Ausgabe 
26.1.1895
 
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da- Erschießen mehrerer Arbeiter verfügt zu haben, als eine Infamie bezeichnet. Dandervelde erhob sich hieraus und rief, nur ein gemeiner Mensch wie Burlet könne solche Ausdrücke gebrauchen. Dem Präsidenten gelang es, sowohl de Burlet wie Baadervelde zur Zurücknahme ihrer Aeugerungen zu bewegen, worauf der Zwischenfall erledigt war.

Charleroi, 24. Januar. Gestern Abend stürzte Hiersein Bretrergebäude der Ausstellung, welche im Juli eröffnet werden soll, infolge deS großen Sturmes ein. Der Materialschaden ist bedeutend, verletzt wurde Niemand.

Paris, 24. Januar. Unter den Socialiften scheint die Uneinigkeit immer größer zu werden. Verschiedenen Blättern zufolge soll nach dem Austritt zweier Abgeordneten ans der Partei eine Anzahl anderer Abgeordneten sich nicht mehr dem Parterzwange unterwerfen wollen. Man erwartet deshalb noch den Austritt weiterer Parlamentsmitglieder.

Loudon, 24. Januar. Lord Churchill ist gestorben. Der Lord-Major Erdot eröffnete die Sammlung für die Hinterbliebenen der Opfer der Diglak-Katastrophe. In den überschwemmten Schacht wurden Luftwege nach den blokirten Stellen hergestellt. Eine Abtheilueg Arbeiter steht bereit, das Rettungswerk sofort wieder aufzunehmen, wenn das Waffer abg» floffen ist.

Bukarest, 24. Januar. Die Oppositionsparteien lasten in der Provinz unter der Bevölkerung und auch in den größeren Städten eine Flugschrift verbreiten, welche sich in Schimpfworten gegen die Ausländer und das Berg- gesetz wendet.

nn. Darmstadt, 25. Januar. Die Kammer lehnte das Forstschutzgesktz mit 29 gegen 16 Stimmen ab, genehmigte die Revision des Ordensgesetzes und 34285 Mk. Dotalgelder für die Prinzessin Alix.

Cocoit» uns provinzieller

Gießen, den 25. Januar 1805

Theater Verein. Anna-Liese von Hermann Hersch. Der gestrenge TheaterkritikuS hat am Schluffe seiner Be­sprechung über die Leistungen des Wiesbadener Resi­denztheaters den sehr berechtigten Wunsch geäußert, man möge nun endlich, nach Moltöre und Sardou auch einem Deutschen mal wieder das Wort ertheilen und sei es auch, wie der Kritikus schelmisch schloß, die Jungfrau von Orleans. Der Theater-Verein hat sich diesen Mahnruf sehr zu Herzen genommen, er bringt zwar nicht die Jungfrau von Orleans, die ihm noch viel zu fremdländisch ist, dafür aber die Deffauer Jungfrau, die Anna Liese, dieses echt deutsche Mädchen und Weib und mit ihr zugleich das, echtes deutsches Leben athmende Werk, des so reich begabten Her­mann Hersch. Hersch (1821 zu Jüchen in Rheinpreußen geb.) ist zwar erst 1870 in Berlin gestorben, jedoch liegt seine Hauptschaffensperiode wesentlich weiter zurück, er ge­hört noch zu den Dichtern, die mehr zu den Herzen als zu drn Sinnen ihrer Zuhörer sprechen, deren Kinder ihrer Phantasie man aber lieb gewinnt und in Erinnerung behielt, darum hat sich auch seine Anna-Liese, welches wohl sein reifstes Werk ist, bis auf den heutigen Tag seine Jugendsrische bewahrt und manche moderne Schöpfung schon überlebt. Der Stoff zu dem historischen Lustspiel Anna Liese lehnt sich eng an das Geschichtliche an, er behandelt die Liebe und die Ehe Leopold I. von Anhalt Dessau mit der Apothekers­tochter Anna Louise Föse auS Dissau, die genannter Fürst 1694 zur Gemahlin erhob, die dann 1701 anerkannt und in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Noch heute wählen gastirende Schauspieler gern die ungemein dankbare Aufgabe, den Fürsten Leopold, den alten Deffauer, der mit zu den Bausteinen gehört, die daS Fundament des Deutschen Reiches bilden, zu verkörpern. Auch wir sehen mit großer Span­nung den Frankfurter Gästen entgegen und sind sicher, daß die Darstellung am 31. Januar wieder eine musterhafte sein wird.

