Ausgabe 
9.7.1895 Erstes Blatt
 
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Ausdruck des Dankes die Feftgenoffen auf, mit ihm einzu-

Aufstellungsplätzen

den

verspätete Eintreffen

der

nach Sicher,

Schiffenberger Weg. so bildere auch gestern der

Wie bei allen größeren Festen,

Festzug

Nachdem Seine Majestät der Kaiser die Front der Ehren­wache abgeschritten hatte, fuhr Allerhöchstderselbe in Begleitung des Königs nach dem Schlöffe. Seine Majestät der Kaiser trug schwedische, der König von Schweden und Norwegen deutsche Admiralsunisorm. Der Kronprinz war in der Uniform seines Dragonerregiments, Freiherr v. Derflinger (Neumärkisches) Nr. 3, Prinz Carl in deutscher Ulanenuniform erschienen.

Madrid, 6. Juli. AuS Fort Simon aus Costorica wird gemeldet, daß ein deutsches Schiff mit fünf Schnell­feuerkanonen, 1200 Gewehren, 800 Revolvern und 500,000 Patronen nach Cuba abgegangen sei.

Ludwigstraße und im

die Glanznummer. Das theilweise entfernter wohnenden Turner brachte es mit sich, daß der Zug ungefähr eine halbe Stunde später wie vorgesehen sich in Bewegung setzen konnte, und wir müssen sagen, daß, als endlich das Zeichen zum Abmarsch gegeben wurde, Alles vor­züglich klappte. Eröffnet wurde der Zug durch einen Herold, fl dem eine Anzahl Reiter im Turneranzug folgte. Diesem reihte sich an, die Feuerwehr, das Ehrenpräsidium. Das aus Mannschaften des Kaiser Wilhelm-Regiments gebildete Corps der Spielleute und Tambours, bekleidet mit weißen Bein­kleidern, LitewkaS und mächtigen Strohhüten schritt dem nun folgenden ersten unter Leitung des Herrn Musikdtrectors Krauße stehenden Musikcorps voraus, welchem sich der Fest- und geschäftsführende Ausschuß, der Kreisausschuß der Turnerschaft sowie die Kampfrichter anschlossen. Diesem Zug- theil folgten die Männer, welche durch unermüdliche Arbeit sich um das Zustandekommen des Festes unstreitig große Verdienste erworben, die Mitglieder der Gesammtausschüffe. Nunmehr nahten die ersten Turner, die in Stärke von ca. 60 Mitgliedern den Nahe Jdargau repräsentirten, es schloß sich ihnen an derRadfahrclub Hassia" mit einem prächtigen Prunkwagen. Es folgten die Turner des Main-Taunus- Gaues, schon stärker vertreten, denn zahlreich an Mitgliedern ziehen die Vereine von Bockenheim, Cronberg, Griesheim, Ginnheim, Heddernheim, Hausen, Höchst, Homburg, Niederrad, Oberstedten, Oberrad und Oberursel, Rödelheim, Schwanheim, Vilbel, mit ihren prächtigen Fahnen vorüber, überall empfangen mit einemGut Heil". Hier war der Gießener Zitherclub in den Zug eingereiht, dem der MitteltaunuS-Gau mit den Turnern von Bierstadt und Rarnbach folgte. Der folgenden schönen Gruppe, der Gießener Rudergesellschaft, schritt das zweite Musikcorps vorauf. Die Rudergesellschaft, die sich von jeher durch geschmackvolle Arrangements bei Festzügen auszeich­nete, führte ebenfalls einen Prunkwagen, darstellend ein Schiff, mit sich. Auf dem hohen Deck thronte die Jdealgestalt unserer heimischen Ruderer, dieLahn", umgeben von Ruderern, Najaden, Wassernixen. Das Ganze wurde wirkungsvoll gehoben durch Wassergewächse, während durch sehr geschickte Drapirung daS Element der Ruderer, das Waffer, zur Dar» stellung kam. Jetzt kamen die Turner des Unter-Mosel- GaueS: Arzbach, Coblenz, Coblenz-Lützel, Oberlahnslein, Pfaffendorf, ferner diejenigen vom Rhein-Mosel-Gau: Bendorf, Coblenz (Turn-Gesellschaft), Neuwied, Niederbieber. Hoch zu Roß folgte in prachtvollem Costüm ein Herold in Begleitung zweier Landsknechte als Vortrab, der Prunkwagen des Gießener Schützenvereins. Terraffenartig arrangirt zeigte er die ver­schiedenen Zeitalter der Jagd und der Schützen. Hoch oben, da lagert der Urmensch aus der Steinzeit mit Steinaxt und Steinlanze, sich des erlegten Bären freuend. Die zweite Figur zeigt den vorgeschrittenen Germanen mit dem schweren Bronzespeer auf der Elchjagd, dann kommt das Mittelalter, der Edelknabe, mit dem Falken die Jagdgesellschaft erwartend. Die nächste Figur stellt den früheren deutschen Schützen dar, der vom Schützenfest stolz die erschaffene goldene Kette heim­bringt. Zum Schluß sitzt der moderne medaillengeschmückte Schütze am Tische und beachtet den erschaffenen silbernen Becher. Der Wagen selbst ist geschmackvoll mit Tannen und Blattpflanzen, mit Emblemen der Jagd und Schützen geschmückt, er wird eScortirt von Piqueuren, gefolgt von einer Hunde- meute. Die nächste Turnergruppe, der Saar-Blies-Gau, ist schwach vertreten, er wird dargeftellt durch die Vereine Bürbach, Heiligenwald, Malftatt, Neunkirchen, St. Johann- Saarbrücken, St. Wendel, sein Nachfolger, der Unter-Nahe- Gau durch die Turner von Kreuznach und Oberingelheim. Gärtnerisch großartig arrangirt erscheint mit dem Gießener Radfahrverein dessen Prunkwagen, er ist dicht besetzt mit Radlern in ihrer kleidsamen Tracht. Die Thatsache, daß die Provinz Rheinheffen im Derhältniß zur Zahl ihrer Turn­vereine schwach vertreten war, hatte die Zuschauer und Zuschauerinnen nicht abgehalten, den Turnern aus Rheinheffen einen stürmischen Empfang zu bereiten, sie trugen wohl mit die meisten Blumenspenden davon. DieDereine von Alzey, Bingen, Mainz, Osthofen, Worms und von einem DutzendHeimen", als da sind: Als-, Buden-, Bretzen-, Gonsen-, Gaualges-, Heimers-, Kost-, Ober-Jngel-, Schims-, Unden-, Wallert­heim, Kastel marschirten, dabei daS Trinken nicht ver­

