Neueste Nachrlchten.
WolffS telegraphische« Corrtspondens-BureaL
Berlin, 11. Januar. Bei dem Abschiedsdiner des Offiztercorp« des Kaiser Alexander - Regiments für Gras Schuwalow toastete der Kaiser auf den RegtmentSchef Kaiser Nikolaus und Schuwalow auf den Kaiser Wilhelm. Die russische und preußische Nationalhymne begleitete die Toaste. Nach weiteren An'prachen toastete der Kaiser Namens deS Offiziercorps auf Graf Schuwalow als Regimentskameraden, dessen Scheiden für Alle schmerzlich sei und pnes ihn als Sieger von Ph'lippopel und Erstürmer der Feste Arabkonak. Tiefbewegt toastete Schuwalow nochmals auf den Kaiser Namens des Czaren.
Berlin, 11. Januar. Dor der 1. Strafkammer des Landgerichts kam heute der Wucherproceß gegen den Kaufmann Heinrich GrebS und den Seifenhändler Eugen Vogel zur Verhandlung. Ersterer wurde des gewerbs-und gewohnheitsmäßigen Wuchers in zehn Fällen schuldig befunden und zu 23/< Jahren Gefängniß, 5000 Mk. Geldstrafe und öjährigem Ehrverlust verurtheilt. Vogel wurde frei- gesprochen.
Wilhelmshaven, N. Januar. Zum wirksamen Schutz der Nordseeftscherei sollen dem Vernehmen nach auch das Wacht- und Maschinen - Schulschiff, die Torpedoboote und die bei Helgoland stationirten Wachtboote herangezogeu werden.
Triest, 11. Januar. Das slovenische Blatt „Edinost" veröffentlicht eine Zuschrift der vier slovenischen Ab- geordneten des Triester Landtags an den Bürgermeister Pitterie, in der erklärt wird, sie würden von den Landtagsverhandlungen fernbleiben, weil sich die compacte italienische Mehrheit gegenüber den Jnterrffen der slovenischen B völkerung principtell ablehnend verhalte und weil sie im Landtage Insulten von Seiten der Galerien schutzlos ausgesetzt seien.
Paris, 11. Januar. Aus Tamat ave wird gemeldet: Die französischen Kreuzer und Landbatterien bombardirten am 28. Dec mber Tamatave und die umgebenden FortS und richteten beträchtlichen Schaden an. Die Geschütze der HovaS erwiderten das Feuer, verursachten indeffen keinen Schaden und wurden alsbald zum Schweigen gebracht. Der Kreuzer Primongnet" ist am 29. Deccmber abgegaogeo, um Majunga z« besetze«. ______________
Locale, un» provinzielle».
Sieben, den 12. Januar 1895.
♦♦ 6t. Sxeelleuz Staatsminister Finger, welcher morgen (Sonntag) tie Feier seines 70. Geburtstages begeht, widmete die Großherzogl. Landesuniverfität ein prachtvoll anS- gestattetes Diplom, die einzelnen Facultäten ehrende Glückwunschschreiben. Wir werden über diese Ehrung Sr. Excellenz noch eingehender berichten.
♦» NeneS Theater. Nachdem das Bestreben des Herrn ReinerS, dem hiesigen Theaterpublikum stets Neues und Gutes zu bieten, uns vor Kurzem die Bekanntschaft mit de« Schlier seeer Bauerntheater vermittelt hat, wird eS unS am nächsten Montag einen hohen Kunstgenuß anderer Art verschaffen. Wie wir schon gestern mittheilten, ist eS der Direction Reiners gelungen, Herrn Dr. Pohl au« Berlin zu einem Gastspiel zu gewinnen. Für sein erstes Auftreten hat der bedeutende Darsteller „Wohlthäter der Menschheit" von Felix Philippi gewählt. Diese Wahl ist insofern für unS eine befonderS glückliche, als sie Herrn Dr. Pohl in einer seiner besten Rollen zeigen und uns ein Stück vorführeu wird, daS überall den größten Erfolg errungen hat. Der Inhalt des dreiactigen Schauspiels, daS mit zu den besten Erzeug- niffen der neueren Bühnenliteratur gehört, ist kurz folgender. Der Geheimrath von Fortenbach, der Leibarzt eines Herzogs und als medicinische Autorität ersten Ranges anerkannt, hat bei einer schweren Eikrankung seines Herrn eine falsche