in Afrika gelebt, dem Sieger von Tabora, Grafen Schweinitz und Herrn Emil Selberg, Chef des Exporthauses Selberg u. Schlüter.
— Um Einfluß auf die ländliche Bevölkerung zu erlangen, wollen sich die Socialdemokraten nun auch mit der landwirthschaftlicheu Frage beschäftigen. Der social- demokratische Parteivorstand hat beschlossen, auf die Tage vom 6. bis 12. October d. I. nach Breslau den diesjährigen Parteitag einzuberufen. Die an die Parteigenoffen gerichtete Aufforderung, die Tagung möglichst zahlreich zu beschicken, betont besonders, daß wichtige Entscheidungen zu treffen seien, vor allem über die Stellungnahme der Partei zur Agrarfrage. Auf dem vorjährigen socialdemokratischen Parteitage war folgende Resolution gefaßt worden: Die Agrarfrage als nothwendiger Bestandtheil der socialen Frage wird end- giltig nur dann gelöst, wenn der Grund und Boden mit den Arbeitsmitteln den Producenten zurückgegeben ist, die heute al- Lohnarbeiter oder Kleinbauern im Dienste des CapitalS das Land bestellen.
— Die Enthüllungsfeier des Windthor st - Denkmals hat am Dienstag in Meppen bei prachtvollem Wetter programmmäßig stattgefunden. Die feierliche Ceremonie der Enthüllung und der Uebergabe deS Denkmals an die Stadt vollzog der Vorsitzende deS LocalcomitsS, Herr Hauptmann a. D. Schoeningh. Im Namen deS Magistrats nahm Herr Bürgermeister Augustin mit Dank das Geschenk an, worauf der Vertreter des Wahlkreises Meppen im Reichstage, Abgeordneter Brandenburg, die Weiherede hielt. Beim Festeffen, welches wegen des gedrängten Raumes nur 160 Gedecke zählte, hielt Dechant Nieters die Begrüßungsrede. Abgeordneter v. Hagen feierte in einem Toast den Papst und den Kaiser.
Nerrefte Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
WiSby, 17. Juli. Nachdem daS Wetter sich gestern zum Abend in schönster Weise aufgeklärt hatte, so daß Seine Majestät der Kaiser mit Umgebung den Gesangsvorträgen am Lande, wie vor zwei Jahren, beiwohnen konnte, ist eS b^ute früh wieder trübe und regnerisch. Programmgemäß erfolgte heute früh 9^/z Uhr die Weiterreise nach Hernösand.
Sofia, 17. Juli. Die „Swoboda" gibt eine Darstellung von dem Attentat auf Stambulow', welche mit den bereits gemeldeten Berichten über dasselbe übereinstimmt. DaS Blatt spricht jedoch nur von drei Angreifern und be- dauptet, Petkow habe 10 Minuten bei dem am Boden liegenden Stambulow verbleiben müffen, ohne Hilfe zu erhalten. Das Blatt macht den Prinzen Ferdinand und die Regierung für das Attentat verantwortlich, da sie Stambulow nicht habe abreiseu lasten.
Depeschen bc8 Bureau .Herold*.
Berlin, 17. Juli. Der „Localanzeiger" meldet aus Sofia: Der Minifterrath beschloß umfangreiche Maßregeln, um die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten, die durch daS Attentat auf Stambulow und zahlreiche Drohbriefe, unter Anderem auch gegen RadoSlawow bedroht erscheint. Petrow soll im Minifterrath erklärt haben, wenn die Mörder nicht entdeckt und festgenommen würden, würde er auf eigene Faust den Belagerungszustand proclamiren.
Berlin, 17. Juli. In einer Unterredung, welche Stambulow mit einem ungarischen Staatsmanne vor nicht langer Zeit gehabt hat, bezeichnete Stambulow den Minister Natschevtc als seinen ärgsten Feind, den er für fähig halte, Mörder gegen ihn zu dingen.
Berlin, 17. Juli. Aus Macedonien laufen un» günstige Nachrichten ein. Viele Aufständische wurden gehenkt.
