälle in Hafenstädten Englands aufgetreten seien, daß man aber in England mit Rücksicht aus den Seeverkehr die Krankheit verheimlicht habe. Im preußischen Kultusministerium haben eingehende Beratungen stattgesunden, nicht nur über Maßregeln, die beim Auftreten der Seuche zu ergreifen sind, sondern auch über vorbeugende Maßnahmen, die sich in erster Linie auf die Seestädte erstrecken, die der Ansteckung am meisten ausgesetzt sind. — Der „Reichsanzeiger" schreibt: Die anläßlich des Pestfalles in Hamburg unter ärztliche Beobachtung gestellten Personen sind sämtlich als gesund entlassen worden. Die Hoffnung, daß der Fall dank der energisch durch- gesührten Maßregeln vereinzelt bleiben werde, ist hiernach in Erfüllung gegangen. — Wie aus Danzig gemeldet wird, hat heute vormittag dort wiederum unter dem Vorsitz des Ober-Präsidenten von Goßler eine SanitätSkonserenz wegen Pestgefahr stattgesunden. Es wurde beschlossen, einen strengsten polizei-ärztlichen Ueberwachungsdienst des gesamten Schiffsverkehrs mit möglichster Rücksichtnahme auf die Verkehrs-Verhältnisse einzurichten.
— Wie die „Volks-Ztg." meldet, haben in den letzten Tagen die zum Manöver in das Havelland abgerückten Truppenteile des Gardekorps und des 3. Armeekorps unter der Hitze bei anstrengenden Märschen schwer gelitten. Die Zahl der krank gewordenen Leute soll sich auf hunderte belaufen. Cs gehen auch Gerüchte um, denen zufolge verschiedene Mannschaften den Strapazen erlegen fein sollen. Die „VolkS-Ztg." fügt hinzu, eine Bestätigung dieser Meldung liegt nicht vor.
— Nach einer von den heutigen Abendblättern gebrachten Meldung aus Hamburg hat das dortige BezirkS- kommando in diesem Jahre von der Veranstaltung des sonst am Sedantage üblichen Festessens der Reserveoffiziere Ab stand genommen. Dieser Entschluß soll damit begründet worden (ein, daß eS nicht angebracht erscheine, einen deutschen Sieg über die Franzosen zu einer Zeit zu feiern, wo deutsche und französische Soldaten in China Schulter an Schulter gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen. Auch in der Rheinprovinz sollen einzelne Militärbehörden denselben Standpunkt vertreten.
— Das „Posener Tageblatt" erzählt folgendes Vorkommnis:
Zwei Schüler aus einer der hiesigen Stadtschulen wurden auf dem Nachhausewege von zwei höheren Geistlichen angchalten und über ihre Fortschritte in der Schule beftagt. Die Geistlichen bezweifelten vor allem das Verständnis der Kinder. Auf die Frage, in welcher Sprache ste den Religionsunterricht erhalten, erfolgte die Antwort: In deutscher Sprache. „Aber ihr versteht doch von Religion in deutscher Sprache nichts." — „O ja, wir verstehen alles." Den wiederholten Versicherungen der Knaben, sie verstünden den Religionsuulerricht in deutscher Sprache ganz gut, solgte dann folgende Belehrung: „Wenn euch jemand fragt, ob ihr den
tikans
deutschen Religionsunterricht vergeht, so habt ihr zu antworte: : „Wir verstehen gar nichts davon."
Homburg v. d. H., 24. August. Wie der „T.-B." schreibt, wird sich die Kaiserin Friedrich auf ärztliches Anraten in Kürze nach Italien begeben und dort einen längeren Aufenthalt nehmen. Am Sonntag weilte Prof. RenverS in Schloß Friedrichshof und wurde zur kaiserlichen Tafel gezogen, an der außer der Kaiserin Friedrich auch der König von Griechenland und die Prinzessin von Wales teilnahmen. Nach der Tafel promenierte die Kaiserin längere Zeit im Schloßpark. Gestern ist der König von Griechenland ab«= gereift.
8 Belgrad, 22. August. Heute wurde der frühere Ministerpräsident Wladan Georgi e w, t s ch seiner Stellung als Reserve-Sanitäts-Obcrst enthoben. - Tee Blatter melden eine Verfügung des Könige Milan, wonach dessen gesamte Essektcn stach Wien zu transportieren seien
9 Bukarest, 22. Aug. Als Beweis, daß Bulgarien die Anhänger des Revolution skomites in Sofia beschützt veröffentlichen die Blätter die Mitgliederliste des Komites. darunter befindet sich der Flügel-Adjutant des Fürsten General Nikolajew, die Obersten Petrow und Zalewski, ' mehrere Hauptleute und eine große Anzahl Leutnants. , „ „ ... .
Sofia, 22. August. Es verlautet mit Bestimmtheit, daß die Mobilisierung der drei nordbulgarischen Di--
Ausland.
Haag, 22. August. Das „Reutersche Büreau" ist ermächtigt, der in auswärtigen Blättern verbreiteten Meldung von der Verlobung der Königin Wilhel- mina entgegenzutreten.
