Die- Bewußtsein veranlaßte eia freudiges Zusammenwirken, und ließen deshalb namentlich auch die gewählten Vororte sich eS als eine besondere Ehre angelegen sein, der Vereins» Obliegenheiten sich besonders anzunehmen, durch kräftige Initiativen Fortschritte avzubahnen und immer da ein neues Arbeitsfeld sich auszusuchen, wo noch auSzubauen und Früchte der Anerkennung zu ernten waren. Außer den oben genannten Herren, die sich um die BereinSangelegenheiren verdient gemacht haben, find aus der späteren EntwickelungS- periode eine Reibe anderer Männer zu nennen, die im Bild- niffe dem letzten Bande der Zeitschrift bei der schon mehrfach erwähnten Geschichte deS deutschen und öfterreich'.schen Alpen- verein- beigesügt find. Wir füllen die obige Lücke durch die Erwähnung solcher Namen, wie deS Herrn Dr. v. Hochfletter, deS Präsidenten des Vororte-,Wien 1870—1873, dann aus der Zett der VorortSthätigkett Franksurt a. M. vom Jahre 1874—1876 seines Präsidenten und bedeutenden Alpinisten Dr. Petersen, deS Münchener hochverdienten VereinSmitgliedeS Sendtner in den Jahren 1877—1879, und aus seiner Vor- ortSthäligkeit Herrn Dr. K. v. Zittel, ein und schließlich Herrn Osten au- Wien, Herrn v. Ädameck. Durch alle die BorortSthätigkeiteu hindurch zieht sich als eine einzige Aufgabe, die stet- als Bermächtniß ihres seiner Vorgänger vonjden späteren Vororten übernommen wurde, und schließlich die Regelung deS Führerweseos, deren höchstwichtige Lösung bis in alle Einzelheiten hinein die Kräfte der CentralauSschüffe vollauf in Anspruch nahm. Bei der Zunahme deS Touristenverkehrs traten gesteigerte Anforderungen an die Bergführerschaft, denen sie nur dann gerecht werden konnten, wenn sie mit allen Fortschritten der touristischen Technik vertraut gemacht wurden.
Nur an der Hand eines technisch geschulten Personals konnte man die schwierigen Hochtouren bei zuverlässiger Führung sicher ausführen und namentlich auch das Dorurtheil allzukühner Unternehmungen beseitigen helfen. Man richtete besondere Führercurse ein, um daS Personal zu ihrem Beruf tüchtig auSzubllden. Wie weit umfasiend hier das Arbeitsgebiet sich gestaltet hat, ergiebt eine kurze Ueberfichr der Lehrfächer, wonach besondere Unterrichtscurse ertheilt werden Über erste Htlfletstung in Unglücksfällen und Erkrankungen, über Kartenlesen und Anleitung zum Gebrauche des CompasseS, über allgemeine Geographie der Alpen, die wichtigsten GebirgS- und Steinarten der Alpen, Organisation des AlpenvereinS, Bedeutung desselben für den Fremdenverkehr in den Alpenländern, über Führerordnung, Rechte und Pflichten der Führer, über Benehmen gegen Fremde, Organisation deS Führerwesens, Führeraufsicht, die Gefahren des Bergsteigens und die Verhütung, Anleitung zum Gebrauch von Seil und Pickel u. A. Ganz besonders war aber die Regelung des Führerwesens nach der geschäftlichen Seite eine Obliegenheit des Vereins und hier waren die Maßnahmen
fn der festen Norm einer Bergführerordoung besonder- auSzu- arbeiten. ES wurde zunächst eine FührerunterstützungSkasie geschaffen, auch Bergführervereioe errichtet, Führerbibliotheken begründet, Führerzeichen eingeführl und Führerprotocolle angelegt, auch die Ausrüstung der Führer mit Normal-Seilen und Verbandzeug in Angriff genommen. Die Führeraufficht wurde durch Abgrenzung und AuffichtSbezirke geregelt, welch mühsame Arbeit namentlich „durch den Führerrefereoten Dr. Zeppezaur" zu aller Zufriedenheit geregelt wurde.
