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Der
Hielfener A«zeiger erscheint täglich, $nit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener
I»amilie«ötLtter werden dem Anzeiger .Wöchentlich dreimal beigelegt.
Donnerstag den 11. Juli
Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
1898
Vierteljähriger A»o«nementsprei«r 2 Mark 20 Psg. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Psg.
Redactton, Expedition und Druckerei:
Schntstrahe Ar.7.
Fernsprecher 51.
Amts- und Anzrigeblatt für den Kni* Gieren.
Hratisöeitage: Gießener Iamitienökätter
veröffent- betreffend Krieges
Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Wir machen noch darauf aufmerksam, daß eS weniger auf die Zahl der zur Anzeige gebrachten Feldfrevel ankommt, als auf den von den betr. Bediensteten betätigten Diensteifer, insbesondere in Verhütung von Freveln durch stete Anwesenheit im Felde und daß ferner auch das außerdienstliche Verhalten (nüchterner Lebenswandel) mit in Betracht zu ziehen ist.
Gleichzeitig werden Sie uns diejenigen Feldschützen, welche Sie einer Belohnung nicht für würdig halten, unter Angabe der Gründe benennen.
v. Gagern.
Bekanntmachung.
betreffend Schießübungen.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, saß das Jnfanterie-Regiment Kaiser Wilhelm Nr. 116 in der Zeit vom 23. bis 27. Juli l. I. jedesmal von Vor- mittags 7 Uhr ab bis 3 Uhr Nachmittags Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände Odenhausen—Geilshausen—Bersrod—Beuern-Allertshausen nördlich Grünberg
„O! O!" stöhnte Doctor Quängler und hielt sich die Ohren zu.
Der Abscheu vor der Musik und die Angst vor den bevorstehenden Martern hatten ihn plötzlich aus allen seinen Himmeln gerissen.
Doch zur rechten Zeit erinnerte er sich der unwiderruflichen Thatsache, daß er Quängler---das entzückende
Geschöpf in der anderen Ecke des Waggons aber — Frau Quängler hieß.
Glückselig breitete er die Arme aus und versöhnt sank die reizende Polli an seine Brust. — Was konnte das unschuldige Wesen auch dafür, daß seine Mutter Clavier spielte? Die Musik war eben sein Verhängniß.
„Station Y! Aussteigen, meine Herrschaften!" rief der Conducteur, die Coupethür öffnend. —
Sie hatten das erste Ziel ihrer Hochzeitsreise erreicht. Ja, die Musik war Eustachius Quänglers Verhängniß!
„Wo man singt, da laßt Euch fröhlich nieder, Böse Menschen haben keine Lieder"
schmetterte eine jugendliche Tenorstimme nach der Begleitung eines Instruments, welches dem seiner Schwiegermutter an Güte nichts nachgab, aus der oberen Etage des Stationsgebäudes dem jungen Ehepaar entgegen. Darauf paukte der Künstler den Fatinitza-Marsch herunter.
Eustachius Quängler faßte sein junges Weib unter den einen, das Handgepäck unter den anderen Arm und dem, hinter dem Stationsgebäude haltenden Hotelwagen zusteuernd, summte er in seligster Stimmung, begleitet von den ersterbenden Tönen des Klimperkastens:
„Vorwärts mit frischem Muth, Lieb' ist mein Pauier.
Vorwärts mit kühnem Muth, Süßer Lohn wird ihr.*
„Gewiß! Aber Du versprichst mir dafür, daß meine | Mutter, so lange sie lebt, unser neues Heim auch als das ihre betrachten darf — alle ihre lieb gewordenen Gewohnheiten — ihre — — —"
„Alles, Alles, Geliebte!" — versicherte Doctor Quängler, ohne ihre Worte zu beachten, ganz glücklich über das Versprechen feiner reizenden Braut.
Als sie am Abend desselben Tages in einem Coupe erster Klasse ihre Hochzeitsreise nach Athen antraten, fragte die junge Frau ihren Galten, indem sie sich zärtlich an ihn schmiegte:
„Theuerster Eustachius, wie kamst Du nur auf die komische Idee, von mir das Versprechen zu fordern, nie wieder Clavier zu spielen. Ich kann ja gar nicht Clavier spielen, habe auch keine Lust, es jemals zu lernen".
Eustachius Quängler war starr vor freudigem Staunen.
„Ja aber Du — Du gingst doch mit der Musikmappe," stammelte er.
Die junge Frau senkte verlegen das Köpfchen.
