Ausgabe 
20.12.1895 Erstes Blatt
 
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höchstberselbe uoS gewürdigt haben. Friedrich, Großherzog von Badens

Neapel. 18. December. Heute Abend find die Schiffe Umberto I." undAdria" mu den für Afrika bestimmten Truppen nach Massauah in See gegangen.

Brüffel, 18. December. Der König unterzeichnete baß Decret, betreffend die internationale Ausstellung in Brüssel im Jahre 1897.

Petersburg, 18. December. Der Kaiser verlieh den Gemeinen und Unteroffizieren der Deputation des preußi« scheu Kaiser.Alexander-Garde-Grenadier'RegimeotS nach der MichaelSmeffe goldene Uhren mit dem Kaiserlichen NamenSzuj zur Erinnerung an die Feier der Namenstages. Die De­putation reift morgen Mittag zurück.

Dapesch« des Bureau

Berlin, 18. December. Der Entschluß deS Kaisers, den Fürsten Bismarck tu FriedrichSroh zu besuchen, war, wie dieNationalzeitung" hört, als der Kaiser Berlin verließ, hier Niemanden bekannt und es wurde dem Gefolge erst bet der Rückreise von Altona auf dem dortigen Bahnhofe mitgerheilt, daß der Zug in FrtedrtchSruh halten werde. Die Begrüßung dortselbst machte auf die Augenzeugen, welche auch bet früheren Begegnungen anwesend waren, den Ein­druck besonderer Herzlichkeit. Fürst Bismarck hat bestimmt in Aussicht gestellt, wenn sein Gesundheitszustand der jetzige gute bleibe, am 18. Januar nach Berlin zu kommen.

Berlin, 18. December. Nach den ReichStagS-Berhand- lungen über die Handwerkerkammern konnte es nicht auS- bleiben, daß wieder Gerüchte über den bevorstehenden Rück« tritt des Ministers v. Bötticher in Umlauf gesetzt wurden. In einigen Blättern wird sogar bereits der Nach­folger des Ministers genannt. DerNationalzeitung" werden diese Gerüchte als völlig unbegründet bezeichnet.

Berlin, 17. December. Der R-ichStagSabgeordnete Freiherr Hehl vooHerrvShetm erklärt, daß die gestrige Meldung eines Wormser Blattes, er beabsichtige, aus der nationalliberalen Fraction auszutreten, unbegründet ist.

Berlin, 17. December. Heute Vormittag wurde auf dem Alexanderplatze die vom Professor Hundriefer ge­schaffeneBerolina" enthüllt. Eine besondere Feier fand nicht statt. Erschienen waren u. A. der Oberbürgermeister und der Bürgermeister von Berlin, der Polizeipräsident v Wtndheim, mehrere Stadtverordnete und Stadtbauräthe. Auf ein Zeichen des Oberbürgermeisters fiel langsam die Hülle vom Denkmal.

Berlin, 18. December. Der Kaiser empfing heute Mittag 12 Uhr den Finanzminister Dr. Miquel zum Vortrag.

Berlin, 18. December. Wie wir hören, wird der preußische Landtag zum 15. Januar n. IS. einberufen werden. Die diesbezügliche Allerhöchste CabinetSordre wird tn diesen Tagen veröffentlicht werden.

Berlin, 18. December. Infolge Bruches des Haupt- rohreS der Wafferleitung entstand heute Morgen gegen 5 Uhr in der Brttzerftraße eine große Ueberfchwemmung. AuS dem geplatzten Rohre schoß ein Wasserstrahl von 5 Meter Höhe empor. Die Brttzer- und Skalitzer Straße, sowie baß Gltsabrthufer wurden unter Wasser gesetzt. Die Keller Be­wohner mußten ihre Wohnungen verlaffen. Daß Hauß Skalitzerstraße Nr. 1 wurde, da einzustürzen drohte, polt« zetlich gesperrt. Der Wasserschaden ist beträchtlich. Die Feuerwehr arbeitet mit zwei Dampfspritzen, um daß Waffer außzupumpen. In ganz Berlin war infdlgedeffeu die Waffer- letrung gesperrt.

