Ausgabe 
29.8.1895
 
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Von der Gail' sehen Dampfziegelei und Thon- waarenfabrik ist hier auf dem Schulhof eine recht inter« effante Bauconstrucliou aufgeführt, um die Belastungsfähigkeit eines aus ihrem Material hergerichteten, horizontalen Spann- gewölbeS vorzuführen.

Gieße», den 28. August 1896.

* * DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde ertheilt: durch Allerhöchste Entschließung Seiner Königl. Hoheit des Groß Herzogs vom 16. August 1895 dem M'tgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Gernsheim Andreas Kissel III.

* * Seda»! Wie mächtig schlägt das Soldateuherz und vornehmlich das eines Veteranen bet dem Gedanken an Sedan, und dies umsomehr jetzt zur 25jährigen Jubel- feier jener für unser geliebtes Vaterland so glücklich Der« laufeuen Ereignisse. Aber nicht allein bet dem Veteran, dem Beschützer deutscher Erde und deutschen EigenthumS, sondern auch bei dem Bürger im Ctvilrock, als dem Be­schützten in jener Zettepoche ruftSedan" eine Begeisterung hervor, wie sie ungekünstelter nicht gedacht werden kann. ES ist nicht der Schlachtentag, sondern der Tag der Dank­abstattung und der Freude über die erreichte FrtedenS- sicheruug, welche die Herzen höher schlagen läßt wie sonst. Dem Kriegerveretu ist, wie schon bekannt, die Auf­gabe zugefallen, eine entsprechende Feier der 25jährtgeu Wiederkehr des SedantageS in die Wege zu leiten und hat derselbe in seiner gestrigen Generalversammlung beschloffen, die Sedanfeter wie folgt etnzuleiten: Am Samstag Abend Zapfenstreich durch die Stadt und Abbrennen eines Freuden- feoers in der Nähe derSchönen Aussicht". Hierauf ge- mürhltcher Schoppen daselbst. Am Sonntag Morgen Reveille durch die Stadt. Nachmittage 3 Uhr wird die Fahne des K^tegerveretnS, dann die des Veteranen- und Martnevereins abgeholt und hierauf FeldgotteSdienft auf dem Brandplatze, unter freundlicher Mitwirkung deS Herrn Pfarrer Dr. Nau­mann abgehalten werden. Die Vereine rücken sodann nach Steins Garten" ab, wo Banket mit Ansprachen und Ge­sang stattfinden und zum Schluß ein entsprechendes Feuer« werk abgebrannt werden soll. Die Festrede hat in bereit­willigster Weise Herr Professor Dr. Schwarz übernommen. Rückfichtlich des Freudenfeuers wollen wir noch bemerken, daß mit Fähnten gekennzeichnete Wagen durch die Stadt fahren, welche Brennmaterial sammeln, und bedarf es wohl kaum des Hinweises, recht freigebig sich zeigen zu wollen, wie es einer besonderen Erinnerung nicht nöthig sein dürfte, daß man Sedan auch durch Flaggenschmuck feiern möchte.

Illumination. Wie man uns mittheilt, soll zur Feier der 25jährigen Wiederkehr deS SedantageS eine allgemeine Illumination veranstaltet werden, genau wie am Tage der Siegesnachricht hier ein Gleiches stattgefunden.

* Grnndbefitz Versteigerung. Laut Ausschreiben (siehe Nr. 201 dS. Bl.) des Großh. Amtsgerichts Bad-Nauheim wird am 14. September der in der Gemarkung Ober-Mörlen belegene Grundbesitz deS Freiherrn V. v. Nordeck zur Rabenau versteigert. Dazu gehören das im 17. Jahr- hundert massiv von Bruchsteinen erbaute Schloß mit vor­züglicher Einrichtung, umgeben von dem durch hohe Mauer eingefriedigten Park, in welchem sich noch die Oeconomie- Gebäude und Nutzgärten befinden. Dieser HerrschastSfitz ersten Ranges liegt in nächster Nähe Bad Nauheims am Fuß des TaunuSgebirgeS bei größeren, wildreichen Waldungen und dürste wohl Kauflustige unter wohlhabenden Leuten finden.

