Ausgabe 
12.10.1895 Erstes Blatt
 
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-ie^ener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag».

Die Gießener JiamilienStätter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal brigclegt.

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Norm. 10 Uhr.

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Alle Rnnoncm-Bureaux de» In- und Auslände» nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher TheU.

Bekanntmachung,

Letreffend die Ausführung des UnfalloersicherunzSgefetzeS: hier die Ernennung von Beauftragten und Vertrauensmännern.

Es wird hiermit zur Kenntniß der Jntereffenten ge­bracht, daß der Vorstand der Tiefbau-Berufsgenoffenschaft zu Berlin den Herrn Kreis- und Provinzial-Jngenieur Stahl zu Gießen zum Vertrauensmann bezw. Beauftragten für die Provinz Oberhesien und als dessen Stellvertreter Herrn Bau­unternehmer Friedrich Jacob Altvater in Griesheim bei Darmstadt gewählt hat.

Gießen, den 9. October 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. (Sägern.

Gießen, den 9. October 1895.

Betr.: Wie oben.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an daS Großh. Polizeiamt Gießen und die

Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung weisen wir Sie hierdurch an, die Benachrichtigung über die Einleitung einer Untersuchung über die bei Mitgliedern der Tiefbau-BerufSgenoffenschaft eingetretenen Unfälle an oben­genannten Vertrauensmann in Gemäßheit des Unfalloersiche- rungsgesetzes vom 6. Juli 1884 zu richten.

v. Gagern.

Deutscher Reich.

Berlin, 10. October. Der gemeinsame Aufenthalt des KaiserpaareS in der WaldeSeinsamkeit von Schloß Hubertus- flock nähert sich seinem Ende, denn am Montag werden die Majestäten die angekündigte Reise nach den Reichslanden antreten. Dieselbe gilt, wie bekannt, Besuchen deS Kaiser- paareS in Urville, der lothringischen Besitzung des Kaisers, in Metz und in Straßburg, sowie der Thetlnahme an der Einweihung des Kaiser FMdrich Denkrnales auf dem Schlacht- selde von Wörth. Am 21. October gedenken die Majestäten von ihrer elsaß-lothringischen Reise im Neuen Palais bet Potsdam wieder einzutreffen. Am 26. October wird sich dann der Kaiser nach Leipzig begeben, um daselbst in Ge­meinschaft mit König Albert der Einweihung des neuen ReichSgerichtsgebäudeS beizuwohnen.

Die seit einiger Zeit erneut umlaufenden Gerüchte über die angeblich projectirte Zinsherabsetzung der ReichS- anleihen und preußischen StaatSconsolS haben jetzt auS dem Munde des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe selber ein energisches Dementi erfahren. Der Kanzler be­rührte diese Frage im Laufe einer längeren Unterredung mit einem Herrn, Über welche letzterer derKöln. Ztg." be­richtet hat. Fürst Hohenlohe machte verschiedene schwer­wiegende Gründe gegen eine etwaige Convertirung geltend, und betonte namentlich, daß die Regierung nicht zum wenig­sten aus gewichtigen sozialpolitischen Erwägungen, auS Rück­sichten auf den kleinen Capitalisten, gegen eine neue ZinS- Herabsetzung sein würde. Auch erinnerte der Reichskanzler daran, wie ja schon die weitere Besteuerung des Tabaks und des Bieres im Reichstage in Rücksicht auf den kleinen Mann al« ausgeschloffen erklärt worden sei. Ferner hob Fürst Hohenlohe hervor, daß eine etwaige Herabsetzung deS Zins­fußes der Reichs- und Staatspapiere die Sparkassenverwal­tungen ebenfalls zu einer Erniedrigung des Zinsfußes zwingen würde, und daß weiter auch die gemeinnützige Thätig- kett der Stiftungen durch eine solche Maßnahme zum Schaden der Wittwen und Waisen gelähmt werden müßte. Ein an- gebltches Recht des Steuerzahlers auf Zinsherabsetzung soll der Kanzler geschloffen haben seitens deS Staates könne so lange nicht anerkannt werden, als nicht durchaus festftehe, daß der gegenwärtige niedrige Zinsfuß als dauernd anzunehmen sei, wovon wir aber noch weit entfernt seien. Hoffentlich werden diese Auslaffungen des leitenden Staats­mannes bewirken, daß die Gerüchte über die der Retchs- regierung und der preußischen Regierung zugeschriebenen Umwandlungspläne endlich zur Ruhe kommen.

Neueste

Wolffs telegraphisches Eorresponden,-Bureau.

Berlin, 10. October. Das Marineverordnungsblatt veröffentlicht eine CabinetSordre über die anderweitige Organisation der Marineartillerie.

