Ausgabe 
24.2.1895 Erstes Blatt
 
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hiesige« Redaetenre gegen do» Urtheil de» Schöffengericht» vom 29. November v. I. eingelegt hatten, vera-orfen mxb die vom Schöffengericht ausgesprochenen Geldstrafen unter der Annahme eine» fortgesetzten vergehen» um 20 biß 50 Mk. erhöht.

Prag, 22. Februar. Die Landwirthe deß Gitschiner Bezirks haben in einer Versammlung die Einschränkung deß Rübenbaues um 50 pCt. befchloffen.

Triest, 22. Februar. Ein kaiserlicher Befehl ordnet an, daß fünf Schiffe der österreichisch-ungarischen Kriegsmarine an dec Eröffnung de» Nord-Ostsee Canals theiluehmen sollen. DaS Commando über dieses Geschwader wird Erz« Herzog Stephan übernehmen.

Rom. 22. Februar. Der Papst erhielt von dem Prä­sidenten der Republik Transvaal einen Diamanten von 971 Karat geschenkt. Der Werth deffelben wird auf fünf Millionen Francs geschätzt. Man glaubt, der Papst werde den Diamanten in die Tiara einfügen laffen.

Pari», 22. Februar. Der von Madagaskar in Pari» eingetroffene Generalgouverneur theilt mit, daß die Truppen der Hova» bei seiner Abreise,in vollem Auf- stände gegen die Behörden waren, weil ihnen an den uöthigen Nahrungsmitteln fehlte. Im Süden der Insel sei die Lage der Europäer schwierig und man befürchtet, daß, sobald die Franzosen den ersten Angriff machen, alle Fremden ermordet werden.

Paris, 22. Februar. Der zur Deportation verur- theilte Excapitän Dreyfus wurde gestern an Bord deß DampfersFinistere" geführt, der ihn nach den Salut« Inseln bringen soll. DieLibre Parole" theilt mit, daß die Verwandten Dreysuß' beim Präsidenten Schritte gethan hätten, damit der Derurtheilte noch einen Monat aus der Insel verbleibe. In dieser Zeit hofften sie die Unschuld Dreysuß' zu beweisen. In Wirklichkeit solle sich jedoch darum handeln, dem Excapitän zur Flucht zu verhelfen.

Madrid, 22. Februar. Die Blätter besprechen daß von einem Neapeler Journalisten veröffentlichte Interview mit Don Carlos und heben hervor, daß derselbe andeutet, wie wenig Hoffnung der Kron-Prätendent auf die Verwirklichung feiner Ideen fetze. ES geht dies besonders daraus hervor, daß Don Carlos auf die Unterstützung der Bischöfe und deß Clerus, unter welchen er feine einflußreichsten Anhänger har, verzichtet.

Sofia, 22. Februar. Die Agitation seitens der OpposirtonSparteien nimmt einen derart gefährlichen Character >», daß die Regierung jetzt den Entschluß nur noch erwägt, den Belagerungszustand zu verhängen. Es wird befürchtet, daß Stambulow und RadoSlawow mit Hilfe eines ThetlS der Armee einen Putsch in Scene setzen. Alle Präfecten haben Anweisungen erhalten, die strengsten Maßregeln zur Unterdrückung der Opposition zu ergreifen.

Cocofci ttttö

Vietze«, den 23. Februar 1895.

* Kirchliche Dienstnachrichl. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem evan- gel'schen Pfarrer Ernst Büchner zu Ober-Saulheim die er­ledigte evangelische Pfarrstelle zu Selters im Dekanat Büdingen zu übertragen.

* Reue Eisenbahndirectiouen. Die unterm 14. December 1894 sanctionirte neue Berwaltungsordnung für die preußischen Staatßbahnen ist imReichsanzeiger" veröffentlicht worden. Danach tritt die bisher unter der Kgl. Eisenbahn-Direction Hannover stehende Main-Weser-Bahn zu einem Theil unter die neu errichtete Direction Caffel, zum anderen Theil unter die Eisenbahndirection Frankfurt a. M. von der letzteren werden in Zukunft folgende Strecken verwaltet: Kalk- BetzdorfGie ßen, SiegburgDerschlag, Derschlag Bergneustadt, OsberghausenWiehl, WissenMorsbach, GrünebachDaaden, DillenburgStraßeberSbach, Dillen­burgAuguststollen bczw. NicolauSstollen, Troisdorf HorchheimFrankfurt a. M., EngersSiershahnAo, GrenzauHöhr - Grenzhausen, Limburg Altenkirchen,

