Ausgabe 
31.7.1895
 
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'Oießeuer Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener AamikieuStätter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Mittwoch den 31. Juli

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Kchener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

vierteljähriger Avoauementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

SlKutstraße Ar.7. Fernsprecher 51.

«ießen, den 30. Juli 1895.

** Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß» Herzog haben Allergnädigst geruht, am 21. Juli dem ersten Präsidenten derLiedertafel" Dr. Ludwig Strecker in Mainz die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft und dem zweiten Präsidenten derLiedertafel" Dr. Ludwig Oppenhe im in Mainz das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

** Ernennung. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 24. Juli den vor­tragenden Rath bei dem Ministerium des Innern und der Justiz, Abtheilung für Schulangelegenheiten, Oberschulrath Dr. Heinrich Eisenhuth und den Vorsitzenden der Jn- validitätS- und Altersversicherungsanstalt, Regierungsrath Dr. August Dietz zu Mitgliedern der Centralstelle für die Landesstatistik zu ernennen.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 1. August 1895, Nach­mittags 4 Uhr: 1. Gesuch deS KaufmanS Karl Loos um miethweise Ueberlasiung eines Lagerraums. 2. Die Errichtung einer Lastwaage- hier: die Waage auf dem Seltersberg. 3. Neuherstellungen am Gaswerk- hier: Be­stellung der zweiten Gaskraftmaschine für den GaSsauger. 4. Der städtische Schlachthof- hier: Anbau an den Groß­viehstall und Vergrößerung der Freibank. 5. Fortsetzung der Wasserleitung auf dem Tiefenweg zwecks Anschlusses deS Lindenstruth'schen Hauses. 6. Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Großh. Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen für 1894/95. 7. Die Rechnung der Gemeindekrankenverficherung für 1894. 8. Die Rech­nung der Armenkasse Gießen für 1893/94- hier: Revifions- Bemerkungen 14 und 29 zu derselben. 9. Gesuch des Karl Loth zu Gießen um Ertheilung der Erlaubniß zum WirthschaftSbetrieb auf der LiebigShöhe. 10. Gesuch der A. u. G. Wallenfels um Erlaubniß zur Erbauung eines Lagerhauses. 11. Desgl. des G. Bichl er zur Aufführung einer WirthschaftShalle an der Westanlage. 12. Herstellung erhöhter Trottoirs in der Brandgasse- hier: Feststellung der Baufluchtlinien. 13. Gesuch wegen Uebernahme der Schanzeu­straße Seitens der Stadt. 14. Die Göthestraße- hier. Gesuch um Pflasterung des Trottoirs.

Amts- und Anzeigeblatt für ben Tkveis Gieszen

Hratisöeikage: Hießener Iamitienblätter.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

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Oceanfabrt Dach Newyork 7~8 Tage, !he und billige e|egenheit. ft durch:

Giessen, hel® Acker, Berstadt iiat

Amtliche* Theil.

Bekanntmachung.

In der Gemeinde Werdorf, Kreis Wetzlar, ist unter r,en dortigen Schweinebeständen die Rothlaufseuche amtlich fest­gestellt worden.

Gießen, den 26. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Nr. 30 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 26. d. M., enthält:

(Nr. 2258.) Verordnung, betreffend die Einführung «der Strandungsordnung in Helgoland. Vom 20. Juli 1895.

Gießen, den 30. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

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neueste Nachrichten»

Wolffs telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

Lern, 29. Juli. Das eidgenössische Schützenfest ist gestern in Winterthur bei Prachtvollem Wetter und ungeheurer Betheiligung eröffnet worden. Viele ausländische Schützen, vor allem auch deutsche, waren erschienen.

Paris, 29. Juli. DerTempS" meldet aus Havre, daß die englischen DampferCleveland" undDusstlde" bei Folkestone zusammenstteßen. DerCleveland" sank. Sieben Personen sind ertrunken.

Madrid, 29. Juli. DieGazette de Madrid" veröffent­licht ein Decrer, wodurch die Reserve des Jahrganges von

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. empfohlen

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1891 einberufen wird., Madrid, 29. Juli. Bei Bayamo (Cuba) fand ein

Kampf statt, worin die Aufständischen 1500 Mann verloren,

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darunter einen Oberst.

Loudon, 29. Juli. Nur noch drei Wahlen sind nicht erledigt, zwei in Irland und eine in Schottland. Die Ver- iheiluug auf die Parteien ergibt folgendes Resultat: 340 Con- servative, 70 Unionisten, 174 Liberale, 12 Parnelliten, 69 Antiparnelliten, 2 Arbeitercandidaten. Die Regierung verfügt über eine glatte Majorität von 153 Stimmen.

