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Nr 41 Erstes Blatt. Sonntag den 17. Februar
1893
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Amtlicher Theil.
Mro. 6 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 12. d. M., enthält:
(Nro. 2213). Bekanntmachung, betreffend eine neue Fassung der Anlage B. zur Verkehrs Ordnung für die Eisenbahnen Deutschlands. Vom 9. Februar 1895.
(Nro. 2214). Bekanntmachung, betreffend eine neue Vereinbarung erleichternder Vorschriften für den wechselseitigen Verkehr zwischen den Eisenbahnen Deutschlands einerseits und Oesterreichs und Ungarns andererseits. Vom 9. Febr. 1895.
Gießen, den 16. Februar 1895.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Taschen« messer, 1 Uhrständer, 1 Buch, 1 Meißel. 1 Spannkette, 1 Peitsche, 1 Deckel einer Milchkanne, 1 Löffel und 1 Hundemaulkorb.
Gießen, den 16. Februar 1895.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Wolff, RegierungS - Assessor.
Deutscher Reichstag.
88. Sitzung. Freitag, den 15. Februar 1895.
Antrag, bett, die Münzconkerenz.
Abg. Graf Mirbach (cons.) bezeichnet als Referent eine internationale Einigung über das WerthverhSltniß zwischen Gold und Silber als ei wünscht und führt aus, hiermit auf dem Boden der Erkiäiurg der Retchtzregterung auf der Pariser Munzconfernz von 1883 zu stehen. Für die Landwirthschast unb die Industrie sei diese Frage von großer Bedeutung bezüglich der Valuta Differenzen. Redner verbreitet sich dann eingehend über den Umfang der Gold, unb Stlberproduction. In Amerika seien die Zustände unhaltbar, obwohl man wünschen müßte, daß sie so bleiben. Der Augenblick sei gekommen, um durch eine internationale Conserenz die Sache richtig in d e Wege zu leiten.
Abg. Barth (irs, Vg.) glaubt, daß Mancher den Antrag unterzeichnet habe, der nicht Bimetallift sei. Diese Herren macht Redner darauf aufmerksam, daß die Welt einen falschen Begriff von dem bekäme, was die Mehrheit der deutschen Volksvertretung wolle. 1881 hätte sich d'e Regierung entschieden gegen die Aufhebung der Goldwährung verwahrt, ebenso später auf der Brüsseler Conferenz. Die Antragsteller kämen schon wieder mit dem Verlangen nach einer Konferenz der Regierung, jedoch auch diesmal ohne ihr Vorschläge zu machen. Deutschland habe gar keine Beranlasiung, eine Einladung zu einer Münzconferenz ergehen zu lassen. Redner bittet um Ablehnung des Antrages, da sonst eine schwere Beunruhigung bei den Kapitalistin etntreten dürste.
Abg. Graf Herbert Bismarck (fractionslos) tritt dem Vorredner entgegen, indem er erklärt, einen Mangel an Initiative habe die Regierung bet den früheren Konferenzen nickt gezeigt; in Brüssel sei eine Verständigung nur deswegen nicht erfolgt, weil die Regierung keine festen Instructionen gehabt habe. Auf jeden Fall müßten stabile Derbältmsse g. schaffen werden, selbst wenn die heutige Generation daran zu Grunde ginge.
Abg. Dr. SchSnlank (Soc.) hätte gern gesehen, daß sich Gras Bismarck nach seinem Vater gerichtet hätte; dieser sei viel klüger als sein Sohn und hatte niemals den Einfall, an der Goldwährung zu tasten.. Redner eik ärt, mit allen Kräften gegen die Einführung des Bimetallismus kämpfen zu wollen, weil er im anderen Falle eine jede Lohnerhöhung lür den Arbeiter nur als nominell ansieht. (Bel Beginn der Schönlank'schen Rede verltißm die Conservativen und Reichsparteiler demonstrativ den ©aal).
