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21.7.1895 Erstes Blatt
 
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Sonntag Len 21. Juli

Erstes Blatt

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«Berlin, 19. Juli. Die KriegS-Erinnerungsfeier der Berliner Universität ist im reich decorirten Saale der Singakademie erhaben verlaufen. Anwesend waren die » Lehrkörper der Universität, die studentischen Corporationen mit Fahnen, die Vertreter der Behörden, darunter der Lultusminister Br. Bosse, Staatssekretär v. Boetticher und Labinetschef v. Lucanus, sowie zahlreiche Vertreter der Ge­lehrten« und Künstlerwelt nebst vielen Offizieren. Nach einem Lhorgesang der akademischen Gesangvereinigung hielt Pro« sessor Treitsch ke die Festrede. Er gedachte vor Allem der sittlichen Kräfte, die im Kriege 1870/71 gewaltet Haden.

ijereS Lagers leräuint.

Gemeindecollegium 15,000 Mark zu Ehrenspenden an die Veteranen aus dem Kriege 1870/71.

Dir Eichener

werbt» dem Anzeiger »»chmtUch dreimal leig Hegt

befindet sich noch in Haft. Er wurde heure scharf weil man trotz seines Alibibeweises glaubt, daß er Verbrechen wußte.

Sofia, 19. Juli. DieAgence Balcanique"

Depeschen des Bureau ,$eroft*.

Berlin, 19. Juli. Der Kaiser ließ am heutigen 25jährigen Gedenktage der französischen Kriegs- erklärung am Sarge Kaiser Wilhelms I. im Mausoleum zu Charlottenburg und am Sarge Kaiser Friedrichs im Mausoleum in der Friedenskirche zu Potsdam Kränze nieder«

Der Odetznrer Anzeiger «scheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.

Gefunden: 2 Ringe, Geld, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Regenschirm, 1 Filzhut, 2 Kinderhüte, 2 Taschen­tücher , 3 Hemden, 1 Kinderkragen, 1 Kinderstrumpf, l Wagenkette und 1 Wagenkapsel.

Gießen, den 20. Juli 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Wolff, Regierungs-Assessor.

Der vom Staatsoberhaupt gebilligte Wunsch der Regierung, die Initiative zu der feierlichen Bestattung Stambu- low s zu ergreifen, begegnet bet den Hinterbliebenen und den Anhängern Stambulows dem heftigsten Widerstande, um die Thetlnahme beider Factoren an den Leicheufeierlich- keiten zu vereiteln. Trotzdem und trotz des Nichtempfangens der Abgesandten des Fürsten an die Familie behufs der Uebermittelung des Beileids halten der Fürst und die Regie­rung an dem Entschlüsse des feierlichen Begräbniffes fest. DieAgence Balcanique" stellt diese Umstände zur Auf­klärung der öffentlichen Meinung fest, falls wirklich die Ver­tretung des Staatsoberhauptes und der Regierung bei dem Begräbniß durch die Haltung der Hinterbliebenen und deren Berather unmöglich gemacht würde.

Deutsches Reich.

Berlin, 19. Juli. Mit der Eingabe des achten deutschen Handwerkertages an den Kaiser beschäf. rigt sich nun auch das Organ des Bundes der Landwirthe, dieDeutsche Tageszeitung". Es bringt mit jener Eingabe an den Kaiser eine Nachricht zusammen, die unlängst durch die Blätter gegangen ist, und dahin lautet, daß die Mehr­zahl der verbündeten Regierungen den in jener Eingabe ge­forderten Befähigungsnachweis nach wie vor ablehnen. Daran Wird im Organ des Bundes der Landwirthe die Erklärung geknüpft: Wir wiederholen die Mahnung, daß sich die Hand­werker durch diese Thatsache gar nicht erschrecken zu laffen brauchen. Man möge die Regierung nicht darin stören, ihre Handwerkerreformpläne auch ohne den Befähigungsnachweis zu formuliren. Wenn ein entsprechender Gesetzentwurf dem Reichstage vorliegen wird, so werden die handwerkerfreund­lichen Parteien schon dafür zu sorgen wtffen, daß die spätere Einführung des Befähigungsnachweises in den Entwurf ein­gefügt wird. Wenn der Handwerker-OrgantsattonS-Gesetz- entwurf erst soweit gediehen sein wird, so ist anzunehmen, daß eine Regierung am Ruder sein wird, die auch zu dem so abgeänderten Entwurf ihre Zustimmung nicht versagen wird Vorläufig wird es darauf ankommen müssen, die Arbeit der Regierung mit allen Mitteln zu fördern. Dazu wird die, wie bekannt, Ende dieses Monats in Berlin tagende Conferenz der Vertreter des organisirten Handwerks hoffentlich beitragen.

In Berlin findet in der Zeit vom 21. bis 23. Juli der zehnte deutsche Korbmachertag statt, welcher auch in der Handwerkerfrage Stellung nehmen wird, denn auf der Tagesordnung stehen außer fachgenoffenschaftlichen Angelegenheiten unter Anderem auch: Hausierhandel, Ge- fängnißarbeit, Sonntagsruhe, Personalcredit im Handwerker­stände und Arbeitsnachweis.