Diagnose gestellt und demnach auch die Behandlung deS Patienten verfehlt. Seine Eitelkeit verschließt sich aber der besseren Einsicht und läßt ihn auf seinem Jrrthum beharren, auch als er diesen erkennt. Der Erbprinz, durch daS Ausbleiben der immer wieder verheißenen Befferung im Befinde« seines Vaters aufs höchste beunruhigt, veranlaßt eine Untersuchung des Kranken durch den Schwiegersohn ForteubachS, Dr. Martins, der wegen seiner liberalen Anschauungen „der rothe Doctor" genannt und von seinem Schwiegervater an jedem Emporkommen gehindert wird. Dr. Martius, der erst nach langem Widerstreben dem Drängen des Erbprinzen nachgegeben hat, gelangt durch die Untersuchung zur Ueberzeugung, daß der Kranke gänzlich falsch behandelt worden und mm rettungslos verloren ist, daß er aber hätte gerettet werden können, wenn Fortenback dem Urtheile eines vor Wochen zu Rathe gezogenen auswärtigen ProfefforS nachgebend zur Operation geschritten wäre. Auch jetzt noch beharrt der Geheimrath auf seinem Jrrthum. Als aber der Eibprinz von ihm und MarttuS schriftliche Gutachten für das Staatsarchiv einsordert, sucht er durch Versprechungen seinen Schwiegersohn von der Abgabe des Gutachtens abzuhalteu. In dieser Unterredung entdeckt Dr. MarttuS, daß Fortenbach auf seinem Standpunkt beharrt, obgleich er sich seines Jrrthums bewußt ist. Aber auch die Aussicht, durch ein Zurückbehalten des Gutachtens die Ehre seines Schwiegervaters zu retten, kann den ehrlichen charactersesten Mann nicht vom Wege der Pflicht abbringen. Auch die Bitten, Vorstellungen und Drohungen seiner Gattin vermögen es nicht. Diese, die ihren Vater mehr liebt als den Gatten, stellt sich auf die Sette des ersteren und als ihr Martins in höchster Erregung seinen furchtbaren ihm zur Gewißheit gewordene« Verdacht mittheilt, verläßt sie zornbebend den Gatten. Aber die Ereigniffe geben Martius Ueberzeugung recht. Der Fürst stirbt noch am selben Morgen. Auch die Section, deren Ergebniß noch die letzte Hoffnung Fortenbach« und seiner Tochter war, erwies, daß die Diagnose des jungen Arztes „Haarschars" dem Bilde der Krankheit entsprach. Von der Section als gebrochener Mann zurückkehrend, gesteht der Geheimrath seinen Kindern in einer erschütternden Scene seine entsetzliche Schuld. AlS sich alles von ihm wendet, begeht er im Nebenzimmer einen Selbstmordversuch. Seine« schnell Herbetgerufenen Schwiegersohn gelingt eS, da« fliehende Leben aufzuhalten. Ein Bote des neuen Fürsten bringt die Kunde, daß »hm dieser verziehen hat und den sonst verdiente» Mann in allen Ehren entlasten wird. Frau Dr. MarttuS findet den Weg zu ihrem Gatten zurück. Damit erhalt da« Stück einen versöhnenden Abschluß. Der Aufbau deS Ganze« ist höchst wirkungsvoll, der Dialog lebhaft und natürlich. Den Höhepunkt erreicht das Schauspiel im zweiten Act, de» besten von allen, in den beiden großen Scenen zwischen MarttuS und Fortenbach und MartiuS und seiner Gattin, in denen über die Abgabe des Gutachtens verhandelt wird. Von tiefergreifender Wirkung ist dann noch jenes Selbst- bekenntniß des Geheimraths im dritten Act. Die Ehoracte« des Stückes sind scharf gezeichnet. Der vornehme Hoiman«, der unbeirrt seinen geraden Weg gehende „rothe Doctor*, der aus Ehre und Pflicht stehende Soldat, Sohn Fortenbach« und Adjutant deS Erbprinzen, dann die älteste Tochter Katarine, die F»au des Dr. Martius, die in den furchtbare, Confiict geräth, zwischen Vater und Gatten wählen zu wüsten: alles Gestalten voll warmen frischen LebenS, die de» Stück stets zum Erfolge verhelfen werden.
