Ausgabe 
24.8.1900 Zweites Blatt
 
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Nr 197 Zweites Blatt. Freitag den 24. August

1900

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Aints- und Unjcigeblatt für den Kreis Gieszen.

Amtlicher Wl.

Bekanntmachung.

Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringels­hausen; hier die Arbeiten des III. Abschnittes.

In der Zeit vom DienStag, 28. August l. IS. bis einschließlich Montag, 10. September l. IS. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen die Arbeiten des III. Abschnittes rubr. Feldbereinigung, nämlich: I.

1. 6 Zuteilungskarten,

2. 1 Zuteilungsverzeichnis,

3. 1 Band Gütergeschoffe,

4. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse,

5. 1 GeldausgleichungSverzetchniS über den Zuviel- oder Zuwenigempfang von Geländewert,

6. 1 Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume nach dem alten und neuen Stand,

7. 1 Geldausgleichungsverzeichnis über den Zuviel- oder Zuwenigempfang an Obstbaumwert,

8. das Protokollbuch.

II. Bezüglich der aus der Gemarkung Raberts­hausen infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke:

1. 1 ZuteilungSkarte,

2. 1 ZuteilungsoerzeichniS,

3. 1 Band Gütergeschoffe,

4. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschoffe,

5. 1 GeldausgleichungSverzetchniS über den Zuviel oder Zuwenigempsang an Geländewerk,

6. 1 Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume nach dem alten und neuen Stand,

7. 1 Geldausgleichungsverzeichnis über den Zuviel- oder Zuwenigempfang an Obstbaumwert,

zur Einsicht der Beteiligten offen.

Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hier­gegen findet statt: DienStag, 11. September l. IS. vormittags von 10 bis 11 Uhr aus dem Amts­zimmer der Großh. Bürgermeisterei Raberts­hausen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen ein­lade, daß die Nichterscheincnden mit Einwendungen aus­geschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzu- faffen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße minde­stens Va Bogen einzureichen.

Friedberg, 21. August 1900.

Der Großh. Bereinigungskommiffär. ______________Süffert, Regierungsrat.

Die Wirren in China.

Die neuesten Nachrichten aus China lassen sämtliche erkennen, daß von einem Einstellen der kriegerischen Maß­nahmen der Verbündeten noch lange keine Rede sein kann. China sammelt außerordentlich eifrig Truppen, um die von den Alliierten eingenommenen Städte zurück zu er­obern. Li-Hung-Tschangs Friedensbedingungen dürften nicht anders aufgefaßt werden, als ein Mittel, Zeit zu gewinnen, um den verbündeten Truppen bei erster Ge­legenheit in den Rücken zu fallen. Daß diese Bemühungen von allen beteiligten Regierungen in der angedeuteten Weise aufgefaßt werden, beweist dieeinmütigeZurück- weisung der Forderungen Li-Huna-Tschangs, die Feind­seligkeiten einzustellen. Die Anwesenheit des Grasen Bülow und des Kriegsministers von Goßler beim Kaiser in Wil- helmshöhe dürften mit dem angekündigten Ersuchen Li- Hung-Tschangs, Bevollmächtigte zu ernennen, Zusammen­hängen. Die Antwort auf diese Forderung wird Lr-Hung- Tschang gewiß wenig befriedigen. Es ist zur Stunde völlig unvar, auf welche Vollmachten Li-Hung-Tschang sich stützt und roelchen Wert diese Vollmachten unter den veränderten Verhältnissen noch haben.

WbeBbm, lmbtti»n und Dru afftet: Ar. 7.

GrLÜsbeila-m: Gießemr Zamittenblätter, Der heWche Landwirt, Klätter Mr hessische Voülsimn-r._________________

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AuS Peking.

Reuters Büreau meldet aus Peking vom 14. August: Die amerikanischen und russischen Fahnen wurden heute vormittag 11 Uhr auf der östlichen Mauer Pekings auf- gepslanzt. Die indischen Truppen zogen um 1 Uhr, die amerikanischen um 3 Uhr in die britische Gesandtschaft ein und wurdet von den abgezehrten Insassen, die nur noch für drei Tage Nahrungsmittel hatten und von. den Chinesen zwei Tage heftig angegriffen worden waren, freudig empfangen. Tie Japaner begannen den Kampf vor Tagesanbruch und kämpfen noch an der nördlichen Mauer. Ein Teil der chinesischen Truppen ver­teidigt die kaiserliche Stadt. Die Verluste der Japaner sind unbekannt. Die Russen verloren 5 Tote und 12 Ver­wundete, die Engländer und Amerikaner hatten nur einige Verwundete. Die Befehlshaber der Verbündeten hatten eigentlich beabsichtigt, am 15. ds. zum allgemeinen Angriff zu schreiten. Die Truppen waren in einem Lager ange­kommen, das sich nur 8 Kilometer östlich der Stadt befand. Sie waren sehr erschöpft und schliefen in den Kornfeldern bei strömendem Regen. Die Generäle wurden dann durch heftiges Geschütz- und Gewehrseuer alarmiert, woraus sie entnahmen, daß die britische Gesandtschaft heftig ange­griffen wurde. Sie gingen infolgedessen getrennt vor, und zwar die britischen, amerikanischen und französischen Trup­pen auf dem linken Ufer, die russischen und japanischen auf dein rechten Ufer des Kanals. Die Japaner lenkten den heftigsten Widerstand der Chinesen nach dem nördlichen Teile der Stadt! a>b, wo die japanische Artillerie die chine­sische in einen schweren Kampf verwickelte. Die Engländer und Amerikaner trafen nur auf geringen Widerstand, bis sie in die Stadteinzogen, wo es au einem K ampf in den Straßen kam. Die Truppen drangen schließlich durch den Kanal in das Gesandtschaftsquartier ein.