Wie aus München berichtet wird, spendete das

Netteste N«acherchten»

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Bekanntmachung.

Der Wasenmeister Heinrich Port zu Grünberg ist zum Wasenmeister der Gemeinde Göbelnrod bestellt worden.

Gießen, den 20. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Br. Melior.

legen. General v. Hahnke hatte sich zu diesem Zwecke in Paradeanzug nach Charlottenburg und Potsdam begeben.

Berlin, 19. Juli. Auf Befehl be6x Kaisers fand heute Vormittag 11 Uhr im Zeughause die Schmückung der Fahnen und Standarten der Berliner Gar­nison statt. Es waren sämmtliche Generäle und Stabs« osfiziere, sowie zahlreiche Hauptleute und Lieutenants zugegen. Die Standarten der Gardes du Corps und der Garde- Cavallerie-Regimenter trafen zuerst vor dem Zeughause ein. Gleich darauf folgte die Fahnen-Compagnie des Kaiser- Alexander-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 1 mit den Fahnen der Fußtruppen. Die Träger der Fahnen der Infanterie- Regimenter nahmen im Lichthofe des Zeughauses Aufstellung. Die Standarten stellten sich links neben den Fahnen der Fußtruppen auf. Die Deputationen waren im Viereck im Lichthofe ausgestellt. Generallieutenant Graf von BardenS- leben, welcher den beurlaubten Commandeur des Garde-CorpS vertrat, verlas nunmehr die kaiserliche Cabinetsordre vom 27. Januar und gab sodann .Befehl zur Schmückung der Fahnen und Standarten. Hierauf befestigten die Regiments- Commandeure die von jedem Truppentheil zur Stelle ge­brachten Schleifen und Kränze. General von Bardeleben brachte alsdann das Hoch auf den Kaiser aus und gab Befehl zum Abrücken. Die Fahnen wurden nach dem Schlöffe gebracht.

Heidelberg, 19. Juli. Der 4. allgemeine deutsche Journalisten- und Schriftstellertag beschloß ein­stimmig die Gründung einesVerbandes deutscher Journalisten und Schriftsteller". Die Satzungen wurden mit wenigen unwesentlichen Veränderungen angenommen. ES sind bis jetzt einige hundert Thetlnehmer eingetroffen. DaS Fest ver­spricht einen großartigen Verlauf zu nehmen.

Gleiwitz, 19. Juli. Heute wurden die letzten neun Leichen der in der GotteSsegen-Grube verunglückten Berg­leute aufgefunden. Das Maffenbegräbniß findet am Sonn­tag statt.

Budapest, 19. Juli. Die Ortschaft Jpoly Vecde wurde von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. Vierzig Wohnhäuser find zerstört. Ein Bauer und fünf Kinder verbrannten.

Karlsbad, 19. Juli. Hier erhält sich daS Gerücht, daß Fürst Ferdinand abdanken wolle und daß alle Modificationen der Abdankung bereits in einer Conferenz festgesetzt worden seien. Die am Nachmittag auf dem Ab­steige-Quartier des Fürsten eingezogene Trauerfahne wurde Abends wieder gehisst. Unter dem hiesigen Publikum herrscht gegen den Fürsten eine unfreundliche Stimmung, die bereits mehrere Male in unliebsamer Weise zum Ausdruck gekommen ist. Die Absicht deS Fürsten, zu dem Leichenbegängniß Stambulows nach Sofia abzureisen, scheint infolge von dort eingegangenen vertraulichen Mittheilungen aufgegeben worden zu sein. Gestern Abend reiste der Generaladjutant deS Fürsten mit besonderen Instructionen nach Wien. Der Fürst begleitete seinen Vertrauensmann nach dem Bahnhofe, weßhalb sich das Gerücht verbreitete, der Fürst sei abgereist, was jedoch unbegründet ist.

Svfia, 19. Juli. An der Bahre Stambulows haben sich bis jetzt nur wenige seiner Freunde eingefunden, offenbar weil sie die jetzigen Machthaber fürchten. Am SamStag Nachmittag findet das Leichenbegängniß statt. An die Polizei- und Militärbehörden sind die strengsten Weisungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung ergangen. Der Staatsanwalt entwickelt auf höhere Weisung etwas mehr Eifer zur Eruirung der Mörder. Infolge deffen wurde Tufektschejew wieder verhaftet. Bei demselben wurden viele Waffen und Papiere vorgefunden. Stoilow richtete an die Correspondenten mehrerer auswärtiger Blätter Zuschriften, in denen er nochmals betont, daß er mit dem Attentat ab­solut in keine Verbindung zu bringen sei. Er beschwert sich darüber, daß angebliche Augenzeugen des Verbrechens an die Behörden nur ungenügende Angaben gemacht hätten.