Wien, 17. Juli. Nach Meldungen aus Karlsbad beauftragte Fürst Ferdinand den Grafen ForaS, der Frau Stambulow sein tiefstes Beileid auszudrücken. Frau Stambulow ließ ihn indeß nicht vor, sondern wies jede Bezeugung der Theilnahme von Seiten des Fürsten Ferdinand zurück.
Wien, 17. Juli. Die „N. Fr. Pr." meldet aus Sofia, Stambulows Kawaß, Namens Guntcho, fei ein ehemaliger gemeiner Mörder, den Stambulow seiner Zeit begnadigte und in seine Dienste nahm. Als der Kawaß mit dem Revolver in der Hand dem flüchtigen Mörder nachlief und Schüsse auf ihn abfeuerte, glaubten die Gensdarmen, er habe den Flüchtling überfallen und wolle ihn erschießen, weshalb sie ihn festnahmen.
Karlsbad, 17. Juli. In der Umgebung des Fürsten Ferdinand weist man mit Entrüstung den Verdacht zurück, daß die Beseitigung Stambulows dem Fürsten und seiner Regierung wegen der angebahuten befferen Beziehungen zu Rußland erwünscht sei. Stambulow sei lediglich daS Opfer einer privaten Rache, was die gerichtliche Untersuchung auch ergeben werde.
Rom, 17. Juli. DaS Attentat auf Stambulow ruft hierselbft große Entrüstung hervor, die in den Blättern aller Parteirichtungen zum Ausdruck kommt. „Tribuna" und „Rtforma" constatiren, daß Bulgarien durch derartige Scenen die Achtung aller Culturvölker verliere. Noch härter drückt sich das officielle „Giornale" aus, deffen Leitartikel mit den Worten schließt: Der Stoß, der Stambulow traf, kam von Rußland.
London, 17.Juli. Die Niederlage der Liberalen wird mit jedem Tage drohender. Einer der gewählten Liberalen wird voraussichtlich zurücktreten, um die Wahl von Harcourt dadurch zu ermöglichen.
London, 17. Juli. Bisheriges Wahlresultat: 239 Unionisten, 51 Liberale, 6 Parneüiten, 19 Antiparnelliten und 1 Arbeiterparteiler.
London, 17. Juli. Die „Daily News" veröffentlichen einen heftigen Artikel gegen Rußland, worin Letzteres beschuldigt wird, daS Attentat auf Stambulow ver
ursacht zu haben. Trotzdem werde die russische Regierung ebenso entrüstet thun, wie das gejammte Central-Europa. DaS Blatt meint, es gäbe noch gewiffe Regierungen, welche weder vor dem Dolch noch vor Gift zurückschrecken.
Daily Chronicle" schreibt, daß Czar NicolauS über diesen Mordanfall entrüstet sein dürfte. Wenn Fürst Ferdinand daS Leben seiner Unterthanen nicht beffer zu schützen vermöge, so müffe Europa Bulgarien einen Nachfolger geben, welcher regelrecht gewählt wird. — Die „Morning Post" sagt: „Wenn Bulgarien seine Autonomie bewahren will, so muß Fürst Ferdinand größere Vorsicht an den Tag legen!"
Sofia, 17. Juli. Das Befinden Stambulows ist nach den neuesten Nachrichten hoffnungslos. Seine amputirten Hände werden in Spiritus aufbewahrt. Condolenzdepeschen sandten: der Kaiser von Oesterreich, der König von Italien, Prinz Heinrich von Battenberg usw. In diplomatischen Kreisen herrscht gegen die Regierung eine äußerst erbitterte Stimmung.
Sofia, 17. Juli. Der Gesundheitszustand Stambulows war in der Nacht beffer. Ein Bulletin sagt: Der Herzschlag ist kräftiger geworden. Stambulow ist im vollen Besitz seiner geistigen Fähigkeiten. Die Körper- Temperatur beträgt 37 Grad. Gestern wurde an Stambulow eine Amputation vorgenommen, wobei dieser Schmerzen empfand, während er nach dem Ausspruch der Aerzte den Ausdruck eines gefühllosen CadaverS machte.