stimmen in ein dreifachesGut Heil" auf die Behörden. DaS vierteGut Heil", ausgebracht von Herrn Stahl- Offenbach, galt der Gießener Turnerschaft und deren Damen

Es wechselten nun in bunter Reihenfolge Concert und Gesänge mit den turnerischen Aufführungen, von denen be­sonders die Leiterpyramiden und die Stabübungen der Damenriege großen Beifall ernteten. ES dauerte lange, ehe sich die vollbesetzten Pllätze etwas lichteten und bis zum frühen Morgen, ehe die letzten Festgäste die Halle verließen.

Die Kühle deS Abends kam den übrigen Wirthschaften auf dem Festplatze allerdings wenig zu statten- immerhin war auch außerhalb der Festhalle, besonders auf dem Jux­platz, das Treiben ein regeS. Trüb, wie die vorher­gehenden Tage, begann auch der Sonntag und die Besorgniß, daß das Fest durch Regen gestört werden könnte, wuchs, als im Laufe des Vormittags die Temperatur etwas stieg. Mit den schmetternden Klängen eine»Weckrufes", auSge- führt von Musik und Spielleuten unseres 116. Regiments, wurden die Bewohner Gießens und ihre bereits eingetroffenen Gäste begrüßt, begrüßt aber auch kurz darauf die nunmehr in Hellen Schaaren zu Fuß und mittelst meist überfüllten Eisenbahnzügen eintreffenden Turner und sonstigen Festgäste. In langen Zügen, theils mit Musik oder flotten Trommler- corps an der Spitze, rückten die Vereine ein und gegen 11 Uhr wimmelte es im Innern der Stadt förmlich von Festbesuchern. Gegen 11 Uhr ordnete sich der große Fest- zug, Hunderte von Vereinen mit ihren Fahnen rückten ~ -- " - w der Grünberger,

