Mittwoch den 24. Juli
M. 171
1898
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieffen
Hratisöeikage: Gießener Kamitienbkätter
die
:ete nur die Gelegenheit ab, die Grenze bei Monastir-
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» fvlgendm Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.
»erfalls bezeichnete, täglich enger zusammen. Der dritte tschuldige soll der Macedonier Athanas sein, der gleich lew unauffindbar ist.
Di« Gießener -smiltenvtätter »erden dem Anzeiger »Schentlich dreimal beigelegt.
Der
Kießeiur Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
k Kilo zu überschreiten, da dort die Freischärler ein Asyl finden. V Sofia, 22. 3ult. Die Untersuchung gegen die Mörder
Depeschen deS Bureau ^Herold".
rlin, 22. Juli. Nach jahrelangen Verhandlungen Deutschland und Belgien ist jetzt das Abkommen geworden, daS den deutsch-belgischen Fern
sprech-Anschluß sichert. Aachen und Köln werden einerseits mit VervierS und Lüttich, andererseits mit Brüsiel und Antwerpen verbunden. Nur Tagesdienst ist zulässig, Fern- sprech-Abonnements find nicht zugelaffen. Jede Unterhaltung darf nur drei Minuten dauern. Die Gebühren werden nach Zonen berechnet. Der Betrieb soll im October beginnen.
Berlin, 22. Juli. Auf der Oberspree hat sich in der vergangenen Nacht abermals ein Boot Sun fall zugetragen, welchem drei Menschenleben zum Opfer gefallen sind.
Berlin, 22. Juli. Wie aus Ischl gemeldet wnd, empfing Kaiser Franz Joseph am Samstag Nachmittag den RetchskanzlerFürsteuHohenlohetnAudienz. Später nahm Fürst Hohenlohe an der Hoftafel Theil und kehrte Abends nach Alt-Ausiee zurück.
Berlin, 22. Juli. Der commandirende General v. S eeckt ist gestern Abend zum Besuche des Generalgouverneurs und Hauptcommandirendeu der russischen Truppen des Warschauer Militärbezirks, Grafen Schuwalow, in Begleitung des Oberstlteutenants v. Massow und des Premierlieutenants v. Seeckt nach Warschau abgereist. Der General überbringt, dem Vernehmen nach, im Allerhöchsten Auftrage ein Bild des Kaisers.
Eßlingen, 22. Juli. Seit Samstag tagt hier der 11. deutsche Turnertag, aus welchem Anlaß die Stadt festlich geschmückt ist. An dem Turner-Festzug, der sich gestern zwischen 2 und 3 Uhr durch die Straßen der Stadt bewegte, nahmen etwa 80 schwäbische Vereine mit mehr als 2000 Mitgliedern Theil. Dazu kamen noch etwa 200 außerwürttem- bergische Delegirte. Kurz nach 3 Uhr wurde auf der Maille, einer im Osten der Stadt gelegenen Anlage, die Enthüllung des Georgii-Denkmals vollzogen. Die erste Weiherede hielt der Geschäftsführer der deutschen Turnerschaft, Dr. Götz- Lindenau. Beim Fallen der Hülle erscholl ein dreifaches „Gut Heil". Das Denkmal besteht aus einer Brovcebüste auf einem Sockel von Syenit und erreicht die Höhe von 4 Meter. Nachdem noch mehrere Ansprachen gehalten worden waren, wurden zahlreiche Kränze von Nah und Fern auf dem Denkmal niedergelegt. Abends fand ein großes Fest- banket statt.
Wien, 22. Juli. Nach der Meldung eines hiesigen Wochenblattes aus Sofia steht die Demission des Ministerpräsidenten Stoilow unmittelbar bevor. Er habe den diesbezüglichen Antrag bereits an den Fürsten abgesandt.
Wien, 22. Juli. Nach Meldungen aus Karlsbad reist Fürst Ferdinand Anfang August von dort ab und begibt sich zuerst nach Ebenthal, dann mit seiner Familie nach Schwarzenau und von dort nach Sofia. Die Fürstin und der Erbprinz Boris verbleiben bis auf unbestimmte Zeit in Schwarzenau.
