Ausgabe 
26.11.1895 Zweites Blatt
 
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Der ziehe«" A«zeig<r erscheint täglich, rit Ausnahme des Montags.

Die Gießener W«mttte«örä1ter werde» dem Anzeiger w-cheutlich dreimal deigelegt.

Zweites Blatt. Dienstag den 26. November 18»!

Gießener Anzeig er

Kenerat-Anzeiger.

viertelsähriger Adouucmeatsprctsr 2 Mark 20 Psg. mtt vringerlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Rtdaction, Expcditt« und Druckerei: KchutNraße Hkr.J« Fernsprecher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieszen.

Annahme vo» Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Lor». 10 Uhr.

Hratisöeitage: Gießener Kamitienökätter.

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgege».

21mtlid?cr Lheil.

Bekanvtmachnng,

betreffend die Volkszählung in 1895.

An Stelle des seitherigen Großh. Bürgermeisters Krämer ist der nunmehrige Großh. Bürgermeister Körber zum Vorsitzenden der ZählungS-Lommission für die Gemeinde Alten Buseck ernannt worden.

Gießen, den 22. November 1895.

Großherzogliche« Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend, die Maul- und Klauenseuche.

Da« Vorhandensein der Maul- und Klauenseuche ist weiter festgestellt worden:

1. im Kreise. Wetzlar im Stalle deS Händlers Kaufmann Seligmann zu Wetzlar und deS Jakob Hahn zu Ehringshausen,

2. im Kreise Marburg im Stalle deS Ackermanns P. Herbener zu Marbach.

Gießen, den 21. November 1895.

GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

die Volkszählung im Jahre 1895 betreffend.

Wie bereits bekannt gemacht, hat nach Beschluß deS BundeSratheS am L Deeemder d. I. im ganzen Deutschen Reiche eine Volkszählung ftatlzufinden. Die LSHlungS-Eommtssionen werden in der Zeit vom 28. bis 30 November jeder Haushaltung einen Zädlbries mit soviel Zäblkarten zukommen laffen, als in der Nacht vom 1. auf den 2. December voraussichtlich Personen in dem HauSdaire stch aus batten oder nur vorübergehend auS demselben abwesend sein werden.

Mit der Wiedereinsammtung der Zählbriefe und der Zählkarten durch die Zähler wird am 2. December nach 12 Uhr Mittags begonnen werden.

Die Haushaltungsvorstände werden deshalb ersucht, die ihnen übergeben werdenden Zählbriefe und Zählkarten am 2. December Vormittags nach Maßgabe deS Vordrucks und der hierzu rrtheilten Anleitung sorgfältig ouSzusüllen und zum Abholen bereit zu halten.

Die Vo.kszählungen dienen zur Förderung wisienschaft- licher und gemeinnütziger Zwecke. Ihre Ergebnisse sind von entscheidender Wichtigkeit für die Beurtheilung der Volks? wirthschastlichen Zustände und bilden eine der wichtigsten Grundlagen für eine geordnete Staatsverwaltung. Die Volkszahl ist maßgebend für die Bildung der Wahlbezirke und die Zahl der Vertreter deS Großherzogthums im deutschen Reichstag, für die Zahl der zu wählenden Schöffen, für die Vertheilunq der Geschworenenzahl auf die Amtsgerichtsbezirke, für die Berechnung und Verthetlung des Rekrutenbedarfs u. s. w.

Nach der Volkszahl wird im Großherzogthum die Zu­sammensetzung der Provinzial- und Kreisvertretungen, sowie die der Städte und Landgemeinden bemessen. Dieselbe dient ferner als Maßstab für die Vertheilung von Einnahmen und Lasten im Deutschen Reiche. In sämmrlichen Staaten des Deutschen Reiches wird die Zählung nach übereinstimmenden Vorschriften vorgenommen.

Mit Rücksicht auf die Wichtigkeit einer genauen Zählung spricht man daher die Erwartung auS, daß alle Betheiligten die erforderlichen Angaben richtig und nach bestem Wissen vollziehen, sowie durch bereitwillige AuSkunftSertheilung an die Mitglieder der ZählungS-Commissionen und die Zähler ihrerseits möglichst zur vollständigen Ausführung der Vo zählung beitragen werden.

Gießen, den 22. November 1895. Grobherzogliches KreiSamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 22. November 1895. Betr.: Wie oben.

Das Grotzherzogliche KreiSamt Gießer» an das Großh. Polizeiamt Gießen und an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden

des Kreises.