Aus Tschifu wird gemeldet: Die japanischen Truppen besetzten den kaiserlichen Palastin Peking am IG. ds. Etwa vier Tage vor der Besetzung von Peking haben die Kaiserin-Witwe, der Kaiser und die Minister unter der Bedeckung von 3000 Mann Truppen Tungfuhsiangs Peking verlassen. Ihr Ziel soll Sinangfu in Schensi sein. Da in Peking große Wirren herrschen, wurde die Stadt in verschiedene Sektionen eingeteilt und die eine Hälfte der Tatarenstadt auf der nördlichen Seite unter die Aufsicht der japanischen Truppen gestellt. Von den betreffenden verbündeten Truppen wurden verschiedene Komites ernannt, welche die Ruhe in der Stadt aufrecht erhalten sollen. Diese Komites werden von Japan, Ruß­land, Amerika, England und Frankreich gestellt. Der ja­panischen Abteilung ist es gelungen, die innerhalb der kaiserlichen Stadt gefangen gehaltenen fremden Missionare und chinesischen Christen zu befreien. Die Japaner ver­loren an Toten und Verwundeten 200 Mann. Der Verlust des Feindes bezifferte sich auf 600 Tote.

Ein Londoner Telegramm lautet: DerTimes" wird gemeldet, daß die Japaner während der Rekognoszierung vor Peking den Stallknecht des Generals Tungfuhsiang abgefangen haben. Derselbe erzählte, der General habe mit 15 000 Truppen Peking am 15. August verlassen, um nach. .Kuangsi zurückzukehren.

Die M i s s i o n a r e der anglikanischen Gesellschaft sind, wie aus Shanghai gemeldet wird, in Sicherheit, sie trafen in Tsing-King ein.

Waldersee.

Nach einer Meldung aus Rom hatte Graf Waldersee am DienStag beim König Viktor Emanuel eine halbstündige Unterredung. Der Graf wurde auf der Fahrt vom Pantheon zum Quirinal mit nicht enden wollenden Evvivarufen be­grüßt. Nm 2 Uhr 45 Min. fuhr Graf Waldersee nach Neapel, nachdem er auf dem Sarge des Königs Humbert im Pantheon einen Kranz niedergelegt und beim König an der Frühstückstafel teilgenommen hatte. Der Dampfer Sachsen" traf am Mittwoch mit dem Stabe des Grafen Waldersee, zwei österreichischen, zwei russischen, einem eng­lischen Offizier und 80 Soldaten in Neapel ein.

General von Hanneken teilt derPost" mit, daß er nicht zum Stabe des Grafen Waldersee kommandiert sei. Er werde vielmehr als Adlatus des Johanniter- RitterS Hauptmann v. Perband dem Etappen-Kommando der ostafiatischen Expedition zugeteilt werden und die Reise nach China am 7. September antreten.

Telegramme de- Gietzeuer Anzeigers.

Wrlheimshaveu, 23. August. Der deutsche Delachements- führer in Peking, Oberleutnant Graf von Soden, meldet: Peking am 15. ds. entsetzt. Bon dem fünfzig Mann starken Detachement sind 11 gefallen, 5 leicht und einer schwer verwundet.

London, 23. Augusts Der hiesige japanische Gesandte erklärte in einem Interview, es wäre ein großer Fehler,

die jetzige chinesische Dynastie stürzen zu wollen, da infolgedessen eine völlige Anarchie ausbrechen würde. An­dererseits seien Reformen ohne eine Revolution nicht mög­lich. Der Botschafter schlug die Einberufung eines inter­nationalen Kongresses zur Beilegung der chinesischen Wirren vor.

London, 23. August.Daily Mail" meldet aus Rom, Graf Waldersee habe dem König erklärt, das Friedenswerk in China werde noch lange dauern.