Brux, 22. Juli. Die Katastrophe ist zum Stillstand gekommen. Außer 18 eingestürzten Häusern find noch 32 Häuser stark beschädigt. Diele wohlhabende Personen sind vollständig an den Bettelstab gebracht. 2400 Personen sind obdachlos. Ein Hotelbesitzer ist infolge des bet der Katastrophe ausgestandenen Schreckens gestorben. Die Teplitzer Eisenbahn erleidet einen colosialen Schaden. Wahrscheinlich wird die Verlegung der Bahn stattfinden muffen.
Brüx, 22. Juli. Heute Nacht haben keine neueren Terrain-Verschiebungen statlgefundcn. Die Zahl der Obdachlosen beträgt über 4000. Die Frage, ob Jemand für den entstandenen Schaden verantwortlich gemacht werden kann, wird erst durch die morgen beginnende Untersuchung des Anna-Schachtes festgestellt werden, welche drei Tage in Anspruch nehmen dürfte.
Genua, 22. Juli. Zu dem Zusammenstoß zwischen den Dampfern „Ortigia" und „Maria P." wird noch gemeldet, daß derselbe um 1 Uhr 15 Mm. Nachts 11 Meilen von der Insel Tino bei Spezzia erfolgte. Die „Ortigia" hatte 40 Mann Besatzung und 25 Passagiere an Bord. Das Schiff war auf der Fahrt von Genua nach Livorno begriffen. „Maria P." hatte 18 Mann Besatzung und 173 Passagiere, Alles Auswanderer aus Italien, an Bord und befand sich auf der Fahrt von Neapel nach Genua. Der Stoß war so gewaltig, daß man glaubte, auch die „Ortigia" müßte sofort sinken. In zwei Minuten war die „Maria P." verschwunden. Fast alle Passagiere wurden schlafend von dem Unglück überrascht. Von der „Maria P." wurden sofort die Boote inS Wasser gesetzt, sowie eine Anzahl Rettungsgürtel ausgeworfen, sodaß die ganze Besatzung und auch der Capitän gerettet wurden, mit Ausnahme von drei Matrosen. Außerdem gelang die Rettung von 28 Passagieren.
Turin, 22. Juli. Die „Gazetta di Piemontese" bringt die Meldung, daß der Papst den Beschluß gefaßt habe, gegen die „neue Provocation", den 20. September als einen
Zteucfte
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 22. Juli. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht kaiserliche Genehmigung des Beschlusses des General-
£$cato und PrsninBetts».
Gießen, den 23. Juli 1^95
** Von der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 16. Juli den ordentlichen ProfessorDr. Otto Behaghel zum Rector der Landes - Universität für die Zeit vom 1. October 1895 bis dahin 1896 zu ernennen.
** Regatta. Gestern Abend fand im „Hotel zum Rappen" eine Sitzung des Regatta-Ausschusses unter Vorsitz des Herrn Ernst Balser statt. Die Spitzen der Behörden, welche dem Regatta-Ausschuß angehören, waren theilS vertreten oder entschuldigt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ist ersichtlich, daß die Betheiligung an der Regatta eine außerordentlich gute sowohl qualitativ, wie bezüglich der Zahl der Meldungen fern wird. Die einzelnen Ausschüsse befinden fich in voller Thätigkeit, die Arbeiten am Festplatze haben begonnen. Die als unpractisch erkannte früher benutzte Tribüne fällt dieses Mal fort, statt dessen werden numerirte Stühle auf besonders hergerichtetem Podium aufgestellt. Start und Ziel werden wie früher- telephonisch verbunden. Post und Telegraphie, sowie eine Sanitätswache sind auf dem Festplatze etablirt. Dank dem Entgegenkommen der Militärverwaltung wird die Militärschwimmanstalt, welche den Curs beengt, abgebrochen. Die dem Festplatze gegenüberliegende Bleiche ist von der Rudergesellschaft gemiethet worden, um auch dem minder bemittelten Publikum für ein billiges Entree Gelegenheit zu geben, sein Interesse für den Sport bethätigen zu können. Für das Regatta Comite nebst Angehörigen ist am Richtersteg ein besonders günstiger Platz
vierteljähriger Avo»ne«e«tsprei»r 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, «Erptbitiot und Druckerei:
Kch»lstratze Ar.F. Fernsprecher 51.
landtageS der schlesischen Landschaft vom24. Mai, bett. die Lonvertirung der höher verzinslichen Pfandbrief- Darlehen in dreiprocentige.
