Ausgabe 
29.8.1895
 
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Nr. 202

Der tieftentt -«»eiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag«.

Die Gießener yemtrieeßfölttr werden dem Anzeiger «dchentlich dreimal beigelegt.

Erstes Blatt. Donnerstag den 29. August 1891

Gießener Anzeig er

Kmerat-Anzeiger.

vierteljähriger ^donaementsprei«: 2 Mark 20 Pfg. mit Lringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

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Gratisbeilage: Gießener Aamilienbkätter

Anrtlicher Theil

Rr. 34 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 23. l. M., enthält:

(Nr. 2263.) Verordnung, betreffend die Klafsenein- theilung der Militärbeamten deS Reichsheeres und der Marine. Vom 13. August 1895.

Gießen, den 27. August 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen:

v. Gagern.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Alle Lnnoncen.Bureaux deS In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger» entgegen.

Nerrefte Kad^rid^n.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Bremerhafen, 27. August. Zur Begrüßung der mit derFulda" heute Vormittag aus Amerika eingetroffenen 194 deutschen Veteranen hatte sich der Vorsitzende des Kampfgenoffenvereins Bremen an Bord derFulda" be­geben. Nach einer kurzen Ansprache erfolgte die Ausschiffung der amerikanischen Kameraden. Inzwischen hatte am Quai der Kriegerverein von Bremerhafen mir der Matrosenartillerie- Capelle Aufstellung genommen. Hier hielt der Vorsitzende der Kriegerverrine des Unterweserbezirks eine Begrüßungs­rede und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser. Hierauf erfolgte der Abmarsch nach der Lloydhalle, wo der Vorsitzende der amerikanischen Krieger den hiesigen Vereinen die von den Amerikanern gestistere KrtegöerinnerungSmedaille in feier- sicher Weise überreichte. Um 81/« Uhr fuhren die Veteranen nach Bremen weiter.

Depeschen deS Bureau .Herold".

Berlin, 27. August. Der Kaiser und die Kaiserin reisen bereit« morgen Nachmittag 4 Uhr von WilhelmShöhe nach dem neuen Palais bei Potsdam ab.

Berlin, 27. August. Der Kaiser hat befohlen, daß am Sedantage die Berliner Schuljugend Spalier bilde, wenn er mit der Fahnen-Compagnie und der Stan- darten-EScadron nach der Parade über das Garde-Corps in die Stadt zurückkehrt.

Berlin, 27. August. Zur Parade des Garde- corps am 2. September werden die Könige von Sachsen und Württemberg in Berlin Eintreffen.

Berlin, 27. August. DerRelchsanzeiger" bezeichnet die Meldung eines englischen Blattes, daß eine englische Gesell­schaft bis zum nächsten Januar für Deutschland Mitrailleusen nach dem System Maxim construirt, im Werthe von fast einer Biertelmillion Pfund Sterling liefern solle, für erfunden.

Berlin. 27. August. In Ergänzung der Meldung, wonach das Staatsministerium den Beamten und Arbeitern den diesjährigen Sedantag unter Auszahlung der vollen Löhne freigibt, theilt dieNordd. Allg. Ztg." mit, daß eine gleiche Maßnahme auch Seitens der Reichsregierung in Aussicht genommen ist.

Berlin, 27. August. Wie dieNordd. Allg. Ztg." hört, ist die Ernennung des Freiherrn von Huene zum Präsidenten der preußischen CentralgenossenschaftSkaffe bereits erfolgt.

Berlin, 27. August. DieBerl. Corresp." schreibt: Die Minister des CultuS, des Innern und der Justiz haben die Oberpräsidenten durch einen gemeinsamen Erlaß ersucht, die Organisation der Fürsorge für entlassene Ge­fangene zu fördern. Zu dem Zwecke wird empfohlen, für jede Provinz oder für mehrere benachbarte Provinzen eine Zentralstelle für daS Fürsorgewesen zu schaffen, die zwar eine vom Staate unabhängige freie Vereinigung ist, deren Bestreben aber von den Staats-, Kirchen- und Provinzial­behörden möglichst gefördert werden.