SiershahnStaffel, LollarWetzlar, Wetzlar C ob lenz, WelburgLaubuS Eschbach, WiesbadenDietz, HohenrheinOberlahnstein. KurveWiesbaden, Wiesbaden- Biebrich, HöchstSoden, FrankfurtHomburg, Homburg Usingen, SachsenhausenOffenbach, FrankfurtBebra, L o l larGießenBockenheim, Friedberg Hanau,Elm Landesgrcnze, LandeSgrenzeGemünden, BronzellGersfeld, Götzcnhof Tann, UrbachTroisdorf. Die Strecke Lollar Vaffel tritt in den Bereich der Eisenbahn-Direction Caffel.

Kuofiverein. Der Ausstellung im ThurmhauS am Brand sind siebenundzwanzig neue Gemälde zugegangen. Wir werden ersucht, auch an dieser Stelle mitzutheilen, daß den in 1895 neu beigrtretenen Mitgliedern, deren Mitglieds- karten von Darmstadt noch nicht eingetroffen sind, dessen- ungeachtet gegen Angabe ihrer Namen beim Aufwärter der freie Besuch der Ausstellungen jederzeit ermöglicht ist.

DieElbe" WohlthätigkeitS Vorstellung fand gestern Abend wie wir mit Genugthuung feststellen können *or ausverkauftem Hause statt, obgleich sich mit wenigen Ausnahmen allein die Gießener Bürgerschaft betheiligt hatte. Die verschiedenen Aufführungen fanden den lebhaftesten Beifall, den sie auch in jeder Bestehung verdienten.

Wohlth-tigkeitSVorftellung. Zum Besten der Näh- Abende für Unbemittelte am 28. Februar 1895. Unsere bereits früher gemachten Notizen, die sich fast ledig­lich auf die schauspielerischen und gastronomischen lieber« raschungen beschränkten, wollen wir heute insofern ergänzen, alß wir mittheilen wollen, daß auch die edle F,au Musika voll und ganz zu ihrem Recht kommen soll. Nicht allein 1 unsere vortreffliche RegirnentScapelle wird unter der Leitung deß Herrn Musikdirector» Krauße conccrtiten, sondern auch der Gießener Zitherkranz, einer unserer leistungsfähigsten < Zithervereme, hat sich bereit erklärt, feine geübtesten Mit-

1 glieder zu entsenden Wir glauben nun, daß gerade die Betheiligung des geschätzten Zühervereine» große Freude er­regen wird; in unserer Gegend wird da» Zitherspiel leider nur sporadisch gepflegt und nicht viele Besucher der Wohl- thätigkeitS-Borstellung werden einen Eoncertvortrag von einem Ensemble geübter Zitherspieler gehört haben. Besonders er­wähnen wollen wir noch, daß auch die musikalischen Genüsse in uneigennützigster Weite, lediglich au» Freude an dem Liebeßwerk Mitwirken zu können, dargebracht werden.

Wiederholte Warnung. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß da» aus Fastnacht übliche Erbsenwerfen nach dem R.-St.-G. strafbar und die Schutzmannschaft ange­wiesen ist, strengsten» gegen die Uebertreter vorzugehen und Anzeigen zu erheben.

" Wegen Betrug» und Tiebstahl wurde gestern ein Arbeiter verhaftet. Derselbe hatte in einer Winhschast gut gefrühstückt und sich dann unter Mitnahme eines Lcder- Ranzenß mit Inhalt heimlich entfernt, ohne feine Zeche zu bezahlen.

* Wahrend bei Feuerwehtfeste» im August v. I. wurde ein Kutscher, welcher an seiner von zwei hiesigen Feuerwehr­männern besetzten Kutsche die vorschriftsmäßigen Laternen nicht angebracht hatte, wegen der daraus entstandenen Widersetz­lichkeit gegen die Polizei verhaftet. Gegen den Kutscher war Anklage wegen Widerstandes, gegen die Feuerwehrleute wegen Bethülfe dazu erhoben worden. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts wurde der Kutscher zu 3 Wochen und 5 Tagen Gefängniß verurthetlt, die beiden Feuerwehrleute, welche in guter Absicht »ntcivenirt zu haben vorgaben, zu je einer geringen Geldstrafe verurtheilt.