Berlin, 18. December. Heute Vormittag 11 Uhr fand anläßlich deß Namenßtageß deß Zaren in der Capelle der russischen Botschaft ein Gotteßdienst statt, au dem auch eine Deputation deß Katser-Alexander Garde-Grenadier-Regi- mentß rhetlnahm. Im Anschluß hieran fand um 1 Uhr tu der russischen Botschaft ein Frühstück statt.

Köln, 18. December. Der Peterßburger Correspondent derKöln. Ztg." schildert in einem längeren Artikel die ungemein ltedeußwürdtge Aufnahme, welche die tu der neuen deutschen Feldaußrüstung gesandte Abordnung des preu- ßischen Kaiser- Alexander- Garde - Grenadter- R e g t m e u t ß im Allgemeinen, namentlich aber an Allerhöchster Stelle gefunden hat. Der Czar nahm sämmtliche Einzelheiten der Uniform'rung, sowie der Außrüstung in Augenschein, desgleichen Großfürst Wladimir nebst zahlreichen hervor­ragenden russischen Militärß, darunter auch General Drago­mirow. Bei dem größeren Festmahl toastete ein russischer Capitän auf die gegenseitige Freundschaft Rußlandß und Deutschlands. Die Deputation wird morgen über Warschau zurückkehreu, wo sie dem General-Gouverneur Grafen Schuwalow vorgeftellt wird.

Wien. 18. December. Nach Privatmeldungen auß Kairo soll daß Befinden deß Erzherzogß Franz Fer­dinand Este eine leichte Verschlimmerung erfahren haben. Die Aerzte ordneten absolute Ruhe an.

Rom, 18. December. General Arimondt erhielt Befehl, ein neues Corps von Eingeborenen zu bilden, um die westliche Grenze gegen einen eventuellen Einbruch der Derwische zu schützen. Die Stärke der Derwische bet Alboro soll 7000 Mann betragen, ebenso viel sollen bet Ghedarrd stehen.

Rom, 18. December. Die hiesigen Blätter theileu mit, daß der afrikanische Feldzug 30,000 Mann und 100 Millionen Lire erfordern werde.

Rom. 18. December. Die Nachricht derItalia Mili- tare", daß Raß Makonen an General Ba rat tert Bot schafter gesandt, um über die Frt ede nßbe dtn gun gen zu unterhandeln, wird mit großem Mißtrauen ausgenommen. Anderrrseitß wird nämlich mitgetheilt, daß König Mrnelik sich bald an bie Sp tze von 100,000 Mann stellen werde und die Friedenßverhandlungen nur eine neue Krtegßltst seien.

Rom, 18. December. Im Senat wurde erzählt, die Regierung habe seit zwei Tagen keine Nachricht auß

| Afrika erhalten. Man glaubt, daß General Baraticri tn Gefechte verwickelt sei. Daß Geschwader, welches am 21. ds. nach dem Rothen Meere abgehen soll, besteht aus 7 Schiffen mit 3000 Mann.

Brussel, 18. December. Während der heutigen Debatte über daß Armenbndget ereignete sich ein heftiger Zwischenfall zwischen dem sozialistischen Abgeordneten Defult und dem KriegSmintster. Defult erklärte dem General: Ihre Armee taugt n chtß. Sie find eia Spielzeug der katholischen Mehrheit." Darauf erwiderte der KriegSmintster: Sie find ein frecher Mensch, Sie werden mir außerhalb der Kammer Rede stehen." Am Schluffe der heutigen Sitzung prorestine der KriegSmintster entrüstet gegen die gestrige Rede Bandervelde'S, welcher gesagt hatte, der Tag sei nahe, wo die Soldaten die Waffen gegen die Bourgeoisie gebrauchen würden. Den Ausführungen des KriegßmiutsterS wurde auf der rechten Seite des Hauses lebhafter Beifall gezollt.

