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gedenken. — In besonders hervorragender Weise find die Genanntem betheiiigt an der wesentlichsten Thätigkeit deS ganzen Turnfestes! Mit scharfem Blick und gereiftem Urtheil, gegründet auf eigene Leistungsfähigkeit in der Kunst des Turnens, sowie auf den Satzungen, welche für die Werthbestimmung der einzelnen Uedungen vereinbart wurden, sind die Bewerthungen des Kampfgerichtes, die nach Punkten und Bruchtheilen von Punkten zählen, mathemaischr genau, unantastbar richtig!
Diese große Prüfungsarbeit, die den Stunden edlen Wettkampfes gegolten, ist nun soweit abgeschlossen, daß sich Kampfgericht und Berechnungsausschuß etwas Ruhe gönnen und sich den Freuden des Festes hingeben dürfen!
Dank und Anerkennung dieser Körperschaft! Mögen die erfreulichen Ergebntsie, welche der edle Wettkampf aufwetst und ihre Bewerbungen wie ein gutes Samenkorn wirken, befruchtend und anregend, damit die ersehnte Zeit näher rücke, wo in einem großen, gesunden Volkskörper auch eine große, gesunde Volksseele wohne, damit uns vornehmlich aus der Turverei erwachsen mögen: tüchtige Mitglieder der menschlichen Gesellschaft, wackere Bürger des Vaterlandes, hilfreiche Brüder allen Bedrängten, auf daß insbesondere unser deutsches Volk immer lest stehe auf den Grundpfeilern gesunden Volksleben-, welche nie anders heißen werden als: „Frisch, fromm, fröhlich, frei'." t t m
In dieser Gesinnung dem Kampfgericht und dem BerechuungS- ausschuß ein dankbares dreifaches Gut Hell!
Herr Heidecker toastete, indem er die zum Gelinge« des Festes getroffenen Einrichtungen lobte und den Vorrednern für das der Turnerei gezollte Lob seinen Dank abstattete, auf die Vertreter der Ausschüffe.
Herr Roth erme l brachte mit Hinweis auf die hervorragende Mitwirkung der Damen zum schönen Verlauf deS Festes ein „Gut Heil" auf die Damen Gießens, insbesondere die Turnschwestern auS.
Das Festesten war gegen 6 Uhr beendigt. Die Zubereitung der Speisen war vorzüglich und gebührt den. Wirthen der Festhalle, den Herren Feidel und Seb old, alle Anerkennung.
Das Schauturnen der Schüler hiesiger Schulanstalten nahm unter Leitung der Herren Dr. Pitz, Lehrer Leib und Mar golf wieder denselben schönen Verlauf wie bei der Vorfeier am 30. Juni. Reiche Beifallsbezeugungen wurden den jugendlichen Turnern von dem den Turnplatz dicht umstehenden Publikum zu Thetl. Der Sprung von der Jugend auf das Jünglings, und Mannesalter, wie er in dem nun folgenden Kürturnen der geübteren Turner des Mittelrhein- kretseS gewagt wurde, gelang vorzüglich, denn die Kürturner ernteten großen und wohlverdienten Beifall. Ungeheuer war der Andrang, als nach 9 Uhr Abends von der Vorturner- tribüne aus die Sieger beim Einzelwettturnen verkündigt wurden und begeistert das „Gut Heil", das dem Namen eines Siegers jedesmal folgte. Unter Musikbegleitung wurden die Sieger nach der Festhalle gebracht, wo sie auf dem Podium Aufstellung nahmen und daS auf sie ausgebrachte „Gut Heil" erwiderten mit einem „Gut Heil" auf die Feftstadt Gießen. Die errungenen Preise wurden an den einzelnen Tischen gehörig gefeiert, mancher Tropfen darauf getrunken. Wie bei der Vorfeier, so waren es auch gestern wieder die Auf. führungen der Turnmannschaften, besonders aber die Darstellung von Marmorgruppen, welche einen ungeheuren Andrang in der Festhalle veranlaßten und danach brausenden Beisakl fanden. Während in der Festhalle das Concert unserer RegimentScapelle die Festgenosten lange zusammenhielt, wurde auf dem Festplatze nach den Weisen der Bauer'schen Capelle flott getanzt.