Loudou, 29. Juli. In der heutigen Nachmittagssitzung deS 6. internationalen Geographen-Congresses erregte die Erforschung der Polarregionen das meiste In- teresse. Nach einem bedeutsamen Vortrage deS Professors Nrumaher-Hamburg über die wissenschaftliche Erforschung der antarktischen Regionen verlas Andree einen im höchsten Grade interesfirenden Vortrag über seine Art und Weise, den Nordpol mittels Ballons zu erreichen. Die Versammlung folgte dem Vortrag mit gespannter Aufmerksamkeit und der Vortragende erhielt den lebhaftesten Beifall. Der deutsche Athenäumclub veranstaltete gestern Abend für die deutschen und österreichischen Congreßtheilnehmer eine Festlichkeit.

Petersburg, 29. Juli. Der Finanzminifter Witte hat sich nach Nishni-Nowgorod begeben, um die Arbeiten für die dortige Ausstellung zu besichtigen. DerBirch. Wjed" zufolge lehnte das Finanzministerium das Gesuch der pol­nischen Bauern um Erhöhung des Zolles auf aus­ländischen Hopfen ab. Die Hopfenbauern beschlossen darauf, angesichts der ausländischen Concurrenz ein Syndicat für den gemeinsamen Betrieb deS Hopfenhandels zu bilden.

Sofia, 29. Juli. Den beim KriegSminifterium einge- lausenen Meldungen zufolge sind die in Macedonien auf­getauchten Banden hauptsächlich vernichtet. Ein von der -Grenze eingetroffener Offizier erzählt, daS Grenzgebiet fei nahezu ganz frei von Aufständischen. Erst in den letzten tagen kamen wieder 200 Flüchtlinge an, welche entwaffnet und in daS Innere des Landes geschickt wurden.

Depeschen deS Bureau .Herold*.

Berlin, 29. Juli. Die vertrauliche Conferenz der auswärtigen Vertreter der Vorstände deutscher Jnnungsverbände hat heute begonnen. Bon der Regierung waren erschienen: Geheimer Regierungs- rath Wilhelmi vom Reichsamt deS Innern und Geheimer Oberregierungsrath Dr. Sieffert aus dem Handelsministerium. (Die Regierung hat der Conferenz eine Vorlage unterbreitet, welche die Organisation des Handwerks, ferner das Lehr- ltngSwesen, die Handwerkerkammern und den Meistertitel Betrifft. Die Frage des Befähigungsnachweises wird nicht io Betracht kommen. Für die Verhandlungen sind drei Tage in Ausficht genommen. Man erwartet Annahme der Vorlage anit unwesentlichen Aenderungen.

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Berlin, 29. Juli. In einem Leitartikel über die nächste Volkszählung sagt dieNordd. Allg. Ztg." zu den Mit- theilungen der Blätter, in welchen die Gründe dargelegt werden, die den Bundesrath bewogen hätten, diese Zählung bei dem 1. December zu belassen, trotzdem der 1. December auf einen Sonntag fällt, Folgendes: Allerdings habe der BundeSrath diese Gründe, nämlich daß die Volkszählungen seit 1871 stets am 1. December stattgefunden haben und daß dieser Tag in diesem Jahre ein Sonntag sei, also ein arbeits­freier Tag, welcher dem Publikum besondere Muße zur Aus­füllung der Formulare gewährt, gewürdigt, aber doch nicht als ausschlaggebend anerkannt, denn thatsächlich habe er die Volkszählung auf Montag den 2. December festgesetzt.

Berlin, 29. Juli. DasKleine Journal" meldet aus Sofia: Die angesagte Demonstration zu Gunsten dermacedonischenErhebung erreichte keinen besonderen Umfang. Gestern Vormittag 10 Uhr fand eine Trauermesse für die Gefallenen statt, der zahlreiche bulgarische Offiziere beiwohnten. Sodann schlossen sich ungefähr 500 Demon­stranten zu einem Zuge zusammen, an dessen Spitze man die Bilder zweier gebliebener Offiziere nebst zahlreichen Kränzen trug. Beim Durchzug durch die Stadt hielt der Präsident des Macedonier-Veretns eine Rede, welche lebhaft acclamirt wurde. Unter dem Gesang von Freiheitsliedern zog die Menge vor das fürstliche Palais. Dort wurde Halt gemacht und mehrere Male stürmisch demonstrirt, wobei auch der Ruf: Es lebe die Revolution" erscholl. Hierauf zerstreute sich die Menge.

Berlin, 29. Juli. Generalfeldmarschall Graf Leon­hard von Blumenthal vollendet morgen sein 85. Lebens­jahr.

Berlin, 29. Juli. Reichskanzler Fürst Hohen­lohe wird am 15. k. M. von Auffee nach Berlin zurück­kehren und sich unmittelbar nach den mit der Grundstein­legung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals verbundenen Festlichkeiten wieder auf seine Güter in Süddeutschland begeben.

Berlin, 29. Juli. Die Maurer Berlins haben be­schlossen, ab heute auf allen Bauten, wo ein Stundenlohn von 50 Pfg. und darunter gezahlt wird und sich die Collegen einig find, Lohnerhöhung zu verlangen und eventuell die Arbeit einzustellen.