Brüffel, 18. December. Unter dem TitelCongo- lesische Abmachungen" veröffentlicht die congofetndltche Reform" einen Artikel, worin heißt: die Siegeßnach- richten von Hauptmann Lot Haire über die Aufständischen kommen zur richtigen Stunde, um die große Demülhiguug zu verdunkeln, welche Deutschland dem Congostaat zugefügt habe. Mit der Entschädigung von 100,000 FrcS. sei die Sache nicht abgethan. Für Belgien und nicht nur den Congostaat gäbe uichtß demüthigendereß, als die Veröffent­lichung imReichßanzeiger", wo zu lesen sei, daß Stokes auf ungesetzlichem Wege hingerichtet, mit anderen Worten, die Hinrichtung einem Morde ähnlich sei, die Vorwürfe deS deutschen Gesandten tn Brüssel, der bet König Leopold accre- ditirt sei, waren an den Congostaat adressirt. Der Chef dieseß Staates aber ist König Leopold, weshalb mit dem Vorwurf nicht nur der Chef des CongoftaateS, sondern auch der König von Belgien getroffen werde.

Pari», 18. December.Pettte Republique" theilt mit, im Mariaemintstertum sei eine Nachricht eingegangen, die japanische Regierung habe alle mit europäischen Fab­riken etngegangenen Verbiodlichkeiten gelöst und sei damit beschäftigt, ein neues unterseeisches Torpedoboot zu prüfen, welches ganz in Japan hergestellt wird. Die japanische Re­gierung halte alle Versuche geheim.

Toulon, 18. December. Admiral Gervais fährt heute mit seinem Geschwader ab, um, wie bekannt, tn Nizza den russischen Thronfolger tm Namen deß Präsidenten Faure zu begrüßen.

Athen, 18. December. Heber die Kämpfe bet Brisal auf Creta werden jetzt Einzelheiten gemeldet. Dar nach dauerten die Kämpfe von Morgenß früh biß gegen Mitternacht. An denselben nahmen 2500 Türken und 1200 Christen Theil. Letztere hatten eine verschanzte Stellung eingenommen und hatten daher wenig Verluste, dagegen hatten die Türken 196 Todte und Verwundete. Ein Theil der Genßdarmerie hatte für die Christen Partei genommen. Der Rückzug der Türken vollzog sich fluchtartig unter Zurück­lassung vieler Waffen.

Washington, 17. December. Der Präsident der Bereinigten Staaten von Nordamerika, Cieveland, verlieh dem ersten Offizier deß DampferßSuevia" von der Ham­burg-Amerika-Linie, Ferdinand U. F. Himbsel, für Rettung der Mannschaft deß amerikanischen Schiffes Mary E. Amßden" die große goldene Medaille. Vier Matrosen von derSue­via", nämlich Hugo Wacke, E. Gtchholz, H. Schütt und Julius Marquardt, erhielten die silberne Medaille.

WB. London, 19. December. Der amerikanische Botschafter Bahard hielt gestern Abend bet einem Banket eine Ansprache- er toteß dabei auf die Gemeinsam­keit in Raffe und Sprache zwischen dem englischen und amerikanischen Volke hin. Er könne nimmermehr glauben, daß irgend etwaß eintrete, maß die Trennung zwischen beiden Nationen herbelführe, die so viele gemeinsame Interessen verbinden. Die Rede wurde beifälligst ausgenommen.

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Gießen, 19. December 1895.

Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer beantragt zu dem Gesuch der Steneravfseher des Großherzogthums Hessen, Gehaltsaufbesserung betreffend: Die Kammer wolle: 1) Großh. Regierung ersuchen, bei Aufstellung deß nächsten HauptvoranschlagS die Bitte der Steueraufseher um Gewähr­ung von entsprechenden Vergütungen für Zehrung u. s. w. bei ihren auswärtigen Geschäften zu berücksichtigen- 2) dem Gesuche der Steueraufseher um Grhaltsaufbesserung wegen der noch nicht lange stattgehabten Ausbefferung der Gehalte aller Beamten und Bediensteten keine Folge geben und mit Rücksicht auf unseren Antrag daß vorliegende Gesuch der Steueraufseher für erledigt erklären.