Das Wettturnen der 273 Wettturner war Nachmittag»
22) Wilhelm Bamberger, Marburger Turnv. 533/4; Karl Gölzenleuchter, Bornheimer Turngem. 533/4; Wilh. Roffel, Wiesbadener Turnv. 533/4; Wilh. Ziegler, Gießener Turn- verein, 539/4, — 23) Karl Gnau, Offenbacher Tv., 53V« 24) Karl Gräbener, Hanauer Turnges. 53V4, — 25) E. Gröninger, Jdarer Tv. 52^4- Gg. Drexel, Höchster Turn- gern. 521/4/ — 26) Peter Emmerich, Offenbacher Turnges. 52; Gg. Noll, Gr.-Krotzenburger Turnv. 52, — 27) Rob. Seil, Wiesb. Turnv. 5P/3; H. Rocker, Wormser Turngem. 5P/2; Joseph Häuser, Schwanheimer Tv. 5P/a; I. Kohl, Hanauer Tv. 5P/2, — 28) Robert Braun, Franks. Turn- nnb Fechtclub, 501 /2; F. Daniel, Höchster Turngem. 5072; Ernst Heller, Oberrader Turngem. 50 V2 / Karl Schuckhard, Bornheimer Turnges. 50 V2/ — 29) Lorenz AlthauS, Heddern- heimer Tv. 501/*; Wilh. Fladuug, Bockenhetmer Tu. Borw. 50i/4, — 30) Heinr. Weller, Gießener M.-T.-D. 50- Franz
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Heute jDie ßchaubühue in i wm Fechten ai munter viel < Den Beginn m 10 Uhr die Feil folgte, i° MNl sah, oder dir« zahl der Turne Sallbliitigkeit a Am ersten @11 oxbntt, währen^ der Punktzahl z rin Fechten mit Hause eintrat.
Nachstehend gehabten PreiSfe 3?'/;, 2) Georg Lsstnbach, 342/3, Alke, Flanksurt, 7^ Bartholoniaus
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erhebt den Volksgeist.
Ich habe dieTurneret eine der besten Volkseinrichtungen j genannt und Sie gestatten mir, daß ich diese Bezeichnung recht« ; fertige.
Wir leben in einer Zett, die in der Vergangenheit ihres gleichen nicht gehabt hat, in einer Zeit, die man in gewiffem Sinne eine eiserne nennen könnte.
Eiserne Wege vermitteln den Verkehr, eiserne Drähte übertragen das geschriebene, wie das gesprochene Wort, ja den Schall und Klang der Töne im Augenblick über Tausende von Meilen, wie sie lichtsprudelnde Kraft vermitteln, die mit dem Glanz unseres Tagesgestirns wetteifert; eiserne Maschinen verrichten die feinsten und schwersten Arbeiten; die eisernen Waffen sind zu furchtbarer Vollkommenheit entwickelt 1
Die Bedienung der Maschinen, die Arbeit in den Fabriken, in den Bergwerken, in den Verkehrsanstalten, der Dienst im Landheer und in der Marine stellen die größten Anforderungen an die physische Kraft, bis in die kleinsten Erwerbszweige hinein wird sie intensiv in Anspruch genommen.
Eine solche Zeit kann keine Schwächlinge brauchen, sie bedarf, wenn ich so sagen darf, eiserner Menschen, sie bedarf Menschen, deren Körper durch Uebungen ausdauernd, gewandt und kräftig ist. ipi
Aber noch größer sind die Anstrengungen des Geistes, die unsere Zeit verlangt! Frühzeitig muß das Kind zu lernen beginnen, langeJahre bis zum Mannesalter muß der Knabe und Jüngling lernen und nachdem er daS heutige Normalmaß geistigen Könnens und Wissens erlangt hat, tritt er in einen Eoncurrenzkampf ein, in dem eben zum Erfolge dieses Normalmaß nicht genügt, in dem die volle Kraft dauernd eingesetzt werden muß. Die schwierigsten Probleme sind es in Wissenschaft und Technik, die heute den menschlichen Geist beschäftigen, bahnbrechende, niemals für möglich gehaltene Entdeckungen fallen in unsere Tage.
Meine Herren! Wenn man unter Cultur den Inbegriff alles dessen versteht, was menschliche Thätigkeit auf geistigem und körperlichem Gebiete schafft, dann ist unsere Zeit die des höchsten Eulturzustandes. Und doch ist sie es nicht! Kein Volk ist bis jetzt auf der denkbaren Culturhöhe angelangt, zahlreiche Wünsche bestehen, die allgemeine Wohlfahrt liegt noch in weiter Ferne, eine weitere Eulturentwickelung muß deshalb angestrebt werden, namentlich in der Richtung einer harmonischen Ausbildung der Nation, der Heranziehung eines gesunden, geistig und körperlich kräftigen Geschlechts.