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Nachdem da sahien, erwiesen die der Bierwirt noch nicht milthe braucht wurde, n mitgiikder soll de dreien sein. Die 10000 stützen. Z 8n)ü6l ton Ausw! sehr groß. Besw Wartung der Pu ^iammengedriingt Turnerei hatte. ! ibmacht der anfirei ssch lange auf sich

Nachstehend t WeMurnrnS mit 19 2, - 2) fr. Heimer Tnrngem ö) Giebener T k) Sachsenhaus, hausenrr Turnvei 9) franlfurter 2 °°d Fechtttub 16 12) Lahnstein 16 i ®ontn: 1) ffa Turngemeinde 18

Das 22. Mittelrheinische Kreisturnfest.

Endlich, nach langen arbeitsvollen Vorbereitungen, ist das lange besprochene 22. Mittelrheinische Turnfest heran­gekommen. Die Feststadt Gießen, lange darauf bedacht, ihre Gäste würdig zu empfangen, hat^ sich in ein Festkleid geworfen, welches ist würdig des Kreises, dessen Turner sie während einiger Tage bewirthen soll. Bis in die entlegensten und kleinsten Straßen hinein prangen die Häuser in Fahnen, Guirlanden und Tannenschmuck. Die vom Bahnhofe aus angelegte via triumphalis hatte in der Bahnhofstraße Fort­setzung gefunden durch eine Tannenallee, die sich bis zur Eaplansgaffe hinzog. Zahlreiche Guirlanden, behängt mit Wappen und Sprüchen, überspannten die Straßen, und p ächtige Fahnen senkten sich auf die Vorübergehenden her- r^ber. Wir können selbstverständlich nicht den Schmuck jedes Hrnses eingehend beschreiben, begnügen uns vielmehr damit, zu constatiren, daß besonders das Innere der Stadt Decora- tionen aufwies, die ungemein gesielen. Tausende fleißiger Hände regten sich in den letzten Tagen und waren noch thätig, als bereits die ersten Gäste am Samstag Mittag sich c nftellten. Die NachmittagSzüge brachten bereits zahlreiche Turner, die am Bahnhof herzlich empfangen und mit Musik­begleitung nach der Stadt geleitet wurden. Wer jetzt nicht mehr an die Arbeit gefesselt war, machte sich auf, Um nach einem Gang durch die festlich geschmückte Stadt seine Schritte nach dem Feftplatze zu lenken, wo noch die letzte ordnende Hrnd angelegt wurde. Der Festplatz macht, vom Eingangs- t^npel aus gesehen, mit der großen Festhalle im Hintergründe, einen herrlichen Eindruck, und wenn man vom Thurmbalkon aus den Festplatz überschaute, war man erstaunt, waS hier in verhältnißmäßig kurzer Zeit geschaffen worden. Am SamStag Abend wurde in der prächtig decorirten Festhalle das 22. Mittelrheinische Turnfest offiziell eröffnet, und wer den Menschenstrom beobachtete, der sich in die Halle ergoß, fragte sich unwillkürlich, wohin alle Diejenigen sollten, die der Hauptfestlag, der Sonntag noch bringen wird, denn die Halle war bis auf den letzten Platz besetzt. H-rr Beigeordneter Georgi bestieg, nachdem die Feier durch einen Turner­marsch unserer Regimentsmusik eingeleitet, das Podium, um im Namen der Stadt (in Vertretung des zum allgemeinen Bedauern durch Erkrankung verhinderten Oberbürgermeisters) und des FeftausschuffeS die Gäste zu begrüßen. Herr Georgi hielt folgende Ansprache:

Hochgeehrte Festgenossen, Turner und Turnfreunde!