Nachdem Ihnen nunmehr die Formularien für die Volkszählung zugegangen sind, empfehlen wir Ihnen, mit der Zahlungs-Commission und den ausgewählten Zählern die Bestimmungen und die Anweisung für die Zähler nochmals genau durchzugrhen.

Die Zählungscommtffionen werden mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Volkszählung Alles so vorbereiten, daß mit dem ZädluugSgeschäft pünktlich begonnen und dasselbe vor­schriftsmäßig durchgefühlt werden ka>.n und sodann die Arbeiten derart fördern, daß das gesammte Material in oorgeschrtcbener Ordnung

bis znm 21. December d. I. längstens

(§ 20 der Bestimmungen und Schlußsatz unseres AuSschreibenS vom 1. d. MtS. Anzeiger Nr. 262) unS vorliegt.

W'r machen bet dieser Gelegenheit noch besonders darauf aufmerksam, daß nach § 5 der Bestimmungen darauf Bedacht zu nehmen ist, daß Veranstaltungen, welche den Stand der ortSanwesenden Bevölkerung am 2. December wesentlich ver­schieben können, insbesondere Jahrmärkte, Feste, öffentliche Versammlungen u. s. w. nicht stattfinden dürfen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche.

Im Anschluß an unser Verbot, betreffend daS Abhalte» von Diedmärkten untersagen wir hiermit auch den Handel mit Rmdvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen im Umhcrzieherr (Hausirhandel) wegen der mit dieser An des Handels verbundenen Gefahr der Verschleppung der Maul- und Kla«e«- seuche.

Gießen, den 21. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.

Gießen, den 21. November 1895. Detr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Vorstehende Bekanntmachung wollen Sie in Ihren Ge­meinden alsbald ortsüblich veröffentlichen laffen und den Befolg unserer Verfügung strenge überwachen.

v. Gagern.

Lehrer-Coufereuz im Eoofereuz-Bezirk Gießen Mittwoch de» 4. December, Vormittags IO Uhr, in Gießen.

Lieder 194, 213.

Gießen, den 25. November 1895. Büchn er, Schulrath.

Kunst-Ausstellung,"5^raÄ nähme ves Samstags, von 11 btg 1 Uhr, am Mittwoch unb Sonntag auch noch von 3 bis 5 Uhr. Eintritte preis für Nichtmitgtieder an Werktagen 50 Psg., an Sonntagen 20 Psg.

Feuilleton.

Die Persries.

Eine Jagderinnerung aus T xaS von Franz Potter.

(Fortsetzung.)

Vielleicht bewog ich sie aber zum Abzüge, wenn ich noch ei« paar von ihnen niederschoß? Schnell suchte ich in der Lasche nach den Lancaster-Patronen, die mir Mr. WilkinS aufgenöthigt hatte, zu meiner Bestürzung erwies sich jedoch die Tasche als leer, zweifellos waren die Patronen heraus­gefallen, alS ich den Baum so hastig hinankletterte. Aerger- lich schleuderte ich die jetzt nutzlos gewordene Waffe auf die Pecarie« hinunter, welche die schöne Büchse mittels ihrer Zähne sehr rasch in eine klägliche Ruine von einem Gewehr ver wai delteu, wie ich recht gut beobachten konnte.

Nunmehr zog ich, einmal warm geworden, den stet- geladene» sechSschüssigen Loli Revolver auS dem Gürtel und feuerte viermal in die feindlichen Borstenthiere hinein und zedeSmal wurde mir die Genugthuung, eine der bösartigen Bestien fallen zu sehen. Dieselben schienen jedoch durch den Verlust weiterer Genossen nur in erneuten Glimm zu ge- ralhc», denn mit womöglich noch erhöhter Wuth tobten und sprangen sie um den Baum herum, ohne auch nur die leiseste Absicht zu bekunden, sich endlich zu trollen.

Ich überlegte sollte ich auch noch meine beiden lrtzten Revolverkugeln opfern? Nein, es wäre doch zwecklos gewesen, besser darum, ich sparte sie mir für den aller- Laßersten Nothfall. Schließlich blieb mir ja auch weiter gar nichrS anders übrig, als geduldig auSzuharren, bis mir Kettung von Mr. W lkinS und seinen Leuten wurde. Der Richter wußte wcrugstenS, daß ich wich nach dem Red Crcek h'-tte begeben wollen und so war wohl anzunehmeu, daß man wich in dieser Richtung oussuchen wttide, sobald nur mein NuSbleibcn erst einmal auifi'l.