Berlin, 27. August. DieNordd. Allg. Ztg. wendet sich heute wiederum energisch gegen daS Gebühren der socialistischen Presse anläßlich der 25jährigen Gedenk­feiern der Siege von 1870/71. In dem Artikel wird be, tont, daß es ganz unerhört sei, in welcher Weise die be- treffenden Blätter arbeiteten, um ein in ernsten und er- hebenden Gefühlen sich vereinigendes Volk zu beschimpfen und das Andenken der großen Todteu in der gehässigsten Art zu verlästern. In weiten Kreisen empfinde man mit Em- pörung, daß ein Schaar von Leuten öffentlich so etwas wagen dürfe. Leider gäben die bestehenden Gesetze keine Handhabe, ein solches Gebühren zu unterdrücken. Ein solcher Zustand könne und dürfe nicht andauern. Die Regierung habe daher die dringende Pflicht, diesen Ausschreitungen energisch Halt zu bieten. Um die Mittel hierzu zu erlangen, müsse sie sich an die gesetzgebenden Körperschaften wenden, denn das deutsche Volk dürfe fich das Andenken seiner großen Männer nicht ungestraft besudeln laffen.

vertheilung durch einen der neuesten Expansions Regulir- Apparate mit vorzüglicher Präcision bewirkt. Es sollte, wie wir erfahren haben, die Maschine die Erzeugung deS elec- trischen Lichtes bewirken und dürfte eS für jeden Fachmann von Jntereffe gewesen fein, diesen Apparat in Thätigkeit zu sehen. Jedoch konnte die Firma mit dem Comiiö nicht zu günstigem Abschluß gelangen.

Spenglermeister Georg Appel hat aus Zink, mit der Hand getrieben, eine Alpenlandschaft (Hochalpe mit Gletscher, Alm mit Wildbach und Heuschober, sowie Gebirgssee) aus- gestellt, ein beredtes Zeugniß seines Könnens, außerdem find die Bauornamente desselben Meisters sehenSwerth.

Schloffermeister Manin Dörr hat außer kunstvoll geschmiedeten eisernen Thürbeschlägen und Gitterspitzen eine ganze Reihe von Leuchtern, Doppelleuchtern mit und ohne Spiegel oder Photographie^Umrahmung, Uhrständer und ähn­liche Gegenstände in Kunstschmiedearbeit zur Anschauung ge­bracht. An jedem Gegenstand ist der vom Verfertiger dafür verlangte Preis angebracht. Mit dieser Ausstellung ist der Kunstschlofferei ein Feld eröffnet, welches eS auSbeuten und immer mehr vervollkommnen sollte. Für kunstgerecht aus- gestaltete kleine GebrauchSgegenftände bei mäßiger Preis­stellung ist immer Bedarf und es war ein glücklicher Griff des Ausstellers, wenn er gerade hierin zeigte, was er leistet.

Schlossermeister Daniel Carl Hohmeier sührt außer mehreren gut functionirenden THÜrschlöffern seine Specialität in Blitzableitern verschiedenster Art vor.

Bäckermeister Fritz Schreiner hat auS dem täglichen Brod ein vollständiges Gemälde, in Rahmen an der Wand hängend, hergestellt. Vier je 2 Meter lange Brode umrahmen ein auS Wecken- und Mürbeteich-Backwaaren getroffenes Arrangement, in dem Radsahrer, Männer und Frauen natürlich die Hauptrolle spielen. Auf langem, weißgedeckten Tisch befinden fich Bäckerwaaren aller Art in der apetitlichften Art ausgelegt.

Ein Kathetometer neuester, vollkommenster Construction führt uns die mechanische Werkstätte von Spür Hase, borm. Staudinger vor. Dieses Instrument dient zur Correction des Fernrohrs über den Nullpunkt des Nonius, wodurch die Prismenfehler direct ausgeglichen werden.

