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13.1.1895 Erstes Blatt
 
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Nr. 11 Erstes Blatt. Sonntag deu 13, Januar

1895

Der fcitgetttr Auzciger «rfcheint täglich, mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Aamilieu dtätter wer-en dnn Anzeiger wöchentlich dreimal brigelegt.

Gießener Anzeiger

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Zlints- und Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

chratisöeitage: Gießener Kamilienökätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Amtliche* Theil.

Bekanntmachung, betreffend Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge in den Gemeinden des Kreises Gießen.

Herr Landwirthschaftslehrer Leit Higer von Alsfeld wird Sonntag den 20. Januar L I, Nachmittags 3 Uhr, zu Grünberg im Gasthaus zum Englischen Hof einen Vortrag überFütterung des Rindviehes und der Schweine" halten.

Zu diesem Vortroge werden alle Mitglieder des land- wirthschaftlichen Vereins und des landwirthschaftlichen Kränzchens und alle Freunde der Landwirthschaft hierdurch ergebens! eingeladen.

Die Herren Bürgermeister von Grünberg und der benachbarten Gemeinden werden hierdurch ersucht, auf mög­lichst zahlreichen Besuch der Versammlung hinzuwirken.

Gießen, den 12. Januar 1895.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Carl Jost.

Äetr.: Die Ergänzungsivayt des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde Gießen.

Einladung

zur Ergänzungswahl des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde zu Gießen.

Es wird zur Kenntniß der Interessenten gebracht, daß in Gemäßheit der Bestimmungen der Wahlordnung für die Wabl des Vorstandes der israelitischen Religions-Gemeinde zu Gießen vom 4. August 1871 in diesem Jahre das Mit­glied Nathan Stamm aus dem Vorstande ausscheidet, und daß die hiernach erforderlich gewordene Ergänzungswahl

Freitag, den 18. Januar 1895

in dem Saale des alten Rathhauses dahier statifinden soll.

Sämmtliche nach § 2 der Wahlordnung Stimmberech­tigten werden zu dieser Wahl mit dem Bemerken eingeladen, daß die Abstimmung Vormittags von 9 bis 12 Uhr rmd Nachmittags von 2 bis 4 Uhr stattstndet.

Gießen, den 10. Januar 1895.

Der von Großherzogl. Kreisamt Gießen ernannte Wahl-Commissär.

_________________________H ach.__________________________

Gefunden: 1 Trauring, 1 Zwicker, 1 Palatin, 1 Terzerol, 1 Kette, 1 Peitsche, 1 Milchkanne, 1 Paar und 2 Kinder-Handschuhe und 1 Kinderstauchen.

Gießen, den 12. Januar 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Ro.th.

Aus den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.

nn. Darmstadt, 11. Januar 1895.

Die Verhandlungen der zweiten Ständekammer wurden heute Morgen um ,/210 Uhr fortgesetzt Auf der Tages­ordnung steht die Weiterberathung des Nachtrags zum Gesetz ton 1890 wegen weiterer Herstellung von Neben­bahnen im Großherzogthum Hessen. Zunächst gibt der Präsident dem Hause Kenntniß von einer Interpellation des Abg. Westernacher wegen des Baues der Bahn Stockheim- Frankfurt, in welcher über Verzögerung der Herstellung der Bahn geklagt wird.

Zur Berarhung der Nebenbahn-Vorlage übergehend, tritt der Abg. Heidenreich nochmals für die Bahnstrecke Mörlen­bach.Wahlen ein. Die Abgg. Schroeder und Friedrich beantragen im Interesse der rascheren Ausführung nur bis lLaldmichelbach zu bauen und die Strecke bis Wahlen, sowie dir geforderten 500000 Mark zu streichen. Abg. HaaS- Offenbach beantragt, der Regierung in der Durchführung des ganzen ProjecteS freie Hand zu lassen, eventuell das Recht rinzuräumen, Thetlstrecken zu bauen und den Gemeinden die Beitrag-Pflicht zur Geländeerwerbung zu erlassen. Finanz- Minister Weber und Oberbaurath Wetz traten mit großer Wärme für die Regierungsvorlage, d. h. zum Bau der ganzen Linie Waldmichelbach Mörlenbach-Wahlen ein. Hierdurch werde der im Ulfathal befindlichen Industrie, sowie den Steinbruch- besitzrrn eine große Wohlthat erzeugt.

