Ausgabe 
20.1.1895 Erstes Blatt
 
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Berit», 18. Januar. Die Reichstags-Ersatz wähl für Schmalkal den ist ans den 5. Februar festgesetzt worden. Der WahlprüfungS-AuSschuß erklärte die Wahl BantleonS, des Gegners des BolkSpartetlerS Hänle in UI«, für ungilttg.

Berlin, 18. Januar. Heute Mittag fand in der Brauerei Friedrichshain eine von 2000 Personen besuchte Versam mlung von Arbeitslosen statt. In den naheliegenden Straßen waren zahlreiche Schutzleute anwesend, um etwaige Ruhestörungen zu unterdrücken. Reichstags» abgeordneter Förster-Hamburg sprach über die Ursachen und Wirkungen der Arbeitslosigkeit und führte aus, eS liege im Interesse der Gesellschaft, Abhilfe zu schaffen, da sonst die Waffen nicht gutwillig verhungern würden. Redner empfahl, ou den Magistrat eine Deputation zu senden, welche um Inangriffnahme der nothwendigen Arbeiten bitten sollte. Einige Redner widersprachen dem. Sodann ergriff daS Wort der Anarchist ZibolSky. Derselbe schlug vor, einen Auszug durch die Stadt zu machen, damit der Bourgeoisie daS Elend vor Augen geführt werde. Redner betonte, er werde nicht ver­hungern- er werde nehmen, wo er etwas finde. Hierauf wurde aus der Versammlung gerufen, Redner sei ein Spitzel, worauf große Unruhe entstand. Bon dem Absenden einer Deputation an den Magistrat wurde schließlich Abstand ge­nommen. Eine Resolution, daß die Arbeitslosigkeit die natür­liche Folge der capitalistischen Gesellschaftsordnung sei und nur durch eine socialtftische Gesellschaftsordnung beseitigt werden könne, gelangte zur Annahme. Die Versammlung ging ruhig auseinander. Außer dieser Versammlung fanden noch sieben wettere ArbeitSlosen-Dersammlungen statt. Die­selben waren alle zahlreich besucht und verliefen ruhig.

Berlin, 18. Januar. Eine vom deutschen Antisemiten­bund einberufene Volksversammlung beschäftigte sich gestern Abend mit der Umsturzvorlage. Reichstags­abgeordneter Dr. Böcke! bedauerte, daß Liebermann v. Sonnen­berg sich nicht fest gegen die Vorlage erklärt habe. Noch mehr bedauerte er, daß derselbe als Vertreter für die Be- raihnng der Vorlage in die Commission gewählt sei. Er (Böckel) sei entschieden gegen die Umsturzvorlage, die ein Attentat deS GroßcapttalismuS auf die Freiheit deS deutschen Volkes fei. Er würde eS als einen Verrath an der Volks­freiheit bezeichnen, wenn ein Mitglied der deutschen Reform- Partei für die Vorlage stimme. Es wurde eine Resolution angenommen, die sich mit aller Entschiedenheit gegen die Umsturzvorlage erklärt. In nächster Zeit soll noch eine Anzahl Volksversammlungen gegen die Umsturzvorlage ab­gehalten werden.

Wien, 18. Januar. Die Wahl FaureS macht einen vortrefflichen Eindruck. Die ganze Presse bespricht dieselbe in zustimmender Weise.

Graz. 18. Januar. Gestern wurden hier zwei angeb- ich russische Edelleute, sowie ein hier wohnhafter Kaufmann Otto Hildebrandt verhaftet. Die ersteren bezeichneten den letzteren als einen aus Rußland geflüchteten Wechselfälscher, der gar nicht Hildebrandt heiße.

Rom, 18. Januar. Der Ministerrath wird am 20. d. M. zur Besprechung der politischen Lage zusammen- treten.

Rom, 18. Januar. General Baratteri sandte ein Telegramm, worin er mittheilt, daß er den Rath der Mangaffen gefangen nehmen wolle, er fei demselben schon scharf auf der Ferse. Die Italiener erbeuteten am 15. ds. 800 Pferde, 4000 Gewehre, bedeutende Munitionsvorräthe und viele Fahnen.