* * Nobles Betragen. Ein Handelsmann lud in ver­flossener Nacht um 3 Uhr in der Schloßgasie Maaren auf seinen Wagen und wurde hierbei von einem Studenten und einem Einjährig-Freiwilligen auf alle möglich» Weise chicanirt. Nicht genug damit, denn als der Handelsmann zum Wall- thor hinaussuhr, sah er sich von den beiden wiederholt an­gegriffen, ja, mit einem dicken Prügel schlug einer auf ihn ein. Als die Frauen, die sich auf dem Wagen befanden, um Hilfe riefen und ein Schutzmann herbeteilte, nahmen die Thäter ReißauS, Stock und Hut zurücklassend.

* * Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerftelle an der Gemeinde- schule zu Wahlheim, Kreis Alzey, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ippesheim, Kreis Alzey, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mil der Stelle ist Organiftendtenst verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstellc an der Gemeinde­schule zu Rendel, Kr. Friedberg, mit einem jährlichen Ge­halte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Oppenrod, Kreis Gießen, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Eine mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge- metndeschule zu Londorf, Kreis Gießen, mit einem jährlichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ist Orgauistendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Lehnheim, Kreis Alsfeld, mit einem jährl. Gehalte von 900 Mk. Die mit einem evangel. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vadenrod, Kreis Alsfeld, mit einem jähr- lichen Gehalte von 900 Mk. Mit der Stelle ,ft Organisten- dienst verbunden. Eine Lehrerftelle an der katholischen Schule zu Dieburg mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1000 bis 1600 Mk. Mit ctr Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Die erste Lehrerinven- stelle an der katholischen Schule zu Dieburg mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 1000 bis 1250 Mk. Dem KreiSrath, sowie dem kathol.

Pfarrer und dem Stadtvorftand zu Dieburg steht das Prä- sentatioaSrecht zu derselben zu. Die mit einem katholischen Lehrer zu besetzende zweite Lehrerstelle an der Gemeinde­schule zu Münster, Kr. Dieburg, mit einem nach dem Dienst- alter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 10001300 Mk. Dem Herrn Fürsten zu Isenburg Birstein steht daS Prüfen- tationörecht zu derselben zu. Eine Lehrerstelle an der kathol. Schule zu GernSheim, Kreis Groß Gerau, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalte von 10001400 Mk. Mit der Stelle kann Orgauistendienst verbunden werden.

* * Schuldienst-Nachrichten. Am 16. Juli wurde der von dem Herrn Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die zweite Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Neu-Isenburg, Kreiö Offenbach, präsentirte Schulamtsaspirant Heinrich Mann aus Gumbsheim für diese Stelle bestätigt- am 30. Juli wurden den Schulverwaltern Bernhard Menke zu Bürgel und Otto Kampf zu Klein-Hausen Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Lorsch, Kr. Bensheim, an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Höck aus Holzhausen v. d. H. eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Okarben, Kr. Friedberg, übertragen- am 3. August wurde der von dem Herrn Fürsten zu Asenburg und Büdingen in Büdingen auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu BücheS, Kr. Büdingen, präsentirte Schullehrer Ernst Carl Fröhlich zu Usenborn für diese Stelle bestätigt, an demselben Tage wurde dem Schullehrer Ludwig Maußer zu Lützel-Wiebelsbach die zweite Lehrerftelle an der Gemeinde­schule zu Weiskirchen, Kreis Offenbach, übertragen- am 10. August wurde der von dem KreiSrath zu Offenbach und der Mehrheit deS Ortsvorstandes zu Jügesheim auf die erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Jügesheim, Kr. Offenbach, präsentirte SchulamtSaspiraut Christian Rupp aus Offenbach für diese Stelle bestätigt- an demselben Tage wurde dem Schulamtsaspiranren Heinrich Köhler aus Bingen die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Spons­heim, Kr. Bingen, an demselben Tage wurde dem Schulverwalter Johann Joseph Mohr zu Bielbrunn eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Dietersheim, Kreis Bingen, an demselben Tage wurde dem Schulamt-- aSpiranten Philipp Rudolph auS Langen-Brombach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Alsfeld, an dem­selben Tage wurde dem SchulamtSaSpiranten Georg Ertel auS Westhofen eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule zu Elsheim, Kr. Bingen, am 13. August wurde dem Schul­amtSaSpiranten Friedrich Weicker aus Appenheim eine Lehrerftelle an der Gemeindeschule daselbst, am 17. August wurde dem SchulamtSaSpiranten Carl Müller auS Bad- Nauheim eine Lehrerstelle an der gemeinsamen Musterschule zu Friedberg übertragen.