Bezüglich der rheinhessischen Strecken Bodenheim- Heßloch-Dittelsheim, Worms-Gundheim, Alzey Obernheim und Dittelsheim Osthofen-GunterSblum wird die Regierungsvorlage ohne Debatte genehmigt.

Die Linie Laubach-Mücke wird abgelehnt, dagegen wf Antrag des Abg. Schönfeld die Erbauung einer dtreeten Linie von Grünberg-Wetterfeld nach Laubach beschlossen, '

die Linie Lauterbach-Gedern sowie Wal dm ich elbach- [ Mörlenbach unter Strich der Fortsetzung bis Gahlen wird genehmigt. Desgleichen der Antrag Haas Offenbach auf Ge­nehmigung des Weiterbaues der Strecke Mörlenbach-Wahlen durch die Regierung im Bedürfnißfall.

Die Abgg. Hirsch und Schroeder beantragen die Verlegung der Station bet der Bahn Dittelsheim Heßloch und fordern einen dementsprechenden Credit. Der Antrag wird genehmigt. Ebenso findet die Vorlage der Regierung betr. den Personal-Etat der Nebenbahnen Weinheim-Fürth und B ckenbach Seehetm ohne Bemerkung die Zustimmung des Hauses.

Der Antrag auf Erbauung einer Bahn von Fried­berg-Homburg gibt dem Abg. Graf O r t o l a Veranlassung, sich über die Verzögerung des Baues dieser Bahn durch die hessische und preußische Regierung beschwerdesührend zu äußern. Er führt dabei aus, es handle sich hier um ein längst von Regierung und Kammer als nöthig erkanntes Bahnproject, um die Gegend dem Verkehr zu erschließen. Durch die Ver­schleppung der Ausführung würden auch die Bewohner und Arbeiter geschädigt. Erstere beabsichtigen Durchführung der Feldbereintgung, was n'cht möglich sei, solange noch keine Trace festgelegt sei. Das seien unhaltbare Zustände, um deren Beseitigung er bittet. Finanzminister Weber ver­spricht energische Förderung, soweit es an ihm liege. Wie Preußen sich zu der Frage stelle, könne er noch nicht sagen. Sicher sei, daß die Regierung Alles gethan habe, um die Sache im Fluß zu erhalten. Abgeordneter Was serburg erklärt, was im Interesse von Preußen liege, werde von Preußen gefördert. Er verweise nur auf den Kauf der Main - Weser - Bahn von Hessen, bet dem Preußen alle Hebel in Bewegung gesetzt habe, den Ankauf perfect zu machen. Finanzminister Weber weist den Vorwurf des Abg. Wasserburg zu'ück, ebenso Abg. Schröder, der gewünscht hätte, daß diese Worte nicht gefallen wären. Hierm't wird die Sitzung um P/i Uhr g-scklossen.

Deutscher Reichstag.

12. Sitzung. Freitag, deu 11. Januar 1895.

Die Berathung der Umsturzvorlage wird sortgesiht.