Sofia, 17. Juli. Der österreichisch-ungarische Vice- Consul begab sich im Auftrage des Ministers des Aeußern, Goluchowski, zu Frau Stambulow und übermittelte dieser das tiefste Beileid des Kaisers Franz Josef. Für den Beweis dieser Theilnahme sprach Stambulow selbst seinen Dank aus. Aus ganz Bulgarien laufen zahlreiche BeileidS- depeschen ein.
WB. Sofia, 18. Juli. Die „Agence balcanique" meldet: Das gestern Abend 6 Uhr ausgegebene Bulletin über daS Befinden Stambulows lautet ungünstig; eine Wunde zeigt Brandsymptome- die Temperatur ist auf 39 Grad gestiegen.
WB. Sofia, 18. Juli. Stambulow ist heute Morgen um 3 Uhr 35 Min. gestorben.
WB. Sofia, 18. Juli. Stambulow lag seit gestern Abend 10 Uhr in Agonie, ohne ein Wort zu sprechen. Einige Vertreter ausländischer Mächte waren bei seinem Tode anwesend.
Der Krieg von 1870|71,
geschildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verbotm.)
19. Juli.
Die französische Kriegserklärung lautet:
„Der unterzeichnete Geschäftsführer Frankreichs hat in Ausführung der Befehle, die er von seiner Negteruna erhalten, die Ehre, folgende Mitthetlung zur Kenntniß Seiner Excellenz des Herrn Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Seiner Majestät des Königs von Preußen zu bringen. Die Regierung Seiner Majestät des Kaisers der Franzosen, indem sie den Plan, einen preußischen Prinzen auf den Thron von Spanien zu erheben, nur als ein gegen die territoriale Sicherheit Frankreichs gerichtetes Unternehmen betrachten kann, hat sich in die Nothwendtgkett versetzt gefunden, von Seiner Majestät dem Könige von Preußen die Versicherung zu verlangen, daß eine solche Combtnation sich nicht mit seiner Zustimmung verwirklichen könnte. Da Seine Majestät der König von Preußen sich geweigert, diese Zusicherung zu erthellen, und im Gegenthetl dem Botschafter Seiner Majestät des Kaisers der Franzosen bezeugt hat, daß er sich für diese Eventualität, wie für jede andere die Möglichkeit vorzubehalten gedenke, die Umstände zu Rathe zu ziehen, so hat die kaiserliche Regierung in dieser Erklärung des Königs einen Frankreich ebenso wie das allgemeine europäische Gleichgewicht bedrohenden Hintergedanken erblicken müffen. Diese Erklärung ist noch verschlimmert worden durch die den Cabineten zugegangene Anzeige von der Weigerung, den Botschafter des Kaisers zu empfangen und auf irgend eine neue Auseinandersetzung mit ihm einzugehen. Infolge dessen hat die französische Regierung die Verpflichtung zu haben geglaubt, unverzüglich für die Perthetdigung ihrer Ehre und ihrer verletzten Jntereffen zu sorgen, und entschlossen, zu diesem Endzweck alle durch die ihr geschaffene Lage gebotenen Maßregeln zu ergreifen, betrachtet sie sich von jetzt an als im Kriegszustände mit Preußen. Der Unterzeichnete hat die Ehre, Sr. Excellenz u. f. w. seine hoch- achtungsvolle Ergebenheit zu versichern, (unterzeichnet) Le Sourd. Berlin, 19. Juli 1870.
Die französische Kriegserklärung wurde im Reichstage durch BiSrnarck mitgetheilt. Er fügte hinzu: „ . . . Wir werden nach dem Beispiele unserer Väter für unsere Freiheit und für unser Recht gegen die Gewalt fremder Eroberer kämpfen und in diesem Kampfe, in dem wir kein anderes Ziel verfolgen, als den Frieden Europas dauernd zu sichern, wird Gott mit uns sein, wie er mit unseren Vätern war."
Gießen, den 18. Juli 1895.
♦ ♦ Neues Theater. Auf die morgen Freitag hier zum erftenmale stattfindende Aufführung von Zellers neuester Operette „Der Obersteiger" machen wir nochmals aufmerksam.