* Der demuächstige Leiter des hesfischen Bolksfchulweseul, Herr Oberschulrath I)r. Heinrich Ei sen h uth, steht im kräf­tigsten ManneSalter, er ist 43 Jahre alt. Seine erste Brr- Wendung im hessischen Schuldienst fand, wie da»D. T." berichtet, im Jahre 1873 an der Realschule zu Darmstadt statt, von wo er bald darauf nach Laubach, an das damals dort vom Grafen SolmS Laubach gegründete später verstaut- lichte Gymnasium überging. Von 1877 bi» 1880 war der Genannte dann Rector der Darmstädter Knabenmittelschule, von 1880 bis 1892 Director des Schullehrerseminars In Alzey. Nach der Pensionirung des Herrn Wulckow wurde ihm im Jahre 1892 die Leitung der höheren Mädchenschule in Darmstadt übertragen. Der neue Director hat sonach den größten Theil seiner seitherigen Lehrthätigkeit im theil» mittelbaren, theils unmittelbaren Dienste der Volksschule zugebracht.

**-h. Bismarcks Geburtstag in Frankfurt a. M. In Frank- furt veranstalten die nationalliberalen Freunde B'SmarckS zu dessen 80. Geburtstag zwei großartige Festabende im Saalbau und zwar am Samstag den 23. und SamStag den 30. März. Der erste Abend wird von der National- liberalen Vereinigung Nordwest veranlaßt und schließt ein F estco nce rt vom höchsten musikalischen Werthe ein; wird ausgesührt vom vollständigen und verstärkten Karlsruher Hoforchester unter Felix Mottls genialer Leitung, sowie unter Mitwirkung der Großherzoglich Badischen Hofopernsängerin Frau Mo t tl-St a nd h ar t n er und des Badischen Kammersängers Herrn Fritz Plank. Das Programm enthält folgende Nummern: 1) Huldigung»- marsch von R. Wagner. 2) Drei Lieder von Mozart. 3) Vorspiel zum zweiten Act der Oper Jngwalde von Schillings. 4) Wotanß Abschied und Feuerzauber auß Wal­küre von R. Wagner. 5) Charfreitagszauber aus Parsifal von R. Wagner. 6) Gartenarie aus FigaroS Hochzeit von Mozart und 7) die Eroica-Symphonie. Nach dem Concert, das schon um 7 Uhr beginnt, kann bequem heimgereist werden. Da der Kartenverkauf in Frankfurt schon begonnen hat und natürlich großen Absatz findet, ist hiesigen Musik- und Bismarck- freunden sehr zu empfehlen, umgehend sich mit Karten zu versehen. Bestellungen nimmt Herr Ernst Chalier (Rudolphs Nachfolger), Musikalienhandlung in Gießen, gerne entgegen. (Siehe übrigens die heutige Annonce im Jnseratentheil.) Der zweite Festabend gehört dem Commers mit reichhaltigem Programm und wird von der nationalliberalen Vereinigung Nordwest und dem nationalliberalen Wahloerein gemeinsam veranstaltet. Auch soll eine Gedenktafel an dem Hause in der Eschenheimer Gaffe, in welchem Bickmarck als Bundes- gesandter wohnte, angebracht werden.

* Von hesfischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Adam Pfeffer aus Nieder Asphe von der Staats­anwaltschaft in Gießen wegen Diebstahls; Arbeiter Franz Weiße auS Gahlenz, Amt Flöha, zuletzt in Butzbach, von der Staatsanwaltschaft in Gteßen wegen Unterschlagung.

Niederweifel, 21. FebruarDie Lieke höret nimmer auf", so konnte man auch am Montag sagen, alß ein hiesiger Bewohner, welcher bereits im 73 Lebensjahre steht, seine 29 Jahre alte Braut zum Traualtar führte.

Eberstadt, 21. Februar. Unser früherer Bürgermeister Herr PH. Gör lach IV. feierte dieser Tage daS Fest der goldenen Hochzeit.

Seligenstadt, 20. Februar. Bei der durch daS Thau- wetter der letzten Tage ermöglichten Oeffnung der Kar- tosselgruben auf dem Felde ergab sich leider, daß in manchen Lagen 60 bi» 70 pCt. der Kartoffeln der Fäulniß und Kälte zum Opfer gefallen find. Die Bauersleute hatten nämlidj im Herbste wegen der niedrigen Preise größere Mengen Kartoffeln zur Schweinemast aufbewahrt und wegen Kellermangels vergraben. E» macht fich infolge diese» liebel- standeS bereits ein bedeutendes Steigen der Kartoffelpreise bemerkbar. Darmst. Ztg.