* * Die Spange für die Besitzer der KriegSdenkmünze, auf der die entsprechenden Schlachten verzeichnet sind, an denen der Besitzer Theil genommen hat, ist für baß deutsche Heer in dieser Form eine Neuheit- etwas AehnlicheS gab es nur in Baden, wo die Kriegsdenkmünzen, welche für die Feldzüge, an denen Badens Truppen seit 1848 Theil ge­nommen haben, immer dieselben waren, am Bande broncene Spangen gleich dem Metall der Denkmünze mit der Jahres- zahl des Krieges führten. Sonst sind solche Spangen in Frankreich, und ganz besonders auch in England, im Ge­brauch, wo sie ihren Ursprung haben sollen. Dann ist die Zuthat des Eichenlaubes mit der Zahl 25 zum Eisernen Kreuz etwas Neues, in diesem Falle auch Eigenartige-, weil die Vorderseite des Eisernen Kreuzes die Jahreszahl 1870 trägt. Sodann ist aber hervorzuheben, daß zum Tragen dieser Abzeichen den Betheiligten die Berechtigung verliehen ist, Spange und Eichenlaub nach vorgeschriebenem Muster zu tragen- damit ist zum Ausdrucke gebracht, daß die Be» schaffung dieser besonderen Zeichen Sache jedes Einzelnen ist, dieselben also nicht kostenfrei geliefert werden. Bezüglich der Spangen würde dies auch große Schwierigkeiten haben, da die Feststellung der Theilnahme an den einzelnen Schlachten u s. w. für den Einzelnen durch die Behörden kaum durchzu­führen ist. ES muß sich daher jeder die Spange selbst be­schaffen und diejenigen Schlachten und Belagerungen darauf eingraben lassen, welche er mitgemacht hat, wobei wohl manche Jrrthümer nicht ausbleiben werden. Die drei Eichenblätter von Metall mit der Zahl 25 hat sich ebenfalls jeder In­haber des Eisernen Kreuzes zu beschaffen.

* * Fleischer - Fachschule. In Worms soll mit Beginn des nächsten Winters eine Fachschule für daS Fleischer­gewerbe errichtet werden.

©tunberg, 26. August. In nicht geringen Schrecken versetzt wurde heute eine hier zu Besuch weilende Familie. Während sich dieselbe mit den Vorbereitungen zur Abreise, welche mit dem MittagSzuge erfolgen sollte, beschäftigte, spielte daS zweijährige Kind mit dem auf dem Tische liegenden Gelde. In einem unbewachten Augenblicke steckte ein Zwanzigrnarkstück in den Mund und ver­schluckte es. Da- Geldstück blieb jedoch im Schlunde stecken- erst den Bemühungen deS Arztes gelang, dasselbe mittelst eines geeigneten Instruments vollständig hinabzustoßen. Man hofft, daß es auf natürlichem Wege wieder zum Vor­schein kommen wird. Wieder ein Beweis, wie gefährlich eS ist, kleine Kinder mit Geld oder ähnlichen Gegenständen fpielen zu lasten. Auf dem Festplatze ist man gegen» wattig mit dem Aufschlagen der WirthschaftShallen beschäftigt. Auch hierzu hat die Stadt wieder in anerkennenSwerther Weise daS Holz ans unserem Stadtwalde unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Heute ist am Steinweg mit den Aus­grabungen zur Rohrverlegung begonnen worden. Die Annahme, daß dort und in der Neustadt größere Schwierig­keiten zu überwinden sein würden, scheint sich zu bestätigen. Schon jetzt kommen zahlreiche Felsen tum Vorschein, welche mittelst Dynamt gesprengt roerben müssen.