* * Zur Vorstellung bei DistrictS-Einnehmer des Groß herzogthumS um Verbesserung ihrer Gehaitsverhältnisse be­antragt der Finanzausschuß: D e Kammer wolle: I. Großh. Regierung ersuchen: a. zu erwägen, ob nicht künftig sämmt­liche RevifionSbeamten mit den Dlftrictß Einnehmern, welche alle die gleiche Vorbildung haben, in gleiche Gehaltßktassen einzureihen wären, die Distrikts-Einnehmer dabei in Betracht hrer Stellung als Kassenbeamte in die oberen Reihen jener Gehaltsklassen, b. bei Aufstellung deß nächsten Hauptvoran- chlagS aber zu berücksichtigen, daß: 1) die Bureaukosten- Vergütung für die Großh. DistriclS-Einnehmer überall dem wirklichen Dienstbedarf entspreche und denselben decke, 2) die Transport., ZehrungS- und Begleitungskosten, welche den Districrß Einnehmern bei ihren auswärtigen Dienstgeschäften nachweisbar entstehen, denselben auS der Staatskasse ver­gütet werden- II. die Vorstellung der Distrikts - Einnehmer deß Großherzogthums um Verbesserung ihrer Gehalt», und Dienstverhältnisse damit für erledigt erklären.

Der BuudeSrath hat an dem im Reichsamt des Innern auSgearbeiteteu Nargariuegesetz-Entwurf einige nicht

ganz unwesentliche Aeoderungen vorgenommen. Die end. giltig fertiggestellte Vorlage enthält vor allcm eine Begriffs. Bestimmung für Margarine, während derPräsidial-Ent­wurf" nur eine solche für Margarinen-Käse gegeben hatte. Als Margarine im Sinne der Gesetze sollen angesehen werden diejenigen der Milchbutter oder dem Butterschmalz ähnlichen Zubereitungen, deren Fettgehalt nicht ausschließlich der Mtlch entstammt." Hinsichtlich der Beaufsichtigung de» Verkehr» mit Kunftfetten bestimmt der BundeSrathSentwurf, daß außer den Beamten der Polizei von der Polizeibehörde beauftragte Sachverständige der Controle mit allen vom Gesetz den Be­amten beigelegten Besugnissen wahrnehmen können. Der erste Entwurf ermächtigt den BuudeSrath, den gewerb»- mäßigen verkauf von Butter, deren Wassergehalt eine be­stimmte Grenze überschreitet, zu verbieten. Diese Bestim­mung ist beibehalten, aber dahin ergänzt, daß Butter, deren Fettgehalt eine bestimmte Grenze nicht erreicht oder deren Salzgehalt eine bestimmte Grenze überschreitet, vom ver- kaufSoerbot betroffen werden kann. Die Befugniß, Grund- sätze für die Vornahme von Untersuchungen aufzustellrn, wird dem BuudeSrath ganz allgemein in Bezug aufFette und Käse" ertheilt - im ersten Entwurf war nur von den in diesem Gesetze bezeichneten natürlichen oder künstlichen Fetten die Rede. Die Strafbestimmungen find vom BundeSrath an einem Punkt erweitert, an einem andern verschärft worben. Unwahre Angaben ber zur AuSkunftserthetlung über da» Herstellungsverfahren, ben Umfang beS Betriebe», bie zur Verarbeitung gelangenbeu Rohstoffe ufto. verpflichteten Personen sollen auch bann strafbar sein, wenn sie au» Fahr­lässigkeit gemacht worben find. DaS Höchstmaß der Geld- strafe für die Verhinderung der Revision und für wissentlich falsche AuSkunstSertheilung ist von 100 auf 150 Mk. hinauf- gesetzt.

** Militärdieustnachrichten. v. Crotta gen. Treyden, Hauptmann vom 3. Niederschles. Jnf.-Regt. Nr. 50, unter Entbindung von dem Commando als Adjutant bei der 49. Inf.- Brigade (1. Großh. Hess.), al» Comp. Chef in da» Gren.- Regt. König Friedrich Wilhelm H. (1. Schles.) Nr. 10 versetzt, v. Stein-Lieben st ein zu Barchfeld, Pr.-Lt. vom 2. Bad. Gren.-Regt. Kaiser Wilhelm I. Nr. 110, als Adjutant zur 49. Jnf.-Brigade (1. Großh. Hess.) comman feiert. Bölsin, Sec.-Lt. von der Inf. 1. Aufgebot» de» Landwehrbezirkß Friedberg, zum Pr.-Lt., K l i n g sp o r, Bice- feldwebel vom Landwehrbezirk Gießen, zum Sec. Lt. ber Reserve des Jnf.-RegtS. Kaiser Wilhelm (2. Großh. H:ss.) Nr. 116, Merck, Sec.-Lt. vom Train 1. Aufgebot» de» Landwehrbezirkß Friedberg, zum Pr.-Lt. befördert.