Abg. Lieber (Centr.) erbittet eine Eiklärung des Reichskanzlers über den Antrag. Reichskanzler Fürst Hohenlohe äußert sich wie folgt: Ich werde Ihnen die von Herrn Lieber gewünschte Erklärung nickt vorenthalten, ich habe sie sorgfältig ausgearbeitet und hoffe, daß Sie dieselbe wohlwollend entgegennehmen werden. Die Erklärung lautet: „Ohne unsere Reichswährung zu präjudlciren, muß man zugestehen, daß die Zustände mit dem zunehmenden Werthunter schiede zwischen den beiden Münzmetallen auch auf unser Erwerbsleben eine nachhaltige Wirkung ausüben. Im weiteren Verfolg der Gedanken, die bei Einrufung der Silber-Enquete maßgebend waren, bin ich geneigt, mit den verbündeten Regierungen in Erwägung zu ziehen, ob nicht bezüglich einer anberroetten Bewerthung des Silbers mit den anderen Staaten in freundschaftlichen Meinungs- auStau'ch über gemeinsame Maßregeln eingetreten werden könne".
Welterberatbung morgen 1 Uhr.
Neueste Nachrichten.
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 15. Februar. Gegenüber der Meldung des ,VorwärtS", wonach bei der schriftlichen Abgangsprüsung der Ca betten in Lichterfelde Durchstechereienstattgefunden hätten und deshalb eine Zurückberufung zu nachmaligem Examen erfolgt sei, constatirt die „Nordd. Allg. Ztg., daß bet 16 Arbeiten übereinstimmende Fehler sich herauSstellten, weshalb die PrüsungScommiision die Wiederholung der schriftlichen Prüfungen sämmtlicher Examinanden unter Verschärfung der Aufsicht anordnete. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge Aar die Zurückberufung nothwendig. Ganz haltlos seien aler die Versionen, daß socialdemokratische Tages
literatur in die Eadettenanstalt zu Lichterfelde eingeführt worden sei.
Berlin, 15. Februar. Heute fand die constituirende Versammlung deS Centralverbandes deutscher Brauereien gegen BerrufSerkl ärungen statt. ES traten die größten Städte Norddeutschlands bei. Als Vorort wurde Berlin, zum Vorsitzenden Generaldirector Rösicke gewählt.
Berlin, 15. Februar. D'e „Voss. Ztg." meldet auS , Belgrad: Der Socialiftenführer Vasa Pelagitsch, ehemals Arch-mandnt von Banjaluka, wurde gestern verhaftet und durch Gendarmen der Metropolie zugesührt, wo er in 1 Anwesenheit der Geistlichkeit durch den Metropoliten Michael 1 der Priesterwürden entkleidet wurde.
Düsseldorf, 15. Februar. Der Schiffsverkehr zwischen : beiden Ufern ist wieder ausgenommen. DaS Treibeis geht ; flott vorbei. Unterhalb Düsseldorf hat sich das Rheineis an i verschiedenen Orten gestellt. Die Peqelhöhen der gesammten ! Mittelrheinstattonen zeigen geringes Steigen.
Hamburg, 15. Februar. Bei den Bürgerschafts- ; wählen unterlagen die be den Sociallsten. Die Zusammensetzung der Fractionen ist fast unverändert.
Lübeck, 15. Februar. Der Senat hat die beantragte 1 Einführung einer Lübecker Staatslotterie abgelehnt.
Lübeck, 15. Februar. Schneeverwehungen haben große Zugsverspätungen und Betriebsstörungen auf den mecklen- ' burgischen Bahnen hervorgerufen. Der Eisbrecher „Trave" macht gute Fortschritte, es ist Hoffnung vorhanden, den arg gefährdeten Dampfer „Newa" zu erreichen.
Arco, 15. Februar. Das heutige Bulletin über das Befinden deS Erzherzogs Albrecht lautet: Fieber gegen ; Nacht gewichen, häufiger Husten, Temperatur 37.2. Die i Kräfte sind befriedigend.