-1- Salzhausen, 27. August. Unser kleine-, heilkräftige-, in lieblicher Gegenb gelegene- Soolbad hat bereit- im

vorigen Sommer 1894 einen deutlichen Aufschwung ge­nommen, indem die Anzahl der Curgäste gegen frühere Jahre sehr gewachsen war. Diese Zunahme hat sich in diese« Sommer bedeutend verstärkt, roaß sich au- der Anzahl der verabfolgten Bäder am besten erkennen läßt. Die Erträge aus Babekarten betragen, wie wir au- zuverlässiger Quelle erfahren, im Mai 1895 um 50 e/0 mehr als tm Vorjahre. Im Juni wurden um ca. 30 % mehr Badekarten gelöst, als im Vorjahre unb im Juli l. J-. wurden ebenfalls um 35 % mehr an Babekarten auflgefotgt, als im Vorjahre. Da nun das Jahr 1894 schon bester war al- fein Vor­gänger 1893, aber 1895 noch bester ist al- 1894, so ergiebt sich daraus die fonschreitende Zunahme der Frequenz. Daß sich diese noch bedeutend steigern wird, wenn die neue Bahn» strecke NiddaSalzhausenFriedberg, welche jetzt in Angriff genommen, fertig ist, bedarf keine- Beweise-. Im Laufe diese- Sommer- wurden den Curgästen wiederholt Kunst­genüsse bargeboten, auch Gießener Künstler haben sich hören lassen- sogar ein Lawn - Tennis - Spiel wurde angeschafft. Die Bälle unb Tanzvergnügen, welche hier abgebalten werden, zeichnen sich stets durch Gemüthlichkeit auS unb wer einmal hier war, denkt immer mit Vergnügen wieder an den reizenden Punkt zurück.

«r- Schwickhartshausen, 26. August. Al- dieser Tage ein hiesiger Einwohner seinen GaNenzann beschnitt, stieß er auf ein Bienenvolk, daß feine Wohnung hierin auf- geschlagen. Daß Volk hatte jedenfalls feit dem Schwärmen diesen seltenen Wohnplatz bezogen, da bereit- viele Waben gebaut unb auch reichen Honigvorrath gesammelt hatte.

-u- Büdingen, 26. August. Bei der heute dahier statt- gehabten Gemeinderath-wahl wurde Kaufmann L. Hanner wieder- und Rentner I. Hinkel, sowie Gast- Wirth L. Treser neugewählt.

F. V. Vorn westlichen Fuße bt8 SogelBbergel, 27. August. Die Hühn erjagd liefert auch bei und gute Beute, aber die Preise sind recht mäßige. Man zahlt für alte Hühner 50 Pfg. pro Stück, für dießjährige ganz ausgewachsene Hühner 1 Mk., für nicht ganz ausgewachsene 50 Pfg. Dabei können die Händler bestehen. Dieser Tage wurde in Frank- furt, alß der Markt gering befahren war, 3 Mk. für daß ausgewachsene junge Feldhuhn bezahlt. Von der Nidla berichtet eine Corresponbenz, ein junger Schütze habe daß seltene Glück gehabt, sich ar eine Kette Hühner, welche ein Staubbab nahm, heranzuschleichen und sieben Stück mit einem Schüsse zu erlegen. DieDarmst. Ztg." theilt dasselbe mit. Der Schütze muß noch sehr jung gewesen sein, baß er einen solchen Meuchelmord an den nichts ahnenden Thierchen beging. Ein waidgerechter Jäger wird sich einen so schweren Verstoß, ober besser Frevel, niemals zu schulden kommen lassen, um hintennach auch noch von einem seltenen Jagdglück zu sprechen. Wer ein Stück Wild im Lager schießt, beweist, daß er keinen Begriff vom edlen Waidwerk hat. gehört ihm fein Jagdgewehr in die Finger, wohl aber daß Waid­messer ein Dutzendmal auf eine gewisse Gegend, die man gewöhnlich mit Nordfeite bezeichnet.