Panorama. Garz neue B'lder vom Feldzug 1870/71 kommen morgen, Sonntag, im Panorama Neuen väue 1, zur Ausstellung. Bon den Ansichten, welche hier zum erste« , Male ausgestellt »erden und von großartiger plastischer Wirkung sind, nenne« wir folgende: Sturm ans Spicher», in den Weinbergen «nd Schlacht bei Wörth, bei Lotgntz a«
Depeschen de« Bwre«
Berlin, 11. Januar. Der Kaiser hat neuerdmgS, wie die „Post" erfährt, Bericht über die Lage der Land- wirthschäft und Vorschläge eingefordert, wie eine Besse- runa einzuführen sei. Dem Vernehmen nach ist eine erheb- liche Erhöhung deS DrSposilionSfond« deS Minister« der Laudwtrthschaft im nächsten E'at vorgesehen.
Berlin, 11. Januar. Der „Reichsanzeiger veroffeot- licht die Ernennung deS früheren Gesandten in Rio de Janeiro, Grafen von Dönhoff, zum Gesandten am Grobherzoglich hessischen Hofe. ~ v ,
Berlin, 11. Januar. Wie auS Frredrichsruh ge- meldet wird, ist der Flügeladjutant Graf Molrke tmÄuf. trage deS Kaisers mit einem Blumenstrauß für den Fürsten Bismarck dort eingetroffen. Der Besuch oeS Kaisers beim Fürsten BtSwarck findet vermuthlich Anfangs März in Schönhausen statt, doch ist es unbestimmt, ob der Fürst alsdann nach FriedrichSruh zurückkehren wird. Möglicherweise feiert er seinen 80. Geburtstag in Darziu.
Berlin, 11. Januar. Wie verlautet, wird die Ge- schäftsordnungs-Commiffiou deS Reichstags zur Berathung über die Verstärkung der DiScipliuar- oewalt des Präsidenten am Montag zusawmentreten.
Berlin, 11. Januar. In der Wahlprüfung« Com- mtsfion des Reichstags wurde heute die Wahl des Abgeord- neten Kasselmann (freis. VolkSpartei) sür ungiltig erklärt.
Berlin, 11. Januar. In einer gestern Abend hier abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Delegirten der Gewerkschafts-Commission wurde abermals über bte Aufhebung deS BierbohcottS debattirt. Der Brauer Schneider verlangte die Proclamirung des stillen BoycottS, so lange, bis die Brauereien alle Versprechungen erfüllt Härten. Der Brauer Eiermann theilte hierauf mit, daß nicht 33, wie angegeben, sondern 205 Brauereiarbeiter dem Elend preis- gegeben seien. Die Mittheilung wurde mit großer Entrüstung entgegengenommen. Zum Schluß wurde ein Antrag angenommen, wonach der Ausschuß der Gewerkschafts-Commission feststellen solle, inwieweit die Brauereien die Liste der Ausgesperrten ignortrt hätten. Nach diesem Ergebniß soll dann daS Weitere beschloffen werden. — Nach einer Meldung der „Staatsbürger-Zeitung" hat der antisemitische ReichstagS- abgeordnete Ahlwardt seinen Beitritt in die Fraclion der deutsch-socialen Reformpartei, ohne weitere Bedingungen aufzustellen , angemeldet und gehört nunmehr, gemäß den Beschlüffen der Eisenacher Confereuz, der Partei als HoSpt« tont an.
Berlin, 11. Januar. Der BundeSrath ist mit der Frage beschäftigt, den in Deutsch Ostafrtka und anderen Schutzgebieten dienenden Unteroffizieren den Civildienst- Berechtigungsschein zu. verleihen. Der Ausschuß des BundeSraths, welcher sich am Donnerstag mit der Angelegenheit befaßte, hat sich tu bejahendem Sinne entschieden. Daher ist anzunehmen, daß der Bundesrath über die Angelegenheit in diesem Sinne Beschluß faßt. — Ja der Budget- Commission des Reichstags hat bei Besprechung der Mischehen-Frage der Abg. Gröber NamenS des Centrums die Erklärung abgegeben, daß das Centrum sich Vorbehalte, eine Denkschrift an das Plenum zu richten.
Karlsruhe, 11. Januar. In Erwiderung der Glückwünsche des badischen Militärvereins „Vaterland" zum Jahreswechsel sagte der Großherzog: „Es ist der Vorzug der Kriegervereine, im engeren Verkehr die Freundschast zu pflegen und dadurch die Kraft zu gewinnen, den unvermeidlichen Mängeln und Sorgen des Lebens muthiger zu widerstehen. Das ist auch der Weg, in Gemeinde und Staat nützlich und friedlich zu wirken. Mögen es sich die Gau- Vorstände zur Aufgabe machen, einen festen Zusommenschluß der Vereine zu fördern und dadurch vor allen Dingen das Werk deS Friedens zn sichern und die zerstörenden Elemente zu beseitigen. Hoch halte ich die Fahne des Landes und rufe allen treuen Soldaten des Vaterlandes zu: Auch im neuen Jahre steht fest zu derselben und bleibt bereit, wie bisher für des Reiches und des Landes Ehre einzustehen!"