WilhelmMayer hat auf sammetüberzogener Terraffe seinen Apfelwein - Champagner ausgestellt. Die vielseitige Flaschenausstattung, sowie deren Etiquettierung ist außer- ordentlich geschmackvoll. Zwei Postkistchen, in der je zwei Flaschen dieses Schaumweins fich präsentieren, ein sehr ge- eignete« Geburtstag- oder Weihnachtsgeschenk darstellend, haben schon häufig Besucher der Ausstellung veranlaßt, eine Post­sendung zur Probe zu bestellen. Dieser Sect wird übrigens auch glasweise für den Preis von 25 Pfg. im Gail'schen Pavillon unter der Bezeichnung Mayer-Sect verlangt und credenzt.

Nun kommen wir zur Gießener Led erfab rikation. Louis Lotz und Wijlhelm Plank, Lederfabriken, haben alle möglichen Sorten ihrer vorzüglichen Fabrikate in der Ausstellung.

Unsere Kalk-Industrie wird, zwar nicht in großartigem Arrangement, aber immerhin doch beachtenswerth, von Carl Haas jr. repräsentirt- außer seinem Stück- und gemahlenen Kalk stellt diese Firma nockf von ihr hergestellte Schlacken- steine aus- Kalkabfälle und Kohlenschlacke bilden deren Roh­material. .

Die Schirmfabrik von M. Levy hat in einer Koje ganz für fich ein Sortiment von Regen- und Sonnen­schirmen in elegantem GlaSschrank ausgestellt. Diese Firma, welche die fabrikmäßige Herstellung dieses bedeutenden Handels­artikels in Oberheffen wohl allein betreibt, hat auch einige ihrer patentirten Regenschirme, welche als besondere Neuheit zu betrachten find, ausgestellt.

Auch die Brauerei Gebr. Röhrle hat noch nach­träglich in der ersten Etage der Hauptausstellungshalle ihre Flaschenbiere in sehr ansprechendem Arrangement unter­gebracht. , .

Verlassen wir diesen Raum und gehen nun wieder durch den Park am Musikpavillon vorbei in den Hof der Real­schule. Eine sehr intereffante Ausstellung von Werksteinen, Bau-ReliefS, Ornamenten und Säulen fällt uns in die Augen, all diese Gegenstände sind von künstlichem Stein und für Heffen ein neuer Industriezweig, den die Fabrik Paten- tirter Bauartikel E. Döring in die Hand genommen hat. Ferner befinden sich hier noch im Freien, von den Eisen­werken Hirzenhain und Lollar ausgestellt, ein-,zwei-und dreitheilige Glattwalzen mit und ohne Sandfüllung, Ringel- walzen, Cambridgewalzen mit und ohne Fahrvorrichtung, desgleichen Cambridge - Kroß-Rtllwalzen , ein Göpelwerk, Apfelmühlen und verschiedene Stalleinrichtungen.

Thorn, 27. August. Das hiesige Militärgericht verurtheilte den Zeugfeldwebel Bockscher aus Allen- lein, welcher jahrelang Patronenhülsen an Händler verkauft und das Geld für fich verwandte, zu l1/« Jahren Festung und Versetzung in die zweite Klaffe des Soidatenstandes.

Leipzig, 27. August. Bis jetzt striken mehr als 400 Maler und Lackirer, deren Forderungen in neunstündiger Arbeitszeit und 45 Pfg. Stundenlohn bestehen. Auch die Straßenpflasterer haben sich dem Ausstand angeschloffen.

