Ausgabe 
24.9.1895 Erstes Blatt
 
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Sammlung des deutschen Pomo'ogen«Vereins stattfindenden ObstauSstellung und ladet den Verein zur Bethriligung ein. Herr Forstmeister Müller - Bünvgen wendet sich gegen den unlauteren Wettbewerb bei Ausstellungen in der Hinsicht, baß oft Obst ausgestellt werde, welches von den Ausstellern nicht selbst gezogen sei und gegen die unrichtige Benennung der Obst» sorten. Herr Oeconomterath Müller« Darmstadt bezeichnet den Obstbauverein als mächtiges Glied in der Vertretung der deutschen Landwirthschaft, der Verein habe schon so oft Zeugniß abgelegt von angestrengter Arbeit- die ObstauS- stellung in Gießen habe so BollkommneS geleistet, daß er sie als den Glanzpunkt der ganzen Ausstellung bezeichnen könne, denn in ihr sei etwas vollständiges geleistet worden, die Arbeit sei von größter wirthschastlicher Bedeutung, er wünsche dem Verein mit diesem Erfolge Glück zu fernerem Schaffen. Der Vorsitzende drückt, indem er den Vorredner für die Anerkennung dankt, den Wunsch auS, daß das Interesse am Obstbau ein bleibendes sein werde, er hofft, daß der Verein im nächsten Jahre auch in Cassel Ehre etnlegen werde. Graf Ortola dankt der Regierung durch ihren Vertreter für die Verstaatlichung der Obstbauschule und für die lobende Anerkennung derselben- er wünsche dem Verein auch ferneres Wohlwollen der Regierung, dankt den Herrn Reichelt und Dr. von Peter für das, was sie zur Förderung eines so wichtigen NebenzweigeS der Landwirthschaft und zum Gelingen der ObstauSsteUung beigetragen, ferner dem Vorsitzenden, Herrn KreiSrath Dr. Braden-Frtedberg für feine Bestrebungen zur Förderung der VeretnSintereffen und ersucht die Anwesenden, fich zum Zeichen deS Dankes an die Herren Oeconomierath Müller, KreiSrath Dr. Braden, LandwirthschaftSlehrer Dr. von Peter und Reichelt von den Sitzen zu ergeben. Der Vor­sitzende schloß hierauf mit einemVivat floreat crescat dem Oberhrssischen Obftbauverein" die Versammlung.