London, 23. August. DieTimes" veröffentlicht ein Telegramm aus Tung-Tschou vom 21. August, das besagt, daß die Verluste der verbündeten Truppen bis heute größtenteils den zahlreichen Todesfällen an Sonnen­stich zuzuschreiben sind. Die Verluste der Europäer auf dem Schlachtfelde würden bedeutend größer gewesen sein, wenn nicht die Japaner bei jedem Zusammenstoß die größte Tapferkeit und Aufopferung an den Tag gelegt hätten.

London, 23. August. Nach einem Telegramm der Morning Post aus Peking habe das Tsung-li-Aamen am 12. August eine Konferenz zur Verständigung mit den fremden Gesandten vorgeschlagen. Die Gesandten lehnten jedoch den Waffenstillstand ab.

London, 23. August.Central-NewS" melden aus Berlin, Deutschland billige vollkommen die Antwort Mac Kinleys auf den Vorschlag Li-Hung- Tsch angS.

London, 23. August. Nach einem Telegramm aus Port Said ist die deutsche Torpedoflottille auf dem Wege nach China dort eingetroffen.

Paris, 23. August. Die Großmächte verein­barten zwei Hauptpunkte für die endgiltige Rege­lung der Chinafrage, nämlich die Integrität deö chine­sischen Reiches und die Erhaltung der Mand- schuh-Dynastie, weil die Einsetzung einernenen Dynastie schwere innere Kämpfe Hervorrufen müßte. Li Hungtschang pflegt täglich Beratungen mit den fremden Konsuln in Shanghai.

Neapel, 23. August. Generalfeldmarschall Graf Waldersee hat sich gestern abend 11 Uhr an Bord der Sachsen" eingeschifft. Die Spitzen der Behörden sowie eine große Menschenmenge hatten sich zu seiner Begrüßung ein- gefunden.

Der Krieg in Südafrika.

Es ist nicht möglich, sich ein anschauliches Bild von den Vorgängen im Norden Pretorias zu machen und Klar­heit darüber zu gewinnen, ob De Wet dort allein operiert und welche Pläne er hat. Nach einer Reutermelduna aus Pretoria vom 22. ist es offenbar De Wets Absicht, sich nach dem B o s ch v e l d t zu wenden. Ein Telegramm aus Lou- renzo Marques besagt, daß die Bevölkerung von Lydenburg den Buren den Eintritt in das Gebiet verweigert. Die Buren beschlossen, den Engländern bei Baberton Wider­stand zu leisten. Laffans Bureau teilt mit, daß General D e W e t mit den Truppen des Obersten Mahon bei Wan­dersloop in ein Gefecht verwickelt war. Der Aus­gang des Kampfes ist n o ch n ich t bekannt. Der Standard meldet aus Pretoria vom 20., Machadodorp sei geräumt worden. Diese Meldungen sind jedoch kaum mehr als Vermutungen. Nach einer Reutermeldung aus Twyfelaar vom 20. sollen die Burengeneräle Louis Botha, Lukas Meyer, Schalk, Burger, Fourie und Tobias Smuts pr Zeit mit etwa 8000 Mann und der ganzen Artillerie oer Buren, einschließlich der schweren Geschütze, bei Macha­dodorp stehen. Das ist zwar auch nur wieder eine Ver­mutung. Buller hat bei Twyfelaar, während er mit der Sicherung seiner rückwärtigen Verbindungen zu thun hat, nicht Zeit und Leute übrig, um das Borgelände und die Verhältnisse beim Feinde aufzuklären. Außerdem hat ihm ein aus den Händen der Buren entkommener Gefangenes dieser Tage wichtige Aufschlüsse gemacht. Nach den Aus­sagen dieses Mannes, der übrigens an der Behandlung der Gefangenen durch die Buren nichts zu tadeln fand als die knappe Verpflegung, unter der die Buren selbst zu leiden haben, befinden sich bei Machadodorp ein stark be­festigtes Lager mit 3000 Buren und viele kleine Lager in dem Gebiete zwischen Carolina und Machadodorp, sodaß es dem Manne nur mit Mühe gelang, sich durch, sie un­gefährdet hindurchzustehlen. Es hat demnach zunächst nicht den Anschein, als ob Botha feine Stellungen hier ohne größern Kampf aufgeben will. Nach Meldungen vom 22. ds. M. nahm Carrington den Buren Vorräte weg und hatte M e thue n ein Ge fecht mit dem Lichtenburg- Kommando bei O tt o s - H o o p. Von Kitchener hört man noch immer nichts. . .... . _

Der BurenkornmandantOo st Hurzen ist fernen bei Krügersdorp erlittenen Verwundungen erleg en.

In Antwerpen trafen drei Mitglieder der bel-