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22/08/1895 Zweites Blatt
 
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wurden mit Kranzspenden bedacht. Dann ging der Zug wieder zum Festplatz, wo die Fröhlichkeit nach dem ernsten GedLchtnißact wieder zu ihrem Rechte kam. Ein große- Frühconcert sand statt und unausgesetzt herrschte ein frohes Treiben. Abends wurden in und vor der Halle wiederum verschiedene Aufführungen veranstaltet. Um 4 Uhr wurden die Platzkarten dazu auSgegeben und schon um 5 Uhr waren 4000 Menschen in der Halle versammelt und harrten ge­duldig der Eröffnung der Feier. Die Turner und Fecht- clubS wirkten auch diesmal freundlichst mit und fanden große Anerkennung für die wirklich hervorragenden Darbietungen. Auf dem Festplatze coucertirten zwei RegimentScapellen uud die Menschenmenge, die bis tief in die Nacht hinein promenirte, war kaum geringer als am Borabend. Man kennt Darmstadts Name wieder, wenn man seine sonst so soliden Bürger in ihrer ausgelassenen Fröhlichkeit auf dem Festplatz beobachtet.

Unserem gestrigen Berichte haben wir nur wenig hinzu« zufügen. Kleine Unfälle sind natürlich unvermeidlich ge­wesen, die SanitätSwache mußte mehrfach in Anspruch ge­nommen werden. Die Taschendiebe haben im Menschengedränge ergiebige Ernte gehalten, 14 Taschenuhren und mehrere Geldbeutel werden als vermißt angemeldet, also manchen Besuchern wurde die Festfreude doch etwas beeinträchtigt, doch daS letztere ist ein tragikomischer Uebelstand, der sich nun einmal nicht vermeiden läßt. Unsere Festgäste find deS Lobes voll über die Aufnahme, die sie gefunden und über die Anordnung der ganzen Veranstaltung, ihre Stimmung ist die beste und darüber kann sich Niemand mehr freuen als die Darmstädter Bürgerschaft.

Güstrow, 17. August. Gestern erfolgte die Hin­richtung deS am 17. Januar dss. IS. vom Schwurgericht wegen Ermordung der HerbergSwirthStochter Ida Waldtmann in Wittenburg zum Tode verurthetlten Metallarbeiters Friedrich Richter aus RadenSdorf bei Lübben, Regie­rungsbezirk Frankfurt a. d. O. Die Hinrichtung vollzog der Scharfrichter Retndel aus Magdeburg.

* Dresden, 17. August. Der 63 Jahre alte Graveur Hermsdorf aus Pirna und dessen gleichalterige Ehefrau haben sich wegen Nahrungssorgen in einem benachbarten Dorfe vergiftet.

* Karlsruhe, 19. Angust. Der 17 Jahre alte Drechsler­sohn Arnold von Walldürn wurde als dringend des Doppel-

morde- verdächtig verhaftet. Nach dervad. LandeS-Ztg." soll bei ihm ein blutiges Hemd uud ein ausgewaschener Anzug gefunden worden sein und er bei der Eonfrontirung mit den Leichen in ein lautes Weinen auSgebrochen und be­reits geständig sein.

* Bern, 19. August. Der 26jährige Schreiner Ob e rke von Lörrach, in GlaruS wohnhaft, ist beim Edelweißsuchen an der Krautlenwand unterhalb de- Scheyen im Kloeuthal ad gestürzt. An allen Gliedern zerschlagen, ist er sofort gestorben. Sein Begleiter schaffte die Leiche in- Kloeuthal. Trotz eifrigen Suchens am Freitag und SamStag ist die Leiche des von der Jungfrau abgestürzten Ritz au noch nicht aufgefunden worden, wohl aber fein Rucksack. Immerhin hofft man, beim Wegschmelzen deS frischen Schnees werde der Leichnam zu Tage treten.