Vom Odenwald, 18. Februar. Die seit Wochen bei un» herrschende große Kälte hat unserem Witdstande be­deutenden Schaden zugefügt. Im fürstlich Leiningschen Wildpark bei Ernstthal wurden allein bi» jetzt 105 Stück tobte» Wild aufgefunden.

Mainz 2J. Februar. Die hiesigen ,9?. Nachr." be­richten einen Fall von Solbatenmißhanblung. Der

. Unteroffizier Schneeberger vom Hafarenregiment Nr. 18 soll einem Rekruten aus Hosheim (Taunus) eine Pferdedecke, an bei. fich eine Schnalle befand, in das Gesicht geschlagen haben, wodurch ein Auge sofort außlief und da» andere derart ver­letzt wurde, baß man auch den Verlust diese» Auges befürchte« muß. Strenge Untersuchung ist emgeleitet und der Unter» affiner in Halt genommen.

Gesoudhcitszoftaud uud Sterblichkeit der Ltadt (Sieben im Jahre 1894.

ES verstärken im Berichtsjahre in der Stadt Gießen hn (Vm|<n 517 Personen (gegen 668 in 1893, 526 in 1892. 509 ta 1891 und 536 in 1890). Hteibci find jedoch für 1894 mikgeirchnet 227 Ort 6» frtmbe (davon 59 Jtrddanütbödge, 39 KrciSfiemde und 129 Aus­länder), während 54 in Güßen zuständige Pldoncn, die in ver­miedenen Krankenanstalten gestorben, al» Cusntmbe natürlich nicht gezählt find, barunttr allein 14 ortseinheimische In klinischen An statten an DiphthertttS verstorbene Kinder.

Für die Gclatnmtsterblichkeit berechnet sich daher unter Berück­sichtigung der bis zur Mitte des JabreS 1894 auf 22100 ®a>. ver­mehrten Bevölkerung der Stadt Gießen, eine Sterbeziffer von 23,29 vom Tausend. Wenn auch diele letz'erc an sich niedriger ist, al» in den vier oorauS^egangenenJadren (1893 : 31,65/ e), lo erhält man doch, wie die» früher schon öfter heroorgeboben worben ist, eine richtige Vorstellung von den Sterbeverhältnissen und dem Gesund­heitszustand der Stadt Gi-ßen, so.'ie einen nötigeren Vergleich mit anderen Städten unseres L'a, de» erst dann, wenn man die Orts­fremden abrechnet, und stellt sich lo die Sterb,zffcr bet 290 Sterb fällen OrtSeinhelmiicher auf 13,12 oom Tausend; ein so günstig » Verhältnlß, rote dasselbe gleichfalls m den vier oorauSaeganaenrn Jabren nicht gerotfen ist, da die gleiche BerhSltnißzahl 19.00, 17.01, 15,64 und 18,76 %©, auf die jeweilige Bewohnerzahl der Stadt be­rechnet, für die Jahre 18901893 betrug.

Von den 290 LterbtälltN OrtSeinheimlscher, welche wir hier in der Folge allein in Betracht ziehen, waren 71 ftlnber unter einem Jahre, 58 solche von 215 Jahr.n, 104 Erwachsene von 1560 Jabren und 57 über 60 Jahre alte Personen. In allen vier «lietl» floh' n war die Zahl der Sterbfälle eine zum Theil wesentlich ge­ringere als im Durchschnitt der Doraufg-gangenen Jahre.

Von den einzelnen JahrcSmonaten halten der Januar mit 32, März mit 29 und Juli mit 28 die meisten, November, December und August mit 17, 20 und 21 die geringste Zahl der Todesfälle.

Ansteckende Krankheiten sind verhältnißmäßla wenig zahlreich und günstig aufgetreten. Influenza bestand von December 1893 her noch fort und bewirkte im Januar noch 5 ärztlich constatirte Todesfälle; an Malern fand, roie auch im ganzen Kreise, kein Sterb- sall in der Stadt Gießen im Berichtsjahre statt. Scharlach verlief bei einer verhältnißmäßla größeren Zahl von Erkrankungen sechs­mal tödllich. Diphtherili» brachte 21 Sterbsälle, darunter 15 in den ersten sechs JahreSmonaten, während in der zweiten Jahres­hälfte das Auftreten der Krankheit ein sehr viel weniger zahlreiches und auch mi dereS war. An Rose wurden 5 Sterbsälle, in Folge des Wochenbettes, jedoch nicht an Kindbettfieber ein Sterbfall gezählt Keuchhusten und Unterleibstyphus haben Sterbsälle bei OrtSein- heimlfchen im Berichtsjahre nicht herbeigeführt; ein als epidemische Genickstarre gemeldeter Sierbsall bei einem Schuler blieb vereinzelt.