** Landwirthschaftliche Ausstellung. In unseren Angaben über die Eintheilung des AuöstellungSplatzeS in der am SamStag erschienenen Festnummer haben wir die T urn h a ll e der Knabenschule übersehen. Wir tragen hiermit nach, daß fich in derselben die sehenSwerthe und auch stets stark be­suchte Ausstellung von Molkereigeräthschasten, Erzeugniffen der Küferei, der Sattlerei und deS Wagenbaues, Geräthe für Garten« und Feldbau, sowie Kücheneinrichtungen, Liqueur- AuSstellung u. f. w. befanden. Zum Besuche Ihrer König!. Hoheiten deS Großherzogs und der Großherzogin hätten wir noch zu berichten, daß dieselben einer Einladung deS land- wirthschaftlichen ProvinzialvereinS zum Frühstück folgten, welches auf der zu einer Loge umgestalteten Schaubühne der Festhalle stattfand und an dem theilnahmen die Vertreter der kiesigen Eivtl- und Militärbehörden, der Universität, das Präsidium der Ausstellung, die Vorsitzenden der landwtrth- fchaftlichen Vereine u. f. w. Beim Eintritt in die Festhalle durchbrauste ein Hoch des zahlreich anwesenden Publikums den weiten Raum, für welche Ovation die hohen Gäste nach i llen Seiten hin dankten. Die RegimentSmufik stimmte die Jubelouverture an. Se. Erlaucht der Graf zu SolmS - Laubach richtete vor'Aufhebung der Tafel an Ihre König!. Hoheiten eine Ansprache, worin er besonders hervor­hob, daß die Landwirthschaft, der Bauernstand stets treu zu seinem ihm angestammten Fürstenhause halten wolle, möchten die Zeiten kommen wie sie wollten. NamenS des Provinzial- Vereins und des AuSstellungScomitsS stattete er für die Ehre des Besuches den Dank ab und schloß mit einem Hoch auf Ihre Königlichen Hoheiten, in daS daS Publikum lebhaft einstimmte. Se. König!. Hoheit brachte hierauf unter dem Ausdruck des Dankes für die Einladung ein Hoch auf die Landwirthe, und zwar nicht nur auf die Aussteller, sondern alle Landwirthe HeffenS, aus, daran die Hoffnung knüpfend, daß die Landwirthschaft die schwere Krifis, in welcher sie sich augenblicklich befinde, bald überwinden möge. Nach Aufhebung der Tafel verfügten sich Ihre König!. Hoheiten in die Thurmloge der Festhalle, um den Festplatz zu überschauen. Als Ihre König!. Hoheiten an der Brüstung erschienen, brach daS den weiten Platz füllende Publikum in begeisterte Hochrufe auS. Besonderen Beifall Ihrer König!. Hoheiten fand die Rundfahrt des als 1. Hauptgewinn an­gekauften Gefährtes, des Erntewagens mit den vier Pferden. Zwölf Bauernmädchen in ihrer malerischen oberhessischen Tracht batten auf demselben Platz genommen. Punkt 2 Uhr ver- ließen Ihre König!. Hoheiten die Festhalle durch den nörd« lieben AuSgang und bestiegen hier den Wagen, um nach einer Rundfahrt sich nach dem Bahnhof zu begeben, von wo auS die Reise nach Jagdschloß WolfSgarten angetreten wurde. Prinz Heinrich von Preußen, der ebenfalls aus Romrod hier cingetroffen, kam nicht in die Stadt, sondern fuhr nach Cronberg weiter. Zur Begrüßung desselben hatte der Mar ine« Verein auf dem Bahnhof Aufstellung genommen- der Verein begrüßte den Prinzen mit einem dreimaligen Hipp H'pp Hurrad. Prinz Heinrich unterhielt sich hierauf einige Minuten mit dem Vorsitzenden Hcbstreit und den Kameraden Ritsert und Bauer, erkundigte fich eingehend über den Verein und reichte zum Abschied dem Vorsitzenden die Hand, dem Verein für den Empfang dankend. Nach aber­maligem Hipp Hipp Hurrab deS Marine-VereinS verließ der Zug den Bahnhof. Wie uns mitgetheilt wird, haben sich Ihre König!. Hoheiten sehr besriedigt über DaS ausgesprochen, waS ibn/n in Gießen geboten wurde, besonders über die Ausstellung selbst. Die Befriedigung Uber daS Geleistete hat Se. König!. Hoheit durcb Verleihung einer Anzahl OrdenSauSzeichnungen bekundet. Unter den Decorirten befindet fich auch Herr Oberbürgermeister Gnauth, welcher daS Ritterkreuz 1. Kl. deS PhiltppSordenS erhielt, ferner Se. Erlaucht Graf zu SolmS-Laubach, dem die große goldene Medaille für Ver« dienste um die Landwirthschaft verliehen wurde. Beim Be- suche der Neuen Kliniken, über deren Ausdehnung Se. König!. Hoheit der Großherzog sein Erstaunen äußerte, überreichte Christian Haaß auS Worfelden, HauSburschc, Sr. König!. Hoheit ein Bouquet, wofür demselben huldreich gedankt wurde. Wir haben die Veranstaltungen, welche für den Einzug Ihrer Königl. Hoheiten getroffen wurden und die alt durchaus ge­

