Ausgabe 
23.4.1895 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

f8r die Bahn SalzschlirfSchlitz auf 1,260,000 Mk. zu er- Die eine Hälfte deS Ausschusses der Zweiten Kammer .«bgg. Jöckel, Haas, Wolsßkehl) beantragt Beitritt zum Be- schluffe der Ersten Kammer. Die andere Hälfte deS Aus- schuffeS (Abgg. Möllinger, Schräder, Bogt) schlägt vor, die scammer wolle vorerst die Erhöhung der Summe ablehnen.

* Selbstmordversuch. Ein junger Mann von hier ver­suchte am Samttag Abend mittelst Oeffnen der Pulsadern sich zu tödten. Er wurde in die alte Klinik verbracht und soll sein Befinden doriselbft den Umständen gemäß zufrieden­stellend sein.

** Landwirthschastliche Ausstellung zu Gießen. Unter "orfitz des Herrn Proviuzialdirectors Freiherrn o. Gagern tagte gestern hier auf L onyS Bierkeller das Hauptcomitv für die Landwirthschaftlichc Ausstellung. Man beschloß, in den Tagen vom 19. bis 22. September das Landwlrthschaft- liche Fest stattfinden zu laffen und hierzu Aussteller aus dem ganzen Großherzogthum zuzulafsen. Lebendes Vieh soll nur on zwei Tagen ausgestellt werden. Auch die Bildung von Linzel-AuSschüssen wurde vorgenommen, welche nunmehr ihre Arbeit zu beginnen haben. Besonder- sollen baldigst die Ausstellung-- und Prämiirungsordnung feftgestellt werden. OSwaldSgarten und seine Umgebung wurden als Platz für die Ausstellung acceptirt.

Für Ellern und Lehrherreu. Tausende von jungen Leuten werden in den nächsten Tagen in die Lehre treten. m sei au- diesem Anlaß daran erinnert, daß eS sich im Stntereffe der Eltern wie auch der Lehrherren empfiehlt, den Lehrvertrag schriftlich zu schließen, da beide vertragschließen­den Theile nur dann die in den §§ 130 und 132 der Ge­werbeordnung gedachten Rechte und Ansprüche, als z. B. die zwangsweise Zurückführung eines der Lehre entlaufenen Lehrlings, oder die Gewährung einer Entschädigung für Jen Fall einseitiger Aufhebung deS Lehrvertrags seitens des Lehrherrn oder deS Lehrling-, nur geltend machen fonnen, wenn der Lehrvertrag schriftlich geschlossen ist. Besondere Formalitäten sind für den gütigen Abschluß folger schriftlicher Lehrverträge nicht mehr vorgeschrieben, und eS bedarf auch einer behördlichen Beglaubigung derselben nicht. Hierbei ist zu bemerken, daß auch bei dem Borhanden- fem eines schriftlichen Vertrag-, wenn eine längere Frist v>cht vereinbart ist, während der ersten vier Wochen der Lehrzeit da- Lehrverhältniß durch einseitigen Rücktritt auf­gelöst werden kann.