Abg. o. WolSzlegier-Gilgenburg (Pole): Kein Staat ohne (Sott! Auch die allen Kulturvölker könnten ohne Religion ihren'Staat nicht auf die Dauer halten. Aus unserer polnischen Geschichte kann ich als Pole mit Stolz hervorheben, daß in derselben kein Atientat aus einen König und auch kein Köntgsmord vor­gekommen ist. Auch die Umsturzbewegung hat in unserer Bevö.ke» rung keinen Boden gefunden. Entlauben ist die Umsturzbewegung auf dem Boden der deutschen socialdemokralischen Arbeiterbewegung. Der beste Schutz gegen den Umsturz ist die Zufriedenheit. Will man die polnische Bevölkerung zum Bundesgenossen in dem Kampfe gegen den Umstu'z haben, so soll man ihr auch auf anderen Gebieten die gleichen R äste lassen, wie den Anderen. Vor Allem muß man dem Volke, um ihm die Religion zu eihrlten, den Religionsunterricht in der Multerlpiache lassen. Man sollte vor Allem die Oldensthatig- keit unbeschränkt zulassen. Dann brauchte man die ganze Social­demokratie nicht zu fürchten. Die Umsturzvorlage erscheint uns überaus bedenklich. Will man die Religion schützen, so sollte man auch auf die Flugblätter achten, welche die katholiicke Kirche und ihre Einrichtungen angreifen und die Jesuiten beschimpfen. Hat doch sogar Herzog Ernst II. von Coburg gesagt: Die Jesuiten för- deiten den Umsturz! Was soll man dazu sagen? Sollte die Vorlage in ihrer jetzigen Form zur Abstimmung gelangen, so würden meine Freunde mit N in stimmen.

Minister v. Köller: Bisher haben leider nur wenige der Herren Abgeordneten der Vorlage unbedingt zugestimmt. Nur die Herren Conseroaliven, Freiconseroativen und Natronalliberalen haben dies im Prmcip gethan. D«e Gegner der Vorlage haben haupt­sächlich geltend gemacht, es sähe gar so schlimm nicht aus, und selbst wenn die Uebelstände so schlimm seien, sei doch die Vorlage nicht geeignet, Abhilfe zu schassen. Man hat die Frage gestreift: Aus- nahmegefetz oder gemeines Recht! Aber bei früheren Verhandlungen, über das Socialistengefetz, Hal man ja gerade erklärt. Kein Aus­nahmegesetz, sondern gemeines Recht! Entgegen der gestrigen Deu­tung des Abgeordneten Barth hat auch Herr Haenel s. Z. versichert, wenn die Lage es erfordere, seienwir alle verrfl ästet", auf dem Wege des gemeinen Rechts zu gehen. Wir sollten uns jetzt nicht mit doktrinären Streitereien aufhalten, sondern entichlossen dafür sorgen, daß Wandel geschaffen wird. Wir gleichen fönst dem Wan­derer, der am Kreuzweg nicht weiß, ob er links oder rechts gehen soll, und deshalb keinen Schritt vorwärts thut. Der Abg. Colbus sagte gestern, an der Straßburger Universität sei keine Spur von Religion und Gottseligkeit. Ich kann das Gegentheil bezeugen. Ent­gegen einer gestrigen Behauptung desselben Abgeordnet-n kann ich ferner fesistellen, daß in Eifaß Lothringen feit 6 Jahren nur einmal der Dictatui Paragraph in Anwendung gekommen ist, und zwar gegen ein socialdernokralisches Blatt. In Elsaß Lothringen hat die Ver­bitterung überhaupt nicht zu-, fonben abgenommen. Die Abgeord­neten Munckel und Barth leugnen die Größe der Gefahr. Ebenso hat dies neulich der Abg. Aüx Meyer in einer Volksversammlung gethan. Derselbe hat aber dabei hinzugethan, daß,wenn wieder anarchistische Verbrechen vorkämen", bann allerdings ein Einschreiten nothwendig sei. Wir sehen keineswegs zu schwarz. Aber es ist b-ffet) vorzuthun und nachzubedenken, als umgekehrt. Endlich bat I sich der Herr Vertreter einer anderen Partei geäußert:Wir sind es ja nicht, welche zur Gewalt treiben". Nun, schon der Herr Justiz-

Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Minister hat ja gesagt, woraus schließen denn bann diese Herren, daß die Vo läge gegen sie, die Socialdemokraten, gerichtet sei?! Sie richtet sich nicht gegen eine einzelne Partei, sondern gegen Alle, welche auf Gewaltsamkeit hintreiben. Herr Auer meinte, dieFrei­heit" sei mit polizeilichem Gelbe e> halten. Das ist eine arge Ver­leumdung der Personen, welche die betreffenden staatlichen Fonds zu verwalten hab.n, wie ich beweisen kann. Auch denSoc ältst" hat Herr Auer veigeblich von den ©odalbemofraten abzuschüttel» gesucht. Es ist eine starke Zumuthung, daß Sie verlangen, rott soll n glauben, daß Sie mit dem Allem nichts zu tbun haben. 1893 tagte Herr Liebknecht:Wir haben gar keinen Grund, die Nihilisten zu verltugnen." Einige Jahre früher bat Herr Liebknecht in Londondie sociale Revolution" leben lassen. Und ein andermal: die deuttchen VendSme Säulen werden auch einmal umgeworsen weiden." Und auf einen Zwischenruffriedlich?" setzte Herr Lieb­knecht hinzu:je nachdem." (Heiterkeit.) Also, Sie können nicht Alles abfchütteln, was sie abfchüiteln möchten! Auch nicht die H tze- reien, die alle Tage vorkommen. Wir haben Ihnen die B'st>afung der Glorification von Verbrechen vorgeschlagen. Man hat glorificirt den DiebNahl. In einer Versammlung in Halle hat ein Redner den Diebstahl bittet gebilligt. Auf dem Parteitag in Halle wmde gesagt:man könne nicht das, was nach bürgerlicher Ansicht ehrlos sei, auch für die Socialdemokraten als ehrlos reclamiren. Wenn Jemand aus Notb ein Stück Brot stehle, könne man ihn nickt ver­dammen." In 1884 schrieb derSocialdemokrat", damals osfic'öseS Parteiorgan:Ja wohl, wir sind Euere Feinde und wollen Euch vernichten. Wir werden der Gewalt mit Gewalt begegnen." (Redner gibt noch einige weitere Citate.) Auch dtn Meineid habe der Socialdemokrat" als einen chk absolut unehrenhafte Handlung" bezeichnet. Ferner habe Bebel einmal gesagt:Sie können unS doch nicht mehr einnben, daß, wenn ein Fürst gemordet wird, biel ein größeres Verbrechen ift, als wenn ein anderer Mtnsch gemordet wird." Und in Ihrer Presse und Verhandlungen predigen Sie die offene Revolution. So ein Schlosser Möller in Frankfurt a. M., der da sagte,wenn man den Staat schädigen und untergraben kann, so soll man das tbun!" Die Staatsanwaltschaft lehnte ei» Einschreiten gegen Möller als fruchtlos ob. Nun, rst da nicht die Lücke vorhanden, von der Herr Haenel sprach?! Was für auf­reizende G-dtchte bringt nicht der Kalender desProletarier" in ßangenbielau! Und da spricht Herr Barth so ger'Ngschötz'g von reoolutionäienRedensarten", üverschäumenden! Haven denn die socialdemokratischen Führer ihre L-ute so in der Hand, daß diese nicht über ihre Köpfe hinweg gewaltsam vorgehen?!- lieber die Ge­fahr solcher aufreizender Reden in Veifammlungen hat sich auch Herr Haenel klar ausgesprochen. Die Vorlage beschränkt fich ja ferner nur auf Strafbestimmungen gegen Äeußerungen, welche ,,t» einer den öffentlichen Frieden gesährdenben Weise", Religion, Eherc. beschimpfen. Redner cilirt bann weiter eine R-'he münblicher unb gedruckter Äeußerungen gegen Monarchie, Ehe, Religion. Alles btefi ist u. A. als vorsündfluthltcher U flath, als dreizinkige Unrath- ober Mtstgabel der Uncultur rc. bezeichnet worden. Auch das unschuldige Gemüth der Kinder sucht man fitzt zu vergiften. Ein Buch für Kmd-r enthält auf dem Deckel ein