Berlin. 10. October. Die officiösrBerl. Corresp." schreibt: Unter dem 7. October hat der Minister für Land- wirthschast die ihm durch daS Gesetz über die LandwirthschaftS- kammern überlaffene Wahlordnung für die Wahlen zur Landwirthschastskammer erlaffen. Danach ist daS Wahl- verfahren in der Hauptsache nach Analogie deS Reglements für die in den Kreistagen vorzunehmenden Wahlen geregelt. Der Vornahme der Wahlen in den in den nächsten Monaten stattfindenden Kreistagen steht nunmehr nichts mehr im Wege und der Constituirung der LandwirthschaftSkammern darf gegen Ende des Jahres für fämmtliche Provinzen, mit Aus­nahme von Hannover, Westfalen und der Rheinprovinz, sowie Sigmaringen entgegengesehen werden.

Pofen, 10. October. DaS 2. Leib-Husaren-Regiment Kaiserin Nr. 2 feierte heute die 2 5. Wiederkehr deS Gedenktages von Artenah. Bon Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, als dem Chef deS Regiments, traf folgendes Telegramm ein:Schloß FriedrtchShof. Ich beglückwünsche das Regiment am heutigen Tage, an welchem eS vor fünf- undzwanzig Jahren bei Artenah Lorbeeren errang, und hoffe, daß eS stets bereit fein wird, seiner rühmlichen Geschichte in Zukunft neue Beweise an Tapferkeit und Treue hinzuzufügen. Kaiserin Friedrich."

Konstantinopel, 10. October. Einige Schiffe mit Munition sind nach den Dardanellen abgegangen, wo mit der Legung von Minen begonnen wird. Außer dem zur Jnspicirung und Instandsetzung der Dardanellenbefestig­ungen entsandten Marschall Fuad-Pascha wurde auch nach der Besikabai ein GeneralstabSoffizter zur Anlage neuer Batterien beordert.

Depeschen bei Bureau »Herold*.

Berlin, 10. October. DieNordd. Allg. Ztg/ schreibt: Wie nachträglich bekannt wird, hat der Kaiser am 28. Sep­tember an den Generallteutenant z. D. Müller in Berlin ein sehr huldvolles Telegramm ergehen stassen. Der Kaiser bringt darin zum Ausdruck, daß eS ihm zur besonderen Freude gereiche, dem verdienten Offizier in dankbarer Erinnerung an seine erfolgreiche artilleristische Thätigkeit vor Straßburg, SoiffonS und Paris und in Anerkennung seiner Verdienste in der darauffolgenden Zeit am 25. Gedenktage der Ueber- gabe Straßburgs den erblichen Adel zu verleihen.

Berlin, 10. October. Wie dieBerliner Neuesten Nachrichten" hören, find die Berichte über die Erfahrungen mit der zweijährigen Dienstzeit Seitens der Truppen- theile bet einigen General-Commandos bereits zur Vorlage gelangt. Denselben werden diejentgenüber die vierten Bataillone Anfang November folgen. Während die Ersteren sich, wie verlautet, im Allgemeinen günstig über die erzielten formellen Resultate aussprechen, werden die Berichte über die vierten Bataillone voraussichtlich durchgängig sehr abfällig lauten.

Berlin, 10. October. DiePost" schreibt: In Be­stätigung unserer gestrigen Meldung constatiren wir heute nochmals, daß in maßgebenden Kreisen der Regierung eine Entscheidung über Schritte, die möglicherweise gegen die Agitationsbestrebungen der Socialdemokratie gethan werden könnten, nicht getroffen ist. Alle Mittheilungen über die Vorbereitung eines neuen Vereinsgesetzes nach bayrischem ober sächsischem Vorbild oder einer Novelle zu dem bestehenden Vereinsgesetz werden uns als Erfindung bezeichnet. Wie wir hören, bestehen ferner innerhalb deS Staatsministeriums keinerlei Meinungsverschiedenheiten in der Behandlung dieser Frage. ES sind daher ganz besonder- die Gerüchte, wonach Herr von Köller eine andere Ansicht ver­trete als der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, in daS Reich der Fabel zu verweisen. Es wird, wie wir erfahren, weder beabsichtigt, dem Reichstage ein neues Umsturz- oder Socia- listen-Gefetz vorzulegen, noch ist befchloffen worden, ein neues Vereinsgesetz für Preußen auszuarbetteu. ES dürfte sogar auch für die nächste Zeit schwerlich irgendwelcher bindender Entschluß zu erwarten fein.

Berlin, 10. October. In einer von der antisemiti­schen Volkspartei einberufenen, von etwa 600 Personen besuchten Volksversammlung antwortete gestern Abend Dr. Böcke! auf die letzte Stöcker-Versammlung. Redner bezeichnete Stöcker als Heuchler und Intrigant. Er rechne es sich zur Ehre an, Stöcker auS dem Reichstage entfernt zu haben. Auf die Affaire Hammerstein übergehend erklärte Böckel, Hammerstein habe feine Briefe an feine Gegner verkauft, um Geld für die Flucht zu haben, das sei für die Conservativen der ärgste Schlag. Nach weiteren Reden gegen die Socialdemokratie und gegen Stöcker nahm die Versamm­lung eine Resolution an, die sich gegen das neue bürgerliche Gesetzbuch richtet.