Ich habe die Ehre, Ihnen den ersten Gruß in dieser festlich ge­schmückten Halle zuzurufen, und zwar habe ich Sie in doppelter Eigenschaft als Vertreter und Beauftragter der Stadt Gießen und als Vorsitzender des Festausschusses für das 22. MittelrheiniVe Turnfest zu begrüßen. Die erste Begrüßung der Feststadt gedachte Ihnen unser verehrter Herr Oberbürgermeister entgegenzubringen, leider ist er aber durch Krankheit daran verhindert und bitte ich Sie deshalb, von mir, einem seiner Vertreter in der städtischen Ver­waltung, den Willkommenruf der Feftstadt entgegenzubringen. Unsere Stadt hatte schon dreimal den Vorzug, daS Turnfest des Mittelrhein­kreises in seinen Mauern feiern zu dürfen und zwar in 1861, 1874 und 1883. Die Bewohner der Stadt Gießen haben der Turnerei stets warme Sympathie entgegengebracht, hiervon legten die früheren Veranstaltungen günstiges Zeugniß ab. Man begrüßte eS, indem man der früheren Feste gedachte, deshalb mit aufrichtiger Freude, als die beiden hiesigen Turnvereine mit den Vorbereitungen für das diesjährige Mittelrheinische Turnfest betraut wurden und spreche ich im Namm der Feststadt Gießen und ihrer Bewohner die Hoffnung aus, daß sich unsere Gäste diesmal so wohl hier fühlen werden, wie es bei denjenigen der Jahre 1862, 1874 und 1883 nach ihren Ver­sicherungen der Fall war. Wenn ich mich nun in meiner zweiten Eigenschaft als Vorsitzender des Festausschusses an Sie wende, so darf ich der Versicherung Ausdruck geben, daß der Festausschuß, unterstützt von der ganzen Einwohnerschaft Gießens, Alles aufgeboten hat, die Feier so wohl vorzubereiten, daß sie gewiß geeignet sein wird, dazu beizutragen, die Turnvereine in edlem Wettkampfe werk- thätig zu fördern. Es hat aber auch nicht vergessen, gebührende Vorsorge für geeignete Festfreude zu treffen. So wollm wir denn einen frisch - fromm - fröhlich freien Verlauf des 22. Mittelrheinischen Turnfestes, welches ich hierdurch als eröffnet erkläre, erhoffen, und lade ich Sie ein, daraufhin mit mir auSzurufenGut Heil!"

Hierauf nahm Herr Kreisvertreter Rothermel das Wort, um dem Vorredner Namens der Turnerschaft deS Mittelrheinkreises zu danken; die Begrüßung Seitens der Stadt und des Ausschusses hätten den Turnern wohlgethan, sie seien zwar gewohnt, Überall gut empfangen zu werden, aber der Empfang in Gießen hätte ihre Erwartungen über­troffen. - Stadtvertretung, Turnvereine und Bürgerschaft Gießens hätten Alles gethan, den Turnern des Kreises ein schönes Fest zu bereiten, dafür gebühre der Feststadt Gießen Dank- er bitte deshalb Alle, das Glas zu erheben und ein- zustimmen in ein dreifachesGut Heil" auf die Feststadt Gießen. Herr Realgymnasiallehrer Dr. Pitz sprach hierauf Namens der Gießener Turnvereine; er wies auf die noch nicht sehr lange hinter uns liegende Zeit hin, wo die auf die Einigung unseres deutschen Vaterlandes gerichteten Bestrebungen von Burschenschaften und Turnern und daS Tragen des schwarz-roth-goldnen Banners verboten waren und verglich damit den Umschwung, den bis auf den heutigen Tag die Ansichten über die Turnerei genommen und die Fortschritte, welche die Turnerei selbst gemacht habe. Die Stadt Gießen im Verein mit ihren Behörden, jeher eine Pflegstätte der Turnerei, habe den Festausschuß tn seinen Vorbereitungen unterstützt, so daß ein Fest gefeiert werden konnte, wie eS sich heute zeigt. Der Festausschuß habe ihn beauftragt, hierfür den gebührenden Dank abzustatten, er fordere zum