„Ach, Geliebter, — jetzt kann ich es Dir ja sagen," begann die junge Frau erröthend. „Ich, ich verdiente mir mein Taschengeld mit feinen Handarbeiten — und damit die Leute nicht etwa--Na, Pu verstehst wohl. — Genug, ich trug die
fertigen Stickereien in der Mappe zu dem Lieferanten".—
„O Du Einzigste," jubelte der beglückte Gelehrte.
„Aber nun sage mir, wer in aller Welt spielt denn bei Euch das mittelalterliche, abgedroschene Zeug auf dem abscheulichen Klimperkasten?"
„Abgedroschenes Zeug — Klimperkasten?" Die junge Frau machte sich heftig aus dem sie umschlingenden Arm ihres Gatten los und rückte in die andere Ecke. „Ich möchte Dich bitten, Dich künftig paffender auszudrücken.---Meine
Mutter spielt — und da sie sich von dem, ihr als Andenken sehr theuren alten Clavier niemals trennen wird, so bringt sie es auch mit in unser neues Heim — und Du wirst jedenfalls noch oft —"
Berlin. 9. Juli. Das „Militär-Wochenblatt" licht Mitcheilungen verschiedener Truppentheile, Feiern der 25jährigen Gedenktage des von 1870/71.
Newyork. 9. Juli. Am vergangenen Samstag wurden die Staaten Illinois, Wisconsin, Miffonri, Georgia und RatüaS »ort heftigen Stürmen h-imgesucht, weichenden Schaden verursachten; in einigen Fällen wurden auch Personen verletzt. Der gemeldete Verlust an Menschenleben ist sehr gering. In Laka-Geneva (Wisconsin) sind durch das Umschlagen eines Vergnügungsbootes sechs Personen ertrunken. In Newton (KansaS) wurden 34 Häuser zerstört und 25 Per-
Feuilleton.
Sein Verhängniß.
Humoreske von Marie Treuter.
(Nachdruck üerbeten.) (Schluß.)
Vor einigen Tagen noch hätte ihn dieses Schweigen beglückt, heute beängstigte es ihn. Sollte man nebenan etwa schon wieder die Wohnung gewechselt haben? In dieser Gegend wäre es kein Wunder.
Eustachius Quängler ertrug diese Ungewißheit nicht länger. Es war doch eigentlich schicklich, daß er seiner Nachbarschaft einen Besuch abstattete — wo er doch Wand an Wand mit den Leuten wohnte.
Gedacht — gethan! —
Meine Feder ist nicht im Stande, auch nur annähernd den Eindruck zu schildern, welchen der Besuch bei der ver- cvittweten Frau Kanzleirath Nobel auf Doctor Eustachius Quängler hinterlaffen hatte.
Die höchste Steigerung von Ekstase ist nur ein schwacher Abglanz von dem Gefühl, welches ihn in Gegenwart der reizenden Polli beherrschte.
Selbst ihren profanen Namen Polyhymnia sanier entzückend und die etwas dürftige Einrichtung der Wohnung dünkte ihm in seiner Begeisterung feenhaft.
Einem Gegenstände aber vermochte er selbst bei seiner Verlobung keinen Nimbus zu verleihen — das war der alte Klimperkasten.
„Meine angebetete Polli," sagte er an seinem Hochzeitstage, ehe sie zum Standesamte fuhren, „das heilige Versprechen mußt Du mir als Beweis Deiner Gegenliebe ablegen, daß Du nie wieder Clavier spielen wirst".
-,,J« aber —"
„Kein — Aber — Geliebte," fiel ihr der Bräutigam angst- »oll in die Rede. „Nicht wahr, Du versprichst es mir?"
sonen verwundet..
Depeschen deS Bureau .Herold*.
Berlin, 9. Juli. Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich haben gestern von Potsdam aus in Begleitung ihrer Gouverneure eine Reise nach Süddeutschland angetreten. Die jüngsten kaiserlichen Kinder werden gegen Ende dieser Woche zum Sommeraufenthalt nach Saßnitz auf ^ttgen ab» reisen, während die Kaiserin erst im letzten Viertel diese« Monats dahin folgen wird.
Berlin, 9. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß die Mitglieder beider Häuser des Landtages für morgen Nachmittag 2 Uhr behufs Entgegennahme einer allerhöchsten Botschaft nach dem SitzungSsaale des Abgeordnetenhauses zu einer gemeinsamen Sitzung geladen sind, durch welche der Schluß der Session erfolgen dürfte.