Stettin, 22. Juli. Der Stolper Bauernverein prvtestirte einstimmig gegen die fernere Vertretung des Wahl- kmses im Abgeordnetenhause durch Freiherrn v. Hawmerstein Mb sprach die Erwartung aus, daß Herr v. Hammerstetn sein Mandat niedertegen werde, da er nicht moralisch stark genug sei, über daS Wohl des preußischen Staates als Dolks- leitieter zu berathen.
Pofen, 22. Juli. Reichstags-Stichwahl Meserttz- Bornst. Bisheriges Ergebniß: v. Dziemanski (Reichspartei) 9481, Szymowski (Pole) 8817 Stimmen.
München, 22. Juli. Officieller Saatenstand im gesummten Bayern um Mitte Juli: Winterweizen 2,24, Sommerweizen 2,44, Winterroggen 2,47, Sommerroggen 2,35, Gerste 2,44, Hafer 2,58, Kartoffeln 2,35, Zuckerrüben 2,46, Slee 1,64, Wiesen 1,58, Hopfen 3,24.
Wien, 22. Juli. Officiellen Nachrichten zufolge sind in DrLx achtzehn Häuser eingestürzr. Bei weiteren zivetundzwanzig Häusern ist der Einsturz zu erwarten. Zweihundert Familien mußten bisher ihre Wohnungen räumen. Dom Bahnkörper der Aussig-Teplitzer Eisenbahn ist eine Strecke von 20 Meter Länge 15 Meter tief eingesunken, wodurch die Bahn auf eine Länge von 50 Meter unterbrochen ist. Seit Samstag Mittag haben die Bodensenkungen auf» gehört und ist mit der Räumung der Häuser begonnen worden. Der Annaschacht ist in Seehöhe von 100 bis 110 Meter Lbrrschwemmt. Der Wasserstand nimmt jedoch nicht mehr zu and scheint somit der Hohlraum unter den Brüxer Häusern morn Schwemmsande entleert zu sein. Weitere Senkungen dürften nicht mehr zu erwarten sein.
Myland, 22. Juli. Die „Hohenzollern" hat Hernösand um 10 Uhr verlassen und ging kurz nach 12 Uhr bei Myland vor Anker. Die Fahrt auf dem Flusse war vom herrlichsten »eiter begünstigt. Der Kaiser setzte um 2 Uhr die Fahrt stromaufwärts auf einem kleinen schwedischen Dampfer fort.
Paris, 22. Juli. Der „Figaro" prophezeit, wenn die rossophile Bewegung in Bulgarien sich verstärke, dürfte die Lage des Fürsten Ferdinand beließt werden. Der Fürst Nüsse jedenfalls von jetzt ab der Heftigkeit Rechnung tragen, amt welcher die deutschen Blätter seinen Sturz fordern. Der „Statin" glaubt nicht, daß Fürst Ferdinand abdanken werde- Melcht seien wir am Vorabend der Anerkennung desselben durch Rußland.
London, 22. Juli. Der Untersecrerär des Auswärtigen, Sur z o n, erwiderte einer Abordnung von 50 leitenden Ltver- pcelet Rhederfirmen, er habe auf seinen Reisen gesehen, wie beeinträchtigend und fühlbar der deutsche Wettbewerb in der ganzen Welt sei. Obgleich er das gute Verhältniß Deutschlands und Englands als Bürgschaft deS europäischen Friedens betrachte, sei er doch für gesetzliche Maßnahmen |em Schutze der britischen Schifffahrt.
Sofia, 22. Juli. Hier eingetroffene Nachrichten be- tätigen den Ausbruch eines Aufstandes im Rayon Süst en d i l, der durch die Linie Kratowo Podaresche-Pecovo- IktSloga eingeschloffen ist. Die Türken haben die meisten
Nationalfeiertag zu begehen, bei den Mächten zu pro- testiren.