* ♦ DaS neue Einkommensteuergesetz wird in Nr. 20 des Großh. Hess. Regierungsblattes veröffentlicht. ES füllt 24 Seiten des Blattes und ist vom Großherzog in London vollzogen worden. Bekanntlich tritt das Gesetz am 1. April 1896 in Kraft.
* • Verhaftet. Ein Arbeiter wurde gestern verhaftet, weil er im Verdacht steht, seinem Schlafcollegen mittelst Erbrechens des Koffers 10 Mk. entwendet zu haben.
* * Schwindelei. Einem Fuhrknecht von hier gesellte sich dieser Tage in Atzbach ein angeblicher Reisender einer Gießener Firma zu und gab ihm auf, seiner Firma aus- zurichten, daß er ohne Geld sei, man möge ihm solches nach Atzbach schicken. Nachdem der Fuhrknecht versprochen, den Auftrag auszuführen, kam dem angeblichen Reisenden eine andere Idee. Er sprach den Knecht um ein Darlehen von 2 Mk. an, das ihm dieser nicht allein gewährte, sondern ihn auch noch auf seinem Wagen mit nach Gießen nahm. Hier entfernte er fich mit dem Versprechen, den geliehenen Betrag
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alsbald zu schicken. Als baß Geld aber außblieb, hielt der Fuhrknecht Nachfrage und stellte eS fich heraus, daß er einem Schwindler in die Hände gefallen war. Hoffentlich gelingt eß der Polizei bald, den Burschen unschädlich zu machen, man ist ihm auf der Spur.
** In den Tagen der herannahenden größten Hitze darf die vermehrte Pflege unserer HauSthiere durch öftere 93 er« sorgung mit frischem Wasser, Bewahrung vor der unmittel» baren Einwirkung der Sonne rc. allen Besitzern und Freunden unserer Mitgeschöpfe bestens empfohlen werden. Insbesondere erschiene es verdienstvoll, an Springbrunnen, Systemen rc. - unseren gefiederten Sängern durch Einlegen eines einfachen Lattenrostes die Erfrischung des in den Floßrinnen nicht mehr, erhältlichen WafferS gefahrlos zugänglich zu machen.
(D Alleudorf a. d. Lba.. 17. Juli. Zwecks Coustitui* rung eines Bienenzüchter-Vereins für unsere Gegend findet nächsten Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, in der Otto- scheu Wirtschaft dahier eine Versammlung statt, in welcher von Herrn Lehrer Luzius - Keffelbach über die Beweggründe zur Gründung des neuen Vereins einleitend referirt werden wird. Der vorige Sommer und der letzte Winter waren für. die meisten Bienenzüchter äußerst deprimirend- um so höher jedoch wurde der gesunkene Muth der Imker wieder gehoben durch reichliche heurige Tracht eines sehr beücaten Honigs. Die genannte Versammlung dürfte auch für manchen Nicht-Imker von Interesse sein.
§ AuS de« Kreis Alsfeld, 17. Juli. Obgleich die- Frühkartoffeln bereits ihrer Reife entgegengehen, ist das Bedürfnis nach alten Speisekartoffeln noch ein um diese Zeit ungewöhnlich starkes. Selbst die Auffahrt an Kartoffeln auf dem allsamstäglichen Fruchtmarkt zu Grünberg genügt nicht, die Nachfrage danach zu befriedigen, so daß Fuhrleute extra in die Wetterau fahren und dort Kartoffeln holen. Daß unter diesen Umständen die Preise für Kartoffeln in die Höhe gehen, ist leicht erklärlich. So kostet eben der Zentner durchschnittlich 4 Mark bis 4,25 Mark. Das starke Faulem der Kartoffeln in den Kellern hat die Kartoffelvorräthe über Erwarten zusammenschrumpfen lassen, sowie auch der starke Verbrauch an Kartoffeln durch die allerwärts im Schwung stehende Schweinezucht. —Die gegenwärtig durch den Kreis« Feuerwehrinspector vorgenommenen Jnspectionen der neu gebildeten Ortsfeuerwehren lassen allgemein den Fortschritt in der Ausbildung des Feuerlöschwesens deutlich erkennen. Wenn auch noch rüstig weiter gearbeitet werden muß, um die Ausbildung der Mannschaften auf den Grad zu bringen, den eine richtige Wehre besitzen muß, so ist doch bereits an die Stelle des alten Schlendrians, der planlos zu Werke ging, ein neuer Geist getreten, der sein Bestreben, der Feuerwehrdevise: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!" nach Kräften nachzukommen, deutlich zu erkennen giebt.