München, 27. August. Katholikentag. In der heute Vormittag abgehaltenen zweiten öffentlichen General­versammlung wurde der Antrag deS Abgeordneten Lingens, welcher den Eintritt junger Männer wohlhabender Stände in den Vincenz-Verein befürwortet, debatteloS angenommen, ebenso der Antrag deS Fürsten Karol zu Isenburg, betreffend den Beitritt zum Sanct Raphael Verein zum Schutze der katholischen Auswanderer, lieber daS Thema: Wissenschaft und Presse referirte Professor Schnürer-Freiburg (Schweiz). Derselbe wünscht mehr katholische Lehrkräfte an den Uni- versitäten als bisher und lugt hierzu ein Antrag Dr. Alois von Schmiedrer vor, welcher befürwortet, daß zur Heranbildung jugendlicher Kräfte an Hochschulen im katholischen Geiste freiwillige Beiträge gestiftet werden. Einen größeren Raum in der Debatte nehmen die Ausführungen des Herrn Dr. Huppert-Bensheim ein, welcher sich über die katholische Lectüre verbreitet und bedauert, daß dieselbe eine so kleine Verbreitung findet. Professor Otto Pruchazka schildert die gegenwärtige Lage in Ungarn. Die Civilehe sei ja schließlich noch nicht so schlimm, aber fie bilde den Anfang zu der gänzlichen Unterdrückung der katholischen Kirche und des katholischen Glaubens. Die meisten Stuhlrichter seien nichts weiter als türkische Paschas, welche bei den Wahlen Hunderte von mißliebigen Wahlzetteln unterdrückten. Verschiedene andere Anträge werden dann debattelos angenommen und die Ver­sammlung geschloffen.

Bozen, 27. August. Auf der Gebirgsstraße im Sarn- thale stürzte gestern eine große Felsenmasse nieder. Ein Italiener, Namens Rigotti, wurde von den Steinmaffen getödtet. Mehrere andere Paffanten vermochten fich rechtzeitig bei dem Niederfturz in Sicherheit zu bringen.

Rom, 27. August. Nachdem Cr ispi fich persönlich von dem immer mehr um sich greifenden Räuberunwesen in ©teilten und Sardinien überzeugt hat, wird er die strengsten Maßnahmen ergreifen, um hohe Prämien auf die Köpfe der Briganten aussetzen und außerdem die Entfendung von Truppen anordnen.

Rom, 27. August. Aus Sieilien werden fortwährend von verschiedenen Punkten ernste Ruhestörungen ge­meldet. In Piania bet Grecta durchziehen halb verhungerte Landleute die Straßen und verlangen Abschaffung der Steuern. Die Lage wird immer ernster.

Paris, 27. August. Ein ministerielles Rundschreiben an alle Präfecten der Grenzdepartements fordert dieselben auf, große Sorgfalt auf die Überwachung der Fremden und aller derjenigen auswärtigen Arbeiter zu legen, welche sich an socialistischen Umtrieben beteiligen. Diese Maßregel wurde veranlaßt durch die Theilnahme der belgischen Arbeiter an den Manifestationen in Roubaix.

Pari«, 27. August. DerTempS" theilt mit, daß die französische Regierung in diesem Augenblick nicht gesonnen sei, einen Feldzug im oberen Nilthal gegen die Mahdtsten zu eröffnen.

Loudon, 27. August. Infolge deS Attentats auf Baron Rothschild entwickelt die hiesige Polizei eine ver­doppelte Thätigkeit in Ueberwachung der Anarchisten. Eine Specialbrigade von Geheimpolizisten ist mit der Ueberwachung von sämmtlichen verdächtigen Anarchisten in London und den Provtnzstädten thatig.

Die Gießener Industrie auf der Alsfelder Ausstellung.

(Originalbericht für den .Gießener Anzeiger".)

Zu dem im unteren Raume der großen Ausstellungshalle Ausgestellten ist noch nachzutragen ein recht geschmackvolles Arrangement der Firma Krause u. Co., vorm. Gosfi in Großen-Ltnden. In Form einer Säule stellt die Firma ihre Fabrikate in Liqueuren zur Schau. Die als Sockel um die Säule gruppirten Fäffer deuten an, daß dieses Haus auch Essigsprit, sowie Einmache- und Tafelesfig fabricirt.

Die Maschinenfabrik Gießen Aug. Montanuö hat fich an der Gewerbeausstellung hervorragend betheiligt, indem sie ihre Special-Fabrikation durch eine Sieben-Pferde- kriifte-Dampfmaschiue vorführt. Diese Maschine ist in allen Theilen sehr sauber und exact gearbeitet und wird die Dampf-