Worms, 25. August. Die drei Leichen, welche zusammengebunden gestern Vormittag tm Rheine am Salz- stein hier durch drei Arbeiter gelänbct wurden, sind die ctntß Mannes von 3040 Jahren, einer Frauensperson von 3538 Jahren unb eines Mädchens von ca. l*/a Jahren. Der Mann ist ca. 1 Mtr. 74 Cmtr. groß, von untersetzter Statur, hat dunkles, röthlicheS Kopfhaar, ist bartlos und bekleidet mit blauem Buxktn-Anzug, weißleinenem Hemd mit Zeichen M. 8., wollenen weißen Strümpfen, langen Schaften- ftiefeln und Gummihosenträgern. In dessen Taschen fand sich ein Portemonnaie mit 1 Mk. 11 Pfg., eine silberne Cylinderuhr mit Seeundenzeiger und dünner, silberner Kctte mit goldenem Schieber, ein sechsfacher Uhrschlüssel, 1 Scheere, 1 Taschenmesser und ein Blatt Papier, auf welchem mit Bleistift geschrieben steht:Mannheim, 20. Äug. 1895. Liebe Kinder, gute Nacht Ihr lieben Kinder, bin in Mann» heim im Rhein begraben, vielmals abjeu, vtellausendmal abjeu! Mutter habt Ihr keine mehr, ich habe auch keinen Vater und Mutter mehr gehabt, aber der liebe Gott sei bei Euch." In einem weiter bei der Leiche gefundenen Notizbuch findet sich der Name Michael Schanz auß Haingrund. Dte Frauensperson ist 1 Mtr. 71 Cmtr. groß, von untersetzter Statur, hat dunkelblondes Kopfhaar und war bekleidet mit grauer Taille mit Hornknöpfen, Cattunrock, blau und weiß gestreiftem Oxfordhemd, weißen baumwollenen Strümpfen, K. K. gezeichnet, unb rothen Plüschpantoffeln. Daß Mädchen ist 74 Cmtr. groß unb war bekleidet mit rothem Röckchen, ohne Schuhe. Nach der Notiz in dem Büchelchen und dem Zeichen M. 8. an dem Hemd des Mannes und dem K. K. an den Strümpfen der Frau erscheint zweifellos, daß die Leichen diejenigen der Personen sind, welche nach Zeitungs­berichten vor wenigen Tagen unterhalb der Oppauer Fähre freiwillig den Tod im Rheine gesucht haben. Dortselbst wurde nämlich ein Rohrstock, eine seidene Mütze und eine Kinderschürze nebst einem Brief gefunden, in welchem folgende- zu lesen war:Michael Schanz und Katharina Bolick, geb. Kauz, haben hier ihre Ruhe gefunden, dte sie zu Hause nicht finden konnten". Nähere- war inzwischen nicht zu ermitteln.

Ms. Gaffel, 27. August. Eine au- Verzweiflung bf gangene erschütternde That wird au- dem Dorfe EIberberg bei Fritzlar gemeldet. Die Tochter de- dortigen Förstrr- war feit einigen Jahren zu Dresden verheirathet- sie kam dlesen Sommer leidend zur Erholung zu ihren Eltern, ihr Zustand aber verschlimmerte sich unb sie starb. Nach erfolgter Mittheilung von bem Ableben seiner Frau traf der Gatte hier ein, begab sich sofort an daS frische Grab feiner inzwischen beigesetzten Frau und erschoß sich, ehe die Um­stehenden verhindern konnten.

Berlin. 27. August. DerLocalanzeiger" meldet auß Rom: Der bekannte Alpenführer Rey auS Courmajeur ist