Loudon, 15. Februar. Bryce theilte im Unterhaus mit, er habe ein Telegramm aus Lowestoft erhalten, daS besage, der Capitän der „Free Lance" habe berichtet, ein Mast von dlm Wrack der „Elbe" sei über Wasser sichtbar. Das Telegramm sagt nicht, ob der Mast in aufrechter Stellung ist. ;
WB. Berlin, 16. Februar. Der „Deutschen Tagesztg." j ! zufolge ernpiängt der Kaiser heute eine Abordnung des Vorstandes vorn Bunde der Landwirthe, bestehend auS den Herren: Plötz, Rösicke, Suchsland, Lutz Bayern, Ketteler-Westfalen, Lucke-Hessen, Düring Mecklenburg. — | Der „Kreuzzeitung" zufolge tagt am Dienstag den 19. d. M. in Berlin der neubegründete deutsche Bimetallisten- i ! bunb. Es werden Reden halten: Kardorff, Aveudt, Mirbach, s Fabrikbesitzer Wülfing. j
WB. Berlin, 16. Februar. Der Kaiser hütet wegen | Schnupfens das Zimmer. Der für heute angesetzte Empfang ' der Deputation des Bundes der Landwirthe ist abbestellt.
△ Mainz, 16. Februar. Die gestrigen comwissarffchen 1 Verhandlungen wegen der Ludwigsbahn deuten darauf j hin, daß eine baldige Verstaatlichung noch nicht zu : erwarten ist.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 15. Februar. Wegen der gegenwärtigen ungünstigen Schifffahrtsverhältnisse wird die Reise deS Kaisers nach Wilhelmshaven, welche auf Sonntag angesetzt war, auf einige Zeit hinausgeschoben.
Berlin, 15. Februar. In der Budget-Commission ( deS Reichstags wurde heute die Berathung des Extra- ; ordinariums des württ embergiscd en Militär- • etatS beendet. Die gestern abgebrochene Debatte über die ! Forderung vou 9 Millionen Mark zur Erwerbung eines ■ Truppenillmugsplatzes für das württembergische Armeecorps ! wurde fortgesetzt. Die Abgeordneten Gröber (Centrum) und . v. Massow (deutschconservativ) beantragen heute, statt der ’ geforderten 9 Millionen nur 5 Millionen zu bewilligen. ■ Abg. Richter spricht seine Ueberraschung über das so plötzlich ' entstandene Compromiß auS und stellt den Eventual Antrag, für den Fall der Annahme des Gröber'schen Antrages die i Summe auf den außerordentlichen Etat zu übernehmen. Unterstaatösccretär im Rcichsschatzamt, Aschenborn, warnt vor ; der Belastung des Extra Ordinariums. Bei der Abstimmung wird der Antrag auf Bewilligung von nur 5 Millionen angenommen , dagegen der Antrag Richter mit 15 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Der Rest deS Etats wiro genehmigt.
Berlin, 15. Februar. Die Reichstags Commission für ! die Umsturzvorlage ist heute in die Spccialberalhung \ deS § 112 eingetreten. Derselbe handelt von der Verleitung • des Soldateuftandes. In der Debatte traten neue Gesichts
punkte nicht mehr hervor. Bei der Abstimmung wurde zunächst der Absatz 1 in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen; dieser Absatz weicht von der bisherigen Fassung nur insofern ab, als er auch Denjenigen mit Strafe bedroht, welcher einen Angehörigen des Landsturms auffordert oder anreizt, der Einberufung nicht Folge zu leisten. Absatz 2 und 3 der Regierungsvorlage werden mit 16 gegen 12 Stimmen abgelehnt. An Stelle dieser beiden Absätze wurde folgende vom Centrum vorgeschlagene Fassung mit 17 gegen 11 Stimmen angenommen:
„Wer in der Absicht, die militärische Zucht und Ordnung zu untergraben, durch Wort, Schrift, Druck oder Bild gegenüber einem Angehörigen des activen HeereS oder der Marine daS Heer oder die Marine oder Einrichtungen derselben verächtlich macht ober zur Verletzung der auf die Verwendung der bewaffneten Macht im Frieden ober im Kriege sich beziehenber militärischen Dienst- pfl'chten aufforbert ober anreizt, wirb, soweit bas Gesetz nicht eine anbere Strafe androht, mit Gefängniß biß zu drei Jahren bestraft."