lungen zu bezeichnen sind, bereits kurz beschrieben- wir können aber nicht unterlaffen, hinzuzufügen, daß hierbei seitens unserer Turner ein Bravourstück auSgeführt wurde. Als nämlich der Wagen m t dem Großherzoglichen Paare die Liebigftraße, da, wo sie in die Frankfurterstraße einmündet, passierte, stellten 52 Mann der hiesigen Turnerschaft auf dem neben dem Verwaltungs­gebäude der Oberhesfischen Eisenbahnen errichteten Podium eine jener großen Letterpyramiden, wie solche während deS Turnfestes mehrmals dargestellt und beifällig ausgenommen wurden. Ein Bravo unseren Turnern! Die Anwesenheit unseres Großherzogs und seiner jungen Gemahlin hatte selbst­verständlich einen ungeheuren Andrang fremder Gäste nach Gießen verursacht und so entstand am Nachmittag auf dem AuSstellungsplatze und in der Festhalle ein ungeheurer An­drang. Dieser coloffale Besuch wurde aber übertroffen am gestrigen Sonntag, an welchem die ganze Provinz nach Gießen gewandert zu sein schien. Schon kurz nach Eröffnung um 8 Uhr strömten die Besucher in die Ausstellung, woselbst um 10 Uhr die Vorführung der prämiirten Thtere ftattfand. Der Menschenstrom wuchs, als um 11 Uhr das vom Musik- corpS des Kaiser Wilhelm - Regiments gegebene Concert begann. Am größten aber war der Andrang am Nachmittag, wo in einigen AuSftellungSabtheilungen, in der Obsthalle, im Knabenschulgebäude besonders, kaum durchzukommen war. Einen solchen Andrang fremder Gäste hat Gießen wohl während der schönen Tage des Turnfestes kaum gesehen. Aus dem jenseits des Eisenbahndammes befindlichen Juxplatze ging eS gleich lebhaft zu. Man kann sich sonach ungefähr den Verkehr auf dem Bahnhof vorstell-n, als am Abend die auswärtigen Besucher die Heimreise antraten. An der AusstellungSkaffe sollen ca. 13 000 Eintrittskarten abgegeben worden sein und kann man fich sonach einen Begriff machen von dem Zuspruch, den gestern die Ausstellung gefunden. Um 5 Uhr wurden im Bureau der Festhalle die Ehrenpreise vertheilt. Se. Königl. Hoheit hatte am SamStag die Absicht, die von ihm gestifteten Ehrenpreise den damit Ausgezeichneten, den Herren Rudolf Brennemann von Obererlenbach und Julius Zimmer vom Zuchtviehhof Bingmühle bei Lauter selbst zu Überreichen, die betr. Herren waren Qbtr nirgends zu finden und erhielten die Kunte erst, als Ihre Kgl. Hoheiten im Begriffe waren, abzureisen. Nach unS gewordenen Mittheilungen haben die Preisrichter In allen Abtheilungen sehr streng geurtheilt. Die offizielle PrämiirungSlifte erscheint morgen, wir beschränken uns deshalb für heute darauf, diejenigen Aussteller von Vieh hier aufzuführen, die außer den Genannten noch Ehren- und erste Preise erhielten. A. gür Rindvieh: Ehrenpreis des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen, Gemeinden Kl ein linden und Göbelnrod für Bullen Vogelsberger Raffe- Ehrenpreis des Grafen zu SolmS Laubach: Ge­meinde Großenlinden für eine Sammlung von Kühen. Ehrenpreis des Landwirthschaftlichen BezirkSoeretnS Lauter­bach: Gemeinde Stumpertenrod für einen Simmen- thaler Bullen. Ehrenpreis des LandeSauSschuffeS: Carl Pfannstiel in Angenrod für eine größere Rtndviehfamm- lung. B. Pferde: Erster Ehrenpreis deS Landespferde« zuchtvereins: Karl Müller, Neuhof bei Lechgestern für eine Stute- zweiter Ehrenpreis des Landespferdevereins Gustav Kammer in Bellersheim für eine Stute. 0. Für Schweine: Je ein Ehrenpreis für eine Sammlung von Schweinen: Ludw. Pickenbroick in Beerfelden und Ober­amtmann Hoffmann in Hof-Güll. Ehrenpreis der Metzgerinnung Gießen: Wilhelm Heinrich Bender II. in Hungen für eine Zuchtsau. D. Für Schafe: Ein Ehrenpreis: Fürstliche Gutsverwaltung Lich für einen Schaf­bock. E. Für Ziegen: Ehrenpreis des Grafen Oriola Ziegenzuchtverein Nteder-Moos für eine Sammlung Ziegen. Erste Preise erhielten: A. Für Rindvieh: Ge« meinde Steinbach für einen Vogelsberger Bullen- Christian Velten, Göbelnrod, für eine Vogelsberger Kuh- Ludwig Gorr III. Heuchelheim, für ein Vogelsberger Rind, Zucht- genossenschafl Grünberg für eine größere Sammlung Vogelsberger Vieh - Georg Hamann - Biebesheim für einen Simmenthaler Bullen- Viehzuchtverein Lauterbach für eine Simmenthaler Kuh- derselbe für ein Simmenthaler Rind - Heinrich Kraft, Hof Gräfenbach für ein größere Sammlung Simmenthaler Vieh - Gustav Korell in Leusel für eine kleine Sammlung deSgl. - Richard Es au in Großen-Buseck für eine Kuh Simmenthaler Kreuzung, Vieh­zuchtverein Lauterbach für eine deSgl. Kuh- Sebastian Glaser in Nordheim für em deSgl. Rind - H. Engeland in Altenburg für eine große Sammlung Schwyzer Vieh- Bürgermeister Schneider in Fischbach für einen Simmen­thaler Bullen. B. Für Pferde: Kar! Müller zu Neuhof bei Leihgestern für eine Zuchtstute - derselbe für ein Stutfohlen- Rud. Brennemann in Obererlenbach für ein Hengstfohlen - Karl Heil in Butzbach für eine trächtige Stute - Fritz C l otz von Rülfenrod für ein Stutfohlen- Heinrich Rcß in Aulendiebach für ein Hengstfohlen.