Sofia, 19. Juli. Die gerichtliche Untersuchung aller Umstände des Attentats und die Verfolgung aller Ver­dächtigen und Mitschuldigen soll in vollem Zuge sein. Die Ergebniffe der Untersuchung werden geheim gehalten. Es wird versichert, daß Beweise vorliegen, daß Gericht und Polizei sich bezüglich der Urheber des Attentats und der Mörder selbst auf richtiger Spur befinden. Stambulow hinterläßt ein sehr bescheidenes Vermögen, welches gerade hinreichen dürfte, seine Wittwe und drei Kinder, wovon das jüngste erst 7 Jahre alt ist, nach bulgarischen Derhältniffen anständig zu erhalten. Dte Freunde Stambulows glauben, die Wittwe werde Bulgarien ganz verlaffen.

Menschenwürdiger sei nichts als die Gestalt Kaiser Wilhelm I. Redner schloß mit der Mahnung, die deutsche Sitte gegen fremde Einflüsse zu vertheidigen- die studentische Jugend möge sich erinnern, daß sie zu den Früchten aus der großen Zeit, die sie genieße, aus eigenen Kräften noch nichts bei­getragen habe. Die Versammlung stimmte begeistert in daS Hoch auf den Kaiser ein, mit dem der Redner schloß. Ein Chorgesang beendigte die ergreifende Feier.

Gefle, 19. Juli. DieHoheuzollern" traf nach einer vom herrlichsten Wetter begünstigten Fahrt am 18. d. früh vor Gefle ein, wo Kohlen eingenommen wurden. Heute wird die Fahrt nach H e r n o e s a n d fortgesetzt. Der Kaiser machte gestern einen Spaziergang an Bord und nahm die Abendmahlzeit an Bord des BegleitschiffesGefion" ein.

Paris, 19. Juli. Die Blätter meinen, Stambulow verdiene keinerlei Mitleid, da er niemals Mitleid gekannt habe. Seine Ermordung sei aber darum ein nicht minder schimpfliches Verbrechen, wofür die bulgarische Regierung bis zu einem gewissen Punkte verantwortlich sei. Das Journal des Debats" hält an der Ansicht der Privat­rache fest und warnt die Regierung vor der von Berliner und Wiener Blättern erregten künstlichen Agitation. Der Matin" sagt, das Andenken Stambulows sei durch zahl­reiche Missethaten befleckt- man müsse aber bei seiner Be- urtheilung dem Umstande Rechnung tragen, daß Complotte und Morde in Bulgarien blühen und in den Augen des DictatorS die von ihm befohlenen Justizmorde als einfache Schutzmaßregeln erscheinen konnten.

Petersburg, 19. Juli. Anläßlich des Todes Stambu­lows sagt derSwjet": Ein gefallener Feind ist fein Feind. Wenngleich die Regierung Stambulows bitter für Bulgarien und feindlich gegen Rußland war, so ist Srambu« low doch einer der hervorragendsten bulgarischen Staats­männer gewesen. DieNowoje Wremja" schreibt: Mit dem Tode Stambulows käme gleichsam eine lange Periode dunkler Tage Bulgariens zum Abschluß. Europa stehe nunmehr vor einer neuen Sage der Dinge. Rußland werde jedenfalls anders zu den jetzt in Bulgarien bevor­stehenden Ereignissen sich verhalten und wahrscheinlich alles thun, um Bulgarien eine Verbesserung seiner traurigen Lage zu ermöglichen. Die wahren bulgarischen Patrioten müßten im Auge behalten, daß keinerlei Abweichungen von dem Programme einer völligen Wiederherstellung der gesetzlichen Ordnung in Bulgarien laut Stipulation des Berliner Ver­trages zu erwarten sind.

Sofia, 19. Juli. DieAgence Balcanique" meldet: Bekanntlich nahm Stambulows Miethswagen, als er vom Thatort wegfuhr, einen Mann auf und brachte ihn durch den Boulevard Ferdinand bis hinter das Kammergebäude. Ein Vorübergehender erkannte in dem Manne einen ge­wissen Georgiern und theilte dem Untersuchungsrichter seine Wahrnehmung mit. Georgiern wurde heute Früh drei Uhr verhaftet, er war früher Secretär Panitzas. Georgiew schrieb kürzlich einen Brief an Stambulow, worin er diesem ankündigte, er werde getödtet werden. Der Unter­suchungsrichter glaubt in Folge dieser Verhaftung auf dem halben Wege zur Entdeckung der Mordthat zu sein und ließ auch einen Macedonier Namens Athana verhaften. Tufektschiew ist gestern wegen schwerer Verdachtsgründe festgenommen worden, was anfangs bezweifelt wurde, und

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Gießen, den 18. Juli 1895.

Betr.: Erlaß einer Polizeiverordnung für den Kreis Gießen, betr. den Verkehr der Radfahrer auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unserer Verfügung vom 4. d. M. Anzeiger Nr. 158 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist von drei Tagen erinnert.

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