H. Neues Theater. Obgleich Fräulein Ronneberg eine sehr begabte Schauspielerin ist, hatte ihr Benefiz am gestrigen Abend nur eine verhältnißmäßig geringe Anzahl ihrer Freunde versammelt. Wir können die Schuld haupt­sächlich nur dem schlechten Wetter zuschreiben, das wohl Manchen vom Theaterbesuch abgehalten hat. Der Titel des Stuckes, das Fräulein Ronneberg gewählt hatte, war oller d ngs nicht dazu angethan, besondere Sympathieen zu erwecken, aberMarie-Anne" ist doch ein Bolksstück wie die meisten anderen dieser Gattung und bietet noch dazu der Heldin die schönste Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Fräulein Ronneberg hat denn auch in schönster Weise ihre Aufgabe gelöst. Wir hatten nicht ost baß Vergnügen, die Darstellerin in Rollen zu sehen, die ihrer Eigenart ent­sprechen, aber was wir gestern sahen, übertraf alle Erwart­ungen. Fräulein Ronneberg entwickelte ein Feuer, eine Leidenschaft, eine Innigkeit deS Gefühls, die das Herz mit fvrtriß und alle Unmöglichkeiten des Stückes vergessen machte. Nicht endenwollender Beifall wurde der Künstlerin zu Theil, immer wieder mußte sie sich dem begeisterten Publikum zeigen. Neben der von Fräulein Ronneberg ver­körperten Hauptperson verschwanden alle übrigen Personen vollkommen, zumal ihnenvon den Bersaffern des Stückes nur mehr oder weniger untergeordnete Rollen zugeiheilt worden sind. Fräulein Egger wußte aus der Sophie soviel zu machen, als aus dieser thränenseligen Rolle überhaupt zu machen war. Herr Otto war nicht in seinem Element. Der characierlose Schwächling ist nicht sein Fach, wir dürfen ihm aber trotzdem für die Durchführung danken. Herr Heyne vermochte dem gemeinen Remy eine humoristische Seite abzugewinnen, waö wir anerkennen müffen. Die übrigen Rollen genügten.

* Zn die Klinik gebracht wurde heute ein Arbeiter, dem im Bahnhofe Betzdorf beim Reinigen der Weiche durch eine Maschine ein Fuß überfahren wurde.

Jubiläum. Am 24. d. M. war der Destillateur Herr . W. Denner 25 Jahre ununterbrochen in einem h esigen Liqueur-Gekchäfte thätig. Möge dem treuen, braven Manne vergönnt sein, noch recht lange in seinem Berufe thätig zu sein.

* * Schwindler. Gestern miethete sich ein Fremder in hiesiger Stabt eine Schlafstelle, verschwand aber kurz darauf und nahm einen Ueberzieher mit.

Falsches Geld. Vorigen Samstag wurde von einer Frauensperson in einem hiesigen Geschäft ein falsches Zweimark st ück verausgabt, und gestern versuchte ein hiesiger Specereihändler em solches in einer hiesigen Wirth- schäft zu verausgaben. In letzterem Falle hänselt es sich um eine wissentliche Verausgabung und wird sich der Betreffende gerichtlich zu verantworten haben.

Bahnsteigkarten wurden im Etatsjahre 1893/94 im Gebiete der preußischen Staatsbahnen verkauft 5 373 338 Stück, was einem Erlös von 537 333 Mk. entspricht.

* * Der Verein hessischer Zahnärzte hielt am Sonntag den 20. Januar eine zahlreich besuchte Versammlung in Offenbach (Stadt Cassel") ab. Die Versammlung war hauptsächlich den Standesintereffen und inneren Angelegen­heiten des Vereins gewidmet.

* * Die Mannschaften der Landwehr zweiten Aufgebots werden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß sie ebenso wie die übrigen Mannschaften des Beurlaubtenstandes alle Wohnungsveränderungen innerhalb der Städte und jeden Wohnungswechsel binnen 14 Tagen dem Bezirksfeldwebel schriftlich oder persönlich zur Anzeige zu bringen haben. Die Unterlassung hat die gesetzliche Strase zur Folge und wird dieserhalb auf die den Militärpäffen vorgedruckten Bestimm­ungen verwiesen.