** fhnbeS erster Schulgang. In diesen Tagen treten Hunderte von kleinen Erdenbürgern die Reise in eine neue Welt an. Geführt von treuer Elternhand, kommt der kleine Knabe, daS kleine Mädchen aus dem Hause deS Wohl» standeS wie miß der Hütte der Armuth zum ersten Male in die Schule, in das Hau-, daS acht lange Jahre da- Ziel seiner täglichen Wanderungen bleiben soll. Mit welchen (ge­fallen banger Scheu oder kindlichen Stolzes schreiten die Kleinen neben Baier oder Mutter einher! Wie blicken die weitgeöffneten Kinderaugen sich fragend um in dem großen schulsaale, wo die Aufnahme stattfindet, wie ruhen die Blicke forschend auf dem Antlitz de- Lehrer-, der sie in das künftige Heim, in das Klaffenzimmer geführt hat! Der Lehrer! DaS ist also der Mann, von dem die Eltern so ost gesprochen, ältere Geschwister so oft erzählt, mit dem die Kindermädchen nur zu oft gedroht haben? So also sieht er au-! Ob er wohl bös ist! Heute noch nicht! Also warten wir. Wie bald aber wird da- Füßchen nicht schnell genug zu ihm trippeln, das Händchen nicht schnell genug sich ibm entgegenstrecken können! Bald wird da- Kind den ganzen Tag nichts anders zu reden wissen, als von seinem Lehrer. Ja, ihr Eltern, wißt wohl, heute führt ihr ihm euer Kind zu- von heute an tragt ihr nicht mehr die Sorgen der Erziehung allein- der Lehrer trägt sie mit euch. Aber 'br sollt und müßt auch noch mittragen, sollt sie ihm nicht allein überladen. Bedenkt daß wohl und handelt darnach, wenn daß Werk der Erziehung nicht fehlschlagen soll! Aber nicht nur einen Thetl eurer Pflichten übertragt ihr auf den Lehrer eurer Kinder von heute an theilt ihr mit ihm auch die Freuden« der Erziehung, die Liebe eurer Kinder. Und wohl dem Kinde, daß neben daß Bild von lieb Väter­chen und Mütterchen auch bald seinen Lehrer mit in daß kleine Herz einschließt! Heil der Kivderschaar, deren Herzen für ihren Lehrer ebenso schlagen wie für Vater und Mutter! Und glücklich der Lehrer, der durch die Liebe feiner Schüler bie Brücke gefunden zu den Herzen der Eltern- denn nur too Elternhaus und Schule sich vereinen zu treuer Arbeit, Xanb in Hand gehen in der Erfüllung der Pflichten gegen bic Kinderwelt, nur da kann der Erfolg den großen Mühen der Erziehung entsprechen. Und nun zieht hin, ihr Eltern mit euren Kleinen, führt sie ein in die heilige Stätte der Schule und Gott segne eure Kinder! D. A.

Sine Statistik der Kymnafialabitnrienten bei deutschen Aeichl, die ein Berliner Ghmnafialprofessor auß dreijährigen Beobachtungen veröffentlicht, zeigt, daß nach den 1302 im Lauft der letzten 3 Schuljahre im ganzen deutschen Reich erschienenen Schulnachrichten in der genannten Zeit nicht weniger alß 19 600 Abiturienten von den deutschen Gymnasien entlaffen worden sind. Bon dieser gewaltigen Schaar widmen sich in ganz Deutschland 25 Procent dem Studium der Jurisprudenz, 17% der Medicin, 12 der katholischen, 11 der evangelischen Theologie, 7% dem Heeresdienst, 41/. dem Postfach und nur 2% Procent der Philologie.

" Dal gewerbliche Forlbildunglfchnlwesen Hessen! steht fast allen deutschen Staaten, ausgenommen Württemberg, ziemlich obenan. Roch der neuesten Statistik waren im Schul- iah re 1 89 3/94 im Großherzogthum, wenn man die mit ttne Schulen verbundenen SonntagS-Zeichenschulen alS lelbslandige Anstalten ansieht, die Zahlen der letzteren in Starkenburg 47, in Oberheffen 20, in Rheinhessen 11 - zusammen 78. An sämmtlichen Schulen waren 271 Lehrer tbüttg. Die Zuschüsse au-Staatsmitteln waren 86 750 Mk die Baarzuschüffe von öffentlichen Korporationen, Gemeinde^ Bezirks - Sparkaffen und die fanstigen Zuwendungen

76 810 Mk. 62 Pf.- die Einnahmen au- Schulgeld beliefen stch auf 46 303 Mk. 80 Pfg., wonach die Ge'ammtauf- Wendungen für die Anstalten den respectablen Betrag von 219054 Mk. 52 Pf. darstellen, deren Hauptposten die Lehrergehalte mit 143 033 Mk. 36 Pfg. bilden. Die An- ftalten werden, einschließlich von nur noch ausnahmsweise zugelaffenen fogn. 406 Borschülern (Schülern unter 14 Jahren) oon inSgeiammt 6269 Schülern besucht, davon 3589 au6 Starkenburg, 1173 aus Oberheffen und 1607auS Rheinheffen.

Der Werth bei Tarnens wird vom ReichSgesundheitS- amt wie folgt gegen widerstrebende Eltern venheidigt:Der Turnunterricht fördert die Kraft und Gewandtheit des Körpers und feiner Gliedmaßen- auf etwaige Gebrechen ist Rücksicht zu nehmen, und ängstliche Eltern handeln unter- ständig, wenn sie ihre Kinder ohne zwingende Gründe von jener nützlichen Körperausbildung zurückhalten. Die in den Turnstunden vorkommenden Verletzungen sind fast immer leichterer Art, und geben hierzu keine Veranlassung, ja solche Unfälle würden ohne Turnunterricht vielleicht noch häufiger sein- denn namentlich die männliche Jugend besitzt nun ein- mal baß Bedürsniß, sich zu tummeln, und würde dasselbe, wenn daß Turnen und die Turnspiele wegfallen, mehr, alß jetzt geschieht, in wilden Spielen ohne Aufsicht iu be­friedigen suchen."

