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Tas eiserne Kreuz. *)
Zur Erinnerung an den 19. Juli 1870.
Generation, um mit seinem letzten Ritter zu verschwinden. Droht der Freiheit und Einheit beß Vaterlandes Gefahr, so
„In der jetzigen großen Katastrophe, von welcher für daS Vaterland alles abhängt, verdient der kräftige Sinn, der die Nation so hoch erhebt, durch ganz eigenthümliche Monumente geehrt und verewigt zu werden. Daß die Standhaftigkeit , mit welcher baß Volk die unwiderstehlichen liebel einer eisernen Zett ertrug, nicht zur Kleinmüthigkeit herab- sank, bewährt der hohe Muth, welcher jetzt jede Brust belebt, und welcher, nm auf Religion und auf treue Anhänglichkeit an König und Vaterland sich stützend, ausharren konnte. Wir haben daher beschlossen, das Verdienst, welches in dem jetzt auSbrechenden Kriege entweder im wirklichen Kampfe mit dem Feinde, oder außerdem im Felde oder daheim, jedoch in Beziehung auf diesen großen Kampf um Freiheit und Selbstständigkeit, erworben wird, besonders auSzuzeichnen, und diese eigenthümliche Auszeichnung nach,^. diesem Kriege nicht weiter zu verleihen."? , SSE7ZEB
So hieß es in der .StiftungsurkundetzAdes Eisernen Kceuzeß, die König Friedrich Wilhem III. am 10. März 1813 erliefe; und am 19. Juli 1870 erfolgte die Kabinetsordre König Wilhelms I., welche die Erneuerung beß bedeutsamen Ordenszeichens für den bevorstehenden Feldzug verkündigte:
„Angesichts der ernsten Lage beß Vaterlandes, und in dankbarer Erinnerung an die Heldenthaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege, wollen Wir baß i>o« Unserem in Gott ruhenben Vater gestiftete Orbenßzeichen beß Eisernen Kreuzes in seiner ganzen Bedeutung wieder «"fiebert lasten. Daß Eiserne Kreuz soll, ohne Unterschied b(.-ß Ranges ober Stanbes, verliehen werben als eine Belohnung für das Verdienst, welches entweder im wirklichen Kampfe mit dem Feinde, ober daheim, in Beziehung auf diesen Kampf für die Ehre und Selbstständigkeit des theuren Waterlanbeß erworben wird."
Seither ist das Eiserne Kreuz das Merkmal der Erhebung der deutschen Nation, ein Feldzeichen, unter dem der germanische Heerbann zwei Mal inß Feld gezogen, um unter Führung seiner Fürsten für seine höchsten Güter, für Freiheit, Ehre und Vaterland zu streiten. Nur bei diesen beiden Gelegenheiten verliehen, hebt efl seinen Träger aus der Menge heraus als einen Mann, dem die Nation besonderen Dank schuldet, weil er an ihrer Wiedergeburt ruhmvollen Antheil genommen.
Daß Eiserne Kreuz nimmt unter den Ordensaußzeich- »ungen eine eigenartige Stellung ein. Nur 1813/15 und 1870/71 verliehen, wird es zum Mahnzeichen für die kommende
Begegnung König Wilhelms mit Benedetti in Ems.
wird es stets von Neuem erstehen, ein heiliges Palladium der Nation, eine Erinnerung und eine Hoffnung zugleich, wie der Wahlspruch der ersten Christen: „In hoc signo vinces.“
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(In diesem Zeichen wirst Du siegen.) Eine Erneuerung des ©(fernen Kreuzes würde stets bedeutkn, daß eß sich um die Existenz des Vaterlandes handelt. Unter seinem Zeichen kann man siegen und sterben, aber niemals unterliegen.
In dem schlichten Eisenkreuz trägt die Nation ein Symbol für Alles, waß ihr besonders theuer ist. Seine Stiftung wie seine Erneuerung ist mit der Königin Luise verknüpft, mit der ebeln Frau, in der sich das stille Sehnen der Nation nach Unabhängigkeit und Einheit verkörpert, ein Sehnen, dessen Erfüllung erst die kommende Generation brachte. Der Stiftungstag des Eisernen Kreuzes für 1813/15 war der Sterbetag der Königin Luise. Daß erste Exemplar des neuen Ordens sandte Friedrich Wilhelm III. an den Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz mit der Bitte, eß an der Säule mit der Büste der Verewigten im Erinnerungstempel beß- Schlofegartenß zu Hohenzieritz nieberzulegen. Die Erneuerung beß Eisernen Kreuzes für 1870/71 burch Küttig Wilhelm I. erfolgte am Tobestage ber Königin Luise, am 19. Juli 1870.
