Vermischtes»
Ma Cassel, 18. December. Bet einem Spaz'ergange | fand ein Bewohner des Steinweges in der Karl-aue eine KtndeSletche in einer Schürze eingehüllt. ES liegt ein Verbrechen vor und fahndet die Polizei eifrig nach der unnatürlichen Mutter. — Gestern Nachmittag wurde von Fischern ouS Spiekersbausen unterhalb der Brücke bet Kragenhof im Fuldaflusse die Leiche des Schreiners Wolf von hler -aufgesunden, welcher vor vier Wochen bei dem damals ge- melbitcn Unfall des Motorbootes umS Leben kam. Die Leiche des ebenfalls ertrunkenen Schmidt ist immer noch nicht aufgefunden.
• Berlin, 18 December. Heute Vormittag hat der Arbeiter Heinrich Riedel durch Erhängen feinem Leben ein Ende gemacht, nachdem er vorher sein 14 Monate aiteS Söhnchen am BetrpsostkN aufgehängt hatte. Als Grund zu der Tbot gelten Nahrungssorgen.
• OdS i Schl., 18. December. Der am 12. Juli vom diesigen Schwurgericht wegen Morde« zum T o d e verurthetlte Kuhhirt Johann Kuptetz wurde heute früh durch den Scharfrichter R-tndel hingerichtet.
♦ Posen, 15. December. Ein Todesuctheil zweimal aufgehoben. Bom Schwurgericht in Meseritz war im Juni d. IS. der Arbeiter Stefan Wojciechowski aus Buk wegen Ermordung feiner Ehefrau zum Tode verurthetlt worden. Auf feine Revision hatte das Reichsgericht das Urtheil auf gehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung nach Meseritz zurückverwtesen. Im October erfolgte, dem „B. T." zufolge, wiederum die Berurtheilung zum Tode. Wojciechowski meldete nochmals Revision an und daS Reichsgericht hob heute abermals daS Urtheil auf und wies die Sache an dasselbe Gericht zurück.
• Freiberg. 18. December. Der Blockwärter Wolf, der durch falsche Weichenstellung daS Oederaner Eisenbahnunglück herbeigeführt hat, wurde von der 2. Strafkammer des Landgerichts zu 5 Jahren 1 Monat Gefängntß bet* urtheilt.
* Mannheim, 16. December. Ein eigenartiges Jubiläum wurde heute in hiesiger Stadt gefeiert. Ein hervorragendes Mitglied unseres Hoftheater Orchesters und ein hiesiger Friseur begingen bei einer Flasche Wein die Wiederkehr deS TageS, an dem sie sich vor 25 Jahren gegenseitig mit Chassepot und Zündnadelgewehr beschofien haben. ES war die« am 16. December 1870 im Gefecht bet Longeau. Der Musiker stand als einjähriger Unteroffifier beim Regt ment Nr. 34, während der Haarkünstler (Herr Werk, ein geborener Elsäsier) als Musketier beim 50. französischen Linienregiment diente. Beide Jubilare erfreuen sich des besten Wohlsein«.
* Ergebutße der Volkszählung vom 2. December Bochum 53,322 (mehr 5074), Siegen 19,423 (mehr 2747). Lehe 19,147 (mehr 4664) Hamm 28,542 (mehr 3900), Rostock 49,769 (mehr 5361), Iserlohn 24,734 (mehr 2617), Aachen 110,463 (mehr 6993).