* Schah den Bögeln. Raubst du dem Bogel Nest und Ei, ist- mit Gesang und Obst vorbei. Dieseß Sprüchlein muß schon jetzt, da in kurzer Zeit die Singvögel mit dem Nisten und Brüten beginnen, der Jugend wieder eindringlich eiugeschäift werden. Aber nicht allein muihwillige Buben stellen den Vogelnestern nach, auch Raub- vögel, Katzen und gewerbmäßige Vogelfänger vernichten jähr- lich zahllose Singvögel, so daß alle Kreise Mitwirken müffen, um die lieben Sänger, in Flur und Ham zu schützen.

* Für Spargelzüchter. Nicht allgemein bekannt dürfte fein, daß die ZeitschriftPraciischer Rathgeber im Obst- unb Gartenbau" auch in diesem Jahre an alle Spargel-An- pflanzende die Nachricht ergehen läßt, daß Derjenige, der vom 15. April an die fünf dicksten Spa rgel liefert, eine nennenSwerthe Geldprämie erwerben kann.

V.A. Invalidität!- and Altersversicherung. Die Con- trolle der unständigen Arbeiter ist jetzt im ganzen Großherzogthum im Gange und hat bereitß viele Mißstände unb Versäumnisse aufgcberft. An letzteren sind theilß die Arbeitgeber, theils die Arbeiter schuld. Die Arbeitgeber finb allein für die Versicherung verantwortlich unb können flch nur entfdjulbigen, wenn begründete Zweifel über die Verficherungßpflicht eineß Arbeiterß bestanden, ober durch ben Nachweiß, daß ihnen trotz Bemühung nicht möglich war, bie Einklebung ber Marken zu betätigen, wenn z. B. der Arbeiter bie Vorlage der Quittungskarte beharrlich ver­weigerte. In Fällen dieser Art wird gegen den Arbeiter eingeschritten. liegt im beiderseitigen Interesse, sowohl der Arbeitgeber wie der Arbeiter, daß pünktlich die Marken eingeklebt werden. Arbeitgeber haben vielfach auf die An- gaben der Arbeiter, daß sie (die Arbeiter) die Marken ein- klebten, vertraut und die BeitragShälfte in Geld beim Lohn bezahlt, statt die Marken einzukleben, unb sind dadurch strafbar geworden, wenn ber Arbeiter bie Marken boch nicht ein- liebte. Mit Recht haben sie dann die Arbeiter für ihre Bestrafung verantwortlich gemacht und in Zukunft solche Arbeiter nicht mehr beschäftigt. DieS ist für solche Arbeiter besonders wichtig, die, wie die Wäscherinnen in der Stadt, in regelmäßiger Wiederkehr bei bestimmten Familien be­schäftigt werden. ES empfiehlt sich, für solche Arbeiter bie Marken voraus für die Woche ober den Monat zu ver- wenden und den Arbeitgebern die beklebte Karte jedesmal vorzuzeigen. Auf diese Weise bewahren sie sich und die Arbeitgeber vor Nachtheilen. Arbeiter, die ihren Arbeit­gebern fälschlicherweise vorgespiegelt hatten, daß die bett. Marke bereits eingeklebt sei und sich die BeitragShälfte er­setzen ließen, werden wegen Betrugs verfolgt. Ebenso die­jenigen, welche sich von mehreren Arbeitgebern in derselben Wache die BeitragShälfte erstatten ließen. Manche Arbeiter glaubten, einen Vorsprung vor den gewiffenhaft einklebenden Arbeitern zu gewinnen, indem sie auf Einklebung einer Marke ausdrücklich verzichteten- ein solcher Verzicht ist ganz unwirksam, und eS wird bei der verschärften Controlle un­möglich, daß sich ein Arbeiter in dieser Weise von der Ver- sicherung drückt. Solche Arbeiter haben auch vielfach ge­glaubt, wenn sie nachher baß 70. Lebensjahr erreichten ober invalib würben, für bie Vergangenheit alles nachholen zu können, haben sich aber sehr getäuscht gesehen- sie berufen flä) dann auf Unkenntnih, während Absicht ober roenigftenß totale Gleichgiltigkeit war. Nicht nur die Beschäftigung am Montag verpflichtet zur Verwendung der Marke für die Woche, sondern in gleicher Weise die Beschäftigung an jedem anderen Wochentag, wenn ber Arbeiter an vorhergehenden Wochentagen keine Lohnarbeit verrichtet hat, daß kann sogar der Samstag sein. Auch bei ständigen Arbeitern sind mehrfach llnterlaffungen vorgekommen, so befonberß bei Handlungsgehilfen, Dienstboten und Lauffrauen. Handlungs­gehilfen und -Lehrlinge, die einen baaren Lohn beziehen und inlgefammt unter 2000 Mk. jährlich erhalten, find ver- sicherungspflichtig. Personen unter 16 Jahren sind nicht versicherung-pflichtig- e- muß aber bet solchen, bereit- be­schäftigten Personen bei Bollendung deS 16. Jahre-, sofern sie sonst pflichtig sind, Anmeldung zur Versicherung erfolgen, maß leicht übersehen wird. Lauffrauen, die in einem festen Berhaltniß zu einem ober mehreren Arbeitgebern stehen, finb bann versicherung-pflichtig unb anzumelden, wenn ihr Lohn annähernd % öeß~ ortsüblichen TagelohnS für weibliche Arbeiter erreicht. Sind sie aber sonst noch berufsmäßige Lohnarbeiterinnen, so ist die BerficherungSpflicht ganz un- abhängig von der Höhe beß Lohne- alß Lauffrau, der­jenige Arbeitgeber, der die erste Beschäftigung in der Woche gibt, ist für die Marke der ganzen Woche verantwortlich, er kann sich aber mit den anderen Arbeitgebern, bei welchen bie Lauffrau ebenfalls in festem Berhaltniß steht, wegen