* * ReichSrentner. Ueber den Stand der Zahl der Reichs­rentner am 1. Januar d. I. schreibt derReichsanzeiger" : Die Zahl der seit dem Inkrafttreten des JnvaltditätS- und Altersoerficherungsgesetzes erhobenen Ansprüche aus Bewilli­gung von Altersrente betrug 304,840. Von diesen wurden 241,864 Rentenansprüche anerkannt und 50,972 zurück- gewiesen, 5268 blieben unerledigt, während die übrigen 6736 Anträge auf andere Weise ihre Erledigung gefunden haben. Die Zahl der während desselben Zeitraumes er­hobenen Ansprüche auf Invalidenrente betrug insgesammt 145,385. Von diesen wurden 101,603 Rentenansprüche an­erkannt und 29,686 zurückgewiesen, 7399 blieben unerledigt, während die übrigen 6697 Anträge auf andere Weise ihre Erledigung gefunden haben. Unter den Personen, die in den Genuß der Invalidenrente traten, befanden sich 2178, die bereits vorher eine Altersrente bezogen.

X Lollar, 24. Januar. Der erste Hauptmann der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr, Herr F. W. Feller, vollendete heute sein sechzigstes Lebensjahr. Das CorpS, welchem er schon seit der Gründung als erster Hauptmann vorsteht, hat ihm aus diesem Anlaß einwerthvolles Geschenk, mit Widmung und dem FeuerwehrgrußGut Wehr" ver­sehen, durch vier der ältesten Kameraden überreichen lassen.

Nidda, 23. Januar. Eine merkwürdige Ausgleichung wurde einer hiesigen Familie zu Theil. Bei der vor zwei Jahren hier herrschenden Diphtheritisepidemie war^r der Familie innerhalb weniger Tage zwei prächtige Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, durch den Tod entrißen worden, i die auf dem Friedhöfe nebeneinander ruhen. Nunmehr wurden derselben Familie vor einigen Tagen Zwillinge ge­boren, ein Knabe und ein Mädchen, die nun nebeneinander in der Wiege ruhen. Gewiß eine merkwürdige Fügung des Himmels. Darmst. Ztg.

Staben, 24. Januar. Bei der am 21. Januar dahier abgehaltenen Wahl eines Beigeordneten erhielt der Laudwirth Johannes Schuld II. 38 von 41 abgegebenen Stimmen. 55 pCt. der Wahlberechtigten traten zur Urne.

F. AuS dem Kreise Friedberg, 22. Januar. Dasjenige landwirthschaftliche Gewerbe, welches vorzugsweise im Winter betrieben zu werden Pflegt, weil um diese Zeit das Roh­material am bequemsten zur Hand und die freie Zeit zur Verfügung steht, ist die B rannt wein brenn er et, welche auch in diesem Winter von denjenigen Brennereien betrieben wird, die durch ihre Kontingente dazu berechtigt sind. DaS Material, die 1894er Kartoffeln, sind re'cht befriedigend im Preise, haben aber den großen Fehler, daß sie Neigung zum Faulen haben. Der Einblick in verschiedene Brenneretbetriebe und das Faulen der Kartoffeln gibt uns Veranlassung, unsere liebenswürdigen Hausfrauen grabe jetzt wieder daran zu erinnern, ihre Kartoffel- vorräthe noch einmal durchsehen und die kranke.n Exemplare daraus entfernen zu lassen- die geringe Arbeit und Mühe lohnt sich dreifach. Zu den Branntweinbrennereien in unserem Kreise zurück­kehrend, wird bemerkt, daß neue Betriebsanstalten in letzter Zeit nicht errichtet worden sind. Was die Ausbeute an Branntwein oder richtiger: reinem Alkohol aubelangt, so ist er sehr schwankend. ES kommt hierbei ungemein viel auf die Apparate an. Aeltere Apparate, die den neueren Con« ftructlonen gegenüber wenig leistungsfähig find, bringen es nicht viel über 5l/,pCt., bessere Apparate erzielen 6, 7, 8 und etwas mehr Proeent. Der Kartoffelpreis schwankt zwischen 28/t b'.S 3/3 Mk. pro Doppelcentner (Speisekartoffeln stehen selbstverständlich höher), wobei das Branntweinbrennen bestehen kann. WaS die Höhe der abzubrennenden Brannt- roeincontingenle betrifft, so sind diese vor einigen Jahren um ca. 20pCt. erhöht worden, wodurch einem entschiedenen Bedürfnisse abgcholfen wurde, genügend ist die Erhöhung aber noch nicht. In Betreff der Felderbe st ellung muß bemerkt werden, daß auch bei unS wie anderwärts viele Grundstücke, die für Winterhalmgetreide bestimmt waren, nicht mehr eingeiäet werden konnten, weil eS die schlechte Herbstwiiterung unmöglich machte. Ein großer Theil der Zuckerrübenfelber ist unbestellt geblieben. Man wirb im kommenden Frühjahre viele Grundstücke, welche mit Weizen

bestellt werden sollten, mit Gerste einsäen. Die Weizen- und Gerstepreise geben sich fast nichts mehr heraus. Gute Brauer­gerste wird schon langst höher als Weizen bezahlt.