Universität- - Nachrichten»
— Die Berliner Untoerstlät zahlt in diesem Winter | 5368 immalricultrie Sludenien, von denen je 1812 der julMischen und der ph.losophischen FacuUät angehören. — Die Universität Heidelberg zählt 1026 immatricultrte Studirende und 49 Hörer. Von den Studirenden gehören 52 der theologischen Facultät an, 329 der juristischen, 201 der medtcintschen, 175 der philosophischen und 2o9 der naturwissenschaftlich mathemat,fchen. — An der Würzburger Hochschule find 1514 Studtrrnde immatricultrt. Auf die einzelnen Facultäten veitheilen sich wie folgt: Th otogen 126, Juristen 238, Medtctner 714, Zahnärzte 24, Philosophen 203, Pharmaceut-n 50. — Die Erlanger Universität wird von 1116 Studirenden, 22 in der ärztlichen Prüfung ste henden Candidaten und 11 Hörern frequentirt. Gefammtziffer 1149. — Die Sludenten- zahl der Straßburger Unioerfitäl hat zum erstenmale daS Tausend überschritten, sie betrug nach der amtlichen Feststellung 1004. Davon sind 101 in der theologischen. 295 in der rechte- und staalö- wissenichaflltchen, 312 in der medtcinischen, 118 in der philosophischen und 178 in der mathematischen und nalurwifsenfchafttichen Facultät eingeschrieben. — Die 1036 Studenten, welche im lausenden Semester in Freiburg studiren, oertheilen sie sich wie folgt: Medtctner und Apotheker 380, Juristen 242, Anaehörige der phtlofoph'fchen Facultät 209 Theo.ogen 205. — In Tübingen sind gegenwärtig 1138 Studirende tmmatriculirt. Es studiren evangelische Theologie 257, katholische Tbeologte 167, Jura 244, Medicin 206, Philosophie 34, Staalüwtssinscha'ten 170, Naturwissenschaften 60. — Die Frequenz der Untversträl Marburg im gegenwärti en Semester beträgt 888. Dazu kommen 55 Hörer. Auf die einzelnen Facultäten entfallen: Theologen 99, Juristen 260, Medtctner 226, Philosophen 303. — Die Universität Königsberg wird von 712 Studirenden und zwar 107 Theologen, 216 Juristen, 223 Medictnern, 166 Philosophen und 26 Hörern besucht.
Citcratur unO Kanft
— Preis «obschrelbe« zur Erlangnng von Entwürfe« für einfache »nb dtüi-e WohnungS - Einrichtnngen. DaS berechtigte Verlangen der nicht reich bemtlielren gebrtdeten Kreise: ihre Wohnräume ebenfalls mit soliden und sinnvollen Einrichtungen schmücken zu können, deren Preise sich jedoch in niedrig bemessenen Grenzen bewegen, bestimmte die Schitftleitung der „Jllustrirten kunstgewerblichen Zeitschrift für Jnnendecoration^ zur Veranstaltung eines PreiS - Ausichreibens behufs Erlangung von Entwürfen für einfache und billige!, aber geschmackvolle WohnungS - Einrichtungen. In diesem Sinne werden gewünscht: 1 Empfangszimmer, 1 Wohn- und Eßzimmer, 1 Schlafzimmer, 1 Küche in perlpectivtfcher Darstellung in Federmanier und im ZetchnungS - Format 34:45 Etrn; das Carton - Format soll 48:62 Ctm. betragen. Zu jedem Raum ist ein Detail-Blatt zu geben, auf welchem in der pcrfpecitvtfchen Ansicht feldst nicht zu unterzubringende, in das betreffende Interieur gehörige Einzel - Möbel und Decorationen perfpectivtfch oder geometrisch gezeigt sind. Farbige Entwürfe sind absolut ausgeschlossen. Die Durchführung einer bestimmten Slilrichtung ist nicht erforderlich, es ist fogar im Jnterrsse der Originalität bei Kompositionen wünschensweith, davon ganz abzusehen. Jedoch soll diese Frage nicht von Einfluß auf die Entscheidung sein, die Einrichtungsstücke sollen eine zweckentsprechende, vernünstige Werkform zeigen. Weitere Hauptbedingungen fittb, daß die betreffenden Zimmer-Einrichtungen in thunlichst billiger Ausführung herzuffillen sind, daher nothig: größtmögliche Zweckmäßigkeit. (Die Vreise sollen sich bewegen für da« Empfangszimmer zwischen Mk. 600 bis 800, für Wohn- und Eßzimmer zwischen Mk. 400 bis 650, fürs Schlafzimmer zwischen Mk. 350 biS 560 und für die Küche zwischen Mk. 150 bis 250; bei diesen Preisen sind Portiören, Gardinen, Bilder, Teppiche, Spiegel überall ausgeschlossen.) — Ferner Entwickelung der Zier- formen au« der Construction, sinnvolle AuSnützung der ästhetischen Eigenschaften des gesammten MarertaleS, namentlich deS Holzes, Vermeidung aller sinnwidrigen Decorationen, wie drehbare Säulen, hängen leibende Giebel bei Thüren r. rc. Wo angängig, ist Werth zu legen auf Anwendung etnsacher Bemalung, Kerb- und Tiesschutlt rc.