theilweiien Ersatzes einigen. Näherinnen, die in eigener öobnung arbeiten, sind nicht versicherung-pflichtig, ebenso Personen, welche in eigener Wohnung für Private (Nicht- fabruanten) weben, stricken w.

M. Lollar, 21. April. Heute wurde der KriegSveteran Münck unter ,ehr zahlreicher Betheiligung deS Veteran n- und KliegerveretnS und mit allen militärischen Ehren beerdigt

r. Bettfeefee, Kreis Alsfeld, 20. April. Bei der brüte dahier stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde der Beigeordnete Karl Langohr 36 Stimmen einstimmig als »sicher gewählt. Es ist die- ein ehrenvolle- Zeugniß für solchen unb zeugt von großer Eintracht und Zufrieden­heit, welche in hiesigem Orte herrscht. Möge er daß ihm zugefallene Amt zur Zufriedenheit der vorgesetzten Behörde und ber Gemeinde zum Segen verwalten.

Aul Schlitz wird derDarmft. Ztg." berichtet, daß der Kaiser am Montag den 29. April Morgen! boxt eintrifft. Die Abreife nach Darmstadt erfolgt voraussichtlich am l.Mai.

Wald-Uelverlheim, 18. April. Um einige hiesige Land- wirthe zu schäbigen, hat ein boshafter Mensch bereu, zur Frühjahrsaussaat vorbereitete Aeckcr mit Flug Hafer besäet. Untersuchung ist eingeleitet, doch konnte der unbekannte Thater biß jetzt noch nicht ermittelt werden, was hoffentlich noch geschieht.

Omnifcbteß.

Eisenach, 16. April. Ein brave- Ehepaar, der Hilfs- depeschenbote Stöber und Frau, wurden in der Nacht vom Samstag zum Sonntag während beß Schlafe- durch Gaß - Vergiftung getöbtet. Infolge eineß Gaßrohrbruchß war Ga- in die Erdgeschoßwohnung der Unglücklichen gedrungen und hatte so deren Tod herbeigefühn.

* München, 18. April. Nach demBayer. Vaterland" beschloß ber Prinzregent alß Chef beß königlichen HauseS unter Zustimmung der sämmtlichen Agnaten, zum Andenken an König Ludwig II. am Starnberger See eine Botiv- capelle bauen zu lassen. Die «osten sollen 500,000 Mk. betragen und dem Wittelßbach scheu Haußvermögenßfondß ent­nommen werden.