Berlin, 10. October. Zu der Meldung, daß dem Fa- milien-Derb ande von Puttkamer daS Präsen- tationSrecht im Herrenhaufe verliehen worden fei, fagt dieNational-Ztg.", daß daS Präsentationsrecht nur bei Geschlechtern mit auSgebreitetem Familienbesitz erfolgen könne, waS von der Familie Puttkamer nicht bekannt fei. Eine Verstärkung deS Herrenhauses scheine aber am wenigsten durch Vertreter des unbemittelten Adels räthlich.

Berlin, 10. October. DaSKleine Journal" meldet auS Sofia: Hier eingetroffenen Konstantinopeler Nachrichten zufolge wurden vorgestern zwei erfolglose Attentate gegen den Großvezir Kiamil Pascha und Said Pascha versucht. Alle Einzelheiten werden streng geheim gehalten.

BreSlan, 10. October. Socialdemokratischer Parteitag. Die heutige vierte Sitzung wurde von Singer geleitet. David-Gießen wendete sich in längerer scharfer Rede gegen die Ausführungen Schippels und KautSkyS. Eine Bewilligung von Mitteln für Landes Culturzwecke im Land- tage fei unmöglich. Damit würde man sich in einen Gegensatz setzen zu der bisher von den Parteivertretern in den Einzel- landtagen geübten Praxis.

Triest, 10. Octoder. In der vergangenen Nacht um 1 Uhr hat hier ein wellenförmiges, fünf Secunden währendes Erdbeben stattgefunden.

Rom, 10. October. Der Stadtrath beschloß, den König von Portugal, der als erster katholischer Souverain nach Rom kommt, festlich zu empfangen.

Barcelona, 10. October. Gestern Abend hielten 1500 freidenkerische Studenten eine Versammlung ab, um gegen die von der Regierung gegen den Professor Buin getroffenen Maßregeln zu protestiren. ES wurde befchloffen, für nächsten Sonntag eine Riesenkundgebung zu organifiren. Während der Versammlung versuchten die Anarchisten Arago und Blanco in den Saal einzudringen. Die Polizei ver- hinderte dies, indem sie den ersteren verhaftete, während der letztere entkam.

London, 10. October. Hiesige Blätter melden, daß in Konstantinopel viele Firmen ihre Zahlungen eingestellt haben. 500 Zahlungsproteste wurden gestern bet verschiedenen Banken verzeichnet.

WB. Köln, 11. October. Der Reichstags- und Land- tagSabgeordnete Greiß ist heute an einem Gehirnschlage geworben.

Schwurgericht.

W. Gießen, den 10. October 1895.

Verhandlung gegen Jacob Schultheis Wittwe und Katharine Schad. Wegen deS von der Vertheidi- gung gestern gestellten Antrags auf Verlesung deS Antrags der Staatsbehörde, die Einstellung des Verfahrens gegen die Schad betreffend, und des daraufhin erfolgten ©In* stellungsbeschluffes des Landgerichts wird eine Verständigung erzielt. Es erfolgt hierauf die von uns schon mitgetheilte Fragestellung.

Staatsanwalt Koch weist darauf hin, daß das all­gemeine Interesse der Provinz, besonders deS südlichen TheileS derselben, der seit vier Tagen dauernden Verhandlung ge­folgt sei und daß es besonders das berechtigte Ansehen, welches die Angeklagte Schultheis im Kreise ihrer BerufS- genoffen der Oeconomie mit Recht genieße, in Verbindung mit dem Verbrechen, das hier in Frage stände, sei, welches daS Interesse erklärlich mache, ein Verbrechen, das in jeder Schwurgerichtsperiode das Gericht nicht nur einmal, sondern mehrmals beschäftige, und welches im planlosen, wilden DraufloSschwören und im niederträchtigen Verleiten und An­stiften zum Meineid seinen Grund finde. Redner schildert den Gang der Ereignisse, welche zu dieser Verhandlung Ver­anlassung gegeben. Nicht nur der Gendarm Heimbrecht hätte beim Schöffengericht in Bad-Nauheim daS Gefühl, daß dort ein Meineid geleistet, auch andere Leute hätten dort dieselbe Wahrnehmung gemacht und dem Beamten davon er­zählt. Die Schad habe vor dem Schöffengericht in Bad- Nauheim zweifellos beschworen, die Abendmilch wird ent­rahmt, der Rahm komme aber wieder auf die Kannen, bis auf ein Bischen, welches zurückbleibe. Dieses Endresultat stehe nach der Ansicht des Staatsanwaltes fest und die Schad selber gestehe zu, dies beschworen zu haben und eS läge gar kein Grund vor, daran zu zweifeln. Der Staatsanwalt geht dazu über, die Frage zu erörtern, wer diesen Meineid verursacht und veranlaßt habe, wer ein Interesse daran ge­habt, daß die Schad so und nicht anders aussagte. Frau Schultheis wußte, daß sie als Milchfälscherin auch bestraft