Paris, 22. August. Dem „Petit Journal" zufolge ist der Deputierte Cluseret, seinerzeit Mitglied der Pariser Kommune, g e st o r b e n. Gustave PaulCluseret war 1823 in Paris geboren. Er ging zum Militär, wurde 1855 Kapitän des 8. Jägerregiments. Da er revolutionären Anschauungen huldigte, trat er 1858 aus der Armee aus, machte unter Garibaldi den Zug nach Sizilien und Neapel mit und ging dann nach Amerika, wo er im Sezessionskriege in der Armee der Vereinigten Staaten kämpfte und es bis zum Brigade-General brachte. 1867 kehrte er nach Frankreich zurück. Nach dem Sturze des Kaiserreichs ging Cluseret nach Lyon, um dort eine Republik nach seinen Grundsätzen zu gründen und eine Föderation des Südens herzustellen; die Nationalgarde vereitelte jedoch sein Unternehmen. Nach dem Friedensschlüsse kehrte er nach Paris: zurück; er beteiligte sich an den Vorbereitungen der Kom-
Königs Humbert in der liberalen Presfe yervornes. ine Note versuchte zu erläutern und zu rechtfertigen, der Vatikan habe sich korrekt benommen. Ein halbes Jahrhundert Geschichte werde nichjt durch eine Leichenfeierlichkeit ausgelöscht und eine Vergangenheit voll von Protesten uno Zurückforderungen verschwinde nicht angesichts der schErz- lichen Wirklichkeit des Augenblicks. An der Bahre des Königs Humbert sei kein Wort gesprochen worden, welches für deN Verewigten ehrender lautete, als das unserige, das den Hinterbliebenen und denen, die für ihn gebetet, ein wirklicher Trost war. ,
— Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Ferrari, bat dem Bürgermeister von Mailand mitgeteilt, daß er der Gedächtnisfeier für König Humbert int Dom beiwohnen und Absolution erteilen werde. Diese Nachricht erregt in Rom allgemeines Aufsehen.
_ Der Deputierte Filippo Torati hat, nachdem er gestern eine neue Unterredung mit dem Königsmörder Bresci hatte, die Verteidigung des Letzteren abgeleynt. In der letzten Unterredung, die der Advokat mit bresci hatte, erklärte Letzterer mit aller Bestimmtheit, er habe die That ganz allein erdacht und ausgeführt.
Wien, 22. August. Der deutsche Botschafter in Konstantinopel, Freiherr von Marschall, ist heute hier em-
^uue, die ihn, als sie proklamiert war, am 4. April zum Chef der ^iegsverwaltung ernannte. Da er es aber als Soldat mit'seinen ^Mchten ernst nahm, zog er sich das Mißfallen des Zentralkomitee J«: er wurde der Bestech- ung durch die Versailler Regierung angeklagt, und als das Fort Jssy am 30. April von seiner Besatzung schmählich! geräumt worden war, wurde Cluseret verhaftet und des Verrats angeklagt; es kam aber nicht zum Prozeß und noch ehe die Versailler Truppen Paris eroberten, wurde er in Freiheit gesetzt. (££ floh nach England und dann nach Mexiko. Das Kriegsgericht von Versailles verurteilte ihn 1872 zum Tode. Die große Amnestie von 1880 führte ihm nach Paris zurück. Er schrieb seine Memoiren und verschiedene historische Arbeiten; auch trat er wieder in die PoliNt ein. Seit 1888 gehörte er der Kammer an.
Bordeaux, 22. August. Der Marineminister Lanessan sagte in einem Trinkspruch, den er gestern abend im „Cercle Voltaire" ausbrachte, es werde der Republik zur Ehre gereichen, daß sie die Flotte vermehrte. Frankreich scheine durch seine vorteilhafte Lage mehr als irgend eine andere Nation dazu bestimmt, den großen Transitmarkt für ganz Europa zu bilden. Wenn Frankreich seine Kriegs- und Handelsmarine weiterentwickele, die Politik kolonialer Ausdehnung verfolge und den Frieden auf dem Kontinent anstrebe, muß es im stände sein, unter den Nationen, die der Handel bereicherte, einen der ersten Plätze, vielleicht sogar den ersten Platz einzunehmen. Die französische Demokratie werde in ganz entschiedener Weise die Politik kommerzieller und industrieller Thätigkeit weiter verfolgen, die allein dazu angethan sei, die Vermehrung des nationalen Wohlstandes und die fortschrittliche Entwickelung des Landes sicherzustellen.
R o m, 22. Lhugust. Nach einer Mitteilung des „Casfaro in Genua hatte König Humbert sein Leben versichert wie folgt: Bei der New Yorker Lebensversicherungs-Gesellschaft für 14 Millionen; bei her „.Jiutual Life" für 8 Millionen; bei der „Equitable" für 4 Millionen und bei verschiedenen europäischen Gesellschaften zusammen für 10 Millionen; das macht im ganzen 36 Millionen Lire.
— Der „Osservatore Romano" veröffentlicht heute abend einen Artikel mit der Ueberschrift „Liberale Dankbarkeit", in dem hervorgehoben wird, welchen Lärm die Note vom 18. d. M., betreffend die Haltung des Va - gegenüber den Beisetzungsfeierlichkeiten des Humbert in der liberalen Presse hervorrief. Die