Darmstadt, 24. Januar. Heute früh ist OberoppellationS- und EaffatiouSgerichtSrath i. P. Dr. Kleinschmidt, einer der hervorragendsten. Juristen HeffenS, hochbetagt gestorben.

Darmstadt, 24. Januar. Ein hiesiger, wenig mit Glücks- gütern gesegneter Mann wurde durch das Bankhaus C. Schade mit der angenehmen Nachricht überrascht, daß er auf fein AnlehenSloos 3 0000 Mk. gewonnen habe.

Dieburg. 23. Januar. Em neues C on se r virnng'S» mittel wurde durch einen hiesigen Bürger mit bestem Er­folg angewandt. Derselbe vergrub nämlich im Herbste einen Korb voll Aepfel in seinem Garten, um sich später an deren Genuß zu erfreuen, da seine Söhne mit dem auf- gespeicherten Dorrath bald fertig waren. Letzter Tage nun grub derselbe die Aepsel auS, und zu feinem Erstaunen waren dieselben nicht nur sehr gut erhalten, sondern hatten auch noch einen feineren Geschmack bekommen.

WorwS, 22. Januar. Ihren 100. GeburtS t ag feierte vorgestern in Mannheim die aus WormS stammende Privatin Fräulein Brecher, welche auS diesem Anlaß von Nah und Fern zahlreiche Glückwunschschreiben und Telegramme, sowie Geschenke aller Art erhielt. Die Großherzogin ließ der hochbetagten Jubilarin durch die Präsidentin des dortigen FrauenvereinS ihr Bild überreichen. Der Stadtrath sandte ein Gratulationsschreibeu. Bemerkenswerth ist, daß die Jubilarin immer behauptet, erst 88 Jahre alt zu fein und zwar steht sie schon seit Jahren auf diesem Standpunkt. Inmitten ihres in einen Blumengarten umgewandelten Z mmerS befand sich ein von Deilcheir hergestellteS Kiffen, welches mittelst eingelegter weißer Blumen die Zahl 100 trug. Darüber war ein Lorbeerkranz angebracht und davor der am 20. Januar 1795 von der Mairie Wo^mS, Departement DonnerSberg, im dritten Jahre der französischen Republik ausgestellte Geburtsschein nebst zahlreichen Gratulationen von Nah und Fern.

Aus dem Verwaltungsbericht der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen

für daS ElatSjahr 1893/94.

(Fortsetzung.)

Die Straßenunterhaltung hat im BerichlSjahre eine voll­ständig neue Organisation erfahren, veranlaßt ine blondere noch durch den Zugang der Ortsdurchfahrten der Staats- und KreiS- straßen. Es sind zunächst die ersteren in einer Gesammtlänge von 8,017 km, uno zwar mit Wirkung vom 1. Juni 1893, gegen eine jährliche Pauschalvergütung von 5000 Mk. in die Unterhaltung durch die Stadt übergegangfn; des Weiteren sind auf Grund deS Art. 1< des Weggesetzes auch die Ortsdurchfahrten der Kreitzstroße nach Wieseck (Wieseckerweg), nach Haus-n (Sdi।ffe^bergetroep), nach Leibgestern (Leihgesternerweg) und nach strofboff (Krofdorferweg) mit zusammen 2,141 km vom Kreis in die Unterhaltung der Stadt übernommen worden mit der Maßgabe, daß dabei die Stadt vergütet wird pro rat« der Längen dstser Ortsdurchfahrten nach den wirklichen flufrornoungen des Kreises für die übrigen freien Strecken der betnffenden Straßen tilge. Damit war die Länge der zu unterbQltenben Straßen auf 13,220 km u^d ter chau'strten Wege auf 6,370 km, beide zusammen somit auf 19,590 km angewachsen, sodaß rs geboten erschien, dieselben in drei Straßenwartbezuke einzutheilen. Nicht minder aber war es nunmehr vollends unerläß ich geworden, zur Veaufsichtigung detz bei der Straßenunterbaltung wie bet der Straßenreinigung thäiigen Personals an Straßenwarten, Vorarbeitern und Taglöbncrn, rote von Fuhrleuten und Accordanlen einen besonderen Beamten, Straßen- metster, anzuftillen. In der Einrichtung der Straßenreintgung sind Aenderungen nicht eingetreten. Die bebet wie bet b-.r Straßen- unterballunguJ.ro. beschäftigten Arbeiter erhalten Sommers bei zehnstündiger Arbeitszeit einen Stunbenlobn von 20Pfg. bet A> beiten im Trocknen unb von 28 Pia. bet Arbeiten im Wasser, welche Sätze im Winter bet aUmällger Verringerung ber A'betttzeit auf acht Stunben auf 22 bezw. 30 P'g. erhöht sinb, bie Vorarbeiter erhalten 20 bis 30 Pfg. Zulage. Mt sogen. NotbstanbSarbeiten würben im Winter 1893/94 13 anberroelt beschäitigungslose Albeiter mit Planir- unb ©anbgrubenaibdten beschäftigt.