Eine der vornehmsten Eulturarbeiten in diesem Sinne find die Leibesübungen, ist das Turnen.
Die Leibesübungen machen unser Geschlecht kräftig und ausdauernd und geeignet, den schweren Anforderungen an die physische Kraft zu genügen; sie erhalten das Volk gesund, sie verleihen den Menschen bis in das Alter hinein eine größere Widerstandsfähigkeit gegen schädliche Einflüsse, sie sind deshalb ein wichtiges Mittel der Gesundheitspflege und damit ist ihr Werth für die Volkswohlfahrt und die Cultur ohne Weiteres gegeben.
„Es giebt nichts, was dem Leben Kraft, Sicherheit und Dauer in dem Maße verschaffen kann, als freiwillige Muskelbewegung." Hufeland (Makrobiotik). Das Turnen ist aber auch nothwendtg, damit ein Gegengewicht bestehe gegen die übermäßigen Anstrengungen des Geistes, es ist nothwendig, damit die Ausbildung der Nation eine harmonische sei. Die antike Welt hat uns daS Vorbild gewährt für die harmonische Ausbildung von Körper und Geist. Gymnastische Spiele bildeten einen Haupttheil der Jugenderziehung, körperliche Abhärtung, Geschicklichkeit, schönere Bildung, Muth, Gegenwart des Geistes in Gefahren, Vaterlandsliebe waren ihr Zweck.
Oeffentliche Gebäude von unermeßlicher Größe und auffallender Pracht verkündigten schon den hohen Werth, den man auf die Gymnastik legte: dort erschienen Redner, Philosophen, um die Gedanken zu wechseln, Jünglinge und Männer, um sich körperlich zu üben, Kränkliche und Schwache, um sich durch Uebungen zu stärken, Jung und Alt, Arm und Reich, durch alle Stände, um zu sehen, sich zu belustigen, theilzunehmen."
Das Turnen hat aber für unsere "Nation unter den geaen- wärtigen Zettverhältnissen besonderen Werth, weil es dem Ganzen bient, weil es zugänglich ist jedem Einzelnen, auch dem Aermften im Volke und weil es ein Moment zur Ausgleichung der Klassen-Gegensätze von großer Bedeutung ist. DieTurneret kennt keine Unterschiede des Ranges, der Geburt, des Vermögens, der politischen Stellung; auf neutralem Boden führt sie die Blütbe der Nation zusammen, hoch erhebt sich der nationale Geist des Turners über den Streit unserer Tage, der Turner
Höhe drang. „ m !
Auch heute noch haben Volksfeste großen Styls ihre Be- ; rechtigung: gerade in einer Zeit, in der das Alltagsleben, in der die , materiellen Interessen die Menschen ganz und gar in Anspruch j nehmen, in der die Klassengegensätze erweitert und vertieft sind, I fltrabe in einer solchen Zeit thuen festliche, unpolitische, von materiellem ( Jnteressenstreit freie Volksvereinigungen noth. (
Sie führen auf neutralem Boden die Volksklassen zusammen; nahe Berührung schleift Härten und Kanten ab, in froher Bewegung werden die Klüfte übersprungen, die sonst die Menschen trennen und die sonst zu überbrücken man sich ängstlich hütet. i
Wo aber festlich sich vereinigen die Genoffen und Förderer i einer Bestrebung, die, wie die Turnerei, eine der besten Volks- ; einrichtungen ist, da gilt, was von großen Volksfesten allgemein < g iagt werden kann, in erhöhtem Maße: edel-sittlich ende, das \ Alltagsleben befruchtende Gedanken gehen von solchen Festen j aus, daS Streben nach menschlicher Vervollkommnung, nach wahrer ' Verschönerung des Lebend, das das Wesen der Turnerei bedeutet,
4 Uhr beendet. Die PreiSvertheilung fand unter großem Andrang des Publikums nach 9 Uhr statt und hatte folgendes Resultat: 1) Theodor Kahlet, Franks. Turn- und Fechtclub 68J/4 — 2) Fritz Funk, Hanauer Turngem. 6474; Philipp Schauermann, Sachsenhausener Turnges. 64y4 — 3) Adolf Gräbe, Offenbacher Turnverein 63— 4) H. Merte, Offenbacher Turnv. 623/4; Herzberger, Mainzer Turnv. 623/4; C. Angermeier, Frankfurter Turn- und Fechtclub 623/4, — 5) Franz Schott, Offenbacher Turnges. 613/4, — 6) Adolf Herbert, Kleinfteinheimer Turn- u. Fechtclub 61, — 7) Emil Schwab, Wiesbadener M.-T.-V. 603/4, — 8) Christian Wüst, Bockenheimer Turngem. 60V4, — 9) Georg Frankl, Wiesb. M.-T.-V. 60; Michael Paul, Heusenstammer Turnverein 60, — 10) Philipp Mark, Kreuznacher Turnv. 593/4;, E. Meny, Jdarer Turnv. 59’/4; H. Henz, Bornheimer Turngem. 593/4; E. Häusler, Franks. Turn- u. Fechtclub 59»/4,— 11) Nicolaus Winkelmaher, Franks. Turn- und Fechtclub 59, — 12) Karl Wehner, Franks. Turngem.