Budapest, 11. Januar. Trotz der liberalen Partei hat sich eine starke Gruppe gebildet, welche die Hrltung Wekerles und TiszaS verurtheilt und eine schlimme Folge für die liberale Partei vorauösagt. Diese Gruppe hat auf heute eine Confereuz anberaumt, um die Art und Weise, wie mau den Wünschen der Krone entgegenkommen könne, zu berathen.
Budapest, 11. Januar. Die Kris»S ist infolge deS Rücktritts deS Grafen Khuen Hedervary von der Mission der CabtnetSbildung eine hochernste geworden. Man glaubt, daß, nachdem auch Coloman Szell dem Kaiser die Unmöglichkeit einer CabinetSbildung bekannt gab, in Folge der ablehnenden Haltung WekerleS und TiSzaS, die Krone mit Nachdruck ein- greisen wird, um die Krisis durch Ernennung einer Perfön- lichkeit, deren Namen noch geheim gehalten wird, zu beseitigen. Ob die Ernennung im Sinne Wekerles sein dürste, steht noch dahin.
Na«, 11. Januar. Ministerpräsident CriSpi hat daS HochzritSgeschenk des ehemaligen Minister« Br in mit folgenden Worten zurückgesandt: „Ich verstehe, daß mein politischer Gegner mein persönlicher Freund sein kann, allein den Verbündeten meiner Verleumder kann ich nicht alS meinen Freund ansehen." — König Humbert sandte solgendeS Telegramm a« CriSpi: „ES liegt mir daran, Ihnen an diesem Tage meine herzlichsten Glückwünsche für Ihr Glück, sowie für dasjenige de« Brautpaares auszusprechen. Ihr wohlwollender Vetter Humbert."
Triest, 11. Januar. Nachrichten aus Istrien und Oberitalie« melde« fortdauernd große Schneeftürme. Oberitalie« liegt stark in E»S und Schnee. Alle Gewäsfir find gefroren. Die Fabriken feiern und daS Elend der Ar- I heiter ist sehr groß. Bei Udine fiel eine Schneelawine ans da« Bahngeleise. A« den Lüsten von Corsica «nd Sardinien
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»Üthet ei« orkanartiger Stur«. Biele UoglückSfälle werde« 8eme$ari«, 11. Januar. „Rappel" veröffentlicht' ein Ju- terwiev seines römischenKorrespondenten mit Bong hi. Der letztere habe erklärt, daß der König beschloffen habe. C r iS-p i ans seinem Posten zu belasten und die Sammer aufzulösen, sowie Neuwahlen anzuordnen.
London, 11. Januar. Die Gerüchte über de« Tod deS König« von Korea sind unbegründet.
London, 11. Januar. AuS Shanghai wird gemeldet, daß nördUch von Tichorl, 120 Meilen von Peking, blutige Kämpfe staltfanden. Chinesi-che Verwundete wurden z« Hunderten in T'enrsin einadMert. _____________
wirb, und nicht Dinge pasfirm, wie kürzlich in Mittelamerika M« sollte lernm, berechtigte G-südle »n ichon-n und nicht dulden, daß die Gebeine unserer bei Metz gefallenen Krieger, wie es geschieht exhumirt und in Massengräbern unttrgebracht werden. Ferner sollte m-n SlMh-« d-rüb-r fd>aft n, ob bk str-ng- S.auffüstkiung bet Turnvereine sich auf die aniis.mNtschen Tu noeretne erstrecken foU. Der Herr Minister verneint ba8; ich stelle bas vor bem ganzen Lande fest. (Heiterkeit^ Rebner empfiehlt u. A. als Maßnahmen rur Bekämpfung der Socialdemokratie Gewährung von Diäten an die Abgeordneten, Bekämpfung der 2'den durch neue Besttmmungm im Strafgesetzbuch an. Den Fall ^Lweinitz hat Auer zu Unrecht so aufgedauscht; hatte der Graf da« Geld nicht 6^^', dann hätte e« aedettzen seht Atfer’ erst hatte er Verkehr mit der Person und bann läßt 'n sie nicht mal begraben! (Heiterkeit.) .^r Bellegung des sozialen Kampfes könne die Regi-rung durch 'ine gesunde und energische Miitclstandspolitik viel thun. Vor Allem mutz aber eine Umkehr in den oberen Gesellschaftskreisen statifinden. Dann mag an deutschem Wesen einmal die Welt genesen. (^r,aö0^ . m>eient-