Verkehrswesen. Nachbem nunmehr das Kgl. Eisenbahn- betrtebsamt Cassel zum Umbau deS Ba hnhofS und zur Ver­legung des gelammten Güterv.rk'hrS auf die Westseite der Bahn ermächtigt worden, sinb von der Stabt diejenigen Arbeiten lingeleitet worden, welche ihr durch besonderen Vertrag obliegen; eS sind dle­iste Ausführung der Hammstraße vom N'ustädterthor bis zur Wieseck wogegen die Bahnoerwaltung die Verpsttchtung übernommen Hal, mit lleberbiütfung unb Verlegung ber Wieseck bis zum künftigen Güterschuppen auf ber Westseite ber Main - Weser - Bahn eine neue Hufuhruraße (in nur 2«/e pCt. Steigung) herzustell«n unb diese gegen Gewährung eines städtrschen Zuschusses von 20 000 Mk. mit ber Westanlage zwischen ber Stabtmäbchenschule unb ber Geilsuh'schen Besitzung burch eine Straßenunterfühlung zu verbinben. Die Enteignung ber bahnseitig zu erroerbenben Peivatgrundstückc ist in­zwischen zum Abschluß gelangt unb die eigentlichen Bauarbeiten sind energisch in Angriff genommen, eS wirb aber immerhin beren gänzliche Vollendung eine Bauzeit von mindestens 3 Jahren beanspruchen.

Unter diesen Umständen konnten auch die Verhanblunaen wegen Anlage öffentlicher Lagerhäuser unb Lagerplätze im Anschluß an ben zu oerlcgenben Güterbahnhos im B 'ichtsjabr um so weniger eine Förderung ei fahren, al« noch am l.Juni 1893 bie Stabtoe oibneten-Versammlung bas Beruhen derselben auch um beßwillm beschlossen hatte, weil sie bie seitens Gr. Hanbeltkammer seinerzeit nachgewiesene Beiheiligung ber Interessenten burch Zeich­nung von Beiträgen für keineswegs ausreichend erachtet batte. Die daneben mit dem Präsidenten des lanbwirthschastlich n Vereins für die Provinz Oderoessen geführten Ve-Handlungen haben zwar be­stätigt, baß bat Proj ct ber Anlage öffentlicher Lagerhäuser an un­serem Güterbahnhof auch ben Interessen ber oberhessischen Land- roirthe bienen würbe, eS hat aber auch von b'efer Seite biöberan er­mangelt an bem Angebot dner finanziellen Unterstützung ober son fügen Gewährleistung beS Unternehmens aus landroirihschaftlichm Kreisen.

Die im Gang befindliche Bearbeitung einer umfassenden Er­weiterung des wtadtbauplaneS hat Veranlassung gegeben zu einem erneuten Gesuch um Anlage einer Haltestelle für Personenzüge am Rosberg, und es hatte sich dabei die Siabtverorbneten Versammlung Im Voraus bereit erklär», bie in solchen Fällen von den Inter.ssenten verlangten Opfer auch hier zu leisten, insbesondere auch demnächst für Anlage einer fahrbaren, befestigten und beleuchteten städtischen Straße zu jener voraussichtlich beim Wärterbaus Nr. 161/5 an» zulegenben Haltestelle zu sorgen. Bedauerlicher Weise hat jedoch die Königl. Eisenbahn-Direkton Hannover bem Gesuch keine Fstge gegebenin Ermangelung eines BebürsnisscS des öffentlichen Ver­kehrs-, und unter H nwers einerseits auf bie dabei eintretende Er- | schwerung des Be>rlebsbienftes unb die entstehenden fortdauernden Kosten wie anderseits auf den geringen Vortheil, welchen daS er-