Georg Küchenbrod, Offenb. Turnv. 58V2, — 13) Wilhelm Jöckel, Gelnhausener Turnv. 58y4, — 14) C. Heuser, Gießener Turnv. 573/4, — 15) Fritz Frick, Btebericher Turnges. 57, — 16) Christian Würfler, Wiesb. Turnv. 56- Louis Pflug, Giunheimer Turnv. 56, — 17) T. Helmer, Rödelheimer Turnv. 55y4, — 17) F. Reihser, Frankfurter Turn- u. Fechtcl. 55</4; R. Schwab, Sachsenhausener Tv. 55y4, __ 18) Emil Liebmann, Alzeyer Turnv. 55; C. Conrad, Algenroder Turnv. 55; H. Recktenwald, Mahlstädter Turnv. 55, — 19) Anton Wolf, Höchster Turnges. 543/v 20) Peter Stier, Dörnigheimer Turnv. 541/a, — 21) Karl Reuter, Keffelftädter Turnv. 54; Karl Bender, acad. Turnte Darmstadt, 44; August Rach, Frankfurter Turnv. 54, —
an, daß die Festigkeit und Macht unseres Reiches und Vaterlandes nicht zum wenigsten auf dem patriotischm Sinne und der Einigkeit seiner Fürsten begründet ist.
Kaum find die glanzvollen Tage vorüber, an welchen unser tbatkräftiger nie rastender Kaiser eines der großartigsten Werke der (5ultur seiner Bestimmung übergab, ein Werk, welches erst durch die Wiedergewinnung des vielbesungenen meerumschlungenen Bruderlundes an der Eider ausführbar wurde und nun die zwei deutschen Meere verbindet. Vollzählig umgaben den Kaiser seine Bundesgenossen, und unter ihnen unser junger Großherzog, welchem leider fein Aufenthalt in England es unmöglich macht, der Einladung zu Ihrem Feste zu entsprechen. Europa, ja die ganze civiltfirte Welt war dort im Norden unseres Vaterlandes neidlos oder auch neidisch Zeuge deS Triumphes deutscher Thatkraft auch in den Werken des Friedens, — war Zeuge der Einigkeit seiner Stämme, die dies Werk ermöglichte, — war Zeuge des brausenden Jubels, welcher dem deutschen Kaiser und feinen Bundesfürften aus Herz und Mund Hunderttausender allüberall entgegenhallte!
Lasten Sie auch uns diesen aus dem Herzen kommenden Gefühlen Ausdruck geben und unserem erhabenen Kaiser, sowie unserem vielgeliebten Großherzoge, dem Landesherrn, unter dessen Schutz und Schirm Sie das 22. mittelrheinische Kreisturnfest hier begehen, durch dreimaligen turnerischen Zuruf huldigen: Gut Heil, Gut Heil, Gut HeU!
Beim zweiten Gang nahm Herr Rechtsanwalt Grünewald daS Wort zu folgender Ansprache:
Geehrte Festoersammlung!
Man mag in unseren Tagen mit Recht Klage erheben über die große Anzahl von Festen, man mag mißbilligen die Auswüchse des Vereinswesens — man wird nicht bestreiten können, daß große Volksfeste eine erhebende Wirkung auf den Volksgeist auSüben.
Man mag lächeln über die Turnfest- und Schützenfest- sttmmung vergangener Tage — man wird nicht leugnen können, daß dort die Wünsche und Hoffnungen des deutschen Volkes zum lauten Ausdruck gelangten, daß der Ruf, zu dem Tausende von Stimmen sich vereinigten, in die Tiefe der Nation und bis zur
kennt nur eine Politik: schlicht und anspruchslos dem Vaterlande zu dienen, deutsche Art und Sitte zu pflegen!