Brüffel, 18. Januar. DieJndepend. belg." pnblicirt ein Interview mit Faure, in welchem derselbe sein festes Vertrauen darauf ausdtückte, daß er durch strengste Pflichterfüllung wieder geregelte Zustände in Frankreich werde einführen können.

Paris, 18. Januar. Der neue Präsident Faure empfing heute Vormittag im Ministerium zahlreiche Offiziere unö die Beamten des Marinedepartements. Später ver­sammelten sich die Minister im Elys6e, um ihre Demission einzureichen.

Paris, 18. Januar. Präsident Faure läßt morgen 20,000 Francs unter die Armen von Paris vertheilen.

Paris, 18. Januar. DieRepublique frangaife" ver­öffentlicht ein hes tig-s Manifest, in welchem eS unter Anderem heißt: Felix Faure, derCandidat derRalliirten und Reactionäre, ist zum Präsidenten der Republik gegen Brisson gewählt, welcher Candidat aller Parteien war. Die ganze Rechte mußte ihm helfen, um zum Siege zu gelangen. Die Erfahrung, welche man mit Casimir Perier gemacht, welcher die Demokratie 6 Monate hindurch gedrückt hat, hat Diejenigen nicht klug gemacht, die mit dieser Wahl dem Lande eine neue Herausforderung ins Gesicht warfen. Da man nun den Kampf will, so wird man ihn aufnehmen. Kantern;* spricht in demselben heftigen Tone. Nichts sei an Faure, waS ihn für den hohen Posten bestimmen könne. Siöcle meint, Faure sei kein Kampf Präsident, auch keines­wegs ein Gefangener der Rechten. DerTempS" schreibt: Faure ist der Sohn der Arbeitskraft und der tapferen Demokratie, welche nach und nach aus dem Ruin der alten Republik erstehen wird.Petit Journal* sagt, Faure ist der Sohn seiner Hände Arbeit. DasJournal de Paris" führt aus, Faure ist weder Socialist noch Radicaler. Seine Wahl bedeutet einen Schritt weiter zur Demokratie.

London. 18. Januar. Gestern Abend 6 Uhr brach im Gebäude des Unterrichtsministeriums Feuer auS, welches einen großen Schaden anrichtete. Biele Briefschaften find verbrannt. Die Feuerwehr konnte nur mit Mühe daS auswärtige Amt schützen.

London, 18. Januar. Zahlreiche französische politische Persvnltchketten haben sich nach Dover begeben, wo sie den jungen Herzog von Orleans erwarteten, um demselben über die Ereignisse in Frankreich Bericht zu erstatten.

Belgrad, 18. Januar. AuS Bulgarien eingetroffene Reisende erzählen, daß in Rustschuk, Philippopel und anderen

Städten Bulgariens ein Aufruhr wegen deS neue» Accise- gefetzeS auSgedrocheu fei.

-an. Darmstadt, 19. Januar. Die Zweite Sammer lehnte den Ausschußantrag auf Verwerfung des Einkommen­steuergesetzes ab und trat in die Berathung des Gesetz­entwurfs ein.

Cocafcs und prot>htiUa<s*

Gießen, bett 19. Januar 1895.

Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog Haden Allergnädigst geruht, dem Bürgermeister Johann Weber II. zu Kirch-GönS das Silberne Kreuz des DerdienstordenS Philipps des Großmüthigen zu verleihen.