Kleiu-Krotzenburg, 16. Juli. Heute Nachmittag gegen 5 Uhr wollte der 60jährige Bäckermeister Matthäus Räh hier von einem hoch geladenen Kornwagen steigen. Infolge eines Fehltrittes stürzte er jedoch so unglücklich, daß « bewußtlos vom Platze getragen werden mußte. Ohne ta» Bewußtsein wieder erlangt zu haben, starb der Mann tiut halbe Stunde nach dem Sturze.
Laugen, 16. Juli. Die unlängst vorgenommene Berufs- und Gewerbezählung hat für Langen folgendes Resultat ergeben: Gesammt-Einwohnerzahl 4848, dabei 2417 männliche und 2431 weibliche Personen; Haushaltungen sind es 1048, LandwirthschaftSkarten wurden 776 und Gewerbebogen 127 ausgefüllt.
Groß Zimmem, 16. Juli. Gelegentlich deS vorgestern hier abgehaltenen Sängerfestes ereignete sich ein Unglü ckS- fall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Eine Frau au» Dieburg wollte aus dem im Gange befindlichen Caroussel. springen, fiel aber so unglücklich, daß sie sofort eine Leiche war. Der Besitzer des CarousselS mußte den Betrieb sofott einstellen.
△ Mainz, 17. Juli. In der Angelegenheit der Verstaatlichung der Ludwigsbahn fand heute wieder eine längere Sitzung des VerwaltungSrathS der Gesellschaft statt. Was verhandelt und beschloffen wurde, bleibt vorerst wieder Geheimniß. Da die außerhalb Mainz wohnenden Mitglieder, der Verwaltung per Telegraph zu der Sitzung beschieden wurden, dürfte indeß Belangreiches vorgelegen haben. — Ohne die geringste Gewähr für die Richtigkeit zu übernehmen, sei hier auch ein Gerücht erwähnt, daS sowohl in Darmstadt, wie auch hier vor einigen Tagen circulirte. Da» Gerücht geht dahin, daß wieder erfolgversprechende Verhandlungen mit der Regierung angebahnt seien, deren Entstehung indeß weder hier noch in Darmstadt, sondern in dem Bade Kissingen zu suchen wären, wo eine Besprechung zwischen dem Staatsmiuister Finger und dem Specialdirector der Ludwigsbahn, Geheimerath Reinhardt stattgefunden hätte. Soweit das Gerücht. Thatsache ist, daß beide genannten Personen zur Kur in Kissingen weilten und sich Staats- Minister Finger noch dorten befindet, während Special- blrector Reinhardt wieder seit einiger Zeit hier ist.
△ Mainz, 17. Juli. Die Mitglieder der hier bestandenen, vor einiger Zeit aber verkrachten „Deutschen Vieh-VersicherungS-Anstalt" — meistens Landwirthe aus der Umgegend von hier und Wiesbaden — haben ihre Mitgliedschaft an der genannten Anstalt nachträglich noch theuer zu bezahlen. Abgesehen, daß die eingelegten Prämien vollständig verloren sind, haben fich bei der gegenwärtig statt- findeuden Liquidation eine ganze Masse Veruntreuungen und Unregelmäßigkeiten gezeigt, die eine Regreßnahme an viele Mitglieder nothwendig machen. Nicht weniger wie achtzig Prozesse find anhängig gegen ehemalige Mitglieder der Gesellschaft, die sich weigern Rück- und Nachzahlungen zu leisten. — Wegen beträchtlicher Unterschlagungen unb Urkundenfälschungen ist gestern Abend der bisher unbescholtene Kassierer eines großen Kranken- und Sterbevereins hier verhaftet worden.