0. Für Schweine: Conrad Weil III. in Lang-GönS für einen Eber- Gg. Ludwig Brückmann in Steinfurth für eine Zuchtsau - W il h. H e i n r i ch Bender in Hungen für eine Zuchtsau. D. Für Schafe: Georg Theiß in Ober- widderSheim für einen Schafbock - Gut-verwaUunp Neuhof bei Leihgestern für ein Bockiamm. E Für Ziegen: Ziegen­zucht Verein Büdingen für einen Schweizer Bock- der selbe für eine Schweizer Ziege; derselbe für eine Zuchtziege. F. Für Nutzgeflügel: 1) Hühner. Ludwig und Friedrich Fendt in Büdingen, Carl Schwan in Gteßen; Hch. Södler in Niedergemünden; 2) Für Enten: Carl Schwan in Gießen - 3) Für Gänse: Ludwig und Friedrich Fendt in Büdingen- Carl Schwan in Gießen.

* Der große, mit vier Pferde» bespannte Erntewagen, welcher am SamStag Ihren Königl. Hoheiten vorgrfahren wurde, hat allgemeinen Beifall gefunden. Ihre Königl. Hoheit die Frau Großherzogin hat, wie man uns mittheilt, dcn Wunsch geäußert, daß sich em Verein zur Erhaltung

der hessischen Trachten, wie sie in den 12 auf dem Wages sitzenden Bauernmädchen vorgeführl wurden, bilde- Ihre- Königl. Hoheit würde das Plotectorar übernehmen. ES wird unsere Leser und Leserinnen gewiß interesfiren, die Namen der Jnsaffen deS Wagens zu erfahren. Nun, wir könnenmiltheilen, daß auf dem Wagen faßen: drei Sophieen, drei Marieen, drei Katherinen und drei Christinen- die Sophieen waren aus Leihgestern, die Katherinen auS Lang- GönS und die Christinen aus Großen Linden, wozu noch aus jedem Ort eine Marie kam. D,e Leihgesterner Marieen tragen noch die Zunamen Schmidt, Faber, Seng, die Mcnie heißt Velten- die Großen-Lindener Christinen tragen b:e Zunamen Luh, Dern und Weiß, die Marie heißt Schmitt- die Lang-Gönfer Katherinen heißen noch Rompf, Brücke! und Henrich, die Marie Velten.

* * Tie jur Berloosnng angetansten Gegenstände der landwirthschaftlichen Ausstellung wurden heute Vormittag vor und in die Festhalle gebracht. Die verloofung beginnt um 2 Uhr Nachmittag-.

* * Feuer. Auf dem Fefiplatz herrschte gestern, wie be­reit- mitgetheilt, ein bewegtes Leben, und besonders die Landleute der umliegenden Dörfer waren in großer Zahl erschienen, um die Ausstellung zu besichtigen. Do, gegen 4 Uhr Nachmittag tauchte daS Gerücht auf, in Großen- Linden fei großes Feuer auSgebrochen. Bald hörte man, daß mehrere gefüllte Scheuern und Stallungen in Hellen Flammen standen und daß die Gefahr bestände, daß die gai-ze Stadt wegen Mangel an Löschmannschaften, die sich theil- weise hier aus dem Festplatz befanden, vom Feuer in Mit­leidenschaft gezogen würde. Alles eilte entweder nach dem Bahnhof oder die Landstraße entlang, dichtbesetzte Waget» fuhren im scharfen Trabe nach Großen Linden zu. ES brannten zwei gefüllte Scheunen, darunter eine Doppelscheuer und drei Stallungen nieder. Die Flammen umzingelten auch die Wohngebäude. Die Feuerwehren von LanggönS, Leihgestern, Lützellinden und Hörnsheim waren der bedrohten Gemeinde zu Hilfe geeilt und mit 8 Spritzen hatte man zu wen versucht, was möglich war. Bürgermeister Leun hatte in umsichtiger Weife die wenigen Len'e, welche ihm zuerst zur Verfügung standen, zur Bekämpfung des Feuers angeleitet, und hatte fein Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die in Ge­fahr stehenden Wohnhäuser zu schützen. Es war dieses keine kleine Aufgabe, denn glühende Holzstücke bildeten ein Flug- feuer, welches bis 400 Meter weit von der Brandstätte ge­schleudert wurde, so daß eS zu gleicher Zeit an drei weiteren Stellen zu Brandanfängen kam. Regierungörath Melior von Gießen traf um 5 Uhr auf der Brandstelle ein, und haf gemeinsam mit dem KreiSfeuerwehr-Jnspector LooS die nöthigen Anordnungen. Eine Mauer mußte niebergel gt werden, um dem Herd deS Brandes besser beikommen zu können. Der Schaden ist ein großer. Außer den Gebäuden und dem Inhalt der Scheuern und Ställe ist der Mehlvor- ralh des Bäckers Häuser vernichtet. Ein Möbellager in einem Gebäude, dessen Giebel schon F uer gefangen hatte, ist von der Hitze arg beschädigt. Um 8 Uhr bildete die räumlich ausgedehnte Brandstelle noch einen großen Flammen- Herd und bedurfte es großer Anstrengung, um ein Umsich­greifen des Feuers während der Nacht zu verhüten.