Inzwischen war die Sonne im Westen versunken und bald trat nächtliches Dunkel ein, denn die Dämmerung in diesen südlichen Gegenden der Union dauert nicht lange. Die nach und nach am Himmel erglänzenden Sterne ließen es jedoch keineswegs wirkliche Nacht werden, vielmehr herrschte ein eigenrhümlicheS Halbdunkel, jenesclair-obscur, wie die Franzosen sagen, welches emem scharfen Aage selbst nächt­licher Weile eine gewisse Orientirung im Freien gestattet. So konnte ich denn von meinem erhöhten Sitze auS die ziemlich deutlichen Umriffe der benachbarten Gebüschgruppen sehen, während ich von den PecarieS unter mir allerdings nichts mehr zu erblicken vermochte. Daß meine grimmigen Feinde jedoch noch zugegen waren, dies bezeugte ein gelegent­liches Grunzen der kleinen Bestien, sowie der eigenthüwliche scharfe Geruch, den die Thtere durch die Flüssigkeit, welche sie auS ihrer Rückendrüse absondern, um sich verbreiten und welcher auch zu mir hinaufdrang.

Ich ließ meine Taschenuhr repetiren den Schlägen nach zu urtheilen mußte eS bald 8 Uhr sein, um welche Zeit man sich in der Familie W'lktnS zur Abendtafel nieder­fetzte. Offenbar würde ich nun bald vermißt werden und zweifellos durste ich dann ermatten, daß Squire WilkinS mit seinen ßfuhn ausbrtchkn würde, um wich zu suchen. Aber bis sie mich entdeckieu, wenn sie überhaupt in die Gegend meines nothgedrungenen Zufluchtsortes kamen, konnten noch Stunden vergehen, unb ich empfand ein sich immer energischer äußerndes Hunger- und Durstgefühl. Ich suchte in den Taschen nach etwas Eßbarem und war auch so glück­lich, in einer derselben einen freilich etwas hart gewordenen Fletschzwieback zu entdecken, den ich sofort verzehrte. Gegen den Durst stand mir aber kein Mittel zu Gebot, da sich diese« Gefühl indeß immer stärker meldete, so kaute ich ein paar Cyprtffknblätler, bi-r bittereGe'chmack derselben behagte mir j.doch nicht, so daß ich daS Blätterkauen bald wleder auigab. Infolge des stundenlangen Sitzens in den hart­

kantigen Heften begannen mich üorigenS Glieder und Rücke» zu schmerzen und ich versuchte daher auf alle mögliche Weise in meine halb sitzende, halb liegende Position etwa- Abwechselung zu bringen, waS aber nur sehr unvollkomme« gelang.

So war eS zehn Uhr geworden, wie mich eine erneute Befragung meiner Taschenuhr belehrte. Die Zunge klebte mir vor Durst'Mlich am Gaumen, während die Beine immer steifer wurden, auch die Schmerzen in den Armen, im Rücken und in den Seiten vergrößerten sich immer mehr. Lange vermochte ich -S auf dem Baume nicht mehr aus­zuhalten, daS wurde mir klar, und ich fing an, ernstlich darüber nachzufinnen, wie ich wohl die P caneS überlisten könnte, als ich plötzlich glaubte, in der Richtung nach der Hacienda zu einen Hellen Schein zu bemerken. Angestrengt, mit klopfendem Herzen blickte ich nach der Stelle hin, richtig, ich hatte m ch richt getäuscht, es waren meine Retter, welche mich suchten. Jetzt hatte ich für nichts weiter Dirn, als für die wandelnden Llchipünktchen, die tt nunmehr ent­deckte,- es waren offenbar Fackeln, welche von den mich suchenden Leuten getragen E.den. Jetzt verschwanden die Pünktchen, j tzt tauchten sie auf, dann verschwanden fie wiederum metn Gott, sollten eVe& stch nach einer anderen Richtung hingewandt haben? ^p-ffimmer

erschien abermals und zwar entschieden ra^E als vorhin auf einmal klang der ferne Schall von Flintenschüssen an mein Ohr, ein zweifelloses Signal für mich. Sofort feuerte ich zur Erwiderung meine beiden Rcvolvetkugeln ab, obwohl es mich beinahe unmöglich dünkte, daß der verhält- nis-mäßig schwache Knall dieser kleinen Schießwoffe von den Männern schau vernommen werden könnte.

(Schluß folgt.)