Besonders aber wurde dann auch als wichtige Maßnahme die Alters- und Jnvaliditätsversorgung dieser um dte Vereinsmitglieder so verdienten Männer seit dem Jahre 1883 endgiltig angeregt und dann bald zum Abschluß gebracht. So heißt eS denn in diesen Bestimmungen, daß auch für Wittwen und Waisen Unterstützung nach bestimmten Normen und in bestimmtem Ausmaße gewährt werden soll, ja sogar Mittel für Gewährung von außerordentlichen Unterstützungen nach freiem Ermeffen verfügbar bleiben sollen. Den Führern ist dann noch durch ein in volksthümlichem Tone auf Ber- anlaffung deS Vereins verfaßtes Buch, „eine Anleitung zur Ausübung des Arbeiterberufs", eine erwünschte Handhabe zur Selbstbelehrung geschaffen. So sehen wir wiederum auch in dieser weitgehenden Fürsorglichkeit, daß der Verein auch in gemeinnützigen Werken seine Hauptthätigkeit entfaltet hat, während ihm aber als größter Erfolg seiner Schaffenslust die Genugthuung bleibt, daß aus jenen schneebedeckten Ketten der Alpen, die den Kriegerschaaren der weltbeherrschenden Roma mit ihren von wilden Bergvölkern bewohnten Regionen eine uuwirthliche Marschroute nach ihren germanischen Militärstationen an der Donau und am Rhein boten, durch deren beschwerliche Pässe daS Saumthier des Mittelalters, mühselig beladen auS den blühenden Gefilden Italiens seine lästige Bürde nach den nördlichen Handelsplätzen schleppte, daß auS diesen Gefilden die Schreckniß und Furcht etnflößenden Geister auf ewig gebannt sind, daß der Schleier des Geheimaißvollen, Unnahbaren zerriffen, und daß trotz muthiger, immer erneuter Gegenwehr der kühne Alpensteiger den festen Fuß auf die trotzigsten Häupter muthig gesetzt hat mit dem stolzen Bewußtsein, einem AntäuS gleich aus dieser mannhaften Berührung neue Kräfte sich gesammelt zu haben, um gegen den Ansturm der modernen blasirten Geister deS Nihilismus und Pessimismus sich stets gewappnet zu halten. DieS waren deS deutsch-österreichischen Alpenvereins vornehmste Aufgaben und hierin bietet sich dem Verein auch für die Zukunft die Garantie einer fröhlich gedeihlichen Weiterentwicklung, denn jeder wahre Naturfreund wird die Worte unseres Purtschelles bestätigen, daß „Motive idealster Art, daß gehetmntßvolle, ethische Regungen der Seele eS find, die uns immer wieder hinauflocken zu den einsamen, wölken umthürmten Höhen, in das Bereich deS Gletschereises, der Firnen und Schneegipfel", und wenn es nicht Jedermanns
Sache ist, diesem kühnen Bergsteiger bis in seine hohen Regionen zu folgen, so wird auch der weniger Geübte schor bei geringen Leistungen die Wahrheit der Worte unsere« Altmeisters Goethe an sich empfunden haben, daß die frisch, Luft deS freien Feldes, des Waldes, deS Gebirges Le» eigentliche Ort ist, wo wir hivgehören, denn hier txh
empfinden wir, als ob der Geist Gotte- erst hier das
Menschliche unmittelbar anwehte und eine göttliche ßra-t ihren Einfluß auSübte. Und so wünsche ich denn zum Schlp; den verehrten Herren deS Gießener AlpenvereinS, welche, der Genuß einer Alpenreise noch für dieses Jahr bevorstetz, eine fröhliche Fahrt, indem ich mich zugleich der Hoffw^ hingebe, daß bei einem fröhlichen Wiedersehen nach glüH zurückgelegter Reise unS. im DereinSlocale Gelegenheit^ boten wird, die frisch gesammelten Reiseeindrücke in ei* Reihe von Vorträgen im Geiste noch einmal mir Jh„ genießen zu können.
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Gießen, den 3. August 1895.
Bekanntmachung.
Wegen Herstellung der Stockwerktreppe im Bürgermeistereigebäude sind die Amtszimmer der Bürgermeisterei von Samstag den 10. d. M., Nachmittags, bis Montag den 12. d. M., Abends, geschlossen. Dar Büreau des Standesamtes befindet sich während dieser Zeit im unteren Stock im Seitenflügel neben dem Ortsgericht.
Gießen, den 1. August 1895.
Bekanntmachung.
Die bis 1. August l. I. fällig gewesenen Holzgelder, sowie die Pachtgelder von städtischen Triebvierteln rc. sind innerhalb acht Tagen bei Meidung des Beitreibungsverfahrens zur hiesigen Stadtkaffe zu entrichten.
Gießen, den 5. August 1895.
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