Paris, 22. Juli. Wie „Patrie" aus Petersburg meldet, hat Präsident Faure die Einladung zur KrönungS- feiet in Moskau angenommen. Der Czar und seine Gemahlin werden den Besuch zwei Monate nach der Krönung ‘ erwidern.
Paris, 22. Juli. Hiesige Blätter bringen folgende, höchst unwahrscheinliche und zweifellos erfundene Meldung: „In den letzten Tagen hat zwischen den Cabinetten von Berlin, Wien, Rom und London ein reger Depeschenwechsel stattgefunden. Man ist übereingekommen, daß Deutschland von Marokko, Oesterreich von Makedonien, Italien von Tripolis und England von Creta Besitz ergreift. Abefsynien soll unter England und Italien vertheilt werden."
Madrid, 22. Juli. Mitte August werden 20000 Mann Infanterie, 1250 Mann Cavallerie, 1200 Mann Artillerie und 1000 Mann Genietruppen nach Cuba zur Verstärkuug der dortigen Truppen abgehen.
Loudon, 22. Juli. Nach den bis jetzt bekannten Wahl- resultaten haben die Unionisten den Liberalen 64 Sitze abgenommen. Bis jetzt haben die Unionisten eine Mehrheit von 100 Stimmen im Unterhause. Die ministerielle Mehrheit im Unterhause wird auf 120 bis 130 Stimmen geschätzt. Die Conservativen allein haben ohne ihre Verbündeten eine Mehrheit von 46 Stimmen. Die Resultate von 146 Wahlkreisen stehen noch aus.
Sofia, 22. Juli. Fran Stambulow, sowie ihre Schwester beabsichtigen Bulgarien zu verlassen, weil sie für ihr Leben fürchten.
Sofia, 22. Juli. Das diplomatische Corps erhob bei dem Minister des Aenßern energische Beschwerde über das Vorgehen der Polizei anläßlich der Beisetzung Stambulows. Ganz ohne jede Veranlassung sprengte eine Abteilung Gendarmerie aus einer Seitenstraße in den Trauerzug, wodurch eine große Panik entstand. Hierbei fielen auch einige Revolverschüffe. Die Gemahlinnen des rumänischen und serbischen Vice-Consuls wurden zu Boden geworfen, diejenige des franzöfischen insultirt. Es ist nachgewiesen, daß die Regierungsorgane Alles gethan haben, um Scandale in Scene zu setzen. Die Situation ist derart gespannt, daß allgemein die ernstesten Ereignisse als unausbleiblich betrachtet werden.
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Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verboten.) 24. Juli.
Sa arbrück en, 24. Juli. Bei Forbach steht eine französische Division. Heute früh fand bei Gersweiler ein Scharmützel statt. Der Feind ging zurück mit 10 Mann Verlust, unsererseits kein Verlust. DaS Zündnadelgewehr hat sich dem Chassepot gegenüber trefflich bewährt.
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608 chomber, Wallthoi und Stachelbeere! D zum Emmachei irschen zu dMt Bergstraße 11.
3°‘ Wbe, derselbe ist indessen schwer belastet und bleibt in Unter- . spchungshaft, desgleichen Tüfektschiew. Nach Angabe
211 t d« Untersuchungsbehörde schließen sich die Judicien gegen
% Qirtitnet« fialem, welchen Stambulow als den Haupturheber des *1 ..... " ■
neou ö"-" WMMzposten, wahrscheinlich zur Verstärkung der Garnisonen > E"Äcktet, alsb-lr- der bulgarischen Seite, ins Innere zurückgezogen, drei LahÄaistrade" Maillone aber wieder an die Grenze des Bezirkes Küstendil, Mi-ll nach Dubnitza, beordert. Ein Bataillon bulgarischer ttrr$«ppen unternahm dieser Tage eine Razzia, wobei eine Kadeeimichw^ 28onbe bewaffneter Abenteurer zerstreut wurde. Die Bande '■ ..... m.....