Bild der Wahrheit mit der Fackel in der Ha»b unb mit der Inschrift:Lass-t die Kindlein zu mir kommen! (R chls Ausrufe der Entrüstuno.) Das Empörendste ist, baß in einem solchen Buch der freiwillige Tob Ehristi als Selbstmord hingestellt wird. Wollen Sie so etwas dulden? An Sie, Herr Gioeder uyd das Centrum wende ich mich da vor Allem und b tte Sie, vereinige Sie sich mit uns, auf daß solche Dinge ausbörenl (Lebhafter Beifall rechts.) Auch Frauen nehmen an der Bewegung Theil. Dem Hau'e liegt ja auch bereits eine Petition vor, w iche den Frauen die politische Arena freigegeben wissen will. Ich hoffe, wir werden uns in der Commission mit dem Centrum einige». Es kommt darauf an noch ist es Zeit daß die staatserhaltende» Parteien sich zuiammenthun, um unter Weglassung kleinlicher Streitig­keiten und Zänkereien die heiligsten Güter vor Infamien zu schützen. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.): Uns r Ein­treten für Religion, S tte und Ordnung entbindet uns nicht der Pflicht einer gründuchen P'üiung der Vorlage. Einen großen U belstand erbi tten wir in den Mängeln des von Lasker geschaffenen Strafgesetzes, das auch antisozial wirkt. Das alte Soz alistengesetz hat sich nicht bewährt, wie das Umsturzgefetz wirken werde, bleibe abiuroarten. Die Herren Revolutionäre im Schlafrrck und Pan­toffeln, die neben der revolutionären Thätigkeit auch ihre heutige Behaglichkeit in den Häusern mit demAusgang für Herrschaften" beidehalten wollen, wissen ganz genau, daß es in den Gefängnisse», solchen Luxus noch nicht giebt. Herr Munckel, der über die Inter­pellationen sonderbare Ausführungen zum Besten gab, weiß selbst am Besten, was man vor Gericht leisten kann in der Beschimpfung politischer Gegner und er hat das gegen den Hofprediger Stöcker bewiesen. So wie die Vorlage jetzt ist, können wir derselben nicht zustimmen, aber wir sind bereit, in der Commission mitiuberatben. Die Beschimpfung der Religion ist ein dehnbarer Begriff. 'Sollen Angriffe auf d«n Talmud verboten sein? Man wird sagen müssen, daß diechristliche Religion" geschützt werden soll. Die Monarchie ist schon geschützt. Durch den König wild jeder Einzelne geschützt; nichts ist gefährlicher, als der souveräne Pöbel, der keinen schont. (Beifall rechts.) lieber die Ehe denken auch socialdemokratische Frauen ganz wie wir; die Gattin eines sozialdemokratischen Abgeordneten hat darüber ganz vernünftige Ansichten geäußert, so daß ich fast fürchte, es hat darob eine kleine häusliche Scene stattgefunden. (Heiterkeit.) Will man unzüchtige Schriften verfolgen, so ist es un­begreiflich, wie man gewisse Erzählungen in Tagesb altern über­sehen konnte. Will man die Revolution bekämpfen,.so soll man vor allen Dingen das Judenthum bekämpfen. In der Rechtspflege haben sich namentlich in Preußen seltene Dinge ereignet. Eine Aenderung des Preßgesetzes ist nöthig, hauptsächlich um die Stellung des verantwortlichen Redacteurs zu präzisiren. Redner schildert daS Voraehen des V.reins zur Abwehr des Antisemitismus und dessen Vorschiebung eines Bureauboten als R.dacteur. Bismarck verlangte für Deutschlands Wohlergeh.n ein starkes Heer, gute Finanzen unb eine zufriedene Bevölkerung. Ern starkes Heer haben wir, gute Finanzen könnten wir auch burch bas Getreibemonopol erlangen; um die Bevölkerung zufrieden zu stellen, sollten wir namentlich da­rauf halten, daß der deutsche Rame auch im Auslande refpeettrt