Berlin, 9.Jnli. Der Bankier Albert Richter ist unter Mitnahme von Kautionen, deren Höhe noch nicht fest- gestellt werden konnte, flüchtig geworden.
Berlin, 9. Juli. In einer öffentlichen, von Mädchen und Frauen zahlreich besuchten Versammlung sprach gestern Abend der socialdeüwkratische Abgeordnete Stadthagen über die Auflösungen 'FMuen-Ägitgtion und Schließung der Nachtcafes, woM er scharfe Angriffe gegen die Polizei richtete. Mehrere andere R^oner empfahlen alsdann die M^eime Agitation unter den Frgr^n, da die öffentliche Agita- nori fihterfagt fei. /f v
Berlin, 9. Juli. An die heute Morgen erfolgte Ankunft des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe in Alt- Aussee zum Sommerausenthatt, knüpft sich, wie da« „Berliner Tageblatt" meldet, die Vermuthung, daß eine Begegnung der leitenden Staatsmänner Deutschlands und Oesterreich- Ungarns zu erwarten sei. Man glaubt, der öfterreich'
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für de« Agenden Tag erscheinenden Nummer blS Dorrn. 10 Uhr.
Ainllicher Theil.
Gießen, 6. Juli 1895. Betr.: Die Remunerirung des Feldschutzpersonals. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen att die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises. Bon Großh. Ministerium des Innern und der Justiz ist unS auch in diesem Jahre zur Belohnung des Feldschutz- personalS ein Credit zur Verfügung gestellt worden.
Sie wollen uns daher binnen 14 Tagen über die Dienstführung derjenigen Feldschützen Ihrer Gemeinde, welche sich durch treue Pflichterfüllung ausgezeichnet haben, nach folgendem Schema berichten. __________________
abhalten wird. Das vorbemerkle Gelände ist zu diesem Zwecke an den genannten Tagen für jeglichen Verkehr ad- | ^sperrt, und das Betreten des abgesperrten Geländes verboten. Die Schußlinie läuft in der Richtung auf Beuern. Die Straßen Geilshausen — Londorf-Climbach—Beuern- Bersrod- Reinhardshain sind paffirbar.
Das Regiment wird an den hauptsächlichsten Communi- cations-Punkten Poften ausstellen.
Gießen, am 8. Juli 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gagern.
Gießen, den 8. Juli 1895.
Betr.: Schießübungen.
Das Grotzherzogliche Kreisamt Gretzen an die Grosth Bürgermeistereien Allertshausen, Beuern, Bersrod, Climbach, Getlshauseu, Lou-
dors, Odenhauseu und Reinhardsharu.
Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie alsbald auf ortsübliche Weife veröffentlichen laffen und vor dem Betreten des durch das Schießen gefährdeten Geländes warnen. Weiter wollen Sie die Nachweisungen über etwa entstehende Flurschäden sofort nach Beendigung des Schießens am 27. l. Mts. dem Regiment zusenden, damit ine Abschätzung rechtzeitig erfolgen kann.
v. Gagern.________
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Juli. Wie Mittheilungen aus Stockholm melden, ist der dreitägige Aufenthalr Kaiser Wilhelms dort und in der herrlichen Umgebung Stockholms eine wahre Huldigung für Deutschlands Kaiser und das deutsche Reich gewesen. Gleich bei der Einfahrt im Hafen von Stockholm wurde Kaiser Wilhelm schon auf seiner Yacht „Hohenzollcrn" am Sonnabend vom König von Schweden begrüßt und bann vom König und den Prinzen in feierlicher Weise durch die festlich geschmückten Straßen Stockholms in das königliche Schloß begleitet. Tausende von Menschen begrüßten unterwegs den Kaiser und den König. Am Sonntag fand ew Ausflug der hohen Herrschaften nach dem reizend gelegenen ^bhoß GriySholm statt, und am Montag fuhren der Kaiser.Wiwelm und König Oscar nach Skokloster und kehrten Nachmittag näH Stockholm zurück. Am Montag Abend verabschiedete sich König OScar auf der „Hohen- zollern" vom Kaiser Wilhelm, und setzte der Monarch hierauf seine Nordlandsreise weiter fort. ' .>
Name
Alter
Dienst jahre
Anzahl der pro 1894/95 von dem Feldschützen erhobenen Anzeigen
Zahl der in Folge der Anzeigen erfolgten Berurtheil- ungen
Aeußerung über die Dienstführung