Berlin, 29. Juli. Gestern Vormittag kam es am Kottbuser Ufer zu einem Zusammenstöße zwischen Schutzleuten und dem Publikum. Auf der Böschung des Canalufers hatten mehrere Personen genächtigt, unter denen ein heftiger Streit entstand. Schutzleute brachten einen Theil derselben zur Wache. Da ein Mann sich der Ststirung widersetzte, mußten noch fünf Beamte geholt werden. Das Publikum ergriff Partei für den Widerspenstigen und umringte die Schutzleute, sodaß diese von. der blanken Waffe Gebrauch machen mußten. 14 Personen aus dem Publikum wurden verhaftet.

Potsdam, 29. Juli. Der Kaiser ist heute Vormittag 9 Uhr im Neuen Palais bei Potsdam angekommen.

Munster i. W., 29. Juli. Heute Morgen wurde ein Kaufmannslehrling beim Betreten der Reichsbank von einem unbekannten Manne mit einem Hammer niedergeschlagen und eines Beutels mit 7000 Mark beraubt. Der Thäter ist entkommen.

Wien, 29. Juli. -Huch Seitens der dem Hose nahe­stehenden Blätter wird nun die in verschiedenen Zeitungen aufgetauchte Meldung, daß Kaller Franz Joseph am 25. August nach London kommen werde, als falsch bezeichnet. Der Kaiser verbleibt während des ganzen Monats in Ischl, empfängt dort den Besuch des rumänischen Königspaares und begibt sich am 1. September direct zu den Manövern nach Budapest.

Brufiel, 29. Juli. Die gestrige Landes-Kund­gebung gegen das Schulgesetz ist ruhig verlaufen. Etwa 7080000 Manifestanten nahmen daran Theil. An der Spitze des Zuges schritten liberale und soctalistische Ab­geordnete und Senatoren. Unzählige Plakate mit Inschriften für und wider die Regierung wurden getragen. Janson, Anfeile und van der Velde hielten mehrmals regierungs­feindliche Reden. Um 6 Uhr sprengte ein heftiger Regen den Zug. Die Polizei brauchte'nirgends einzuschreiten.

Brufiel, 29. Juli. Die Blätter besprechen die gestrige große Kundgebung und deren Bedeutung in verschieden­artiger Weise. Die katholische Presse meint, die Manifestation, in welcher das sociale Element vorherrschend gewesen sei, beweise, daß das Schulgesetz eine Nothwendigkeit sei, da durch dasselbe die religiösen Gefühle wieder gehoben würden. Die radicalen Organe schreiben: Wenn die Socialisten und die Liberalen bei den nächsten Wahlen wieder so zusammen- I gehen, wie gestern im Zuge, so haben sie daS Schicksal der

VolkSunterdrücker in ihren Händen. ES genügt dann, sich zu vereinigen, um die reactionäre Regierung zu erwürgen.

London, 29. Juli. Aus Kairo wird gemeldet, daß muselmännische Einwohner beim Begräbniß englischer Soldaten die Theilnehmer mit Steinen bewarfen. Die Polizei schritt ein und nahm mehrere Verhaftungen vor. Der Vertreter Englands hat sofort den Klageweg beschritten.

Newyork, 29. Juli. Der bekannte Millionär Band erb ill wurde in seinem eigenen Hause von einem Menschen angefallen, der eine größere Geldsumme ver­langte. Herbeigerufene Polizei befreite Vanderbill von dem Angreifer.

Der Krieg von 1870|71,

geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

81. Juli.

Paris. Nie zuvor ist in Frankreich ein Krieg mit geringerem Enthusiasmus oder mit größerem Mißtrauen auf schließlichen Erfolg unternommen worden, als der gegen­wärtige. Die Massen auf den Boulevards, welche aus- riefen, wie glorreich es sei, fürs Vaterland zu sterben, find verschwunden. Die Truppen, welche durch Paris marschireu, um nach dem Kriegsschauplatz zu gehen, durchziehen die Straßen ohne Kundgebung. Hier und da sieht man Gruppen von Soldaten, die im Begriff sind, sich ihren Regimentern anzuschließen, sie sind in der Regel alle betrunken, die Müssiggänger starren sie an und zucken die Achseln. Paris bietet einen Anblick, der nicht melancholischer sein könnte, wenn die Preußen schon vor den Thoren ständen. Der Enthusiasmus unsererPatrioten" ist höchst bedenklicher Art, er ist eine Maskerade, welche durch die bonapartistische Polizei organisirt wird und bei der in erster Linie die frechste Prostitution der Marseillaise figurirt. Dirnen von der Art der Mademoiselle Theresa entweihen in den Cafs Chantants das Lied, mit dem einst eine Rachel die Herzen des Volkes zu entflammen wußte. In den Localen der Demimonde veranstaltet manpatriotische Bälle" und tanzt patriotische CancanS.