Darin erblicke ich ote wichtigste Eigenschaft des Turnwesens, daß es eine Einrichtung ist, an der Jeder sich bethelliaen . kann, ich prädizire es als ein erziehliches, sociales, die Wohlfahrt der Nation förderndes Moment von größter Bedeutung.
Das Turnen ist aber endlich ein wichtiger Factor im Hinblick auf die Wehrhaftigkeit der Nation. — Daß in deutschen Landen jeder erwachsene Jüngling zum Heeresdienste verpflichtet ist, wird auf absehbare Zett bleiben, wird bleibm, so langeDeutschland im Herzen von Europa liegt und nach mehreren Setten sein Schwert locker halten muß, wird bleiben, so lange nicht Einsicht, Vernunft und Humanität die Völker und ihre Leiter so erfüllen, daß Kriege vermieden werden. So lange wird auch jeder Patriot es für Pflicht der Nation erachten, das aus der allgemeinen Wehrpflicht heroorgegangene Heer gesund zu erhalten und immer brauchbarer zu gestalten. Das Turnen ist aber eine zweckmäßige Vorbereitung für den Heersdienst, es leitet den Jüngling au8 seinem bürgerlichen Verhältniß wohl vorbereitet und gerüstet auf den militärischen Uebungsplatz und der turnerisch vorgebildete Soldat hat an das specifisch Militärische nicht viel mehr Mühe zu verwendm als etwa der ausgebildete Soldat an die Erlernung eines neuen Reglements.
Nicht, als ob ich meinte, daß bad Turnwesen militärisch werden sollte! Nein, das soll und darf es nicht werden, denn die militärische Erziehung, angewendet auf ein ganzes Volk, steht im Widerspruch mit den Zwecken und Zielen der Menschheit, die eben friedliche sind.
Nein, die gymnastische Erziehung soll unbeengt, heiter und frei sein, nicht etngeschlossen in militärische Formen. Sie soll rein menschlich alle Angehörigen der Nation berühren, aber andererseits soll sie doch so eingerichtet sein, daß der Wehrpflichtige von ihr einen Nutzen hat für seinen Dienst.
Zum Gehen und Laufen, zum Springen in die Weite, Tiefe und Höhe, zum Ringen und Kämpfen, zum Erstürmen und Vertheidigen von Höhen und Brücken kann der Jüngling vorbereitet werden; Anstelligk-it, Entschlossenheit, Muth, GeisteS- Segenwart wie Ausdauer und Unermüdlichkeit kann er sich aneignen, evor er den Soldatenrock anzieht.
Wird diese Durchbildung der Jugend eine allgemeine, so ist der Wunsch nach weiterer Abkürzung der Dienstzeit erfüllbar.
Bei v. Schmehltng (1819): „Die Landwehr und die Turnkunst" ist nachgewiesen, daß bei gehöriger Vorbildung durch daS Turnen die Dienstzeit beim Fußvolk höchstens ein Jahr in Anspruch zu nehmen braucht.
Ich halte deshalb eine Verbindung und Wechselwirkung des nationalen Turnens mit dem nationalen Heerwesen für eine wichtige, mehr und mehr zu fördernde Sache!
Ich fasfe mich dabin zusammen: Die Sache, der wir heute festlich dienen, ist eine eole und gute.
Das Turnest ist ein wichtiges Rüstzeug für die Arbeit des Friedens und des Krieges, eine Schutzwehr gegen Verfall und Siechthum des Volkes, eine volksthümliche, ausgleichende Einrichtung in der besten Bedeutung, es ist so recht ein Zug deutschen Volkswesens!
In das vom Redner auf die Turnerei ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung stürmisch ein.