* Wien, 18. April. Die Morgenblätter melden: In der Nähe von Gloggnitz (in der Nähe beß Semmering- Passes) sind die Leichen zweier eleganter Herren im Alter oon 25 biß 30 Jahren gefunden worden, die dort feit dem vorigen Herbst liegen dürften. Beide Leichen zeigten Schuß- wunden an ber Schläfe, fo daß Doppelselbstmord oder Mord und Selbstmord vorzuliegen scheint. Die Identität ist noch nicht festgestellt. Die Wäsche beider Leichen war mit P ge- zeichnet. Auß dem Umstande, baß im vorigen Herbste ein Ehepaar sich in Gloggnitz nach dem verbleib feiner Söhne erkundigte, schließt man, baß die gefundenen Leichen die zweier Brüder sind.

* Briefe unb Telegramme jur vi-marck-Ehrnug Staats- Secretär Stephan überreichte denHamb. Nachr." zufolge dem Fürsten Bismarck eine Uebersicht über den Post- und Telegrammverkehr in FriedrichSruh vom 25. März btß zu« 2. April: Aufgeliefert wurden 1660 Telegramme mit 123,893 Worten- ongefommen sind 9815 (1. April 4122) Tele­gramme mit 329,367 Worten- Briefe, Postkarten und Druck- fachen rund 450,000.

Dal Pfeifen bei Socialistenmarfchel brachte dem Sol- daten Th. in Leipzig vier Wochen Mittelarrest ein, von denen er freilich nur zwölf Tage adbüßte, da der.iig telegraphisch anordnete, nachdem ber Vater des Th., ein be­kannter Leipziger Arzt, früher württembergischer Militärarzt, die Gnade bei Königs angerufen und den Nachweis erbracht hatte, daß fein Sohn nur auß Gefallen an der Melodie den Marsch gepfiffen, von dem Texte aber keine Ahnung gehabt hatte.

* ^ne köstliche Geschichte frischen jetzt sächsische Blätter wieder auf auß ber Zeit, wo ber erste Landtag beß König­reichs Sachsen ober wie man ihn damals noch nannte, ber Stänbetag" in Dreßben zusammentrat. Damals beschlossen die Mitglieder, ein Jeder solle sich abbilden und daß Bildniß in Steindruck Herstellen lassen. Jeder Abgeordnete mußte seiner NamenSunterfchrift irgend einen schönen Spruch, wo­möglich die Worte eineß großen Dichter! beifügen. Wer nun selbst in Dichterwerken keinen rechten Bescheid wußte, der zog einen Kundigen zu Rathe. Daß Ständemitglied Neumann, ein biederer Landwirth, gerietst dabei an einen Spaßvogel, und aus dessen Rath schrieb er unter sein Bild »Drei Worte nenn ich Euch inhaltsschwer: Johann Gottfried Neumann."

* Wem gehört ber ginget' Ein Bauer von Rezonville be, Metz bat dieser Tage, wie dieMetzer Post" berichtet, beim Pflügen eines Ackers einen seltsamen Fund gemacht. Er bemerkte in der Erde einen glänzenden Gegenstand, griff ju unb hatte in der Hanb ein Fin g e r g e l en k m i t einem Siegelring, der noch fest an dem Knochen saß, indem sich zwischen Ring und Knochen Erde angesammelt hatte. Der Knochen ist baß untere Gelenk eineß Mittelfingers. Der Ring ist sehr gut erhalten und hat einen runden Stein. Bei diesem auß großer Zeit herstammenden Fund- gegenständ war kein Menschenskelett zu bemerken. Allem Anschein nach ist dem Besitzer beß Ringe- der Finger abgeschossen worden und vielleicht ist er noch unter den Lebenden. Gegenwärtig- Notiz könnte möglicherweise dazu dienen, den Mann ausfindig zu machen. Knochen und Ring find tm Be- fitze des Herrn Hoilieseranten Uhrmacher- Wagener,Ladoucetten- straße, in Metz.

Vorschlag zur Gute. Schneider (ärgerlich):Noch immer fein Geld? Degen der lumpigen Hose muß ich jebe Woche zu Ihnen kommen!* Student: .Machen Sie mir doch no± einen Ueberjieber dazu, damit sich s lohnt!"

* heiterel Stückle« wird von der Donau berichtet. Am Eingang tum Graflinger Winkel wurde einer Bäuerin wohl durch eine Prophezeihung vom Schäfer Thomas