Slbg. Frhr. v. Hodenberg (Welfe) schlieht sich im Wesens liche« den Ausführungen des Abg. Gröber an. ® mfaeftfce® Paragraphen ablehnen, der den Character eines Ausnahmegrleyrs annehmen könnte. Das alte bannov-rsche Strafgesttzbuch war al« da« jetzige deutsche Strafgesetzbuch; eS sihte auf ben ^ocbonratO die geschärfte Todesstrafe und doch hat^e« den deulschm Nation -
W ^«b^ Kröb er (südd. Volksp) stimmt gegen das Gesetz. Unsere Rechtspflege ist unzuverlässig. Was ist denn Hochverrath. Wenn die That glückt, ist sie eine ruhmreiche Tbat, mißglückt sie aber, so heißt sie Lochoerratb! (Sehr richtig! links.) Die Vorlage lege i-dem Menschen den Strick um den Hals. Bei der Schlußsteinlegung des Reichstags habe er den Eindruck gehabt, als finde eine Leichenseier statt zur Bestattung der politischen Freiheit.
Abg. Dr. Sigl. Es ist sonderbar, in dem Lande ein solche« Gesetz zu finden, wo der König Fri drich H da« Wort von den Gazellen sprach, die nicht genirt sein sollten; selbst den Münchnern ist dies Gesktz iu viel, die sich doch nie durch einen Ueberfluß an Muth ausgezeichnet haben. (Heiterkeit.) Die PretzsreiheU tst mit diesem Gesetz unmöglich. D'M Ebristenthum ha: man.auch Umsturz vachgeiragen und eS hat sich doch durchgerungen, (^hr riw'S!) 1870 hat man mich in 6 Wochen 86 Mal covfi'eirt (Große Heiter fett), aber nicht vor den Riwter verwiesen. (Redner erzähl nun eine Reihe seiner Preßerlebnisse unter anbauernbtr Heiterkeit deS Hauses.) Es geht mit dem alten Gesetz auch, wir brachen kein neues Gesetz; d-s sehen wir wieder an dm Bauern von MMuhl. Die Redacteure hat man schon verurtheilt, die Bauern, 160 Mann, werden noch veruriheilt werden. Wer sich von den socialdemokratischkn Reden vergiften läßt, der ist ein Schaf. (Stürmische'H^erkeit.) Die allgemeine Unzufriedenheit veranlaßt Diele, locialdemoDaii^ zu wählen. Ich kenne ein Mitglied am höchsten bayerischen Gerichtshof in München, der socialdemokratische Wahlzettel abgab, nur nm, wie ” sagte, seinem Ekel und Abscheu mit den bestehenden De.höU- nissen Ausdruck zu geben. Im Deutschen Reich ist Niemand zufrieden; höchstens der frühere Reichskanzler, und der ist nicht in Deutschland, sondern in Montreux. (Große Heiterkeit.) Im Hause de« Gehängten soll man nicht vom Strick redeni und» in Berlin nicht vom Umsturz; wo so viel umgesturzt ist wie! in^Berlin seit 1866 da solle man nicht so dicke thun geg'N den Umsturz. (Lachen.)' Mazzini, Garibaldi warm Verbündete Preußens, man soll sich nicht wundern, wenn solcher fortwäh, ende- Umnur, von oben auch Umsturz Ideen im unteren Do ke erzeugt. Gegen Um^ stürz helfen nicht Schießprügel und Gefangn^se °uch nicht daS Ras. sein de« Krieasministers n it dem SarraS (^iter^.) Mit solchen Gesetzen schafft man kein opferfreudiges Volk sür den Fall eine« unglücklichen Krieges, an dem ich unschuldig bim (Heitrrkeit.) Das Volk will dies Gesetz nicht. (Widerspruchs Ba^rn will e, nicht, Preußen kann sich ja ein Spezialgesetz machen. Dir ttpfm freilich keine Könige und Minister wie es früher in England geschuh, abn wir können Minister und Kanzler wegfegen ebensogut wie sie durch höheren Willen weggefegt werden. (Widerspruch.) Schaffen Sie sich Friedm mit dem Volke.
Weiterberathung morgm.