Von sonstigen bemerk, ntzwerthen Äranfbeitm hatten Lungen schwindsucht 42, Tuderculose anderer Organe 16, Lungen Entzün­dung und andere entzündliche Erkrankungen der Athmung» Organe zulammen 39, Gehirnschlagfluß 13 und Erkrankungen d.S Herzen» 10 Sterbsälle zur Folge. Die Zahl der Brechdurchfälle bei Ämoern mit 17 war eine gegenüber dem sonstigen Vorkommen und bei der doch nur mäßigen Sommerwärme hohe; 13 davon kamen auf die Monate Juli«September. Neubildungen und AlterSkrankheiten wurden 16 und 10 Mal alS Todesursache bezeichnet. An sonstigen benannten Krankheiten starben 59 und an unbekannter Krankheit 6 Personen. Viermal ist der Tod durch UnglückSsälle und 10 Mal in Folge von Selbstmord eingetreten.

Gießen, den 21. Februar 1895.

Großherzogliches KreiSgesundheiisamt.

Permijcbki.

* Köln, 22. Februar. Die Nachrichten vom Ober- rhein und den zugefrorenen Nebenflüssen bestätigen, daß fich bei stetem Steigen des Wasser» die Eisdecken be­deutend gehoben haben. Falls der Rhein nicht bald auf­geht, stehl gefahrdrohender Eisgang zu befürchten. Ueberall werden Schutzmaßregeln getroffen. In gleicher Gefahr be­finden fich die Orte am Niederrhein, wo daS Rhetnet» fest- geschlossen bis oberhalb Wesel steht.

* Altona, 22. Februar. Der Gastwirth Breitrück wurde wegen Ermordung des Knaben Raczka vorn Schwur­gericht zum Tode verurthetlt.

* Rybnik (bei Markiowttz), 22. Februar. Sieben Schul­kinder find auf dem Rückwege von der Schule erfroren. Eng umschlungen wurden die Leichen im Schnee auf­gefunden.

* Budapest, 22. Februar. Der bei der Gräfin Karolyi jüngst eingebrochene Räuber, welcher Juwelen und eine Geld­summe stahl, wurde in der Person deS Handelsakademiker» JurkovicS in Sluhlweißenburg verhaftet.

* Venedig, 22. Februar. Der hiesige FinanzwSchter Marfiglieni erschoß mittelst seines Dienstgewedre» au» Rache seinen Brigadier Cacciabua und bann sich selbst.

vriesmarkea Automaten sollen auf den Berliner Bahnhöfen, in WirthSbäusern, sowie an den Selter Sbudea angebracht werden. Diele Äurrmaten haben je drei Ein­würfe, die nur für Zehnpfenntgstücke eingerichtet find. Der erste Einwurf liefen Postbriefmarken, der zweite Packet- sabrt-Briefumichläge und Karten, der dritte einen zusammen- steckbaren Federhalter mit Bleistift und präparirter Feder.

Sinen originellen Brief, ter weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden verdient, erhielt em Lehrer au» der Um­gegend von Stolzenau (Beziik Bremen) von dem Vater einer seiner Schülerinnen:Liber her lerer! Al» unter SofÜ heute Midag so späht au» die ichuhle körnt, da frache Ich Sie, wo das kamt, daß Si lo ipäht kamt. Sie sacht, Sie hatte Nachsiezen must, w-il ©ic den kölnisch von Papilon ntch gewust hatte. Hatt-.n Ste Mir gelrocht, Ich hatte e» auch nid) Hersachen gefönt, da» Ste darum Eine Halbstun hat Nachsiezen gemust, da» Wahr nid) Recht von Ihr. Wen Meine Kinder Dum sind, da kennen sie nid) vor. Wenn Sie aber noch Mal vor solchen Unsihn Nachsiezen lassen, so würde ich gleich zum Herrn Pastur gehn uod mal stachen, ob Sie darum um tone Kleinigkeit Nachfiezen lassen dürfen. Liber her lerer Härzliche Grüle von Ihren N. N."