gessend, flott im Zuge. Unter den Klängen eines Marsche- der 115er schritt die von den Vereinen Concordia, Männer gefangnerem, Liederkranz, Harmonie, Bürgergesellschaft, Bauer'scher Gesangverein, GemÜthlichkeit, Heiterkeit und Sängerkranz repräsentirten Gießens Sängerschaft einher. Ihr Prunkwagen gab der Verherrlichung von Wein, Weib und Gesang, durch BachuS, eine Bachantin, die heilige Cäc'lia und durch Minnesänger, Ausdruck - ein Herold ritt dem schön mit Blumen, Reben und Trauben geschmückten Wagen borauf. Der Main-Gau, in welchem besonders die alt­berühmte Hanauer Turnersckast sehr stark vertreten war, folgte mit den Vereinen Bruchköbel, Bergen, Bffchossheim, Dörnigheim, Fechenheim, Gelnhausen, Groß-Krotzenburg, Klein-Steinheim, Keffelstadt, Langendiebach- der Mittel- Mosel-Gau war durch Trier vertreten. Einen un­streitig vortheilhaften Eindruck machten die Gießener Bäcker, die in schmucker Arbeitstracht, weißer Jacke und Schürze, einen prächtigen blau und weiß decorirten Prunkwagen m't sich führten. Bäcker, Landleute, Müller fanden auf dem Wagen hübsche Darstellungen, und die Erzeugniffe deS Bäcker­gewerbes, u. A. ein riesiges Brotlaib und dto. Bretzel fanden, wie das Gesamrntarrangement selbst, viel Beifall. Ein eigenes Musikcorps hatte sich der Gau Frankfurt geleistet - die Frankfurter Vereine waren in starker Anzahl m't einem Extrazug nach Gießen gekommen- ihm hatten sich angeschlossen die Turner von Bornheim und Sachsenhausen (unter den letzteren glaubten wir Humpen mit Hohenastheimer die Runde machen zu sehen, was bewies, daß die Turner der Main-Städte selbst in derFremde" nicht von ihremAeppelwei" lasten können).-Wieder kündigte Musik eine weitere Gruppe an, es folgten in der Stärke von über 100 Mann die Wiesbadener Turner, die Turner des Lahn-Dill-GaueS aus Dillenburg, Ems, Herborn, Hachenburg, L'mburg, Weilburg und schließlich mit strammen Schritt der Gießener Kriegerverein. Die in der nächsten Gruppe mitgeführten riesigen Flaschen und Fäßchen edlen Rebensaftes verriethen sofort, woher diese Turner kamen. Wir hatten die Rheingauer vor uns, und wer die Namen Biebrich, Caub, Erbenheim, RüdeSheim, Schierstrin, Sonnenberg, Winkel u. s. w. kennt, weiß, wo Barthel den Most holen kann.