statt billiger zwrifelhaster Schnitzerei rc. Endlich foll auch der Wandbeklridung, der Decke, der Anordnung der Fenster-Vorhänge rc. entsprechende Aufmeiklamkeit gewidmet werden. Die Räume sollen folgende durch ihre Bestimmung und durch die allgemestren LcbeuS- Gewohnhctteu gefordeiten Einrichtungsstücke rntbelten, also da» Empfangszimmer (zugleich Arbeitszimmer deS Herrn): ein größere» Sitzmöbel, zwei Armstühle, vier Stühle, ein Schreibtisch, ein Tisch, ein Fantasteschrank, ein Wand-Bücherbrett; W hn- und Eßzimmer: ein Speisettsch zum Ausziehen, ein Speise- und Gefchirrfchrank, ein Betseßtisch, ein Nähtisch (eventuell auch als Näh- und Schreib lisch combinirt), sechs Stühle, ein Sopha oder Eckfitz: Schlasziwmer: zwei Bettstellen, zwei Nachtfchiänke, ein Waschtisch, ein g'ößeier Kleiderfchrank, ein Wäschestapel (bezw. Schrank), zwei Stühle, zwei PuffS als Behälter; die Küche: ein Küchentchrank, eine Anrichte, ein Tisch, eine Absatz - Gelegenheit für Geschirre, eine Bank, ein Leiter- und ein anderer Stuhl. — Den Bewerbern ist ev anheim- gegeben, aus eimm zweiten Detail Blatt solche Möbelstücke zu zeigen, welche zur weiteren Ergänzung vorstehender Einrichtungen dienen könnten, also etwa ein einfacher Bücherfchrank, ein Pseilerfmegel, ein Wafchapparat für daS Eßzimmer, Thürausfatz, Wandbrett, Kinderbett rc. rc., doch haben btefe Entwürfe auf die Prämiirung keinen Einfluß, sind indeß erwünscht im Interesse der Aufgabe. Für jede Zimmer Einrichtung ist unbedingt Kosten-Voranschlag für die Ausführung der einzelnen Wobei und Angabe der zu verwendenden Holzart beizufügen, thunlichst auch ein Schreiner- ober Möbel- Fabrikant zu nennen, welcher die Ausführung zu den angegebenen Preisen übernehmen würde. Ei wünscht ist, daß sich nicht nur Architec'en und Möbel - Zeichner, sondern auch Möbel-Fabrikanten an dem Prettz-Ausschreiben betheiligen. An Preisen sind inSgesammt 2000 Mk. ausgesetzt und zwar: vier erste P>eise von zusauimen 1000 Mk. für die besten Entwürfe der verlangten vier Räume mit Detailblättern, vier zweite Preise von zusammen 600 Mk. für die nächstbesten Entwürfe der verlangten vier Räume mit Detailblättern, vier dritte Preise von zusammen 400 Mk. für die drittbesten Entwürfe der verlangten vier Räume mit Detailblättern, außerdem behält sich die Schrtftlettung vor, nicht prämiirte, aber zur Publicttion doch geeignete Entwürfe zu allgemein üblichen Honorar-Sätzen anzukaufen. Der Schluß für Einlieferung von Eoncurrenz Entwürfen ist auf den 10. Mat 1896 (Post Ausgabestemvel) festgesetzt und hat die Einlieferung an den Verlag der „Jllustrirten tun ft gewerblichen Zeitschrift für Innen-Dccoration" (Alexander Kock, Darmstadt) in der bekannten Weise zu erfolgen, derart, daß die Entwürfe ohne Namen der Erfinder mit einem „Motto" versehen werden, während in einem beigegebenen Briefumschlag mit gleichem Motto der Namen des PretSb^werberS genannt wird.