Herr F. C. B. Koch, Präsident der Handelskammer Gießen:
Von einem Redner hörten wir unser Gießen als eine Feststadt preisen in dem Sinne, daß unsere Stadt vor vielen anderen im Kranze ihrer Schwestern es verstehe, Feste von größerer Bedeutung gut vorzuberetten und nach allen Richtungen aufs Beste durchzuführen. Wir müssen zugeben, daß wir es in diesen Dingen durch häufige Uebung zu einer gewissen Schulung gebracht haben. Darum finden Sie, wenn ein Verein vor die Frage gestellt ist, ein Fest zu übernehmen, gleich dem gegenwärtigen, ein ängstliches Bangen und Zagen, ob man dieser Aufgabe auch gewachsen sein werde, berechtigten Erwartungen gemäß die Feier würdig zu gestalten vermöge. Was uns mit solcher Zuversicht erfüllt, ist nicht das Bewußtsein eigener ausreichender Kraft, diese Zuversicht gründet vielmehr in der Gewißheit, daß neben den uns bei solchen Veranstaltungen eine helfende wohlwollende Förderung Seitens der staatlichen und städtischen Behörden wir uns voll und ganz verlassen können auf die Mitwirkung der hiesigen Vereine, wir alle in ächter Solidaridät treu zusammenstehen, in diesen Ehrendienst uns zu theilen, jeder Einzelne unserer Mitbürger mit Herz und Hand dabei ist, den wohlbegründeten Ruf unserer gastlichen Stadt mehren zu helfen. Dieses einige Zusammenwirken ließ alle seitherigen Feste wohlgeltngen, und der Verlauf detz heutigen zeigt aufs Neue, was vereinte Kräfte vermögen. Nachdem uns während der Vorbereitungen von Seiten der hiesigen Vereine die wirksamste Unterstützung zu Theil geworden war, sehen wir sie gestern durch decorattoe Vielgestaltung des Festzuges Vorzügliches leisten und auch hierdurch zur Verherrlichung des Festes beitragen. Die Gesangvereine unserer Stadt werden auch diesmal ihren alten Ruhm glänzend bewähren, ihrem Ruhmeskranze neue Lorbeeren zufügen, durch die Macht des deutschen Liedes werden sie im Laufe ves Festes Herz und Ohr entzücken, durch die Allgewalt der vereinten Chöre uns hervorragende Genüsse bieten. Wenn alle diese treuen Mitarbeiter auch nicht um äußerer Ehre willen, sondern in selbstloser Hingabe sich in den Dienst deS Ganzen stellten, so ändert dies doch nicht das Gefühl der Anerkennung, welche wir ihnen zollen, mindert nicht daS Gefühl des Dankes, den die Festleitung ihnen schuldet und welche darzubringen mir der ehrenvolle Auftrag geworden ist. Diesem tiefempfundenen Danke glaube ich am Besten Ausdruck zu geben in dem Wunsche, daß die uns unterstützenden Vereine zur ferneren Pflege des Guten und Schönen in alle Zukunft blühen, wachsen und gedeihen mögen.
Bekräftigen Sie, meine Heben Festgenoffen, diesen Dank durch ein dreffaches Gut Heil!
Herr Schien ke als dritter Redner wies auf die Arbeit und Mühe hin, die nothwendig waren, ein solches Fest in die Wege zu leiten und hielt es für feine Pflicht, Derer zu gedenken, die mit Fieberhaft an dem Zustandekommen des Festes gearbeitet haben; die Arbeit der Ausschüsse sei mit viel Sorgen begleitet gewesen, alle Ausschüsse hätten ihre besten Kräfte eingesetzt, den Mitgliedern der Ausschüffe gebühre deshalb in erster Linie Dank, dem Ausdruck zu geben er auffordere zu einem dreifachen „Gut Heil" auf di: Ausschüffe.
Herr Helm knüpfte an die von Herrn Provinztaldirector Freiherr v. Gagern gesprochenen Worte und daS von demselben ausgebrachte Hoch auf Kaiser und Großherzog an, und schlug die Absendung von Begrüßungsdepeschen vor. Unter jubelnder Zustimmung wurden hieraus folgende Depeschen abgesandt: 1) An Se. Majestät den Kaiser: „Die beim Festmahl deS 22. Mittelrheinischen KreisturnsesteS in Gießen vereinigten Turner legen Ew. Majestät den Ausdruck unterthänigster Huldigung der ganzen Turnerschaft zu Füßen"; 2) an Se. Kgl. Hoheit den Großherzog. „Die beim Festmahl des 22. Mittelrheinischen Kreisturnfestes in Gießen vereinigten Turner legen Ew. Kgl. Hoheit den Ausdruck unterthänigster Huldigung der ganzen Turnerschaft zu Füßen."
Herr Bergen, Director des Gießener Gas- und Wasserwerkes:
Geehrte Festgenoffen!
Es ist mir die ehrenvolle Ausgabe zugefallen, der Thätigkeit deS Kampfgerichts und des Berechnungsausschusses zu