Theater Berein. Den Inhalt des Stückes, welches gestern der Theater-Derein bot, haben wir neulich bereits angebeutet, stark genug, um den Appetit zu reizen, zu schwach, um ihn zu befriedigen. Herr LouiS (Souffabe hat ein hübsches Vermögen, ein hübsches LanbhauS, eine hübsche zweite Frau, eine hübsche erste Tochter und einen sehr hübschen Character. Ermuß Freunde um sich sehen"- und die fehlen ihm in Folge seiner vielen hübschen Eigenschaften auch nie, am wenigsten in den vier Acten deS Lustspiels. Ermuß sein Glück mit ihnen theilen"- und daS theilen sie denn auf eigentümliche Weise mit ihm. Der Eine trägt ihm seine Bibliothek fort; der Zweite speculirt auf feine Börse- der Dritte findet seine Frau begehrenSwerth- der Vierte seinen Strohhut. Und alle sagen sie ihm im Namen ihrer Freund­schaft die grausigsten Grobheiten- wünschen ihn in ein Duell auf Leben und Tod zu verwickeln, Alle suchen sie ihn in einen Otello auf Tod und Leben zu verwandeln. Natürlich fehlt aber der getreue Ecke Hard nicht- der Mann, der stets zur rechten Zeit am rechten Orte den rechten Ausweg findet; der sich hier Th v los an nennt, Doctor der Medicin ist und der Herrn Pilpai Fabel von den guten Freunden fo genau kennt. Nach amüsantem Hin und Her, nach geistreichem Dialog siegt am Ende des vierten Actes die Tugend, und Herr Tholosan wird Herrn CaussadeS Schwiegersohn. Ein neues Ensemble trat unS gestern gegenüber. DaS Wiesbadener Residenztheater war in den Festsaal eingezvgeu, und feine Mitglieder boten uns recht anerkennenswerte Leist­ungen. Sardous Lustspiel erfordert eine flotte, esprit­erfüllte Darstellung, es verträgt keine schweren Accente, keine Unterstreichungen, keine Ausrufungszeichen und Ge­dankenstriche. Und es wurde solchen Forderungen völlig entsprechend gespielt. Im Mittelpuncte. standen die guten Freunde und der getreue Tholosan. Herr Gil zing er lieferte ein CabinetSstÜckchen: so spricht, so gähnt, so blickt, so handelt der angesäuerte, grämliche Egoist - jede Andeutung SardouS wurde scharf aufgefaßt, keine Übertrieben; man durste glauben, diesem Herrn Maröcat täglich auf der Steple begegnen zu können. Herr Schmafow als Bigneux schloß sich ihm würdig an, vollkommen in Maske und Spiel und vortrefflich unterstützt von Frau Emilie Herrmann, welche hie tugenbfame Eulalie mit vorzüglicher Wirkung gab. Herr Martini verfügt über einen Prächtigen trockenen Humor; ihm entschlüpfte keine Feinheit seines pointirt geschriebenen Dialogs. Herr Schwaab fand sich mit seiner etwas schief vom Dichter angelegten Rolle nach Möglichkeit gut ab. Und alle diese guten Freunde, nebst dem Biedermann Abdallah und dem guten Engel Raphael, umgeben Herrn Caus sade. Herr Greußer hob die ernsteren Stellen dieser Rolle besonders wirksam heraus, und so gewann sein Spiel im Laufe des Stückes immer mehr an Wirkung. Recht unbedeutend find die Rollen der Tochter Benjamine und des Kammermädchens Jenny; sie wurden von Fraulein Kaden und Fräulein Segge sehr ansprechend gespielt; aber lieber Himmel? die landläufige Naive und daS entgegenkommende Kammerkätzchen geben für individuelle Gestaltung doch gar zu wenig Anlaß. Frl. Maltana fand Töne der Leidenschaft und der Aufregung, der Neigung und des Schreckens und löste ihre Aufgabe in ausgezeichneter Art. Das Publikum begrüßte die Leistungen der Gäste reichlich mit sympathischem Beifall. Dürften wir dem Vorstande deS Theatervereins noch eine Bitte aussprechen, fo wäre die, das nächste Mal einen deutschen Dichter zu Worte kommen zu taffen. Wir Gießener find ja bescheiden; wir sind ja mit Allem zufrieden schon die Jungfrau von Orleans würde genügen.