* Gin Denkmal auf dem höchsten Punkte deS neuen Friedhofes zu Kiel gibt uns Kuude, daß auch Seeleute während des Krieges 1870/71 am heimischen Strande bei treuer Ausübung ihrer Pflicht einen ehrenvollen Tod gefunden haben. Die Grabstätte der vor 25 Jahren beim Legen von Torpedos verunglückten Mannschaften der Stamm-Werft- Division der Flotte der Ostsee zu Kiel wird durch einen mit Inschriften versehenen Sockel, auf dem sich eine hohe ornamen- tirte Säule mit flugbereitem, gekröntem Adler auf dem Capitäl erhebt, gekennzeichnet. Hier liegen zur Ruhe ge­bettet: Der Handwerker 3. Kl. Klink Cuxbüll Kr. Schleswig, Matr. 2. Kl. Geschke Kahlholz Kr. Heiligen­beil, Matrose 3. Kl. Westphal Stielow Kr. Greifs- Wald, Matt. 2. Kl. Schreiber Hamburg, Matr. 3. Kl. Kiehn Altermöhle Kr. Hamburg und Matr. 3. Kl. Kowinöki Zelassen Lauenburg. Auf der Vorderseite des Sockels steht folgende schöne, Patriotische Widmung:

Ihr hieltet treu die Wacht am Meer, Hier oben an dem Ostseeftraud, Indessen glorreich unser Heer Den Feind bezwang im eig'nen Land, Wie dort im Kampf um Deutschlands Herd Die Helden unter fränk'schem Sand, So machte Euch des Lorbeers werth Der Tod, den im Beruf Ihr fand."

Dem Denkmale läßt der Marineverein Kiel alljährlich die pietätvollste Pflege zu Thetl werden, alljährlich schmückt ein Kranz des Vereins die ernste Stätte. Auch diesmal legte der Vorsitzende des Vereins, Kamerad Potenberg, einen Er- nnerungskranz Namens des Vereins am Denkmal nieder.

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Auskuuftsftelleu für Pflanzenschutz.