Lebhaft an die vergangenen Kieler Festtage erinnerte uns die folgende Gruppe, dargestellt von dem Marine-Verein.- Ein so stattliches, wohlarmirteS und stark besetztes Kanonen­boot dürfte Gießen wohl noch nie paffirt haben. Fürchterlich drohend nahm sich der Schlund eines schweren Geschütze- aus, während die Mannschaft, alte erprobte Marinesoldaten, klar zum Gefecht, in ihren Mienen auszudrücken schienen, daß sie auch in der Seestadt Gießen unter allen Umständen die deutsche Flagge hochhalten und schützen wollen. Mit Volldampf voraus gelangte das Schiff unter geschickter Führung und Steuerung durch alle Straßen. Die nächste Turnergruppe repräfentirte den Gau Offenbach-Hanau mit den Vereinen Bieber, Bürgel, Dietersheim, Groß Steinheim, Haufen, Heusenstamm, Hanau, Mühlheim, Neu-Isenburg, Offenbach, Obertshausen- als Zwischenglied zwischen diesem Gau und dem Main-Rhein-Gau folgte der Gießener Zither­kranz, darauf die Vereine Aschaffenburg, Arheilgen, Bestungen, Darmstadt, Eberstadt, Erbach, Sprendlingen. Der akademische I Turnverein Darmstadt erschien in Wichs. Unter Vortritt eines Mufikchors folgte der Gau Hessen, von dem nur wenige Vereine fehlten. Es waren erschienen die Turner von Wetzlar, Alsfeld, Bad-Nauheim, Biedenkopf, Büdingen, Butz­bach, Frankenberg, Gedern, Großen-Linden, Grünberg,. Heuchelheim, Homberg a. d. Ohm, Hungen, Kirchhain, Klein- Linden, Krofdorf, Laubach, LaunSbach, Lauterbach, Ltch§ Lollar (letzterer Verein war in der Liste der vorigen Nr. irr-» thümlich bergeff en worden), Marburg, T.-V. und Acad. T.-B., Nidda, Rodheim, Schlitz, Schotten, Wieseck, Wölfersheim. Der Verein Wetzlar führte einen reichen Damenflor und einen von diesem gespendeten RiesenstraußUnserem Gau Hessen gewidmet" mit sich- diese Widmung fand allenthalben ver­dienten Beifall. Den Schluß deS FestzugeS, der einen Wegr von ca. 7 Kilometern zurücklegen mußte und P/a Stunden dauerte, über 150 Fahnen mit sich führte, bildeten, ebenfalls unter Musikbegleitung, die beiden in starker Anzahl auf­tretenden Gießener Turnvereine.

Der Zug war, wir wiederholen eS, prächtig, er konnte sich so schön entwickeln, weil das Wetter dazu wie geschaffen war, und er gerieth nur ein einziges Mal in kurzes Stocken, weil das Ende desselben den Kreuzplatz noch nicht passirt hatte,, als die Spitze des Zuges bereits wieder auf dem Kreuzplatz eintraf, es umfaßte also der Zug daS Stadtgebiet, CaplanS- gaffe, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankurterstraße, Selters­weg, und dürfte demnach die Theilnehmerzahl mindestens auf 4000 bis 4500 zu schätzen sein.

Nach dem Eintreffen deS FestzugeS auf dem Festplatze trat eine kurze Pause ein, um nach dem langen Marsche die Einnahme einer Stärkung zu ermöglichen. An den dann folgenden Freiübungen, unter Leitung des Herrn Heid ecker. Wiesbaden, nahmen ca. 1000 Turner Theil. Als die Auf- stellung beendet, betrat der Vorsitzende des Festausschusses, Herr Beigeordneter Georgi, das Podium und hielt an die Versammelten folgende Ansprache:

Turner!

Nachdem Ihr in herrlichem Zuge durch die festlich geschmückte Stadt zu diesem prächtig hergerlchteten Turnplatz geleitet worden, fühle ich mich als Vorsitzender deS Festausschusses für das zwei- undzwanzigfte mittelrheinische Turnfest zunächst verpflichtet, allen Denjenigen, welche dazu beigetragen haben, diesen Feftzug so schön und herrlich zu gestalten, den wärmsten Dark auözudrücktw ES gilt dieser Dank unseren hochverehrten Herren Ehrenvoi sitzenden, den verschiedenen Eorporationen und Vereinen, wie nicht minder allen Einzeltheilnehmern. Die große Betherligung an diesem Festzuge zeigt recht deutlich, welch warme Sympathien der Turnerei au« allen Schichten unserer Bevölkerung entgegengebracht werden. Die Turnerei verdient es aber auch, und zwar verdient sie nicht allein gepflegt, sondern auch immer mehr erweitert zu werden, auf den beschrittenen Bahnen mit Eifer fortzufahren. Schon im zarten KindeSalter sucht die Schule die Heranwachsende Jugend durch fleißiges Zürnen z» kräftigen, denn man Hai längst erkannt, daß bei den großen An­forderungen, welche unsere rasch lebende Zeit des Dampfes unb bet

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