♦♦ ReueS Theater. Wir verfehlen nicht, auf baß zweite Auftreten beß bedeutenden Characterdarstellers Dr. Max Pohl nochmals besonders aufmerksam zu machen. Herr Dr. Pohl hat am vergangenen Montag inWohltäter der Menschheit" durch fein geniales Spiel den größten Beifall errungen und dadurch den großen Ruf, der ihm vorauSgeht, gerechtfertigt. Nächsten Montag den 21. d. M. wird er alsMeineid­bauer" zum zweiten Male vor baß Gießener Publikum treten. Bon ben vielen Preßstimmen über feine Darstellung dieses CharacterS geben wir nachstehend nur die deSDüsseldorfer Generalanzeiger" wieder:Dem Gastspiel beß Herrn Dr. Max Pohl vom Deutschen Theater in Berlin, eines Darstellers von ausgezeichnetem Ruf, verbanken wir es, daß endlich Ludwig Anzengruber sein Recht wird. DerMeineidbauer- gilt als das beste BolkSftück Anzengrubers. Herr Dr. Max Pohl, der die Titelrolle beß Stückes, benMeineibbauer", wie er genannt wirb,Mathias Ferner", den Kreuzweg­hofbauer gab, rechtfertigte den Ruf, der ihm voranging. Dr. Pohl ist fett Jahren eineß der hervorragendsten Mit- ' glieder beß Deutschen Theaters in Berlin. Zunächst kommt j eS ihm zu statten, daß er ein geborener Oesterreicher ist und ; die eigentümliche Mundart dieses Landes vollständig beherrscht. . Die Hauptsache aber bleibt, daß Dr. Pohl ein Darsteller von hoher künstlerischer Intelligenz ist. Er zeigte in seiner Ber- I körperung beß Meineidbauern, daß er ein feiner Psycholog, 1 ein geistreicher Menschenbeobachter und -Senner ist, und daß er die besondere Psyche im Bauernleben kennt. SeinMathias Ferner" ist eine Gestalt von großer Lebenswahrheit, auS

gearbeitet biß in die kleinsten Züge, von überzeugender Echt­heit in der Erscheinung. Der Seelenzustand beß hartgesottene» SünderS, der daß Derbrechen eines schweren Meineides mit sich herumträgt, wurde meisterhaft von Dr. Pohl geschildert, fo ergreifend, daß man Mitleid mit dem von feinem Gewissen gepeinigten alten Manne hatte. ließe sich eine Fülle feiner Züge herauSheben, durch die er den Meineidbauer zu einer für unß unvergeßlichen Darbietung gestattete. Der spontane Beifall, den Dr. Pohlß Meisterleistung fand, wird ihm bewiesen haben, wie voll man solche Leistungen in Düssel­dorf zu wüibigen weiß." Hoffen wir, daß Herr Dr. Pohl auch in Gießen die Anerkennung finden wird, die sein meister- hasteS Spiel verdient, die ihm aber bet seinem ersten Aus- treten, dem schwachen Besuch nach zu urtheilen, versagt ge­blieben ist. Um unserer selbst willen sollten wir uns nächsten Montag bestreben, den begangenen Fehler durch zahlreiches Erscheinen wieder gut zu machen. Denn wir dürfen uaß darüber keiner Täuschung hlngeben: wenn ein Künstler, der mit Poffart, Schwe'ghoser, Barnay, Kainz, M'tterwurzer und anderen auf einer Stufe steht, bet unß kein Jnterefse findet, so spricht sich daß herum und zu unserer Beschämung wirb keiner der Koryphäen der Kunst mehr zu unß kommen wollen. Also, erweisen wir unß dankbar, daß unß Provinzlern auch mal was Gutes geboten wirb!

Kunstverein. Die Gemäldeausstellung im Thurmhaus am Brand hat in den letzten Tagen eine durchgreifende Er­neuerung erfahren, wonach nunmehr wieder alle Genres in interessanten, vielfach auch recht schönen Gemälden vertr-tr» sind. Die Oliglnal-Radirungen Beruh. ManSfeldS bleiben nur noch kurze Zeit hier.

Im Panorama wirb von morgen ab eine ganz neue eigenartige Serie ausgestellt werben. Es soll bie schönste der bis jetzt gezeigten landschaftlichen Serien sein und zwar Dresden und die sächsische Schweiz. Diese Serie soll in der Farbenbeleuchtung und Plastik alles bis jetzt Gezeigte übertreffen. Da dieses die letzte Serie ist und am Mittwoch Abend das Panorama geschloffen wirb, fo machen wir auf biefe Serie ganz besonders aufmerksam.

* Militärisches. DaSArmee-VerordnungSblatt" bringt folgenden kaiserlichen Erlaß vom 10. Januar: 1. Der

Caradiner ist von der Cavallerie am Sattel hinter dem rechten Schenkel des Reiters senkrecht zur Erde hängend zu tragen, der Degen gleichfalls am Sattel hinter dem linken Schenkel des Reiters. 2. Der Ring am unteren Ringband des DegenS kommt in Wegfall, desgleichen der Schlepp­riemen am Koppel. 3. Zur befferen Unterbringung der Be­kleidungsgegenstände des Cavallcristen auf dem Pferde werden Hülfßtaschen aus Segeltuch, bie an der unteren Fläche der Packtaschen zu beftftigen sind, eingeführt.