* * In Amerika verstorbene Hesse». JohnStown, Pa.: Anna E. Roth, Wittwe von Henry Roth, 74 Jahre alt, auS Hessen Darmstadt. John C. Ernst, 62 Jahre alt, aus EichelSdorf.

* * Heber die Declaration der Einkommen hielt am Donnerstag Abend Herr Landtagsabgeordneter WolfSkehl in Darmstadt einen aufklärenden Vortrag. Inhaltlich des­selben erstrebt das neue Gesetz, welches nunmehr in Kraft tritt, eine bessere Anpassung der Steuerleistung und Steuer- traft und zieht die gelammten JahreSernkünfte an Geld und GeldeSwerth heran. Nur die o rdent li chen JahreSeinkÜnfte sind jedoch zu versteuern, Erbschaften, Schenkungen, waS man aus Lebensversicherungen Dritter erwirbt, solche auS HauS- Verkäufen gelten als Vermehrung deS Stammvermögens und sind hier nicht zu versteuern. Ebenso verhält eS sich mit Verlusten. Ein wichtiger Unterschied ist fixes und schwanken eS Einkommen. Bei letzterem ist, sallS ein kürzerer Zeitraum nicht auSreicht, der Durchschnitt der drei letzten Jahre anzu­setzen. Die hierbei als angemessen erachtete WirthschastS- Periode ist für längere Zeit festzuhalten. Die Einnahmen auS Grundbesitz, wie solche unter 1 bis 7 der den Steuer- pflichtigen mitgetheilten Erklärung enthalten sind, stellen dcn Reinertrag dar. Mancher wird sich zur Ermittelung des­selben veranlaßt sehen, beffere Aufzechnungen wie seither zu machen. Zum Pachtzins sind vielfach besondere Natural- und Nebenleistungen des Pächter» mitzurechnen. Bei der Miethe kommt die JahreSmiethe in Betracht ein» schließlich Nebenleistungen und vorbehaltenen Nutzungen, jedoch abzüglich vorbehaltcner Lasten. Wer einem Miether für den Wafferbezug Nichts verrechnet, ist befugt, hierfür einen geeigneten Abzug zu machen. Bei unbestimmtem Recht oder Miethe, z. B. durch Leerstehen oder Verluste ist in der Regel der Durchschnitt der drei letzten Jahre zu rechnen. Unter 6 der Erklärung ist der Miethwerth der eigenen Wohnung genannt, derjenige von Gebäuden, welche lediglich gewerblichen oder landwirthschaftlichen Zwecken dienen, ift dabei ausgeschlossen. Am schwierigsten gestaltet sich wohl die Einkommenberechnung auS Handel und Gewerbe. Auch hier wird, wo kein zar Buchführung Verpfl'chteter in Frage kommt, in der Regel der nach festen GeichäftSperioden zu ermittelnde Durchschnitt der drei letzten Jahre tn Ansatz zu bringen (ein. Capital- und Vermögensverlust find nicht tn Abzug zu bringen, wohl aber im ordnungsmäßigen Betrieb vorkommcnde Geschäftsverluste. Die Frage, ob Diäten der Beamten steuerpflichtig sind, wird verneint, für die Dienstwoh­nung ist dagegen der wahre Werth anzurechnen. AlsGeschäfts- kosten" gelten die laufenden Ausgaben auf diejenigen der ersten Einrichtung. Redner gab derHoffnung Ausdruck, daß der Communalsteuerzettel zweckmäßiger eingerichtet werde. Wegen der Kirchensteuer, insbesondere der israelitischen !CultuS-