* * Offenhalten ber Laben. Am Sonntag den 22. d. M dürfen die Kaufläden biß Abendß 9 Uhr offengehalten werden.

* * Octtoi. In dem abgelaufenen Jahre find in bei sieben Städten deß Großherzogthums, tn denen Octr oi - Gebühren erhoben werden, im Ganzen Mk. 1,760 371 vereinnahmt worben, bavon kommen auf Mainz Mk. 599,848, Darmstabt Mk. 538,910, Offenbach Mk. 288,087, Worm» Mk. 200,353, Gießen Mk. 115,853, Friedberg Mk. 7940, Alsfeld Mk. 7071 und Lauterbach Mk. 2304. In ben drei Provinzialhauptstädten Darmstadt, Mainz und Gießen find die Octroi-Einnahmen gegen baß Vorjahr wesentlich zurück- gegangen, in ben übrigen Stäbten sind sie gestiegen.

** Vorsicht beim Gelbnehmen.' Man schreibt:Wir hatten beim Wechseln eine Mark erhalten, welche durch einen Hammer in etwaß unscheinbare Verfassung gebracht worden ist. Kein Mensch wollte sie in Zahlung nehmen. Der versuch, diese bei ber Reichßdank gegen eine anbere umzu­wechseln, mißlang. Wir würben an bie Königliche Münze gewiesen- bort übernahm ein Beamter baß Gelbstück und gab es zerschnitten zurück mit bem guten Rath, für ben Silberwerth zu verkaufen. Wir erhielten für daß Markstück 35 Psg."

** Allerhand Profefforeafchnurre, erzählt der jüngst ver­storbene Prof. Karl Bogt in seinen Erinnerungen. Unter ben Gießener Theologen glänzte vor Zeiten alß Original der Superintendent Palmer, von bem die berühmte Frage. Wer lacht über Griechenland?" mit der Antwort:Ein ewig blauer Himmel!" stammte. Er war, so schreibt die Tägl. Rdsch.", einer der ersten Universitätslehrer, die an bestimmter Stelle einen bestimmten Witz zu machen pflegten. Jahrauß jahrein haspelte er in seinen Vorlesungen baßfelbe Heft ab. Die einzelnen Witze waren bei den Theologen seit Jahren bekannt und hatten ihre besonderen Namen, ber Sauerkrautwitz, ber Hasenwttz u. s. w. Wenn nun in der nächsten Stunde ein Hauptwitz kommen sollte, so wurde Hilse aus anderen Facultäten geholt und da» Auditorium bi» zur letzten Ecke gefüllt. Ein Student folgte bem Vortrage auf einer Abschrift beß Hefteß. In bem Augenblicke, wo der Witz loßgehen sollte, gab er ein Zeichen. Brüllender, nicht endenwollender Beifall brach loß. Palmer beschwichtigte ben Sturm mit Haupt und Hand und sagte dann, selbstgefällig lächelnd:So warten Sie doch, meine Herren! Ich habe den Witz noch nicht gemacht!" Einmal kam ein armer Schulmeister zu ihm.Herr Superintendent," sagte er wimmernd,so kann nicht mehr fortgehen? Ich habe ben ganzen Tag über Stunben, keinen Neberverbienst, acht lebendige Kinder und nur 600 Gulden Gehalt! Wenn ich nicht aufgebessert werde, muß ich mit meinen Kindern Hnngerß sterben!"Thun Sie daß", antwortete Palmer, eine Thräne ber Rührung im Auge zerbrückenb,thun Sie baß! Sie werden Aufsehen erregen, Ihre Nachfolger roerbei besser bckommen?" Noch ulkiger war der Anatom Professor Wilbrand. Zur Eröffnung der Vorlesung über Naturphlosophie erschien fast die ganze Studentenschaft. Meine Haaren," fing Wilbrand tn feinem breitesten Weft- älisch an,meine Haaren! De Philosophie kann nicht ge­ährt un nid) getarnt waren!" Kaum war die Phrase beendet, so stand daß ganze Auditorium auf und ging »eg waß hatte man mit einem Collegium zu thun, wo licht» gelernt werden konnte?