* Militärmufiker. In einer kaiserlichen (Sabinetßorbre wird bestimmt, baß Militär-Mufiker beim Spielen zu öffent­lichen Tanzvergnügungen nicht Uniform tragen dürfen. Die RegimentS-Commanbeure werden jedoch ermächtigt, in besonders begründeten AuSnahmefällen Abweichungen hiervon zu gestatten. Der Kriegsminister theilt dazu mit, der Kaiser habe sich gleichzettig dahin ausgesprochen, daß auch, abgesehen von dem Spielen zu öffentlichen Tanzvergnügungen, daS Tragen der Uniform bei öffentlicher Ausübung außerdienst­licher Musikthätigkelt einzuschränken und im Allgemeinen nur bann zu gestatten sei, wenn baß MusikcorpS geschloffen ober mit einem namhaften Theilc unter Leitung beß Dirigenten auftrete. Dagegen wolle ber Kaiser dem nicht entgegen sein, wenn auch in Zukunft kleineren Truppen von Militär Musikern baß Erscheinen in Uniform zum Spielen bei Festen von Kriegervereinen erlaubt werbe. Der Kaiser habe ferner ber Erwartung Ausdruck gegeben, baß bie Regiments- rc. Commandeure bie Ausübung des Musikgewerbes seitens ber ihnen unterstellten Militär- Musiker bauernd überwachen und eS sich angelegen fein lassen würden, berechtigten Klagen ber Civil Musiker über ihnen durch elftere gemachte Concurrenz vorzubeugrn; Aus­hilfen durch Civil Musiker sollten nur ausnahmsweise und nm dann erfolgen, wenn baß MusikcorpS geschloffen und in bürgerlicher Kleidung auftrete; in jedem einzelnen Falle soll hierzu die Genehmigung der Regiments- rc. Commandeure eingeholt werden.

* * Bon hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Küfer Gustav Engelbrand in Rommelshausen, gebürtig in Höchst a. M., von der Staatsanwaltschaft Gießen wegen Majlftätsbeleidlgung; Handarbeiter Johann Bruno Frenzel auS Stünzhain in Sachsen, zuletzt Bahnarbeiter in K.ffel- bach, vom Amtsgericht Grünberg wegen BetrugS; Arbeiter Franz Weiße auß Galberg in Braunschweig, zuletzt in Butzbach, von der Staatsanwaltschaft in Gießen wegen Unterschlagung.

Zn der Margarinefrage faßte dec LandeßauSfchuß der Landwirthschaftlichen Bereine beß GroßherzogihnmS Hessen in seiner am 14. dS. MtS. in Darmstadt gehaltene« Versammlung die nachfolgenden Beschlüffe: I. In ber Margarinefrage erklärt der Ausschuß, daß Gesetz vom 12. Juli 1887 sei nicht außreichend, um eine klare Scheidung zwischen der Margarinefabrikation und der Herstellung der nur zu TäuschungSzwecken bestimmten Mischbutter vorzunehme« und ben betrügerischen Verkauf von Margarine statt Butter zu verhlnbern. II. Eine entsprechende Abänderung beß Ge« setzeß ist erforderlich. III. Grobherzogliche Regierung ist z« ersuchen, dahin zu wirken, daß 1. baß Verbot beß FärbenS der Margarine außgesprochen werde, 2. Butter und Margarine nicht in denselben Räumen fetlgeboten ober verkauft werde« dürfen, 3. in WlrthShausern, Restaurants, Bäckereien rc., wo statt der Butter Margarine Verwendung findet, solches durch öffentlichen Anschlag b lannt gegeben werde, 4. die Ein­führung von Margarine ober einer Nachahmung von Milch- erzeugniffen, soweit sie nicht ben Vorschriften deS Gesetzes ent'prechen, verboten werbe, 5. die Ausdehnung deS Gesetzes vom 12. Juli 1887 auf die Herstellung und den Vertrieb von Margarine-KS'e derart erfolge, daß daS Fabrikat durch besondere Form und den StempelMargarinekäse* kenntlich