Die Gesammtabstimmung ergibt die Annahme des § 112 mit 18 gegen 10 Stimmen.
Berlin, 15. Februar. Die Wahl prüfun gS-Com- Mission deS Reichstags beschloß heute einstimmig, im Plenum die Ungi lt ig ke i t s erk l är u ng der Wahlen der Abgeordneten König-Witten, Rinteln Hofgeismar zu empfehlen, da der Lanbrath deS Kreises Rinteln den Termin zur Stichwahl zu spät publi<5rt hat.
Berlin, 15. Februar. Im preußiscben Landtage wurde heute der Etat des Ministeriums des Innern derathen.
Berlin, 15. Februar. Der ReichötagSabgeorbnete Liebermann von Sonnenberg iheilt mit, baß die Gerüchte von einem beabsichtigten ober bevorstehenben Duell mit bem Abgeordneten Böckel gänzlich unbegründet sind. Da mir, schreibt Herr Liebermann, seit Jahren aus Herrn Böckels eigenem Munde die Thalsache bekannt ist, daß er grundsätzlich daS Duell verwirft, so konnte ich gar nicht, ohne mich einer Geschmacklosigkeit schuldig zu machen, dem Genannten eine Forderung schicken.
Breslau, 15. Februar. In der „Königin Luise-Grube" zu Zabrze hat eine Explosion stattgefunden. 14 Bergleute sind verunglückt, gegen 10 wurden tödtlich verletzt zu Tage gefördert.
Stuttgart, 15. Februar. Das Resultat der gestern erfolgten Stichwahlen ist folgendes: Es erhielten die Volkspartei 14, die Landespartei 3, die deutsche Partei 3, daS Centrum 2 Sitze- ferner erhielten je einen Sitz die Conservativen und Solialdemokraten, sowie ein Wilder. Hegelmaier Heilbronn ist unterlegen, Miitnacht-Mergentheim unb Hohl Gelslingen sinb gewählt. Die socialdemokratische Eroberung ist der Wahlbezirk Cannstatt. Das Stimmen- verhältniß im kommenden Landtage zwischen den Parteien ist nunmehr folgendes: Volköpartei 31, Centrum 18, deutsche Partei 10, Landeöpartei 4, Konservative 1, Wilde 4 unb Socialbemokratie 1. ES bleibt nur noch das Resultat der heute stattfindenden Stichwahl zwischen der deutschen Partei und der Socialdemokcatte In Stuttgart abzuwarten.
Wie», 15. Februar. In einer Meldung der „Polit. Corresp." aus Petersburg wird nochmals hervorgehoben, daß sich Rußland allzuweit gehenden Forderungen Japans, besonders aber der Annection Koreas oder eines Theiles der Mandschurei, kategorisch widersetzen werde. Es werde höchstens der Besitzergreifung der Insel Formosa und einer hohen Kriegsentschädigung zustimmen, bis zu deren Entrichtung Japan einige chinesische Häfen besetzt halten könne.
Wien, 15. Februar. Wie die „N. Fr. Pr." aus Petersburg erfährt, sei Fürst Lob an off nun doch zum Nachfolger des Herrn v. GierS ausersehen- er befinde sich bereits auf dem Wege nach Wien, um binnen Kurzem sein Abberufungsschreiben zu Überreichen. Alsdann werde er direct nach Petersburg zurückkehren. Schischkin werde voraussichtlich Botschafter in Konstantinopel werden. Ueber die Verwendung NelidoffS sei noch kein definitiver Beschluß gefaßt worden.
Paris, 15. Februar. Frankreich, Holland, Deutschland, Portugal, Schweden und Rußland sind übereingekommen, ein internationales Reglement zur Verhütung von Zusammenstößen auf dem Meere auszuarbeiten. Oesterreich, Italien unb England haben Zustimmungen bisher noch nicht gegeben, doch werden dieselben erwartet.j
Loudon, 15. Februar. Auf dem Dampfer „Prinzeß Elisabeth" ist gestern Abend durch das Umfallen einer Petroleumlampe Feuer anSgebrochen. In kurzer Zeit stand der vordere Theil des Schiffes in hellen Flammen. ES ge»