Die Statuten ber beiben Eisernen Kreuze finb im Wesentlichen dieselben, nur daß bei der Auszeichnung für 1870/71 die Vererbung innerhalb beß Regiments, bem eine bestimmte Anzahl von Orben Überwiesen worden, an ben Nächstwürdigsten fortfiel. Auch die Ordensrangstufen: Großkreuz, I. und II. Klaffe, blieben die gleichen.
1813/15 wurden 5 Großkreuze verliehen: an den Fürsten Blücher für Katzbach, an den Grafen v. Bülow für Dennewitz, an ben Grasen Tauentzien für Wittenberg, an ben Grafen- Aork v. Wartenberg für Laon und an den Kronprinzen Karl Johann von Schweben für unbekannte Verdienste. Außerdem ward für Blücher 1815 ein besonderes Ehrenzeichen gestiftet, ein goldener Stern mit aufgelegtem Eisernen Kreuz. Im ^Zahre 1817 hörten die Verleihungen des Ordens auf. Man zählte damals außer den Großkreuzen 670 Ritter der ersten. 9373 der zweiten Klaffe mit dem schwarzen und 342 mit bem weißen Banbe. 1890 ist der letzte Inhaber beß Eisernen Kreuzes im Alter von 93 Jahren gestorben.
Die Verleihungen währenb bes Krieges 1870/71 waren- ben größeren im Felde stehenden Truppenmaffen entsprechens natürlich bei weitem zahlreicher. Für die Statistik maßgebend ist die OrdenSliste von 1877. Sie zählt 8 Groß- kreuze: König von Sachsen, Kronprinz von Preußen, Prio^ Friedrich Karl, Großherzog von Mecklenburg, Graf Moltk, v. Manteuffel, v. (Soeben, v. Werder, 1291 I. Klaffe am schwarzen und 13 am weißen Bande, 41 702 II. Klasse am schwarzen und 4084 am weißen Bande, zusammen 47102 Ritter des Eisernen Kreuzes. Die Gesammtzahl ber Der leihungen bürfte sich demnach auf 54-—55000 belaufen
*) Wie wir unser Eisern Kreuz erwarben, Kriegserrnnerungen; unter diesem Titel veröffentlicht das Deutsche Verlagshaus Bong L Co., Berlin ^.57, rin Lieferungsprachtwerk (vollständig in 15 Lieferungen a 50 Pf.) Es handelt sich da um eine eigenartige Verherrlichung des großen Jahres 1870/71. Diejenigen, die mitgeholfen an der Wiedererrichtung des Deutschen Kaiserreichs, sind als Mitarbeiter gewonnen für eine Kriegsgeschichte, die sich au« deren selbstgeschilderten Einzelerlebnissen zusammensetzt. Die Redaction des Werkes durch ben Generalmajor Freiherrn Friedrich von Dincklage - Campe bürgt für eine sachgemäße Bearbeitung dieser aus Episoden zusammengesetzten Darstellungen. Das bisher Veröffentlichte liest sich in seiner naiven Lebhaftigkeit wie ein der Wirklichkeit nacherzählter, auf eigener Anschauung beruhender Roman. Die Ausstattung ist eine überaus prächtige. Unsere berufensten Militärmaler, wie Th. Rocholl, K. Knötel haben ihr Bestes geleistet, um bas Werk zu der glänzendsten unter allen ähnlichen Publikationen zu gestalten. Unter den Illustrationen der ersten beiden Hefte sind der „Todtm- ritt bet Vionville" von Th. Rocholl und die Schlacht bei Gravelotte von Georg Bleib treu hervorzuheben. Zwei wundervolle Farbendrucke: „Die Uederreichung deS Eisernen Kreuzes an Graf Moltke" und „Die Bayern vor Paris" erscheinen als werthvolle Zugaben. Die wohlgetroffenen Porträts der einzelnen Mitkämpfer und Mitarbeiter werden besonders willkommen sein.
Abreise König Wilhelms aus Berlin nach dem Kriegsschauplatz.
haben. Zur Zeit leben noch etwa 20 000 Inhaber. Das Kreuz L Klaffe ist unter den activen Offizieren noch 119 mal vertreten. ES wird getragen von 5 Generalfeldmarschällen, 50 Genera len der Infanterie, 22 Generallieutenants, 15 Generalmajors, 15 Obersten, 7 Oberst- lieutenantß, 3 Majors, 1 Premierlieute> nant deS JnvalidenhauseS und 1 Generalarzt.
Die ursprünglich Preußische Ordens- becoration ist burch den Krieg 1870/71 eine ihrem Wesen, wenn auch nicht der Form nach, reichsdeutsche geworben. Vom obersten Kriegsherrn beß deutschen Heerbannes verliehen, wird baß Eiserne Kreuz In der Reihe der Auszeichnungen stets an erster Stelle getragen, ein Platz, der ihm wegen seiner Eigenart gebührt. Allmählich mit dem Ausscheiden der Inhaber auS der Armee ver- schwindend, wird eS wieder auftaudy» in seiner würdigen Schlichtheit, soball da» unter seinem Zeichen Errungene von einem äußeren Feinde bedroht wird.