Gottesdienst der israelitischen ReligtonSgeielhchaft.
Freitag Abend 4 Uhr, SamStag Vormittag 9 Uhr, Nachmittag 3 Uhr, SabbathauSgang 5“ Uhr. Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends 8 Uhr____________________________
Verkehr, Land- und Volkswireyschast.
— Nach den statistischen Ermittelungen deS Vereins deutscher Eisen- und Stahltndustrieller belief sich die Roheisenproduciio« des Deutschen Reiches (einschließlich Luxemburgs) im Monat November 1895 aus 489 822 Tonnen, darunter Pudbelroheisen und Spiegeleisen 131801 Tonnen, Besfemerrobeisen 36 708 Tonnen, Thomasroheisen 243 851 Tonnen und Gießereiroheisen 77 462 Tonnen. — Die Production im November 1894 betrug 481 909 Tonnen, im October 1895 511264 Tonnen. Vom 1. Januar Kitz 30. November lh'j5 wurden producirt 5 278 393 Tonnen gegen 5 0610v9 Tonnen im c l.tchen Setraume des Vorjahres.
3VHT Gut und billig kauft man eämmtliohe Gemüse- und Obst-Conserven bei |10547] J. 31. Schulhof.
Mittwoch d.29.Ian»Lr 1896
Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht. die dem Adolf Bogt in Gießen gehörige ßofrailbe:
Flur 1 Nr. 783 — 381 qm in der Sonne öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 18. December 1895.
Großh. OrtSgericht Gießen.
___________I. A-: Bogt. 10546
Oberförstern Strupbach.
Montag d. 13. Januar 1896, Mittags 12 Uhr, werden in der Dörr'schen Wirthschaft zu Erda aus dem Diftrtct Thalberg, Schutz« bezirk Wilsbach, versteigert: Eichen: 71 Stämme mit 73,75 fm und 38 rm Klafternutzholz, 1. und 2. Klaffe. 10531
Kaufliebhaber wollen das Holz vor Beginn des Termins besichtigen.
FH. Strupbach, d. 16 Decbr. 1895.
Der Forstmeister: Baumann.
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Das Verzeichnest über die Culturveränderungen, welche seit der vorjährigen Stcuerregulirung in der Gemarkung Gießen constatirt worden sind, und deren Wahrung bei dem Steuercommiffariat zu beantragen ist, liegt während vier Wochen von heute ab auf Großh. OrtSgericht dahier offen.
Gießen, den 16. December 1895.
Großherzogliches OrtSgericht Gießen.
Gros. 10552
Bekanntmachung. .
136 Mark Zinsen aus der Stiftung der dahier verstorbenen Elifa- bethe Schmidt sind zu gleichen Theilen an vier bedürftige, unbescholtene, ledige, in Gießen lebende Dienstmädchen im Alter über 50 Jahre und an vier arme Wittwen aus Gießen nach der Auswahl des Stadtoorstandes zu vergeben. Anmeldungen zum Bezüge derselben haben bis zum 1. Januar 1896 unter Beibringung des erforderlichen Nachweises bei der unter zeichneten Stelle — Zimmer Nr. 3 — zu geschehen.
Gießen, den 17. December 1895.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
10533___________________Gnauth._______________________
Am Sonntag, den 22. December, werden hier die Packetschatter wie an Wochentagen offen gehalten._________
Kindergarten.
Die Weihnachtsfeier meiner Zöglinge findet Sonntag, den 22. December, Nachmittags präcis 3 Uhr, im Festsaal des Cafe Leib statt, wozu ich die verehrten Eltern, Verwandten und Freunde höflichst einlade. Hochachtungsvoll
10534_____________________Wittwe Rothe, Kindergärtnerin.
fi|A __ f n „ meines Kleidercursus beginnt I IQ j niHQnn den 6. Mannar. Anmeldungen nehme ich UUl nillUIIU in meiner Wohnung, Sonnenstraße 12, ent-
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