Die deutsche LaudwirthschastS-Gesellschaft hat die Einrichtung fldroffm, daß in den einzelnen Bezirken Deutschlands SuSkunftS- stellen für Pfl-nzenschun errichttt wurden Dieselben sollen der landwttthschaiHtchen Bevölkerung bei Bekämpfung der thicrisch«! und pflanzlichen Feinde der Kulturpflanzen mit Rath und rhat beistehen und senden dann ihre Berichte an die deutsche Londwtrtfr- schastS - Gesellschaft, Sonder-AuSschuß für Pflanzcnkrankheiten. Diese Berichte werdm gesammelt und erscheinen übersichtlich geordnet im .Jahresbericht de« Sonder - Ausschusses für Pflanzenschutz". Für Oberheffen sind Dr. o. Peter und Ä. Reichest in Friedberg er­nannt worben, welche bereit sind, nach dieser Richtung thätig zu fein. Wenn deshalb Beschädigungen von Pflanzen irgend welcher Stt auftreten, so wolle man eine entsprechende Menge der Schädlinge nebst Pflanzen andie AuSkunstSftelle für Pflanzenschutz in Fried­berg" (Homburger Landstraße) einsenden, von wo au« die nöthtge Auskunft ertheiU und Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankheit ergttffen werden, indem coent. an Ort und Stelle die Besichtigung vorgenommen wird. Es liegt im Interesse der landwirthschaftlichen Bevölkerung, daß diese AuskunstSstelle recht fleißig benutzt wird. Zunächst wird von der AuSkunftSstelle zu Friedberg beabsichtigt, fortan auch der Frage nach dem Schaden oder Nutzen unserer haupt­sächlichsten Vogelarten näher zu treten. Die Ansichten gehen, wie bekannt und wie auch schon in verschiedenen Versammlungen in Oberhessen festgestellt wurde, auf diesem Gebiete zur Zeit noch sehr weit auseinander und ist eS diesem Uebelstande wohl zuzuschreiben, daß die dem Landwirthe so nahegehende Vogelschutzfrage noch nicht zu einer endgiltigen Lösung gebracht roorben ist. Der Hauptgrund für die Derschiedenheit bet Meinungen bilbet bet Mangel an dem­jenigen Versuchsmaterial, mit Hilfe dessen allein eS möglich wird, sich ein objectives, sicheres Urtheil zu bilden: eS fehlt uns en Unter­suchungen des Magen und Darminhalte« der für den Feldbau in Betracht kommenden Vögel. Um die« zu beschaffen, sollen für da« erste Krähe und Staat eingehend untersucht werden. Es richtet deshalb die AuSkunftSstelle für Pflanzenschutz in Friedberg, Hom­burger Landstraße, an alle Landwirthe der Provinz Ober Hessen die Bitte um die Ueberfendung von Krähen und Staaten. Besonders werthvoll würde eS fein, wenn von einigen Stellen uns nicht blo« gelegentlich, sondern von jetzt ab in regelmäßigen Zwischenräumen die Zusendung von Krähen bezw. Staaten erfolgen könnte, mit HUfe derartigen Materials es auch möglich fein würde, ein sicheres Urtheil über das in den verschiedenen Jahreszeiten gewiß verschiedenartige Verhalten der betr. Vögel zu gewinnen. Die Einsendung de« Materials erfolgt, so lange es die Jahreszeit gestattet, am besten im fttschen Zustande als ganzer Vogel im Eigartenkistchen. Die durch Porto u. s. w. entstehenden Unkosten werdm gern zurück­vergütet. Nähere Auskünfte stehen allen Denjenigen, welche sich an der praclischm Lösung der gestelllm Frage durch Ucbermittelung von Untersuchungsmaterial betheiligm wollen, zu Dienstm. Bei der Wichtigkeit der angeregtm Frage darf wohl auf eine recht rege Betbeiligung insbesondere der Forst - Beamten und Jäger gerechnet werden. Auch die Besitzer von Tauben werden gebeten, die Mägen geschlachteter Tauben in dm verschiedenen Jahreszeiten einzusendm, um endgiltig festzustellm, in welcher Weise die Tauben auf dem Felde haufm.

gegeben werden.

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Londorf, den 16. August 1895. Der Freiherrlich von Rabenau'sche Bauverwalter:

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der Stadt Gießen.

Montag, den 26. uud Dienstag, den 27. d. Mts., jedesmal Bormittags 9 Uhr beginnend, soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen, von dem Friedhof und von den Anlagen vor dem Friedhof, sowie von den Wieseckböschungen meistbietend versteigert werden und zwar:

Moutag, den 26. August

von den Wiesen vor der Neustadt (einschl. der Wiese des Hospitals am Wolfsfurt, von welcher das Gras um 9 Uhr an der Rübsamen'schen Badeanstalt ausgeboten wird), alsdann von den Böschungen der Wieseck an Ort und Stelle, hierauf von den Wiesen im Heegstrauch am Neuen- wegerthor, darnach von dem Friedhof und von den Anlagen vor dem Friedhof, sowie vom Rußland, am Fürstenbrunnen, im Wieseckthal (einschl. der Hospitalwiese in der Gemarkung Wieseck, von welcher das Gras um 2 Uhr im Philosophenwald zum Ausgebot kommt),

Dienstag, den 27. Angust

von den Ochsenwiesen, den Wiesen im Stolzenmorgen, Utersbrunnen, Altentisch, Nachmittags Va2 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Nödgen; Nachmittags V23 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Alten­buseck ; Nachmittags x/24 Uhr von den Wiesen in der Gemarkung Großenbuseck.

Die Zusammenkunft ist Montag, den 26. August am Neustädterthor und Dienstag, den 27. August in den Ochsenwiesen. Die Bürgermeistereien der umliegenden Orte werden ersucht, Vorstehendes in ihren Gemeinden bekannt machen zu lassen.

Gießen, den 17. August 1895.

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