WB. Sofia, 20. Juli. Die „Agence balcantque" meldet: Prinz Ferdinand untersagte angesichts der Haltung der Familie StamdulowS den Mitgliedern deS Civil- und Militär- ftaateS die Theilnahme an ber Leichenfeier. Die „Agence balcantque" meldet ferner: Die Polizei entdeckte drei Mörder, von denen einer, Namens Georgiew, verhaftet wurde. Es scheint, daß die Mörder Panitza rächen wollten.
Der Krieg von 1870|71,
geschildert durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
21. Juli.
Die Ernennung des Kronprinzen von Preußen zum obersten Führer ber Armee in Sübdeutschlanb ist erfolgt und mit großer Freube ausgenommen worden. Die Süddeutschen freuen sich, daß sie ber Sieger von Chlum wider den Erbfeind führen wird und sehen daraus, daß der Krieg mit aller Energie geführt werden wird; sie nehmen diese Ernennung zugleich als eine Anerkennung für ihre deutsche Haltung. Der Kronprinz soll nach einigen Nachrichten bereits in München angekommen sein. Die Stimmung in Baden und Bayern ist äußerst begeistert und entschloffen. — Kaum war in München ber König Ludwig eingetroffen, so zog eine ungeheure Masse Volks vor die Residenz, brachte ihm stürmische Hochs und fang das Lied vom Deutschen Vaterland. Der König dankte sehr ergriffen. — Nebenbei wurde dem Re- dacteur des verrufenen „Vaterland" ein Perat gebracht.
Der Krieg beginnt zu Wasser und zu Land. An vielen
Punkten der Nordsee sind bereits französische Kriegsschiffe gesehen worden, zwei sind schon gescheitert und untergegangen und es wird noch mehreren so gehen, denn baß Wasser hat viele Untiefen, Bänke unb Riffe unb bte seekundigen Lootsen fehlen. Die Blokade ber Häfen Bremen, Hamburg, Stettin, Danzig unb Königsberg ist bereits erklärt. — Mittwoch ben 20., Adenbs, soll die französische Flotte in die Ostsee eingelaufen fein.
22. 3nlL
Wien füllt sich durch Zuzug fremder Familien aus Deutschland, deren Heimath zum Kriegsschauplätze zu werden droht.
Baron von Weither, der preußische Botschafter in Paris, ist in Ungnade gefallen, weil er die französische Kriegspartei und deren heimliche Rüstungen nicht durchschaut hat.
AuS Brüssel schreibt man ber „N. P. Z.": „Hier ist man unterrichtet darüber, daß noch am vorigen Sonntag ber Kaiser Napoleon geglaubt hat, wenn auch nicht an ben Regierungen, so boch in ben Bevölkerungen SübbeutschlandS Bundesgenossen zu haben. Die Enttäuschung soll sehr schmerzlich sein."
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»ießen, den 20. Juli 1896.
** Zn» Setter unserer Universität wurde für das Jahr 1895/96 gewählt: Prof. Dr. Otto Behaghel von der I philosophischen Facultät.
♦♦ Zur Borfeier des Ouckeu-ZubiläumS brachte das Kr onbaaer'sche Quartett feinem langjährigen Mitgliede und lieberreichen ersten Tenor, Herrn Geh. Hofrath Oncken, eine Serenade dar. Dieser schloß sich im Cafe Ebel, >m engsten Sängerkreise, ein Commers an, der sich durch Toaste, Instrumental- unb Vocalvorträge zu einer ebenso unterhaltender» wie erhebenben Feier gestaltete.
** Der Ausschuß der Studentenschaft ist zu morgen Sonntag Mittag von Herrn Geheimrath Oncken zu einem Festmahl in der Freimaurerloge, an welchem auch ber Lehrkörper der Universität theilnimmt, etngelaben.
Nationalliberaler Verein. Der Vorstand des nationalliberalen Vereins Gießen hat in feiner gestrigen Sitzung beschlossen, Herrn Geheimen Hofrath Professor vr. Oncken wegen seiner großen Verdienste um die nationale Sache und die nationalliberale Partei zu seinem Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Eine Abordnung wird ihm a« Sonntag den 21. Juli die Glückwünsche deS Vereins übermitteln unb ihm ein Diplom überreichen mit folgender , Widmung:
Wilhelm Oncken, den unermüdlichen Förderer der nationalen Sache in Wort unb Schrift, ernennt in dankbarer Anerkennung feiner 25 jährigen verdienstvollen Thätigkeit für die nationalliberale Partei zum Ehrenvorsitzenden des nationalliberalen Vereins Gießen
Der Vorstand.
(Folgen die Unterschriften.)
*• Pr. Neues Theater. Die für gestern angefünbigte Vorstellung von Zellers „Obersteiger" hatte die Hoff-
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